Freund Hein ist ein unangenehmer Kollege, der immer nur unverhofft kommt …

Wolfgang Neuss (1923-1989; Berliner Kabarettist; u.a.a über seinen damaligen Kollegen Wolfgang Müller):

„Du hast gar keine Chance, nicht zu leben. Du lebst heute schon woanders. Du lebst auf deinen Sohn, auf deiner Tochter. Du lebst auf allen Leuten, bei denen dein Herz etwas schneller geht. Und Müller, der da abgestürzt war mit dem Flugzeug, der Wolfgang Müller hat vorher schon auf jemanden gelebt, bevor er tot war. Das ist die Botschaft, die ich habe: Wir haben gar keine Chance, nicht zu leben. Wir leben immer. Die Botschaft ist zwar nicht tröstend, weil man ja auch ableben muss. Aber man lebt nur ab, um zu leben. Es gibt keinen Tod in dem Sinne. Es gibt keine Chance, nicht zu leben. Keine. Man lebt immer. Immer, immer, immer.“

Die Einhörner sind zurück

Die Einhörner sind wieder auf Erden zurück und möchten sich mit dir verbinden, sie möchten im Alltag sein. Die Einhörner möchten nicht mehr nur Gestalten der Legenden sein, sondern sie möchten aktiv in deinem Leben wirken. Als neuartige Energie, als Energie der neuen Zeit. Magisch und mystisch. Sie lassen deinen Alltag erleuchten und bringen deine Seele zum Leuchten.

Einhörner sind stark und können sogar Löwen besiegen. So es diesen Sommer mit dem MacGuffin-Sommerlochfüller 2023 geschah, dem Löwen von Kleinmachnow. Alle haben nach dem Löwen gesucht und niemand fand ihn. Weil? Eben. Einhörner! Die Einhörner haben den Löwen besiegt. Sogar Lübeck, Sandhausen, Aue, Ingolstadt und Ulm sind Namen, mit denen Siege der Einhörner über Löwen in Verbindung stehen. Münster und Dresden sind weitere Namen, die beweisen, dass Löwen gegen Einhörner nicht gewinnen können. Nicht-Löwen-Fans können sich nicht irren, Löwen-Fans würden es gerne. Dritte Liga halt.

Einhörner an sich mögen zwar weltabgewandt sein, sind dafür aber positiv aggressiv. Es soll Glückskinder unter den Menschen gegeben haben, die in ihrem Leben Ponyhöfe voller rosa Einhörner erspähten, wie sie liebevoll miteinander wieherten, sich lebensfroh umhüpften, spielerisch zärtlich voll Liebe ihre Einhornhorne aneinander rieben und Nashörnern mit deren spitzen phallischen Hörnern als Machos einer aggressiv-sexueller Potenz entlarvten und anschließend als alte weiße Männer hateten.

Und was wesentlich wichtiger ist: Jene Glückskinder fanden Einhornhörner unter güldenen Herbst-Eichen auf, weihten diese mit Gummibärchenstaub, Feenglückspuder und eingefangenen Einhornpupse und entdeckten damit magische Effekte, von denen manch Wissenschaftler heute noch träumt.

Einhörner stehen uns persönlich zur Seite. Jeder sollte ein Einhorn zu seiner Rechten haben. Es hilft in kleinen und großen Dingen. Auch im Alltag. Deine persönliche Einhorn-Einweihung kommt. Deine Seelengesundheit ist das oberste Anliegen dieser Wesen. Sie bringen Vernunft und Gerechtigkeit.

Schau auch selber jetzt zu deiner Rechten, wie dein persönliches Einhorn zum Schutz deiner Seele neben dir steht. Um wie das Einhorn gegen Löwen zu kämpfen vermag. Du wirst danach alles andere links liegen lassen. So wie das eine Einhorn der Einhörner es bereits tat.

Wende dich sehr schnell nach rechts, denn Einhörner sind auch sehr schnell und wollen von dir nicht gesehen werden. Also, wende dich besonders schnell um, denn sonst reagiert das Einhorn schnell und verbirgt sich vor deinen Blicken. Sei nicht verzagt.

