Ja, super. Warum habe ich nur immer soviel Glück? Gibt es für so einen Flug überhaupt Nachtstarterlaubnis?
Archiv des Autors: Careca
Catch me, if you can … (7)
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Catch me, if you can … (6)
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Catch me, if you can … (5)
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Catch me, if you can … (4)
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Catch me, if you can … (3)
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Catch me, if you can … (2)
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Catch me, if you can … (1)
Zeitung aufgeschlagen. Klagen über den Preis je Barrel Öl gelesen. Weinende Autofahrer an meiner Tanke an der Ecke gesehen.
Von den Erdölfunden vor den Küsten Brasiliens gelesen.
Plan steht. Niemand ist eingeweiht. Werde gen Brasilien und nach Erdöl bohren.
Will auch mal im weißen Kaftan zwischen eigenem Bugatti Veyron, Lamborghini Gallardo, Ferrari 599 GTB Fiorano und Bentley Arnage vor irgendwelchen verkommenen Favelas mit hübschen Ghetto-Frau wie ein Gangsta-Räpper dann posieren können.
Koffer gepackt, Weinmesser eingesteckt und Reisepass mit neuem fälschungssicherem Drucker verlängert.
Brasilien, ich komme.
Morgenerwachen
Sag mir, wo die Fähnchen sind
Wo sind sie geblieben
Sag mir, wo die Fähnchen sind
…
Weggeweht vom spanischen Endspielwind.
Es gibt keine Maikäfer mehr …
Zum Heulen oder zum Heulen schön?
Da kommt ein Freund vorbei und legt mir ne CD hin.
„Hör dir das mal an!“
Ich starre auf das Cover.
William Shatner „Has been“.
Nun ja.
Eigentlich kenne ich William Shatner nur als „Captain Kirk“, der mit „Spock“, „Pille“ und „Scotty“ unendliche Weiten im Weltall durchwanderte und dahin ging, wo kein Mensch zuvor gewandert war. Vorzugsweise war das damals in den 70er als ZDF-Konkurrenzprogramm der ARD-„Sportschau“. Ich konnte nur immer Happen der Serie sehen, weil da immer zwei waren, die einfach umschalteten.
„Schalt diesen Quatsch ab! Wir wollen „Sportschau“ sehen!“
Der „Sportschau“-Imperativ eines Sonntag abends in den 70ern. Danach hatte sich das Abendessen zu richten.
Und wenn dann die Netzers, Breitners, Beckenbauers wieder in ihren Umkleidekabinen befanden und die Ernst Hubertis mit strengem ordentlich sauber gelegtem Linksscheitel ernsthaft alles zu Ende analysiert hatten, dann wurde das Programm endlich umgestellt. Aber dann lief bereits „heute“ und Kirk und Co. waren in den unendlichen Weiten des Fernsehweltalls entschwunden.
In den 90ern konnte ich dann mit einem eigenen Fernseher und Muße mir alle verpassten Folgen nachträglich reinziehen. Dutzend Male der Satz „Er ist tot, Jim“ oder „Ich bin Arzt und nicht Schiffsingenieur“ oder „Ay, ay, Sir“ oder „Faszinierend“.
Oder wer kennt die lustige Serie mit dem „Tribbles“, jene Wuschelwesen, die die ganze Raumschiffbesatzung zum Knuddelwahnsinn trieben?
Oder als Kirk ins Raumschiffprotokoll ein entnervtes „Der Computer spinnt“ abgab, weil dieser Schiffscomputer plötzlich seine weibliche Seite entdeckte und mit Kirk flirten wollte?
Selbst jene in Deutschland nie ausgestrahlte Folge als Kirk und Co in Nazi-Uniformen durch die Szenerie marschierten, sah ich viel später.
Und jetzt lag da diese CD vor mir.
William Shatner „Has been“.
Das vulkanische Spitzohr „Mr. Spock“ (Leonard Nimoy) hatte gleiches auch mal versucht und gruseliges Lachen bei seinen Fans ausgelöst. Selbst William Shatner hatte sich vor knapp 40 Jahren als Musiker versucht gehabt und durfte sich des Mantels der Verschwiegenheit der Musikgeschichte sicher sein.
