Über Careca

Hang zur Satire, zur Ironie und zum Zynismus; Sinn für jeden Unsinn

Das Feuchtbiotop – Tag 1 (Zusammenfassung)

Der gestrige Tag hielt schon die erste Überraschung parat.

Kandidat Nummer 9 und 89malige Nummer 13-Träger des DFBs, Michael Ballack, musste kurz nach dem Einzug leider seine Sachen wieder packen. Er habe einen Termin beim Münchener Bussi-Bussi-Starfriseurladen „baSH Club“. Der von Joachim Löw kontrollierte Leitwolf Ballack monierte, seine Fönfrisur sei ein wenig zu lang geworden und so könne er nicht arbeiten.

Kaiser Franz kommentierte später die Szene knurrend: „Manchmal sind mir die Empfindlichkeiten ein bisschen zu groß. Das ist ein Mimosenhaufen geworden, das ist schier unglaublich. Die sollen ihren Mund halten und Fußball spielen.“

Als die restlichen Kandidaten bestürzt die Nachricht erhielten, dass Ballack wieder gehen würde, wollten sie diesem einen Dankes-Brief für seine Teilnahme schicken. Das Vorhaben scheiterte am Porto. Peter Graf hatte zwar einen 50 Euro-Schein für Briefmarken und von Brauchitsch den entsprechend adressierten Briefumschlag mit Inhalt („wg. Ballack“) gestiftet, jedoch konnte Zumwinkel keine Auskunft darüber geben, welche Briefmarke auf dem Brief geklebt werden müsse. Als Ersatz stimmte Freddy Quinn stattdessen auf einer Gitarre im Duett mit Patrick Lindner ein wohl gelauntes „Junge, komm bald wieder“ an.

Während Boris Becker und Peter Graf sich im Hintergrund über Steffi und Grafiker im allgemeinen unterhielten, wurde Paul Schockemöhle derweil als erster von den Zuschauern rausgewählt. Paul Schockemöhle verzichtete auf seinem ihm zustehenden Kontostand zugunsten notleidenden Unternehmern und Bänkern und übergab das erhaltene Geld der Moderatorin Verona Poth. Diese leitete den Betrag direkt und unverzüglich weiter und Franjo bedankte sich darauf artig für den erhaltenen einen Euro.

Kurz vor dem Schlafengehen erhielten dann die Campbewohner noch die bereits ersehnte Prüfung. Die Gruppe sollte darstellen, wie es ist, wenn man kein Geld mehr hat und deshalb am Stock gehen muss. Otto Graf Lambsdorff bewältigte die Aufgabe wortlos mit seinem Stock im Alleingang bravurös binnen Sekunden.

Als Belohnung für diese erfolgreich absolvierte Prüfung erhielt jeder aus der Gruppe ein Konz Taschenbuch. Die enthusiastische Freude über 1000 ganz legale Steuertipps für das Jahr 2008 wurde dann aber von jedem Teilnehmern in deren Bescheidenheit gekonnt versteckt.

Das Feuchtbiotop – Prolog (Die ultimative Fernseh-Show)

Meine Damen und Herren,
liebe Fernsehzuschauer,
liebe lesende Schwerhörige auf Videotexttafelseite 351,
liebe sehbehinderte Zuhörer mit Bildsuchlauf,
liebe Kinder und Kleinstkinder
ich begrüsse Sie hier vom ehemaligen Bochumer Kohlebergwerk „Zeche Hannover“ zu unseren neuen Show

„Das Feuchtbiotop“.

Unter der Leitung des reizend insolventen Moderatorenpaares Verona und Franjo Poth werden 9 Kandidaten bekannt aus Sport, Politik, Werbung, Wirtschaft und Fernsehen für Sie daheim an den Fernsehgeräten spannende und lehrreiche Prüfungen bestehen.
Prüfungen, die sich gewaschen haben.
Prüfungen, bei denen die Kandidaten beweisen können, wie sie waschen können. Und zwar Geld. Schwarzgeld. Sie werden uns Tipps geben, wie Geld wieder blütenweiß wird, ohne zur Blüte zu gelangen. Sie werden Tricks erfahren, bei denen Hartz-4-Bürger begeistert Bröckchen lachen werden. Von denen selbst Steinmeier und Merkel noch was lernen können.

Eine Woche lang werden 9 Kandidaten genau dort wohnen, wo die Steuerfahndung sie bereits schon einmal aufgegriffen hatte: am monetären Feuchtbiotop, dem Steuerhinterziehungssumpf.

