Vom Etwas-Zug-bekommen … oder: Nur Fliegen sind schöner

Erinnert sich noch wer an den Werbeträger der Bundesbahn vor 24 Jahren?

Das war so ein rosa Elefant und warb für die „Rosaroten Wochen“.
Mit Verlaub, es handelte sich hierbei nicht um Tarifangebot für Outing-willige Schwule oder Lesben. Nein, es war einfach nur ein Billigtarifangebot für Tickets übers Wochenende hinaus.

Über die Entstehung dieses Angebots gab es die diversen Gerüchte.
Kolportiert wird, dass mal wieder alle Vorsitzende sich 1983 zusammengesetzt hatten, um darüber zu klagen, dass niemand mit der Bahn fahren wolle. Sie sei zu geschwindigkeitsverzögernd („Never go by Bundesbahn, it’s much too lahm“). Sie käme immer zu spät an. Sie sei nicht kundenfreundlich.

In diesen Sitzungen hatten Zigarre rauchende aschgraue Herren in spinnwebfarbenen Anzügen mit bleigrauen Aktentaschen darüber gerätselt, warum bei deren Kundenfreundlichkeit die Menschen so fröstelten.
Und sie starteten eine neue Image-Offensive, um das deutsche Volk von sich zu begeistern. Sie setzten einen Intercity auf den Weichen von München und peitschten ihn gen Hamburg, auf dass jener IC sich majestätisch erheben würde und der Lufthansa voran gleitend eine Nase drehen würde.
Als jener IC aber auf Höhe von Nürnberg noch immer nicht abgehoben hatte und wieder mal mit 15 Minuten Verspätung im Nürnberger Hauptbahnhof erwartet wurde, musste wohl einer der grauen Herren geseufzt haben:

„Wir werden nie so gut wie Disneys Dumbo.“

Da schrie ein anderer begeistert:

„Das isses!“

Man entschloss sich, den Zug auf den Schienen zu belassen. Stattdessen blies man eine Mücke auf und und machte sie zu einem rosaroten Elefanten für rosa Wochen. So trampelten wildgewordenen rosarote Elefanten auf Dumbos Spuren durch die Werbung und malten die grauen Gleise mit einem Törö rosarot.
Diese Kampagne sollte den geneigten Menschen dazu bewegen, mehr Zeit in der Bahn zu verbringen. Sozusagen das Leben in vollen Zügen genießen. Mal wieder Zug bekommen. Statt mit sich Schlitten fahren zu lassen, der Bahn die Fahrt überlassen.
Und so weiter und so fort.
Aber immer rosarot.
Beerdigt wurde der Elefant fast 10 Jahre später mit dem 15-DM-teuren Wochenendticket …
Ja, ja, das waren noch Zeiten …

Die Zeit der ICs ist fast schon Geschichte.
Inzwischen preschen ICEs mit Tempo 300 über die Gleise und kommen mit nur noch 14 Minuten Verspätung an. Und diese Verspätungsverringerung lässt sich die Bahn entsprechend gebührend bezahlen. Ja, die grauen Herren a la Dürr, Ludewig und Mehdorn lassen sich unsere Zeit immer noch gut bezahlen.

Nur den Lokomotivführern wollen sie nichts abgeben. Und daher streiken die wohl nun auch für mehr oberirdische Gehälter.

Während also die Fliegzeug-Betreiber erleichtert aufatmeten, dass der rosarote Dumbo auf den Schienen blieb (auch wenn die Bahn inzwischen denen die lukrative Strecke Köln-Frankfurt und München-Nürnberg mit an die 300 km/h weg nahm), so fingen diese an, sich an den Preisen der Bahn zu orientieren. Nach unten.

Inzwischen ist der Flug nach Berlin an vielen Flughäfen Deutschlands billiger als die Bahnreise. Daher mussten auch viele Kostenträger gestutzt werden. Und wenn nun die Piloten mehr Geld fordern, so kommen deren Manager ins Stöhnen, weil die Gewinnmargen wegfallen würden. Da wurden Flieggesellschaften so auf „lean“ getrimmt, dass eine Gehaltssteigerung bedrohlich sein könnte.

Wurde da was vergessen von den Managern?

Nun:
Einer alleine ist ein Einzelgänger.

