Mit Sicherheit

Seit dem 11. September und diversen anderen Terroraktionen fühlt sich die USA (und nicht nur die USA) durch Reisende verstärkt bedroht. Eine Folge daraus sind verschärfte gesetzliche Sicherheitsanforderungen an Flugreisende. So darf zum Beispiel nicht mehr als 100 ml Flüssigkeit in einer Flasche in den Sicherheitsbereich eines Flughafens eingeführt werden.

Wer sich eine Flasche Wasser kauft, dem wird diese abgenommen und kompromisslos vom Sicherheitspersonal in den Mülleimern der Sicherheitssperren geschmissen. Denn es könnte sich um Sprengstoff handeln. Da brauchen die gar nicht drüber nachdenken, da haben die ihre Anweisungen. Die schmeißen einfach weg, ohne nachzuprüfen, um welche Flüssigkeit es sich in der Flasche handeln könnte. Ob Wasser oder Nitroglyzerin in der Flasche ist, dem Sicherheitsbeauftragten ist es egal. Der hat die Vorschrift, alles über 100 ml dem Reisenden wegzunehmen und in den Müllsammelbehälter zu werfen … .
Ob sich dann irgendwer im Sicherheitsbereich des Flughafens hochprozentige Spirituosen im Duty-Free-Laden kauft, dass wird als gefährdungsneutral eingestuft. Selbst Wasser in Flaschen ist dort wieder frei käuflich. Die Wasserflaschen kosten dann zwar locker das vierfache, aber sind sicherheitstechnisch unbedenklich.

Die USA selber behält sich zudem vor, nicht nur auf die Daten der Reisenden zuzugreifen, den Reisenden buchstäblich zu durchleuchten, sondern auch in deren Koffer zu schauen. Seitdem gibt es Kofferschlösser, welche dem Sicherheitsstandard (mit einem Zentralschlüssel leicht zu öffnen) entsprechen. Alle anderen Kofferschlösser werden erbarmungslos mit einem Bolzenschneider geöffnet. Und sollte das Schloss zu stabil sein, wird der Koffer anderweitig zerstörend geöffnet. So ist die eindeutige Rechtslage. Es dient ja alles der Sicherheit der Reisenden.

Nachdem mir die amerikanische Sicherheitsbehörde TSA wieder ein TSA-zertifiziertes Schloss geraubt hat (- Koffer geöffnet und dann das 7-Euro-Schloss nicht wieder angebracht und erst recht nicht den erforderlichen Zettel der TSA eingelegt, wie es der TSA gesetzlich vorgeschrieben ist -), hatte ich beschlossen, zum Verschließen einfach einen Kabelbinder (2-US-Cent) zu verwenden. Am Flughafen ergab sich dann folgende Diskussion beim Einchecken:

– Das ist kein TSA-Schloss.
– Ich weiß.
– Sie müssen das da (- *auf den Kabelbinder deutend* -) entfernen, damit die TSA in den Koffer reinschauen kann.
– Nein, das mache ich nicht.
– Dann wird das da (- *auf den Kabelbinder deutend* -) abgeschnitten.
– Okay, die TSA wird doch wohl noch eine Schere haben, oder sollte es daran scheitern?
– Ja, aber dann ist das da zerstört.
– Sollten die den Kabelbinder nicht zerschneiden, bleibt er dann unzerstört.
– Ich habe Sie gewarnt.
– Ich habe Sie verstanden.

Die Frau schaute mich kopfschüttelnd zweifelnd an, nahm den Koffer aber schließlich mit unzerstörten Kabelbinder an.

Am nächsten Flughafen erhielt ich den Koffer zurück. Ohne Kabelbinder. Aber diesmal mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Zettel der TSA im Koffer, dass der Koffer durch die TSA inspiziert wurde.

Und die Quintessenz?
Für USA-Reisen einfach immer Kabelbinder statt Schlösser verwenden. Dann ist der geldwerte Verlust geringer, wenn die TSA mal wieder deren zertifizierte Schlösser verschlampt/zerstört/unbrauchbar macht.