Sie, liebe Menschen daheim an den Fernsehgeräten, werden Zeuge einer spektakulären Krötenwanderung. Und wie sich unsere Kandidaten für deren Kröten mit Herz und Hirn einsetzen, dass keine Kröte überfahren wird. Sie werden den Kröten Tunnel graben und egal wie schleimig sie ausschauen mögen. Sie werden ihre Kröten herzen, knuddeln und liebkosen.

Seien Sie dabei, wie unsere staatlich geläuterten Kandidaten sich über Steuersparmodelle austauschen werden. Wie sie ihre Mäuse hegen und pflegen, ohne dabei das Mausen zu lassen. Wie sie ihre Knete kneten, ihre Asche äschern, ihren Zaster rastern und hier an der ehemaligen Zeche ihre Kohle fördern, während die Zeche von anderen bezahlt wird.

Sie werden über ihr Vorstrafenregister philosophieren und darüber, welche Posten sie bei renommierten Unternehmen zur Resozialisierung als Straftäter erhalten oder erwirtschaftet haben.

Aber auch für Sie ist dabei etwas drin.
Sie lernen nicht nur was fürs Leben. Sie können auch was gewinnen. Sagen Sie uns, wer von den Kandidaten Ihr Sumpf-Favorit ist, und gewinnen Sie mit etwas Glück die Abwrackprämie von einem dieser Steuerhinterzieher und dessen steuerermäßigten Luxusauto im Werte von 2.500 Euro.

Überweisen Sie dazu jeweils immer ein Euro auf das Konto eines der Kandidaten und der mit dem niedrigsten Kontostand scheidet aus.
Jeder Kandidat erhält beim Ausscheiden seinen Kontostand steuerfrei als Gewinn ausgezahlt. Der Sieger am Schluss der Woche erhält zusätzlich noch eine Siegerprämie von 60.000 Euro aus dem Sozialfonds für straffällig gewordene Prominente.

Als hochkarätige Kommentatoren, die ihren Senf zu den ausgeschiedenen armen Würstchen geben werden, konnten wir seine Hoheit den Kaiser Franz Beckenbauer – ein in Österreich lebender Millionär – und seine Durchlaucht den Flitzer Michael Schuhmacher – ein in der Schweiz lebender Millionär – verpflichten. Regelmäßig werden sie die Steuerspartipps kommentieren und auch von ihren Erfahrungen mit Steueroasen berichten.

Das ganze haben wir für Sie mit den 25 Jahren Erfahrung im Privatfernsehbereich in vorzüglichem High-Tech aufgerüstet:
Die Bilder aus dem Sumpf-Camp werden in HDTV und Dolby-Digital 5.1 ausgestrahlt. Damit können Sie den ganzen Sumpf noch deutlicher sehen und Ihnen wird kein noch so kleines Geräusch entgehen.

Und hier die Kandidaten!

Kandidat Nummer 1:
Boris Becker

Namensgeber der „Becker-Rolle“ am Netz (nicht zu verwechseln mit seiner in der Öffentlichkeit bekannten „Prinzenrolle“ für dunkles) mit nachfolgender Becker-Faust. Die „Becker-Rolle“ ist auch als „Becker-Hecht“ bekannt. Hierbei handelt es sich bei dem „Becker-Hecht“ nicht um ein Tier und er darf auch nicht mit der philippinischen „Bufonaria borisbeckeri„-Schnecke verwechselt werden. Aber Namenspate für die Schnecke ist Boris Becker trotzdem.
Desweiteren ist BB legendär wegen seines bekannten postorgasmischen Ausrufs „Ich bin drin“. Drin ist er nicht nur im Internet sondern auch als Poker-Face in der Werbung und ebenfalls damals auch als Hauptdarsteller von Gerichtsverhandlungen.