Einer mit einem anderen zusammen ist entweder ein konspiratives Stell-Dich-ein oder eine Solidarisierung.

So könnte man meinen, dass sich wahrscheinlich auch die Piloten der LTU dieses dachten, als sie von den Streikabsichten der Lokführer erfuhren.

Aber wenn zwei Dinge zusammen kommen, muss es längst nicht das gleiche sein.
Aber es wirkt im Bewusstsein derer Kunden.

Heute titelte die BILD-Zeitung sinngemäß, dass Politikerpensionen 6,5 % steigen, während „wir“ (die BILD-Redakteure oder wir Leser?) seit dem Jahr 2000 immer weniger kriegen. Morgen oder übermorgen wird die BILD sich zerreißend über die Forderungen der Piloten und Lokführer hermachen.
Das scheint so sicher wie das AMEN in der Kirche. Denn „wir“ verdient ja auch seit 2000 immer weniger.
Soviel Neid muss sein, nicht wahr.

Wenn dann Lokführer und Piloten in den Ausstand treten, dann werden sich sicherlich auch die Ölkonzerne solidarisch dem anschließen. Sie werden sich Preiserniedrigungen erfolgreich verweigern.
Sie werden dann mit den beiden anderen die ménage à trois versuchen.
Nur, wer dann allerdings wen so ordentlich dabei durchfi..t, dass weiß letztendlich wieder nur der Individualreisende.

Und dann freut uns wieder alle, gemeinsam den Streikenden Gegenwind über die BILD zu geben.

Das Imperium schlägt zurück

Sie haben ihren Termin um 18 Monate überzogen. Normalerweise werden dafür Lieferanten in der Automobilzulieferindustrie an den Rand des Ruins und noch viel weiter getrieben. Aber sie haben sich überziehen gegönnt mit dem süddeutschem Stern und den magenta Riesen im Rücken. Dann hat da wer darüber gemeckert, so ein Kleinaktionär aus Berlin. Hätte der nicht machen sollen. Denn jetzt schlägt das Imperium zurück. Quäle niemals einen Tollcollect. Nicht mal in Scherz. Möge die Macht … .

Zitate für den politischen Wochenanfang

Für alle, die heute morgen mal wieder Zeitungskästenüberschriften lesen müssen:

Für einen Politiker ist es gefährlich, die Wahrheit zu sagen. Die Leute könnten sich daran gewöhnen, die Wahrheit hören zu wollen.

von George Bernard Shaw (irischer Schriftsteller)

In der Politik geht es nicht darum, recht zu haben, sondern recht zu behalten.

von Konrad Adenauer (deutscher Altkanzler)

Was in der Politik noch fehlt, ist ein Machthungerstreik.

von Werner Fink (deutscher Kabarettist)

Manche Politiker muß man behandeln wie rohe Eier. Und wie behandelt man rohe Eier? Man haut sie in die Pfanne.

von Dieter Hallervorden (deutscher Kabarettist)

100 Pfund gut abgehangen … in Stück und in Scheiben …

Merkel

Jeder hat sie gewürdigt.
Die Angela Merkel, die Sommerpause, die Merkel und ihre Sommerpause, und zu guter Letzt die Sommerpause.
Angela hat schon die Halbzeit ihrer Regierungsperiode hinter sich gebracht, und versucht gerade noch die Planungen zum Zeittotschlagen für die zweite Hälfte auf die Beine zu stellen. Indessen versucht die SPD alles sich selber als Koalitionspartner politisch zu suzidieren, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Aber Angela lässt das nicht zu.
Noch nicht.
Die SPD hat ihre Koalitionshausaufgaben schon seit zwei Jahren nicht gemacht und den Abstand zur CDU in der Wählergunst nicht vergrößert. Und daher strengt sie sich wie blöde an (im Ernst, das mit dem „blöde“ das kann sie) und duelliert sich mit Oskar der Lafontanelle.
Und langsam klappt es. Machtvoll strebt man auf die 10 Prozent Wählergunst zu.

