Der kleine, kulturelle Unterschied

Currywurst in Berlin:
„Einmal Currywurst, bitte.“
„Mit oder ohne Darm?“

Currywurst in München:
„Einmal Currywurst, bitte.“
„Mit Senf oder mit Ketchup? Curry steht neben Ihnen.“

Aufi, aufi, aufi!

Ein sonniger Tag, wie gemacht für Klettertouren:

Baumkletterer

Modern Life – Kaffeehausgeschichte

»Was trinkst du? Limo?«
»Mit Eis ohne Zucker.«
»Schön. Wie schmeckt sie?«
»Kühl.«
»Sonst nichts?«
»Zitronig.«
»Und?«
»Null Kalorien, voller Geschmack, persilsauber.«
»Ich merke, die Werbeindustrie ist bei Dir verwurzelt.«

Kofferhoffer

„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“
„Wieso?“
„Denk dran, nur mit einem speziellen Sicherheitsschloss, dem TSA-Schloss, darfst du deinen Koffer verschließen.“
„Hab ich gekauft.“
„Die Zöllner haben das Recht deinen Koffer zu durchsuchen.“
„Ich weiß, Kollegen wurde dann ein Zettel im Koffer gelegt, dass sie ihn geöffnet hatten.“
„Bei mir nicht.“
„Nicht?“
„Die haben mein Schloss mit einem Bolzenschneider durchknipst haben. Und dabei noch eine Reissverschlusslasche von meinem Koffer abgerissen.“
„Dann war es kein TSA-Schloss.“
„Es war aber ein entsprechend der Norm gekennzeichnetes.“
„Du konntest ja reklamieren.“
„Hab ich. Die Fluggesellschaft meinte, dass, wenn es abgeknipst wurde, das Schloss garantiert kein normiertes TSA-Schloss war. Also wäre es mein Verschulden.“
„Und der Zoll?“
„Sagte, dass sie keine Schlösser aufknipsen, ohne nachher einen Zettel reinzulegen, dass mein Koffer geöffnet worden wäre. Also ohne Zettel, kein Anspruch, weil auch nie von denen geöffnet wäre.“
„Hm.“
„Beim nächsten Flug war mein niegelnagelneues TSA-Schloss wieder beschädigt.“
„Aufgeknipst?“
„Die komplette Ummantelung des Schloss war weg. Das Schloss lag blank, leicht zu öffnen.“
„Zettel?“
„Keiner.“
„Fluggesellschaft?“
„Eindeutig eine Beschädigung durch den Zoll.“
„Zoll?“
„Kein Zettel, keine Inspektion passiert. Unschuldig.“
„Sympathisierst du mit dem oppositionellen Staaten? Hast militärisches Hoheiten gar in Frage gestellt?“
„Die Sicherheitsbehörde hat alle meine Daten vor meiner Einreise bereits zur Durchsicht erhalten. Sie konnten sich ein umfassendes Bild von mir verschaffen.“
„Nazi? Oder direkter Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte?“
„Nichts von alledem. Bereits zu DDR-Zeiten wurde ich von den Sicherheitsbehörden durchleuchtet. Die wollten auch alles wissen. Sogar, was in meinem Koffer war. Ob ich deren Staatssicherheit gefährden würde. Bis in die letzte mitgeführte, beschriftete Papierseite.“
„Die DDR war eine Diktatur. Unrechtsstaat. Paranoid wie jede Diktatur. Für die war jeder Mensch ein Gefährder.“
„Ich weiß.“
„Die USA ist das nicht. Lediglich auf ihre Sicherheit ihrer Bürger bedacht. Es gibt zu viele unverdächtige Schurken, die gefährlich sein könnten. Sie muss vorsichtig sein. Dafür müssen wir auch selber mal Opfer bringen. Und TSA-Schlösser kosten ja nicht die Welt.“
„Wann fliegst du?“
„Morgen.“
„Na dann viel Spass.“

Blog-Konjugation

Ich schreibe.
Du schreibst.
Er/sie/es schreibt.
Wir schreiben.
Ihr schreibt.
Sie schreiben.

