Ein Beitrag zur Vernunft von Herrn Brezner

Ohne Kommentar meinerseits:

Zweimal Damokles, zwei Epigramme, ein Gedanke

Werner Finck (1945)

Am seid’nen Faden hing ein Schwert,
Sich auf mein Haupt zu laden.
Glaubt ihr, dass mich das Schwert gestört?
Mich schreckte nur der Faden.

Erich Kästner (1945)

Schau prüfend deckenwärts!
Die Nähe des möglichen Schadens
Liegt nicht in der Schärfe des Schwerts,
Vielmehr in der Dünne des Fadens.

Blick zurück in den Zorn (oder: Kernschmelze des Vertrauens)

Anfang 1987 fand der damals frisch eingestellte Geschäftsführer der Hanauer Atomfirma „Transnuklear“, Hans-Joachim Fischer, falsche und überhöhte Abrechnungen der Abteilung „Radioaktive Abfälle“ auf. Fischer erstatte Anzeige wegen Veruntreuung von Firmengeldern. Im April 1987 begannen die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ende 1987 erreichte der Skandal für nicht möglich gedachte Dimensionen. Kontaminierte Abfälle mit den radioaktiven Elementen Kobald 80 und Plutonium waren in Fässern als harmlosere Abfallstoffe deklariert worden. Diese Umdeklarierung hatten sich mehrere Mitarbeiter der Hanauer Firma „Transnuklear“ sehr gut bezahlen lassen. Fünfzehn Millionen D-Mark Schmiergelder sollen es gewesen sein.
Anfang Dezember tauchten dann die ersten falsch deklarierten Fässer bei der Preussag in Hannover auf. Immer mehr falsche Lieferungen wurden im Dezember letztendlich bei anderen Firmen entdeckt. Am Ende waren es 1942 Fässer. Kurz vor Silvester ’87 hatte der Skandal seinen Höhepunkt erreicht.

Die Firma SIEMENS war dabei im Atomdorf bei Hanau für ca. eine Milliarde D-Mark, eine Anlage zur Produktion von Mox-Brennelementen zu errichten. Das brisante dabei war, dass in Mox-Brennelemente das nach dem Höllenfürsten Pluton benannte Plutonium eingebaut wird. Mox-Brennstäbe bestehen aus einem Uran-Plutonium-Mischoxid.
Das Brennelementewerk sollte das bei der dort ebenfalls geplanten Wiederaufarbeitung von Brennstäben anfallende Plutonium zu MOX-Brennelementen verarbeiten. Die SIEMENS stellte die Anlage zwar fertig, konnte sie aber nie in Betrieb nehmen und verzichtet 1995 komplett auf die Pläne zur Inbetriebnahme.

Zuvor positionierte sich SIEMENS mit seinen Plänen bereits, nachdem sie im Umfeld des Hanauer Bestechungskandals ahnte, dass deren Pläne zum Umsetzen der Anlage problematisch werden würden.
Der Super-Gau von Tschernobyl aus dem Jahr 1986 war noch frisch in Erinnerung. Im September 1988 wurden 100 Eisenbahnwaggons mit Cäsium 137 verstrahlter Molke bei Rosenheim aufgefunden. Die Süßwarenfirma Ferrero stellte ihre Bewerbung deren Produkt „Ferrero Rocher“ mit dem Werbezusatz „mit Bizantiner Königsnüssen“ ein, denn nachdem die Bevölkerung mitbekam, wo Byzanz lag und wie es mit der Kontaminierung u.a.a. von Haselnüssen damals generell aussah.

Der im September 1998 gestorbene SIEMENS-Vorstandsvorsitzende Karlheinz Kaske sprach am 2. Februar 1988 in einer Münchener Pressekonferenz über den damaligen Skandal bei den Hanauer Atomfirmen. Zu einer möglichen Gefährdung durch falsch deklarierte Atommüllfässer meinte er:

„Nur 0,2 Milligramm Plutonium war in den Fässern. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“

Vielleicht hatte Karlheinz Kaske den damaligen Bayerischer Staatsminister für Umweltfragen Alfred Dick (CSU) als Vorbild. Dieser hatte im September 1988 medienwirksam einen Teelöffel Molke, welche mit Cäsium 137 belastete war und aus den 100 Rosenheimer Eisenbahnwagon stammte, vor laufender Kamera gegessen und dessen angebliche Ungefährlichkeit mit den Worten „Des tut mir nix!“ kommentiert.

