Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

Der Link zu den Teilen zuvor:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)
Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

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Wie man selbst zum privaten Buch kommt, hatte ich oben in den zwei Blogeinträgen bereits beschrieben gehabt. Was noch fehlte, war das Endergebnis meiner Bestellungen. Gestern kam die letzte Auslieferung und somit kann ich ein Fazit der Privatbücher ziehen.

Kurz nochmal zur Erinnerung. Aus dem Erbe meines Vaters hatte ich dessen Memoiren eingescannt und dann jeweils formatiert drei Verlagen zur Drucklegung übergeben:

  • dem Book on Demand-Verlag (BoD) mit Sitz in Norderstedt (bod.de)
  • dem Lulu-Verlag mit europäischem Sitz in der UK (lulu.com) und
  • dem Epubli-Verlag mit Sitz in Berlin (epubli.de)

Am 20. November bestellte ich jeweils ein Exemplar bei BoD und bei Lulu, zwei Tage später (am 22.) eines bei Epubli. Am 2. Dezember kam das Buch von Lulu und von Epubli in meinem Postkasten an. Epubli lieferte somit binnen acht Werktagen. Lulu benötigte 10 deutsche Werktage mit ihrer Lieferung des gefertigten Buches aus England (acht englische Werktage!). Lediglich BoD benötigte mehr Zeit und sein Exemplar traf am 3. Dezember (11 Werktage Lieferdauer) bei mir ein.

Wie ich bereits im ersten Blogeintrag dieser Kurzserie erwähnte, blieben die Versandkosten und die Kosten der Verpackung bei der BoD-Bestellung mit völlig im Dunkeln. Nachdem ich die Rechnung von BoD erhalten habe (das Buch war einfoliert in einem stabilen Pappumschlag), sind auch diese Kosten endlich klar. 85 Euro-Cent (Buchversandkosten) kommen damit auf den Buchpreis drauf.

Epubli hatte mir für die Verpackungs- und Versandkosten 4,95 Euro in Rechnung gestellt. Geliefert bekam ich das in einer Plastikfolienhülle eingepackte Buch in einem stabilen DIN A4-Pappumschlag, handfrankiert mit 1,45 Euro Normalpost aus Berlins Oranienstraße.

Lulu hatte mir für die VV-Kosten 7,99 Euro in Rechnung gestellt. Geliefert wurde per Eilbriefsendung („Priority-Mail“; analoge Kosten bei der DP ca. 8,50 Euro) aus dem Land der angelnden Sachsen.

Aufgrund dieser Erfahrungen stellen sich die Kosten für eine Privat-Buchbestellung anders dar:

Fun-Buecher

Lulu bleibt aufgrund seiner Anlieferung aus England der kostenintensivste Buchdruckverlag. Es können zwar ein paar Euros gespart werden, wenn man den Versand mit normaler Post durchführen lässt. Jedoch bleibt Lulu geldaufwendiger, je mehr Seiten das eigene Buch aufweist.
Epubli wird seine Gründe haben, einen normalen Großbriefversand (statt Büchersendung) durchzuführen. Die VV-Kosten von 4,95 Euro von Epubli verschaffen BoD einen komfortablen Kostenpuffer.
BoD bleibt selbst bei einem Taschenbuch mit 200 Seiten die kostengünstigste Druckwerkstatt der eigenen Schreibkunst. Denn nur BoD greift auf die kostengünstige Versandform „Buchsendung“ zurück.

Doch nun zu den Büchern an sich:

Epubli:
Epublis Buch hat mich am meisten mit dem glänzenden Buchumschlag überrascht. Erwartet hatte ich mir von dem Buchumschlag wenig. Epubli bietet seinen Kunden wenig Unterstützung, auf Design-Seiten ein attraktives Äußeres für das geplante Buch zu gestalten. Entsprechend eintönig sieht denn nun auch meine Auswahl aus. Auf der Rückseite konnte auch kein Buchtext verfasst werden. Allein der Barcode und die Internetadresse von Epubli wurden dort noch aufgebracht. Würde ich jemanden das Buch auf der Straße schenken, ich wette die erste Reaktion wäre »Boah ein Reclam-Heft! Ach nö, doch nicht«, denn dieses Exemplar hat eher das Aussehen eines Arbeitsexemplares für den Deutschunterricht. Fire and forget.
Wer sich nicht in Eigenregie ein Buchcover entwirft und es bei Epubli zu seinem Druck hochläd, der wird letztendlich zum einen mit einem schmucklosen Äußeren, zum anderen mit 4,95 Euro Verpackungs- und Versandkosten bestraft.
Auch der Beschnitt des Buches ist nicht wirklich als erstklassig zu bezeichnen. Am Beschnitt sind Wellen zu erkennen. Beim leichten über-den-Umschlag-gleiten-lassen der Finger spüren diese einen gratigen Buchumschlagrand.War das Messer nicht mehr scharf? Gab es gar eine »Aufbauschneide«? Vielleicht ist es aber auch handgeschnitten mit einem alten »Fallbeil« aus Holzbrincks Devotionalienhandel der Gutenberg-Zeit, genauso wie der Briefumschlag liebevoll handfrankiert wurde (kein Grat an der Briefmarke!).
Das Druckbild ist sauber. Zwei Graustufenbilder (eingescannte Dokumente) hatte ich in die Druckdatei eingearbeitet gehabt. Sie sind einwandfrei wiedergegeben. Auf der letzten Druckseite findet sich rechts unten der kleine Barcode von Epubli, nicht weit unterhalb des Schlussworts. Auf diese technische Ergänzung wurde seitens Epubli nicht hingewiesen. Sie findet sich aber eindeutig in der Vorschau-Ansicht des Buches und ist von mir übersehen worden.
Und noch eine kleine aber nicht unbedeutende Kleinigkeit, die ich ersthaft lobend hier erwähne: Titel und Autor finden sich auf den sehr schmalen Buchrücken. Zwar sind sie in Ameisengröße, aber diese Angaben sind vorhanden, sauber und einwandfrei. Weder BoD noch Lulu wiesen den Buchrückendruck auf, da denen mein Buch zu schmal war..

