Schmonzes zum Jahresstart 2014

Tresenbild #3

Der Jahreswechsel war geglückt. Ich saß in meiner Kneipe und schaute zufrieden von oben in mein gerade leer getrunkenes Kölschglas. Es gibt Momente, da fühlt sich jeder eins mit dem Universum. Und genau das dachte ich mir in jenem Augenblick, dass das Universum und ich …

»Was ist das wieder für eine Kacke!«

Ungefragt nahm er an meiner Seite Platz und winkte dem Wirt zu.

»Zwei Kölsch!«, und schaute mich fragend an: »Du trinkst doch auch noch eins, oder?«

Ich nickte stumm. Sollte er den Preis in Naturalien zahlen, sich so einfach neben mir hocken zu dürfen.

»Mach gleich drei«, rief er dem Wirt korrigierend zu. »Für ihn hier eins«, und deutete dabei auch mich. »Mann, Mann, Mann, ist das wieder für eine Kacke.«

Eigentlich wollte ich den Gedanken an das Universum fortsetzen, nur …

»Und wie war dein Silvester?«
»Mein Silvester verlief ausgesprochen …«
»Haste auch so viel geballert?«
»Ich habe …«
»Silvester ist der reinste nationale Umweltvermüllungstag. Jeder bringt seine Plastiktüten und sein Altglas und seine PET-Flaschen mit raus, qualmt dann mit Raketen in der Luft rum und geht dann weg, ohne um sich um den Müll zu kümmern. Die Straße als Silvester-Müllhalde.«
»Aber das …«
»Und dann erst der Lärm. Denkt eigentlich wer an die vielen Haustiere? Die springen doch vor Angst im Achteck. Das ist vorsätzliche Tierquälerei!«

Der Wirt brachte die drei bestellten Kölsch. Mein Nachbar ergriff sich sofort eines davon und setzte an.
Ich versuchte die Gelegenheit auszunutzen:

»Ach ja, du trägst im Sommer also auch die Kröten einzeln über jede Landstraße, oder?«

Er setzte sein Glas ab.
Leer.
Schaum lief am Glasinnern runter.
Er ergriff das Zweite.

»Laich nicht solchen Unsinn ab. Du hilfst doch sicherlich nicht mal einer Oma über die Straße.«
»Warum sollte ich? Jeder ist für sich selbst verantwortlich.«
»Aha, der Herr hat den demographischen Wandel im Blick. Vor der Rente dürfen Ältere über viel befahrene Straßen gehen. Nach der Rente müssen sie. Selbstverantwortlich halt.«

Es war so ein schöner Tag gewesen. Ich hatte zuvor meinen Lottoschein eingelöst und mir das Geld für die drei Richtigen plus Zusatzzahl abgeholt gehabt. Davon wollte ich mich einfach mal selbst belohnen. Doch dann kam er, dieser …

»Mann, Mann, ist das eine Kacke.«
»Hör mal, ich hab dich nicht gebeten, dich an meinen Tisch zu setzten und mir die Ohren mit Kokolores vollzujammern.«
»Das ist kein Kladderadatsch.«
»Quatsch, Mumpitz!«
»Ach, Papperlapapp.«
»Schmarrn!«
»Von wegen Pillepalle.«
»Absoluter Käse!«
»Gute Idee!« Er winkte dem Wirt zu: »Mach mir nen Halven Hahn.« Er schaute mich fragend an: »Du auch?«
»Nein, danke. Kein so’n Firlefanz. Mir ist nach was Herzhaftem«, und rief zum Wirt: »Und mir ein Mettbrötchen. Aber mit einer doppelten Portion frischer Zwiebeln.«
Mein Nachbar schaute mich an: »Noch ein Date mit deiner Frau?«

Ich schüttelte energisch den Kopf.

»Schütteln ist immer gut. Na, dann geh ich mal für Königstiger.«

Er stand auf, griff noch mal nach seinem zweiten Kölsch, leerte es in einem Zug und entfernte sich Richtung dem entsprechend riechenden Königstiger-Männerklo. Hoffentlich entledigte er sich dort seiner Kacke, dachte ich mir dabei noch, als ich ihm nachschaute.
Es war wieder ruhig.
Im Hintergrund lief Musik von Jean-Michel Jarre. Sphärenklänge der 80er in einem dreißig Jahre späteren Jahrzehnt. Sphärenklänge.
Sphären.
Klänge.
Wo war nochmals das Universum?
Es hatte sich aufgelöst. Nur ich saß noch immer in dessen Zentrum. Versuchte zu vergessen und vergaß, was ich vergessen wollte. Ich atmete tief ein und war mir sicher, wieder zuhause zu sein. Hier war mein Revier …
Ich schaute in mein leeres Glas und spürte dessen kalte Leere. Da war es wieder, das Universum. Mein Zuhause.

So ein Quatsch.
So ein Humbug.
Nippes?
Stuss.
Geraffeltes Glumpertes etwas.

Ich drehte mich zur Theke und schaute dem Wirt mit eiserner, grimmiger Entschlossenheit in die Augen. Es musste sein. Wenn das Jahr 2014 weiter gehen sollte, dann war das folgende Verlangen unausweichlich:

»Herr Oberspielleiter, noch ’n Kölsch bitte.«

Das Ereignis im letzten Jahr – Nachlese 2006

… unvertilgter Jahresrest vom 30-Dez-2006, gespeichert hier als Entwurf und noch nicht gepostet …
… eine kleine verschwörungstheoretische Nachlese auf 2006 …
… just for fun …

Der wichtigste Monat in 2006 war für mich Verschwörungstheoretiker eindeutig der Oktober.

Nein, es war nicht der 1. Juli in Frankfurt als die World-All-Stars von den World-Alt-Stars verdient mit 1:0 geschuhriegelt wurden. Das war kein Sommermärchen, das war wohl eher ein Märchensommer, den die Diven um Ronaldo und Ronaldinho boten. So war vor der WM das National-T-Shirt für 60 Euro noch eine Verlockung für mich, danach war das Sonderangebot für 20 Euro nach dem Ausscheiden keine Verlockung mehr. Zudem: was heißt hier „Made in Marocco“ in jenem T-Shirt, wenn darauf stolz in portugiesisch „Nascido para jogar futebol“ (=“Geboren um Fußball zu spielen“) auf dem Hemdsaum steht … ?

Okay, die glorreiche brasilianische Loser-Mannschaft fuhr auch nicht nach Hause nach Brasilien, schließlich wohnten von dem abgehalfterten All-Stars nur die wenigsten in Brasilien. Nach dem Grottenkick gegen Zinedine und Co war für mich die WM vorbei und absolut uninteressant.

Dass meine Nationpräferierung Anfeindungen diverser Staatsangehöriger (deutsche, serbischer, kroatischer und türkischer) zur Folge hatte („Hey, warum trägst du nicht die Farben deines Landes? Du bist wohl ein Landesverräter, oder was?!“), war für mich das wohltuende Gefühl „zu Gast bei Freunden“ sein zu dürfen.
… was den Spruch „Zu Gast bei Freunden“ erst recht mit Inhalt für mich füllte …

Nein, der bedeutsamste Monat war definitiv der Oktober.
Das Highlight für Verschwörungstheoretiker.

Am 9. Oktober verkündet die Nordkoreanische Regierung erfolgreich eine Atombombe gezündet zu haben. Die Ausläufer der Erschütterungen dieser Explosion erschüttern verschiedene diplomatische Diplomaten und alles rätselt, seit wann hat der „Luxus-lieb-ich-sehr“-Fanatiker Kim Jong-il für Atombomben noch Geld übrig hat, wo der doch jede Geldmünze in seinen Wohlstand steckt und für anderes nichts übrig hat …

Ausläufer dieser Erschütterungen erreichten wohl am 23. Oktober südliche Ausläufer eines deutschen Staates. Es muss sich hierbei wohl mit Sicherheit um Bayern gehandelt haben. Genauer gesagt um das bayerische Örtchen Plattling. Denn dort wohnte Frau Doris Hrda und fiel anscheinend aus ihrem Bett und direkt auf ihrem Kopf. Denn sie beschloss: „Jetzt ist Zeit für mein Comeback!“

So erklärte am 24. Oktober Frau Doris Hrda ihren Comeback.

Frau Doris Hrda?

Wer zur Hölle ist „Frau Doris Hrda“?

Eben Frau Doris Hrda.

Häh?

Gut.

Frau Doris Hrda legte sich vor 20 Jahren den Künstlernamen „Nicki“ zu.

Und „Nicki“ war vor 20 Jahren der Startschuss für Thomas Gottschalk beim bayrischen Rundfunk zusammen mit Günther Jauch den Aufstand zu proben.

Aufstand?

Ausgerechnet beim Bayrischen Rundfunk (BR)?

Yep!

Ihm ging es einfach auf den Sack, dass sich beim BR Peter Gabriel und Deep Purpel mit Schlagersängern wie „Nicki“ musikalisch direkt hintereinander die Klinke am Turntable in die Hand gaben.

Die Playlist hörte sich dann so an:

„Sledgehammer“

„I bin a bayrisches Cowgirl“

„Smoke on the water“

„Zwicks Me“

„Black Betty“

„Wenn I mit dir tanz“

„Satisfaction“

„Schifoan“

„Paranoid“

„Wenn d`Sehnsucht brennt“

usw. usf.

Immer bayrisch öffentlich rechtlich ausgewogen.

Supernase Gottschalk ging damals kurzerhand am Herrn Öller (Obermac vom BR) vorbei direkt zur BILD-Zeitung und forderte eine öffentliche Boulevardzeitung-Geschmacksabstimmung über das Programm vom BR3.

Kurze Zeit später heulte Herr Öller (im gleichen Jahr auch zuständig für die berühmt berüchtigte Zensur des damaligen „Scheibenwischers“ vom Dieter Hildebrandt im Fernsehen) einsam in seinem Chefsessel, während Thomas Gottschalk munter und unbehelligt, vom Political-Correctness-Schwachsinn anderer Kollegen sein Musikprogramm nachmittags von 14 bis 16 fahren konnte.

Nun, also jene „Nicki“ aus den Mitte der 80er, in der das aufgedrehte Schlagerstar-Twen erwachsen wurde, jene „Nicki“ erklärte am 24. Oktober ihren Rücktritt von ihrem Rücktritt des Jahres 1999 und erklärte, sie würde wieder Schlager singen wollen.

Und?

Was will uns das sagen?

Am 25. Oktober geschah die große nationale Tragödie.

Nein, es war nicht die Veröffentlichung der Bilder aus dem Archiv der Bundeswehr, wo deren Angehörige in Afghanistan die Totenköpfe mit Begeisterung geil und gierig ableckten. Der Tod ist halt schon immer das beste Aphrodisiakum. Und Männer in Uniform machen Männer und Frauen erst so richtig geil … YMCA …

Nein, bei dem vermeintlichen Skandal in der BW, der überhaupt keiner war, handelte es sich um ein plumpes Ablenkungsmanöver.

Denn es fand am 25. Oktober etwas wesentlich erschütterndes statt. Eine Tragödie unermesslichen Ausmaßes.

Am 25. Oktober verstarb Daisy.

Daisy?

Wer ist das denn schon wieder?
Nein, nicht das Schaf aus dem Woody-Allen-Film „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten „.

Daisy ist die hechelnde Yorkshireterrier-Dame, welche vorher von einem Kaplan betreut wurde. Natürlich keinem beruflichen Kaplan aus der römisch-katholischen Kirche, sondern einem Kaplan aus der Riege der weltweiten Chauffeure der Exklusiven, Reichen und Mächtigen. Und jener Kaplan war damals Fahrer von Rudolph Mosshammer.

Na?

Läutet es?

Klingelt es?

Rudolph Mosshammer war jener Anal-yst der Münchener Bussi-Bussi-Society, die sonst nur Herrn Schicki und Frau Micki interessiert.

Wie ja bereits international bekannt wurde, hatte damals Rudolph Mosshammer einem Gast die Benutzung von schnurlosen Telefonen untersagt gehabt. Darüber war sein Gast so erzürnt, dass er kurzerhand dem Mosi die Vorteile von schnurlosen Telefonen zeigte. Dass er dazu ein normales Stromkabel nahm, interessierte nachher eh kein Schwein mehr. Interessanter war vielmehr dann dessen Beerdigung und die Beerbungen.

Klar, an die Einschaltquoten vom Papst-Begräbnis kam Mosi zwar nicht ganz ran, als der Leichenzug live im ARD übertragen wurde, aber dem Dackel Daisy war die ungeteilte Aufmerksamkeit und das Mitgefühl der Fernsehgemeinschaft garantiert.

Und nun starb am 25. Oktober der Dackel.

Herr Stoiber soll sofort im Verteidigungsministerium angerufen haben und den ultimativen Einsatz der BW im Innern gefordert haben, um erneute Aufläufe von Tausenden bei einer Beerdigung zu verhindern. Hatte er doch schon noch den italienischen Bruno …

Bruno?

Häh?

Kann ich nicht mal einmal beim Thema bleiben?!?

Ein kleiner Exkurs:

Bruno, erledigt rechtzeitig vor der WM, am 26. Juni dieses Jahres durch deutsche Jäger frei dem Motto „Zu Gast bei Freunden“; Bruno, gefolgt von der seiner italienischen Nachhut, die paar Wochen später darauf als Rache den Pokal in WM-Berlin einsackte …

Hatte Herr Stoiber doch schon noch den italienischen Bruno …

… in unangenehmer Erinnerung. Wäre denn der Problembär Bruno bis zum Münchener Hauptbahnhof vorgedrungen, dann hätte der nämlich gleich dort wie am Flughafen eingecheckt und wäre dann nach Berlin geflogen, hätte sich mit dem Berliner Bären gepaart und Berliner-Schulden und den WM-Pokal …

Gut, das hat jetzt nicht geklappt. Das hat der Stoibersche Schnappauf verhindern können …

So hatte also der Dackel Daisy München urplötzlich in seine Klauen und das Verteidigungsministerium reagierte auf Bitten Stoibers spontan und veröffentlichte zur Ablenkung Bilder, über die sich die Eichenlaubbehängten schon längst amüsiert hatten …

Die deutsche Bevölkerung hatte ihr emotionales Entrüstungsobjekt und der Tod des bayrischen Zamperls Daisy war fast aus den Gazetten heraus gedrängt.
Aber jetzt der eigentliche Skandal:

Was Stoiber vertuschen wollte, war, dass der Herr Kaplan in seinem Schellackarchiv rumwühlte, als er von dem Comeback von Nicki erfuhr und dann 24 Stunden lang „I bin a bayrisches Cowgirl“ in Gegenwart des besten Freundes der Menschheit, dem kläffenend hechelnden Dackel, abnudelte. Infolge dieser durch die Genfer Folterkonventionen abgelehnten Maßnahmen („Beschallung eines Individuums mit permanenten gleichförmiger atonaler Klangfolge“) starb die Yorkshireterrier-Dame Daisy und Herr Kaplan kam nun in Besitz der gesammelten Hundefuttersammlung (Dino-Knochen, diverser bayrischen Kini-Knochen und PAL-Hundefutterdosen, eben jene mit dem freundlich lächelndem Rottweiler drauf).

Was Herr Kaplan mit der Knochensammlung machte (- nein, keine Spenden für unausgelastete BW-Leute in Afghanistan -), das ging völlig in dem massiven, kollateralen Beschuss des Verteidigungsministeriums BILD im Boulevardjournalismus unter.

Am 2. November wurde übrigens verkündet, dass die Erwerblosenquote zum ersten Mal seit langem unter 10 Prozent gesunken sei.

Na?

Fällt da niemandem ein Zusammenhang zwischen „bayrischen Cowgirl“-Nicki, dem Tode Daisy und den Arbeitslosenzahlen auf?

Wie gesagt eine einzige Verschwörung!

Nebenbei.

„Nicki“ (oder besser gesagt Frau Doris Hrda) gab dann ihr Rücktritts-Comeback im Dezember bekannt. Will heißen, in diesem Dezember hat sie wohl jemand drauf hingewiesen, dass bei Fortsetzung ihrer Gesangslaufbahn man sie in Genf anschwärzen würde und sie dann mit anderen internationalen Kriegsverbrechern interniert würde …

Ob es sich hierbei um den Bayrischen Rundfunk handelte, der „Nicki“ Doris Hrda zur Aufgabe bewegte, ist nicht zu ermitteln. Vereinzelnte Stimmen glauben aber zu wissen, dass Thomas Gottschalk in Kalifornieren drohte, über die BILD-Zeitung wieder zum BR zurück zu kehren und mit deren BR3-Musikzusammenstellung erneut aufzuräumen …

Schade, dass es dazu nicht kam. Der BR3 hätte es sich mal wieder richtig verdient, auch ohne BR-Intendant Öller …

Demnächst auch hier die neue Rubrik:

„Der Fake der Woche“


(Jahres-)Schluss mit Lustig

Langsam tappert die Uhr Richtung Mitternacht. Ab Mitternacht ist heute gestern und morgen heute. Und das jetzige Jahr genau so alt wie der Schnee von gestern. Zeit ist eine Erfindung der Menschen, um den Verkauf für Produkte gegen Falten zu rechtfertigen.

Mit Falten habe ich keine Probleme, aber mit grauen Haaren. Ein Erbkrankheit meines Berufes. Unser aller Ex, der Altkanzler Gerhard Schröder, wusste was dagegen zu tun war. Ich habe es auch getan. Aber hilft es? Vielleicht für vier Wochen. Ringo Starr hatte eine graue Sträne, war Schlagzeuger, Alkoholiker und Drogensüchtiger, durfte aber vorher noch bei den Beatles mittrommeln. Da es unwahrscheinlich ist, dass mich Michael Jäger (okay, Mick Jagger) für seine Rentnerkombo auf die Bühne holen wird, werde ich an dem Er-Grauen meiner Haare weiterhin in meiner Branche mitarbeiten. Ausserdem kann ich nicht richtig trommeln. Allerhöchstens wie Oskar Mazerad („Die Blechtrommel“) oder wie der Mann mit der Pauke (Wolfgang Neuss).

Über die Mattscheibe ist inzwischen „Dinner for one“ gelaufen und somit ist Sylvester 2005 eingeläutet.
„Sir Toby.“ „Cheerio, Miss Sofie.“ „Admiral von Schneider!“ „Skol“ „Mr Pommeroy!“ „Happy new year Miss Sophie“ „Mr. Winterbottom!“ „Well, you look junger than ever …“
And now I declare the bazar for opened.
The same procedure as every year, James.

Das Jahr hatte einige Klöpse. Mir starben einige Personen, was mir persönlich nahe trat. Nein, nicht die berufliche Verbesserung des alten Papstes und den Aufstieg eines bayrischen, nicht deutschen Kardinals.
Von einem Tod erfuhr ich in Brasilien. Und dem will ich hier eine Erwähnung widmen: Hans-Dieter Hüsch. das schwarze Schaf vom Niederrhein. Sach mal nix …

Und dann kurz darauf meine Erkrankung. Ich wusste nicht, dass ich in Lebensgefahr schwebte. Direkt vom Brasilienurlaub über die Klinik-Notaufnahme auf die Intensivstation. Ursache ist völlig unbekannt. Bekannt ist nur, dass mein Immunsystem ganz heruntergefahren war. Weder Leukämie, Knochenkrebs noch AIDS. Erreger unbekannt. Aber nachverfolgbar, dass ich mir diese lebensgefährliche Krankheit aus Deutschland mitgeschleppt hatte. Und in Brasilien ist sie ausgebrochen. Keine Infektionsgefahr für niemanden. Aber für mich war die Gefahr bedrohlich für meinen Organismus.

Das Jahr hat noch ein paar Stunden. Der Countdown in D-Land läuft. In anderen Ländern setzt man noch die Bowle an, während in D-Land die erste schon das Jenseitige gesegnet haben dürfte.

Das Jahr hat eine politische Wendung gebracht. Schröder ist weg und Merkel ist die erste Frau im Kanzleramt und trägt für den Teleprompter bei der Neujahrsrede eine Brille. Sie ist kurzsichtig. Somit erklärt sich auch ihre Frisur. Sie hat sie ja vorher nie gesehen, bis sie eine Brille von Fielmann zum Nulltarif erhielt.
Schröder indessen startet seine Kanzler-After-Work-Party. Er schreibt sicherlich an seine Memoiren.
Wie hat das Satiremagazin TITANIC treffend karrikiert?
Doris Schröder-Köpf sitzt neben ihrem abgehafterten Ex-Kanzler. Der reicht ihr sein Memoiren-Manuskript und sagt: „Aber da steht doch alles drin, was ich in sieben Jahren gemacht habe!“ Worauf Doris Schröder-Köpf ihm entgegenhält: „Trotzdem, fünf Seiten sind echt zu wenig für’n Buch…“

Das beste bei Merkels Neujahrsansprache ist eindeutig der Seitenhieb auf den Fussball. Die deutschen Frauen seien ja schon Fussballweltmeister, und sie sehe keinen Grund, warum die Männer es nicht auch bei der nächsten WM schaffen sollten.
Ein böser Seitenhieb. 1:0 für einen genialen Seitenhieb in einer Neujahrsrede. Eigentlich die beste Bemerkung seit der Wiedervereinigung in einer Neujahrsrede. An die davor kann ich mich eh schon nicht mehr erinnern. Und da war ja noch die Dublettenausstrahlung der damaligen Vorjahres-Rede von Kohl. Dinner for one.

Die Wahl war dieses Jahr. Alle Macht geht vom Volke aus. Aber wohin geht sie? Niemand wusste es. Ich hatte es befürchtet. Sie ging einfach aus. Mir ist sie noch nicht begegnet. Ich hatte es befürchtet.

Warum war eigentlich mein Wahllokal in einer Schule? Sollte ich daran erinert werden, dass ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Es kommt noch immer vor, dass ich manchmal aufwache und denke, ich hatte Hausaufgaben im Gymnasium nicht gemacht oder einen Schein noch immer im Studium nicht hinter mir gebracht. Aber noch nie bin ich aufgewacht und habe schweissüberströmt festgestellt „DU HAST JA NOCHT GEWÄHLT!“
Ganz im Gegentum. Nach meinem Urlaub und dem sofort anschliessenden Krankenhausaufenthalt (also nach sieben Wochen) fand ich einen noch ungeöffneten Umschlag: „Wahlbenachrichtigung zur Bundestagswahl“ sthet drauf. Irrtümlich habe ich ihn doch geöffnet. Aber dann wanderte der Brief ungelesen ins Altpapier. Steht eh nichts interessantes drin. Wahrscheinlich eh nur, dass ich meine Hausaufgaben in einer Schule zu erledigen habe.
Schon damals im Studium waren Multiple-Choice-Aufgaben mein grösstes Grab: Zu viele Möglichkeiten, zu viele Fehlantworten. Durchgefallen. Wieso sollte es bei der Wahl anders sein? Und dafür riskiere ich nicht meinen Reisepass. Nachher wird der mir wegen zu viele Fehlkreuze entzogen.

Entzogen hatte unserer Firmenbesitzer wegen der Wahlergebnisse der Firma alle Investitionen. Er hatte es als email verschickt. Ich hatte nicht gewählt und fühlte mich trotzdem bestraft. Sollte wohl auch so sein. Ein Key-Accounter wurde deswegen richtig sauer. Er hatte ein gutes Geschäft eingefädelt, aber ohne Investition kein Geschäft. Er war tierisch sauer und hat sich den Geschäftsführer persönlich vorgeknöpft. Er durfte das wagen. Ein Jahr vor dem Renteneintritt.

Draussen taut jetzt der Schnee weg. Vor 48 Stunden waren es noch -5°C. Jetzt wurden es +10° C. Wahrscheinlich war es der Einfluss von Digdigger . Er wollte ja hier Schneeschippen. So macht er es sich recht einfach. Wieso auch nicht. Mir fehlen aber noch die restlichen 20° C, damit es 30° C werden. Vielleicht schickt er sie ja auch noch rüber.

Wer mit über 30 Jahren noch lebt, hat seinen Frieden mit dieser Gesellschaft geschlossen. Nur, eigentlich wollte ich dieses Jahr ne Revolution veranstalten. Aus dieser Kugel mal nen Würfel zu machen. Aber es hatte ja niemand interessiert. So wurde das nichts. Wenn ein Volk nur permanent ihre Fiffis ausführt, aber nie auf darauf achtet, wann wer wo wie entscheidendes was für das wohin setzt. Nun gut. Ich trat den Rückzug an und entzog mich meiner Verantwortung für die Würfelung und für den Versuch der Quadratur eines rotierendes Kreises und zog mich ins Biedermeiertum zurück.

Nur meine Planung für die Brasilienreise endete auf der Intensivstation. Gestorben bin ich nicht. War aber wohl nah dran, meinten die Ärzte. Adolf Hilter ist mit 56 Jahren gestorben, Lenin mit 53 Jahren. Da habe ich noch ein wenig Zeit vor mir für weltbewegenden Scheiss. Zumindestens kann ich damit hier im Blog beginnen.

Die Notaufnahme im Klinikum war eh eine Nummer für sich. Fiebrig kam ich dort an und wollte nur noch so schnell wie möglich behandelt werden. Aber vor den „Göttern in Weiss“ hat die Bürokratie die „Götter mit Bleistift“ gesetzt. Der erste versuch lief fehl. Zwar sassen dort zwei Bürokraten im Büro, einer davon starrte intensivst die Decke an, aber mein Pech war, dass der andere schon mit einem Notaufzunehmenden im gespräch war. „Sind Sie Verwandter oder Angehöriger dieses Mannes hier?“ war die Frage des Unbeschäftigten. „Nein“, war meine verwirrte Antwort. „Dann warten Sie gefälligst draussen!“
So wartete ich also geduldig auf dass die Reihe der bürokratischen Notaufnahme an mir werden würde. Und dann kam ich dran. Ich hatte alle Papiere meines Hausarztes dabei und schob sie erschöpft dem Mann entgegen. „Warum kommen Sie?“ Ich war sprachlos. Trotzdem stotterte ich meine Geschichte. Lesen wollte er die Papiere nicht. „Und warum meinen Sie, gerade hierhin zu müssen?“ Na. da kam ich aber in Erklärungsnotstand. Vielleicht weil ich mich krank fühlte?
Irgendwann lag ich dann doch dank bürokratischer Gnaden in der Notaufnahme und der diensthabene Notarzt wollte mir Blut abnehmen. Worauf die Krankenschwester den Arzt anfrotzelte: „Können Sie das nicht näher am Waschbecken machen? Wer soll den die ganze Schweinerei wegwischen, wenn es auf den Boden tropft?!?“ Irgendwie fühlte ich mich missverstanden dort. Eigentlich wollte ich mich dort nicht entschuldigen, dass ich krank war, ich wollte, dass man mir hilft. Naja. Es war ja auch spät am abend (so gegen 20:00) und da muss man sich schon auf was gefasst machen, wenn man da in andere Vorbereitungen für den Feierabend platzt. Egal ob man in kritischer Lebenssituation steckt oder nicht. Erst die Ordnung, dann die Arbeit.

Aber das war nur dieses Jahr. Nochmal mach ich dieses Jahr bis zum Ende nicht mit.

Und was kommt nächstes Jahr? Schaun mer mal …
2 Kommentare | Trackback (0) |