Mag Shatner auch ein Schauspieler sein, der inzwischen verdientermaßen genügend Nominierungen für die „Goldene Himbeere“ abgestaubt hat, so ist er nicht unbeliebt.
Er ist unsere Vergangenheit der Kindheit, der in „Yehaw“-Cowboy-Manier für uns dahin ging, wovon wir immer träumten: Jede dritte Seriefolge eine neue Frau abgeschleppt, egal ob grün, gelb oder mit Schwanzflosse. Jede dritte Serienfolge den Draufgänger spielend. Und jede dritte Serie der verständnisvolle Mann.
Unser Held.
Und jetzt die CD.
Die CD ist schon älter. Offenbar 2004 erschienen. Zögernd schiebe ich sie ins Laufwerk, Kopfhörer auf und den PLAY-Knopf des Players gedrückt.
…
Nun, ernsthaft. Ohne grundlegende Englisch-Kenntnisse geht es bei der Musik doch nicht. Wer kein Englisch versteht, der braucht sich die CD gar nicht erst zu Gemüte führen, denn es entgeht ihm mehr als nur die Hälfte.
Es fängt mit der Cover-Version von PULP an.
Ich wackle mit den Ohren unter dem Kopfhörer. Verdammt, was hat Shatner denn da gemacht?!
Er singt nicht wirklich zu der Musik. Er schauspielert den Text! Der Text ist dabei nicht unwichtig, wenn Shatner textlich Geschwindigkeit aufnimmt und am Ende dann die Bremse auch textlich angepasst zieht. Der Inhalt des Textes (für die, die ihn nicht kennen): Mann trifft Frau aus Griechenland und sie erklärt, dass sie ein ganz normales Leben führen möchte und mit ganz normalen Menschen schlafen möchte. Und er fragt sie verdattert, ob sie wirklich ernsthaft das tun möchte, mit gewöhnlichen Menschen zu schlafen. Was bei Pulps „Common People“ wie ein selbsterklärtes zynisches Lebensmotto einer Frau daher kommt, fährt durch Shatner als prominenter Schauspieler auf der Schiene „Person des öffentlichen Lebens ist überrascht, wie normal das Leben einfacher Menschen sein kann“.
Und diese Selbstironie mit einem eigenartigem Spott pflanzt sich durch die ganze CD hindurch. Geht auch über Tragik und Selbstkritik ohne jede Peinlichkeit.
„Common People“ (begleitet durch Joe Jacksons Gesangstimme) ist übrigens die einzige Cover-Version auf dieser CD. Der Rest kommt aus Ben Folds Feder.
Und um gleich alle Befürchtungen zu zerstreuen. Shatner imitiert nicht mal singen. Er singt auch nicht wirklich. Er spricht den Text zur Musik. Oder neu-deutsch ausgedrückt: Er perfomed die Texte mit einem unheimlichen musikalischen Drive, ohne wirklich zu singen.
Die CD „Has been“ („War gewesen“) ist faszinierend und definitiv kein Müll.
Sie ist sicherlich der Versuch Shatners sich ein eigenes musikalisches Denkmal zu setzen. Und auch wenn es wohl möglich niemand mitbekommen hat, meiner Meinung nach hat er es geschafft.
Aber vor allem ist diese CD ein erneuter Versuch von William Shatner, sich dagegen zu wehren, dass in ihm alle nur den „Captain Kirk“ sehen. Auf einer „Startreck-Convention“ (regelmäßige Treffen von Raumschiff Enterprise-Fans) war er mal zu Besuch und hatte dem Publikum ein wütendes „Get a life!“ („Lebt endlich!“) entgegen geschleudert, als diese ihn seine Rolle des Captain Kirks auf ihn persönlich gänzlich überstülpen wollten und den Kosmos des Raumschiff Enterprise als real existierend voraussetzten. Die Trekkies nahmen ihm das übel, dass er sich so einfach seiner „Captain Kirk“-Rolle entledigen wollte.
