Nachbetrachtungen zu den Tunnellicht-Reden

Nach der ersten Tunnellicht-Rede waren die Reaktionen noch verhalten. Lediglich ein Münchener SPD’ler schrieb mir per Email, dass er jene Marta Maria kenne. Und jene meines es nicht so, wie sie es sagte. Sie hätte ja nichts gegen die Frau Schmidt direkt. Aber sie könne es nun mal nicht ertragen, wenn die Frau Schmidt mit ihren Extra-Touren den Bankenhilfspaketen gewaltsam das Wasser abgrabe.

Die Reaktionen auf meiner zweiten „Tunnellicht-Rede“ waren eigentlich im Kommentarbereich wie bei der vorherigen. Absolut null. Dafür sah es mailmäßig aber ganz anders aus. Querbeet aus ganz Deutschland kamen Reaktionen. Was mir denn einfiele, Ausländer und Hauptschüler zu beleidigen, indem ich sie als generell ungebildet hinstelle. Naja, mir ist das nicht eingefallen.

Erinnert sich noch wer an die rot-grüne Green-Card-Regelung in Deutschland? Wir bräuchten unbedingt sowas für den IT-Bereich, damit Deutschland im internationalen Vergleich voran käme.
Und? Wo endete das?
Mit der Ausreise. Der erste Green-Card-Inhaber machte einen hervorragenden IT-Abschluss in Aachen und musste darauf unser Land verlassen, weil er seinen Aufenthaltstitel nicht verlängert bekam. Das zeigt doch, wie viel Angst vor intelligenten Ausländern herrscht. Da hilft auch ein Cem Özdemir als Vorzeigetürke im deutschen parlament nichts. Wobei, der Özdemir an sich ist doch eine Gefährdung des parlamentarischen Friedens bei all den Ypsilantis, Simonis, Schmidts und Becks, die dümmer sind, als …

Fast hätte ich geschrieben „als die Polizei es erlaubt“. Aber das stimmt ja so nicht. Denn die Polizei schreitet nur da ein, wo zuviel Intelligenzanballung herrscht.

So wie Vorgestern auf dem Marienplatz zu München. bei dem öffentlichen Gelöbnis der Bundeswehr. Jeder, der Besucher und Passanten, der eine Pfeife bei sich trug und nicht mittels DFB-Schiedsrichter-Lizenz sich als berechtigter Träger einer solchen ausweisen konnte, … zack, rote Karte, Platzverweis.

Jeder, der kritisch gegen das Gelöbnis seine Stimme, Pfeife oder Plakat dazu am Platz erhob, der wurde von der Polizei aus der Besuchermenge heraus gefischt und dessen Personalien aufgenommen. Pfeifen und Lärm, welches nicht von der Bundeswehr oder Polizei kam, war offiziell verboten. Fast hatte man den Eindruck, Bayerns Seehofer hatte das Gelöbnis extra angesetzt, nur um der Daten der letzten Intelligenten Bayerns habhaft zu werden.

Die CSU Bayerns konnte erleichtert aufatmen. Viele waren es nicht. 42 erhielten den Platzverweis, fünf wurden gleich verhaftet, weil die der Polizei zu intelligent waren.

Wenn dagegen die NPD mal wieder durch München marschiert, die werden nicht festgenommen. Aber das ist ja auch klar. Intelligenz findet man bei diesen nur in homöopathischen Dosen. Und sowas ist schützenswertes deutsches Gut. Darum ist die Polizei auch angewiesen, um dieses Intelligenzvakuum schützend mit zu marschieren und intelligentere Gegendemonstranten einzufangen.

Über Sinn und Unsinn von öffentlichen Gelöbnissen lässt sich trefflich streiten. Zumindest taugen sie immerhin dazu, dem Bürger mit Hilfe der Polizei klar zu machen, dass Ruhe des Bürgers seine erste Pflicht ist. Das heißt, man muss erkennen, dasss zur Ausübung einer Pflicht Intelligenz dieser zuwider läuft. Kritisches Hinterfragen, wie es Intelligentere gerne zu tun pflegen, gehört nicht dazu. Ist unerwünscht.

Pfeifen verboten. Auch nicht aus dem letzten Loch. Und insofern werden auch gerne parteiübergreifend all jene Ypsilantis, Simonis und Schmidts aus deren Politikstühlen gemobbt. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass die sich gnadenlos verdächtig gemacht hätten, Intelligenz im Übermaß zu haben. Aber im vergleich zu einem Koch, Seehofer, Westerwelle, carstensen oder Bouffier sind jene hochgradig verdächtig gewesen.