Mathematische Konjugation:
1/q + 1/p = 1. Insbesonderes, wenn q=p=2 ist.
Der eine schreibt die Hälfte, der andere kommentiert die andere Hälfte.
Ein ganzes entsteht, wenn beide nur die eigene Hälfte einsteuern.
Konjugation der Pantoffeltierchen.
Konjugation im Internet.
Social media blogging.
Schreibe ich, schreibst Du.
Schreibt er/sie/es, schreiben wir.
Ihr schreibt, sie schreiben.
Wer schreibt, der bleibt.

Konjugation der Blogger-Welt.

Menschen sind halt so, da kann man gar nichts machen

Wenn der hauchzarte Schmelz über dem darunter Gefestigtem sich mit dem lieblichen Tageslicht in bunten Reflexen mischt, wenn sich das darunter knackige Verborgene aufleuchtend wie die krosse Schicht einer goldbraunen Crème brûlée präsentiert, dann befinden wir uns nicht in einem 5-Sterne-Restaurant und auch nicht bei den vielen Restaurant-Missionaren der Privatsender sondern schlichtweg auf der Straße.
Der Schnee taut weg und es kommen die stolzen Hinterlassenschaften der Hundesteuer-Zahlenden hervor.

Dann beginnen die Tänze der Fussgänger, die sich wünschten, sie hätten ein Hundehäufchen-Warngerät bei sich. Einen Tretminenwarner. Oder der betreffende Hundesteuer-Zahlende käme vorbei und würde kulant einem die verbraunten Schuhe säubern. Dass sich Herrchen oder Frauchen um die Reste von deren verfütterten Chapi, Morgensalami oder die Reste vom Schweinsbraten mit Kartoffelbrei, Erbsen und Möhrchen kümmern, scheint nur eine Tugend der schneefreien Zeit zu sein.

Okay, das war jetzt pauschalierend und gemein. Dem besten Freund des Menschen gegenüber. So etwas böses jenen einfach so anzuhängen. Denn es ist ja schließlich nicht bewiesen, dass solche Herrchen oder Frauchen nicht selber in den Schnee gekackt hatten und das verschämt schnell mit Schnee zugedeckt hatten, während Hundchen sich schämend abgewendet hat und schnell danach weiterging.

Denn wir alle wissen ja, Menschen sind halt so.
Da kann man gar nichts machen.
Außer Steuern zahlen.

Guten Appetit.

Der psychedelische Tunnel

Flughafen Detroit 2

Am Flughafen von Detroit gibt es eine Verbindung zwischen den Terminals. Durch diesen Tunnel laufen jeden Tag unendlich viele Flugreisende. Das Besondere ist hierbei, dass der Tunnel durch eine Licht-Musik-Show illuminiert wird. Viele hetzten über die Laufbänder von einer Flugverbindung zur nächsten durch den Tunnel. Es wirkt surreal. Es hat ein wenig davon, als ob Jean-Michel Jarre eine Show-Bühne erhalten hätte.

Flughafen Detroit 1

Es gibt die Reisenden, welche die Laufbänder nutzen und dann die, welche sich die Zeit nehmen durch die Mitte des Tunnels zu gehen. Oder die sich fast fünf Minuten lang auf den Laufbändern durch den Tunnel transportieren lassen. Und jeder der Fußgänger oder Laufbandnutzer ist umgeben von dem Wechselspiel der Lichter und der psychedelischen Musik.
Aber alles wird untermalt durch die Rollen der Koffer, welche auf den geriffelten Laufbändern ein Sirren erzeugen. Je höher dieses Sirren ist, desto eiliger hat es der Kofferbesitzer. Und häufig werden die Laufbänder als Geh-Beschleuniger genutzt, denn viele sind Geschäftsreisende und haben zeitlich knapp gebuchte Anschlussflüge.
Dieser Verbindungstunnel am Flughafen von Detroit ist sicherlich ein Erlebnis. Nur, wer ihn mehrmals erleben muss, wird vielleicht nach einiger Zeit beschließen, rasch hindurch zu eilen.

Vielleicht kann das nachfolgende Video ein wenig, den Eindruck davon beim Betrachter hinterlassen, was einem in jenen Tunnel erwartet: Psychedelisches pur …

Quelle: Youtube

Der springende Gedanke: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich gelassen?