Kandidat Nummer 2:
Joachim Albrecht Eberhard Kurt Konrad Ferdinand von Brauchitsch

Ein Mann mit verdammt langem Namen und noch verdammterer Flick-Spenden-Affäre-Karriere. Er bewies, dass er ein Meister im Verpacken von Geldscheinen in Briefumschlägen ist. Er gilt ferner als Erfinder der Abkürzung „wg.“ (wegen), mit der die Spenden gezeichnet wurden („wg.“ gefolgt vom Namen des Empfängers). Prominente Empfänger dieser Briefumschläge waren unter anderen Franz Josef Strauß, Helmut Kohl, Walter Scheel (FDP) und Hans Friderichs (FDP).
Ein weiterer Empfänger hatte auch so einen Briefumschlag erhalten und dann nicht versteuert. Jener Briefumschlag wurde nach unbestätigten Gerüchten nur deswegen gefunden, weil der Name darauf fast so lang wie der von Brauchitsch war. Er hieß …

Kandidat Nummer 3:
Otto Friedrich Wilhelm von der Wenge Graf Lambsdorff

Ein Musterbeispiel für resozialisierte Kriminelle mit Krückstock. Ihm wird fälschlicherweise der legendäre Satz „Geld? Brauchitsch nich“ untergeschoben. Straffällig geworden und am 16. Februar 1987 rechtswirksam vorbestraft half die FDP ihm im Jahre 1988 auf den Parteivorsitzsessel.

Kandidat Nummer 4:
Klaus Peter Richard Otto Zumwinkel

Das neue schwarze Schaf vom Niederrhein, ein erfolgreicher Briefmarkenkleber (feuchte Zunge, trockene Rede), Manager des Jahres 2003, Sprachpanscher des Jahres 2002, ausgezeichnet mit dem Medienpreis Bambi, dem Großen Bundesverdienstkreuzes und einen weiteren Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Er war beinahe erfolgreicher Gründer der Liechtensteiner Pseudo-Stiftung „Devotion Family Foundation“.

Kandidat Nummer 5:
Patrick Lindner

Schlagersänger, Moderator, Schauspieler und für ältere Frauen der ideale Schwiegersohn, der niemals seine Frau mit anderen Frauen betrügen würde.

Kandidat Nummer 6:
Freddy Quinn

Ebenfalls Schlagersänger, Moderator, Schauspieler, dazu noch Artist, Bundesverdienstkreuzträger I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und Inhaber der Biermann-Ratjen-Medaille. Der gute alte Freddy, der nicht mit Gammlern verwechselt werden will.

Kandidat Nummer 7:
Paul Schockemöhle

Springreiter, Fast-Olympia-Sieger, ehemaliger Pferdebarrer und jetziger Geschäftsmann.

Kandidat Nummer 8:
Peter Graf

Gelernter Versicherungskaufmann und Gebrauchtwagenhändler. Auf Basis dessen weitergebildet zum Tennistrainer, ehemaliger Finanzberater von Boris Becker und Vater von Tennis-Wunderkind Steffi Graf.

Kandidat Nummer 8:
Michael Ballack

Balltreter, mehrfacher „Deutschlands Fußballer des Jahres“-Sieger und Liebhaber von unverzollten Handtaschen aus Schlangenleder.

Meine Damen und Herren!
Das Spiel beginnt!

Die Sumpfcampbewohner werden vorgefahren und steigen aus. Von luxuriösen Stretchlimousinen über Audis Q7 bis hin zum röhrenden weißen Hummer ist alles, was bedeutenden Hubhohlraum unter der Haube hat, vertreten.

Keine Sorgen, meine Damen und Herren.
Die Fahrzeuge, die Sie jetzt sehen sind zwar alles spritfressende SUVs, aber jedes einzelne Fahrzeug hat die grüne Plakette, so dass man mit denen auch innerhalb den Umweltzonen der Großstädte schnell von Tankstelle zu Tankstelle kommt.

Ich denke, wir lassen die Bilder auf uns wirken und schalten jetzt wieder zurück nach Köln. Zur Werbung.

(Diese Sendung wurde Ihnen gesponsert durch die Dresdner Bank und staatliche Commerzbank. Ihre Beraterbank. Das ist nicht mehr normal für eine Bank …)

Logisch

Die Deutsche Telekom will bis zu 3500 neue Mitarbeiter einstellen.
Wie bitte? Ich dachte wir leben in ner ernsten Krise. Da müssten doch Stellen abgebaut werden. Ist aber nicht.
Warum?
Ganz einfach.
Die Leute, die inzwischen weniger arbeiten (Kurzarbeit oder Stellenstreichung) haben mehr Zeit zum Telefonieren … ja, das ist logisch, das wird es sein …

Die Geschichte von Böcken und Gärtnern und deren Berufe

Seltsam, da beteiligt sich der Staat an einer Bank in Finanznot, der Commerzbank. Nun gut, so sahen es die Hilfen ja vor, damit Banken mit maroder Wirtschaftung nicht den Bach runter gehen.

