Die E-Mail, das Bild, die Allegorie und die ultimative Schlussfolgerung


Stilleben_mit_Blockfloete

Schaut es euch an.
Das Bild der Harmonie.

Es soll mir Glück bringen, heißt es in meiner E-Mail. Und das, ganz im Gegensatz zu anderen. Wie bleistiftsweise den folgenden: Ein argentinischer Staatspräsident hatte die Email ungelesen gelöscht und acht Tage später starb sein Sohn. Ein anderer leitete die Mail an an 20 anderen Menschen binnen 13 Tagen weiter und gewann im Lotto, obwohl er in der inneren Mongolei gen Peking in einem 120 Kilometer Stau an seine Nägel kaute …

(Der Autor empfiehlt an dieser Stelle dem geneigten Leser, die innere Mongolei großzügig zu umfahren, um dem Stau auszuweichen. Und bei dieser Gelegenheit auch liebe Grüße an die Stauteilnehmer am Kamener Kreuz – Hallo, Stauer, ihr seid nicht vergessen – und nicht vergessen: Jeder immer nur ein Kreuz am Kamener Kreuz …)

… . Eine Sekretärin erhielt von Alberto Martinez den Auftrag, das Foto weiterzuleiten. Sie tat es nicht und wurde wegen Arbeitsverweigerung entlassen. Ihre Familie wollte danach auch nichts mehr mit ihr zu tun haben, da sie denen nur noch auf deren Tasche lag. Alberto Martinez jedoch merkte nichts von ihrem Unglück.

Nun, um zu verhindern, dass ich argentinischer Staatspräsident, Stauteilnehmer bei Peking oder gar Sekretärin werden muss, habe ich mir das Bild jener Email zwangsweise angeschaut. Und das auch meiner alten Bekannten zuliebe, die sich von diesem Mail-Hoax Glück erhofft.

Was zeigt es mir?

Es zeigt eindeutig die karnevalistische Version vom Rattenfänger zu Hameln zur Karnevalszeit.
Deutlich im Vordergrund zu erkennen, kreisförmig um die Hauptdarsteller des Bildes angeordnet, sehen wir die Ratten, die sich als Blumen verkleidet haben. Ja, und diese Ratten sind schon begeistert auf die beiden Hauptdarsteller hinaufgeklettert ob des tonlosen Flötenspiels. In Harmonie in Kreisform. Wie hübsch anzuschauen. Und ihre langen grauen Schwänze haben die auch diszipliniert eingerollt, damit niemand die sieht (wie hinterhältig!).

Doch den Blick lassen wir nun von den Ratten abschweifen. Abschweifen in den Hintergrund hinein. Ab, hinein die Ferne.
Was fällt auf?
Richtig. Da oben in der Mitte im Hintergrund oberhalb der Flöte ist eine Lampe kaputt! Beim genauen Hinschauen sind es sogar derer zwei!!! Eine Schweinerei sondergleichen. Ich wette, auch der Hausmeister wird Job und in Folge Familie verlieren ob seiner eigenwilliger Energiesparmaßnahme.
Ansonsten erfreut sich das Auge an lieblichem Grün, Bäumen und Seen, die wie gemalt in der Landschaft stehen. Es befällt einem die Sehnsucht, in das Bild zu treten und mit roher Hand die geschwungenen Vorhänge brutalst möglich am jungfräulich weißen Pavillon aufzureißen, um ganz im besten Sinne vom alten Goethe „Mehr Licht!“ zu brüllen (spart die Lampen oben an der Decke), um dann vor dem von Arbeitslosigkeit bedrohten Hausmeister zu fliehen.

Doch schauen wir uns die beiden Hauptdarsteller an.
Beide tragen die für die Karnevalssession üblichen Offiziershelme der „Goldenen Funken an der Inde“. Jedoch sind ihre Jacken ein wenig aus der Art geschlagen, um nicht zu sagen, äußerst liederlich und unoffiziersmännisch gebunden. Dafür ist die Armhaltung des Linken bei der Querflöte einfach nur vorbildlich zu nennen. Die Hände greifen anmutig das Instrument, Lippen über dem Instrument auf Distanz, leicht gespitzt, der konkrete Blick in die unkonkrete Unendlichkeit gerichtet und der rechte Fuß locker um den linken Standfuß gewickelt.
Um wie viel weniger anmutig ist dagegen der Rechte der beiden Hauptdarsteller. Leicht debil lächelnd, Lippen komplett überschminkt, Pickel auf der Stirn (ja, hat der denn kein Clearasil?!?), Hände untätig runter hängend, mit beiden Füßen auf dem Boden und auch sonst nur untätig, dient diese Person als ideales Klettergerüst für die als Blumen verkleideten Ratten.

Nun, was will uns dieses Bild sagen?
Flötenspieler werden inzwischen so schlecht bezahlt, dass sie sich schon als lebende Denkmäler verdingen müssen, um nachher als Foto in einer Email auf Tournee gehen zu können. Das ist ein wenig bisschen zu wenig um den Grundstein für eine großartige Musiker-Karriere zu legen. Hätten beide etwas ordentliches gelernt, wie Banker, Versicherer oder Politiker, müssten diese nicht in der Vorkarnevalszeit mit als Blumen verkleidete Ratten posieren. Sie würden sich das Geld zur Verkleidung der Ratten locker einsparen können, könnten Bücher oder Biografien oder minderwertige Wertpapiere in den Umlauf bringen und definieren, wer Ratte ist und wer nicht. Aber so?

Ich wünsche den beiden noch viel Erfolg, dem Hausmeister, dass er schnellstens die Glühbirne austauscht und dafür seine Anstellung behält und mir, ja, mir Egoist, mir wünsche ich allein das Beste. Denn ich werde jetzt das Glück herausfordern und die Mail-Hoax löschen. Amen.

Tschö, wa.

2 Gedanken zu „Die E-Mail, das Bild, die Allegorie und die ultimative Schlussfolgerung

  1. Das ist vorsaisoneller Karneval. Beim Karneval selber kannste speien. Ich geb dir die Getränke entsprechend durcheinander an, damit es einfacher geht und du dich nicht auf die ganzen Karnevalswitze verlassen musst … ;)

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