Nebenbei:
Niemals sollte ein TSA-zertifiziertes Zahlenschloss verwenden werden. Außer man möchte Zahlenschlossknacker werden. Einem Bekannten hatte die TSA einfach mal (wohl unbeabsichtigt) die Zahlenkombination verstellt gehabt.

Ist das noch Punkrock? Oder: Störlem Shake

Eine süddeutsche Zeitung hatte vor zwei, drei Tagen völlig richtig angemerkt, sollte mal ein Trend in München angekommen sein, dann ist er schon bereits im Rest Deutschlands schon längst keiner mehr.
Es begann eigentlich mit dem Video „Gangnam Style“, welches sich über YouTube seinen Platz in den Charts eroberte. Das Video wurde imitiert, parodiert und persifliert. Und als es keinen mehr interessierte, wurde der „Harlem Shake“ der Video-Hit. Die Choreografie des „Harlem Shakes“ ist immer die gleiche: zehn Sekunden passiert nichts im Video und die restlichen 20 Sekunden zappeln alle Darsteller wie wild.
Ähnliches wurde auch bei Störsender.tv aufgenommen. Es nennt sich „Störlem Shake“ und das Video dauert eine Minute dreißig …
Und?
Ist das noch Punkrock, oder was?

Die beste Szene meiner Meinung nach ist der Mann mit dem Smartphone. So ist das Leben …

Lob oder gnadenlose Verrisse im Kommentarbereich erwünscht.

Nur nebenbei:
Am Anfang ist noch Dieter Hanitsch (der Vater vom Mann in Gelb, Stefan Hanitsch) zu sehen.

Der Meister der politischen Karikaturen: Dieter Hanitsch

Dieter Hanitsch

Mit freundlicher Genehmigung von Dieter Hanitsch
(aufgenommen am 23.2.2013)

Auf Anweisung ist zu jubeln …

Während den Aufnahmen
Stoersender.tv ist ein Crowdfounding-Unternehmen, dass binnen kurzer Zeit an die 150.000 Euro Spenden übers Internet zusammengebracht hat. Stoersender.tv tritt mit dem Anspruch an, politisches Kabarett außerhalb der normalen TV-Medien im Internet zu etablieren.
Momentan laufen die Vorbereitungen zu der ersten Internet-Stream-Sendung für Ende März.
Für die ersten „öffentlichen“ Aufnahmen erhielt ich eine Einladung zu den ersten Filmaufnahmen.
Was geschah?
Je länger die Wartezeit auf die Aufnahmen dauerten, desto klarer wurde mir, dass wohl keine Aufnahmen vom eigentlichen Programm stattfinden würden. 50 Statisten waren geladen und so viele waren dann wohl auch in etwa vor Ort. Meine Euphorie verflüchtete sich dann allerdings, als uns erklärt wurde, wozu wir Statisten dienten:
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die erste Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die zweite Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die vierte Sendung nach Ostern …“

Ja, wir waren Staffage. Claqueure. Es wurden mit uns diverse Szenen durchgedreht: Das Publikum ist begeistert. Das Publikum ist gelangweilt. Das Publikum starrt den einsamen Lachenden an. Das Publikum jubelt. Das Publikum gähnt. Das Publikum …
Es wurden Szenen gedreht, die nachher reingeschnitten werden. Und durch meine Kopfbedeckung (siehe mein Avatar) wurde ich urplötzlich zum Mittelpunkt einer Statistenszene („Herr Bismark, Sie haben 200 Jahre nicht gelacht und stellen Sie sich jetzt vor, Sie brechen heute zum ersten mal mit dieser Tradition …). Sollte meine erbärmliche Schauspielkunst des Lachens Gnade vor dem Schnitter finden, werdet Ihr sie im ersten Teil von „Stoersender.tv“ Ende März sehen.
PublikumsstatistDiese Aufnahmen heute sind dann eigentlich auch der Punkt meiner Nachdenklichkeit. Während der normale Fernsehzuschauer von heute „Neues aus der Anstalt“ oder damals „Scheibenwischer“ (oder für die anderen ARD-Einäugigen der „Satiregipfel“) als mehr oder weniger Live-Aufführung im Fernsehen erleben, so wird „Stoersender.tv“ dieses definitiv nicht sein. Immer wieder wurden wir per Anweisungen angehalten, zu jubeln, zu schmollen oder Unmut auszudrücken, so zeichnete es sich klar ab, dass „Stoersender.tv“ eine Internet-Sendung sein wird, die mit Schnitttechnik arbeitet. Und wenn sich dann die Betrachter von „Stoersender.tv“ wundern werden, warum bei bestimmten Sketchen wie wild gejubelt wird, während bei anderen Gags verhalten geklatscht wird, der muss sich mit dem Wissen trösten, dass Schnitttechnik und Satireempfinden der Schnitttechniker (i.e. Regie) den Stream ausmachen wird. Und ich hoffe sehr, dass das Niveau unserer Jubelorgien von heute für die nächsten sechs Sendungen durch den Inhalt eindeutig überboten werden wird. Wir alle haben freiwillig mitgemacht und hatten unseren Spass daran. das steht außer Frage. Aber wir Claqueure wissen heute noch nicht, wo wir morgen hinein geschitten werden. Aber alle waren guter Dinge, dass der Stream besser sein wird, als das was wir ablieferten.

