*100#

*100# steht bei GSM-Prepaid-Handy für die schnell durchführbare Guthabenabfrage. Per Flash-SMS gibt es dann die Antwort.

Aber was motiviert meinen Provider SIMYO, daraus seit neuestem eine SMS-Antwort zu machen?
Genau. Das liebe Geld.
In der Antwort-SMS ist noch genügend Platz für Werbung …

Dämliche Idee …

Das Leben der anderen

Bridge Mein Eindruck verstärkt sich von Monat zu Monat:
Immer mehr Menschen meines Alters verfallen der Yellow Press. Es liegt wohl daran, dass meine Altersgruppe langsam in der Zielgruppe der Yellow Press reinwächst. Aber eigentlich ist dies nichts sonderbares. Eher der normale Lauf der Dinge …

Ich erinnere mich an meine erste BRAVO.
Mühsam hatte ich mir das Geld zusammen gespart gehabt. Von den 1,50 DM hatte ich mir das begehrte Heft gekauft, in einem Laden, wo mich garantiert niemand kannte. Ich dachte, es wäre etwas besonderes, das Heft zu kaufen, welches unter den Schulbänken kursierte und auf der Heimfahrt heimlich im Bus durchblättert wurde. Und daher war ich aufgeregt, als das diskrete Tauschgeschäft BRAVO gegen Einsfünfzig durchgeführt wurde. Das war fast so ein bisschen wie Gefangenenaustausch auf der Glienicker Brücke.

Nebenbei: Genau dieses Herzklopfen verspürte ich später wieder, als ich mir – knappe 19 Jahre alt – meinen ersten PLAYBOY kaufte.

Öffentlich war BRAVO allerdings in meinem Umkreis verpönt. Zuviel Porno für die Jugend unter 16. Wer BRAVO las war verrucht, hatte wahrscheinlich Sex und nur deswegen Pickel mit Rückenmarkserweichung. Aber in Wahrheit kauften die doch alle nur die BRAVO wegen Schwarzenegger als „Conan, der Barbar“ oder Sylvester Stallone in „Rambo 1“.

Jedenfalls, mein BRAVO-Heft hatte ich zwischen Mathe- und Deutschheft versteckt. Der billige Versuch, einem Heft kalkulierte Kultur unterzujubeln. Das Titelbild der damaligen BRAVO war jedenfalls Désirée Nosbusch. Als Bikini-Mädchen war sie ein Traum für mich. Vormals existierte Désirée Nosbusch für mich nur als Co-Moderator des Mittelwellen-Senders „Radio Tele Luxemburg“, zusammen mit Georg Bossert. Als sympatische Stimme ohne Gesicht. Da gab es die „10 vor Sieben“-Radiosendung. Für mich hieß das, praktisch die letzte Sendung vor dem Abendessen und der „Heute“-Sendung dazu …

„Radio Tele Luxemburg“ … Erinnert sich noch wer an die Telefunken-Radios? Die hatten einen RTL-Knopf, der war auf MW-Wellenlänge 1492 kHz programmiert. Man drückte ihn und hörte sofort RTL. Im Ausland aus dem Ausland. Gegenüber den öffentlich rechtlichen ein wenig anarchistisch. In Deutschland waren ja Privatsender erst in den 80ern zulässig. Tja,lang ist’s her …

Doch zurück zu Désirée Nosbusch und der BRAVO. Meiner ersten BRAVO.
Zwischen Mathe- und Deutschheft hatte ich das Heft sorgsam geschützt verborgen und trotzdem hatte die Titelseite eine Beschädigung abbekommen. Und dann auch noch genau auf dem BH ihrer linken Brust.

Nun ja. Mein Freund goß deswegen Kübel des Spotts über mich aus. Denn für ihn war es nicht bloß eine mechanische Beschädigung der Titelseite. Nein, seinen Worten nach sollte ich wohl versucht haben, den BH von Désirées Brust abzuknibbeln. Ich hatte ihn nicht verstanden. Denn wieso sollte ich Interesse daran gehabt haben, den BH wezurubbeln? Und zweitens würde doch durch jegliche Rubbelei das Papier beschädigt! Oder etwa nicht?
Der berühmt berüchtigte Radiergummieffekt, der bei mir schon manche Schulbuchseite beschädigt hatte und mir nur Ärger mit Lehrern und Eltern eingebracht hatte.