Nur, hätte der Atom-Gourmet Kaske das gleiche mit einem Teelöffel Plutonium verseuchten Lebensmittel getan, ihm wäre ein Staatsbegräbnis sicher gewesen. Seinen Worten des „auf der Zunge zergehen lassen“ folgten keine Taten.
Ein Milligramm Plutonium strahlt mit 2,5 Millionen Becquerel. In Konsequenz nach den Strahlenschutzverordnungen Deutschlands hätte dann aber die Aussegnungshalle als „radioaktiv“ und der Friedhof als „strahlengefährdetes Gebiet“ gekennzeichnet werden müssen. Mit 0,2 Milligramm Plutonium lassen sich langfristig 5.000 Menschen in Gräbern befördern, welche dann für die nächsten 100.000 Jahre Sperrgebiet wären. Das würde sich niemand einfach mal so auf der Zunge zergehen lassen, wie es der damalige SIEMENS Vorstandsvorsitzende Kaske lächelnd in die Kameras verkündete.

Die Bemerkung von Karlheinz Kaske war damals von den Medien als Beruhigungsmittel gedacht gewesen. Die Bemerkung fiel in einer durch die Hanauer Atomfabriken „Nukem“ und „Alkem“ aufgeregten Athmosphäre. Und, sie wirkte. Die Bevölkerung war beruhigter.

Jetzt wurde in der Umgebung von Fukushima Spuren von Plutonium nachgewiesen. Spuren von Plutonium. Wer möchte sich diese auf der Zunge zergehen lassen?

Vielleicht könnten sich diejenigen freiwillig zum Kernbrennstäbe putzen melden, welche jetzt meinen, dieser Fund wäre unbedenklich. TEPCO sucht sicherlich noch paar Freiwillige in Schutzanzügen, die deren schmelzende Brennstäbe runterkühlen … .

Quelle des Zitats von Karlheinz Kaske: „Süddeutsche Zeitung“ vom 3.2.1988, Nr. 27

Ein wichtiger Hinweis

Ein guter Artikel.
Ein sehr guter Artikel.
http://tautenhahn.blog.de/2011/03/26/woche-zeichen-krisen-10894220/
Vielleicht macht er ohnmächtig. Aber er steht in der (jungen) Tradtion (?) von Stéphane Hessel Buchs „EMPÖRT EUCH“.
Der Autor des Artikels mag streitbar sein und nicht immer stimme ich ihm zu, aber dieser Artikel gebührt meine Empfehlung.

Gedanken von mir dazu finden sich hier:
http://tautenhahn.blog.de/2011/03/26/woche-zeichen-krisen-10894220/#c15386198
Aber es sind nur wenige Gedanken zu einem so guten Artikel.
Danke, Andre.

Meine Buchempfehlung: What Every Man Thinks About Apart From Sex

So heißt das Buch, das ich an dieser Stelle dem geneigten Leser trivialer aber tiefgründiger Literatur vorstellen möchte. Die englischsprachigen Autoren Sheridan Simove und Shed Simove haben über eines der unergründlichsten Themen geschrieben: „An was jeder Mensch denkt, abgesehen vom Sex“.

Um es kurz zu machen, das 200-seitige Buch ist binnen einer Minute zu lesen. Trotzdem erzählt es alles, was der wissbegierige Leser dazu wissen möchte und nie zu fragen wagte. Obwohl es einen provokanten Titel hat, lässt sich das Buch überall problemlos lesen: im Kino, vor der zwischen Börsenbericht und Tagesschau, während der Halbzeitpause eines Fußballspiels, beim Umdrehen der DVD „Sex and the city“ für die eigene Frau, ja selbst kurz vor einem katholischen Gottesdienst lässt sich das Buch schnell durchschmökern.