Lulu:
Da Lulu kein deutsches Taschenbuchformat (12x19cm) anbietet, griff ich hierbei auf das amerikanische 6×9-Zoll-Format zurück. Von allen drei Druckverlagen macht der Buchumschlag von Lulu am meisten her. Das liegt zum einen an der Möglichkeit, ein Foto ganzflächig auf der unteren Buchdeckelhälfte zu platzieren und zum anderen es mit von Lulu-angebotenen Werkzeuge farblich auf den Rest der Umschlaggestaltung anzupassen. Auch wenn das Buch mit nur 38 Seiten richtig dünn ausfällt, das Format gleicht optisch einiges aus.
Der Beschnitt des Buches ist fast erstklassig. Die letzte Seite hatte sich offenbar vor dem Schneiden gefaltet gehabt, sodass die Ecke der Seite ein künstlich gerissenes Eselsohr mit strenger Knickfalz aufweist. Diese falsch beschnittene Ecke hatte ich schon bei Nicht-Remitenten. Sowas ist zwar ärgerlich und definitiv auch reklamationswürdig, aber verschmerzbar.
Das Druckbild ist – bis auf eine Extra-Linie in einem Buchstaben im Text – einwandfrei. Die eingescannten Dateien werden aber mit erheblich mehr Grautönen dargestellt. Hierdurch erhalten die Grafiken einen sichtbaren Weiß-Grau-Rand. Weder bei Epubli noch bei BoD fiel mir das zuvor auf.
Auf der Buchrückseite findet sich lediglich der selbst geschriebene Buchtext und darunter der Barcode. Ein weiterer Hinweis – wie bei Epubli oder BoD – auf den Druckverlag wurde nicht mit aufgedruckt.

Book on Demand (BoD):
Hier macht das Taschenbuch den besten Eindruck. Das Buch könnte aus der Buchhandlung gekommen sein. Folienverschweißt und ein beanstandungsfreier Beschnitt. Das Druckbild ist ohne Mangel und die eingescannten Dokumente geben keinen Grund zum Beklagen. Auf der Buchrückseite findet sich sowohl der Barcode als auch das Logo von BoD in gleicher Größe. Da ich einen dunkelbraunen Umschlagton ausgewählt hatte, fällt das blaue BoD-Logo recht heftig aus dem Rahmen. Und das trübt etwas den gesamten guten Eindruck seitens des Druckverlages.
Will jemand diese Augenfälligkeit des Logos mindern, so müsste dann der Umschlag in den Logo-Farbtönen von BoD gehalten werden. Gut. Stände da jetzt PIPER oder KNAUR, dann wäre es wahrscheinlich mir egal, obwohl deren Logo raumgreifender ist als jenes von BoD. Es ist halt eine Augenfälligkeit, wenn sich die eigens gewählte Umschlagfarbe mit dem Logo-Blau von BoD beißt.

Quintessenz:

Von der Textformatierung über die Bestellung bis hin zum Empfang des Buches gibt es von den drei Druckverlagen schon jetzt einen, der es mir einfach gemacht hat: Epubli kommt an meine Ansprüche nicht heran. Schnittfehlers führen im Buchhandel zu Remitenten, die immer wieder gerne auf dem Wühltisch verkauft werden. Dass so eine Ware zur Auslieferung kommt, deutet auf nicht greifende Qualitätsregelkreise hin. Wenn bei einer Einzelbuchfertigung dieser Fehler nicht beseitigt wird, um dem Kunden ein einwandfreies Produkt zur Verfügung stellen zu können, was muss dann in einer größeren Bestellung erwartet werden? Ein solcher Beschnittfehler darf bei einer korrekt ablaufenden vorbeugenden Wartung der Betriebsmittel nicht auftauchen. Das Beschneiden von Büchern gehört zu der Kernkompetenz eines Druckverlages. Wenn die schon bei einem Einzelbuch nicht korrekt nachweisbar ist, wie sieht es dann mit den anderen Kompetenzen bei größeren Aufträgen aus?
Ein weiterer Punkt sind auch die VV-Kosten. Kundenfreundlichkeit bedeutet nicht, dass jemand eine Sondermarke zum Frankieren aufklebt (ich bin kein Philatelist mehr), sondern dass man den Bedürfnissen der Kunden auch monetär Rechnung trägt und Kosten vermindert. BoD macht es beispielhaft vor.
Epubli war für mich ein »Fire ’n Forget«-Versuch mit »Quick ’n Dirty«-Ergebnis: Zum Drucken von Privatbücher werde ich mich dort nicht mehr umschauen.

Lulu und BoD sind letztendlich die Kandidaten einer engeren Wahl.

Lulu hatte mir das Buch in einem sehr präsentablen Zustand zugeschickt. Bis auf die beiden kleineren Einzelfehlern, die keine systematische Fehlerursache bei der Produktion haben dürften, macht das buch optisch einen starken Eindruck.
Lulu krankt jedoch daran, noch kaum Fuß in Deutschland gefasst zu haben. Diese macht sich nicht nur auf deren Internetseite bemerkbar, wenn ein weiterführender Hyperlink auf einer englischsprachigen Seite endet. Lulu verdirbt sich seine Preise letztendlich durch seine unvermeidbaren hohen Portokosten (Versand aus UK nach D). Sollte Lulu mehr auf die Bedürfnisse des deutschen Marktes eingehen, würde Lulu zu einem ernsthaften Mitwettbewerber von BoD werden.

Es bleibt nur noch BoD. BoD bringt den Kunden dem Traum vom eigenen Privatbuch wirklich näher. Ich selber hatte an dem gelieferten Produkt nichts auszusetzen. Und schaue ich bei der Herstellung des Privattaschenbuchs rein aufs Geld, so bleibt eigentlich wirklich nur noch BoD. Dieser Druckverlag liefert im Bereich der Fun-Bücher bislang den meisten Mehrwert. Die beiden anderen lieferten mir entsprechend Wenigerwert.

Momentan sieht es für die Privatbuchherstellung in der Dreieckskonstellation BoDEpubliLulu so aus, das BoD fett im Geschäft sitzt, Epubli sich mit wenig Aufwand aber mit guten eigenem Kosten-Aufwand-Verhältnis (effizient und effektiv zugleich) am Geschäft beteiligen will und Lulu wie der Ferrari auf dem Kölner Ring zur Hauptverkehrszeit erscheint (ausgebremst und nicht wirklich effektiv).