Dass mein Freund meinte, ich will der Nosbusch durch Rubbeln an die Wäsche und deren Brust freilegen, die Idee kam mir nicht.
Die Magie eines entblößten Frauenbusens sagte mir noch nichts.
Die Seiten von Dr. Sommer las ich und ich amüsierte mich, weil sich die anderen darüber amüsierten. Aber verstanden hatte ich Dr. Sommer nie.

Zwei Tage später hatte das gezielte Ärgern meines Freundes seine Wirkung erzielt. Ich schenkte ihm das gesamte Heft und mit diesem das mir den Atem raubende Titelbild von Désirée Nosbusch. Worüber Dr. Sommer in seiner Kolumne referiert hatte, das weiß ich nicht. Das war für mich wohl uninteressanter als jenes Titelmädchen.

Erst Jahre später wurde mir klar, was mir mein Freund unterschieben wollte. Dass ich den Wunsch gehabt haben sollte, Désirée Nosbusch BH wegzurubbeln, um sie somit auf dem Titelbild auszuziehen. Damals war mir jedoch schon immer klar gewesen, dass Fotos nur eine Abbildung der Realität sind und nicht die Realität selber. Und dass man auf einem Foto keine Frau nackt rubbeln kann.

Gut. Später hatte ich mal Rubbellose von Beate Uhrse und damit ging es. Das Wegrubbeln. Ausziehen mit dem rechten Zeigefingernagel. So einfach sollte es nie wieder werden, Frauen aus ihren Klamotten zu bekommen …
Aber erstens waren die Rubbellose nicht frei erhältlich und zweitens voll Porno. Und eben nicht voll BRAVO. Aber das ist ne andere Geschichte. Und jene Rubbellose landeten auch nicht bei meinem Freund sondern im anonymen Altpapiercontainer. Jene BRAVO und die darauf im Bikini abgebildete Désirée Nosbusch diente meinem Freund allerdings wohl als Wixvorlage, wie ich indirekt erfuhr.

Zudem verlagerte sich mein Bewunderungsschwerpunkt recht schnell später sowieso auf eine „Kiki“ Plate. Auf Christina Plate. Sie war in meiner späteren Jugend für länger das echte Traummädchen. Mein Alter, meine Kragenweite, mein Traum. Das hatte nichts mit Wixvorlage zu tun, sondern mit verliebter Schwärmerei. Sie hatte für mich den erotisch freundlichen, aufgeschlossenen Charme eines erfrischend warmen Sommerregens. Ich mochte ewig darin tanzen.

Und jetzt, in einem beinahe gnadenlos überfüllten Zug von Norden nach Süden fiel mir ein Produkt der Yellow Press in die Hände. Und es berichtete über Christina Plate.
Fatal, fatal.

Nein, ich lese keine Yellow Press.
Nein, um keinen Preis lese ich Yellow Press.
So alt bin ich nicht.

Das war jedenfalls immer mein Mantra der Yellow Press gegenüber.
Und so saß ich nun ohne Mantra dort und las den Artikel über Christina Plate Wort um Wort, Buchstabe um Buchstabe, Zwischenzeile um Zwischenzeile. Und die Bilder verinnerlichte ich Rasterpunkt für Rasterpunkt. Die Erinnerungen an meine jugendliche Schwärmerei und die Bilder dieser mir immer noch attraktiven Frau ließen mich inwendig warm werden. Ja, man könnte sie mir auf dem Bauch binden, ich würde freiwillig schwanger werden. Und das als Mann.
Den „Stern“ mit Titelstory zu „Michael Jackson“, der daneben verwaist gelegen hatte, verspeiste ich lediglich, indem ich ihn oberflächlich quer las. Aber diesen Klatsch- und Tratschartikel über Christina Plate … ich verschlang ihn wie Honig.

Was ist bloß aus der damaligen Jugend geworden, dass sie der Yellow Press mehr Aufmerksamkeit widmet als dem wiedererstarktem „Stern“? Yellow-Press-Leser in vollen Zügen im Zuge der eigenen Zeit?