Inspiriert durch „Der liebe Gott ist an allem schuld“ von Trithemius und den FOCUS-Online-Artikel „Samuel Koch sucht eine Studenten-Bude…“ (15.1.2012), auf den sich Trithemius bezog:

»Na endlich. Ich bin jetzt schon mehrfach bei Ihnen vorstellig geworden. Es wird jetzt wohl Zeit, dass ich mal dran bin.«

Der alte Mann mit dem weißen Bart und dem weißen Gewand schaute von seinem dicken Buch auf. Er tunkte seine Feder in ein kunstvoll verziertes Tintenfass und schaute sich leicht brummend den jungen Mann an, blickte in sein Buch und machte mit schwungvoller Handbewegung eine Notiz auf der aufgeschlagenen Buchseite.

»Name?«

»Koch. Samuel Koch.«

»In welcher Angelegenheit möchten Sie vorsprechen?«

»Vorsprechen? Bin ich hier nicht richtig bei Ihnen?«

»Welche Angelegenheit?«

»Unfall. Sind Sie nicht Gott?«

»Nein, ich bin nur sein Sekretär. Der zu seiner rechten.«

»Zu seiner rechten?«

»Ja, das ist die arbeitsreichste Seite. Alle kommen immer wieder von rechts. Irgendwer muss wohl mal gesagt haben, dass die rechte Seite Gottes die bessere Seite sein soll.«

»Stimmt das etwa nicht? Hat das nicht Jesus gesagt?«

»Stimmt. Genau. Der war’s. Der wollte doch nur seine Seite entlasten, damit er nicht soviel Arbeit hat. Welcher Zufall bringt Sie her, Herr Koch?«

»Zufall? Ich glaube nicht, dass es Zufälle gibt. Aber ich bin da noch im Gespräch mit Gott, weil ich glaube, dass das eigentlich ein Missverständnis war.«

»Was für ein Missverständnis?«, fragte der Sekretär mit gleichmütiger, müder Stimme.

»Ich bin mit eisernen Stelzen über Autos gesprungen, in der Fernseh-Sendung ‚Wetten, dass…‘.«

»Der Samuel!«

Eine vergnügte Frau in einem blütenweißem Gewand und Butterblümchen in der Hand kam heran geschwebt. Ihr jugendliches Gesicht strahlte in einer goldenen Weichheit, eben wie zu jenen Stunden eines junge Morgens, welche von Fotografen auch immer gerne als »Goldene Stunden« beschrieben werden.

»Der Samuel! Wie geht es Dir?«

»Wir kennen uns?« Samuel schaute ein wenig verwirrt.

»Na klar kennen wir uns. Du hast doch immer zu mir gebetet.«

»Ich? Zu Dir?«

»Erkennst du mich nicht? Ich bin Gott.«

Die Frau schwebte fröhlich an dem verdutzten Samuel vorbei auf ihren brummigen Sekretär zu.

»Petrus, den nehmen wir nicht auf. Das war mein Fehler. Eigentlich sollte er tot sein, als er mit seinen Stelzen an dem Auto hängen blieb. Ein Missverständnis von mir. Dieser hübsche Junge und der Gottschalk mit seinen gelösten Haaren! Einfach bezaubernd! Ich war abgelenkt. Nobody is perfect. Dein Glück, Samuel. Aber, Samuel, du machst das schon. Nur nicht aufgeben.«

Sagte es, klopfte Samuel aufmunternd auf dessen Schultern, nahm sich ein wenig Manna vom Tisch ihres Sekretärs, knabberte vergnügt dran und schwebte weiter.

Der Sekretär schaute ihr schulterzuckend nach, blickte dann den Samuel wieder an:

»Gut, das war dein Gespräch mit Gott. Du kannst wieder zurück, Musik, Theater und Medien studieren. Ohne Stelzen zum Springen. Hier ist noch ein Gutschein für ein dpa-Interview. Alles Gute. Samuel, du machst das schon.«

Er überreichte dem Samuel ein Papier, schaute rechts an Samuel vorbei und rief:

»Der nächste, bitte.«

Samuel wachte auf. Ein Nickerchen. Während des Gottesdienstes. Neben ihm hockte der dpa-Journalist mit seinem Notizblock und flüsterte:

»Nur noch eine kleine Frage: Können Sie noch was dazu sagen, wie Sie das bislang alles überstanden haben?«