Moment, der Name „Bouffier“ sagt Ihnen jetzt nichts? Volker Bouffier? Unbekannt? das ist der, der sich momentan in Stellung zu bringen versucht, für einen Posten als minister bei Merkels neuem Kabinett im oktober. Volker Bouffin ist zweifacher Preisträger des „BigBrother Awards“ und warnte erst seit heute wieder vor möglichen „Massengeiselnahmen“ durch Terroristen. Genaues wisse zwar niemand nicht, aber es wäre doch denkbar, denkt Bouffier in die Pressemikrofone. Und dann bringt er gleich wieder die Bundeswehr ins Spiel und fordert die Legitimation für deren Einsätze im Innern. Er will, dass sich Einsatzleitungen und die Piloten von Abfangjägern direkt verständigen können. Offenbar geschieht das bis zum heutigen Tage in Zeiten der digitalen Netzte noch immer nur per Handzeichen . Ich weiß ja nicht , wo Bouffier beim G8-Treffen in Heiligendamm im Jahre 2007 war, aber da waren es nicht Handzeichen mit denen sich Polizei, BG und Abfangjägerpiloten verständigt haben, als die Piloten der Tornados die G8-Teilnehmer abfotografierten.

Das Abfotografieren ist ja schon gute deutsche Tradition. Erst durch die auswertung der Fotos konnte man doch feststellen, dass der Anteil der Niedrig-Bildungsbürgertums nur zahlenmässig gering bei Demonstrationen gegen die Regierung vertreten ist. daraus wurde dann messerscharf geschlossen, dass bei Erhöhung der bevölkerlichen Verdummung sich die Kosten für die Überwachung regierungskritischer Demonstrationen verringern lassen.

Waren es 2003 bei der Demonstration gegen den Irak-Krieg in Berlin noch 500.000 Teilnehmer, so brachte es Heiligendamm in 2007 schon nur noch auf 50.000 Teilnehmer.

Die Bildungsmisere zeigt sich doch bei den schwachsinnigen Antworten der so beliebten Zuschauerfernsehquiz in den Halbzeitpausen oder bei Kochsendungen: „Wer organisiert die Arbeitsabläufe in der Küche? A ) der Koch B ) die Merkel“. Ich wette, jeder fünfte Anrufer wird „B“ nennen.

Wenn dann aber demnächst im Zuge des Bundeswahlkampfs demnächst mal gefragt werden sollte „Wer bereitet die Suppe zu, die wir auslöffeln?“, dann werden viele ganz spontan „Maggi“ ausrufen und die Politiker werden sich in deren Ohrensesseln zurück lehnen und erleichtert seufzen: „Gott, sei dank, wir nicht.“

Denn solange die da unten nicht verstehen, dass zu viele Gedanken beim Regieren der anderen hinderlich sein könnten, und stattdessen lieber 49 Cent pro Anruf raushauen, um an den schicken Stadtflitzer ranzukommen, solange sollte auch ich mir noch versuchen einen Ohrensessel zu ergattern. Dann könnt ich mich auch drin entspannt zurück lehnen und versuchen der kritischen Masse durch Nichts-Tun zu entgehen. Ein bisschen so wie die drei Affen zu sein, das gefällt jedem und erspart mir graue Haare.

Tunnellicht-Rede (2)

Verehrte Damen und Herren,

nach all den Würdigungen zu 60 Jahre Deutschland ist es doch mal an der Zeit etwas zu würdigen, was in der ganzen Welt tagtäglich immer mehr an Bedeutung gewinnt und auch in Deutschland nicht mehr von der Hand zu weisen ist. Es geht um die Ressource Mensch und deren individuelle Individualressource Hirn.

Nicht erst seit heute, an dem Tag, an dem auffiel, dass Frau Pauli noch nicht mal ihre Unterschrift beherrscht, um ihre Partei, die FREIE UNION, in Bayern zur Wahl zu bringen, nein, schon seit PISA dürfte jedem Bundesbürger klar geworden sein, welches Wohl wir genießen, wenn Dummheit sich als Massenphänomen Breschen in die deutsche Gesellschaft schlägt. Die fehlende Unterschrift der Frau Pauli verringert die Länge der Wahlzettel in NRW und Bayern und trägt in Folge zur Papiereinsparung, vulgo, umweltfreundliche Ressourcenschonung bei. Die fehlende Unterschrift dürfte dem ein oder anderem Baum in Deutschland das Leben retten und dem Wähler Übersicht bei der Wahl wahren.

Das Beispiel zeigt, dass Dummheit nicht unbedingt schädlich sein muss. Sie kann sogar erheblich wirtschaftsfördernd sein.

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass in Stadtteilen mit Einwohnern niederer Bildung ein erhöhter Pommes-Frites-Verbrauch einher ging. Gerade in der Umgebung von Hauptschulen werfen dort beheimatete Pommesbuden oder MacDonalds-Filialen einem erhöhten Fast-Food-Umsatz ab. Die Erklärung liegt auf der Hand. Dort, wo höhere Bildung herrscht, lohnt es nicht fettige Pommes oder Gammeldöner zu verkaufen, eben weil die besser Gebildeten erkannt haben, dass sowas der Gesundheit abträglich ist. Eltern mit akademischen Hintergrund werden ihre Kinder nicht mit Pommes und Cola groß ziehen, weil sie wissen, dass dieses nachhaltig Intelligenz, Knochenbau und Fetthaushalt ihrer Kinder schadet. Und gerade dieses ist der einfachen Bildungsschicht unbekannt. Deshalb findet sich auch Fettleibigkeit gerade in den Schichten der Basiseinkommensverdiener wieder.