Immer mehr meiner Altersklasse verfallen der Yellow-Press und seiner Heile-Welt-Berichterstattung aus dem Umkreis der Reichen und Schönen.
Reich und schön, das beides zusammen, das hätte jeder gern.
Oder zumindest reich.
Oder schön.
Oder zumindest Heile-Welt.
Oder alles drei zusammen.
Illusionsverlust kompensiert durch Realitätsverlust. Ein bisschen zu träumen von dem, was hätte sein können, hätten sich eigene Illusion und Realität vermischt. Statt lediglich jetzt nur in die Zielgruppe der Yellow-Press reinzuwachsen und deren Leser zu werden. Aber wo ist schon der Unterschied zwischen BRAVO und heute, wenn die Wirklichkeit keine Wirkung im eigenen Leben erzielt?
Das Leben der anderen, auf das wir leben.
Über die Yellow Press.
Kaugummi fürs Großhirn.

Journalistische Sinnsprüche vom Tage

„Durch seinen Tod wurde er unsterblich.“

What a difference a day makes …

Wenn in Deutschland die Schlagzeilen für morgen entschieden werden, dann hat Michael Jacksons Beerdigung eindeutig die operierte Nase vorn. Direkt vor den Ereignissen in West-China.

Die Beerdigung ist für Europas Zeitungen Schlagzeilen-kompatibel, gerade weil sie 11:00 Uhr Ortszeit stattfand. Bei den Uiguren und den Han-Chinesen geht dann gerade die Sonne auf, um die nächsten Massaker ans Tageslicht zu bringen. Zu spät für unsere Druckmaschinen. Und zu spät für die totgemachten Menschen. Aber immer noch rechtzeitig für den anderen totgemachten Menschen aus Amerika.

Nebenbei: Auf BBC-Radio meldeten sich zwei Chinesen (Han) aus Peking und Shanghai telefonisch, die in der laufenden thematischen Sendung erzählten, dass er sich bei den 140 Toten um 3/4 davon um Han-Chinesen gehandelt haben soll. Als der Moderator nach der Quelle fragte, beriefen sich die beiden auf Freunde und Bekannte aus Xiandong (oder wie die Provinzhauptstadt dort heißt). Auf deren Gegenfrage, ob der Moderator andere Quellen über die Zugehörigkeit der Toten habe, müsste der Moderator erklären, dass es nur die unbestätigten Annahmen westlicher Journalisten habe. Womit die unbewiesene Annahme, die Toten seien Uiguren und lediglich die Staatsmacht grausam, ziemlich schubladenmäßig daher kam.
Als darauf noch zwei Shanghai-Engländer anriefen und dieses indirekt bestätigten, fiel mir wieder ein, wer die Hoheit über morgentlichen internationale Interessen in Deutschland hat: die am Vortage festgelegte Schlagzeile …

"Hommage au King"

Andere Stadt, andere Leute, gleicher Anlaß wie überall weltweit. Meine Frage an die Leser meines mobilen Posts: Wie heisst der Fluß im Hintergrund? Wer weiß es?

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Immer diese Kettenbriefe …

Gerade erhalten und hier gleich reingepackt.

Dies ist KEIN Kettenbrief!
Du darfst ihn auf KEINEN Fall weiterschicken, denn das wuerde grosses Unheil ueber Dich, deine Nachfahren und deinen Erdbeerjoghurt bringen ! Selbst Ausschnitte, ja sogar einzelne Woerter aus dem Brief koennten gefaehrlich sein.

Die Urspruenge dieses Briefes gehen auf den Abschiedsbrief eines braven Bauernburschen namens Chutka Prowik zurueck, der seiner Familie in schriftlicher Form seinen Beschluss mitteilte, dass er sein Glueck in der Ferne suchen wollte. Kurz nachdem er sich von Zuhause aufgemacht hatte und die Berge ueberquerte, wurde er von einem Unwetter ueberrascht und eingefroren. Heute ist er unter dem Namen „Oetzi“ bekannt.

