Dieter Hildebrandt kommt zurück.
Ohne jene Bedürfnissanstalten, öffentlicher- und privaterseits.
Anschauen!
Dieter Hildebrandt als Crowdfondsmanager from stoersender.tv on Vimeo.
Dieter Hildebrandt kommt zurück.
Ohne jene Bedürfnissanstalten, öffentlicher- und privaterseits.
Anschauen!
Dieter Hildebrandt als Crowdfondsmanager from stoersender.tv on Vimeo.
Für alle Fans des genialen Georg Schramm und seinen Kunstfiguren im Kabarett
Georg Schramms neustes Programm „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz“ wird demnächst im Fernsehen ausgestrahlt.
Es beginnt im Fernsehkanal „ZDFkultur“.
13. September: 20:15 – 21:45 / 14. September: 02:55 – 04:25 / 14. September: 09:15 – 10:45
Weiter geht es in „3SAT“
25. September: 22:30 – 23:15
Und zu guter Letzt werden alle nochmals bedient, die es bis dahin immer noch nicht geschafft hatten sich das grandiose und zugleich feinsinnig gestrickte Programm von Georg Schramm anzuschauen:
01. Oktober: als Bestandteil der „Lange Nacht der Kleinkunst“ im „ZDF“ von 00:50 bis 04:40
In der letzt genannten Sendung treten dann auch noch Volker Pispers & Gäste und auch noch Hagen Rether mit einem 2011-Update zu seinem Programm „Liebe“ (hoffentlich ohne permanent erhobenen moralischen Zeigefinger, wie letztens bei Hagen Rether leider oft fest zu stellen)
Tipp für alle, die sich das ganze digital aufnehmen möchten, aber keinen Rekorder zu Hause stehen haben:
„Bong.TV“ bietet einen kostenlosen, einwöchigen Account, über den sich Fernsehprogramme (sogar in HD!) aufzeichnen und nachher herunter laden lassen. Einfach rechtzeitig dort anmelden, aufzeichnen und später anschauen. Bong.TV bietet zwar „ZDFkultur“ nicht an, aber „3SAT“ und „ZDF“ sind dort zur Aufnahme programmierbar. Internetadresse ist bong.tv (einfach als url eingeben).
Werner Finck (1945)
Am seid’nen Faden hing ein Schwert,
Sich auf mein Haupt zu laden.
Glaubt ihr, dass mich das Schwert gestört?
Mich schreckte nur der Faden.
Erich Kästner (1945)
Schau prüfend deckenwärts!
Die Nähe des möglichen Schadens
Liegt nicht in der Schärfe des Schwerts,
Vielmehr in der Dünne des Fadens.
»Ich hatte aber eine Bestätigungsmail erhalten, dass meine Reservierung angenommen worden sei.«
»Wir haben an dem Abend über 1000 Anfragen erhalten. So schnell konnten wir gar nicht auf ‚Ausverkauft« aktualisieren, so wie die Reservierungsmails einprasselten.«
»Ich habe aber eine Reservierung-Bestätigungsmail erhalten. Und meinen Geschäftspartnern habe ich auch schon für den Abend zugesagt. Und heute Morgen erhielt ich dann die Absage. Was soll ich denen jetzt sagen?«
Ich stand in der gemeinsamen Vorverkaufsstelle der »Münchener Lach- und Schießgesellschaft« und des »Lustspielhauses« und wollte nur zwei Abendkarten für eine Aufführung am Wochenende einkaufen. Übers Internet wäre die Vorreservierung auch möglich gewesen. Aber manchmal bin ich altmodisch und will die Karten schon vorher in meinen Händen halten. Der Mann schaute die Frau ärgerlich an und die Frau hinter ihrem Tisch schaute den Mann hilflos an. Er hatte seinen Geschäftspartnern offenbar einen Abend in der »Münchener Lach- und Schießgesellschaft« mit Dieter Hildebrandts Soloprogramm versprochen und war dabei, diesen gegenüber das Gesicht zu verlieren.
44 Euro wechselten den Besitzer und ich erhielt meine beiden begehrten Eintrittkarten. Offenbar scheint jener Künstler nicht so viele Menschen zu interessieren, obwohl er bislang regelmäßiger und stürmisch gefeierter Gast der ZDF-Kabarettsendung »Neues aus der Anstalt« war.