Die Hauptschulen als Sammelbecken von sprachgehemmten Ausländern, verfetteten deutschen Kindern und gescheiterten Lehrerexistenzen sind gerade zu ideal, um die Lebensmittelindustrie auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu stützen. Kindern aus Arbeiter-, Bauern- und Ausländerfamilien sind dankbare Abnehmer von Pommes, Burgern und Dönern. Würden diese ihre Kinder nicht mit einem 5-Gänge-Cola-Pommes-Menü groß ziehen, sondern mit fettarmer Vollkost, wie sollten unsere Pharmaindustrien überleben. All die Krankheiten aus falscher Ernährung sichern doch Millionen Menschen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ihr Überleben.

Wer die Menschen aus MacDonalds oder Burger King heraus halten will, wer Pommes-Rot-Weiß als Kulturgut in Frage stellt, der muss sich öffentlich fragen lassen, wie er es mit den Millionen Arbeitsplätzen in der Pharmaindustrie hält, ob er von Gesundheitsministerium jetzt eine jährliche Jahrhundertreform zum Schutze von Ärzten, Apothekern und Gesundheitssystem haben will.

Verehrte Damen und Herren, wir dürfen uns doch glücklich schätzen, dass es solche Pöbelsammelbecken wie Hauptschule, MacDonalds oder ALDI gibt. Würden sich all diese Menschen an wahren Bildungszentren rumtreiben, es wäre nicht auszudenken, was das für unsere Gesellschaft bedeuten könnte. Wir hätten mit mehr Nachfragereien zu rechnen. Die Gesellschaft würde zu einer kritischen Masse mutieren. Und wir alle, die wir die Intellienz Einsteins lieben und verehren, würden mit unserem sozialen Errungenschaften in dieser kritischen Masse kollabieren.

Seien wir doch mal ehrlich: wir können damit leben als „Wixer“, „Momgos“ und „Schlampen“ bezeichnet zu werden, also in der Heimatsprache der Hauptschüler angeredet zu werden, solange das ohne wirtschaftliche Einbußen von statten geht.

Wir sollten froh sein, dass wir in PISA nicht die besten sind. Denn wir brauchen die PISA-Verlierer für unseren Gewinn. Denn nur solchen Menschen läßt sich diese Welt so erklären, so wie wir sie sehen.

Meine Damen und Herren, lasst uns das Glas heben auf die Hauptschüler und Paulis Deutschlands. Sie haben ihren Platz in unserer 60jährigen demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft gefunden und das ist auch gut so.

Guten Abend.

Tunnellicht-Rede

Sehr verehrte Damen und Herren,
hier ist zwar nicht das Berliner Adlon mit Sekt und Kaviar, trotzdem ist es an dieser Stelle angemessen hier und heute eine weitere Ruck-Rede selbst bei heimischen Bier und Weißwurst zu halten.

Lassen Sie es mich so formulieren: die Talsohle ist durchschritten, das Licht am Ende des Tunnels ist sichtbar und es handelt sich laut ifo nicht um Gegenverkehr. Unsere bisherigen wirtschaftlichen Seitwärtsbewegungen können als sinnlicher Tango zur Prüfung der Flexibilität und Biegsamkeit der Arbeiter und Angestellten verstanden werden.
Unsere soziale Marktwirtschaft hat funktioniert. Wie immer in Krisen befreit sich unsere Marktwirtschaft von unnötigem Ballast und differenziert zwischen Gewinner und Freigesetztem. Letztere sorgen für Vollzeitbeschäftigung bei den Transfergesellschaftlern und sind auch noch später durch Hartz-IV sozial abgefedert.

Sie wissen meine Meinung zu Hartz-IV, aber inzwischen hat sich bei mir der Erkenntnis-Prozess durchgesetzt, dass Hartz-IV doch wohl nötig ist . Arbeitslosen wird hierdurch neue Arbeit geschaffen. Jeder von uns hat doch in den letzten fünf Jahren gelernt:
„Sozial ist, was Arbeit schafft“.

Das weiß inzwischen sogar die deutsche katholische Bischoffskonferenz und steht hinter diesem marktwirtschaftlichen Leitsatz. Wenn man sich überlegt, dass gleiche Gruppierung vor Jahrzehnte nicht direkt Abstand von ihrer „Theologie der Befreiung“ genommen hat, so ist dieser Meinungswandel ein Quantensprung. Wenn diese noch Fortschritte bei deren analfixierten Priestern macht und dann auch ihre Pius-Randgruppe mäßigt, erst dann wird sie im realen Hier und Jetzt nachhaltig angekommen sein.
Nein, ich will hier nicht zum Katholen-Klatschen ausholen, das ist auch nicht mein Thema. Aber solange Priester das Leben unserer braven Söhne und Töchter als dehnbare analoge Begrifflichkeit auffassen, solange sollte sich niemand darüber aufregen, wenn die offene jederzeit diskutierbare Meinungsäußerung über Juden durch eine katholische Marginalität verbreitert wird.