Esel_quitschend_suess

Die FDP findet das nicht wirklich toll, denn der Westerwelle kann giften, wie er will, solange er aber nicht als Münsteraner Schalke-Fan mit Fallschirm auf dem Rücken auftritt, solange findet er nicht wirklich die Beachtung eines Möllemanns.
Er sollte mal bei WDR nachfragen, was den Möllemann ausgemacht hat:
Um fünf Uhr im Büro bei sich Manifeste verfassen, diese per Fax an den WDR (speziell WDR2) schicken und dann um spätestens um 7:00 für Dementis und Interviews zur Verfügung stehen. Da waren seine angegriffenen Politiker noch nicht ausgeschlaffen, da hatte er das politische Rad ein Stück weitergedreht. Und nachher ging es dann zum Fallschirmspringen. Und als Landefläche hatte er sich liebend gerne das Schalker Parkstadion ausgesucht gehabt. Am besten direkt vor Schalke-Spielen. Westerwelle hat es bislang dagegen nur zu Big-Brother-Containern gebracht, bei seinen politischen Punktlandungen.

Die CSU versucht es derweil als karnevalistisches bayrisches Dreigestirn.
Stoiber, Huber und Beckstein. König, Bauer und Jungfrau.
Kaffeeklatsch21

Das der Stoiber nur König sein kann, ist klar, wenn man über die nahe Grenze nach Österreich schaut. Denn da sitzt bekanntlich unser Kaiser und der mag keine anderen Götter neben sich beckenbauern.
Und der Huber? Letztens sah ich ein Bild vom Huber, wie er bei einer Münchener Kettenfirma zum Girls-Day auftauchte. Junge Frauen (oder solche, die es noch werden wollen) haben sich mal in einem technischen, metallproduzierendem Gewerbe umgesehen. Klar, dass der Huber dabei sein musste. Gibt es doch im Landtag in Bayern nur so verdammt wenige Girls. Denn man merke sich, im bayrischen Landtag sitzen nur Mann-Weiber. Das verlangt schon der bayrische Defiliermarsch so. Und sollte es doch eine Frau geben, die im bayrischen Landtag … . Nun, dazu komm ich später und der Huber kam erstmal zu seinem „Girls-Day“. Also, man kann es dem Huber nicht verdenken, wenn er dem Landtag entflieht, um ein paar „fesche Madl“ beim Zuschauen zuzuschauen, damit er nachher weiß, wo welches Holz vor welcher Hüte gelagert ist.
Politisch natürlich, versteht sich … .

Der Beckstein als Jungfrau? Nun, so jungfräulich wie der zu neuen Amt und Würden kommt, nur damit der Seehofer als offizielle Nicht-Jungfrau und offizieller Fremdgänger …
Okay, lassen wir den Beckstein als Jungfrau durchgehen. Nur wäre ich mir nicht wirklich sicher, dass es nicht doch ein paar Bayerinnen gegeben hat oder gibt, die völlig freiwillig und völlig enthemmt rufen würden:

«Günther, ich will ein Kind von dir!“»

Wie meinte Stoiber zum designierten bayrischen Ministerpräsidenten Beckstein letzten noch zu dem Thema?
«Du kannst auf mich zählen», sagte Stoiber nach Angaben von Sitzungsteilnehmern zu Beckstein.

Aber so recht will es ja nicht klappen.
Nicht Becksteins Kinderkriegen ist gemeint, sondern das mit dem dreieinigen Dreigestirn. Denn da millert jetzt so eine gehörige Portion Torheit mit. Ganz vorne weg. Auf der Kühlerhaube der CSU sozusagen. Eine Art Hamburger Millerntor. Eine Art Pauli. Jedoch nicht der Hamburger „Sankt“, sondern die bayrische „Frau“ Pauli.
Paulivorneweg

Ja, eine Frau ist sie. Hübsch, verführisch und geheimnisvoll ist sie. Die Hälfte der bayrischen Männernschaft, die in Bayern bei Münchener Dominas verkehrt, hatte sie mit ihren Lack&Leder-Fotos verstört. Und dazu vertritt sie dann noch die CSU-Politik mit weiblichen Attributen!
Leider sind die weibliche Attribute bei CSU-Mitgliedern generell immer gut versteckt. Das schreibt so das CSU-Parteiprogramm vor. Die CSU-Politik ist generell gerne lederkrachend und völlig nebulös. Interessanterweise kam damit ja bei der letzen Bayern-Wahl über 60 % der Wähler voll klar damit.
Weswegen das Wort „nebulös“ somit eindeutig Beweis meiner politischen Inkompetenz ist, welche ich hier gnadenlos inkontinent verbreite.