Um es nochmals klar zu sagen: die Quintessenz bezieht sich nur auf Bücher mit Softcover (Taschenbuchausgaben mit geklebter Bindung). Bei höherwertigen Hardcover-Bücher (also Bücher mit gebundenen Rücken) kann die Bewertung aber ganz anders aussehen. Allerdings würde ich mit meinen jetzigen gemachten Erfahrungen eine Hardcover-Version eines anderen Druckes nur mit Lulu oder BoD planen. Bevor ich bei Epubli einen Hardcover in Auftrag geben würde, müsste ich erst einmal ein anderes zur Begutachtung in den Händen halten.

Und: meine Quintessenz bezieht sich nur auf eine Momentaufnahme der Fähigkeiten der Druckverlage. Das heißt, an einem anderen Tag (also nicht so kurz vor Weihnachten, sondern meinetwegen im Januar) könnte das Ergebnis wieder anders aussehen. Der Dreikampf »Lulu-BoD-Epubli« könnte dann über das Erscheinungsbild des fertigen Produktes wieder anders ausgehen. Allerdings wage ich hier meine Prognose, dass ich von Epubli noch immer genauso begeistert sein könnte.

Und: Sollte jemand privat seine eigene „Bibel“ oder seinen eigenen „Krieg und Frieden“ geschrieben haben und dieses Werk dann an alle seine 32 Familien- und Verwandschaftsmitglieder schenken wollen, so sei der Hinweis erlaubt, dass BoD beim Bestellvorgang die VV-Kosten nicht transparent darstellen wird. Die VV-Kosten können dann von der einfachen Black-Box zu einer harten „Büchse der Pandorra“ in Bezug auf den Preis pro Buch werden. Zwar erfährt man bei Lulu die VV-Kosten, aber leider erst nur beim Bestellvorgang. Bei beiden Verlagen hilft hierbei das Abschätzen des Gewichts des eigenen Werkes und das Studium der Tabellen der Deutschen Post (für BoD) oder der USPS („United States Postal Services“ für Lulu).

Ausblick:

Wenn ich vorhabe, meine Bücher zu veröffentlichen, wie sieht es mit Lulu, Epubli, BoD und den anderen bereits erwähnten Druckverlagen aus?
Das Ganze ist nicht so einfach. Auch mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt. Anhand vier Verlage habe ich eine Übersicht erstellt, was die Kosten gewesen wären, würde ich das 52-seitige Taschenbuchheft mit den Erinnerungen meines Vaters auf den Markt gebracht haben.

Empfehlenswert für alle eigenen Druck-Vorhaben ist es, die Gestaltung des Umschlages in eigener Hand zu nehmen. Das eigene Buch gewinnt sicherlich mehr als alle drei oben erwähnten Druckverlage mit ihren Vorlagen anbieten können. Im nächsten Teil werde ich weiterführende Gestaltungshinweise zum Buch-Cover und zum Inhalts an sich geben. Nein, es werden keine High-End-Tipps an sich sein. Aber zumindest ein paar Gehhilfen, um zu einem besseren Ziel zu gelangen. Ganz konkret, ich werde auf Anfängerfehler hinweisen, die mir nach dem Erhalt meiner Bücher gleich selbst aufgefallen sind.

Eine weitere Frage, die nicht nur ich hatte, der ich auch im Internet immer wieder begegnete, betrifft die Frage nach Software-Unterstützung beim Schreiben des Buches. Welche Softwaren, die extra auf Autoren abzielen, gibt es? Worin unterstützen sie und wie sieht der Vergleich zu den Office-Paketen aus? Nicht alle marktverfügbaren Softwaren werde ich betrachten. Ich fand aber einige Software-Helferlein, die nicht erforderten, die Urlaubskasse zu plündern.

Dieses findet sich in dem nächsten und definitv letzten Teil dieser Serie.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Sein eigenes Buch veröffentlichen (4)

Wasserstandsmeldung

Und nun mal die aktuelle Wasserstandsmeldung:
Es stand mir bis zum Hals.
Gesundheitlich.
Grippe.

Jetzt könnt Ihr Euch ja denken, was in solchen Fällen bei Ärzten passiert. Die ziehen einen sofort vom Arbeitsmarkt ab und stecken diesen dann für die restliche Woche ins Bett.
Gelbe Karte sozusagen. Für Arbeitsgeber und Krankenkasse, zu verteilen von Arbeitnehmer. Damit alles seine Richtigkeit hat und nicht Arbeitnehmerlein wegen Überschreitung von irgendwelchen Kulanzgrenzen vom Platz gepfiffen wird.

Jetzt hat mein Arzt sofort 1 und 1 auseinandergezählt und meinte:
»Ha! 1 ´n 1! Dat hammse! Sischer dat!«
Abstrich gemacht, Blut gezogen, alles ins Labor geschickt und paar Tage später zerknirscht am Telefon:
»Hönnse mal! Jeet et ihne wieder? Sie haben die Schweinegrippe nicht. Is´n ganz normaler Grippevirus. Und überhaupt, sie haben schon Schweinegrippen-Antikörper in ihrem Blut. Woher haben Sie die denn her? Hatten Sie überhaupt schon die H1N1-Grippe gehabt? Warum hammse nichts gesagt? Man hätte Ihnen doch helfen könne.«

Ja, das stimmt. Offenbar hatte ich die schon routinemäßig abgearbeitet gehabt. Abgewickelt sozusagen. Anfang November. Es war wie eine leichte Erkältung vorüber gegangen. Hatte mich nicht wirklich großartig gestört. Dauerte auch nur von Freitag Abend bis Sonntag Mittag.
Von einem Kind habe ich mir die Gruppe partywilliger H1N1-Viren eingefangen. Aber der Körper des Kindes hatte ebenfalls kein Bock auf Party. Lediglich leichte Erkältungssymptome machten sich bemerkbar. Da waren die H1N1-Viren wohl beleidigt und sind dann zur nächsten Party-Location gezogen. Zu mir. Wieder so eine Virenspassbremse. Da war nichts gravierendes in meinem Körper zu bemerken. H1N1? Sicher, H1N1-Light sozusagen.

14 Tage später hatte sich ein Kollege das volle H1N1-Vergnügen abgeholt: Samstag ging es los, Montag war er schon krank und am Dienstag Morgen vermeldete er den H1N1-Laborbefund.