Im letzten Lied REAL („Wirklich“) seiner CD „Has been“ sagt er dann auch:
„Ich habe die Welt in den Filmen gerettet […] Und während ein Teil von mir in dem Kerl ist, den du da oben auf der Leinwand gesehen hast, ich bin noch so viel mehr [..] Ich würde der Welt so gerne bei all ihren Problemen helfen, aber ich bin ein Unterhalter und das ist alles. Also, wenn beim nächsten Mal ein Asteroid oder eine Umweltkatastrophe passiert, dann fühle ich mich geehrt wenn du an mich denkst, aber ich bin es nicht, den du dann rufen musst. [… ]… Entschuldige, dass ich dich enttäuschen muss, aber ich existiere wirklich.“
Tja, Mister Shatner, dann will ich es mal versuchen.
Die CD ist zu Ende.
Ich bin positiv überrascht. Die Schublade vom CD-Player fährt raus und ich stecke sie zurück in ihre Hülle. Sie ist nicht das Meisterwerk des Jahrhunderts, aber doch ein verdammt gutes Kleinod der Pop-Geschichte aus der Ecke „Schauspieler versuchen sich als Musiker“.
…
Vorsichtig trage ich sie zu meinem Startreck-Schrein, öffne diesen und lege sie sorgsam zu den anderen Devotionalien, die ich inzwischen zusammen getragen habe:
Zu dem originalen Phaser, zu dem Spitzohr-Imitat, zu dem Communikatoren, den 6 Tribbles, dem Klingonen-Schwert und den baijurasischen Fix-Rebubator und den anderen Startreck-Kleinigkeiten, die ich mittlerweile bei Ebay ersteigert habe.
Langsam schliesse ich den Schrein wieder, verneige mich dreimal ehrfürchtig und murmel leise aber bestimmt:
„Captain Kirk, du bist genial!“
Dann gehe ich zu meinem bunt erleuchteten Ecke, schaue zum Schaltpult mit der lebensgroßen Startreck-Puppe und sage den alles entscheidenden Satz:
und es schloss sich der Vorhang der CD-Kritik …
-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*
„Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“
Der Automat und ich …
Darf man um diese Uhrzeit an diesem Abend zu diesem Halbfinaltag so direkt beim Anpfiff des Fußballspiels „Deutschland-Türkei“ noch was anderes schreiben?
JA!
Man darf!
Und ich auch!
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Kaffeeautomaten sind ja die Belustigung schlechthin.
Man wirft Geld ein, drückt „Capuchino“, die Maschine rödelt, der Kaffee kommt raus und dann der Becher.
Oder der Kaffee besteht nur aus einem heißen aber schwachen Kaffeearomasaft.
Oder man drückt Kaffe und man schmeckt nachher eindeutig Rindsbouillon mit Kaffeedröhnung heraus.
Oder …
Genau.
Der saublöde Automat gibt das eingeworfene Geld nicht raus!
Diese Sau von Automat! Elender! Scheißteil!
Verflucht seien des Erfinders Nachfahren Nachfahren! Bis ins zehnte Glied! Auf das euch kein Viagra mehr helfe!
Meinen letzten Euro!
Einfach hängengeblieben!
Mist!
Ohne Kaffee bin ich doch nicht zu gebrauchen.
Und dann wächst in mir etwas. Etwas ernsthaft grausammes!
Gleichsam dem Dr. Bruce Banner, der bei Wut seinen Hulk heraushängen lässt.
In mir wächst eine Kombination aus mörderischen Coolness von Jet Li, der Todeskralle eines Bruce Lee und der gefühlvollen Hammerhaue von Lucy Liu mit dem selbstironischen Hau-Ihn-Humor eines Jackie Chan.
Zögerlich hebe ich die rechte Hand und versetze dem Automaten sanft einen gezielten Handkantenschlag …
Klack, klack, klack.
Hm.
Ich schaue nach. Drei Münzen.
Hm.
Noch einen gezielten Schlag.
Klack, klack, klack, klack, klack, klack.