Und was ist jetzt mit den Grünen?
Aufgrund des politischen Proporz müsste ich doch auch was zu den Grünen schreiben, oder?
Manamana

Richtig, die Grünen. Da war doch was. Aber das schreib ich später mal. Denn im Augenblick sind sie nicht existent und alle vor der Klimakatastrophe in wärmere Gefilde zum Urlauben geflogen.
Was? Das sei jetzt böseste Verleumdung?
Okay. Ich nehm es zurück. Grüne fliegen dieses Jahr nicht in den Urlaub. Die stehen jetzt alle demonstrierend vor Krümmel und verstopfen mit ihren Körpern alles radioaktiven Reaktorenlecks.
Oder sie sind in Schweden nicht bei IKEA, aber bei Vattenfall. Und da ist es auch nicht wärmer als hier bei uns oder am Reaktor bei Krümel.
Egal. Für die Grünen interessiert sich augenblicklich eh keiner.
Insbesondere nicht die Grünen.
Ist halt Ferienzeit …

Und womit wir wieder bei der Lage der Nation wären.
Nämlich, nachdem jeder Urlaub macht, erkläre ich hiermit die Saure-Gurken-Zeit für eröffnet und das Sommerloch damit eifrig drapiert.
Und was bleibt dann nocht?
Wie wäre es mit einer erneuten Unsicherheitsdiskussion?
Schäuble, übernehmen Sie!

Abhör-Attacke! Meine Handy-Gespräche wurden belauscht!

Warum habe gerade ich immer solche Briefe im Postkasten?
Warum nicht mal eine Lottogewinnbenachrichtigung?
Wer erklärt mir das?

Sehr geehrter Herr Careca,

nachdem einer unserer fleißigen Mitarbeiter Ihr Mittagsgespräch am gestrigen Tag abgetippt hat, liegt uns folgendes vor:

  1. Sie haben mehrfach das Wort „Bombe“ benutzt. Wir weisen darauf hin, dass die Verwendung des Wortes „Bombe“ auf dem Index für Hinweise auf terroristische Nähe steht. Wir fordern Sie auf, die Verwendung zu unterlassen, um amerikanische oder israelische Geheimdienstmitarbeiter bei ihren elektronischen Abhöraktionen nicht zu irrientieren. Vermeiden Sie auch eine Verwendung zusammengesetzer Wörter, selbst wenn Sie das Wetter als „bombenmäßig“ bezeichnen wollen.
  2. Sie haben sich abfällig über den Innenminsiter Schäuble und seine Behinderung geäußert. Diese Art der Diskriminierung ist nicht tolerierbar. Das Ermittlungsverfahren wegen Behindertenfeindlichkeit wird in den nächsten Tagen eingeleitet.
  3. Sie haben Ihren Chef Ihrer Firma XYZ mehrfach als „dummer Ostfriese aus Berlin“ bezeichnet. Hiermit haben Sie in Tateinheit mit der vorsätzlichen persönlichen Beleidigung auch noch nachgewiesen, dass Ihre Allgemeinbildung nicht mehr dem Stand der Erfordernisse entspricht. Dieses mussten wir feststellen, da Sie bemerkten, ihr Chef sei aus Rostock. Wir lassen gerade Ihren Realschul-Abschluss überprüfen. Ihren Chef unterrichten wir morgen per normalem Einschreibe-Brief mit Rückschein.
  4. Im darauf folgenden Gespräch hatten Sie sich lautstark mit Ihrer Frau unterhalten, weil Sie deren Beziehung zu dem Nachbar für nicht legitim empfanden. Unser Mitarbeiter erlitt bei Ihrer Brüllerei einen Gehörsturz. Wir werden Sie mit den Kosten seiner Gesundheitsbehandlung belasten.
  5. Als der Mitarbeiter hinter Ihnen wegen Ihrer plötzlichen Brüllerei mit Hörsturz durch begleitenden Vertigosymptom zusammen brach, haben Sie nicht den Notarzt gerufen. Wir haben eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen Sie eingeleitet. Desweiteren werden wir Sie für den Verdienstausfall des Mitarbeiters und den schuldhaft verursachten Mitarbeiterausfall bei uns haftbar machen.