Und am Dienstag Vormittag kam dann das Sondereinsatzkommando mit Desinfektionsmittel und hat seinen Arbeitsplatz geputzt. Einfach so. Nachdem er schon 3 1/2 Tage nicht mehr am Arbeitsplatz was angefasst hatte. Und die Türklinken wurden desinfeziert. Alle. Sicher ist sicher. An dem Tag titelte Kai Diekmanns BILD auch schon wieder die nächste H1N1-Weltuntergangsmeldung: Die zweite Welle sei im Anmarsch und es sei erforderlich, noch mehr zu desinfizieren.

14 Tage lag der Kollege flach. Jetzt lacht er wieder und freut sich: Impfung gespart. Von mir hatte er es aber nicht. Die Viren hatte er sich offenbar in vollen Zügen der DB reingepfiffen.

Hm.
Ich hab jetzt einen taktischen Fehler begangen. In meiner Firma hätte ich mich jetzt als H1N1-Leidender outen sollen. Mein Schreibtisch wäre endlich mal wieder geputzt worden. Zu spät. Ne stinkelig piefig normale Grippe entlockt nicht mal nem Schwein ein Grunzen.
Egal.

Und darum jetzt nochmals die aktuelle Wasserstandsmeldung:
Ich han‘ den Kanal noch lange net voll.
Wenn ich schon sowas wieder schreiben kann, dann werd‘ ich noch ne ganze Menge leben.

Die wohlfeile Blitzbestellung

Bestellung

Jedes lieferbare Buch wird innerhalb 24 Stunden bestellt? Wahnsinn. Ich selber schaffe eine Bestellung in 5 Minuten bei amazon.de, wenn es lieferbar ist … .

Wenn das eine gemeint sein soll, aber das andere geschrieben wurde, sollte lieber das Geschriebene umgeschrieben werden, damit das Ungeschriebene geschrieben steht.

Oder dem Käufer erklären, dass die berufliche Zielerreichung der Bestellung einer Verkäuferin dann erfüllt ist, wenn diese das Buch in den nächsten 24 Stunden bestellt hat. …

Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

Der Link zu dem ersten Teil:
Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

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Aufgrund meiner eigenen Neugierde habe ich mich inzwischen bei zwei weiteren Verlagsdienstleistern angemeldet.

Der eine Dienstleister ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH, ein Familienunternehmen, hat seinen Sitz in Stuttgart. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH publiziert in klassischen und elektronischen Medien. Dieser Gruppe gehören auch die sozialen Netzwerke schülerVZ, studiVZ und meinVZ. Auch Die Zeit und das Handelsblatt gehören zu dieser Verlagsgruppe.

Als Verlagsdienstleister hat die Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck das Produkt „epubli – Buchdruck von morgen“ (http://www.epubli.de) auf den Markt gebracht.

Der andere Verlagsdienstleister ist tredition (http://www.tredition.de), welches seit Anfang 2007 besteht. tredition gehört keiner großen Verlagsgruppe an, sondern wurde von vier Menschen gegründet, die in das Verlagsgeschäft eingestiegen sind.

Während epubli sich an das gleiche Publikum wie lulu und BoD richtet, ist die Ausrichtung von tredition eher auf Audiobools und Ebooks. Gedruckte Bücher kommen bei tredition erst an dritter Stelle und sind ein angebotenes Nebenprodukt der Ebooks. Somit ist tredition eher etwas für Leute, die Bücher schreiben und diese dann im größeren Stil vermarkten wollen. Entsprechend ist auch der Autorenvertrag zwischen tredition und Autor gehalten. Wer mit tredition lediglich ein Dutzend einzelne Bücher herstellen will, ist dort nicht so gut aufgehoben.

Ich habe jetzt bei diesen vier Dienstleister verglichen, was die reine Bucherstellung (Schwarz-Weiß-Druck) kostet. Der Vergleich richtet sich also an all die, welche ein Buch nur für sich erstellen möchten (Fun-Buch).

tredition habe ich trotz seiner Ausrichtung auf spezielles Klientel mit in den Vergleich mit hinein genommen.

Schwierig war es lulu mit BoD und epubli direkt zu vergleichen. Das Problem ist das Angebot der Buchformate. Während BoD und epubli das normale deutsche Taschenbuchformat 12x19cm anbieten, finden sich bei lulu nur ähnliche Formate, welches sich nach dem amerikanischen Zoll-Maßsystem richtet.

Ich habe hierzu das lulu-Format 15,24×22,86cm (lulu-US Trade-Format) und das lulu-Format 10,795×17,463cm (lulu-Paperback) gewählt und anhand meiner im ersten Teil erstellten Datei das Verhältnis auf das Taschenbuchformat 12x19cm umgerechnet.

Das bedeutet, dass der gleiche Text des Taschenbuchformat 12x19cm mit 52 Seiten im lulu-US Trade-Format 38 Seiten ergab. Im lulu-Paperback waren es 64 Seiten. Mir ist klar, dass je nach Art des Textes die Seitenzahl schwanken kann. Dieses kann sich im Buchpreis auf eine Abweichung von 10 Euro-Cent nach oben oder nach unten auswirken. Es hängt vom Text ab.

Mit all diesen Daten (basierend auf ein von mir erstelltes Buchdokument) habe ich die folgenden Preisverläufe (Stand: 23. November 2009) abhängig von der Seitenzahl des Buches in einer Grafik eingebaut:

Preise_Grafik

Hieraus ergibt sich, dass BoD bei einer Seitenzahl bis zu 100 Seiten die kostengünstigere Variante ist. Bei höheren Seitenzahlen ist epubli von allen Anbietern preislich der Günstigere.

Anhand der Grafik zeigt sich auch die Verwendbarkeit von BoD. Für Bücher mit wenig Seiten ist BoD am Günstigsten, wird aber schon ab einer Stärke von ca. 125 Seiten sogar in der Herstellung teurer als das Angebot lulu-US Trade-Format. Nach 200 Seiten hat BoD sogar das Angebot lulu-Paperback übertroffen.

Interessant ist bei diesem Vergleich auch, dass lulu-Paperback immer teurer ist als das Taschenbuch-Format von tredition. tredition wird also dann interessant, wenn jemand größere Publikationen (mehr als 200 Seiten) mittels EBook, Audiobook und mit zusätzlich angeschlossenem Print-Book (auf deutsch: das ausgedruckte Buch) auf den Markt bringen möchte.