Meine Damen und Herren, wie gut inzwischen Hartz-IV greift, läßt sich faktisch erfahren und macht sich auch in unserem Geldbeutel durch Preisnachlässe bemerkbar: kostengünstiger Spargel, saftige deutsche Erdbeeren, bunte Gladiolen und saubere Bürgersteige. Hartz-IV kann uns noch mehr bringen.

Klar, Hartz-IV kann jeden treffen. Nicht nur den Arbeiter mit Halbwissen bei Opel oder die vielen ungeschulten Arbeitskräfte bei Quelle. Selbst sehr gut geschulte Firmenbesitzer droht Hartz-IV.
Letztens erzählte mir in Vaduz ein befreundeter Firmenbesitzer, dass er inzwischen Kredite aufnehmen musste, dass er faktisch ein Hartz-IV-Kandidat sein würde, sollte er Pleite gehen. Und bei dieser Bedrohung muss er auch an das soziale Wohl seiner Mitarbeiter denken. Er hat ja auch gesellschaftliche Verantwortung. Daher kam er an der Freisetzung einiger Mitarbeiter nicht vorbei. Anfangs hatte er vorgesehen, 20% frei zu setzen. Aber durch generelle Einführung der 35-Stunden-Wochebei Angestellten und Arbeitern, müssten nur 10% in eine Transfergesellschaft überführt werden. Und die anderen werden mit Kurzarbeit aus der Krise geführt.
Klar sei ihn das nicht angenehm, aber besser das 10% von Hartz-IV bedroht seien, als alle Mitarbeiter und er selber auch. Ein 30%iger Einkommensverlust ist immer noch besser als AlG oder Hartz-IV.
Das traurige Beispiel der Witwe Schickedanz diente ihm hierbei als Mahnung.

Meine Damen und Herren, die Zeiten sind schlecht, wie man an der Deutschen Bank wieder sehen kann. 9% Einbruch bei der Rendite. Das sind harte aber traurige Fakten. 9%! Im Hinblick auf die Bundestagswahl bleibt lediglich zu hoffen, das jene Parteien einen gleichen Einbruch erfahren, so wie sie es verdient haben. Wobei, den ersten öffentlichen Einbruch hat die SPD durch Ulla Schmidt sich schon eingehandelt, wenn ich mal ironisch bemerken darf. Selbst Schuld, wer seine Autoschlüssel nicht im Hotelsafe deponiert. Sowas ist falsch verstandenes soziales Verhalten der Ulla Schmidt, wenn sie auf Kosten unserer Steuerzahler ihren Dienstwagen Bedürftigen zum Stehlen anbietet. Das ist falsch verstandenes soziales Bewußtsein, den Rettungspaketen für unsere Banken einfach Geld durch unsinnige Dienstreisen abgraben zu wollen. Aber zur Korrektur gibt es ja die Bundestagswahl. Dann wird Frau Schmidt schon verstehen, was ein wirklicher Einbruch ist. Wenn die gute Frau nach einem Jahr Arbeitslosigkeit zum Hartz-IV-Fall wird, dann wird sie verstehen, dass nur das sozial ist, was Arbeit schafft, Frau Schmidt. Und nicht was Arbeit macht.

Meine Damen und Herren, ich denke, wir Arbeitgeber können mit Hartz-IV leben. Bietet es uns Wirtschaftkräften doch ein soziales Auffangnetz, aus dem wir weiter mit Arbeitslosen gesund wirtschaften können. In einer sozialen Marktwirtschaft eben.
Guten Tag.

(Rede der bayrischen Landespolitikerin Marta Maria Solln, CSU, übersetzt ins Hochdeutsche)

Einmal Sansibar hin und zurück – und dann Belgrano ade

Untergang der Belgrano im Falkland-Krieg am 2. Mai 1982
Wir sind ein streitbares Volk.
Schon als Germanen haben wir am Rande des Teutoburger Waldes hin und wieder unsere flüchtenden Möchtegern-Eroberer niedergemetzelt, bis dass die Römer nicht mehr Piep sagen konnten. Regelrecht mundtot haben wir sie gemacht.

Wir?

Jawohl wir! Es war ein Stellvertreterkrieg der unwissenden Vorfahren für deren Nachfahren. Und deswegen haben wir dem Hermann als Stellvertreter von uns eine Statue aufgebaut.

Drohend winkt sie gen Frankreich, wo Deutschland im 19. Jahrhundert die anderen Unboten Europas sahen. Aus sicherer Entfernung sollte die blanke Klinge das französische Volk zur Mahnung und Warnung dienen. Aber die hatte es aus der sicheren Entfernung nicht gesehen und so kamen sie dann noch ein paarmal bei den Deutschen vorbei, um diesen Baguettes, Rotwein und französische Rechtskultur beizubringen.

Eigentlich hieß der kupferne Germane auf seinem Sockel im Teutoburger Wald ja Arminius. Und als eben solcher hatte er den Varus und seine Römern einfach mal verraten. Aber das darf man freilich nicht als Verrat sehen, denn als Freiheitskämpfer ist man nie Verräter sondern Patriot.
Und im Grunde hieß der doch auch Hermann. „Hermann, the german“ wie die Engländer so treffend reimen.

