Willkommen bei den CH’TIS (2)

Chtis02
Einmal Chtis und zurück. Das Beweisfoto #2.
Und wer den Film noch nicht gesehen hat, einfach mal anschauen.

Veröffentlicht unter Privat

Kneipengespräch: Krisengesellschaft

– Du warst schon lange nicht mehr hier.

Er schaute mich lange von der Seite an, während ich ein paar Lockerungsübungen durchführte, bevor ich mir mein Kölsch ergriff.

– Stimmt.
– Geburtstag? Hochzeit? Namensänderung? Und das alles nacheinander?
– Stimmt.
– Nu red keinen Driss. Wo warste?
– Nirgendwo. Ich hab nur versucht die Fastenzeit durchzuhalten.
– Mal wieder den Gürtel enger schnallen bis Ostern?
– Genau.
– Das ist doch Quatsch. Wozu Fastenzeit? Wir haben doch schon die Krise.
– Genau. Hat meine Friseurin auch gesagt. Die Krise als Katharsis der eigenen Gier, meinte sie.
– Der was bitte?
– Katharsis. Kennste das nicht? Das eigene Erleben von Furcht, Jammerei und Schaudervollem führt zur Läuterung der eigenen Seele gegenüber schlechter Leidenschaften. Hier ist die schlechte Leidenschaft die Gier.
– Komisch, ich dachte wir stecken in einer Absatzkrise und in keiner Gierkrise.
– Naja, das Fehlen von Absatz könnte man auch als das Fehlen von Gier verstehen. Ohne Gier, keinen Absatz.
– Also könnte man das jetzt fehlende Gier von einem anderen Blickwinkel aus auch als real existierende Fastenzeit bezeichnen.
– Das wäre jetzt aber beschönigend ausgedrückt. Eine christliche, zeitlich begrenzte Lebenseinstellung als Erklärung dafür, dass niemand mehr unsere Produkte kaufen will.
– Geiz ist eben geil.
– Und wir hassen teuer.
– Aber immerhin 20% auf alles.
– Außer Tiernahrung.
– Genau. Denn unterm Strich zähl ich!
– Falsch. Bei der Bruchrechnung steht der Zähler überm Strich und unterm steht nur der Nenner. Und erst bei der Bruchrechnung kann man wunderbar abziehen, wenn alles unterm Strich auf einen Nenner gebracht wurde.
– Die Gleichschaltung der Bedürfnisse in der Krise?
– Freilich. Fragen Sie die Kurzarbeiter. Die können doch schon einen Satz alle im Schlaf aufsagen: Besser ein Kurzarbeiter-Los als arbeitslos.
– Hauptsache einigermaßen beim Krisenmonopoly ungeschoren an Parkstraße und Schloßallee vorbei über Los kommen, dann könnte es wieder Bonuszahlungen geben.
– Dabei ist weniger manchmal mehr. Die neue Maxime des Wertewandels. Die Wiedergewinnung der Unmittelbarkeit.
– Wow. Schön gesagt. Geht es auch genauer?
– Tja, die Infragestellung zivilisatorischer Artifizialismen bringt die Menschen den elementaren Fragen urplötzlich näher.
– Artifiziali … was bitte?
– Artifizialismus.
– Was bitteschön ist das denn schon wieder?

Ich schnaufte kurz durch.
Mein Kölschglas hatte schon erheblich zu viel Luft drinne. Ich winkte dem Wirt. Der kam auch gleich, stellte mir eine Stange hin ging zu meinem Nachbarn lehnte sich verschwörerisch rüber und meinte maliziös lächelnd

– Hör mal, Jupp, glaub dem nichts. Das Obergärige gärt bei dem gerade richtig obergärig. Und das ganz knapp unter der Haarwurzel.

und ging wieder zurück zu seiner eigenen Stange Kölsch.