Aufgrund eines richterlichen Beschlusses müssen wir Sie von unserer Abhöraktion unterrichten, obwohl Sie durch die dadurch erzeugten Ermittlungsverfahren eh alles mitbekommen hätten. Also seien Sie nicht übermässig verstimmt, schon jetzt von uns über unsere Ergebnisse der Abhöraktion erfahren zu müssen.
Es steht Ihnen frei schon mal ihren Anwalt zu kontaktieren. Wir empfehlen Ihnen sich diese kosten zu sparen. Die Beweiskraft des Abhörprotokolls ist zu eindeutig.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Geheimdienst aus Pullach

P.S.:
Wir haben noch weitere Mitarbeiter, um Sie zu belauschen. Machen Sie sich also keine Hoffnung, unabgehört zu bleiben.
Sie hören deshalb auch in Zukunft noch von uns. Und wir von Ihnen, sobald wir wieder einen neuen Mitarbeiter unauffällig hinten Ihnen platziert haben.

P.S.S.:
Und bitte unterlassen Sie dann bei unseren Abhöraktionen das Brüllen. Zum Wohle unserer Mitarbeiter. Unser Betriebsarzt dankt Ihnen bereits jetzt für Ihre zukünftige Rücksichtnahme im Voraus.

Politische Karriere leicht gemacht …

Ist das nicht schön?
Der Krawattenmann des Jahres 2006 will dem Sänger des WM-Liedes des Jahres 2006 zu einem neuen Job verhelfen.
Das nenn‘ ich mal richtig sozialdemokratisch, was da der Christian Wulff dem Herbert Grönemeyer angeboten hat.

So einfach ist das also:
Um Listenplätze bei der CDU zu erhalten, muss man nicht viel Politik studiert haben. Man muss einfach – so Wulff sinngemäßer Vorwurf empörterweise – demokratisch gewählte Politiker pauschal beschimpfen und somit deutschen Diktatoren in die Hände zu spielen. Politikerverachtung sei das und eine Gefahr für dieses Land.
Daher hat er dem Grönemeyer einen forderen Listenplatz in seiner CDU angeboten.

Hm.

Gut.
Ich finde das okay.
Und ich deklariere hiermit, dass ich Politiker verachte und möchte dafür im Gegenzug ein Bundestagsmandat, Herr Wulff.

Geht das?

Frage

Sei mal verdrossen, Politiker … (Teil 3 zum politischen Blog-Karneval)

Mein 3. Beitrag mit Trackback zum politischen Blog-Karneval (Link)
und gut is …

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Verdrossenheit ist eine besonders perfide Variante von nicht-Fisch-nicht-Fleisch in puncto Zufriedenheit.

Und dann gibt es die Steigerung: Politikverdrossenheit.
Mir ist das Wort an jenem Abend nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Das Wort taucht inzwischen in der Öffentlichkeit wieder häufiger auf.

1992 war es zum „Wort des Jahres“ in Deutschland gekürt worden. Das „Unwort des Jahres“ als Gegenpol war „Ethnische Säuberung“. „Ethnische Säuberung“ wurde zur international übliche Bezeichnung für die Vertreibung von Völkern gefunden.

Aber „Politikverdrossenheit“? Das Wort gleicht dem Mentekel für den Wahlrecht-Innehabenden. Wählst du nicht, dann gehört es dir entzogen. Denn wer nicht mitreden will, der braucht auch keine Stimme. Der braucht sie auch nicht bei der Wahl.

„Das stimmt. Aber was macht der, der seine Stimme bei der Wahl abgibt? Ist der stumm? Muss er stumm sein? Schließlich hat er sie doch für vier Jahre abgegeben und kriegt sie erst mit der nächsten Wahlbenachrichtigung zurück.“

Moment.
Was ist das denn jetzt hier?
Ich schaue zur Seite und stelle fest, dass ich wieder in meiner Kneipe stehe. Und er direkt neben mir.
Vor mir steht ein ein Karlsruher Hoepfner Pilsener. Rechts daneben ein Kö-Pi und links daneben ein Glas Alt-Bier.