Lulu scheint somit bei Büchern bis 125 Seiten abgeschlagen zu BoD und epubli. epubli könnte nach dieser Grafik also eine Empfehlung sein. Dieses stimmt erst einmal, wenn man sich lediglich die Produktionskosten anschaut und sich nur auf die Angebote ohne Veröffentlichung mit ISBN-Erteilung einlässt (also reine Privat-Editionen). Und es stimmt auch nur, wenn man all die Randbedingungen unbetrachtet lässt, die unter dem Bereich ‚Service‘ und ‚Unterstützung‘ für die Privat-Autoren fallen. Denn epubli bot weniger Unterstützung beim Buch-Design als es von BoD und Lulu angeboten wird. Hierzu hatte mir Prinz-Rupi einen treffenden Kommentar gegeben (Link).

Auch die Versandkosten habe ich jetzt außen vor gelassen, da ich diese von epubli, BoD und Lulu nach Erhalt der von mir bestellten Bücher mit einberechnen werde.

Dieses ist erst nur ein Zwischenbericht, was die Kosten anbetrifft. Wichtig dabei ist zu beachten, dass ich als Basis meine Buchvorlage gewählt hatte. Bei anderen Buchvorlagen können sich ohne Zweifel Verschiebungen ergeben. Die Tendenz für die Buchdruckkosten wird aber trotz dieser Verschiebungen die Gleiche bleiben.

Erhebliche Verschiebungen kommen aber dann, wenn der Autor überlegt, nicht nur ein Privat-Buch zu erstellen, sondern es wirklich auf dem Büchermarkt heraus zu bringen. Hierbei fallen bei allen Anbietern Zusatzkosten an, die unterschiedlich sind. Auch die darin dann enthalten Dienstleistungen, ein Buch auf den Markt zu bringen sind unterschiedlich.

Darum wird das, was über diese Kosten hinaus geht, im dritten Teil meiner Kleinserie enthalten sein.

Wie schon geschrieben, das geschieht, sobald ich alle meine bestellten Privat-Bücher bekommen habe.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Drei Verlage, drei Druckergebnisse (3)

Bücher zum Selberbasteln – BoD und Lulu im Vergleich (1)

Langsam setzt die Weihnachtsgeschenkepanik ein. Oder auch nicht. Es kommt nur darauf an, wie schnell einem eine Idee kommt. Mir kam die Idee ein echtes Buch mal mittels eines Buch-Dienstleisters selber zu erstellen.

In meinen Archiv der nützen und unützen Staubfänger fand ich aus dem Nachlass meines Vaters dessen Memoiren. Er hatte vor 15 Jahren seine Erinnerungen niedergeschrieben und mir dann – „Ich hab dir schließlich geholfen den Computer zu kaufen“ – zum Abtippen und Binden – „Du hast mir mal gesagt, an Eurem Institut könnt ihr Bücher binden“ – gegeben.

So saß ich damals an meinem 386er 40 MHZ (sic!) und tippte das in „WordPerfekt für DOS“ (sic!), was ich so aus meines Vaters Handschrift entziffern konnte. Er hatte eine Vorkriegshandschrift und seitdem ich sie entziffern gelernt hatte, machen mir andere kryptischen „Sauklauen“ (wie die meinige) keine wirklichen Probleme mehr.

Leider musste ich jetzt feststellen, dass die CD mit den Originaldateien Datenverlust verzeichnet. Die CD war altersbedingt unlesbar geworden. Totaler Datenverlust. Vielleicht hätte ich ja mal vorher die CD umbrennen sollen …

CD-Datenverlust hin, CD-Datenverlust nach 15 Jahren her, das Papier, auf dem ich damals ausgedruckt hatte, zeigte keinen Datenverlust. Den Nachlass meines Vaters mit seinen Erinnerungen habe ich jetzt nicht nochmals abgetippt. Es gibt ja Scanner und OCR-Software.

Das Ergebnis davon war also eine verwertbare Datei, die ich zu einem Buch umsetzen wollte. Und dieses habe ich vorgestern bei „BoD“ (Books on Demand GmbH, Norderstedt; http://www.bod.de) durchgeführt.

Gestern las ich dann den Eintrag von Prinz Rupi in seinem Blogeintrag Autor sucht Verleger (5): Der direkte Weg zum eigenen Buch. „Lesen“ ist jetzt allerdings ein wenig zu viel behauptet. Er hat dort in seinem Eintrag ein YouTube-Video verlinkt, welches einen wirklich erhellenden und kurzweiligen 55-Minuten-Vortrag von ihm zeigt (Link: YouTube-Video). In diesem Vortrag geht er besonders auf die Möglichkeiten ein, über Buch-Dienstleister ein eigenes Buch kostengünstig zu produzieren. Er bezog sich hierbei besonders auf „BoD“ (http://www.bod.de) und „Lulu“ (http://www.lulu.com).

Angeregt durch diesen Vortrag habe ich gleich meine Daten nach der Anmeldung auch bei Lulu hoch geladen.

Sowohl bei BoD als auch bei Lulu habe ich die jeweils Option gewählt, welche recht nah an einem veröffentlichbaren Buch liegen. Im Grunde müsste ich bei beiden nur noch eine ISBN beantragen, etwas mehr Geld hinblättern und schon würde jeder die Memoiren meines Vaters bei amazon.de bestellen können.

Bei BoD ist diese publikationsnahe Dienstleistung das „BoD-Fun“-Angebot. Bei Lulu gibt es so etwas explizit nicht, aber wie sich nachher zeigt, wird m.E. jedes Buchprojekt erst einmal privat angelegt und ist dann per Mausklick der Weltöffentlichkeit im Buchhandel zur Verfügung stellbar.

Was ich hier nur zeigen möchte, sind die Unterschiede zwischen BoD und Lulu. Die Unterschiede, die mir direkt auffielen und die mir bei dem einen besser gefiel als beim anderen.

Basis war ein Foto (zur Buchtitelgestaltung) und die entsprechende Datei, um ein Paperback-Buch zu erstellen.