Wende dich JETZT!

Nichts?

Noch einmal versuchen! Und jetzt wende dich ganz, ganz schnell, also ganz ganz schnell wenden, von links nach rechts …

Wieder nichts? Okay, wir machen es auf drei. Ich zähle, du wendest dich. Das Einhorn wird mit dir sein.

DREI!

Wieder nichts? Hm.

Du brauchst Geduld. Übe täglich. Du solltest auch nur deinen Hals schnell wenden, nicht deinen Körper. Sonst gerätst du ins Taumeln, fällst den Falschen in die rechten Fangarme und erlebst ein böses Erwachen. Versuche es daher mehrmals täglich.

Um dir den Glauben an Einhörner einzuprägen, also so einprägsam wie ein Esel seinen Karren aus den Dreck und dann den Wagen als Knecht für andere über eine Brücke ziehen muss, merke dir einfach einprägsam wie eine Bombe eine simple Eselsbrücke:

 

Besonders schnell wenden.

BSW.

Für Vernunft und Gerechtigkeit.

Aus dem Dreck für den Dreck.

Zieh den Eselskarren

Zum Erbarmen.

Amen.

Masel tov … süßer Klang des Himmels

I hear the sweet, sweet sounds of heaven
Fallin‘ down, fallin‘ down to this earth
I hear the sweet, sweetest sounds of heaven
Driftin‘ down, driftin‘ down to this earth

Das Brummen der Turbinen, das Fauchen von Düsen, das Flappern der Drohnen, das Pfeifen physikalischer Luftwiderstände, akustischer Doppler-Effekt fliegender KIs und anderer minderbemittelten Maschinen, menschengemacht.

I smell the sweet, sweet scents of heaven
Comin‘ down (comin‘ down), comin‘ down (comin‘ down)
To the earth (from the earth)

Riecht die Lunte, aus heiterem Himmel. Alles Gute von oben, so predigen sie euch. Jeder auf den eigenen Kanzeln der eigenen Meinungshoheit. Denn soll das Werk den Meister loben, komme der Segen von oben. Unilateral ex cathedra. Immer. Von oben nach unten, die dunkle Asche auf Häupter mit dem Parfum des kollateralen Todes angereichert. Von unten gen reinem Himmel zurückspritzend Blut, welches immer über jene kommt, mit denen sowieso Schindluder getrieben werden soll. Um zu gewährleisten, dass es auch ausreichend zum Himmel stinkt. Was Militaristen mit Menschen anstellen, um ihren eigenen herrischen Sadismus über fremde weiße Bettlaken zu befriedigen. Komm, süßer Tod, denn süß und ehrenvoll soll es sein, für Vaters Land zu sterben. Mutter Erde wartet. Ihr Kinderlein kommet.

Hear the gods laughin‘ from above
Of heaven
Fallin‘ down, fallin‘ down
To this earth, oh, oh, oh, oh
Let me lay down and sleep
Oh, oh, Heaven, Heaven
Ooh, ooh, ooh

Tacheles-Tohuwabohu einer tödlicher Stille mit Echo.

Manche Lieder wandeln sich für mich binnen kurzer Zeitspanne hin zu einer Ambivalenz …

(obiges in kursiver Schrift stammt aus “Sweet Sounds of Heaven” von The Rolling Stones, released Oktober 2023)

Wie viel kann man als Seenotretter verdienen?

»Schau mal Schatz, ich glaube, da ist jemand in Seenot.«

»Wo denn?«

»Dort drüben.«

»Okay. Aber da bin ich mir nicht so sicher. Du weißt, das hier ist Grenzgebiet und wir müssen vorsichtig sein.«

»Wir sollten das aber nicht ignorieren.«

»Du hast recht. Moment: HALLO, SIE DA DRÜBEN! KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Ich glaube, er hat irgendetwas gerufen. Aber so unverständlich«

»KÖNNEN SIE MICH SEHEN? KÖNNEN SIE MICH HÖREN?«

»Jetzt schrei doch nicht so laut, man muss doch nicht alles gleich übertreiben, Schatz.«