Der Grund dafür ist einfach und verständlich: Die Seiten des Buchs sind alle leer. Unbedruckt. Zweihundert Seiten tiefgründigster Abhandlung über die Gedankenwelt der Menschen jenseits von Sex auf leeren Seiten. Das sagt alles.

Und der Preis liegt bei umgerechnet 9,99 Euro. Für 200 Seiten ein Schnäppchen. Beim deutschen Amazon hat das Buch zwar nur Platz 161 der englischsprachigen Bücher inne. Jedoch beim britischen Amazon-Buchhandel belegt das Buch bereits Platz 146 der totalen Bestseller-Liste (4,5 Sterne).

Zur besseren Einordnung dieser statistischen Angaben für den Leser:
Thilo Sarrazins Buch belegt bei Amazon UK den Bestsellerplatz 38,233 und kostet dafür dort in der Hardcover-Ausgabe das Doppelte (wohl weil es doppelt so viele Seiten hat), die dann auch noch tatsächlich beschrieben sind. Eine Leseprobe als Vergleich mit dem Buch von Sarrazin zeigt, das Buch von Sheridan Simove und Shed Simove liest sich einfacher und hat genau die gleiche gedankliche Höhe wie bei Sarrazin.

Ergo: Klare Kaufempfehlung für Leute, die eine besser lesbare Version von Sarrazins Buch.

Für Freunde des wortlosen 200-seitigen Buches über die Gedankenwelt der Männer, hier ist der Link zum Bestellen bei Amazon-UK
What Every Man Thinks About Apart From Sex
und bei Amazon-Deutschland
What Every Man Thinks About Apart From Sex

Wenn der Wind weht

“Ich kann heute nicht erkennen, dass unsere Kernkraftwerke nicht sicher sind, sonst müsste ich ja mit meinem Amtseid sie sofort abschalten,” sagte heute die Kanzlerin Angela Merkel.

Wie versprach sie noch den Bürgern am 6.9.2010, nachdem die Laufzeitverlängerung als mit dem absurden Begriff dieser als „Revolution in der Energieversorgung“ den Medien verkauft wurde:
„… dass die Unternehmen auch in den nächsten Jahren noch erhebliche Summen in die Sicherheit investieren müssen. Denn Sicherheit geht vor und wir haben heute schon die sichersten Kernkraftwerke der Welt.“

Die WDR-Sendung Monitor berichtete am 9.9.2010 unter dem Titel „Bundesregierung will Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke senken“ folgendes:
„Denn laut Bund-Länder-Liste müssen wichtige Nachrüstungen erst mittel- bis langfristig erfolgen. Beispiele: Die Vergrößerung der Flutbehälter, wichtig, für den Fall, dass das Kühlsystem des Reaktors ausfällt. Auf die lange Bank geschoben, ebenso die Trennung redundanter Sicherheitseinrichtungen. Also Systeme, die im Notfall unabhängig voneinander funktionieren sollen. Später vielleicht. Und auch der Austausch der Rohrleitungen. Laut Papier nicht so dringlich.“

Wie gut, dass die Flutbehälter nicht groß genug sind, dass Notsysteme offensichtlich voneinander abhängig sind und dass die Rohrleitungen auch nicht mehr dem aktuellen Standard entsprechen.

Wetten, dass Frau Merkel auch morgen mit ihrem Amtseid die AKWs nicht abschalten wird?
Denn an sich ist das ja nicht wichtig. Angesichts der sich materialisierten „worst case“-Szenarien im japanischen AKW „Fukushima-1“. Denn der Wind bläst ja momentan gen Pazifik.
Und alles ist gut …

… ob ich noch meine bereits geplante Dienstreise nach Japan antreten darf? …

Wie erkennt man einen Terroristen?

Was man schon immer wissen wollte, aber nie zu fragen wagte.
Politiker wissen jetzt schon ganz genau, wie man Terroristen erkennen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=mSaNMDLrd04 :

Also, Leute, im Winter nur in Badehose ungebräunt sich einem Bahnhof nähern, denn dann ist man unverdächtig …