Wenn das Fernsehvolk Kunst- und Handgriffe erfährt

Die Raute der Macht

Die Hände sind zu einer Raute geformt, die Daumen stützen die Unterarme gegeneinander ab, die aneinander gelegten Finger deuten verhalten auf den Betrachter. Auch wenn sie leicht nach unten gerichtet sind, so sprechen sie den Betrachter offensiv an. Diese Geste ist inzwischen schon all bekannt, von der Kanzlerin Merkel eingeführt (s.a. hier und hier), nach ihren eigenen Worten, um nicht gebuckelt herumzustehen. Das obige Bild sind die Hände vom Bundespräsident Wulff. Zum ersten Mal hielt ein Bundespräsident seine Weihnachtsansprache stehend und umgeben von Menschen. Die WELT schrieb bereits applaudierend, dass Wulff damit bei der Bevölkerung gewonnen habe und seine Sympathie gesteigert hätte.

Weihnachtsansprache Screenshot #1

Ein Bild fast wie bei einer privaten Traueransprache: Der Pfarrer spricht zu der Gemeinde, die wortlos dabei steht. Fast. Denn vor den Füßen von Wulff hocken Kinder, die andächtig seinen Worten lauschen. Das Ganze hat etwas von den Votivbildern, die es vor dreißig Jahren zu Kommunion, Firmung oder Konfirmation gab: Jesus hält Ansprache vor seinen Zuhörern und die Kinder durften zu ihm kommen, während die Erwachsenen andächtig lauschten.
Ja, die Rede hatte ich mir angeschaut. So etwas kann bei mir keine Weihnachtsfeststimmung versauen, das haben bislang immer schon die vier Wochen zuvor geschafft (wie dieses Mal). Aber ich musste mir die Rede nicht nur einmal anschauen. Nicht wegen dem Gerede vom Wulff, sondern weil ich ein Déjà-vu-Erlebnis hatte. Als die laufenden Bilder noch nicht digital korrigiert wurden und Leia Organa in Star Wars von 1979 noch jene bescheuerte Schneckenfrisur hatte, da war es ein Sport festzustellen, welche Unstimmigkeiten es in den Filmen gab. „Goofs“ werden diese Fehler in den Filmen genannt. Mikrofongalgen im Bild (z.B. „Willkommen, Mister Chance“) oder schneller Schuhwechsel von einer Szene zur nächsten („Romancing the Stone“). Ein „Goof“ wird erst dann zu einem richtig guten „Goof“, je perfekter der Film ist. Auch zu den Festtagen liefen wieder diverse Meisterwerke im Fernsehen. Wenn Henry Fonda Charles Bronson im Zug gefesselt zurück lässt und sich dann mit seiner Gangsterbande buchstäblich aus dem Staube macht, dann erscheinen nach 85 Minuten „Spiel mir das Lied vom Tode“ bei der Kamerafahrt in den Hintergrund im Vordergrund die Reifenspuren des Kamerawagens.

Screenshot Once upon a time in the west

Auf dem Fernseher wirkt das nicht mehr so wie damals noch im Kino auf der Riesenleinwand, wo ich tief im Sessel gedrückt diesen genialen Höhepunkt des „Western“-Genres sah. Nun, auch bei der Weihnachtsansprache vom Bundespräsidenten Wulff finden sich „Goofs“. Der Regisseur der Rede hatte versucht, einen Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung herzu stellen. Fast – aber auch nur fast – hatte ich den Eindruck aus jedem Sektor des deutschen Lebens hätten die Verantwortlichen ein Paar ausgewählt. So wie damals Noah auf der Arche. Fast so. Denn in Wahrheit waren es entweder drei oder eine Person einer Bevölkerungsgruppe. Fast ein jeder Bevölkerungsgruppe. Denn Gangsta-Rapper und Strauchdiebe fanden sich ebenso wenig wie Banker und Priester. Böse Stimmen könnten zwar behaupten, der Vertreter der letzteren Gruppe der beiden von mir Genannten wäre der Wulff sowieso und die letztere Gruppe versuchte er durch seine salbungsvollen Rede zu repräsentieren. Andererseits wurden diverse Bevölkerungsgruppen geschickt in Stereotypen verpackt um den Bundespräsidenten herum drapiert. So fanden sich in weißer Burka gesteckte Frauen wieder, welche sowohl das Christentum in seiner Asexualität wie die des Islams präsentierten. Soldaten als Repräsentanten der waffengläubigen Gewalt. Multikulti – was doch bereits Frau Merkel als für gescheitert erklärt hatte – repräsentiert durch entsprechende Alibi-Menschen. Und gerade diese Weihnachtsansprachen-Multikulti-Präsentation ließ mir die Goofs ins Auge springen. Schaut einfach mal die nächsten Bilder an:
Weihnachtsansprache Screenie #3 Weihnachtsansprache Screenie #2

 

 

 

 

Weihnachtsansprache Screenie #5

 

Weihnachtsansprache Screenie #4

 

 

 

 

Während der Rede herrschte also ein reger Positionswechsel und keiner hat es im Bild gesehen. Das ist doch mal ein Applaus an den Regisseur vom Wulff fällig, nicht wahr? Ehre, wem Ehre gebührt.
Weihnachtsansprache Screenie #6