Obwohl, Hermann war ja Cherusker. Und die Cherusker lebten bekanntlich in Ostwestfalen. Ostwestfalen. Da wo die Uhren einen Tick langsamer laufen als die von dem Rest der Welt. Viele Menschen denken bei Ostwestfalen eher an Bielefeld und seinen Merkspruch „Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir úns in Bielefeld“. Oder auch an Paderborn mit seinem Drei-Hasen-Fenster. Aber an aufmüpfige Germanen oder Cherusker?
Ja, hallo erstmal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten: aber fragt man nach dem berühmtesten Ostwestfalen, da kommt kommt als Antwort „Rüdiger Hoffmann“. Oder der Antje Vollmer. Oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Oder „Gerry Weber“.
Okay, Wiglaf Droste und ein Heinz Rudolf Kunze könnten das wieder aufwiegen. Aber wenn man erstmal verinnerlicht hat, dass der ZDF-Prediger und Dauergrinser Peter Hahne und auch Schlagerfuzzi Peter Orloff auch Ostwestfalen sind …
Ich schieb dann mal schnell Jürgen von der Lippe und Iris Berben nach, um das vorher Gesagte ein wenig vergessen zu machen …

Aber wem haben wir das nun alles zu verdanken? Dass Ostwestfalen so eine historische Bedeutung erlangte?
Genau. Dem Varus, dem willig billigen Opfer.
Einer gegen alle. Er gegen die Germanen. Und Hermann gegen die Römer.
Klar, eigentlich ist schon die Frage nach der Dankbarkeit falsch gestellt. Die Frage müsste lauten, wer der berühmteste Freiheitskämpfer Deutschlands ist.
Wie der Germane hieß und wie er kämpfte, da gibt das Scheffel-Lied Auskunft:

„Mit Gott für Fürst und Vaterland
Stürzen sie sich wutentbrannt
Auf die Legionen.“

Man merke, der Hermann war schon gottesfürchtig, bevor der erste christliche Missionar Germanien bekehren konnte. Knapp 24 Jahre bevor Jesus ans Kreuz genagelt wurde und Petrus meinte „Nö, den kenn ich nicht.“

Varus ist es dabei nicht so gut ergangen wie dem Jesus. Der Germane hatte schon ein wenig mehr Brutalität im Blute als jene Römer dem Jesus gegenüber.

„Diesem ist es schlimm ergangen,
Eh daß man ihn aufgehangen,
Stach man ihm durch Zung und Herz,
Nagelte ihn hinterwärts
Auf sein corpus iuris.“

In der Schule habe ich dann immer im Chor das

Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
Schnäde räng täng, de räng täng täng

schmettern dürfen. Schön war’s, so unter geistigen Pickelhauben singen zu dürfen.

Hermann ist freilich eindeutig Westfale.
Und so feierte er auch genau so, wie es heutzutage die Westfalen auf deren eigenen Dorfkirmessen veranstalten. Dort pilgern die wackeren Recken in der Tradition von Hermann, dem Cherusker, von Bierstand zu Bierstand, von Kneipentür zu Kneipentür und meinen das sei die einzig wahre Kneipkur. Und die Frauen dieser Helden nippen großzügig stolz an deren Willybecher, dem einzig wahren, deutschen Standardglas, und benehmen sich dem Scheffel-Lied entsprechend tusneldenhaft. Thusnelda war übrigens ein holdes Blondchen, aber gesoffen haben Tusnelda und Hermann wohl so, wie es heute den deutschen Bübchen und Mädchen beim Komasaufen ein Vorbild ist.

„Wild gab´s und westfäl´schen Schinken
Bier, soviel sie wollten trinken
Auch im Zechen blieb er Held
Doch auch seine Frau Thusneld
soff walküremäßig“

Das Komasaufen der beiden war sicherlich ein großer Schritt für deren eigene Leber, aber nur ein kleiner Schritt für das deutsche Volk an sich.
Denn Hermann war nur ein Stammesfürst. Sein Sieg verhinderte, dass die römischen Besatzer aus Germanien ein geeintes Volk erschufen. So lebten die Deutschen später fleißig untertänigst mit ihren Fürsten und Kurfürsten und deren Marionetten-Kaiser und -Könige, wobei die ersteren verhinderten, dass irgendwer der zweiteren Garde zuviel Macht erhalten konnte. Jeder der fürstlichen Herrschaften und Hochwohlgeborenen hatte ein wenig Macht, aber keiner dieser Machtgesellen zuviel davon im eigenen Portfolio. Ein Gleichgewicht des Schreckens im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.
Im Überglanze jener prädeutschen Geschichte ist es ja inzwischen fast schon als Gerücht anzusehen, dass es 1989 eine Wiedervereinigung gegeben haben sollte.

Aber keine Sorge. Es hat sie gegeben, die Wiedervereinigung. Inklusive seinen begeisterten Menschen und den Kohl’schen Gärtnern der blühenden Landschaften. Und nicht zu vergessen, jene kritischen Geister, die die Wiedervereinigung rief und danach nicht los wurde. Jene die zwei Jahre später meinten „Wir sind vielleicht ein Volk“.