Bis heute weiss niemand genau, welche seiner Worte so gefaehrlich und unheilstraechtig waren, aber sie kommen auf jeden Fall alle auch in diesem Brief vor, also sieh dich vor! Ein Beispiel fuer die schreckliche Kraft dieses Briefes ist der arme Matrose

Pitr Owoschna, der auf dem beruechtigten Atom-UBoot „Blauer November“ als Ausguck arbeitete. Waehrend das Boot auf Patrouillenfahrt im Kaspischen Meer war, bekam Pitr diesen Brief an seine Heimatadresse geliefert. Ohne das zu wissen, schrieb Pitr einen Liebesbrief an seine Freundin Januschka, in dem er ungluecklicherweise mehrere der Unheilvollen Woerter benutzte. Noch in der selben Stunde explodierte der Dieseltank des Schiffes und es versank auf Nimmerwiedersehen in der See.

Beruehmte Menschen haben das Verbot zum weiterschicken missachtet. Darunter waren Lady Di, Falko, Boris Becker, Brittney Spears (kurz bevor sie beschloss, einen Film zu drehen) und diverse Angestellte im World-Trade-Center.

Doch auch die Internetabstinenz hilft nicht gegen das Unheil. Eine Gemeinschaft von ueber hundert Internetnutzern, die alle diesen Brief erhalten hatten (weiss der Himmel woher), beschloss im Sommer 2002, ihn zu entkraeften, und zumindest eine Weile weder Mails, noch Briefe, noch Schecks zu schreiben. Sie lebten ausnahmslos alle an der Elbe … Was du also tust … du bist auf jeden Fall in den Ar*** gekniffen. (wobei mir einfaellt: Habe ich schon erwaehnt, dass dir nur jemand, der dich ueber ALLE MASSEN liebt, dir diesen Brief schicken wuerde ???)

Wie gesagt: Dies ist KEIN Kettenbrief, und er sollte auf KEINEN FALL weitergeleitet werden. Sollte aber irgendwer, der diesen Brief liesst, meinen, er muesste mir Geld geben oder Schokolade schicken oder so, dann fragt mich einfach nach Adresse oder Kontonummer… ich sag da nicht „Nein“.

So .. und falls ihr es immernochnicht bemerkt habt: Dieser Brief ist genauso erfunden (inclusive der authentischen Beweise), wie die anderen Kettenbriefe auch (nur, dass dieser Brief KEIN Kettenbrief ist !!!)

Also nicht weiterschicken!
Wer mir allerdings Schokolade und Geld …
Behandle ich alles vertrauensvoll über PN.
Das Geld bitte nur unnummeriert und in ALDI-Tüten.
Danke im Voraus.

Lebe wild und gefährlich (Teil 13) … oder: Bloggen kann kostenintensiv werden

Etwas aus dem realen Leben, wo Blog-Schreiber von dem virtuellen erbarmungslos eingeholt wurden …

Ein deutscher Blog-Schreiber namens Ron Hillmann schreibt am 22. Oktober 2006 in seinem Blog über Nachrichten, die zwei große Firmen betreffen. Die eine hat ihren Sitz in Deutschland, die andere in China. Beide Firmen klären momentan einen Sachverhalt, welchen den Vorwurf der chinesischen Urheberschutzverletzung verifizieren oder widerlegen soll.

Der Blogger schreibt nur einen Kurzkommentar dazu zusätzlich in seinem Blog, wobei er negative Attribute für die Chinesen verwendete.
Einen verhängnisvoller Kurzkommentar, der seine Meinung verdeutlichen soll.
Einen verhängnisvoller Kurzkommentar, der aber in der deutschen Industrie Konsens ist und so auch schon sinngemäß in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war …

Und prompt erhält der Blogger Post aus China.
Ein Schreiben aus der Provinz der chinesischen Justiz. Der Blogger wird darin angeklagt und zugleich zu einer Gerichtsverhandlung nach China vorgeladen.
Verhandlungsgegenstand sollen seitens des Bloggers geäußerte, ungerechtfertigte Vorwürfe über die Verletzung der Urheberrechte sein. Verhandlungsgegenstand sind somit auch Ansprüche auf hohe Schadensersatzforderung seitens der chinesischen Firma …

Geht so etwas?
Natürlich geht so etwas.