Und dann war noch der fromme Wunsch eines 7-jährigen Mädchens: „Mer Zeit mit den Eltern“. Dem Kinde kann geholfen werden. Nicht nur bei der Rechtschreibung, auf welche der Regisseur und der Wulff garantiert geachtet hatten.
Bei momentan de facto mehr als 7,5 Millionen Arbeitslosen, da sollte es doch möglich sein, den Eltern des Kindes ebenfalls ein Platz im Heer der Arbeitslosen zu vermitteln. Und dann können die Eltern in deren Arbeitslosenzeit, dem Kind beibringen, dass ein „Mer“ nicht immer mehr ist, sondern das ein „weniger“ von allem unser aller Zukunft ist, was Hilfe durch den Staat angeht. Das glaubte ich zumindest vom Gesicht unseres Bundespräsidenten ablesen zu können. Oder ich habe es zumindest hinein projiziert. Oder sollte Wulff sich im nächsten Jahr an die Spitze der Gewerkschaften setzen wollen und die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich zur Ankurbelung der Binnennachfrage und der Wirtschaft fordern?
Aber sicherlich wird es nur so sein wie immer: Die Kinder werden gerne in den Mittelpunkt der Gesellschaft hinein gesetzt, um dann über ihre Köpfe hinweg zu reden. Und die Kinder langweilen sich, schneiden Weihnachtssterne aus und schreiben ihr „Mer Zeit“ drauf. So wie bei dieser Weihnachtsansprache.
Oder lernen von der Straße. So wie im wahren Leben. Und dürfen dafür auch an der nächsten Weihnachtsansprache in der Mitte stimmlos auf dem Boden hocken. Oder auch nicht. Dafür sorgen die Hände der Macht. Und das nicht nur die vom Wulff.

 

Die Raute der Macht

Kunst- und Handgriffe werden durch Hände geführt. Durch eine „Be hand lung“. „Eine Hand voll“. Die entsprechende lateinische Übersetzung dazu heißt „manipulus“. Im Deutschen entstand daraus das Wort „Manipulation“. Uns behandeln derzeit die „Hände der Macht“ auf allen Ebenen. Nicht nur im Fernsehen …

Quellennachweis: Bei allen Bildern handelt es sich ausschließlich um Screenshots aus den entsprechenden Video-Materialien.

Erziehungszeiten im Hause zu Guttenbergs

Mein Gott! Wirklich.War ich geschockt.
»Ai äm schoked«, wie der gepflegte Engländer zu parlieren weiß.
Was musste ich auf einer Seite der Internetseite von BILD.de bei der Suche nach Sportfotos und Fußballberichten lesen?
Stephanie zu Guttenberg in Latex?
Halbnackt auf Postern in Kinderzimmern?

Screenshot BILD--9-2010

Nein, Gott sei Dank, nein.
Zuerst einmal: Stephanie zu Guttenberg, das ist die Frau, die bekanntlich dauernd um ihren Gatten zittern muss, wenn der mal wieder für Fotografen und CSU den James Bond in Afghanistan mimt. Stephanie zu Guttenberg, die dadurch zu Everybodys-Yellow-Press-Darling wurde. Noch direkt platziert vor der tätowierten Gattin des Bundespräsidenten Wulfs.

Diese Stephanie zu Guttenberg also, diese hat nicht nur ein Buch geschrieben sondern es auch noch veröffentlicht: »Schaut nicht weg«, heißt der Titel. Darin schreibt sie unter anderem auch über »Pornografie«.
Nein, nein, sie will nun nicht dazu auffordern, Pornos zu schauen, statt sie nicht zu schauen. Eher ganz im Gegentum. BILD hatte deswegen gestern auch als Aufmacher ihres Blattes eine bedrohliche Überschrift gewählt: »Pornografie verdirbt unsere Kinder«.

Nun, jeder hat das Recht Bücher zu schreiben, besonders wenn sich diejenige Person allein, verlassen und unbedeutend fühlt. Wenn also der Banker Herr S. schreibt und dadurch zu Ruhme und Meinungsbildner bei BILD aufsteigt, warum dann nicht auch eine Stephanie zu Guttenberg? Wie soll sie sonst kompensieren, dass sie nur über den eigenen Ehepartner definiert wird?

»Schaut nicht weg.«
»Pornografie verdirbt unsere Kinder.«
Mein erster Gedanke war:
»Richtig so, Stephanie. Blase ins gleiche Horn wie jenes von Kriminellen durchsetzte Milieu, die sich selber als Experte sehen, was denn nu Pornografie sei und was nicht.«
Mir fiel sogleich Heinrich Böll ein. Böll hatte mal gesagt: »Katholisch sein, ist wie ein Leberfleck. Man kriegt ihn nicht spurlos weg«. Daher habe ich sofort meine Blicke zu Boden gerichtet und innerlich Abbitte gegen solche herätischen Gedanken gegen das Bodenpersonal des allumfassenden Christentums geleistet. Bekanntlich ist es zu vermeiden, Pornografie und Kirche in einem Wort zu erwähnen.
Upps, …
Insofern verwunderte mich doch schon ein wenig ein Zitat der guten Frau zu Guttenberg:

… mit ihren aus dem Rotlichtmilieu entliehenen Outfits gezielt auf Provokation zu setzen. Leder, Latex und Spitze auf der Bühne waren stets ein Garant für Schlagzeilen, vor allem dann, wenn im Hintergrund ein Kruzifix zu sehen war.

Da war sie wieder, die Verbindung von Pornografie und Kirche. Sobald ein Kreuz auftaucht, wird Rotlichtmilieu anstößig. Vorher nicht. Aber hallo, war das ein Geschrei aus Politik und Kirche, als Madonna sich in »Justify my love« auf MTV lasziv an einem Gekreuzigten schmiegte. Und selbst noch im März dieses Jahres griff die katholische Kirche unterstützt von Politikern die Satirezeitschrift TITANIC an, weil ein Priester auf Genitalhöhe eines Gekreuzigten dem selbigen eben auf Genitalhöhe zugewendet dargestellt wurde. Das fanden die gar nicht lustig und sahen sich durch die Darstellung in ihren religiösen Gefühlen gekränkt (s.a. hier).

Unproblematisch dagegen ist die Ehrung des Zeichners des dämlichen … äh, ich meinte, dänischen Mohammed-»Karikaturisten« Kurt Westergaard durch die Kanzlerin Merkel,neulich am 8. September in Potsdam.

»Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut«, meinte Merkel zu dem 75-jährigen unweisen Kurt Westergaard.