Mehrere gezielte Handkantenschläge.
Klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack, klack usw. usf.
Nach dem siebtem ist dann Ruhe.
Der achte war überflüssig.
Ich zähle nach.
Knappe dreizehn Euro.
Tja, das nenn ich mal nen Stundenlohn!
Umgerechnet 130 Tausend Euro den Monat (bei einer 40 Stundenwoche und 21 Arbeitstagen).
Ich liebe Automaten.
Allerdings liebe ich nicht Automatenbesitzer, dem ich das Geld nachher aushändigte, weil er zufällig vorbei schaute …
Friede, Freude, Eierlaufen
Seltsam. Mit der gleichen intensität, die jenes Blatt nutzt,um Gräben tiefer zu legen, wenn es darum geht, zu zeigen, daß jene nicht zur EU gehören können, mit der gleichen Intensität beschwört es heute die deutsch-türkische Freundschaft. Wenn also Fußball Völker verbindet, wie Beckenbauer messianistisch nie müde wird zu verkünden, warum also könnte dann nicht jeden Tag ein Halbfinal-Fußballspiel gegen unsere normalen Feindbilder stattfinden? Jeden Tag ‚Freundschaftsposter‘ der BILD.
Geht nicht?
Okay, dann gibt’s ab übermorgen auf Seite 1 wieder Berichterstattung, warum junge Türken und Griechen deutsche Rentner in U-Bahnen schlagen.
Nun ja, heute abend lassen wir sie zumindest noch feiern. Wir sind ja schließlich keine Unmenschen.
Merhaba und Kalimera zusammen.
Merk-würdig.
Gewaschener Morgen
Frage ohne Antwort
Warum färben sich Frauen ab 50/55 Jahren ihre Haare rot?
Und warum immer mit diesem schrecklich quietschiegen erdbeerrot?!?
Projekt offene Wohngemeinschaft
Sommerkühle
Freiheitsgrade
Sonntag. Die Stadt wacht auf. Eine Staffel neuer FIAT Cinquecentos mit Fahnen prescht vorüber. Laut möpend. Das Italien-Spiel kündigt sich an.
Ich betrete das Fastfood-Restaurant, lasse mir für einen Euro einen Becher geben, zapfe mir meine Cola und suche mir meinen Platz. Mir gegenüber sitzt ein Mann, dem jeder seine Unterwäschenlosigket unter seiner einsehbaren kurzen Stoffhose ansehen kann. Sexy ist was anderes.
‚2. Getränk einfüllen‘ steht da geschrieben. Ich entscheide mich dafür, dass es ‚Zweites‘ und nicht ‚Zweitens‘ heisst und folge der Aufforderung.
Etwas später im Kino: Mister Jones schwingt seine Peitsche. Warum nehmen sich im leeren Kino die Tütenraschler und Vorsager immer den Platz hinter mir.
Ich geh zum Eisbach, das Wasser dort erhitzen. Im FKK-Bereich. Für nen frei gewählten Sonnenbrand …
Kommt ne Rechnung geflogen, vom Postboten ins Haus …
Kennen Sie Binnen-Briefe?
Das sind Briefe, in denen der entscheidene Satz oftmals lautet „zahlen Sie binnen zehn Tage“.
Zehn Tage Zahlungsziel ist ja nicht wirklich seriös, aber machbar. Und wer nicht auf Binnen-Briefe antwortet, der wundert sich, dass plötzlich eine Inkasso-Gesellschaft per Brief die Hand aufhält.
