Fundstück: Einladung aus der Vergangenheit

Plakat 70er

An einer Wand klebt das Plakat. Frau Käte Strobel, die Bundesminsiterin für Familie und Gesundheit im Kabinett des Bundeskanzler Willy Brandt, lud zu einem Vortrag über die Heilbarkeit von Krebs ein.
Frau Strobel lebt nicht mehr. Sie starb 1996.
Und das Plakat ist auch nicht mehr aktuell. Es wurde vor dem 22. Mai 1970 geklebt.
Nach mehr als 38 Jahren fand ich es in einer Fußgängerunterführung. Zwecks Renovierung hatte man die Verkleidung der Wand am Münchener Stachus herunter gerissen, um sie zu erneuern.

Archäologisches aus der Neuzeit.

Eigentümlich.

Automobilindustrie auf dem Jakobsweg

Google Schlagzeit
Der letzte Montag war bedeutsam.

Zuerst kam das Rüsselsheimer Dreigestirn König Foster, Bauer Demant und Jungfrau Franz geleitet vom sinkenden GM-Stern auf ihren Kanossa-Gang bei der deutschen Päpstin Merkel vorbei. Sie stiegen aus ihrem neusten automobilen Konstrukt „Insignia“ und brachten ihrer Hochwohlgeborenen Weihrauch, Myrrhe und etwas Katzengold dar. Als Ersatz kamen sie mit dem Versprechen von Milliarden zurück. Euronen, seid umschlungen.

Und kaum waren die beschenkten Schenker gegangen, kamen schon die nächsten Notleidenden. Zum Mittagsmahl kommen nun zu Merkel nicht die Reinen, Guten, Erlösten, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Merkels Gnade Läuterung erfahren sollten. Der Junker Löw kam mit seinen Mannen und wollte denen unter Aufsicht vom Schäferdackel Bierhof zeigen, was denn die gute Frau Merkel für eine Fußballexpertin sei. Nach Journalistenberichten herrschte erführchtiges Staunen und keiner dieser namenlosen Gesichter muckte irgendwie auf und stellte ketzerische Fragen.

Ja, dieser Montag, der 17-November-2008, ging in die Geschichte Deutschlands als der „Montag der Leidenen“ ein. Und Frau Merkel als die Trösterin der Beladenen.

Wohin sowas jedoch führt, erfuhr dann die Nationalmannschaft zwei Tage später: gegen England verloren. Erneut in einem Olympiastadion verloren. Damals 1:5 in München und jetzt 1:2 in Berlin. Oh Schmach, oh Schmach, oh Schmach. Rachegedanken kamen aber höchstens bei den Besuchern des Fussballspiels auf. Der Rest war schon vor den Fernsehern entschlafen.

Opel und die Nationalmannschaft, am gleichen Tag bei der Kanzlerin. Ich hoffe, dass das jetzt kein schlechtes Omen für Opel sein wird.

Opel?
Da war doch was.
Genau.
Der Journalist Markus Breitscheidel hat im Stile eines Günter Wallraffs ein Buch geschrieben: „Arm durch Arbeit“. Vor einem Monat hatte das ARD dazu den Film „Leiharbeit undercover“ gesendet.
Markus Breitscheidel war auch Leiharbeiter in Rüsselsheim. Bei einer Aussuchfirma. Die Aufgabe solcher Firmen entspricht der Aufgabe der Tauben im Märchen „Aschenputtel“: Die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen.
Und so dokumentierte Breitscheidel, dass er mit Kollegen die Aufgabe erhielt, chinesische Scheinwerfer für Opel Vectra nach Fehlern auszusortieren. Und so sortierten sie nach Vorgabe über die Hälfte der Scheinwerfer als fehlerbehaftet aus.
Bis, ja, bis dann ein Opel-Manager auftauchte. In der typischen Automobil-Manager-Tracht: blaues Hemd, Schlips und Kragen. Und der erklärte denen dann im überaus erregtem Ton, dass das überhaupt nicht toll sei, was die da so machten. Das Montageband würde in 20 Minuten stehen, würden sie so weiter sortieren. Sie sollen gefälligst so sortieren, dass keine Teile als fehlerbehaftet aussortiert würden. Breitscheidel und Kollegen taten wie ihm von jenem Manager befohlen.
Opel ließ im übrigen durch seinen Sprecher Frank Klaas (Sprecher Opel Europa) ganz klar und eindeutig erklären, dass die Angaben von Breitscheidel in keiner Weise nachvollziehbar seien und ein Verbau fehlerbehafteter Scheinwerfer nicht festgestellt wurde.