Nun ja, die TITANIC wird auf so eine Auszeichnung ewig warten können, auch wenn sie sich über die Missbrauchsfälle in der Kirche lustig machen wollte. Es merke sich halt jeder in diesem unserem Kreuzeslande: Kreuze sind nur Steine des Anstoßes und nicht der Ehrung.
Außer sie werden am Bande und dazu militärisch vergeben.

Doch zurück zu unseren verhinderten Miss Moneypenny, die ihren James Bond im Dienste seiner Angela immer nur selten zu Gesicht bekommt und deshalb über ihre Vorstellungen zu Pornografie schreibt. Stephanie zu Guttenberg ist wegen dem Buch nun freilich nicht zur »Doktor-Sommer-honoris-causae 2010« ernannt worden. Aber sie scheint zu wissen, worüber sie schreibt, wenn es um Porno geht. Und sie weiß auch, wie Pornostars aussehen. Nein, nicht so wie sich der geneigte Leser einen Pornostars nun halt mal so vorstellt. In seiner schmutzigen einfältigen Phantasie. Also nackt. Und in Action. In allen Stellungen.
Nein, Pornostars sind vielmehr so wie Lady Gaga, Christina Aguilerra, Britney Spears, Heidi Klum …
Moment!
Heidi Klum? Echt? Heidi Klum sei ein Pornostar, das meint die zu Guttenberg? Doch sei sie wohl, könnte aus ihrem Geschreibsel heraus gelesen werden. Denn – so schreibt sie – bekleidet sei die Klum auch immer wieder mal mit Overknee-Lederstiefeln (im Volksslang auch »Fick-mich-Stiefel« genannt), Lederkorsett, und gleichermaßen knapp bekleidet sei sie wie die jungen Models ihrer Show.
Also, alles voll Porno für die gute Stephanie.

Da können Gina Wild, Kelly Trum oder Dolly Buster noch so viel GV stöhnend vor der Kamera haben, die wahren Repräsentanten der Pornostars sind für Stephanie zu Guttenberg der Snoop Dogg, der Rapper Nelly, Sido, Frauenarzt oder Bushido. Und deren Gesang würde deshalb auch zu Recht nicht in den Radios gespielt. Darüber könnte man sich jetzt theoretisch freilich ausgiebig streiten. Streiten dürfte man sich aber keinesfalls darüber, um wie viel schöner in den Ohren eines Radiohörers ein lateinisch orgiastisch gesungenes »In dulci jubilo« klingen muss. Oder ein karfreitäglich bluttriefendes »Oh Haupt voll Schmerz und Wunden«. Gesungen vielleicht auch noch von alkoholisierten Priestern, welche zusätzlich noch eine dunkle, unveröffentlichte kriminelle Vergangenheit haben könnten.

Egal.
Das sind nur meine verwerflichen, schwarzen Gedanken.
Stephanie zu Guttenberg hat die ihren. Erleuchtete. Allein ersonnen.

Stefanie allein zu Haus.
Da kann schon mal ein Buch daraus entstehen. Wenn man allein mit sich und seinen eigenen Pornovorstellungen und Pornophantasien ist. Politikergattin sein, ist keine einfache Aufgabe. Das hat auch keiner behauptet. Schließlich warten wir jetzt alle noch auf ein Buch von der anderen Frau. Auch allein zu Haus. Der Bettina. Dem Wulf seine. Vielleicht schreibt die dann mal über ihre Erlebnisse mit Maschmeiers, deutschen Bankern und anderen Sportwagenbesitzern.

Doch erneut zurück zur Stephanie zu Guttenberg. Ich schweife einfach zu oft ab.
Erst heute ist mir dann der tiefere Sinn der BILD-Warnung »Pornografie verdirbt unsere Kinder« aufgegangen. Es ist eine weit angelegte Kampagne. Der beiden zu Guttenbergs. Eine Gemeinschaftsarbeit.

Fast jeder männliche Bürger hat vor nicht allzu langer Zeit noch die erste pornografische Erniedrigung im Alter von 18 bis 20 Jahren auf folgende Weise gemacht:

»Die Hose herunter. Okay. Und jetzt husten Sie mal.«
Seine Hand befand sich unter seinen Hoden und der Junge schaute in das ernste sachlich bemühte Gesicht eines Mannes.
»Nun drehen Sie sich um und bücken Sie sich.«
Der Mann schaute dem Jungen vor versammelter Mannschaft ins Gesäß. Und manchmal berührte er ihn auch intimer. Alles im Dienste einer höheren Weihe, versteht sich.

Solche Szenen haben sich immer wieder Jungen von der Musterung zur Bundeswehr erzählen können. Und eben diese Musterung will dem Stephanie zu Guttenbergs ihr Mann, der CSU-Politiker mit den vielen Vornamen im Pass, abschaffen. Das hat der heute erklärt. Somit kann es sich hierbei eindeutigerweise nur um eine Entpornografisierung der Bundeswehr handeln.

Aber das ist nicht das alleinige Ziel, welches der Ehemann der zu Guttenberg-Frau erreichen möchte. Der will die Bundeswehr zu einer exklusiven Schar Berufener machen. Eben Berufssoldaten. Dressed to kill statt Bürger in Uniform.
Aufgenommen werden dann nur die besten. Die moralisch saubersten. Diejenigen jungen Männer, die bei dem Wort »Porno« noch eine Erektion bekommen, und nicht nur anfangen, müde zu gähnen mit einem »Kenn ich schon« auf den Lippen. Diejenigen sollen es werden, die dem Tode todesmutig ins Auge schauen und ihn nicht fürchten, wenn sie ihn anderen zufügen, und das Ganze nachher auch noch als »Kollateralschaden« verkaufen werden.

Und dann, also wenn er das geschafft hat, eben dann schreibt der Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg ein Buch.
Nein. Keine Fortsetzung von Ian Flemmings Buch »Tschitti Tschitti Bäng Bäng«. Oder eine neue Episode von Ian Flemmings James Bond und dessen Miss Moneypenny.
Nein.
Nur ein 500 Seiten starkes Buch.
Schlicht und ergreifend. Mit einem Titel, der unter die Haut geht:

»Der Tod ist ein besonderes Aphrodisiakum«

Ich garantiere euch, das wird voll Porno, ey. Da können wir noch in vielen Gedenkgottesdiensten von zehren.