– Artifizialismus ist der Glaube der Kinder vom zweiten bis siebten Lebensjahr, die Welt um sie herum sei ausschließlich von Menschen oder auch Gott gemacht.
– Und dieses Weltbild-Patchwork wird jetzt also durch die Krise in Frage gestellt? Wolltest du das vorhin sagen?
– So in etwa. Von der Selbst-Kontrolle der 50er und 60er über die Selbst-Verwirklichung der 70er und 80er war die Gesellschaft beim Selbst-Management der 90er und des neuen Jahrtausends angekommen.
– Und jetzt macht die Krise diese selbstkonstruierte Wirklichkeit kaputt.
– Im Fernsehen ließ sich das gut verfolgen: 50er und 60er Jahre da war es die Serie „Stahlnetz“. Die 70er und 80er prägte „Schimanski“. Mit dem rebellisch-anarchischen „Schimmi“ und seine Gegenfigur, dem amtlich korrekten „Thanner“. Und damm kam das „Starke Team“ oder auch die Tatorte mit zwei Ermittlern mit deren eigenen Regelkonstruktionen.
– Aha. „Der goldene Schuß“ als Selbst-Kontrolle, „Wetten dass“ als Selbst-Verwirklichung und „Werden Sie Millionär“ als Selbst-Management.
– Ja. „Werden Sie Millionär“ sehen einige auch als Beispiel, dass positive Verstärkung der individuellen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wünschen in dieser Gesellschaft hoch im Kurs steht.
– Heute wissen wir, „Werden Sie Millionär“ und die hohen Lotto-Jackpots waren nur eine tiefenpsychologische Vorbereitung darauf, dass in jedem von uns auch ein Zocker steckt.
– Das Selbst-Management funktioniert nun nicht mehr. Es geht ans Eingemachte. „Back to basic“ galt zuvor als modern. Jetzt wirft es mehr Fragen auf, als es einem lieb ist.
– Und ich wette mit dir, die Antworten dazu werden mehr und mehr auch im Jenseits der christlich-abendländischen Tradition gesucht.
– Es sei die größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg, wird ja immer wieder gesagt.
– Das ist ja beruhigend. Dann brauchen wir ja nicht aktiv werden und zur Antwortsuche Sturmtruppen ins Jenseits schicken. So wie im zweiten Weltkrieg.
– Genau. Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan sollte erstmal völlig ausreichen, um die ersten Vortrupps zur Erkundigung der Antworten auszusenden. Den Rest findet dann die BILD-Zeitung per Interview raus …

Zeit für eine Redepause. Auf einen Schluck.
Neben mir hatte sich so ein junger vierschrötig Kerl mit Weißbier aufgebaut gehabt. Er gaffte mich an, als ob ich der erste Mensch wäre. Als er meinen Blick bemerkte, drehte er sich ab und seinen Kollegen wieder zu. „Die Preußen philosophieren heute wieder nen Mist zusammen“ verstand ich nur und hörte deren bayrisches Lachen.

– BILD-Zeitung? Da war ja jene DSDS’lerin nackt drin abgebildet.
– DSDS schau ich mir nicht an.
– Nicht? Hast du dir etwa den Biathlon im Ersten angeschaut?
– Nicht mal das. Ich verlass mich auf die Praktiken der Industrie.
– Welche?
– Sie fordern ihr Mitarbeiter auf zu verzichten, damit ihnen wieder besser geht. Ich verzichte aufs Anschauen solcher Sachen.
– Na, dann brauchste dir keine Gedanken machen, um HDTV und Co machen …

Opfer opfern …

Sie sind ungewollt an einem Gewaltausbruch beteiligt?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie gerieten in einen gewalttätigen Auseinandersetzung?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie wurden von der Situation überrascht und konnten nicht reagieren?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie versuchten Ihre Haut zu retten, wurden verletzt und bluten?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie können ab jetzt nicht mehr schlafen?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie sehen die Schreckensszenen immer wieder vor Ihren inneren Augen?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie würden gerne morgens aufstehen, aber sie schaffen es nicht?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie bekommen Herzrasen und Panik, wenn Sie erneut den Schulhof betreten?
Dann sind Sie ein Opfer!
Sie möchten am liebsten wieder weg nach Hause?
Dann sind Sie ein Opfer!