Diese Woche gab es aber nicht nur die Firma Opel in den Schlagzeilen.

Daimler in Sindelfingen geriet in den Fokus einiger Journalisten. Daimler Mitarbeiter aus dem Bereich der Qualitätssicherung haben offenbar dafür gesorgt, dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschanzt bekämen. Die Daimler Angestellte (ein Mechanikermeister und zwei Sachbearbeiter der Qualitätssicherung) sollen bei den Baureihen der C-, E- und S-Klasse Oberflächen beschädigt, Schraubverbindungen gelockert sowie Flüssigkeiten in Bremsleitungen eingespritzt haben.
Aufgrund dieser Fehler wurden Auftragsfirmen zur Aussuchaktion beauftragt. Auf Kosten der Lieferanten, die diese Aussuchaktionen zu zahlen hatten. Die Auftragsfirmen sollen sich dann bei den drei Angestellten mit Viagra, Konzertkarten und Urlaube geschenkt bekommen haben.

Viagra? War da nicht mal was mit VW und Viagra?
Stimmt! VW-Manager sind nach Brasilien geflogen, haben sich Viagra eingeschmissen und dann wie 20-jährige in Betten von gemieteten Frauen benommen haben. Gebauer, Volkert, Uhl und Hartz, das waren die vier, die dabei in den Verdacht standen, sich auf VW-Kosten Sexerlebnisse in Rio de Janeiro an der Copacabana gegönnt zu haben. Haste Viagra in der Blutbahn, kannst poppen wie ein Truthahn.
Schon mal nen VW-Arbeiter diesen Spruch erzählt? Vorsicht vor tieffliegenden Gegenständen!

Die Geschichte mit den Aussuchfirmen ist im übrigen keine Daimler-spezifische Sache. Dass Aussuchfirmen Aufträge zugeschustert bekommen und deswegen manchmal arg nachgeholfen wird, ist normale Praxis in der Automobilindustrie. Der Käufer des Autos merkt davon nichts. Dadurch steigen auch keine Autopreise, denn für „Fehler“ zahlt immer der Lieferant und kann zum Jahresende zusehen wie seine Gewinnmarge wegsortiert wurde. Bei diesen Betrügereien geht hierbei nicht selten um sechs- bis siebenstellige Summen im Umsatz pro Jahr.

In der momentanen Krise leuchten die Automobilisten nicht wirklich als Beispiel. Und bei Opel, GM und FORD werden bei diesem Weihnachtsnachtsfest wohl dort aber trotzdem einige Lichter brennen.
Und zwar dort, wo die Finanzexperten hocken.
Fürwahr, ein wirklich besinnliches Weihnachten …

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Altersweisheit contra Jugendwahnsinn?

Wenn die Autoverleihfirma SIXT dem fast blinden Heesters ein Auto zum Fahren verleiht, dann kann man den Fußgängern in seiner Nähe schon mal ein guten Flug wünschen.
„Altersweisheit“ kann man den Machern dieser Werbung jedenfalls nicht unterstellen.

Heesters

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Innovationen

Moon over munich

Belesene Leser, verlesene Lesende,
Ihr sitzt mit Sicherheit vor einem Computer und ihr werdet mir mit Freude erklären können, wo bei meinem Computer die Achse ist.
Klar, ich weiß, was eine Achse ist. Sowas ist eine Verbindung zweier rotierender Körper.

Mein Computer hat eine rotierende Festplatte und diverse Ventilatoren und die Verbindung dazu sind Kabel. Ja, ich habe sie vermessen und bin zu keinem Ergebnis gekommen. Welchen Sinn soll das haben?
Und ist eine Achse nicht eher etwas mit einer Mittellinie, um der sich was dreht? Dreht sich nicht alles um die Verkabelung in meinem PC?
Und wenn ich das Ergebnis habe, was sagt es mir?

Ich werde wohl doch zu dem Experten gehen, der an der Straßenecke mit „Computerachsvermessung“ wirbt. Wer weiß wozu das mal wieder gut ist.