Doch zurück zur geschichtsbildenen Varus-Schlacht. Für Hermann war ja das Leben danach nicht einfach vorbei, als er Germaniens Besatzer auf deren Flucht permanent bis zur Unkenntlichkeit vereinzelnd gemetzelt hatte. Beim niedersächsischen Kalkriese soll bei Hermanns Haarespalten auf römischen Häuptern ordentlich Kalk gerieselt sein.
Die Geschichte meint, uns zu überliefern, dass Hermann später hinterrücks gemeuchelt wurde. Nein, nicht von seiner Ehefrau Tusnelda, sondern von seiner Verwandschaft, so wollen uns selbsternannte Geschichtsschreiber weiß machen.

Unser Hermann? Der heroische Befreier von der Knechtschaft Roms? Das offensichtliche Vorbild von Uderzos und Goscinnys Endszenen aus „Asterix und Obelix“? Das darf glauben, wer simpel gestrickt ist.
Denn in unseren Tagen weiß doch jeder, wo der Hermann mit seiner Tusnelda endete. Und zwar hier und hier.

Falls das nicht unser deutscher Hermann gewesen sein wollte, der von seiner Frau so genervt den Schlusssatz röchelte „Ich bringe sie um … morgen bringe ich sie um!“, dann weiß ich nicht, wieso ich schon damals vor Lachen unter deutschen Biedermeier-Nierentischen lag.

Jawohl! Hermann stieg auf zum gefürchteten Römer-Schlächter und endete bei Loriot als rentnender Bettvorleger seiner Frau. Wer noch nie im Kindheitsalter bei Detmold unterm Hermannsdenkmal rauf zur Schwertspritze schaute und darüber grübelte, warum Asterix dort ohne seinen Obelix rumsteht, der weiß auch nicht, dass in der Gegend drumherum die Externsteine stehen und viel interessanter sind. Da sprüht die Magie. Das ist Mystik. Das ist die dunkle Seite Germaniens. Da hat man aus Kröten mit einem Hauch Haselnussbraunfäule in Maiglöckchen-Sud gekocht, das brodelnde Gemisch den Feinden ins Gesicht geschleudert und sich nachher über deren Brandblasen ergötzt.

Ich habe noch vom 100-jährigen Jubiläum des Hermannsdenkmals ein kleines Taschenmesser. Dessen Klinge ist nicht so groß und prächtig wie die vom Hermann, eher klein und verrostet. Meine Eltern hatten es mir als Andenken gekauft und meine kleines Taschenmesser hatte mit der großen Statuenklinge eines gemeinsam: Es klebte nie Blut dran. Darum tauge ich auch nicht als Befreier der Cherusker oder Germaniens oder wenigstens Ostwestfalens. Und muss auch nicht fürchten, von der eigenen Verwandschaft gemeuchelt zu werden.Vormals Held, danach mit Neid überschüttet. Wie Hänsel und Gretel: Gehasst, geschasst und ausgesetzt.

Als streitbares Volk dürfen wir das. Ehrenmorde sind zwar verpönt (und werden zu Recht gerichtlich verfolgt), aber ein wenig Grube graben für sein Mörderherz, dagegen hat niemand was. Insbesonders nicht aus der Verwandschaft, denn das sind Familienangelegenheiten. Der angekündigte familiäre Mord ist ja immer noch ehrenhafter als der hinterrücks gestoßene Dolch aus dem Gewande der Aussenstehenden.

100 Kilometer südlich von Kalkriese im Städtchen Ahlen bewegte sich ein anderer König im letzten Jahrhundert in den Süden Deutschland und versuchte von dort aus den südlichen Überraschungsangriff auf Niedersachsens Stolz. Ein King dem Teilnamen nach. Sein Angriff misslang und der zuvor als Cherusker gefeierte forsche Porsche-Wiedeking harrt nun den meuchelnden Dolche seiner industriellen Familie.

Wiedekings Traum war der des Cheruskers: Täuschen, Tricksen, Anschleichen und dann scheibchenweises Übernehmen. Jetzt wird Wiedeking selber zerlegt. Genüßlich und mit maliziösem Lächeln seitens seiner buckligen Piech- und Porsche-Verwandschaft.
Terätätätäterä und simserim simsim simsim.
Wie hatte schon James Thurber am Ende einer seiner Gedichte gereimt gehabt:

Ashes to ashes
clay to clay
if the enemy don’t get you
your own folks may

Schnäde räng täng, Schnäde räng täng
Schnäde räng täng, de räng täng täng

Ünbrigens, Sansibar ist für Deutsche nicht das Land, wo der Pfeffer wächst. Der wächst zwar auch dort auf jener ostafrikanischen Insel. Jedoch steht „Sansibar“ im Deutschen für die Utopie nach einer besseren Zukunft (s.a. „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch).