Das Ergebnis bei „BoD“:
Um ein Paperback zu erstellen sind mindestens 52 Seiten erforderlich. Bei der Buchgröße von 12×21 cm musste ich ein wenig bei den Formatierungen nachhelfen, um auf die 52 Seiten zu kommen.
Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 3,62 EUR. Zu Porto-Kosten fand ich keine Angaben. Ebenso wenig zur Dauer bis zum Erhalt des Exemplars.
Die Bezahlung soll auf Rechnung erfolgen. Der Einfachheit halber habe ich dort meine Kontodaten mit Einzugsermächtigung hinterlassen (no risk, no fun).

Das Ergebnis bei „Lulu“:
Die Größe des Paperback-Buchs hatte ich mit 15.24×22.86 cm (6×9“) gewählt, was 38 Seiten ergab. Der Preis des Buch-Exemplar beträgt 7,38 EUR (bei 2 Exemplaren gäbe es schon 10% Rabatt). Das Drucken dauert normalerweise 3-5 Werktage plus Versand mit 7,99 EUR für 5-12 Werktagen. Die Bezahlung erfolgt entweder über Kredit- oder Kontodaten oder über PayPal.

Jetzt zu den einzelnen Punkten bei der Unterstützung zur Buchgestaltung der beiden Anbieter:

Monetäre Bewertung:
Vom Preis her dürfte einwandfrei BOD gewonnen haben. Unklar sind mir aber deren Versandgebühren. Ich werde es wohl noch erfahren.

Buch-Cover-Gestaltung
Eine reichhaltige Vielfalt der Buch-Cover-Gestaltung mit entsprechenden Vorlagen bietet BOD. Lulus Vorlagen sind nicht so reichhaltig. Auffällig war aber, dass die Fotogestaltung auf den Buch-Covern bei BoD recht bescheiden war, während Lulu eine Anpassung der Fotos über Größe und Ausschnitt ermöglichte.

Anwenderfreundlichkeit
Die Anwenderfreundlichkeit bei der Buchgestaltung (sprich: formatieren etc.) geht eindeutig zugunsten von Lulu. Lulu bietet für alle angebotenen Buchgrößen entsprechende Formatvorlagen. Die Formatierung verlief damit sehr einfach. Und das schöne, die Vorlagen sind im Word-doc-Format und im rtf-Format. Mit der aktuellen Version von Open Office hatte ich keine Probleme die Vorlagen zu nutzen.
BoD bietet hierbei gar nichts. Wer die Seiteneinstellung bei dem eigenen Daten nicht korrekt durchführt, wird möglicherweise Überraschungen wegen falschem Buchformat erleben. Die Hilfetexte von BoD auf deren Portal haben mir nicht sonderlich viel Licht ins Dunkle gebracht. Zumindest ich hatte nichts hilfreiches gefunden.
Was mir bei Lulu auffiel, waren zum Teil nicht ins Deutsche übersetzte Sätze im Englischen bei bestimmten Sachen. Für mich ist das kein Problem, für Englisch-Unkundige vielleicht schon.

Logistik und Rechnung
Transparenz in Sachen Rechnung und Lieferzeit liefert eindeutig Lulu. BOD hat es damit weniger. Eigentlich ist mir noch immer schleierhaft, wie lange ich auf mein Buchexemplar zu warten habe.

Portalbewertung
Für registrierte und angemeldete Anwender ist das Portal von BoD („myBoD“) im eigenen Bereich eindeutig aufgeräumter als bei Lulu („Mein Lulu“) und in vier klare Bereiche unterteilt. Allerdings gefällt mir der Aufbau von Lulu besser, weil ich mit der linken html-Menüleiste in meinem bereich kreuz und quer umherspringen kann. Wer klare Strukturen vorzieht, der wird bei Lulu leicht verschnupft reagieren und sich bei BoD wohl fühlen.

Datensicherheit
Erstmal habe ich keine Ahnung, wo meine Kontodaten sicherer sind. Im Zweifelsfall sind sie nirgendwo sicher, würde mir jeder Datenbeauftragte erzählen. Aber mir ist aufgefallen, dass meine Kontodaten bei BoD einmal eingegeben nicht mehr editierbar sind. Bei Lulu kann ich diese Daten selbständig editieren und/oder löschen. Sicherlich ist es für BoD praktischer, wenn sich jeder User bei Änderung der Kontodaten bei denen per Mail, Post oder Fax melden muss, anwenderfreundlicher ist aber hierbei Lulu.

Vorläufiges Fazit:
Lulu ist für die Erstellung eines Einzelexemplars sicherlich teurer als BoD. Auch bei den Vorlagen für die Covergestaltung glänzt BoD. Aber dann fällt eigentlich BoD im Vergleich zu Lulu ab.

Ausblick:
Was mir jetzt nur noch fehlt, ist der direkte Vergleich in Sachen Lieferung des Buches. Und freilich die Qualität der beiden Buchausgaben an sich. Sobald BoD und Lulu geliefert haben, werde ich dazu einen weiteren Blogeintrag verfassen und meine endgültige Bewertung dazu geben.

Nichtsdestotrotz, ich finde es faszinierend, wie einfach es ist, ein eigenes Buch zu erstellen. Dieses dann auf den Markt zu bringen, das ist dann wohl mit BoD und Lulu das kleiner Problem. Das größere Problem ist aber dann – wie immer – der Käufer. Aber der Weg zum Pulitzer-Preis war noch nie einfach.

Fortsetzung: Bücher zum Selberbasteln – Preisvergleich Produktionskosten (2)

Neugierde tötete Schrödingers Katze (Kneipengespräch)

Was vorher geschah:
Prolog, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11, Teil 12

***

Tresen1

Ich starrte auf den Tresen. Er hatte mir geduldig zugehört. Bis seine Kölsch-Stange leer war. Dann orderte er eine neue, nahm einen Schluck daraus und schaute mich an.

– Wie furchtbar ist Wissen, wenn es dem Wissendem keinen Gewinn bringt.
– Du zitierst Lui Cifre aus dem Film „Angel Heart“?
– Ja. Und noch ein Zitat aus dem Film: Wie geschickt du dich an einen Spiegel heranschleichst, das Spiegelbild schaut dir direkt ins Auge.
– Ich bin nicht geschlichen.

Meine Kölsch-Stange war noch halb voll. Nur der restliche Schaum auf dem Kölsch schien mir eher „halb leer“ zu erzählen.