„Nun mein Bester, du hast drei Bier-Sorten vor dir stehen und welches wirst du jetzt trinken.“
„Ehrlich? Diese Biere sind mir alle voll unsympathisch. Von links nach rechts immer unsympathischer.“
„Welches trinkst du nun?“
„Keines.“
„Du bist Bierverdrossen!“
„Quatsch! Du hast mir nur nicht das richtige vor mir hingestellt.“
„Tja, und so ist es mit der Politik.“
„Also Politikerverdrossenheit. Und nicht Politikverdrossenheit.“
„Und Politikerverdrossenheit ist das, was von Politikern am ungernsten gehört wird. Stellt es doch deren eigene Existenzberechtigung auf den Prüfstein.“
„Sie haben doch das Mandat derer Wähler.“
„Aber dann vielleicht doch nicht das Mandat im Sinne der Väter des Grundgesetzs?“

Er macht das Thema nicht einfach. Die Väter sind doch schon alle unter der Mutter Erde, die die Gerichtsinstanzen in mühsamer Einzelarbeit bereits umgegraben haben.

Der Wirt räumt die drei Gläser ab. Mit einem zufriedenem Brummen gießt er jedes einzeln genussvoll in den Ausguss. Ich atme erleichtert und dankbar durch. Da sind doch drei Kelche fiesestem Inhalts an mir vorüber gegangen.

Erfreut nehme ich vom Wirt ein frisches Kölsch entgegen.

„Komisch. Ich musste gerade an den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Uhl
denken. Der hatte mit den VW-Gewerkschaftsbossen Sexparties in Seoul und Barcelona organisiert. Vögeln und Poppen aufs Wohl und Wehe der Werktätigen. Wenn ich mir überlege, dass der Uhl seine Wähler repräsentiert, dann müsste man von jedem seiner Wähler wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen und Beihilfe zur Untreue zu 39.200 Euro Strafe verurteilt werden.“
„Da wäre das Land Niedersachsen schnell saniert.“
„Und der Osten wäre nicht mehr so allein beim Warten auf blühende Landschaften. Oder der Uhl repräsentiert nur sich und nicht seine Wähler. Aber das weist ja jeder Politiker im namen der Demokratie von sich. nur …“
„Ja?“
„… selbst Berlin haben die Politiker schon wirtschaftlich ruiniert. Im Namen des Volkes. Aber statt diese wie organisierte Kriminelle zu behandeln, …“
„Moment. Vorsicht!“
„Doch. Die haben ihre Bevölkerung über deren Parteien gnadenlos geschadet. Aber passiert ist denen nichts.

Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Das steht im §129 Stgb eindeutig geschrieben.“
„Außer wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für verfassungswidrig erklärt hat. Und die Parteien und deren Politiker, die Berlin ruiniert haben, gehören nun mal Parteien an, die nicht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen.“
„Dann muss §129a greifen! Wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, wenn eine derer Taten bestimmt ist, die Bevölkerung auf erhebliche Weise einzuschüchtern …“
„Na, na, na! Sie wissen, was Sie da sagen? Dieser Paragraph bezieht sich auf den Terrorismus.“
„Hm.“

Der Klügere kippt nach.
Ich schweige und trinke aus meinem Kölsch.
Hinter uns hat jemand plötzlich ganz lange Ohren bekommen. Ein freiberuflicher Verfassungsschützer? Ein so genanntes Verfassungskondom?
Als ich ihn anblicke, schaut er voll konzentriert harmlos in sein Weißbierglas. Es könnte auch ein deutscher Hobby-Geschmackskontrolleur sein, der sich gleich in unser Gespräch mit seiner ihm eigenen Kompetenz einmischt.
Mein Nachbar dagegen lässt sich ein neues Kölsch bringen. Wie eine zufriedene Katze schnurrt er seine Kölschstange an.
Luft holend riskieren ich noch einen verfassungsfeindlichen Satz:

„Die Politiker benehmen sich trotzdem wie die Heuschrecken.“
„Sind Sie politisch tätig?“
„Ich war es mal.“
„Es ist ein leichtes immer auf Politiker zu schimpfen. Die taugen ja hervorragend als Ohrfeigen-Gesichter für die eigene Untätigkeit, nicht wahr?“
„Ich hatte letztes Jahr keine 40.000 Euro wie der Uhl, um Sexparties zu organisieren. Mir pudert auch niemand Bodyguards, Sperrzäune und tolle Abendessen in den Arsch wie letztens an der Ostsee. Geben Sie mir 40.000 Euros und ich werde auch politisch aktiv.“
„Höre ich da den Neid eines Besitzlosen heraus?“

Ich zog meine Augenbrauen tiefer, verdichtete meine Augen zu einem Schlitz und beobachte die Umgebung genau. Nein, ich beherrsche es noch immer noch nicht. Aus meine Augen kommen noch keine tödlichen Blitze.

