TINDER oder: Eine Leidenschaft ohne Reue

Romantik

Ihre Hand hielt das Smartphone ans Ohr. Es klingelte am anderen Ende. Ihre Vorderzähne bearbeiteten die Unterlippe und ihr Blick ging recht ungeduldig im Zimmer umher. Ihr Fuß wippte ohne Unterlass, während sie auf der Sofakante hockte. Unwirsch fuhr sie sich mit der anderen Hand durch ihr Haar, als es in der Leitung in ihren Smartphone klackte:
„Alles klar, Tina?“
Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erregt, aufgeregt:
„Ist was passiert Tina? Nun, sag doch was!“
Tinas rechte Hand suchte weiterhin noch ihren Weg durchs Haar, um dann schützend vor ihren Mund zu landen.
„Es ist alles okay. Nichts passiert.“
„Wirklich nichts? Was geht ab? Warum rufst Du an?“
„Es ist alles okay.“
Tina hatte den letzten Satz nur zögerlich flüstert und wieder fuhr sie sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar, erwischte ein Strähne und zwirbelte sie wie zuvor hastig um ihren Zeigefinger.
„Jetzt lass Dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Tina! Was ist passiert? Wie ist das Date gelaufen? Schon zu Ende?“
Tina schluckte und atmete kurz tief durch.

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Was ist Zeit? Wird alles anders?

Du kommst nach Hause,
legst deine Füsse hoch,
schüttest dir ein Glas Chardonnay ein
und sinnierst darüber nach,
was an diesem Tag geschehen war,
warum es gelaufen ist, wie es lief,
warum Traum und Realität ein Abgrund trennt,
öffnest die Augen und stellst irritiert fest,
dass du dir kein Wein, aber schales Bier eingeschenkt hattest,
schaust in die Firmen-Emails und grübelst,
denkst an den vergangenen Tag,
daran, was sich geändert hat,
daran, was das Leben macht,
daran, was du lebendig geändert haben möchtest.
Und dann summst du das kleine feine Lied …

Ja ich weiß es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit du fehlst hier …

Kneipengespräch: Telefonzellen und andere Beschränkungen …

Tresen 0

»Lange dich nicht mehr hier im Lokal gesehen.«
»Ich habe Studien betrieben.«
»Studien?«
Teilnahmslos füllte der Wirt diverse Kölschstangen. Mein Nachbar schien mir zuhören zu wollen.
»Am Menschen und seinen Hinterlassenschaften.«
»Bahnhofsklo-Sightseeing?«
»Nein, eher Heldenforschung.«
»Könnte aufs gleiche Rauskommen.«
»Ist aber ein bedeutender Unterschied.«
»Welcher?«
»Jene Schilder auf öffentlichen Klos wurden nie für Helden an Klowänden aufgehangen: Hinterlassen Sie diesen Ort so, wie sie ihn vorzufinden wünschen.«
»Mag sein, aber ich kachel doch nicht ein öffentliches WC, nur weil ein Schild es von mir fordert. Das überlasse ich lieber wahren Helden. Allerdings, ich hätte auch gerne mal meine private Telefonzelle, in der ich mit grauem Anzug und unauffälliger Brille hinein Weiterlesen