So unterschrieb ich einmal einen Handy-Vertrag, weil ich partout glauben wollte, dass mir Vodafone eine Prepaid-Karte anbieten würde. Im rechtzeitigen Moment fiel Hirn vom Himmel, ich erkannte, dass ich da einen normalen 24-Monate-Handy-Vertrag unterzeichnet hatte. Mit links habe ich den Vertrag zerissen. Damit war er gesetzlich nichtig. Vierzehn Tage später begrüßte mich Vodafone als deren Kunde und ein Monat später erhielt ich so einen Binnen-Brief. Ich rief dort an. Man fragte mich nach meiner Kundennummer. Sowas hatte ich ja nicht, da kein Vertrag bestand. Irgendwann dachte ich, man hätte mich verstanden. Bis zum nächsten Binnen-Brief. Ich setzte mich hin und schrieb einen Binnen-Brief an Vodafone. Würde mir nicht binnen drei Wochen ein rechtsgültiger Vertrag gezeigt werden können, würde eine Betrugsanzeige folgen. Der nächste Brief von Vodafone war eine Entschuldigung und das Zugeständnis, dass alle vorherigen Binnen-Briefe nichtig wären.
Dann war unter allen Rechnungswipfeln Ruh.
Ein mir sehr gut Bekannter bekam neulich einen Brief von der Firma „netsolutions FZE“. Oder besser gesagt von einer in Eschborn ansässigen Inkasso-Gesellschaft. Ein Binnen-Brief. Zahlen solle er 92, 40 Euro, weil mein Bekannter einen Vertrag eingegangen sei. Mein Bekannter recherchierte und fand heraus, dass die Firma „netsolutions FZE“ ihren Sitz in Dubai hat und u.a.a. die Seite nachbarschaft24 betreibt. Dort solle er einen Vertrag mit der Firma aus Dubai geschlossen habe. Und er solle sofort zahlen. Zahle er nicht, müsse er mit negativen Konsequenzen wie z.B. Schufa-Eintrag rechnen.
Mein Bekannter kannte weder die Internetseite der Firma „netsolutions FZE“ noch deren Besitzerin, die er als „Barbara Fischer“ identifizierte, die die Seite über einen Provider in den Niederlanden laufen lässt.
Er wird nicht auf diese Zahlungsaufforderung reagieren. Er wartet jetzt auf den gerichtlichen Titel. Denn wie er herausfand, sind diese Briefe kein Einzelfall für jene die Inkasso-Gesellschaft beauftragende Firma „netsolutions FZE“. Er fand verschiedenes hier und hier. Und es steht zu erwarten, dass das damit befasste Gericht dem Unternehmen keinen gerichtlichen Mahnungstitel erteilen wird.
Nebenbei, es bleibt die Frage, wie kam die Firma „netsolutions FZE“ an seine Adresse?
Er kam über einen Rechtschreibfehler drauf. Entsprechend den Erfordernissen eines Blogs hatte er brav seine Bremer Adresse und seinen Namen angegeben. Nur hatte er seinen Namen mit einem einzigartigen Rechtschreibfehler versehen gehabt. Offensichtlich hat irgendein Blog.de-Leser die Adresse meines Bekannten bei der Internetseite von „nachbarschaft24“ eingegeben.
Jetzt hat mein Bekannter sein Impressum anonymisiert. Man muss ja sein Glück nicht versuchen, monetäre Liebesgrüße aus Dubai zu erhalten.
Und meine Moral aus der Geschicht?
Impressum ist zwar schön und gut, aber wenn als Leser getarnte Saubeutel (so willkommen wie Hämorrhoiden am Allerwertesten oder die Krätze oder Mitesser) dieses missbrauchen, dann ist es besser ohne zu leben.
Mein Bekannter wollte über diesen Missbrauch seines Impressi nicht schreiben. Daher mach ich es jetzt mal.
Zur Mahnung an alle und als kleine Hilfestellung einen Puls beim Lesen eines Inkasso-Briefes wieder zu senken.
Denn dann ist unter allen Wipfelrechnungen Ruh.
In diesem Sinne habe ich auch bei mir jetzt so gehandelt und mein Impressum verändert.
Es geht halt nicht anders, wenn der böse Nachbar es nicht anders will.
Und gut is.
Amen.
Lasse reden. Aber nicht im Radio.
Das deutsches Liedgut hat dem englischen einen Schritt voraus. Man versteht es. Und von daher ist sowas ja von jeher problematisch. Entweder ist der Text politisch nicht opportun ist, oder er ist schlichtweg Schrott. Es gibt halt solche und solche Liedtexte.