»Aber sonst hört der mich doch nicht. Ich glaube sogar, es sind drei oder vier Personen.«

»Schatz, ich glaube, eine Person hat gerade Help gerufen.«

»Also Ausländer? HALLO, YOU! CAN YOU SEE ME? CAN YOU HEAR ME?«

»Die machen aber auch ein Spektakel, da auf dem offenen Wasser. Wenn die so weiter machen, haben die nachher keine Kräfte mehr und saufen ab. So lange die noch Help rufen können, Schatz, solange kann es denen nicht wirklich schlecht gehen.«

»Liebling, ich glaube, die rufen Help

»Das habe ich gehört, Schatz.«

»Help. Du verstehst? Das ist kein Deutsch. Kein Deutscher dieser Welt würde Help rufen. Niemals, ein Deutscher tut so etwas nicht.«

»Was meinste damit, Schatz?«

»Kannst du mit Sicherheit sagen, dass das normale Touristen sind? Vielleicht sind es Asylanten, die von einem Schlepper auf dem See hier ausgesetzt wurden, extra mit dem Vorsatz, dass wir die retten.«

»Wir?«

»Ja, Liebling, wir. Und weißte, was dann passiert, wenn wir die an Land bringen? Weißte, was uns dann blüht?«

»Was denn, Schatz?«

»Wir werden als Schlepper verhaftet und kommen ins Gefängnis.«

»Als Seenotretter?«

»Und nicht nur das: sogar Elon Musk wird uns von X verbannen, weil wir illegale Einwanderer einsammeln. Der ist überzeugt, dass solch eine Aktion den europäischen Selbstmord nicht stoppt. Es sei denn, dass die AfD endlich die Regierungsgeschäfte in Deutschland übernimmt.«

»Das heißt, wir verlieren unseren X-Account, Schatz? Mit unseren vielen schönen Urlaubsfotos?«

»Ja, genau.«

»Auch die vom Sonnenaufgang hier am See von heute morgen, wo unsere Freunde so viele Likes für geschickt haben?«

»Auch die, Schatz.«

»Guck mal, Liebling, die haben sich beruhigt, sie plantschen nicht mehr so heftig.«

»Und sie rufen auch nicht mehr so laut Help. Ist vielleicht doch nicht so schlimm, wie es aussah. Die kommen wohl zurecht.«

»Schatz, wo sollen denn die vier auch auf unserer kleinen Außenborder-Nussschale unterkommen. Das Boot ist doch bereits voll, mit unseren Rucksäcken und der Kühlbox. Und außerdem sind es Flüchtlinge. Hätten die ihr Zuhause nicht einfach so verlassen, dann wäre es jetzt nicht zu der Situation hier gekommen. Warum müssen wir jetzt damit belästigt werden. Flüchtlinge geht eh nicht. Da machen wir uns illegal und kommen ins Gefängnis. Das ist es nicht wert.«

»Lasst uns so tun, als hätten wir es nicht bemerkt, Liebling.«

»Okay, wir fahren heim, Schatz.«

Am nächsten Tag.

»Schatz, schau mal hier, im Ortsteil der Zeitung.«

»Hm?«

»Eine türkische Familie ist gestern hier auf dem See gekentert und ertrunken. Niemand hatte denen geholfen. Die führten seit fünf Jahren hier im Ort den türkischen Supermarkt.«

»Mal wieder typisch. Selber Schuld, wenn die nach fünf Jahren immer noch nicht vernünftig auf Deutsch Hilfe rufen konnten …«

Oh, Urne, oh!

Oh, Urne, oh,

stehst du nah bei weißen Papieren mit schwarzen Zeichen, du Urne,

ein Pianist summt dazu vom Blatt träumerisch eine feine Nocturne.

Oh, du Urne, oh,

du für Menschen mit Faible fürs Purpurne, oh,

Mit Weihwasserwedel und Tränen gewässert, du Urne zur Werft wirst,

auf dass das in dir verbannte Wrack zu anderen oder neuen Ufern pirscht

Oh, Urne, oh,

von außen neutral bemalt, nur im Innern bist du dunkel und hohl.