Apropos »Neues aus der Anstalt«:
Am 1. September um Mitternacht begann der Vorverkauf für die 37. Folge von »Neues aus der Anstalt« am 19. Oktober im Münchener ARRI Kino. Nachdem Georg Schramm aus der Sendung ausgeschieden ist, um sich seinem Soloprogramm »Meister Yodas Ende« zu widmen, tritt Urban Priol mit Frank-Markus Barwasser (alias »Erwin Pelzig«) auf. Wie war Georg Schramms Reaktion auf die Auswahl von Barwasser als dessen Nachfolger?
»Ich begrüße es ausdrücklich, dass Herr Pelzig zukünftig in der ZDF-Anstalt versuchen wird, die zweifelhafte Autorität von Herrn Priol als Stationsleiter in Frage zu stellen. Ich habe ihn als einen Mann mit beträchtlichem Quälpotential ohne jegliche Bereitschaft zur Unterordnung kennen und schätzen gelernt. Ein Glücksgriff für die Anstalt. Herr Priol wird sich noch wundern.«
(Quelle: ZDF und Lustspielhaus.de)
Ich fragte nach, wie hoch die Chancen auf eine Internetbuchung für dessen Vorpremiere und für die Liveübertragung selber gewesen seien.
»Alle Karten waren bereits nach eineinhalb Minuten ausverkauft. Da kamen Bestellungen aus Frankfurt, Mainz, Hamburg, Berlin. Da will jeder dabei sein,« beantwortete sie meine Frage und kam meiner nächsten Frage gleich zuvor. »Aber vor der Live-Aufführung gehen manchmal immer wieder zwei, drei Karten an die Kasse zurück. Das ZDF hat ein festes Kontingent von 50 Karten für Sondergäste. Und immer wieder kommen nicht alle von diesen Gästen. Diese Karten gibt es dann an der Abendkasse zu 20 Euro das Stück.«
»Und wenn keine zurückgegeben werden?«
»Dann verpassen Sie die Übertragung im Fernsehen.«
Ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Ich verstaute meine Karten in meinem Portemonnaie und verabschiedete mich.
Mein nächster Termin war für mich jetzt erst einmal fix, da bezahlt:
Samstag, 4.9.2010, 20:30 Uhr (also heute Abend).
Jochen Malmsheimer mit seinem Programm »Flieg Fisch, lies und gesunde«
Das wird ein Spass.
Und an dieser Stelle zum Vormerken:
19. Oktober 2010
22:15 Uhr im ZDF
»Neues aus der Anstalt«
mit Urban Priol und Frank-Markus Barwasser (alias »Erwin Pelzig«)
Gäste: Helmut Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker.
Er war und ist der Mann der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“, welcher Texte für die verschiedenen Hausensemble der „Lach und Schieß“ von den 50er ab bis in die Gegenwart hinein schrieb und auch noch schreibt. Bis 1998 wirkte er „lediglich“ als Autor der Hausensemble mit. 1999 trat er dann selber mit dem „Lach und Schieß“-Hausensemble auf der Bühne auf. Inzwischen hat er sein eigenes Solo-Programm, in der er u.a.a. die alten (aber nicht minder aktuellen) Texte seines Kabarettlebens präsentiert.
Er ist der unumstrittene Grandseigneur des politischen Kabaretts Deutschlands. Der Mann der leisen Zwischentöne. Ein Meister des feinen sprachlichen Floretts im politischen Kabarett.
Mit Dieter Hildebrandt hat er nicht nur die Vergangenheit als Autor der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ gemein, sondern auch das hohe Alter. Klaus Peter Schreiner ist 80, Dieter Hildebrandt 82. Und beide stehen noch aktiv auf der Bühne der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ mit ihren politischen Kabarett-Solo-Programmen.
À la bonne heure!
Klaus Peter Schreiners Internetseite: hier
»Georg Schramm gibt es nicht.«
»Auf der Bühne existiert er nicht.«
Georg Schramm
Der Name »Georg Schramm« ist seit der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« für viele Menschen in Deutschland ein Begriff. Bekannter als er selber sind aber inzwischen seine Spielfiguren: Lothar Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben, der alte Sozialdemokrat August und die rheinische Frohnatur des Pharmareferenten.
Wer aber ist Georg Schramm selber?
Lothar Dombrowski schrieb dazu in seinem Buch »Lassen Sie es mich so sagen
Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit«:
»Ich habe all die Jahre Georg Schramm als Pseudonym benutzt, seine Vita erfunden. Er der Offizier Sanftleben und der alte Sozialdemokrat August sind Spielfiguren, Abspaltungen meiner Person, . Im realen Leben gibt es nur mich, Lothar Dombrowski, …«
Es verwirrt.