Schilda

Ansonsten handelt jener Experte ja mit Autos. Wozu er sich jetzt auch noch auf Computer verlagert?

Ach ja, die Krise in der Automobilindustrie.
Verständlich.

Der Automobilindustrie wird ja inzwischen vorgeworfen, dass sie zu unflexibel sei und daher Schuld an deren jetzigen Niedergang. Es reicht halt nicht den neusten Porsche Cayenne in zig Ausstattungsvarianten dem Käufer anbieten zu können. Und die dann noch mit verschiedensten spritsaufenden Motoren auszustatten.
Solche Fahrzeuge werden auch gerne als SUV (sprich: Ess Ju Wie) bezeichnet. „Saufen und Verbrauchen“ könnte die Abkürzung heißen. Sowas freut jede ölfördernde Nation.

Aber vielleicht hat der Kunde ja auch noch Sonderwünsche. Dann fängt ja die wirkliche Felxibilität an. Und kann der Hersteller diese nicht voll flexibel befriedigen, greift der Käufer zur Selbsthilfe.
So wie der folgende mit seinem Satellitenwagen.
In Eigenbau.

Satellitenwagen

Da freuen sich die Sendeanstalten …

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Gauner, Schieber, Börsianer

Es gibt schon eigenartige Zufälle. Ich gebe die drei Worte in Google ein und schon das zweite Suchergebnis verweist auf meine unbedeutende Geschichte.

Aber im Ernst. Es berührt mich nicht. Das Google-Ergebnis macht mich nicht stolz. Denn Gauner muss man Gauner nennen dürfen. Und für Schieber gilt das Gleiche.

Und für Börsianer?
Eigentlich müsste man die als „Glücksritter“ bezeichnen. Oder auf englisch „Soldiers of fortune“. „Söldner“. Sie handeln zwar im Auftrage eines Auftraggebers, aber zuallererst immer noch auf eigene Rechnung.

Wenn Politiker die Beschränkung der Jahresgehälter der Bankmanager auf 500.000 Euro verlangen, dann ist das reiner Populismus. Da lachen die „Börsianer“. Denn „Börsianer“ machen erheblich mehr Verdienst pro Jahr.
500.000 Euro im Jahr für deren Chefs während jene Glücksritter erheblich mehr verdienen? Okay. Hauptsache die Politiker haben die Manager als Täter ausgemacht und nicht deren „Söldner“, die jahrelang durch ihre Spekulationen und Spekulationsmodelle die letzte Krise ausgelöst haben.

Ja, man könnte fast Mitleid mit den Ackermännern dieser Bankenwelt haben, da diese doch selber nicht vorher gesehen haben, dass das alles so kam.

Nun ja, vorhergesehen habe ich es ja auch nicht wirklich, auch wenn ich die schlechten Nachrichten aus den USA schon das ganze letzte Jahr verfolgte und auf einen Crash wartete. Ich verdiene allerdings auch nicht 500.000 Euro im Jahr. Und somit wird mir keiner der Politiker populistischerweise ein „Mach dich vom Acker, Mann“ vor dem Latz knallen können.

Die Börse arbeitet weiter. Unabhängig vom Getrommel der Politiker. Und erst recht unabhängig von meinem eigenen Getrommel. Die Ackermänner dieser Welt sind freilich nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass sich die Ideen, die auch ein Ackermann verkörpert, nicht verändert haben.

Und dann fand ich heute noch folgende kleine Randnotiz in der Zeitung:
Während jetzt bei uns die Rezession ausgerufen wurde, verkaufte neulich in England ein Internet-Online-Autohändler zwei Autos für den Preis von einem.
Oder besser gesagt: als dieser Autohändler Neuwagen mit 50% Rabatt für 12.500 Euro übers Internet verkaufen wollte, interessierte es niemanden. Also verdoppelte er den Preis und die Anzahl des Angebots und propagierte „zwei Fahrzeuge für den Preis von einem“.
Und? Es funktionierte. Er hatte alle rabattierten Fahrzeuge verkauft. Kunden dieser Fahrzeuge waren nach Auskunft des Autohändlers offenbar auch einige ehemalige Angestellte der Lehmann-Brothers.

Tja, tröstlich zu erfahren, dass die Werbestrategien der Banker auch bei deren eigenen Leute verfangen, wenn sie denn mal branchenfremd verwendet werden …