Um Urne zu sein, brauchst du eine Bestattung wohl, obwohl

Hast du keine Wahl, stehst nur herum, bist sterbenslangweilig

Nur hast du eine Wahl, stehste ebenfalls herum, unausweichlich.

Oh, du Urne, oh,

Bestattung oder Abstimmung, mit diesen beiden Aufgaben stehst du im Saal

Entweder mit Hauptrolle als Antagonist zum Sarg oder als Protagonist zur Wahl

Oh, Urne, oh,

lebst entscheidende Zeiten durch, verplombt oder nicht, immer zum Erbarmen

Oh, Urne, oh,

bei nächster Gelegenheit wird’ ich dich, oh du Urne, drum herzlichst umarmen.

Kneipengespräch: Wenn zwei das Gleiche … rien ne va plus …

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„Jetzt haben die die ganze Münchner Innenstadt lahmgelegt!“

„Was?“

„Na die da, die jetzt den ganzen Verkehr behindern!“

„In der Innenstadt? Maxvorstadt?“

“Ja, total. Nichts geht mehr.”

“Gar nichts mehr?”

“Nullkommanull. Vor 14 Tagen konnten ich mit meinem Q4 noch raus und am Stadtrand meine Besorgungen erledigen. Aber heuer? Nüscht! Totale Blockade und die Staatsmacht schaut tatenlos zu, alles total voll zu, nichts ging mehr. Überall haben die ihre Stände hin geklebt und feiern ihre Autos ab.”

“Ah, Sie meinen die IAA in der Innenstadt, sagen Sie das doch. Dachte zuerst, Sie meinten diese Klimaterroristen mit ihren Sekundenklebertuben.”

“Ja, die IAA. Blockade total und keiner tut was, um uns davon zu befreien.”

“So etwas können Sie aber nicht so einfach dahin rotzen, als ob die Staatsmacht tatenlos zuschauen würde. Die schaut immer ganz genau hin. Wenn ein Stand nicht exakt aufgebaut und ausgerichtet worden ist, gibt’s sofort Ordnungsgeldbescheid. Pro überschrittenem Zentimeter. Oder falsche Schrauben, falscher Kleber, falscher Feuerlöscher, nicht gegen Steinschlag oder Hochwasser oder Erdbeben gesichert, Freibier ohne Pfand oder nicht genau auf Eichstrich, zack, Ordnungsgeldbescheid.”

“Wie viel?”

“Mindestens immer doppelt soviel wie einmal Falschparken.”

“Und was hilft es mir? Davon hab ich nichts. Meine Besorgungen bleiben trotzdem auf der Strecke. Im Streckenstau. Vorgestern, ich musste Omma zum Arzt fahren. Meinen Sie, das hat geklappt? Permanent nur Stau, nichts ging mehr, keinen Zentimeter.”

“Tja, diese Klimakleber auf den Kreuzungen.”

“Schön wär’s. Nur Stau wegen der IAA. Weil fast alle Straßen der Innenstadt für die Automobilmesse gesperrt wurden. Hey, vor uns war sogar ein Rettungswagen, Blaulicht, Sirene, der kam auch nicht weiter. Stau, Stau, Stau. Nicht mal Rettungsgasse für den Sani. Ich hoffe, der im Krankenwagen ist nicht gestorben, dann hätte die IAA den aber so was von auf dem Gewissen! Wetten, dass das dann keinen einzigen Staatsanwaltgeist berühren würde? Und dann letztendlich nach Stunden an der Arztpraxis, da konnten wir nicht mal parken. Wegen den anderen Klebern.”

“Ah, doch Klimakleber! Einfach eine Plage, jene. Gas geben und drüberfahren sollte man. Nur dann gibt’s wieder Ärger mit der Staatsmacht. Diese Kleberterroristen können einfach unsere Freiheit einschränken, haben dabei keinen Schaden, lediglich wir. Wir haben den Salat und müssen die von jenen uns eingebrockte Suppe auslöffeln.”