„Für so was kriegt der nicht meine mühsam gezahlten Steuergelder!“
„Aber als Ausgleich dürfen Sie doch dafür wählten.“
„Hm. Bei der Wahl? Die Umfragewerte für die Parteien zeigen, was von denen gehalten wird.“
„Kennen Sie die beliebteste Antwort der Politiker darauf?“
„Worauf?“
„Auf das Schlagwort ’schlechte Umfragewerte‘.“
„Keine Ahnung.“
„Falsch. Die Antwort wäre gewesen: ‚Wir wollen mit unserer Überzeugung nicht Umfragen, sondern Wahlen gewinnen.‘ Und wer hat’s gesagt?“
„Der Westerwelle, als er mit seiner FDP die 18% im Bundestag erringen wollte?“
„Nein. Das ist der Standardsatz jeder Partei.“

Während ich mir gerade überlegte, wo der Westerwelle damals seine 18-Prozent-Kampagne begann. War es im Big-Brother-Container? Ich bin gespannt, wann es zum ersten Mal zur Revolte im Container kommen wird. Aber da müssten wir noch lange warten, bis die sich in ihrem freiwilligen Knast ihres freien Willen bewusst werden.
Mein Gesprächspartner nahm er einen Schluck aus seinem Glas und fuhr fort:

„In Umfragen wurde letztens herausgefunden, dass die Wähler mit der Art und Weise der Demokratie unzufrieden sind. Die Leute wählen dann entweder radikal oder gar nicht. Was den Politikern aber egal ist, denn differenziert zu denken, war ja noch nie deren Stärke.“
„Wieso? Wer nicht wählt, wählt die Radikalen.“
„Auch so ein Standardsatz der Politiker, der gebetsmühlenartig von denen herunter gebetet wird. Beweis durch mehrfache Beteuerung. Kaugummi für’s Großhirn. Demnach ist also jeder Nicht-Wähler im Grunde ein Wähler der Extremisten. Wer sowohl nicht wählt, als auch extremistisch wählt, der wählt staatsfeindlich. Der hat in den Augen der Politiker seine Recht auf freie und unabhängige Wahl missbraucht? Derjenige, der nicht wählt, ist dann fast genau so extremistisch wie der Extremist an sich, der verboten gehört.“

Ich lache und versuche zu ironisieren:

„Außer er ist Rechtsextremist oder Rechtsradikal. Die sind nicht wirklich demokratiefeindlich. Sind ja auch nicht verboten. Und was nicht verboten ist, ist erlaubt.“
„Eben. Denn der Rechtsradikale ist von seiner Haltung ja im Grunde staatsbejahend. Im Gegensatz zu den Linksradikalen. Der Rechtsradikale bejaht ja im Grunde die Einhaltung von Gesetzen, insbesondere wenn er sie selber geschrieben hat.“
„Sozusagen sind also diejenigen, die das ihnen zugedachte Wahlrecht verweigern, Sympathisanten von Terroristen? Dann greift ja §129a und wir hätten schon bald volle Gefängnisse.“
„Und Orwellsche Zustände. Denn zur Erfüllung der Orwell’schen Horrorvision benötigen wir nur noch Geschmackskontrolleure, die Verfehlungen aufnehmen und der breiten Masse zugänglich machen. Und das erledigen momentan die Medien. Einmal fremd gegangen und ein Kind gezeugt? Sexparties organisiert und dabei keinen hoch gekriegt? Nackt am Strand von Mallorca rumgelegen? Einen Pornodarsteller als neuen Freund? Die Journaille war dabei und hat es auf Seite 1 gebracht.“

Ich starre dumpf brütend vor mir hin. Die Kneipe hat sich geleert. Das Salsa-Gedudel macht gerade dem südamerikanischen Schieber-Blues Platz. Der Merengue.
Mein Gesprächspartner winkte den Wirt herbei und gab ihm sein leeres Kölsch-Glas zurück. Dann schauter er mich von der Seite an:

„Sie sind also auch politikverdrossen?“
„Ich bin Privatier. Ich brauche über meine Politik-Laune keine Rechenschaft abgeben.“
„Sie sind politikverdrossen?“
„Sie meinen, ob ich denen angehöre, die lieber deren eigene Politik in deren Umkreis machen, statt diese überregional mit anderen zu teilen? Ja.“
„Als ich im Rechtstag war, sagte mir mal ein Regierungspolitiker, alles was wir so machen sei politisch. Politik bezeichne ganz allgemein ein vorausberechnendes, innerhalb der Gesellschaft auf ein bestimmtes Ziel gerichtetes Verhalten, so war sein Credo.“
„Wie das bei den Cliquen um die Gangsta-Rapper? Das was Sie letztens ansprachen? So Bushido, Sido und Co KG?“
„Die machen auch Politik. Aber die machen das nicht im Rahmen einer Parteienwirtschaft. Sie interessieren sich nicht dafür. Die sind Parteien- und Politikerverdrossen. Aber Politikverdrossenheit sehe ich bei denen nicht, denn deren Ansichten entsprechen auch einer Politik. Nur außerhalb des Rahmens mancher Gesetze und außerhalb unserer parlamentarischen Demokratie.“
„Parlamentarischen Demokratie? Also waren die Demonstranten in Heiligendamm nicht staatskonform? Also ein Übel? Daher wurden auch die offensichtlich friedlichen Demonstranten also geprügelt. Denn schließlich müssen die sich ja vorwerfen lassen, dass, falls sie in Parteien eintreten würden, massiv an den Entscheidungen mit hätten wirken können.“

Er schüttelt lächelnd den Kopf.

„Wer friedlich ist, der ist eh nie staatskonform. Auch nicht in einer parlamentarischen Demokratie. Pazifismus taugt weder als Staatsform noch findet es nirgendwo auf dieser Welt sonst eine Erfüllung in einer Staatsform.“
„Unsere Zeit ist eine Zeit der Erfüllung, und Erfüllungen sind immer Enttäuschungen.“
„Schön gesagt. Kommt das von Ihnen?“
„Das war nicht von mir. Das hat Robert Musil Anfang des letzten Jahrhunderts gesagt.“
„Sie werden jetzt philosophisch.“
„Ich hab noch so ne dummdreiste Phrase auf Lager. ‚Wenn Wahlen was ändern würden, …'“
„‚… dann wären sie verboten.‘ Ich weiß.“

Wir schweigen vor uns hin.

Das leise Wimmern einer südamerikanischen Salsa-Musik erfüllt die Kneipe.
Der Wirt stellt die ersten Stühle hoch, macht das Licht an.
Ich hole meine Geldbörse raus und werfe ihm nen Zwanziger auf den Tresen.

„Stimmt so.“

Ich wanke raus. Gerade als ich die Tür hinter mir schließen will, höre ich den Wirt leise angestrengt jammern:

„Boah ey. Endlich ist er weg. Der mit seinen ewigen nervigen Selbstgesprächen …“

Ertappt … Teil 2 zum politischen Blogkarneval

Mein 2. Beitrag zum

Meine Frau fand mehrere Überweisungen von mir im Wohnzimmer. Vom so genannten Wanderlandwirt (einem Geh-Bauer) des „Publikumsauto“-Herstellers.
Waren Überweisungen zu der Zeit, als ich in Brasilien dienstreiste. 40.000 Euros. Hörte von meiner Frau gemeine Verdächtigungen.
Habe sofort alles per Anwalt bei ihr dementiert. Jedoch Quittung von Andriana Barros im Schlafzimmer vergessen. Bösen Anruf von ihr erhalten. Auch von ihrem Scheidungsanwalt. Habe meiner Frau 39.200 Euro Scheidungskosten zugezahlt.
In beliebter Gastronomie im Industriegebiet ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Uhl getroffen. Erzählte mir unter Tränen eine Geschichte von Richtern, Meineiden, Gebauer, Adriana Barros, Liebesdiensten und 39.200 Euro. Eine Runde zusammen mit ihm geheult. Hat gut getan. Danach mit Entschlossenheit gemeinsam bei Adrianna Barros angerufen und zwei Mädels fürs Separé bestellt. …