– Ich hatte dir ja erzählt, dass das Traktat von PentAgrion existiert. Du hast es ja selbst vor deinen Augen gehabt und auszugsweise gelesen.
– Es hat mir kein Glück gebracht. Es stand viel zu lesen drin.
– Und du hast viel erfahren, bei deiner Suche.
– Ich hab nicht gesucht.
– Stimmte, es hat dich gefunden.
– Gesucht. Gefunden. Wir haben uns getroffen. Zufällig.

Er leerte sein Kölsch mit einem weiteren Schluck. Der Wirt brachte ihm sofort ein neues und schaute mich dabei ironisch grinsend an.

– Und? Auch in Amsterdam nach PentAgrion gefahndet?
– Arsch.

Er lachte und entfernte sich wieder. Mein Nachbar setzte fort:

– Du hast einen Teil der Wahrheit gefunden.
– Meine Ehe ist ruiniert. Meine Frau will sich scheiden lassen. Momentan wohnt sie bei ihrer Mutter.
– Weil deine Frau eine der Möglichkeiten, warum man sich in einem Puff aufhalten kann, als die einzige Wahrheit gehalten hat.
– Ich meine, ich verstehe sie ja, dass sie glaubt, ich wollte dort. Aber sie glaubt mir nicht, dass ich nicht hatte.
– Sie sieht eine der Möglichkeiten als Wahrheit an.
– Was ist schon Wahrheit.
– Du zitierst den Statthalter Jerusalems, als er Jesus zum Kreuzigen verurteilt hatte.
– Na und?
– Angenommen ich werfe jetzt mein Kölschglas hoch, was passiert dann?
– Es wird auf dem Boden zerbersten.
– Warum sollte es so sein? Wenn ich das Glas hoch werfe und es zu Boden gefallen ist, dann weiß ich – ohne wenn und aber – ob es zerbrochen ist.
– Schön. Und was willst du damit sagen?
– Solange ich das Glas nicht geworfen habe, gibt es unter anderen die folgenden Möglichkeiten: das Glas zerbricht, das Glas bleibt ganz, das Glas erhält nur einen Sprung, das Glas bleibt oben, das Glas bleibt in der Luft stehen, das Glas löst sich in seine Atome auf, das Glas fällt ewig durch ein Loch ins Universum …
– Jetzt bleib mal auf dem Teppich. Das Glas wird auf den Boden fallen und zerbrechen.
– Nicht wahr? Das Ergebnis raubt uns alle Möglichkeiten, die ich mir gerade überlegt hatte, nicht wahr. Das Ergebnis macht arm.
– Schön. Und nochmals: Was willst du mir damit sagen?
– Die Wahrheit raubt uns alle Möglichkeiten. Das Ist an sich ist einfältig. Das Kommende, das Zukünftige, dagegen aber ist vielfältig. Nur die Wirklichkeit, also das Ergebnis, ist ohne Möglichkeit.
– Herr Oberspielleiter! Nochmals ein Kölsch für zwei! Der hier neben mir will in meinen Synapsen einen Kurzschluss verursachen.

Der Wirt blickte maliziös lachend zu uns herüber und fuhr fort, Gläser zu spülen. Mein Nachbar versuchte meinen Blick aufzufangen.

– Deine Frau hat eine Möglichkeit als Wahrheit ergriffen und damit dem Kommenden alle Zukunft beraubt. Sie hat euch eurer zukünftigen Vielfalt beraubt.
– Stimmt. Sie ist Schuld, dass ich im Puff war!
– Quatsch. Ich rede nicht von Schuld, sondern Verursachung und Ursache. Schuld ist eine moralische Frage.
– Aber darum geht es doch.
– Okay für dich schon. Aber nicht bei den Papieren von PentAgrion.
– Sondern?
– Gewissheit und Wissen machen arm. Das wurde bereits auch schon in der Bergpredigt der christlichen Bibel geschrieben: „Selig sind die, die geistig arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Anders ausgedrückt formuliert: Wissende werden mit Glücksentzug bestraft. So wurden auch Adam und Eva gleich aus dem Paradies geschmissen.
– „Sie wussten zu viel.“ Hört sich ja an wie in einem Mafia-Film. Der letzte Satz bevor der Schuss fällt und der Mitwisser röchelnd stirbt.
– Mag sein. Aber das Fehlen oder der Entzug von Glück hat die Menschheit weiter gebracht. Jemand, der immer ausgeglichen, zufrieden und selbstgenügsam ist, der empfindet niemals den Drang nach Forschung und Wissen. Und zu allem Verhängnis kommt auch noch hinzu, dass das Gefundene und Entdeckte nur kurzfristig zufrieden stellt.
– Und das heißt jetzt?
– Hättest du die Papiere von PentAgrion jetzt vor dir liegen gehabt, dann hätte dich diese Wahrheit aller Möglichkeiten beraubt gehabt.
– Und weil ich sie nicht vor mir habe, erlebe ich jetzt ein Chaos in meinem Leben?
– Eine Zukunft mit vielen Möglichkeiten.
– Super. Mir stehen wieder alle Frauen der Welt offen? In meinem Job kann ich wieder von vorne anfangen? Sind das die vielfältigen Möglichkeiten?

Ich griff nach meinem Kölsch und leerte es ärgerlich.