Macht so etwas überhaupt Sinn?
Für die chinesische Firma auf alle Fälle.
Denn sollte das chinesische Gericht der Klage stattgeben, kann über ein internationales Rechtshilfegesuchen das Geld von der Privatperson eingetrieben werden.

Und dass das klappen wird, dafür stehen die guten bilateralen Beziehungen der chinesischen Regierungsform und den ertragreichen Handelsbeziehungen jenes Landes mit diesem unserem Lande. Also erscheint es erforderlich für den Blogger die Reise nach China im Juni zwecks eigener Verteidigung anzutreten, um zumindest zu versuchen, die Unkosten niedrig zu halten …

Moral aus der Geschicht?
Bloggers Meinung kommt jetzt auch international vor Gericht …

Wer näheres dazu lesen möchte, der findet unter Spiegel Online den ganzen Artikel dazu:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,458039,00.html

Und was sagt der betroffene Blogger dazu?
www.autoregional.de/autonews/2006/10/22/
man-reisebusse-werden-in-china-kopiert/

WM Stadträte

„Ohohooooo Franz! Dass du deinem armen Tantchen keine Karten zur WM geschenkt hast!“ So tönt es momentan schluchzend durch Deutschlands Wohnstuben mit TV-Geräten.

In einem Werbespot steigt eine ältere Dame im eleganten konservativen hellen Zweiteiler einen Aufzug, wartet bis die Tür schliesst und fängt effektvoll an zu schluchzen. Dann lässt sie den obigen Satz ab und pufft den Nebenmann. Und neben ihr steht Franz Beckenbauer und spielt seine Lieblingsrolle:

Keine Ahnung von nichts aber mitlächeln. ;D

Eine jüngere Frau dreht sich um und faucht den Beckenbauer an, dass er wohl hätte mehr Dankbarkeit seiner Tante gegenüber zeigen können. Beckenbauer zuckt die Schultern und sagt einen Satz, den wohl jeder Zuhörer als Charakterisierung für ihn selber unterschreiben würde:

„Da kenn ich mich nicht mehr aus!“

:roll:
:roll:
:roll:
:roll:

Es gibt einen neuen Trend in München.
Türsteher in Diskotheken verfügen über Internetlisten, die sie heimlich immer wieder studieren.
Vor dem Münchener Rathaus stehen verschiedene Leute, die ebenfalls diese Listen besitzen und argwöhnisch jeden Menschen mit Aktentasche beaugapfeln und mit ihren Listen vergleichen.
Normale Kneipenbesucher schauen sich in diversen In-Lokalen jeden Besucher genau an und vergleichen mit diesen Listen.
Es ist unheimlich.
Offenbar haben sich ganz normale Bürger zu „Linzen und Partner“ entwickelt. Jeder ein „Sherlok Holmes und Dr. Watson“. …

Ich komme in eine Kneipe und will mir an der Theke ein Bier bestellen. Eine Menschentraube von Frauen umlagert einen lächelnden Mann, versperrt mir den Weg. Der Mann erscheint mir nicht sonderlich attraktiv, aber die Frauen mögen ihn offensichtlich. Drumherum stehen und sitzen Männer, die aufmerksam die Szenerie betrachten und mich aus den Augenwinkel mit Argusaugen misstrauisch beobachten.
Mühsam erkämpfe ich mir an der Theke ein Bier, werde aber dabei von den Frauen zum Teil mehrfach in die Seite gepufft. Ich soll wohl gehen. Kopfschüttelnd trete ich beiseite. Einen Mann, der mich mit leicht gekniffenen Augen betrachtet, frage ich, wer der Mann dort wohl sei.

„Stadtrat“, ist die kurz angebundene Antwort.

„Und die Frauen?“ frage ich.

„Keine Ahnung. Meine ist die im roten Mini. Und ihre?“ fragt er zurück.

„Ich bin allein hier.“

Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen, als ob er einen Konkurenten in mir hätte.
Ich trinke aus und gehe.

In einer anderen Kneipe, eine durchschnittliche Frau an der Theke umlagert von lachenden Männern. Einsame Frauen drumherum. Als ich einer zu zwinkere, zeigt mir diese ihre kalte Schulter und starrt auf die Gruppe vor ihr. Ich frage den Kellner, wer jene Frau sei, die von Männern umlagert sei.