Einer der Höhepunkte für mich war heute dann das Erscheinen des Vaters des Machers der Sendung „Stoersender.tv“. Der Vater von Stefan Hanitsch: Dieter Hanitsch. Bekannt ist erals jener Karikaturist, der in den 80er des letzten Jahrhunderts seine Sternstunden zeichnerisch zelebrierte. Und das nicht nur in der „Süddeutschen Zeitung“ sondern auch in Büchern, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt. Inzwischen – so sagte mit Dieter Hanitsch auf eine meiner Fragen – ist mit Karikaturen kaum noch ein Buch zu veröffentlichen. Verlage finden sich für Veröffentlichungen kaum.
Schade ist diese nüchterne Antwort schon, denn wer ein Buch von Dieter Hanitsch sein eigen nennt, wird es kaum wieder her geben.
So hatte der Tag bei all unseren gesteuerten Jubelorgien und Buh-Chören für mich doch noch seinen Höhepunkt, dank ihm, den Professor der Karikaturisten: Dieter Hanitsch.

P1000168

Und was die ersten 30 Minuten „Stoersender.tv“ Ende März bieten wird, da bin ich sehr gespannt. Dieter Hildebrandt, Markus Barwasser und Sigi Zimmerschmied sollten uns heutige Jubelpriester in alle Schatten stellen.
Hoffentlich.
Ansonsten müsste ich mich für das heutige stark schämen …

Zusatz vom 24.2.2013
Eigentlich nehme ich in meinem Post an, dass ich den Verwendungszweck kenne. Aber ich vermute nur. Denn eigentlich könnten die Aufnahmen auch als Auditorium für den Bundestag angewendet werden. Vielleicht ist die Sendung auch mehr in Richtung „Notizen aus der Provinz“ (war damals eine Sendung ohne Live-Publikum), so dass die Aufnahmen am Samstag für andere Zwecke verwendet werden könnten, als zuerst gedacht. Es ging darum bei uns Publikum bestimmte Reaktionen zu erzeugen und das geht nur mit der Erwartungshaltung und nicht gegen der Erwartungshaltung von uns Publikum.
Ich setze auf die Kreativität des Stoersender.tv-Teams.

Noch weiterhin warten

Wir Statisten warten weiter
Warten 2

Abkürzungsfimmel?

Frage: wenn sich eine Firma „Hensel European Security Services“ nennt und deren Akronym „H.E.S.S.“ bei Verfassungsschützern unverdächtigt durchgehen kann, wird dann eine Sicherheitsfirma namens „Hilfe in totaler Loyalität ehener Rechtsstaatslichkeit“ auch ihren straff organisierten Betrieb unverdächtig aufnehmen können? Ich meine, NSU war damals auch nur eine unverdächtige Abkürzung, die damals maximal jeder nur mit Audi verband …

Ich frag ja nur …

Fragen an das Leben

Rechtsstaat ahoi und niemand schaut hin …

Mollath