– Die Wissenschaftler haben für deine Situation ein herrliches Gedankenexperiment.
– Welches?
– Schrödingers Katze.
– Was für ne Pussy?
– In der Quantentheorie der Physik gibt es den Satz, dass Messungen physikalische Zustände beeinflussen. Beispielsweise hat jedes Wasserstoffatom ein Elektron, welches sich in einer Art Hülle um das Atom herum bewegt. Zusätzlich hat das Elektron auch noch eine Eigenrotation. Aber jedes Mal wenn dieser sogenannte Spin gemessen wird, kann der sich ändern. Es ist daher nur eine Momentan-Aussage über den Zustand möglich.
– Sind wir in einer Kneipe oder im Chemieunterricht?
– Warte. Schrödinger hatte aufgrund dieser Sache in einem Gedankenexperiment eine Katze in einer Holzkiste mit einer definierten Menge instabiler Atome gesetzt. Zerfällt jetzt ein Atom in der Kiste, löst dieses einen Mechanismus aus, der wiederum eine Zyankali-Kapsel zerstört, womit die Katze getötet wird.
– Danach hat Schrödinger sicherlich Probleme mit PeTA erhalten.
– Es scheint also nur zwei Zustände zu geben. Zustand 1: Atom ganz, Katze lebt. Zustand 2: Atom zerfallen, Katze tot. Jetzt befinden wir uns also auf Atomebene und das Atom befindet sich auf dem Weg zum Zerfall. Also befindet sich auch die Katze in einem Zwischenstadium aus Tod und Leben.
Aber dann brauch ich ja nur die Kiste zu öffnen, und schon sehe ich, ob die Katze tot oder lebendig ist.
– Genau. Und da greifst du in dem Experiment mit deiner Messung ein und veränderst die Realität. Tot ODER lebendig, während sie vor deiner Messung Tot UND Lebendig war.
– Curiosity kills the cat. Neugierde tötet die Katze.
– Richtig. Die Messung und die Befriedung des eigenen Wissens bestimmt den Zustand der Katze. Sie greifen in die Wirklichkeit ein und rauben vielfältige Zukunftsmöglichkeiten.
– Wie? Sollte die Katze etwa spurlos aus der abgeschlossenen Kiste verschwinden? Sie kann doch nur tot oder lebendig sein. Die Chancen sind 50:50.
– Mit dieser Annahme und Erzwingung der Wirklichkeit raubst du dir die Zukunft. Deine Frau nimmt an, dass du im Puff zum Vögeln warst. Sie wird dir nie glauben, dass du in Architektur und mathematischen Verhältnissen weiter gebildet wurdest.
– So ein Quatsch!
– Bestimmten Heiligen wird die Fähigkeit der Bilokation nachgesagt. Sie sollen zeitgleich an zwei verschiedenen Orten aufgetaucht sein.
– Das kenne ich von Handwerkern. Wenn man die braucht, sind die überall und nirgends. Aber nur nicht dort, wo man sie braucht.
– Andere Heilige sollen über die Fähigkeit des Fliegens, der Levitation, verfügt haben. Schließt man dieses aber von vornherein aus, dann bleibt nur der Schluss, dass es sich hierbei um fromme Legenden handeln muss.
– Du glaubst doch nicht etwa an den Quatsch?

Er schaute mich lächelnd an. Doch, er glaubte daran. Diese Antwort schien ihm auf der Stirn gemeisselt.

– Was wäre, wenn es kein Quatsch wäre?
– Dann müsste Bilokation und Levitaion reproduzierbar sein. Warum sollte es nur von Heiligen beherrschbar sein?
– Im alten Ladakh in Tibet gibt es Mönche, die von sich behaupten, dass sie es beherrschen.
– Und warum tun sie es dann nicht, um Zweifel auszuräumen?
– Weil es denen nicht wichtig ist. Weil es die ganzen anderen Materialisten in die Verzweiflung treiben würde. Denn deren existentialistisches Leben bar jeder vielfältigen Zukunft ist nicht nicht das der Mönche. Wie furchtbar ist Wissen, wenn es dem Wissendem keinen Gewinn bringt?

Ich rollte mit den Augen. Mein Kölsch neigte sich wieder dem Ende entgegen. Proportional zu meinem Unverständnis dem gegenüber, was er mir da so erzählte.
Ich setzte noch einen neuen Versuch ihn zu verstehen:

– Und die Papiere von PentAgrion?
– Wären sie Realität geworden, hättest du sie vor dir, dann hätten sie dein Leben einfältiger und einfarbiger gemacht.
– Eintöniger?
– Du hast die Messung nicht vollzogen, die Kiste zu Schrödingers Katze noch nicht geöffnet. Du kannst nicht definitiv sagen, das Atom sei zerfallen und die Katze deswegen tot. Die Katze schwebt für dich noch immer zwischen tot und lebendig.
– Tot oder lebendig?
– Tot UND lebendig! Erst wenn du in die Kiste hinein schaust kannst du das Wort ODER nutzen. Vorher ist der Zustand zwischen den beiden Extremen.
– Soll das heißen, nur wenn ein höheres Wesen uns beobachtet, dann kann damit etwas über unseren Zustand ausgesagt werden? Jemand, der unser Biotop wie unter einem Mikroskopenauge betrachtet, und dann seine Erfahrungen vom aktuellen Zustand niederschreibt ? Damit wir es lesen? Damit wir wissen, wer wir sind?
– Du sagst es. Wie PentAgrions Papiere, die PentAgrion in seiner zehnjährigen Aufenthaltsphase zusammengestellt hatte.
– Und solange diese Papiere nicht der Öffentlichkeit wieder zugänglich sind, sondern lediglich bei einigen wenigen herum fliegen, solange interpretieren wir nur unsere Welt unzulänglich?
– Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert. Letztendlich kommt es ja darauf an, sie zu gestalten.
– Jetzt hast du fast Karl Marx zitiert. Aber der Marx hat in Schrödingers Kiste auch nicht hinein blicken können.
– Einige haben es vor 20 Jahren aber getan.
– Und dann haben sie festgestellt, dass die Katze nicht gefüttert wurde, der Sozialismus tot verhungert war.
– Dafür haben sie sich konsequent des „Oder“s angenommen und die Mauer fallen lassen.
– Eine Warnung für uns heute. Wir sollten den Blick in der Kiste Schrödingers dem Kapitalismus verbieten. Sonst bliebe uns wieder nur ein ODER.
– Wiederholungen gefallen nicht.
– Und wer weiß dann schon, vielleicht existiert die Kiste mit Schrödinger seiner Katze auch gar nicht. Vielleicht ist unsere Kiste zum Öffnen lediglich die verkleidetet Büchse der Pandorra und alles käme noch schlimmer.
– Ja, wer weiß.

Das Thema war zerredet.
Wir saßen schweigend nebeneinander.
Während ich meine Kölschstange schweigend auf dem Tresen drehte, fragte ich mich, ob sich mir ein zweites Mal die Chance bieten würde, nach Remagen zu reisen, um an die Papiere des PentAgrion zu gelangen.

Draußen wurde es dunkel. Ich zahlte. Um 18:00 hatte ich noch einen Termin beim Scheidungsanwalt.

PentAgrion und seine Papiere.
Ich wurde das Thema nicht los.

(Fortsetzung hier)