“Nee, nee. Die waren es nicht, das waren die vielen Wahlplakatkleber der AFD, FDP, VOLT, CSU und wie sie alle heißen. Die Plakate einfach auf den Bürgersteig geknallt, an Masten angeklebt, verkehrshinderlich, keine Chance zum Parken auf dem Bürgersteig. Absolut unglaublich. Vorher ging a bisserl immer was, aber heuer nüscht.”

“Und?”

“Musste in zweiter Reihe parken, Omma auf der Straße nur kurz aus meinem Q4 helfen und in die vierte Etage bringen. Gesundheit geht immer vor. Und wissen Sie, was in der Zwischenzeit passierte?”

“Was?”

“Strafzettel! Nur weil ich mich paar Dutzend Minütchen um die Gesundheit meiner Omma sorgte. Wegen so ner Bagatelle von Zeit, da schaut dann die Staatsmacht ganz genau auf ihre Sekundenzeiger. Aber bei den Stauverursacher, diese der IAA, da schaun’se weg, statt mal dafür zu sorgen, dass wir Stau-frei in der Innenstadt fahren können. Wofür gibt es eigentlich das Messegelände in München-Riem? Für Helene Fischer Konzerte?”

“Besser ein Dutzend Helene Fischer Konzerte als ein Dutzend Klimaterroristen, die einem am Fahren hindern und Stau erzeugen.”

“Staus gehen gar nicht! Die schränken die Freiheit ein!”

“Richtig. Staus erzeugen Klimaschäden, wegen den Abgasen. Wenn aber garantiert ist, dass jeder schnell fahren kann, dann ist die Klimabelastung kürzer, weil alle schneller ans Ziel kommen. Nur wer schnell ist, kommt eher ans Ziel als andere. Das sollte man nicht nur den Grünen und ihren Klimaklebern begreiflich machen. Aber das einzige, was jene begreifen, ist maximal Asphalt unter ihren Händen. Zu mehr Begreifen reicht deren Intelligenz nicht. Früher hätte man einfach Gas geben, über solche Klimakleber hinweg. Aber heute?”

“Eben, mit einem Aiwanger als Minipräsi in Bayern wäre in den letzten fünf Jahren alles besser gelaufen. Dann gäbe es auch keine dummen Wahlplakate mehr, die einem die freien Parkplätze wegnehmen.”

“Ähem. Bitte jetzt keine Wahlwerbung hier, okay. Politik und Kneipe zusammen, das sind für mich NO-GOs in ner Kneipe. Ich will entspannen, und nicht Politikgelaber hören.”

“Egal. Jetzt einfach mal Prost.”

“Dito, Prost.”

IAA, damit auch morgen andere Messen wieder kraftvoll gelesen werden können …

Oha. Zwei Menschen zusammen. Nähe Fahrbahnrand.

Protestpotential! Auf einer Parkbank. Nah an der Straße.

Moment, ich notiere mir in meiner Kladde: Parkbank am Stemmer Hof, Kilometer Nullkommazwei, Richtung Kölsch-Kneipe. Er, eins achtzig groß, blond, circa 30. Sie eins fünfundsechzig, 19 oder 20 … hm, eher 24. Halten sich an den Händen. Sie verdeckt zusätzlich einen verdächtig tubenförmigen Gegenstand in der Rechten, sehr verdächtige Tube … .

Lippenstift … hm. Protestpotential negativ. Eher wohl Liebespaar. Hetero. Keine Klimakleber.

Hier in München ist was los. Dabei mögen wir es hier in München doch eher beschaulich. Da hinten, am Hotel, da hat sich schon das “USK Bayern” einquartiert. “USK”, das steht für “Unterstützungskommando” und nicht für “Universitäts- und Stadtbibliothek Köln”, wie so ein Schwurbler in jener Kölschkneipe versuchte, Fake-Nachrichten zu verbreiten.

Nebenbei, Kölschkneipe. Ha. Eine Kneipe mit nicht-Münchner Bier. Das sollte hier nicht erlaubt sein in unserer traditionsreichen Stadt. Dieses pissgelbe Gesöff in Reagenzgläsern ohne Trinkkultur. Da kommt keine Beschaulichkeit auf, weil die Kellner immer rennen müssen, um für ihre Gäste immer neues von diesem Noagerl-Bier herbei zu karren.