Bela B. und die Ärzte gehören eindeutig zu solchen. Deren Texte sprühen vor Leichtigkeit und zynischem Humor, dass es entweder dem Hörer eine Freude oder auch ein Leid ist. Mit ihrer letzten CD „Jazz ist anders“ unterstreichen die Ärzte mal wieder ihren Anspruch die „beste Band der Welt“ zu sein. Und dementsprechend haben die Ärzte ihre Auskopplung „Lasse reden“ veröffentlicht.
In vielen Radioprogrammen läuft das Lied jetzt rauf und runter.
Fast in jedem. Bis auf dem Sender „Antenne Bayern“.
Für Nicht-Bayer: Bayern hat vier Sender.
Da ist „Bayern 5“, der offizielle Informationssender aus der bayrischen Staatskanzlei für einheitliche Bürgeraufschlauung. Fast ohne Werbung und fast musikbefreit.
Da ist „Bayern 3“ für den staatstreuen Bayern mit Hang zu moderner Musik.
Da ist der mickrige Rest an Radiosendern für die ganzen Zugewanderten.
Und da ist der Musiksender „Antenne Bayern“, für all die netten Bazis, die auf gespielte Fröhlichkeit stehen und meinen, das wäre urig bayrisch auch ohne Dialekt.
Gemeinsam ist allen Musik-Sendern Bayerns, dass Lieder nie länger als 3 Minuten sein dürfen, Wortbeiträge weder über eins dreißig in der Zeit noch über BILD-Zeitungsniveau liegen dürfen und dass die Werbeblöcke viermal pro Stunde mindestens fünf Minuten dauern müssen.
Gestern fuhr ich in eine 70 km entfernte Nachbarstadt und das Radio plärrte vor sich hin. Bayern 3 ist musikalisch ne Seuche, die kleineren Stationen haben keine große Reichweite und da gerade „Antenne Bayern“ eingestellt war, die Auswahl zwischen Pest und Cholera nicht wirklich prickelnd ist und ich zudem absolut faul …
… tja, so kriegt wohl „Antenne Bayern“ seine Zuhörerzahlen, könnte man jetzt meinen …
Und irgendwann wurde dann ein Lied zuerst mit seinem Refrain und einem gekünstelt spontanem Dschingel als der Hitmix des Sommers angekündigt:
Die Ärzte mit „Lasse reden“.
Meine Spannung stieg, als das Lied gespielt wurde. Denn schließlich gehört „Antenne Bayern“ auch irgendwie zum Axel-Springer-Verlag, dem Herausgeber der BILD-Zeitung.
Und eine Liedzeile von „Lasse reden“ heißt:
Lass die Leute reden und lächle einfach mild
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.
Ich horchte brav zu und horchte und horchte … ich wollte die Liedzeile hören … ich horchte und horchte und horchte …
Naja, vielleicht war ich doch zu sehr vom Straßenverkehr abgelenkt und zusätzlich ein wenig zu müde. Ausreden hat der Mensch immer parat und so erschuf ich mir die Ausrede, warum ich gerade diese Liedzeile nicht hörte. Eigentlich wollte ich die wirkliche Wahrheit wohl nicht wahrhaben.
Heute morgen las ich dann beim Bildblog, dass ich mich gar nicht verhört hatte.
„Antenne Bayern“ hat die die BILD-Zeitung betreffende Liedzeile einfach herausgeschnitten.
Geschmacksbereinigt sozusagen.
Zensur?
Eigentlich sollte ich es ja besser wissen, denn ich hatte schon mal über „Antenne Bayerns“ Radioverständnis geschrieben und zwar hier.
Ich bereue es hiermit öffentlich „Antenne Bayern“ gehört zu haben. Jenen Sender, der mit vereinzelnten Wort- und Musikbeitragsblöcken zwischen der Werbung glänzt.
Oh Wanderer, kommst du gen Bayern dann lass dir sagen:
Meide gefälligst „Antenne Bayern“, wenn du auf 100%iges Wert legst …