Du bist ein Opfer, du Ranzratte, du Sau,
Du verdammtes, elendiges Opfer!
Du hast es verdient, du typisches Opfer!
Du bist nicht der phat Burner, geschieht dir recht!
Du hast es dir selber zuzuschreiben, du Puddingdampfer!
Du bist das perfekte Opfer, du Brombeerbumser mit Analhusten!
Du bist selber Schuld, dass du ein Scheiss-Opfer bist!
Du wärest kein Opfer, würd‘ dir niemand was tun.
Du mit deinem Clearasil-Testgelände und dem Achselkaffee!
Du Drahtfresse, du Opfer, du MOF und Moppelkotze!
Du Opfer, geh doch in deinen Murmelschuppen, du Gehsteigpanzer!
Du Nullchecker verdienst es gedisst zu werden, du Hasenhirn.
Du wirst von uns gekorbt, denn du bist nicht unser Digger.
Du bist immer unser Opfer und entkorkst nur mit unserer Erlaubnis.
Du bist Opfer und sonst überhaupt nichts.

Wir dissen dich, wo immer wir dich sehen.
Wir wollen dich nicht, du bist nicht wie wir.
Wir hassen dich, du bist so anders wie wir.
Wir korben dich, denn korben ist tight.

Wayne interessieren deine Schreie,
Halts Maul, du Doppel-Whopper, die Lehrer-Tussi kommt.
Gut, wir sehen uns morgen vor der Schule, du Arsch.
Bereite dich vor, denn dort mitmeißeln wirste danach nicht mehr können.

Schulpflicht ist doch was schönes,

Du

OPFER!

(gewidmet all jenen Leuten, die nicht verstehen, dass das Wort „Opfer“ unter ihren eigenen Kindern nichts mehr mit „Mitleid“ zu tun hat, sondern jemanden bezeichnet, der von allen beleidigt, gemobbt, geschlagen und getreten werden darf, bis sie einen neuen Amokläufer geschaffen haben …)

Krise im Kanzleramt, Chaostage in der Regierung (Fake der Woche)

Berlin.

Wie die Presseagentur Reuters verlauten ließ, kam es vor zehn Minuten zu der neunten Entlassung im Bundeskabinett aufgrund von Verdachtsmomenten. Bundespräsident Horst Köhler erhielt offenbar vorhin seine Kündigungsurkunde durch die Vizepräsidentinnen des Deutschen Bundestages überreicht.

Begonnen hatten die unerwarteten Massenentlassungen im Bundestag heute morgen, als der Präsident des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert, diese vor überraschen Pressevertretern verkündete. Nach eigenen Aussagen wollte er bei einem Privatbesuch bei Peer Steinbrück, dem Bundesminister der Finanzen, zuhause auf dessen Schreibtisch drei Bleistifte und einen Bleistiftanspitzer aus dem Fundus des Bundestages gesehen haben. Diese drei Bleistifte und der Anspitzer seien aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Schrank für Werbegeschenke internationaler Finanzminister gewesen, so Lammert. Peer Steinbrück dementierte das und fügte hinzu, dass die Bleistifte handelsübliche der Marke „Stabilo“ seien. Er würde vor dem Arbeitsgericht gegen seine Entlassung klagen. Experten räumen ihm allerdings wenig Chancen auf Erfolg mit seiner Klage ein, da durch den vermuteten Diebstahl keine Basis für Vertrauen mehr existiere und somit eine Entlassung rechtfertige.

Eine Stunde später vermeldete dann der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Dr. h. c. Wolfgang Thierse, dass Wolfgang Schäuble, Bundesminister des Innern, ebenfalls entlassen worden sei. Ein nicht näher benannter Zeuge wollte gesehen haben wie Schäuble mit einem Bundestagskugelschreiber einen Kassenbon bei LIDL abgezeichnet habe.

In einem nachfolgenden Interview vor RTL 2 und MTV bezeichneten sowohl Steinmeier als auch Merkel die Anschuldigungen als ungeheuerlich. Generell verwiesen sie aber darauf, dass auch bei Verdächtigungen des Diebstahls von Kleinigkeiten fristlose Kündigungen gerechtfertigt seien. Horst Köhler wurde beauftragt die Kündigungsurkunden für die Minister zu unterschreiben.