Da fielen mir die Landesbanken von NRW und Bayern ein. Rüttgers und Huber sagten unisono, dass sie nichts von deren Misswirtschaft wussten, obwohl die Länder mit in der Verantwortung der Landesbanken stehen.
Und dann war da noch die KfW. Die stand ebenfalls bereits unter staatlicher Überwachung.
Tja, weder die Politiker noch die Bankiers konnten sich dran erinnern etwas falsch gemacht zu haben.
Wieso da was falsch lief, das wusste sich niemand zu erklären. Shit happens. Dumm gelaufen. Silly running …

Wahrscheinlich nur ein Déjà-vu von mir. Alle sind ja jetzt klüger geworden. Es heißt ja bekanntermaßen, dass Schaden die Weisheit entwickelt, weil man aus Schaden klug wird. Das bei solchen Fälle die Auswahl zwischen Pest und Cholera geboten wird, das beruhigt nicht wirklich. Da keiner Schläge auf deren Hinterkopf erhalten hatte, wird wohl auch das Wachstums des Denkvermögen als Null- bis Negativwachstum verbucht werden müssen.

Jump you fuckers

„‚Jump! You Fuckers!‘ Eine Ermunterung aus persönlichem Fehlverhalten Konsequenzen zu ziehen.“

(von dem preußische Rentner Lothar Dombrowski alias Georg Schramm vom 25-November-2008 aus der ZDF-Serie „Neues aus der Anstalt“)

Als die Nachricht vom Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckles bekannt wurde, fiel mir genau jene obige Szene ein.

In einem Kommentar in der „Süddeutschen Zeitung“ hatte Marc Beise für mehr Verständnis und eine verbesserte Fehlerkultur gebeten, die Fehler erlaubt, um aus ihnen zu lernen.

Ein Verfechter der Selbstmordforderung bin ich überhaupt nicht. Das japanische Selbstmordritual ist mir widerwärtig. Selbst dem palästinensische oder islamistische Selbstmordritual kann ich nicht das geringste abgewinnen. Sich der Verantwortung durch Selbstmord zu entziehen, ist feige. Für das, was man angerichtet hat, keine Verantwortung übernehmen zu wollen, das ist feige.
Die Zeitungen üben sich plötzlich in vornehmer Pietät und verwenden das Wort „Freitod“. Wie schön. Tod aus freien Stücken.

Wenn ein normaler Arbeiter einen entscheidenden Fehler macht, dann sucht man Forderungen nach einer verbesserten Fehlerkultur vergeblich. Da werden eher Forderungen nach Entlassung und Hartz-4-Laufbahn laut.
Wenn ein Manager zockt und verliert, dann sollte er nachher versuchen, seine Fehler in ihrer Konsequenz zu vermindern. Sich um deren Opfer zu kümmern.

Wer gewinnen will, dem muss auch ganz klar sein, wie die Konsequenzen einer Niederlage ausschauen (worst-case-Szenario). Gehe ich morgen zur Bank und nehme einen Kredit auf und kaufe mir davon Lottoscheine, dann muss mir schon klar sein, was passiert, wenn ich plötzlich keinen einzigen Treffer lande.

Die Arbeiter, die durch Adolf Merckle in Brot und Lohn standen, werden sich sicherlich verwundert entsetzt die Augen gerieben haben. Da hat sich der oberste Chef nach egomanischer Spielsucht einfach aus dem Staube gemacht …

Das, was man den Hedgefonts mit dem Wort „Heuschrecken“ vorgeworfen hat, passierte in deren eigenem Betrieb. Unten wurde gearbeitet, oben gezockt. Als das Wort „Heuschrecken“ für diese Art des neoliberalen Wirtschaftens geschaffen wurde, da schrien deutsche Manager auf und empfanden das als tiefe Beleidigung ihres wirtschaftlichen Tuns.
Offensichtlich hatte der Begriff genau das beschrieben, was die Manager ja alle nicht sein wollten.
Und nun sehen wir die Dominosteine fallen. Ein bisschen aus Self- fullfilling Prophecy, ein bisschen aus Krise, ein bisschen, weil man es so will. Die Einschläge kommen näher. Da bleibt zu hoffen, dass man sich selber nicht unter einen dieser Dominosteine aufhält.