P.S.:
»Kirche« und »Tod« in einem Satz zusammen zu erwähnen, ist nicht anstößig. Darum passen Kirche und Bundeswehr auch so gut zusammen. Sie gehen sozusagen »Hand in Hand«. Was der eine liegen läßt, das sammelt der andere auf, um es zu segnen …
»Kirche« und »Porno« gehen dafür überhaupt nicht zusammen. Das ist pfui-bäh.
Außer das erstere sei mosaisch. Das ist dann doch nicht pfui-bäh. Das ist preiswürdig.
Aber das auch nur am Rande erwähnt.
Bereits zum zweiten Male.
Und das auch nur, um es euch hinterhältig einzubläuen … .

Da ist die Presse mal wieder zügig drauf abgefahren …

Jede Bahn hat ihren Sprecher und jeder Sprecher glänzt so gut er kann wie eine Sternschnuppe:
Erst Stern dann Schnuppe.
Oder so.

Man muss sich mal die Angabe über die Zunge zergehen lassen, was Jürgen Kornmann da binnen 15 Sekunden dem ZDF erzählt:
Auf 1440 Einsätze gab es 3 Ausfälle. Und Herr Kornmann bezog sich auf den Fall, dass es gestern dazu kam, dass Züge wegen dem Ausfall der Klimaanlage überhitzt waren und Passagiere wegen Dehydrierung vor Ort medizinisch versorgt werden mussten (s.a. Video von YouTube unten).

So und nun holen wir mal unsere Hauptschulabschlüsse heraus und fangen an zu rechnen.
Was bedeutet das? 3 ausgefallene Klimaanlagen auf 1440 Zugverläufe.
Erst einmal gar nichts.
Fällt bei einem ICE-Zugverbund eine Klimaanlage aus, so betrifft es im worst-case („schlimsten Falls“) ca. 800 Passagiere eines Zuges (von Klasse 1 bis Klasse 2 und Board-Restaurant). Sozusagen binnenklima-erwärmender Schrott auf Achse.

Die pharmazeutische Industrie hat eine international anerkannte Größe entworfen, die auch in der Automobilindustrie ihre Anwendung verwendet: „ppm“ (parts per million). „ppm“ sagt aus, wie viele Teile auf eine Million Teile ausfallen. 10 ppm sind also 10 fehlerhafte Teile auf eine Millionen Gesamtteile. Also 10 Tote auf 1 Millionen Menschen sind statistisch „10 ppm“. Umgerechnet sind also 3 Zugausfälle auf 1440 Zugvorgänge erst einmal absolut nichtssagend. Nehmen wir also der Einfachheit an, 3 Zügen mit defekten Klimavorrichtungen im gesamten Zugstrang (!) sind unterwegs. Wer die Bahn und ihre Fahrpläne kennt, kommt somit bei drei Zugverbünden auf maximal sieben Zugstrecken, also sieben Zugvorgänge.

Somit hätten wir 21 Zugvorgänge mit defekten Klimaanlagen auf 1440 Zugvorgänge (s.a. Videointerview oben). Das macht dann 14583 ppm (also statistisch 14583 Ausfälle auf 1.000.000 Zugvorgänge).

Im Vergleich mit der Automobilindustrie mit dem Qualitätsziel 0 ppm für Ausfälle im Feld, also im Betrieb, (als Beispiel: unsere Firma liegt bei 1,5 ppm), das ist also eine gnadenlose Katastrophe.

Moment!

In einem Auto sitzen in Deutschland maximal fünf Leute (okay, die Polizei fischt immer wieder auch Autos mit acht Passagieren in einem Twingo bei brütender Hitze aus dem Verkehr), aber bleiben wir mal statistisch: In den meisten Fahrzeugen sitzen statistisch gesehen 2,5 Personen (Zeitung auf dem Beifahrersitz bei Berufsfahrern mal ausgeschlossen). In einem Zugverlauf sitzen aber maximal 800 Leute, was somit die ppm-Zahl auf 19 runter schrumpfen lässt.

19 ppm!

Da wird die Automobilindustrie neidisch. Denn schon im Innenraum eines Fahrzeuges sind laut Verträge für Zulieferer 300 ppm zulässig. Selbst wenn ich 6 Leute in das Fahrzeug stopfe, komme ich personenbezogen nur auf 50 ppm.

Was will ich damit total und überkandidelt ketzerischerweise sagen?
Ganz einfach.
Nachdem Deutschland schon nicht unter die besten zwei der FIFA-Fußball-WM kommen konnte und auch sonst kein Vollidiot etwas presse-würdiges verbrochen hatte, da musste die Bahn dran glaube.
Lesen wir mal die Presseberichte.
Wie viele waren von dem Ausfall der Klimaanlage betroffen?
Es wird von einem Teil einer Schulklasse gesprochen (max. 30 Schüler), in anderen Berichten von 40 Menschen. Gut, lassen wir es mal 100 sein. Seien wir mal realistisch: 1000 Menschen gemäß der Pfeifer’schen Regel „Nur 4% der Kunden beschweren sich über mangelnde Qualität“ (ISBN 3-446-18579-8). Was dann fast genau der Zahl derjenigen Anzahl der Zuginsassen entspricht, die in einem Zug gesessen haben könnten (nämlich 1000 Passagiere entsprechend den Angaben der Journailien). 1000 Passagiere statistisch gesehen auf drei Züge verteilt, denn der 2. Klasse ist es nicht erlaubt im Zugrestaurant, auf der Zugtoilette oder in der 1. Klasse herum zu lungern.