Eine weitere Stunde später traten Lammert und Thierse gemeinsam vor die Presse. Sie verlasen eine Liste von zuvor gekündigten Ministern: Entlassen wurden Franz Josef Jung (Diebstahl eines BW-Kaffeelöffels in Afghanistan), Ilse Aigner (versuchter Diebstahl von diversen ausliegenden Schokoriegeln, die nur für Gäste ihres Ministeriums gedacht waren), Anette Schavan (vermuteter Diebstahl einer Deutsch-Kurzgrammatik aus ihrem Bildungsministerium) und Karl-Theodor zu Guttenberg (Verdacht auf Vorschwindelung falscher Tatsachen, er könne seinem Vorgänger Glos das Wasser reichen).

In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz seitens Merkel und Steinmeier kam es dann zum Eklat. Nachdem sowohl Merkel und Steinmeier ihr Unverständnis über die vorherigen Entlassungen ausdrückten, betonten sie vor laufenden Tonbandgeräten der Sender VIVA, RTL2 und Hau-Ruck-TV, sie hätten damals auch schon mal Kugelschreiber und Kaffeelöffel aus dem Bundestagsrestaurant stiebizt und deswegen wäre die Bundesrepublik noch längst nicht untergegangen. In dem Moment öffnete sich eine Türe und Bundespräsident Horst Köhler überreichte beiden deren Kündigungsurkunde aufgrund von Vertrauensbruch durch Diebstahl von Bundestagseigentum.

Bundespräsident Horst Köhler ist nun also der neunte Fall in dieser Massenentlassungswelle im Deutschen Bundestag. Dessen Kündigungsgrund lautete im übrigen ebenfalls auf Diebstahl. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, hatte Bundespräsident Horst Köhler sich die Kündigungsurkunde ohne Unterzeichnung eines Antragsformulars aus dem Schrank der Urkundenabteilung geholt. Eine Praktikantin hatte ihn dabei beobachtet und dieses der Vizepräsidentinnen des Deutschen Bundestages Petra Pau und Gerda Hasselfeldt mitgeteilt. Diese beiden verfügten umgehend die Entlassung wegen den Verdacht auf Urkundendiebstahl.

Momentan vermelden Staatssekretäre, die nicht näher genannt werden wollen, dass die Massenentlassungswelle im Bundeskanzlerinnenamt als nächsten auch Brigitte Zypries (Bundesministerin der Justiz) und Olaf Scholz (Bundesminister für Arbeit und Soziales) erfassen könne. Ihr wird vorgeworfen, durch Untätigkeit im Dienst den Steuernzahlern genügend Geduld geklaut zu haben. Einen Diebstahl von 1 Euro 30 konnte denen allerdings noch nicht nachgewiesen werden. Und der Diebstahl immaterieller Wertgüter ist bislang als Straftatbestand und Kündigungsgrund nicht definiert worden.

Wir melden uns sofort, wenn wir neues von Der Kündigungswelle erfahren.
Guten Abend.

Wie die Zeit vergeht …

Mein letzter Blogeintrag ist schon fast mehr als anderthalb Wochen her. Und trotzdem meint ein Leser meines Blogs, dass ich täglich blogge und ansonsten nur im Internet abhänge.

Na ja. Dessen Humor möchte ich haben. Als alter StarTrecker würde ich von einer ungewöhnlichen Zeit-Raum-Dilatation in dessen Vorstellung sprechen.
Aber so ungewöhnlich scheint das in diesen Zeiten nicht zu sein.

Da schrieb ich noch vor zehn Tagen, dass bei einem Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis wegen 1 Euro 30 das Vertrauen ruck-zuck weg ist und dann jedes Arbeitsgericht die fristlose Kündigung bestätigt. Und dann lese ich, dass ein Freiburger Klinikum festgestellt hat, dass sie schnell einem Arzt kündigen muss. Und eben weil offenbar das Vertrauensverhältnis bei jenem Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis nicht zerrüttet war, erhielt der Arzt noch mal 1,98 Millionen Euro Abfindung.

1,98 Millionen Euro.

Das muss man sich mal vorstellen.