Der Name »Lothar Dombrowski« an sich ist schon länger ein Begriff als der Name »Georg Schramm«. »Lothar Dombrowski« war ein ehemaliger Sprecher der »Tagesschau« (s.a. Bild links).
Aber wer ist jener »Lothar Dombrowski«, dessen Name von jenem Tagesschau-Sprecher entlehnt wurde und den Sprecher vergessen lässt?
Wer ist Georg Schramm?
Wer die Auftritte des unfreundlichen Lothar Dombrowski in der ZDF-Kabarett-Sendung »Neues aus der Anstalt« oder auch von Georgs Schramms letzten Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« her kennt, der gerät leicht in die Gefahr, diese Spielfigur mit der Person Georg Schramm gleich zu setzen.
Wer ist der Georg Schramm also? Hierzu findet sich viel Geschriebenes im Internet. Und es finden sich viele Videos über Georg Schramms Spielfiguren, sei es in der ZDF-Mediathek, sei es bei podcast.de oder bei YouTube.
Durch Zufall traf ich hierbei auf eine Sendung vom Deutschlandfunk aus dem Jahr 2008. Im Programm »Zwischentöne« hat Joachim Scholl mit Georg Schramm an die 90 Minuten ein lockeres Gespräch geführt: über die Figuren des Lothar Dombrowskis, des Oberstleutnants Sanftleben und des Sozialdemokraten August, über Georg Schramms vorherigen Programms »Thomas Bernhard hätte geschossen« und über die Sendung »Neues aus der Anstalt«.
Der Deutschlandfunk bietet dieses Gespräch noch immer in zwei Teilen zum Download im mp3-Format an:
Es lohnt, sich die 1 ½ Stunden Zeit zu nehmen und hinein zu hören.
Es macht Lust auf Georg Schramms neues Programm »MEISTER YODAS ENDE – Über die Zweckentfremdung der Demenz« und tröstet auch darüber hinweg, dass Georg Schramm zum letzten Mal mit Urban Priol in drei Tagen am Dienstag, den 8-Juni-2010, in »Neues aus der Anstalt« auftreten wird (22:15 Uhr, ZDF; Gäste: Frank Markus Barwasser, Monika Gruber und Jochen Malmsheimer).
In seinem Programm „Thomas Bernhard hätte geschossen“ stellte Georg Schramm ein Konjunkturprogramm vor, welches beeindruckend einfach erscheint. Georg Schramms Bühnenfigur des Seminarleiters erklärte dieses Konzept mit dem Charme „gegenfinanziert ohne Steuererhöhungen“ und „garantierte Stütze der Wirtschaft“.
Basis dieses Konjunkturprogramms ist 1/3 der deutschen Bevölkerung. Dieser Bevölkerungsanteil zahlt keine Steuern, weil dieser zu jung oder zu alt ist oder auch zu wenig verdient. Diesem Bevölkerungsanteil Geld zu geben, würde bedeuten, dass sie es nicht sparen sondern sofort konsumieren würden. Also kommt diesem Anteil ein erheblicher potentieller, konsumtreibender Faktor zu: die wirtschaftliche Kurbel zum Hochdrehen der hustenden Binnennachfrage.
Momentan haben wir 6 Millionen potentielle Wirtschaftsimpulsgeber, die von Hartz IV leben. Wohlgemerkt, es sind Hartz IV-Empfänger und keine Arbeitslosen. Denn Arbeitslose sind nochmals 4 Millionen. Das macht also alles zusammen ein Potential von 10 Millionen Menschen.
350 Euro als Hartz IV-Satz sind für diese Wirtschaftwachstum-Ankurbler im Augenblick knallhart kalkuliert. Damit ist er gerade unterhalb jeder Fähigkeit, irgendeine private Anlagen zu tätigen oder auf Demos zu reisen. Aber immer noch gerade über der Hungergrenze. Wenn 50 Euro davon in den Einzelhandel gehen, dann ist das schon wirtschaftlich positivistisch dargestellt.
Daher machte Schramms Bühnenfigur die folgende Rechnung auf:
Jene 6 Millionen Hartz-IV’ler kosten dem Steuerzahler bis zu deren Ableben hochgerechnet
– 700 Euro Hartz IV inkl. Zuschüsse und Verwaltungskosten
– 1200 Euro monatlich durchschnittlich vom 55 Lebensjahr ab an wegen Gesundheit, Sozialem und Rente (das 55. Lebensjahr ist das statistische Jahr, wo der Bürger mehr kostet, als er dem Staate einbringt laut einer Studie der Deutschen Bank).