Und dann mal die spontan er-google-te Nachricht:

Auf der A9 bei Gefrees hat Freitag Mittag die Unachtsamkeit eines Lkw-Fahrers neben 100-tausend Euro Sachschaden auch einen 12 Kilometer langen Stau verursacht.

12 Kilometer.
Zweispurig.
Also 24 Kilometer rechnerisch.
Und sicherlich nicht nur dort.
Bei „Jugend forscht“ wurde ausgerechnet, dass auf 3 km Stau 500 Autos kommen. Ergo haben wir hier mal locker 4000 Fahrzeuge mit statistisch gesehen 2,5 Personen drinne (es ist Freitag Mittag bei brüllender Hitze (wer Klimaanlagen kennt, weiß, dass dies jetzt keine rhetorische Phrase sein muss), viele Berufstätige fahren nach Hause und das allein in Begleitung ihrer Tageszeitung auf dem Beifahrersitz), also 10.000 Personen (oder reduziert wegen dem Ich-Will-Jetzt-Nach-Hause-Pendler auf 8000 Personen).

Das sind locker mal 4 so viele Personen als in den ICEs und das bei brütender Hitze in deren Fahrzeugen, die KEINE gut funktionierende Klima haben. Wer nicht genügend im Monat verdient, weiß, was ich meine.

Hm.

War da was?
Eine Nachricht im ZDF?
In der ZEIT?
In der FAZ, der SZ, NHZ oder gar im Buxtehuder Werbeblatt?
Nicht?
Nüscht?
Gar nüscht?
Hm.
Und was war mit den Unwettern in NRW vor knapp 24 Stunden? Glaubt da wer Gutmütiger, dass deswegen weniger als 10 Flüge á 100 Passagiere nicht landen konnten? Das die gar nicht dort ankamen, wohin die wollten?
Kein Wort in der Journalie? Nada? Niete? Nullinger?
Ja, ist denn schon wieder saure Gurkenzeit?
Ja?
Dann taugt die Bahn genau als Depperle der Nation.
Zum Draufschlagen einfach.
Wenn schon ein Westerwelle nicht mehr Angriffsfläche in seinem Sommerurlaub bieten möchte …

Und nun meine Quintessenz?
Jürgen Kronmann ist ein verdammt schlechter Pressesprecher. Genau solch einer, den die Presse braucht, um einen Stellvertreterkrieg für die große Hitze mit irgendwem zu schlagen.
So ein Depperl.
Die Volksseele kocht.

Nicht allein im Stau auf der A8, der Dehydrierung nahe (kein ADAC oder Ramsauer verteilt Wasser gratis und auf den Raststätten gibt es auch nur Kraneburger Jahrgang 2010) fluchen alle auf die Bahn. Weder im Sommer noch im Winter sei sie fähig eine Klimakatastrophe in deren Waggons zu vermeiden.

Aber wir sind auf die Bahn ja nicht angewiesen. Mit dem „Mein-Bac-dein-Bac“-Feeling sicher für die nächsten 8×4 Stunden fluchen wir auf die Bahn und auf den LKW-Fahrer. Denn wäre der mit der Bahn transportiert worden, hätte es auf der A8 keinen Stau gegeben. Und als vorweggenommene Strafe hätte der dort geschmorrt, da wo die 40 bemitleidenswerten Leute im Zug schmorrten.
Mein Beileid. Meinen zumindest die acht bis zehntausend Stauteilnehmer …

Oder etwas anders ausgedrückt, so wie bei Jürgen Kornmann.
Do it again, Jürgen:

Wenn Heilige enthauptet werden …

Die Katholische Kirche ist momentan ein Sumpf, in dem viele Frösche quaken und sich einer Trockenlegung verweigern, damit keine Leichen auftauchen. Das Bodenpersonal arbeitet momentan emsig wie die Putzerfischchen. Putzerfische sind die Fische in den Gewässern, die größere Fische von Dinge befreien, die jene bedrohen.

Wie schön für die Rotte der Putzerfischchen, wenn es dann was gibt, was ein wenig von diesem Bestreben ablenkt. So geschehen in einer Kirche in Dinkelsbühl. Dort haben Kriminelle den Schrein des Heiligen Aurelius zerstört und dem Heiligen ein Bein ausgerissen, was jener zu Lebzeiten immer schon zu vermeiden wusste.
Die Münchener TZ hatte heute darüber geschrieben (siehe Foto):
Aurelius
Der „Heilige Aurelius“?
Wer das ist?
Auch darüber schreibt die TZ:

Aurelius war römischer Soldat. Im Jahr 63 wurde er unter Kaiser Nero in Rom enthauptet, weil er als Christ als Sündenbock herhalten musste. […]

Aurelius_Text
Soweit die TZ.

Moment.
Wie war das?
Was geschah mit dem „Heiligen Aurelius“?
Enthauptet?
Wow.
Da ziehen hundsgemeine Diebe den Heiligen aus seinem Schrein unachtsam und brutal auf den Boden der Kirche, fliehen dann mit einem Bein als Beute und …
Genau.
Der Kopf bleibt dran. Vom enthaupteten Heiligen.

Und wer jetzt an dem heiligen Wunder der Erneut-Verhauptung eines Enthaupteten trotz obigen Bildes zweifelt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Oder wie schon mein Vater zu sagen pflegte:
„Was Gott trennt, darf der Mensch nicht fügen. Außer mit Uhu.“

Wie schön zu wissen, dass der Enthauptete nicht völlig kopflos am Boden lag. So etwas nennt man auch katholische Dialektik. Womit wir wieder bei den Putzerfischchen wären, …

"Franz Josef Strauß" unter Sprengstoffverdacht …

Als ich gestern die diversen Online-Zeitungen durchlas, um mir mal ein Bild über die Terminal-2-Sperrung am Münchener „Franz-Josef-Strauss“-Flughafen machen zu können, fielen mir die unterschiedlichen Darstellungen der Geschehnisse auf:

– Der Täter schnappte sich sein Notebook und rannte weg.
– Der Täter schnappte sich nicht sein Notebook und rannte weg.
– Der Täter rannte ohne seine abgelegten Sachen und ohne Notebook weg.
– Der Täter zog sich an, schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Den Flughafen am „Terminal 2“ kenne ich genau. Dort fliegen alle Star-Alliance-Fluggesellschaften, also auch die Lufthansa, ab. Terminal 2 glänzt durch seine Nadelöhrfunktion nach den Kontrollen. Das heißt, die überprüften Passagiere aller Sicherheits-Check-Portale kommen nur durch einen bestimmten Gang zu den Gates, welche dem Flug innerhalb der EU dienen. Interkontinentalflüge oder Flüge in Nicht-EU-Länder haben ein weiteres Nadelöhr.
Hinter den Sicherheitsportalen stehen jeweils zwei bewaffnnete Bundesgrenzschützer, welche die Situation im Auge behalten.