Also, wie gesagt, USK heißt Unterstützungskommando und sie bekämpft organisierte Kriminalität, Schwerkriminalität und Drogenkriminalität. Jetzt hier in München.

Also nicht wegen den Biertrinkern, Und auch nicht wegen dem Biertrinker Aiwanger und seinem Flugblatt, an dem sich jener genauso detailliert erinnert wie ein Bundeskanzler Olaf Scholz an seine Cum-Ex-Geschichte mit der Warburg Bank. Oder wegen dem Biertrinker Dr. Markus Söder, der sich inzwischen auch nicht mehr daran erinnert, dass er als bayrischer Umweltminister in 2011 mal mit persönlichen Konsequenzen drohte, sollte der Atomausstieg in Bayern nicht vollzogen werden. Oder wegen der Biertrinker Clan-Tochter. Die aus dem Tandler-Clan. Jene Frau, die ihrem Vater nacheifert und nun ebenfalls es wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung vor Gericht geschafft hat. Oder etwa wegen Akten zu Kindesmissbräuchen vom Freisinger Papst, die eventuell in München zwischen Augustiner-Mönch-Bierfässern gelagert sein könnten. Nein. Ganz und gar nicht.

Die USK ist hier, weil München seit 2021 eine neue Messe hat. Zur Erklärung: Messe, das ist das, wenn etwas Goldenes herumsteht und alle drumherum tanzen. Nicht ein Kalb oder Bierfass, sondern das heiligs Blechle. Eine Blechmarke. Von damals. Mit ihr konnten sich damals städtische Arme eines Ortes als approbierte bestätigte Bettler ausweisen, mit jener Blechmarke. Heiligs Blechle. Heute ist das ein Nummernschild an dem Deutschen seinen unantastbaren Heiligtum.

Bis 2018 hatte Frankfurt zum heiligs Blechle noch die passende Messe dazu. Aber dann strampelte Bayern wie ein trotziges Kleinstkind (“Wir sind mal Papst gewesen!”) und plärrte “Wui I aa Messe!” (auf deutsch: “Will ich auch Messe!”). Frankfurt kapitulierte und seit 2021 hat München die IAA.

Ab morgen wird sie erneut gelesen, die Messe. Zu Ehren dem heiligen Automobil mit der ehernen Sankt-Christophorus-Plakette auf dem Beifahrer-Airbag-Deckel. Wenn der Airbag zündet, dann schützt die dem Beifahrer sich entgegenschleudernde Plakette dessen Seelenheil. Sobald die Münze im Kopfe klingt, die Seele in den Himmel springt. Alte katholische Redensart. Als letzte Segnung sozusagen. Jeder seinem Glauben nach. Nur für mich wäre das nichts, weil so eine Plakette auf dem Cockpit ist für mich ein absoluter höllischer Designfrevel.

Also, zurück zur USK: die USK ist zur IAA hier, um den Kriminellen gewissermaßen die Messe zu lesen. Genauer gesagt, also das heißt, eigentlich will die USK nur Autofahrer vor organisierten Schwerstkriminellen mit Sekundenkleber-Fläschchen schützen.

Mein Nachbar meinte zu mir, man wisse doch, was solch ein technologischen Event wie die IAA an Gesindel anlocken wird: Lehrer, Studenten, vegane Körnerfresser, streikende Schüler, Öko-Hausmänner, queere Tabakdampfer und im Gepäck noch nen Habeck und ähnlich schreckliches Zeug. Und? Wo bleibt dabei die Staatsgewalt? Eben, Fehlanzeige!

Nicht mal der deutsche Geheimdienst wird hier tätig und lässt sich beim Observieren blicken. Kein Wunder, meinte der Schorsch vom Internet-Stammtisch, der wird bereits schon passend auf Englisch übersetzt, als “go home service” bezeichnet. Und recht hatte er. Darum bringe ich mich aktiv ein, helfe aktiv mit. Beim Schützen. Gewissermaßen ehrenamtlich. Unentgeltlich. Schon seit drei Monaten.