Damit ergeben sich rechnerisch 600.000 Euro vom 55. Lebensjahr bis zum statistischen Tode im 80. Lebensjahr. Also 600.000 Euro, die der Staat für seinen Bürger vom 55. Lebensjahr bis zum Sterbealter von 80 Jahren investieren muss. Von dieser Summe gehen dabei kaum mehr als 6% in den Einzelhandel, was zu wenig für einen wirtschaftlichen Aufschwung oder gar wirtschaftliche Stützung ist.
6% sind eine schlechte Rendite. Georg Schramms Bühnenfigur bemerkte folgerichtig, dass für so eine Rendite ein Ackermann morgens nicht mal aufstehen würde.
Würden allerdings einem 25-jährigen Jugendlichen monatlich 1666 Euro (Brutto = Netto) in die Hand gedrückt werden und dieses für die Dauer von 30 Jahren, dann könnte man damit rechnen, dass monatlich 1000 Euro als Konsum in den Einzelhandel in die Wirtschaft einfließen. Hieraus ergäbe sich eine traumhafte Rendite von 60 %. Die Ackermanns dieser Welt wären begeistert. Die Wirtschaft erhielte einen Wachstumsschub von mehr als 1,5 %. Der Einzelhandel würde aufblühen. Die jetzige Krise wäre nur eine Wirtschaftsflaute. Darüber hinaus stände zu erwarten, dass vermehrt Arbeitsplätze durch die Konsumsteigerung geschaffen würden.
Ja, selbst wenn der Jugendliche es wegen der 1.666 Euro nicht wirklich bräuchte, er könnte auch arbeiten. Er braucht es aber nicht. Denn es soll ja die Aufgabe des Jugendlichen sein, mit seinen 1.666 Euro mindestens 1.000 Euro als Konsum in den Einzelhandel zu hinterlassen.
Nun, Voraussetzung – so Georg Schramms Bühnenfigur – für den Erhalt der monatlichen 1.666 Euro ist dann allerdings die Erfüllung einer einzigen Bedingung:
Das sozialverträgliche Ableben.
Mit 55 Jahren würde der ehemalig Jugendliche zwangsverpflichtet, nach seinem erfüllten Konsumentenleben im Kreise der Seinen glücklich und zufrieden abzuleben. Somit wäre dann auch sicher gestellt, dass dieser dann nicht noch mehr als die jetzigen 600.000 statistischen Euro in Anspruch nähme.
Und – wenn wir mal ehrlich sind – 30 Jahre subventioniertes Leben, da kann man auch schon mal auf das statistische Lebensalter von 80 Jahren verzichten. Insbesondere wenn verglichen wird, dass in dem einem Modell die Blütezeit des Lebens 30 Jahre lang genossen werden kann, während in dem jetzigen Modell nur schmuddeliger Herbst und garstiger Winter des Lebens erlebt werden können.
So hat die ganze Gesellschaft etwas davon: Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und keine Vergreisung der Gesellschaft. Dem demografischen Faktor bräuchten wir nicht mehr unsere „German Angst“ entgegen zu setzen.
Jetzt aber zum wirklichen Leben, dem knallharten, und raus aus dem Kabarett-Programm:
Jemand aus der FDP muss bei Georg Schramms zynischer Präsentation fleißig mitgeschrieben haben. Ein ganz besonders Aufmerksamer wird es wohl gewesen sein. Und der hat errechnet, dass die monatliche Summe 662 Euro sein müsse. Also 1.004 Euro weniger. Das Geld, was die Schramm’sche Bühnenfigur des Seminarleiters in den Einzelhandel zur Wirtschaftsankurbelung einfließen lassen wollte, das hat der Mitschreiber einfach mal gestrichen. Das passte nicht zum FDP-Slogan „Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen“.
Und die 662 Euro nennt die FDP nun auch nicht etwa „Harz 5“ sondern schlichtweg „Bürgergeld“. Eine pauschale Kopfsumme unabhängig von Wohnort und Lebenssituation.
Interessanterweise soll hierbei gleich das Finanzamt alles regeln. Das hat freilich eine gewisse Logik, denn so wird der Bürger in seinem wirtschaftlichem Leben erheblich transparenter. Gläsener. Das entspricht zwar nicht den Versprechen des FDP-Wahlprogramms, welches die Bürger von mehr staatlicher Überwachung schützen will. Aber bei einem Versprechen kann es sich auch mal um ein Versprecher handeln. Wahllüge wäre an dieser Stelle ein gar garstiges Wort.