Folgendes:
Zu jedem Notebook gehört eine Tasche, die berühmte Notebooktasche. Das Sicherheitspersonal sorgt dafür, dass das Notebook aus der Tasche entfernt wird und in eine gesonderte, blaue Kunststoffschale als Transportmittel des Notebooks verwendet wird. Geschieht das nicht, wird die Tasche vom Transportband zurückgefördert und vom Sicherheitspersonal heraus genommen und ein zweites Mal gescannt. Sollte das Sicherheitspersonal das vergessen, am Ausgang des Scann-Gerätes geschieht es auf alle Fälle.

Dieses ist das Prozedere in Sachen „Notebook“ am Münchener Flughafen. Ich kenne es inzwischen in- und auswendig.

Wer als Geschäftsmann schnell durch die Kontrollen will, vollzieht im vorbeugenden Gehorsam folgende Dinge:

– Armbanduhr abnehmen und in die Jackentasche stecken
– Hosentaschen entleeren und Hosentascheninhalt in Jackentasche ablegen
– Handys entweder in Jackentasche oder in einer blauen kleinen Kunststoffschale abgelegen
– Flüssigkeiten im Handgepäck werden generell vermieden. Falls doch, dann immer gleich im Kunststoffbeutel und maximal 100 ml als Menge.
– Hosengürtel wird direkt aus der Hose gezogen und mit der Jacke und anderen Westen, Regenjacken und so weiter in eine der Kunststoffschalen abgelegt.
– Schuhe mit metallischen Aufschlag werden gleich ausgezogen und aufs Band gelegt. Prinzipiell ist es besser immer die Schuhe aufs Band zu legen.
– Brille bleibt aufgesetzt.
– Handgepäck kommt direkt aufs Band.
– Im Falle eines Notebooks wird dieses ebenfalls sofort heraus geholt und in eine der blauen Kunststoffschalen gelegt.
– Die Boarding-Karte wird als letztes in einen der Kunststoffschalen abgelegt, denn vielleicht will der Sicherheitsmensch vor einem mal drauf schauen (geschieht sporadisch).

Somit gilt:
Jede Bemerkung des Sicherheitspersonals, welches der potentielle Fluggastanwärter mit „Ja“ beantworten muss, führt zu Verzögerungen im Prozess.
Jede Verneinung führt zu einer reibungsfreien Abwicklung seiner selbst als Risikopatients des reibungsfreien Flugverkehrs.

Und dann kommt der entscheidende Moment. Das Sicherheitsportal wird durchschritten (und das erst nach Aufforderung des Sicherheitspersonals!). Es ist der spannende Moment, bei dem das Gehör auf „Hab‘ acht!“ steht. Das nächste Geräusch kann entscheidend sein. Und der potentielle Fluggastanwärter stellt sich schon vorher die Frage, wie empfindlich wurde das Portal eingestellt. Fast jede Hose hat einen Metallknopf oder Metallreißverschluss. Die Brille ist metallisch. Oder das intime Piercing? Ist der Cockring abgelegt? Kein Witz, ich habe bereits welche kennengelernt, die sich extra ihren eisernen Cockring anlegen, damit sie vom Sicherheitspersonal befingert werden. :)

Ertönt kein „Piep“ vom Portal, hat der potentielle Fluggastanwärter die erste Hürde überwunden.
Piepst das Portal, stellt sich der Sicherheitsbedienstete einem direkt in den Weg und es heißt Arme und Beine ausbreiten und der Sicherheitsbedienstete fährt mit suchender Hand und einem Detektor den gesamten Körper ab, um die Ursache des „Pieps“ heraus zu finden.

Erst wenn der Suchende zufrieden ist, geht es weiter. Auf dem Transportband taucht das eigene Eigentum aus dem Scanner auf. Drei Meter läuft es auf dem band, bis der Eigentümer darauf zugreifen kann. Und dann geht heißt es, sich wieder ankleiden, sein Handgepäck an sich zu nehmen und nichts in den Schalen zu vergessen.

Wer jetzt in Zeitnot ist, wird anfangen zu sprinten und erweckt durch sein Rennen die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeamten vom BGS. Vom Portal bis an an den bewaffneten BGS-Beamten (einer mit MP) vorbei sind es 10 Meter. Um aus dem Sichtkreis der BGS-Beamten im Nadelöhr zu entschwinden, sind es weitere 10-20 Meter erforderlich.

Ein paar Mal bin ich schon in Zeitnot gesprintet und immer reagierten die BGS-Beamten: Sie schauten mich an und schauten auf das Sicherheitspersonal, um die Lage abzuschätzen. Sie hatten dazu immer an die 5 bis 10 Sekunden Zeit.

Und genau dieses lässt mich bei der Berichterstattung stutzig werden.

Fall 1:

Der Täter schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Damit hätte der so genannte Täter seine Notebooktasche am Portal gelassen. Ein einzelner Mensch mit Notebook in den Händen fällt den BGS-Beamten auf, ist ungewöhnlich und verdächtig. Desweiteren verbleibt noch das gesamte Handgepäck, denn in der Regel wird zuerst das Notebook und dann der Rest aufs Band gelegt. Das Sicherheitspersonal achtet darauf.