In meinem Internet-Stammtisch hatten wir bereits vor den Sommerferien festgestellt, dass es erforderlich ist, eine klare Trennung zu vollziehen, also genau das, was sauber denkende Menschen wie Domenika Gruber, Detlev Nuhr und Hubert Einfanger bereits umgesetzt haben. Eine klare Trennung zwischen Politik und Sachverstand. Wir können doch Klimaklebern nicht die Politik der Straße überlassen und uns von denen bevormunden lassen. Wo kämen wir denn dahin, wenn die uns überall nur am Fortkommen hindern? Wir hätten somit einen Progressionsstau. Und will den wer? Eben.

Also, ich hatte mich danach direkt mit Kladde und Bleistift auf den Weg gemacht, notiere seither jede verdächtige Bewegung zur Straße hin, in allen Details. Notfalls mit Fernglas. Ich hab da keine Scheu, dass ich dabei gesehen werde. Tue Gutes und zeige dich dabei, ist mein Motto.

Und was soll ich Ihnen sagen? Es passiert nichts!

Und warum? Weil der Feind bereits unter uns ist.

Eben! Der weiß seine Klimakleberabsichten zu tarnen! Diese Wölfe getarnt als Schlafschaf, welches sich urplötzlich als stauerzeugendes Klebemonster entpuppt! Da muss man doch aufpassen, den Anfängen wehren!

Drum führe ich Buch über alles und jeden. Dabei gibt es immer interessantes zu notieren.

Beispiel: der Mann von gegenüber, der Herr Niederwörgl, 36, verheiratet, zweieinhalb Kinder, Weißbiertrinker, BMW 5er-Fahrer, Affäre mit einer Frau in Schwabing und einer weiteren in Hasenbergl, Wohnhausbesitzer mit nicht mehr allen Latten am Zaun und einige davon sind sogar geklebt! Also, klar, das ist nun doch zu eindeutig! Wer seinen Gartenzaun nicht in Ordnung hält, das ist doch oberverdächtig. Wer dabei klebt statt ordentlich schreinert, der will wohl auch noch Zeit sparen und das ist ein Risiko. Mit seiner eingesparten Zeit klebt der wohlmöglich nachher in Maxvorstadt auf der Leopoldstraße auf dem Asphalt und hält den Verkehr auf. Vielleicht sogar noch auf dem Zufahrtsweg zur IAA!

Ja, solche Beobachtungen sind eindeutig präventiv zu notieren. Und zu bewerten. Wenn die USK bei so einem die Personalien überprüft, dann kann man die Fakten der eigenen Beobachtung präsentieren und – schwupps – ist die Klebersau für vier Wochen in Präventivhaft. Und mit welchem Recht? Mit allem Recht! Zum Wohle der IAA und der Autofahrer, die auf der Zufahrt zur IAA mit deren heiligs Blechle nicht selbstverschuldet wegen Klimaklebereien im Stau stehen wollen.

Nebenbei, Frau Niederwörgl kenne ich persönlich. Man nennt sie auch das Sendlinger Tageblatt. Der Frau Niederwörgl habe ich im Cafe Schuttner vor einem Monat mal meine Beobachtungen mitgeteilt. Danach war in Sendling der Teufel los. Die Hölle muss wohl das reinste Paradies dagegen gewesen sein. Und schnell hatte ich von interessierten Frauen weitere Termine im Cafe Schuttner.

Das Ergebnis? Fünf Scheidungen, siebzehn außereheliche Beziehungen beendet, vier außereheliche Kinder aufgedeckt, acht Zivilklagen, drei Strafverfahren und ein gebrochenes Nasenbein. Aber das war es mir wert.

Ich mache weiter, so etwas hält mich nicht auf. Denn seitdem herrscht in unserem Viertel wieder Zucht und Ordnung. Alles ist jetzt wieder moralisch gefestigt und Gartenzäune werden auch nicht mehr geklebt, sondern ordentlich geschreinert repariert. Wir sind wieder auf dem Weg zum Vorzeigeviertel.