Sansibars bekanntester „Sohn“ wurde dort mit dem Namen „Farrokh Bulsara“ geboren. Im November 1991 starb er in Kensington, London, an den Folgen seiner HIV-Erkrankung. Farrokh Bulsara ist uns besser als homosexueller Sänger der Gruppe QUEEN unter dem Künstlername „Freddie Mercury“ bekannt.

Und dann noch ganz nebenbei erwähnt:
Die Regierung von Sansibar erließ 2004 ein Gesetz, welches künftig homosexuelle Akte unter Strafe stellt.

Kennt sich die Bundesregierung mit dem Internet aus?

Browser? Was sind denn noch mal Browser?

Ghostwriter gesucht …

Den Kreditinstituten geht es nicht so gut. Man gibt denen momentan nicht so viel von dem Kredit, den sie bei uns verspielt haben. Den Glaubwürdigkeitskredit. Und gerade den benötigen sie besonders viel. Denn sonst klemmt die Kreditwirtschaft und wir haben wieder „notleidende Banken“. So etwas kann sich die Kreditwirtschaft nicht leisten.
Dagegen muss was getan werden.
Vor allem mit Reden. Darum suchen die jetzt auch Redenschreiber (aus der FAZ vom Wochenende):

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Wenn es mit dem Bürgermeister (siehe meinen vorherigen Blogeintrag) nicht klappt, dann werde ich mich halt hier bewerben. Mit folgendem Arbeitsnachweis:

Sehr geehrte Damen und Herren,
ja wir stecken momentan in einer der größten Krisen seit dem zweiten Weltkrieg im letzten Jahrhundert. Um diese Krise zu überwinden, ist in mannhafter Kompromissverantwortung mit altbewährter Erinnerungskonzeption eine systematisierte Interpretationsflexibilität gefragt. Denn nur eine qualifizierte Kommunikationakzelleration unter historischer Zukunftsgläubigkeit bringt eine ambivalente Fluktuationsakzelleranz der unerschütterlichen Wesensverstrickung und emanzipatorischer Identifikationsproblematik.
Ja, meine Damen und Herren, in diesen hochbedeutsamen Zeiten der konstruktiven Aktionstendenz ist eine fanatische Zukunftsgewißheit genauso erforderlich wie diese unsere Gemeinschaftsverpflichtung in echter Motivationskonzeption. Permanente Innovationspräferenz verbunden mit machtvoller Geisteserhellung und kreativer Interpretationsphase bringt uns die mannhafte Erinnerungsaussage einer integrierten Beziehungspotenz, die in diesen unseren schweren Zeiten der fehlenden Krediten eine funktionale Fluktuationsflexibilität der tiefen Bildungsverantwortung nach sich ziehen wird.
Drum lassen Sie mich an dieser Stelle schließen mit einer liberalen Staatsbürgerkonzeption der qualifizierten Oragnisationsrelevanz und abendländischer Konsensinitiative:
Das Buffet ist eröffnet.
Und lasst mir noch was vom Champagner und Kaviar übrig. Danke.

Der Karrieretipp des Tages …

Verehrte Bürger und Bürgerinnen, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, sehr verehrtes Feindesgesindel und Feindesgesocks!

In der Stadt Wedel haben CDU und Grüne zusammen vereinbart, eine zukunftsfähige Politik für jeden einzelnen der Wedeler Bürgerinnen und Bürger zu gestalten, die Entwicklung der Stadt nachhaltig zu fördern und die Lebensqualität für jeden Wedelaner zu verbessern.

Wedel?
Sie haben noch nie von Wedel gehört?
Also bitte!
Wedel, das ist die Stadt in Schleswig-Holstein nahe der Elbe am drei Bundesländereck Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Ja, Wedel hat den norddeutschen Flair von „Schöner sitzen und auf die Elbe gucken„.

Aber Wedel hat jetzt ein politisches Problem. Bei der letzten Gemeinderatswahl vom 25.05.2008 verlor die CDU 9,8% und die SPD pulverisierte 2,2% an Zuspruch. Stattdessen rissen sich die Linken 8,8% der Stimmen unter ihre rot-lackierten Fingernägel.

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erlitt Wedel einen Wahlbeteiligungseinbruch von mehr als 9%! 1829 Bürger haben sich gegenüber der letzten Gemeinderatswahl der Wahl verweigert.
Anders ausgedrückt: 39,2% der Stadt empfanden es überhaupt für nötig, zur Wahlurne zu schreiten. Darüber, dass davon 184 Wähler zu dumm waren, auch noch einen gültigen Wahlzettel abzugeben, darüber sei hier mal das Mäntelchens des Schweigens ausgebreitet. Das ist zu beschämend für das durch PISA in Schräglage geratene Bundesland (nur Platz 10 und somit nicht mal unter den 9 besten Bundesländern Deutschlands).

Also nur 39,2% bei der Gemeinderatswahl. Mag sein, dass die Wahl damit um 0,2 Prozentpunkte interessanter war als die Kreistagswahl.
ABER: Selbst die Europawahl mit 39,6% Wahlbeteiligung stieß auf mehr Interesse. Das ist ein Grund sich fleißig fremdzuschämen.

Die Weltuntergangsstimmung an dem Städtchen der Elbe ist groß. Selbst ohne Elbe-Hochwasser. Und kein Retter weit und breit in Sicht.