Fall 2:

Der Täter schnappte sich nicht sein Notebook und rannte weg.

Damit hätte der Mensch also das als potentielles Sprengstoffpaket entdeckte Notebook an den Portalen hinterlassen. Dem Sicherheitspersonal ist das nicht abgeholte Notebook erst später aufgefallen und die BGS-Beamten fiel keine Auffälligkeit auf. Der Passagier war also ungefährlich. Warum also dann das „Terminal 2“ absperren und nach einem Notebook mit Sprengstoff suchen lassen, wenn das Notebook samt Tasche doch am Portal noch lag?

Fall 3:

– Der Täter rannte ohne seine abgelegten Sachen und ohne Notebook weg.

Es gibt nichts besseres, um die Aufmerksamkeit der BGS-Beamten auf sich zu ziehen, als im Winter frühlingshaft gekleidet an diesen vorbei zu laufen. Zudem blockieren die Handgepäckdinge noch das Portal. Die Beamten hätten das selbst auf jener Distanz schnell feststellen können.

Fall 4:

– Der Täter zog sich an, schnappte sich sein Notebook und rannte weg.

Es ist die einzig wahrscheinliche Variante. Denn dieses passiert nicht selten, wenn Passagiere in Zeitnot sind. So etwas ist nichts ungewöhnnliches.

Aber bei all diesen Fällen fällt eines auf:
Der Befund auf Sprengstoff kommt vom Scanner. Im Falle eines Verdachtbefundes wird von den Monitoren der Sicherheitsbedienstete durch die Scannersoftware genau die verdächtigen Stellen in rot gefärbt angezeigt. Wenn also das entsprechende Notebook aufgrund der Sensorik der Scanner als verdächtig für Sprengstoff angezeigt wurde, gibt es nur eine Möglichkeit, warum das Notebook nicht gegenkontrolliert wurde. Das Sicherheitspersonal hat schlichtweg gepennt. Denn sollte das Personal gemerkt haben, dass das Notebook vom System als verdächtig eingestuft wurde und der Passagier rennt deswegen weg, dann hätten ihn die BGS-Beamten ohne Zweifel gestoppt.
Es lag also kaum an ein Übeles wollenden Passagier.

Gesetz des Falles es war so, wie viele Zeitungen wissen wollten, dass ein Fluggastanwärter in Wahrheit ein Terrorist mit Sprengstoff im Notebook ein Flugzeug sprengen wollte, dann wäre spätestens bei dessen Flucht das Verhalten in den ersten drei Fällen mit Sicherheit und im letzten Fall wahrscheinlich den BGS-Beamten aufgefallen. Aber der Fluggast fiel niemandem auf. Nicht mal der Scan des Systems des Sicherheitspersonals.

Die Aufregung ist jetzt groß. Es wird wieder spekuliert, wie man die Sicherheit nun doch wieder verbessern kann. Der „Nacktscanner“ kommt wieder ins Gespräch. Aber auch die Bezahlung des Sicherheitspersonals wird angesprochen.

Nur eines wird nicht angesprochen:
Der vorbeugende Gehorsam des Sicherheitspersonals ihren Chefs gegenüber. Denn dieser muss wohl für so einen Job unbedingte Voraussetzung sein. Entsprechend ist dann auch die Humorlosigkeit und Freundlichkeit des Sicherheitspersonals.

Ich erlebte es einmal wegen 50 von mir mitgenommenen „Schlüsselanhänger“ (kleine Kettenglieder aus gehärtetem Stahl an dem Leichtmetallring). Diese wurden mit weggenommen, weil sie eine Waffe darstellen sollten. Der Sicherheitsangestellte reihte vier mit dem Leichtmetallschlüsselring an seinem Mittelfinger auf, ballte die Faust um die Kettenglieder und meinte nun könne härter zugeschlagen werden. Der herbeigerufene Vorgesetzte interessierte sich für die Schlüsselanhänger kaum, sondern beharrte darauf, dass der Untergebene richtig geurteilt haben müsse.
Dagegen dürfen weiterhin die Akkus von Notebooks mitgenommen werden. Die sind zwar scharfkantig und massiv stabil, aber generell keine Schlagwaffe.

Jedes Mal, wenn ich in München die Portale passiere, habe ich das Gefühl hinter den Schleusen wieder in ein menschenfreundlicheres Gebiet zu stoßen. Ich kenne viele andere Flughäfen im Vergleich zu München. München und sein Sicherheitspersonal haben nicht nur bei mir sondern auch bei vielen Kollegen und Bekannten den Ruf der freundlichkeitsfreien Zone, direkt vor Düsseldorf.

Und München ist auch immer wieder DER Flughafen, bei dem Limousinen an die Flugzeuge mit Flugrichtung „Brüssel“ heranfahren und wichtige Personen direkt an die Gangway rangebracht werden. Die Fahrzeuge tragen Münchener Kennzeichen und gehören nicht zum Flughafen-Inventar.

Das Studium der Nachrichten gestern Abend und heute morgen der Print-Medien-Schlagzeilen hat mir wieder gezeigt, wie viel Wahrheit bestimmten Nachrichtenorganen eine Schlagzeile wert ist. Es stellte sich mir die Frage, wer von wem gedanken- und hirnlos abschrieb. Denn schon das Hinterfragen der gemeldeten Pseudo-Fakten hätte bestimmtes direkt ausschließen müssen, bevor es auf offiziellem Wege verbreitet wird.

Und es hat inzwischen noch etwas gutes:
Denn wer sich von den Journalisten und Politikern jetzt meldet und aufgrund eines menschlichen Fehlers mehr Maßnahmen fordert, der ist unter den Hirnbefreiten garantiert König.

