Gauner, Schieber, Börsianer

Es gibt schon eigenartige Zufälle. Ich gebe die drei Worte in Google ein und schon das zweite Suchergebnis verweist auf meine unbedeutende Geschichte.

Aber im Ernst. Es berührt mich nicht. Das Google-Ergebnis macht mich nicht stolz. Denn Gauner muss man Gauner nennen dürfen. Und für Schieber gilt das Gleiche.

Und für Börsianer?
Eigentlich müsste man die als „Glücksritter“ bezeichnen. Oder auf englisch „Soldiers of fortune“. „Söldner“. Sie handeln zwar im Auftrage eines Auftraggebers, aber zuallererst immer noch auf eigene Rechnung.

Wenn Politiker die Beschränkung der Jahresgehälter der Bankmanager auf 500.000 Euro verlangen, dann ist das reiner Populismus. Da lachen die „Börsianer“. Denn „Börsianer“ machen erheblich mehr Verdienst pro Jahr.
500.000 Euro im Jahr für deren Chefs während jene Glücksritter erheblich mehr verdienen? Okay. Hauptsache die Politiker haben die Manager als Täter ausgemacht und nicht deren „Söldner“, die jahrelang durch ihre Spekulationen und Spekulationsmodelle die letzte Krise ausgelöst haben.

Ja, man könnte fast Mitleid mit den Ackermännern dieser Bankenwelt haben, da diese doch selber nicht vorher gesehen haben, dass das alles so kam.

Nun ja, vorhergesehen habe ich es ja auch nicht wirklich, auch wenn ich die schlechten Nachrichten aus den USA schon das ganze letzte Jahr verfolgte und auf einen Crash wartete. Ich verdiene allerdings auch nicht 500.000 Euro im Jahr. Und somit wird mir keiner der Politiker populistischerweise ein „Mach dich vom Acker, Mann“ vor dem Latz knallen können.

Die Börse arbeitet weiter. Unabhängig vom Getrommel der Politiker. Und erst recht unabhängig von meinem eigenen Getrommel. Die Ackermänner dieser Welt sind freilich nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass sich die Ideen, die auch ein Ackermann verkörpert, nicht verändert haben.

Und dann fand ich heute noch folgende kleine Randnotiz in der Zeitung:
Während jetzt bei uns die Rezession ausgerufen wurde, verkaufte neulich in England ein Internet-Online-Autohändler zwei Autos für den Preis von einem.
Oder besser gesagt: als dieser Autohändler Neuwagen mit 50% Rabatt für 12.500 Euro übers Internet verkaufen wollte, interessierte es niemanden. Also verdoppelte er den Preis und die Anzahl des Angebots und propagierte „zwei Fahrzeuge für den Preis von einem“.
Und? Es funktionierte. Er hatte alle rabattierten Fahrzeuge verkauft. Kunden dieser Fahrzeuge waren nach Auskunft des Autohändlers offenbar auch einige ehemalige Angestellte der Lehmann-Brothers.

Tja, tröstlich zu erfahren, dass die Werbestrategien der Banker auch bei deren eigenen Leute verfangen, wenn sie denn mal branchenfremd verwendet werden …

5 Gedanken zu „Gauner, Schieber, Börsianer

  1. Ich kenne keinen der bei der Bank arbeitet und 500.000€ verdient :)

    Die eigentlichen Verursacher dieser Finanzkrise sind doch nicht die Banker und Börsianer, sondern die Politiker, die so ein System fördern.

    so viel zu deiner these

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  2. Ich finde dein Mitleid unangebracht. Wir sollten von der neoliberalistischen Maxime „Leistung muss sich wieder lohnen“ Abstand nehmen. Die haben sich da einiges geleistet, da sollten wir sie auch nicht noch mit Mitleid lohnen. …

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  3. Wir sollten dringend einen Notopferfonds für leidende Banker auflegen. Es bricht mir immer wieder das Herz, wenn ich sehe, in welchem Elend die Besten unserer Zeit vegetieren müssen.

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