Und nun? Ein Messias muss her! Ein neuer Bürgermeister muss es sein! Ein niegelnagelneuer, der nicht aus der eigenen Stadt kommen muss. Einer mit frischem Wind statt altem Gepupe. Einer mit neuen Perspektiven! Nur ein neuer Bürgermeister kann die 32.500 Wedelaner wieder motivieren zur Wahlurne zu trotten.
Und mit einem gesicherten Einkommen von 6.400 bis 6.800 Euro monatlich, da sollte sich doch ebenfalls jemand als Kandidat zum Bürgermeisteramt finden lassen. Daher findet sich alles weitere in der Stellenanzeige der FAZ, bundesweit an diesem Wochenende veröffentlicht:

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Da sollte doch was machbar sein, oder?

Verehrte Wedelaner und Wedelanerinnen,
hiermit kündige ich meine Kandidatur an.
Für sechseinhalb Mille brutto plus den Zulagen netto bin ich dynamisch, zielstrebig, engagiert und verantwortungsbewusst. Meine Erfahrungen in Führungs- und Leitungsfunktionen habe ich untertänigst als vielfaches Parteimitglied erworben (besitze vier Parteibücher und bin bei einer fünften mit meinem Antrag auf Aufnahme in der Warteschleife). Zusätzlich weiß ich als Angestellter eines inzwischen sogar staatlich stark unterstützen Kreditinstituts, wie man trotz mancher Nähe der Bürger Verwaltungen nachhaltig und wirtschaftlich führen kann. Mit dieser Orientierung eines Kreditfachmanns kann man sich auch in Bürgermeisterämtern genügend leisten, so dass „leistungsorientiert“ schon mein zweiter Nachname ist.

Liebe Wedelaner und Wedelanerinnen,
merkt euch meinen Namen. Ab morgen kommt meine Bewerbung über euch.

MfG
Euer neuer, designierter Bürgermeister

Protokoll eines gescheiterten Grabraubes

– Schlagbohrer! Gib mir jetzt den Schlagbohrer!
– Moment. Den Bosch oder die Hilti?
– Den Hilti, Mensch. Oder meinste, ich will hier Bilder aufhängen?
– Welchen Bohrer?
– Den 20er!
– Moment.
– Beeil dich.
– Jaja. So hier. Ist okay?
– Halt die Lampe!

Ein Surren erfüllt den Raum, feiner Bohrstaub durchzieht die Luft. Es kracht.

– Sag, mal spinn ich? Was ist denn das für ein Bohrer?
– 20er, wie du gesagt hattest.
– Du Volltrottel! Das ist ein Holzbohrer, du Dünnbrettbohrer! Wir brauchen den Steinbohrer! Holzbohrer, ich glaub ich spinne. Wir bohren hier doch keine Holzsärge! Das ist ein Sarkophag, du Hirni.
– Tschuldige. Hier. 20er Diamantbohrer extra hart.
– Na also, es geht doch.

Erneut erfüllt ein hartes Surren den Raum, noch feinerer Bohrstaub vernebelt das Licht der Lampe. Der Bohrer dreht im Lehrlauf hoch. Irgendetwas scheint sich um den Bohrer gewickelt zu haben. Ein Stück violettes Stofftuch.

– Violettes Tuch? Ich wette, hier war ein Schwuler begraben. Los, gib mir das Endoskop. Ich will reinschauen!
– Hier. Nimm. Und siehste was? Gold? Diamanten? Juwelen? Alte Schriftrollen?
– Nichts. Nur Knochen und offenbar Marihuanabrösel.
– Mist. Dann erstatte ich mal Meldung. Eichhörnchen an Raubkatze. Eichhörnchen an Raubkatze. Hörst du mich? Nein, Eure Exzellenz, auch in dem letzten Sarg war nichts bedeutsames.

Wenige Stunden später:
– Und wurde was dort unten entdeckt?
– Nichts.
– Überhaupt nichts?
– Nur Knochen, violette Tuche und ein Paar Brösel, von denen der verfilzte Bergmann meinte, es sei Marihuana.
– Und wo ist das Gold? Die Juwelen? Die Diamanten?
– Ich glaube, das ist nur das Grab eines Ur-Christen. Die hatten damals nicht soviel Geld für Grabbeigaben.
– Und wie überleben wir jetzt die Finanzkrise? Ohne Kredit? Wo kriegen wir das frisches Geld für die Vatikanbank jetzt her?
– Da gäb es noch eine Möglichkeit …

24 Stunden später:

Der Vatikan meldet einen sensationellen Fund: Knochen in einem Grab gefunden. Ist es der Heilige Paulus?

Papst überzeugt: Knochen sind authentisch.

Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss des Paulus-Jahres eine archäologische Sensation bekanntgegeben: Archäologen entdeckten in einem Sarkophag menschliche Knochenreste, einige Körner Weihrauch, ein, so der Papst, „kostbares“ Stück purpurfarbenen Leinenstoffs mit Goldpailletten und ein blaues Gewebe mit Leinenfasern.