Und noch etwas in meinen Augen sehr merk-würdiges:
In keiner Zeitung wird die strategische Positionierung von den zwei mal zwei BGS-Beamten am Münchener „Terminal 2“ erwähnt. Es wird jetzt allein auf unzuverlässiges Sicherheitspersonal abgezielt. Aber niemand hinterfragt diese Positionierung und warum es so lange gedauert haben soll, bis die Bundespolizei informiert worden sei …
Das ist wirklich merk-würdig.
Und dann ist der ganze Bereich videoüberwacht. Das Filmen hatte wohl funktioniert, aber die Auswertung nicht. Diese obliegt der Bundespolizei, nicht der Sicherheitsfirma. Wenn diese Auswertung so miserabel ist, dann sollte auch dort angesetzt werden. Oder ist das unzulässig? Begehe ich hiermit Häresie?

Fakt ist, dass die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen München inzwischen rechte Schikanen für Fluggastanwärter sind. Wer mit Münchener Flughafenpersonal in deren Freizeit ins Gespräch kommt, erfährt, dass das Sicherheitssystem am Münchener Flughafen nur an den Portalen überdimensioniert ist, aber dort wo die Portale nicht sind, schwachbrüstig ist.

Egal. Fliegen ist schon lange keine Dienstleistung, die man nur mit Geld bezahlt. Man zahlt auch mit vorbeugendem Gehorsam, Kritikverzicht und Folgsamkeit seltsamen Regeln gegenüber. Und man ordnet sich diesem System hierarchisch unter.
Genau dem Modell des Sicherheitspersonals: vorbeugendem Gehorsam, Kritikverzicht und Folgsamkeit.
Man gibt mit seinen Habseligkeiten die eigene Mündigkeit an den Sicherheitsportalen ab. Weil es andere unbedingt so wollen. Und es wird noch mehr Demut erforderlich sein, um zu fliegen. Weil es andere so wollen. Und nicht weil der Fluggast es so will.

Und irgendwann geschieht das, was bereits am internationalen Flughafen „Tom Jobim“ in Rio de Janeiro passierte: ein Fluggast musste zur Sicherheitskontrolle seine Hosen runterlassen …

(Edit 22:40 Uhr:
Ich lese gerade in der „Süddeutschen Zeitung Online“, dass die den Aufbau der Sicherheitsschleuse mit den BGS-Beamten dahinter ebenfalls hinterfragen und Unstimmigkeiten in der offiziellen Version festgestellt haben. Die „Süddeutschen Zeitung Online“ ist zwar für mich nicht mehr das Maß der journalistischen Dinge, aber immerhin zeigen die dort, dass deren Journalisten sich anfangen, eigene Gedanken machen.)

Die Quintessenz

Je weniger man weiß, um so mehr muß man glauben.
Glauben ist einfacher als denken.

Prominente durch Schweinegrippe bedroht (Fake der Woche)

Es ist die Meldung, die die Redaktionen von „Punkt 12“, „total“, „Brisant“, „Prominent“ und „taff“ aufgeschreckt hat:
Wie uns Mitarbeiter, die ihren Namen nicht nennen wollten, mitteilten, bedroht die Schweinegrippe – auch unter dem Namen „H1N1“ bekannt – auf Mallorca nicht nur normale Touristen sondern inzwischen auch schon völlig harmlose, unschuldige Prominente.

„Wenn uns wegen der Schweinegrippe unsere Prominenten wegsterben sollten, dann sind in unserer Redaktion nicht unerheblich wenige Arbeitsplätze bedroht“, erklärte uns Alfred T., ein Leiharbeiter aus der Pro7-Redaktion.

Alfred T.’s Befürchtungen sind nicht unberechtigt. Noch ist kein Prominenter der A-, B- oder C-Klasse erkrankt oder gar gestorben, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es weniger Promis als normale Menschen gibt. Und gerade wegen deren geringen Anteil an der Normalbevölkerung sind Promis besonders durch die Krankheit bedroht.

Auch Petra F., Mitarbeiterin aus einem ARD-Vorabend-Boulevardmagazin, deren Name sie nicht genannt haben wollte, erklärte uns: „Es ist absolut berechtigt, sich darüber Sorgen zu machen. Wenn uns die Promis an der Schweinegrippe wegsterben, dann wird sicherlich darüber diskutiert werden müssen, ob Redaktionsstäbe nicht unerheblich verkleinert werden müssen, ob Mitarbeiter freigesetzt werden müssen. Die Schweinegrippe bedroht unseren Berufsstand.“

High Society-Expertin Klara Denk: „Ja, aufgrund ihres Standes sind auch Adlige und Promis nicht automatisch vor Krankheiten geschützt. Insbesondere herrscht ja hier eine Gefahr, dass die C-Promis den ganz normalen Menschen begegnen wollen, um sich ihren Promi-Status zu versichern, und sich dadurch Krankheiten einfangen und diese dann sukzessive an B-Promis und diese dann an A-Promis und Adlige weitergeben. Insofern herrscht wirklich schon eine Beunruhigung auch in Königshäusern. Denn nicht alle Königshäuser haben ihre Erbangelegenheiten eindeutig geklärt.“

Mittlerweile soll Lorenzo Loriella London – bekennende, bekannte Transe aus den DSDS und dem DschungelCamp – bereiterklärt haben, sich als erster Promi mit der Schweinegrippe anstecken zu lassen, damit ein Kamerateam den Verlauf der Krankheit für deren Fernsehzuschauer dokumentieren kann. Als Bezahlung soll er/sie/es sich eine Silikonaufpolsterung seiner Pobacken ausgehandelt haben.

Wir bleiben für Sie am Ball und berichten sobald Lorenzo Loriella London bei dem Selbstversuch gestorben sein wird.

Guten Tag.

Das jüngste Gerücht (Fake der Woche)

Michael Jackson soll Selbstmord begangen haben. Nachdem ein Pater dem Jacko einen Film über barocke Engelsputten vorführte und meinte, dass solche Putten den Himmel bevölkern würden und auch auf Jacko zu Diensten sein würden, da wollte Jacko einfach nicht länger warten …