Nun, die 1.000 Euro, die der aufmerksame FDP’ler gleich beim Plagieren von Schramms Konzept gestrichen hat, entsprechen 72 Milliarden Euro pro Jahr. Das mag viel erscheinen, aber in diesem Jahr haben wir uns doch inzwischen an wesentlich größere Zahlen gewöhnt.
Nur eines hat die FDP bei ihrem Bürgergeld noch nicht erklärt: ab wann der Bürger sozialverträglich ableben muss, wenn er das Bürgergeld erhält. Möglicherweise ist das bei Einführung des Bürgergeldes aber eh völlig egal.
Sollte ein Arzt einem BmBB (Bürger mit Bürgergeld-Bezug) irgendwann mal erklären, er habe eine tödliche Krankheit und daher nur noch 4 Monate zu leben, dann kommt sowieso der entsetzte Ausruf:
„Ja, wovon denn?“
Es gibt derzeit wohl keine intensivere Kabarett-Erfahrung, als ein Besuch bei Georg Schramms Kabarettstück „Thomas Bernhard hätte geschossen“.
Georg Schramm spielt in seinem Stück vier Rollen:
Die des Rentners „Lothar Dombrowski“, „Oberstleutnant Sanftleben“, der alte hessische Sozialdemokrat und Drucker „August“, dann noch ein Wartezimmerpatient und im ersten Teil den Moderator.
Es fängt eigentlich wie ein Vortrag (vom Moderator) an. Jemand will dem Zuschauer, die Lösung der Weltwirtschaftskrise und die Belebung der Innenkonjunktur präsentieren. Und die Zuschauer steigen drauf ein. Saßen wir nicht in einer Kabarettveranstaltung? Georg Schramm benutzt genau die Mittel, die wir von den Heizdeckenverkäufern auf den Verkaufsfahrten kennen. Verwischt die Realität oder holt sie das Kabarettpublikum ein? Und wenn dann der Oberstleutnant Sanftleben referiert, ist das nicht die Normalität, die aus dieser Rolle spricht? Diese beißende Realität? Und dann kommt zum ersten Mal der Rentner Lothar Dombrowski und es wird heftig. Die Wut spricht. Doch nur gebremst, der Moderator fängt alles ab und entlässt das Publikum in die Pause. Der Kabarettist Georg Schramm zieht ein Jacket an, und das völlig schweissdurchnässte blaueHemd verschwindet darunter.
Der zweite Teil legt dann an Bissigkeit und Tempo zu. Georg Schramm kalauert nicht, Georg Schramm lässt seine Figuren sprechen insbesondere den Rentner Lothar Dombrowski. Er stellt dort Zusammenhänge her, dass das Lachen schmerzt. Aber auch hinderlich ist, denn es unterbricht die Gedankengänge und erzeugt nur mehr Brüche, die der Rentner dann bearbeitet. Es ist schwierig zu erklären, was er genau sagt. Eine verständige Zusammenfassung würde sich kaum vom Vortrag unterscheiden.
Georg Schramm schreit seine Wut förmlich heraus. Und das Publikum hört atemlos zu. Und die erste Reihe deckt ihre Rotweingläser ab. Georg Schramm hält keine trockene Reden.
Und erst am Schluss kommt dann Thomas Bernhard ins Spiel. Aber Thomas Bernhard hat mit Georg Schramms Stück nicht viele Überschneidungen. Thomas Bernhard hätte geschossen, Georg Schramm hat es getan.
Auf dem Weg nach Hause fiel mir ein Lied von der Grande Dame des deutschen Kabaretts, Lore Lorentz, ein.
„Die Wut ist jung“ …
Dieses Lied passt zu und auf Georg Schramm.
Die Wut ist jung,
so können die nicht mit mir verfahren.
Ich schenke denen nach all den Jahren,
doch nicht mein Schweigen.
Die Wut ist jung,
doch können die mich nicht überhören.
Ich kann die Zerstörer nicht zerstören,
doch auf sie zeigen.Ja, ich bin müde
und wissen Sie, bin auch noch prüde und teufelsolide,
dem Wohlleben gerne ergeben.
Doch ich kann schrein und spein
und und gar nichts verzeihn,
denn es geht wieder einmal ums Leben.Die Wut ist jung,
und ich habe kein Lust,
verstummt zu zittern.
bloß werd ich nicht verbittern
Ich kann auch hassen.
Die Wut ist jung
Ich kann das Warum und das Weswegen
auch nicht mal meinen Freunden und Kollegen
ganz überlassen.
Ausschnitt, Text: Werner Schneyder
Meine Empfehlung: Reingehen und scharf aufpassen, dann wird auch nicht die Hälfte beim lachen überhört …