Warum wurde der Arzt abgefunden?
Weil der 48 Jahre alte Mediziner als Grundgehalt eine C4-Professors inne hatte und die dürfte bei 6.000 Euro brutto monatlich liegen.
Eine Kündigung mit Abfindung wegen einer C4-Professur?
Mitnichten. Der gute Mann war Unfallchirug und wurde gerichtlich in drei Fällen der fahrlässigen und in einem Fall der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Als Strafe wurde der Chirug zu 270 Tagessätzen je 90 Euro verurteilt. Macht addiert zusammen 24.300 Euro.

24.300 Euro.
Das muss man sich mal vorstellen. Dafür dass jetzt u.a.a. ein Patient zum Krüppel wurde.

Das Freiburger Klinikum hatte den Arzt abgefunden, um nicht 6.000 Euro brutto monatlich dem beurlaubten Arzt bis zum Lebensende bezahlen zu müssen. Das Vertrauensverhältnis zu dem Chirug war seitens des Klinikums eben nicht gestört.

Der Arzt hatte schließlich keine 1 Euro 30 zu seinen eigenen Gunsten verwertet. Lediglich Patienten hatte er auf dem OP-Tisch zu Krüppeln gemacht. Das stört kein Arbeitsverhältnis. Für Unfähigkeit im Dienst kann ein C4-Professor und sein Arbeitgeber nichts. So etwas ist gottgegeben. Für Götter in weiß.
Und wo sollten sich Götter normalerweise befinden?
Eben. Im Himmel und nicht in profanen Kliniken, wo sie den anderen das Leben zur Hölle machen.

Da bleibt nur eine Abfindung. Daher zahlte das Klinikum ihm 1,98 Millionen Euro.

Tja, ich merke schon. Zeit-Raum-Dilatation ist nicht das Problem. Das Problem ist meine nicht aktualisierte Einstellung zum problemlosen Geld. Denn ohne Moos nichts los. Und „mos“ ist das lateinische Wort für die Bedeutung „Sitte, Gewohnheit“ (lat.: mos)
Ich sollte mal einen Paradigmenwechsel vornehmen und endlich mal das Positive in der jetzigen Entwicklung sehen:

Alles ist schlechter geworden. Nur eines ist besser geworden: Die Moral ist auch schlechter geworden.

Und für alle Asterix-Fans:
O tempora, o mores.

Amen.

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Geld stinkt nicht, ihr Geldgeber!

Jump you fuckers

„‚Jump! You Fuckers!‘ Eine Ermunterung aus persönlichem Fehlverhalten Konsequenzen zu ziehen.“

(von dem preußische Rentner Lothar Dombrowski alias Georg Schramm vom 25-November-2008 aus der ZDF-Serie „Neues aus der Anstalt“)

Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen der Schäffler-Gruppe und der Firma Porsche:
Jeweils zwei Familien haben mit ihrem Konzern in der Hinterhand sich an einem anderen angeschlichen und ihn dann sich einverleibt.
Bei der einen Firma ist es die Familie Schäffler und die Beute hieß CONTINENTAL. Die andere Firma heißt „Porsche“ und die entsprechende Familie heißt Piech und hat VW sich einverleibt.
Wendelin Wiedeking ist zwar die Gallionsfigur von Porsche, die den Piech Coup finaziell erst ermöglicht hat, aber der Strippenzieher belibt die Familie Piech.
Gleiches gilt auch für die Akte „Schäffler-Continental“: Jürgen Geißinger ist zwar der Schäffler-Chef, aber auch er hat nur das Geld zusammengebracht, welches die Familie Schäffler zur feindlichen Übernahme von Continental benötigte.
Schäffler geht inzwischen am Stock. Als der Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger am 28. November 2008 noch erzählte, die Finanzkrise würde die Übernahme nicht gefährden (s.a. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/874/449602/text/), da trug Frau Schäffler ihr Haar noch attraktiv offen. Jetzt hält sich Geißinger mit Stellungnahmen zurück und Frau Schäffler verdrückt mit streng zurück frisiertem Haar (a la Frau Rottenmeier von „Heidi“) pressewirksam ein paar Tränchen, während ihre Mitarbeiter um ihre Jobs demonstrieren. 70 Millionen Euro ist die monatliche Schuldenlast und langsam aber sicher wird immer deutlicher, mit welchem wirtschaftlichen Ballast sich Schäffler plötzlich herumschlagen muss.Diese 70 Millionen Euro fressen die Rücklagen von Schäffler auf. Die Schiff „Schäffler“ hat den Eisberg in Sichtweite und Frau Schäffler versucht inzwischen Parallelen zur „Titanic“ (siehe ihren pelmantelumwobenen Kitzbühel-Auftritt) vergessen zu machen.
Der Familie Schäffler sollen übrigens neun Geldinstitute geholfen haben:
Deutsche Bank, die Royal Bank of Scotland, Merrill Lynch und UBS sowie Commerzbank, Dresdner Bank, Crédit Suisse, die Landesbank Baden-Württemberg und die Hypo-Vereinsbank. Die Banken hatten zu der damaligen Pressemeldung keinen Kommentar abgegeben. Heute sind ein Großteil dieser Banken sowieso in aller Munde. Als krisengeschüttelt und erheblich gefährdet. Ein Fall für die jeweilige Staatskasse …

