Was haben Mehdorn (Vornahme: Bahnchef), Glos (auch mit Vornamen, aber unwichtig, da fast auch nur ein deutscher Michel), Maria-Elisabeth Schaeffler (mit Doppelvornamen), der Dürener Immobilienhändler Anno August Jagdfeld (ebenso Doppelname), Josef Ackermann (zweiter Vorname Meinrad), Klaus Zumwinkel und Kurt Beck (beide ohne zweiten Vornamen) gemeinsam? Sie sind alle über 60 und stehen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.
Das ist jetzt eigentlich schön. Damit zeigt die deutsche Gesellschaft doch, dass sie was gelernt hat. Nachdem damals die deutsche Sprachgesellschaft eine öffentlichen Rüge wegen des Wortes „Altenplage“ (1995) aussprach. Und nachdem das Unworts des Jahres 1996 „Rentnerschwemme“ wurde.
Die Alten sind jetzt wieder wer.
Muss das jetzt sein?
Ich meine, da haben wir den Alten damals mal gezeigt, was wir von „Wohlstandsmüll“ (Helmut O. Maucher, 81 Jahre) halten. Und vor einer „Rentnerdemokratie“ hatte uns schon im letzten Jahr der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog gewarnt. Und da kennt sich der 74-jährige Roman als notleidender Bezieher satter Altersbezüge total sehr genau aus. Sprach doch bereits Karsten Vilmar von den positiven Effekten eines sozialverträgliches Frühablebens.
Warum kann man Leute über 60 nicht eine „Abwrackprämie“ einführen?
Die „Abwrackprämie“ ist doch die Errungenschaft der „Wegwerfgesellschaft“.
Mehrweg? Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.
Alte Menschen? Sind potentielle Langzeitarbeitslose. Belasten die monatliche Statistik. Bruche mer nit, fott domet. Einer Vergreisung der Gesellschaft wäre entgegengewirkt und die oben bereits erwähnten Namen könnten keine Probleme mehr machen.
Man stelle sich die Schlangen vor den Krematorien vor, wenn da die Enkel und Enkelinnen in der Mitte ihre „Abwrackprämie“ untergehakt heranschleppen würden. Da kommen gleich Gefühle wie im Mittelalter auf. So wie bei den „Ritter der Kokosnuss“ und der Szene „Bringt eure Toten raus„.
Gut. Die SPD hätte dann plötzlich keinen Müntefering mehr. Kurt Beck wurde gerade auch 60. Aber bei Georg W. Bush hätten sicherlich Milliarden gleich Applaus geklatscht.
Die Aufregung um Ackermann und Zumwinkel? Gäb es nicht. Blutdruck wäre automatisch gesenkt.
Ohne Anno August Jagdfeld würden die Hotelangestellten vom bekannten weißen Hotel am Heiligendamm (da wo die Merkel mit Bush und Sarkozy heftig flirtete) ruhiger schlafen.
Ohne Mehdorn und Schäffler? Keine Aufregung mehr in den morgentlichen Schlagzeilen. Die reinste Entlastung für den Blutdruck.
Eine „Abwrackprämie“ für die Ü60-Generation? Eine spannende Generation, diese Generation von Kurt Beck bis Jopie Heesters.
„Bringt eure Alten raus!„.
Letztens in meiner Kneipe, da kam ein alter Bekannter von mir rein. Ein Vertreter der Ü60-Generation.
Er bestellte gleich ein Doppelkorn und sah mich müde an.
„Gott, sei Dank, noch zweieinhalb Jahre bis zur Rente.“
Er kippte sich den Doppelkorn gleich hinter die Binde und bestellte den nächsten.
„26 Jahre habe ich für meine Firma die Kohlen aus dem Feuer geholt. 26 Jahre lang. Hab mich abgerackert wie ein Idiot. Aber jetzt scheint meine Erfahrung als 63-Jähriger nicht mehr zu zählen.“
Er kippte den nächsten Doppelkorn und bestellte ein Kölsch.
„Heute kam der Personalchef auf mich zu, dieser junge vierzigjährige Spund. Er bot mir für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit 1000 Euro Abfindung, wenn ich die Firma jetzt verlassen würde.“
Er nahm einen schnellen Schluck und schaute mich säuerlich an.
„Weißt du, der kann sich seine Abwrackprämie in den Arsch schieben! Ich bin doch kein Auto! Die zweieinhalb Jahre krieg ich auch noch rum.“
Ich gab meinem Wirt mein Glas zum Spülen. Ohne Abwrackprämie. Weil Mehrweg.
Mittlerweile kann ich das Wort „Abwrackprämie“ doch nun nicht mehr ausstehen. Vielleicht erfindet da wer noch eine „Abwrackprämie“ für das abwracken dieses gehirnverkleisternden Wortes.
Ich würde mich einreihen in die Schlange der Abwracker.
„Bringt eure Abwrackprämien raus!„.
…
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