Und sollte ich in der letzten Zeit auch keine verdächtigen klandestinen Klimakleber auf unseren Sendlinger Straßen beobachten können, so ist doch eines keinesfalls mehr von der Hand zu weisen. Man muss nicht alles gleich schlecht reden:

Die Klimakleber haben für unser Viertel eine ganze Menge Gutes gebracht.

Ertrage die Clowns (17): Das Sommerinterview

Im Jahr 1949 steckte sich der junge Joachim Fest einen Zettel ins Portemonnaie, den er bis zu seinem Tode mit sich führte. Auf dem Zettel stand der Satz:

„Ertrage die Clowns!“

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Moderator (M): “Hallo, liebes Publikum aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den gleichgeschalteten Bundesländern Bayern und den Wüsten aus Nord bei Nordwestfalen. Wir haben strahlenden Sonnenschein, urlaubshafte 37 Grad – Celsius, nicht Fahrenheit, wie mein Physiklehrer immer betonte – und die Vögel pfeifen sich ein Liedchen. Hier im heimeligen Sauerland im Städtchen Volpe führen wir unser erstes Sommerinterview. Als Gast haben wir den personifizierten Meister des Schreckens, der Erfüller des Bedürfnisses, leere Stellen auszufüllen.  Begrüßen Sie mit mir recht herzlich Herrn Horror Vacui.”

Horror Vacui (HV): “…”

M: “Ja, schön, dass die hier sind. Um es gleich vorweg zu sagen, momentan haben Sie wieder Vollbeschäftigung: Löwen als Wildschweine, Löwinnen als Genderwahnsinn, CDU/CSU lost in mainstream und anderen schwarzen Löcher des Weltalls, und Krieg in der Ukraine. Zudem erreichte uns vorhin die Eilmeldung, dass die Tütenkleber in Haftanstalten vom Verfassungsschutz als Klimakleber enttarnt wurden. Söder und Aiwanger hatten in einer gemeinsamen Presseerklärung deren sofortige Verhaftung gefordert und Schnellverurteilungen noch vor der nächsten Bayernwahl. Es müsse garantiert werden – so der Mini-Präsident und dessen Vertreter – das die Wähler bei der nächsten Bayernwahl, freie Fahrt als freie Bürger zum Wahllokal haben. Ohne irgendwelche Klimakleber.”

H.V.: “…”

M: “Die Medien und Internetseiten sind generell voll von solchen Dingen. Ihre Aktionen, Herr Horror Vacui, sind der Garant für Viralität. Wie fühlen Sie sich? Was macht es mit Ihnen? Selbst Heidi Klum hat weniger Interviewanfragen als Sie. Was geht in Ihnen vor, in diesem Sommer so begehrt zu sein?”

HV: “…”

M: “Ja, ihre Sprachlosigkeit ist verständlich. Uns, also mir und den Zusehern an den heimischen Monitoren geht es nicht viel anders. Dieser Sommer breitet sich momentan atemberaubend schnell aus und hinterlässt etwas, was nicht zu füllen ist. Schildern Sie doch einmal ihre Gefühle dazu.”

HV: “…”

M: “Hm. Ich verstehe. Ihnen fehlen die Worte. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie versuchen, es mit zwei Wörtern zu umschreiben?”

HV: “…”

M: ”Aha. Nun gut, Sie können es auch in einem Wort beschreiben, wenn Sie wollen.”

HV: “…”

M: “Meine Damen und Herren, meine Regie hat mir gerade signalisiert, dass wir am Ende unserer Sendezeit angekommen sind. Ich möchte mich an dieser Stelle bei meiner Crew bedanken, besonders bei den Wasserträger und ebenso an meine Row Zero, die ich nachher einzeln persönlich bei der AfterShow-Partie begrüßen werde. Ich bedanke mich auch bei Herrn Horror Vacui für dieses Sommerloch-Interview. Auf Wiedersehen und schalten Sie wieder ein, wenn es heißt: Wer viel zu sagen hat, braucht keine Worte.”