Nun.
70 Millionen Euro hört sich viel an. Aber für Wendelin Wiedeking entspricht das den durchschnittlichen Jahresbonus der letzten zwei Jahre. Im Jahr 2007 hatte er 60 Millionen Euro Bonus erhalten. Für das letzte Jahr waren es 80 Millionen Euro.
Für das Porsche-Unternehmen ist das nicht so viel. 10 Milliarde Euro muss Porsche bis Ende März wegen dem Kauf von VW sicherstellen. Da sind 70 Millionen Euro nicht wirklich viel.

10 Milliarde Euro ist im übrigen auch die Schuldensumme von Schäffler.
Die Familie Schäffler und die Familie Piech trieben das gleiche Spiel, um sich an ihre Opfer (Continental und VW) heranzuschleichen. Im August waren beide Familien noch Helden. Die Franken-Familie (Frau Schäffler und Sohn) sind dabei in ihrem Poker-Spiel alles zu verlieren. Wie es bei Spielern halt mal so passieren kann, die das Abonnement zum Glück verloren haben.

Bei der Familie Piech und der Firma Porsche drohen ebenso Ungemach. Die Presse zweifelt inzwischen an der Finanzkraft von Porsche. Das Glück scheint sich zu verabschieden und falls es so sein wird, kann dem Herren Wiedeking (ehemaliger Aachener WZL-Student) sein öffentlicher Ruf wohl schon jetzt vorher gesagt werden. Vom Wirtschaftshelden zum Abzocker. Vom Erfolgsmenschen zum skrupellosen Bonus-Ritter.

10 Milliarde Euro sind übrigens auch nicht viel.
100 Milliarde Euro hat die erst fünf Jahre alte Bankorganisation HypoRealEstate (HRE) staatlicherseits erhalten. Und trotzdem ist die HRE noch immer nicht von der Intensivstation herunter. Und deren Wert liegt gerade mal bei 250 Millionen Euro.

Nebenbei:
100 Milliarde Euro soll das Hilfspaket für OPEL umfassen. Es soll bei der Staatsbank KfW angesiedelt sein.
KfW?
Genau das war jene deutsche Bank, welche der bereits pleite gegangenen Bank „Lehman Brothers“ noch mal schnell 300 Millionen Euro als Lebe-Wohl-Präsent überwies.

Und jetzt lese ich, dass Georg Schäffler gerne weiterhin seine unternehmerische Verantwortung ausüben würde. Daher gäbe sich die Familie Schäffler nicht mit einer Sperrminorität bei ihrem Unternehmen zufrieden. Sie würden gerne weiterhin die Kontrolle über Schäffler behalten und den Staat als Helfer in der Not sehen.

Übrigens, „Kaisers Tengelmann“ hatte eine Kassierin fristlos entlassen. Grund war freilich nicht, dass sie im letzten Jahr an einer Streikorganisation beteiligt war. Der Grund waren 1 Euro 30. Sie wurde verdächtigt diese nach mehr als 30 Jahren Kassiererinnentätigkeit einfach unberechtigterweise einbehalten zu haben.
Entlassen. Verdacht auf Diebstahl von 1 Euro 30.

Wer redet da noch von Milliarden, die andere einfach verbraten?