„Stadträtin“ sagt der nur und zuckt gleichgültig mit den Schultern.

Als ich eine offensichtliche Solo-Frau an der Menschentraube zu einem Drink einladen will, deutet diese auf einen Mann in der Gruppe um jener anderen Frau und weisst zugleich auf ihren goldenen Ring.

Es ist überall das gleiche. Seit dem bekannt wurde, dass Stadträte das Vorkaufsrecht auf 15 unvinkulierte WM-Karten für das Münchener Stadion haben, sind die Mitglieder des Stadtrats heiss begehrt.

Man/frau sucht Anschluss.
Man/frau will deren Freund werden.

Im Umkehrschluss öffnet einem der Satz „Ich bin Stadtrat“ magische Türen. Die VIP-Lounges öffnen sich wie von Märchenhand. Allerdings gibt es schon die ersten Stadtrat-Immitanten. Seitdem besitzen die Türsteher von Promi-Diskotheken jene Internetlisten. Ausgedruckt von der homepage der Stadt München, wo man alle Stadträte mit Bild abrufen kann.

Waren vorher die Stadträte noch die Langeweiler der Münchener Abendgesellschaft, so sind sie zu Sternchen der Bussi-Bussi-Gesellschaft aufgestiegen.

Selbst Kontaktanzeigen wie „Bayrischer Schmerbauchstadtrat sucht heisse Affäre gegen ein WM-Ticket“ werden inzwischen hemmungslos beantwortet. Leider beklagte sich jedoch jener Stadtrat, dass ihm besonders viele Heteros in Frauenkleider schrieben, nur um ein WM-Ticket zu ergattern. Er sprach sogar von organisierten Fussballfan-Clubs, die u.a.a. deren Pin-Ups auf ihn gehetzt haben sollen.

Auch andersherum wird inzwischen kontaktet:
„Australierin tut alles für Stadträte bis zur WM für ein Ticket“ und sollen auch schon Erfolg gehabt haben.

Der Oberbürgermeister Ude hatte inzwischen schon sein Unverständnis über diese neue Art des Schwarzmarktes den Kopf geschüttelt. Die normalen Bürger sollen doch lieber bei der Ticketverlosung teilnehmen, statt sich auf diesen Parallelmarkt herum zu treiben.

Beckstein hat dann auch gleich den Begriff aufgegriffen und dem Ude vorgeworfen, er würde nicht energisch genug gegen diese Parallelkultur vorgehen. Sowas würde nur die Integration der normalen Münchener Bussi-Bussi-Gesellschaft in die Normalität verhindern. Wer seine Hoffnung so einfach aufgebe, bei der Ticketlotterie zu gewinnen, der könne auch nicht hoffen, dass Integration mehr als nur Worthülse bleibe.
Trank sein Mass und liess sich gleich nachschenken.

Die WM ist noch knapp 130 Tage entfernt. Und für die meisten Bewohner einer Stadt mit WM-Austragungsort wird wohl das eigene Stdion nur über den Fernseher zu bewundern sein.

Ausser man ist Münchener Stadtrat oder ist mit einem befreundet. Dann hat man sein Ticket sicher.

Das Anrecht auf 15 Tickets der Münchener Stadträte hängt übrigens mit deren Engagement zur WM-Organisation und dem Stadionbau zusammmen. Denn jene Stadträte haben nachts unbemerkt von der schlafenden Öffentlichkeit in mühsamer schweisstreibender Kleinstarbeit das neue Stadion aufgebaut. Dafür haben sie sich 15 Plätze verdient. Bewiesen wurde deren nächtliche Arbeit durch die Beobachtung, dass viele während den Sitzungen schliefen, manche dabei sogar stehend.

Kein Wunder, wenn also der Beckenbauer-Franz in die Werbekamera seinen ambivalenten Satz runterleiert:

„Da kenn ich mich nicht mehr aus!“

Verdient ist verdient.

Sowieso.

Und ich hoffe, es hat dem Beckenbauer weh getan, als die alte Dame in der Werbung mit der Handtasche nach ihm puffte.

meint

Careca :wave: