Auf 3SAT laufen inzwischen Konzertmitschnitte. U.a.a. kommen noch The Boss, Ricky Martin, Robbie Williams, Simply Red, Pink Floyed, U2, Coldplay, The Black Eyed Peas und dann noch um 22:00 Uhr
das legendäre Maracana-Konzert von Tina Turner „Live in Rio ’88“
Da tanz ich doch ein drauf.
Passend zum 1. Mai.
Unten links wird die Animation gestartet.
Lautsprecher einschalten nicht vergessen!
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Schlagwort-Archive: brasilien
Sprachlos
Ein kleiner Bummel durch die Innenstadt.
Naja, eher war es ein schneller Schritt in einer Parallelstraße der Fußgängerzone, um schneller von A nach B zu gelangen und nicht Passanten-Slalom zu betreiben.
Ich kam an einem Schaufenster vorbei. Das gehörte zu einem vierstöckigen Jeansgeschäft.
Damals.
Heute nicht mehr.
Und hinter diesem Schaufenster hatte ein neuer Surf-Shop aufgemacht.
Aber was mich erheblich stutzen ließ, war die Schaufensterdekoration. Drin standen völlig leere Guaraná-Dosen aus Brasilien!
Ich also nix wie rein und dem ersten, der mir sein freundliches „Kann ich Dir weiterhelfen?“ entgegen schleuderte, dem stellte ich gleich die Frage:
„Wo habt Ihr denn die Guaraná her?!? Wo gibt’s die zu kaufen?“
Es stellte sich heraus, dass der Laden erst seit Donnerstag geöffnet hatte und als Eröffnungsgeschenke originale Guaraná aus Brasilien der Marke ANTARTICA geordert hatten. An der Wand stand die meterhohe Palette mit dem Getränk.
Ich habe mir gleich vier Dosen schenken lassen.
Montag schicke ich wen anders dort vorbei, um mir weitere organisieren zu lassen.
Guaraná von ANTARTICA ist die Champagnerlimonade in Brasilien schlechthin. Andere Marken bringen es nicht. Selbst die von Coca-Cola 1997 extra in Brasilien aufgebaute Marke KUAT Guaraná.
KUAT kommt aus der Tupi-guarani-Sprache der Ureinwohner Brasiliens und heißt „Zwillingsbruder des Mondes“) bleibt geschmacklich auf der Strecke gegenüber Guaraná von ANTARTICA und hat auch nicht so viel Popularität.
Sodele.
Genug geschwafelt.
Jetzt kommt ein Foto meiner Beute.
Für alle die es kennen und mögen, kann ich jetzt nur noch eines sagen:
Super hat’s geschmeckt.
Dafür lass ich jedes Kölsch stehen!
Die Lunge wird zum Skelett der Erde …
Besuchen Sie die Erde, solang es sie so schön noch gibt …
Eine 4000 Jahre alte Siedlung in der USA muss umgesiedelt werden.
Kostenpunkt 200 Millionen Dollar.
Der Grund? Wasser, was da kommt.
Nein, in der USA wird kein Dorf wegen eines Staudammprojekts umgesiedelt. Der Grund ist der Klimawandel. Das kleine Dorf in Alaska muss aufs Festland umgesiedelt werden, weil das Meer immer höher steigt. Das Dorf heißt Shishmaref und wird als Beleg der schon vor 20 Jahren Prophezeiung des Klimawandels angesehen.
Nicht nur die Stürme in Mitteleuropa werden immer häufiger.
Steigen die weltweiten Temperaturen um drei bis vier Grad ist damit zu rechnen, dass beispielsweise der riesige Fluss des Amazonas und all seine Nebenflüsse vertrocknen. Die Verdunstungsrate wird dort höher werden als die Niederschlagsrate. Der größte Regenwald der Welt benötigt dann keine zweibeinigen Brandroder mehr, um als Wald zu verschwinden. Der Regenwald wird dann aufgrund des klimatischen Umschwungs versteppen. Die sauerstoffproduzierenden Lunge dieser Welt wird gnadenlos absterben und mit ihr eine Beschleunigung im CO2-Aufbau herbei führen.
Heute im Fernsehen gab es eine Dokumentation über die größten Wasserfälle dieser Welt, den grandiosen Wasserfällen Iguaçu.
Ein von den Guaraní-Indianer abstammender Bewohner der Gegend sprach die Einstellung der Guaraní zur Natur an: Dass wir die Erde nur für unsere Kinder geerbt haben und dementsprechend leben sollen. Und dabei sprach er nicht über den Klimawandel sondern lediglich über die Verantwortung zur Natur.
Vor mehr als zwanzig Jahren wurde dieser Sinnspruch der Guaraní von Umweltaktivisten geführt. Hierzu ernteten sie von den Etablierten nur Hohn, Spott, Hass und Verachtung. Es wurde ihnen vorgeworfen, keine Ahnung zu haben. Heute sitzen einige dieser Umweltaktivisten nicht nur hier in Deutschland in verantwortlichen Positionen und reden die gleichen Killerphrasen der Etablierten von damals nach.
In den letzten 20 Jahren hat sich weltweit nichts entscheidendes geändert. Was damals schon als klimabedrohend ausgemacht wurde, ist es heute noch immer. Und die Auswege aus der Katastrophe werden national und international als nicht praktikabel und weltfremd gebranntmarkt.
Wir leben so, als ob wir noch eine zweite Erde in unserem Kofferraum haben.
Nun, so lasst uns schon mal bald den Schlüssel für den Kofferraum suchen.
Oder statt gen Mars eine Weltraummission zur Erde schicken, so lang es sie so noch gibt.
Quelle zur Geschichte des Dorfes Shishmaref und des Schicksals des Amazonas:
Hier klicken.
Ich sehe was, was ihr nicht seht, liebe Bewohner in Brasilien …
Inder nett?
Inder gar nicht nett!
Inder wirklich nett sauer!
Internet Sperrung in Brasilien …
Wie ich hier schon berichtete, kann es nicht ungefährlich sein zu bloggen. Gerichte können regionales Recht sprechen und im ungünstigsten Fall per internationaler Verfügung, Geldstrafen einziehen. Es muss sich hierbei nur jemand auf den Schlips getreten fühlen und das vor einem Gericht einklagen.
Internet ist wirklich kein rechtsfreier Raum mehr. Und nicht erst durch die Paparazzihatz auf Prinzessin Diana wissen wir, wohin es führen kann, wenn von anderen geglaubt wird, jemanden ins Rampenlicht stellen zu müssen.
In Brasilien hat jetzt das gerichtlich durchgesetzte Recht auf Privatsphäre voll durchgeschlagen:
Daniella Cicarelli war mal Freundin von dem brasilianischen pühänomenalen Dicken und Fußballtreter Ronaldo und ist jetzt in Brasilien MTV-Moderatorin und Modell. Nu hat es sich ereignet, dass diese Frau mit jemanden ins Meer spazierte und mit ihm dann fröhlich poppte. Dummerweise war auch jemand in den Dünen, der das Pärchen belauerte und die action im Wasser mitfilmte und dann nachher das Video auch noch im Internet veröffentlichte. Und das ausgerechnet auf YouTube.com. So vermehrte sich das Video und die Zugriffszahlen auf dieses Softporno stiegen.
Wie das Video aussieht?
Auf YouTube.com findet sich ein Video, welches wohl als offizieller Warner vor der tropischen Krankheit Dengue von dem brasiliansichen Bundesstaat Rio Grande do Sul produziert wurde.
Dieser Moskitostreifen gegen die Verbreitung der Krankheit orientiert sich an dem Originalvideo, eben welches jemand von Daniella Cicarelli aufnahm und welches nun im Fadenkreuz des Interesses steht …
Daniella Cicarelli ging vor Gericht, klagte YouTube.com an und forderte YouTube.com auf, das Video dort zu sperren …
Sollte YouTube.com dem nicht nachkommen, so würde sie drauf klagen, dass Brasilien (!) von YouTube.com abgekoppelt wird. So dass deren Seite in Brasilien nicht zu erreichen sind.
YouTube.com konnte freilich nicht sicherstellen, dass das Video von Daniella Cicarelli nicht auf deren Server eingestellt wurde.
Somit nahm die Rechtssprechung ihren Lauf …
Inzwischen ist es offiziell: Brasilianische Provider schalten aufgrund gerichtlicher Verfügung Sperren in ihr Netz, so dass die Seite von YouTube.com nicht mehr zu erreichen sind.
Nochmals kurz zusammengefasst:
Eine Person klagt auf Schutz ihrer Persönlichkeit und erhält recht und erreicht, dass ein Server in einem riesigen Land nicht mehr zu erreichen ist.
Man kann sich jetzt herrlich darüber streiten, ob wer am Tage im Wasser mit wem bumst, das Recht am eigenen Bild generell verlieren muss.
Interessanter ist dabei allerdings, dass zwei Filme auf YouTube.com richtig Karriere gemacht haben: Die Tötung per Strang von Saddam Hussein und das Softsex-Streifchen einer Privatperson (okay, man sieht irgenwann den Schwanz von ihm seinen Freischwimmer auf dem Wasser machen … also doch nicht so softie für die Männer …)
Angesichts der Forderung vom Innenminister Schäuble, das Internet verstärkt polizeilich zu überwachen, muss ich konstatieren, dass das Internet sich zu einem „Web 3.0“ wandelt.
Ein Web, welches sich immer verstärkter Überwachungsinstrumentarien beugen wird und sich von „Web 2.0“ ins „Web 3.0“ wandeln wird …
Nachdem vorgestern ein Kinderpornoring eben durch polizeilicher Überwachung im Internet ausgehoben wurde, versteht man, dass Internet und Rechtsfreiheit keine Synonyme mehr bleiben können, dürfen und werden.
Nebenbei wurden nicht Millionen von Kreditkartedaten von der Polizei überprüft, wie die Polizei mit stolz geschwellter Brust zuerst verkündete, sondern lediglich einige Hundert von Verdächtigen Personen. Den Betreiber der Kinderpornoseite haben sie allerdings noch immer nicht aufgegriffen …
Zum einem muss man feststellen, …
… dass die Länder, die so auf deren Freiheit als Grundwert stolz sind (u.a.a. Brasilien), dieses voll konterkarieren. Das ist aber nicht verwunderlich. Seit 1109 ist das Kesseltreiben mit der Angst eh das beste Instrumentarium auch in Deutschland Rechte schnellstens einzudämmen oder abzuschaffen … im Namen der Freiheit … die Freiheit ist halt ein kostbares Gut, weswegen man sie sorgfältig wegschliessen muss, damit sie nicht abhaut …
Und zum anderen, …
… dass im Grunde auch für’s Internet gelten muss, dass die Freiheit des einen dort aufhört, wo die Freiheit des anderen beginnt. Und das wird von den vielen Möchtegern- und Profi-Paparazzi gerne missachtet.
Wobei hier liegt die Betonung eindeutig auf die Einzelperson an sich, denn Publikationsorgane interessieren sich herzlichst wenig, wen sie öffentlich am Pranger stellen und nieder machen. Die dürfen das im Namen des Informationsbedürfnisses des einzelnen … und im Namen der Pressefreiheit sowieso …
Gerade für die Meinungsäusserung in einem Blog wird das Abwägen der Interessen anderer und deren Geldbeutel immer wichtiger: Entweder die Schere im Kopf oder ein Leben im permanenten Konjunktiv oder Konditional.
Ich bin gespannt wie diese Entwicklung weiter geht …
Vielleicht wie jetzt?
Wer mehr Hintergründe über die Sperrung von YouTube.com im Brasilien erfahren will, der erhält Informationen aus erster Hand von einem Deutschen, der in Brasilien lebt und einen Blog darüber führt:
Digdiggers Blog „www.brasilblog.de“
Und wer weiß, vielleicht findet sich dort auch Hinweise für das anrüchige Video, welches zur Sperrung des Servers von YouTube.com geführt hat.
Der treffende Kommentar Digdiggers zu der Internet-Sperrung:
Sollte die Sperre nun wirklich offiziell bestätigt werden, stehen Kunden der Brasiltelecom somit auf der gleichen Stufe wie Internetnutzer im Iran. Dort blockiert das Regime ebenfalls den Zugang zu YouTube um die Verbreitung regimefeindlicher Videos zu verhindern.
Inder nett?
Inder gar nicht nett!
Inder wirklich nett sauer!
Internet Sperrung in Brasilien …
Wir warten aufs Christkind
Wir schreiben heute den 24. November 2006.
Ab jetzt gilt es.
Das Rennen in die Kaufhäuser ist eröffnet.
Und jeder muss sich die tendenziell tadelnd bedrohende Frage gefallen lassen:
„Hast Du schon Geschenke für Weihnachten?“
Nur noch 29 Tage und der Rest von heute …
Macht hoch die Tür die Tor macht weit, der Stress ist allzeit bereit.
Die Häuser oder die Wohnungen müssen noch weihnachtlich geschmückt werden.
Lichterketten in Fenster, auf Balkonen und um Bäume verteilt werden.
Wälder ausgekundschaftet werden, um heimlich – immer bereit zur Flucht vorm Förster – eine Tanne zu schlagen.
Ecken für den Weihnachtsbaum freigeräumt werden, Lametta gebügelt und Kugeln mit Buttenfett zu neuem Glanz erstrahlen lassend geputzt werden.
Atzventzkrantzkertzen (… das Wort mit den vier „TeZets“ …) in Atzventzkräntze (… nur drei „TeZets“ …) gesteckt werden.
Krippen hervorgekramt werden und die Krippenfiguren schon mal abgestaubt werden.
So steht dann alles bereit.
Wir warten aufs Christkind …
Wie jene „heilige Familie“ der Kathedrale in Rio de Janeiro.
Die wartet auch dieses Jahr vor Weihnachten wieder brav in Leinen und Papier gehüllt in einem Raum, auf dass sie bald wieder in den Kircheninnenraum zu ihren angestammten Plätzen dürfen.
Die warten halt auch aufs Christkind …
Gespendet …
Belinda hat in ihrem eigenen Bereich einen Blog aufgemacht. In diesem Blog versteigert Belinda „Dinge“. Im Grunde ist es auch keine „Versteigerung“, sondern vielmehr vergibt sie dort Dinge gegen eine Spende. Die Spendengelder gehen gehen direkt an das brasilianische Kinderhilfsprojekt GAC.
Bei Belinda wurde inzwischendie ersten ersten Artikel in ihrem Trödel-Blog eingestellt.
Weitere Erklärungen finden sich im Header des Blogs oder ihr fragt Belinda persönlich. Sie wird euch gerne eure Fragen zu ihrer Aktion beantworten.
Einfach bei Belinda in Trödel-Blog reinklicken.
Schaut mal rein und/oder beteiligt Euch.
Und informiert euch über das brasilianische Kinderhilfsprojekt GAC.
Es gibt auch hier bei blog.de einen Blog zu diesem Projekt:
Kinderhorizonte Blog. Einfach hier klicken.
Bongo Bong/Je Ne T’Aime Plus
Mama was queen of the mambo
Papa was king of the Congo
Deep down in the jungle
I started bangin‘ my first bongo
Every monkey’d like to be
In my place instead of me
Cause I’m the king of bongo
… Eigentlich hätte der Thread doch eher
Kulturschock
heissen können / sollen / müssen / dürfen / usw., aber warum einfach, wenn es auch komplizierter geht? Eben drum …
Es ist mittlerweile fast 20 Jahre her .
Mein IBERIA-Flieger brachte mich von fast fünf Wochen des Kennenlernens von Südbrasilien zurück.
War es noch strahlend blauer Himmel am Flughafen von Rio und eine gesunde Wärme, sah es in Madrid bei der Zwischenlandung schon grauer und regnerischer aus. Aber wen interessiert schon Madrid, wenn Erinnerungen von 34 Tagen lebendig in den Erinnerungen herumstromerten.
Ich kam zurück von Brasilien nach Deuschland.
Der Blick durchs Flugzeugbullauge klärte mich darüber auf, dass ich doch ein paar Sachen extra anziehen würde müssen. Unter mir erstreckte sich also meine Heimat. Wie leicht gezuckert lag leichter Schnee auf den Feldern. Die Resultate der landwirtschaftlichen Herbstbewirtschaftung trat jetzt deutlich zu Tage. Jedes Feld ein Quadrat, ordentlich gescheitelt und gekämt. Ich bin zwar ein Landei, aber nie war mir dieses so deutlich geworden wie damals im Flieger zurück nach Deutschland. Klar, dass Felder so aussehen mussten. Die traditionelle konventionelle Landwirtschaft kannte nur harken, säen und ernten. Ach ja und Jauche ausfahren. Ein Lieblingssport im Sommer, wenn es heiss war.
In knapp fünf Wochen hatte ich mich an einem verwalteten Chaos gewohnt gehabt: Bushaltestellen ohne Fahrpläne; Leute mit dem genauen Zeitgefühl einer relativen speziellen Relativitättheorie; Schlangen vor bestimmten Geschäften und trotzdem irgendwie keine wütende oder hetzende Ungeduld; Telefone, die in erster Linie fleissig fichas schluckten, um dann eine bescheidene Verbindung zu bringen; paramilitärisch ausschauende Polizisten mit grauen Stahlhelmen, auf denen ein PM prangte; Fahrzeuge, die irgendwie aus dem europäischen Jahrzehnt zuvor erschienen, aber trotzdem voll in Schuss schienen; an jeder Ecke ein Käfer („fusca“); fliegende Kakerlaken; leckere Bananen; dutzende fruchtige Früchte, die ich noch nicht mal im Supermarkt in D-Land kannte; spontane Besuche und nirgendwo war man wirklich unerwünscht; Feten, die auch ohne Bier durchstarteten (obwohl meistens Bier dann später kam, es herrschte eine konjunkturelle Bierflaute verursacht durch die Brauereien); aufrichtiges Lachen und trotzdem Gemauschele; Gott musste wirklich Brasilianer sein.
Im grossen Ganzen lernte ich einen unverkrampften Pragmatismus kennen, der natürlich auf mich abfärbte wie Rotwein auf weisser Kleidung. Ja, lieber Rotwein trinken und lustig sein, als Tee trinken und abwarten. Lieber locker vom Hocker als hektisch überm Ecktisch. Abgegriffene Sponti-Sprüche der 80er, jedoch treffend.
So landete ich also wieder in Frankfurt (… und bei jeder Landung – ob in Madrid, Rio oder Frankfurt – gab’s noch einen riesen Applaus des fliegenden Publikums …).
Koffer fassen, die BGSler prüfend anschauen, ob die was von mir wollten, dann raus und rüber zum alten Untergrundbahnhof der DB. Fahrplan abchecken (kein Ticket ziehen, da ich auf Bundeskosten fahren durfte) und der sagte, dass der nächste Zug in 34 Minuten käme. Und so war es dann auch. Pünktlich wie die Maurer (damals!).
Rauf in den Norden ins westfälische Kuhkaff (altbekannter Witz: Wisst ihr warum der Bahnhof von XY so weit draussen vor dem Dorf liegt? Damit das Dorf auch noch nen Bahnanschluss hat …) , Begrüssung der Eltern in der eisigen Kälte. Die Tage danach Akklimatisierung und jet-lag-Bekämpfung. Und dann zwei Tage später „Heilig Abend“. Kirchgang. Nach der Christmette auf dem Kirchhof weihnachtlich besinnliches Rumhüpfen in der Kälte, um noch den ein oder andern Small-Talk (auf alt-deutsch: „Klatsch und Tratsch“) zu führen. Dort bin ich Freunden wiederbegegnet.
Und einer (Karlchen) sagte mir dann wörtlich: „Mensch, komm doch mal vorbei. Erzähl mal von Brasilien hört sich ja spannend an. Du hast ja sicher mächtig was zu erzählen.“
Und damit begann ein Verhängnis, was nachhaltig zum Kulturschock beitragen sollte:
1. Weihnachtstag. Es wurde abend so gegen 17:00 Uhr. Ich rief noch meinen Eltern zu: „Ich radle noch mal eben zu Karlchen. Der hat mich eingeladen von Brasilien zu erzählen.“ Die seltsamen Blicke meiner Eltern hatte ich nicht verstanden. Fünf Wochen Brasilien hatten mir den deutschen Instinkt für Formelhaftigkeiten und Etiketten eingeschläfert.
Ich kam bei Karlchen ne Viertelstunde später an und fing an fleissig zu erzählen. Was ich seltsam fand, dass seine Eltern nicht auftauchten und nur einer seiner beiden geschwister mal für ne kurze Zeit reinschaute. Aber ich machte mir keine Gedanken und erzählte und erzählte und erzählte und Karlchen fragte sichtlich interessiert und hielt somit das Gespräch in Gange.
Die Zeit verflog und das gleiche sollte auch mit meiner Unbekümmertheit recht schnell geschehen.
Es war so gegen 19:30 Uhr, als plötzlich die Wohnzimmertür aufflog und die Eltern von Karlchen das Räumkommando spielten. Die beide strömten gleichzeitig in das Zimmer und deren Gesichter sahen alles andere als freundlich aus.
„Herr Careca, haben Sie kein Zuhause?“ knallte es mir von ihr entgegen.
„Jo. Stimmt“, kam es vom Mann zurück.
Die Geschwindigkeit, mit der sie sich mir näherten, war alles andere als vertrauenserweckend.
„Herr Careca, Heilig Abend und der erste Weihnachtstag gehören der Familie und der zweite der Verwandschaft!“ blaffte sie mich wie aus einem Maschinengewehr an und rief mir mein Vergehen gegenüber der deutschen Tradition knallhart ins Gedächtnis zurück.
„Jawohl!“ kam es vom Mann.
Ich versuchte mich stotternd zu entschuldigen. Aber es kam nichts vernünftiges heraus. Der Kontrast von brasilianischer und deutscher Gesellschaft und die sich daraus ergebenen zwei unterschiedlichen Realitäten blockierten mein Hirn.
Und beide näherten sich mit hoher Geschwindigkeit, so dass ich instinktiv nur noch an FLUCHT dachte, wie um mein Leben zu retten.
„Sie haben unser Weihnachten verdorben, Herr Careca! Das ist unser Haus! Nicht Ihres! Das ist unser Fest! Suchen Sie sich doch Ihr eigenes und nicht bei uns!“
„Sie haben es verdorben!“ echote es von ihm.
Sie war schon auf Greifweite nah und ich fand meine Jacke, riss sie an mich, stemmte mich aus dem weichen Sessel und sprang Entschuldigungen stammelnd Richtung Ausgang. FLUCHTartig. Adrenalin pur in den Adern. Ob die Fra
u mich geschlagen hätte, wäre sie meiner habhaft geworden? Ich weiss es nicht, aber ich befürchtete es damals und auch noch heute.
Mein Freund selber stand entsetzt im Raum und brachte selber kein Wort heraus.
Zwei Jahre später trafen wir uns zufällig und redeten nochmals über jene Szene zum „Fest der Liebe“. Ihm war die Szene hochnot peinlich und war zutiefst beschämt, so drückte er sich selber aus. Meine Erzählungen über das Erlebte in Brasilien (POA und Umgebung) waren für ihn faszinierend und er spürte, dass da was war, was es vorher in mir nicht gab. Er sprach von einer Lebendigkeit und Lebensfreude, die er total klasse und passend zum Weihnachtsfest empfand. Jedoch als seine Eltern reinstürmten, sei es wieder kalt im Raum geworden. Die ganze Zeit war er mir ausgewichen, da er mir nicht in die Augen sehen konnte. Das war übrigens wechselseitig: Ich war auch ihm ausgewichen, weil ich ja die erklärte Ursache dafür war, dass einer Familie das Weihnachtsfest verdorben worden war. Das steckte in mir.
Jenen Abend legte ich die drei Kilometer-Strecke in weniger als zehn Minuten bei Schnee und Eis zurück, um die eisige Lähmung des Geschehenen weg zu strampeln. Es gelang allerdings nie mehr. Seit jenem Abend ist meine private Meinung über das deutsche Weihnachten bei mir eingebrannt wie damaligen Sklaven das Brandeisen.
Weihnachten sind drei langweilige Tage mit Friedhofsruhecharakter, obwohl verdammt viele Menschen bei der Geburt deren eigenen Kinder viel mehr Begeisterung aufkommen lassen (und über jeden Besuch sich freuen), als bei der Geburtstagsfeier für jenes Menschen, von dem sie ihr Seelenheil erwarten. Wo sind die Feten und Feiern? Ist das Fest der Liebe nur was für die eigenen vier Wände? Die weihnachtlichen Gottesdienste als Cat-Walks der Eitelkeiten und der Präsentation der Geschenke? Sehen und gesehen werden? Ist das wirklich alles?
(*Häresiemodus on*) Wenn wundert es, dass viele nach vier, fünf Monaten wieder aufatmen und sagen „Nu isser wieder angenagelt und alles hat wieder seine Ruh! Jetzt können wir wieder weitermachen.“ Damit diese Zeit nicht allzu öde wird (“ Wir warten aufs Kreuzigen ! „), hat man in gewissen Regionen gleich noch ein wenig karnevalistisches in den Zeitraum reingelegt. Manche können halt nicht dauernd nur warten stattdessen als Ventil organisiertes Feiern mit Narhalla-Marsch und roter Schnapps-Nase … dann aber lieber „ALAAF mit“ als nur ein trockenes dreifaches „Helau ohne“ … das ganze als Abwechselung zur erwarteten Bunny-Zeit … (*Häresiemodus off*)
Meine Eltern waren über meinen Bericht gleichfalls nicht begeistert, sagten aber nichts, da es sich bei den Eltern beides um sogenannten „graue Eminenzen“ der Dorfgemeinschaft zählten.
Weihnachten ist schön für die, die es noch er-leben können …
Später war ich zu Weihnachten mal in Rio. Und da wurde mir schon klar, dass diese Feiertage allein den Familien vorbehalten bleiben. Singles haben an solchen Tagen immer so ne Art Arschkarte gezogen. Es wurde mir klar, dass mein obiges Verständnis von Feten und Feiern wohl nirgendwo auf der ganzen christlichen Welt entsprochen werden kann. Jedes Land – egal ob Deutschland oder Brasilien – hat seine Einstellung zu so einem Fest und das muss ich berücksichten (Häresiemodus von vorhin hin oder her). Das ist halt so.
In Rio war es zur Weihnacht zwar auch still, aber beileibe nicht so friedhofsstill wie in D-Land es immer ist. Aber das ist eine andere Geschichte …
Je ne t´aime plus mon amour
Je ne t´aime plus tout le jour
Je ne t´aime plus mon amour
Je ne t´aime plus tout le jour