In einer Buchhandlung fand ich die aktuellen politischen Bücher aufgestellt. So zwischen Abhandlungen zur Terrororganisation RAF und den Erinnerungen an eine rot-grüne Regierung, findet sich die provokante Aufforderung von Friedrich Merz mehr Kapitalismus zu wagen. Na, dann wollen wir mal mehr wagen. Wo ist die nächste Zockergelegenheit?

buecher

Tja, und im gesamten Bücherstapel lächelt huldvoll von oben milde der Bischof Marx mit seinem „Das Kapital“. Für seine Namensgleichheit mit Karl Marx kann er nichts, für die Titelgleichheit mit dessen Buch aber schon.

Crosstraining – Vorbereitung aus Superwahljahr

Europawahl, Bundestagswahl, Bundespräsidentenwahl, Neuwahl, Altwahl, Abwahl, Wiederwahl, Wahlkampf, Wahlplakate.

Ich habe mir schon ein kleines kariertes Blatt hervorgeholt und übe fleißig Kreuzchen machen.

Aus der letzten Bayernwahl (CSU ist ja begeisternd grausam abgestürzt)haben die Wahlmänner die Lehren gezogen. Die Kugelschreiber und Bleistifte zum Kreuzchen-machen werden nicht mehr einfach nur am Wahltisch so ausliegen. Ab sofort wird das Schreibzeug wieder an einem sehr kurzen Band geführt. Dann geht die freie Reichweite des Schreibzeugs nur maximal bis zu den Kästchen der C-Parteien. Jedoch soll es trotzdem Intelligenzler geben, die es schaffen, den Wahlzettel so zu verbiegen, um auch woanders ihr Kreuzchen machen zu können …
… aber egal, für eine einfache Mehrheit der C-Parteien sollte die Schreibzeuganbindung reichen …

Still, still, still …

Geschafft?

Ich sitze in meiner Kneipe und schau um mich herum. Es ist ruhig. Raucherschwaden ziehen an mir vorbei. Raucherclubzeit.

Hier und dort steht ein Mädel im allerneusten Zobel. Scheint wohl ein Weihnachtspräsent zu sein.

Stammt der Zobel eigentlich vom Hund ab? Muss deswegen ein Zobel als Kleidungsstück immer Gassi geführt werden? Und wenn in Kneipen, kann ich dann auf Tierquälerei pochen?

Ich schau mir die schwarzhaarige Frau in ihrem niegelnagelneuen Zobel an. Ihr Lachen ist eine Granate und beflügelt die Phantasie.

In Gedanken sehe ich das Stück Zobelfell an ihr herabgleiten und ihre elfenbeinfarbene Haut freilegen …

– Und? Weihnachten überlebt?

Klar, wer das war.

– Es gab rheinischen Riesling statt Kölsch.

– Trocken?

– Staubig trocken. Trockener als die Wüste Sahara.

Er seufzte.

– Jaja, so sind wir Deutschen. Bei uns muss alles trocken sein. Lieblicher oder halbtrockener Riesling, das ist nur etwas für Weicheier.

– Jener Riesling war nur eine Flaschenlänge vom Essig entfernt.

– Das nennt man „erfrischende Säure“ und leicht erfrischendes Zitronenbouquet.

– Quatsch! Das ist staubiger Essig. Und seltsamerweise hat jeder den Riesling als Einmaligkeit gelobt. Als ich dann vom halbtrockenen oder lieblichen Riesling mit dementsprechenden charakteristischen Aprikosenaroma erzählte, wäre ich fast gesteinigt worden.

Wir schauten in unsere Kölschstange. Neben uns hatte einer ein Hefeweiße mit einer Scheibe Zitrone empfangen. Muss wohl schön machen. In Karlsruhe serviert man Hefeweizen sogar mit Bananensaft. Wenn es schön macht, intelligent macht es auf alle Fälle nicht. Denn sonst wäre sowas schon ausgestorben …

Jede Jeck ist halt anders.

Er schien meine Gedanken erraten zu haben:

– Jeck, loss Jeck elans!

Ich nickte. Der Wirt tauschte wie immer kommentarlos meine leere Stange gegen eine volle Stange aus.

– Du warst schon lange nicht mehr hier.

Wenn mein Kneipenkollege etwas raus hatte, dann war es sein unwiederstehlihcer Unschuldsdackelblick.

– Naja, das Leben ist halt kein Stammtischlokal.

– Sondern?

– Maximal Fluchtpunkt Stammkneipe.

– Mit welcher Stammtischhoheit?

– Alles für den Dackel, alles für den Club!

– … unser Leben für den Hund. Wenn das nur der Herr Makielski wüsste.

Ich lachte. Ja, Hausmeister Krause und sein Herr Makielski, die würden mir hier noch fehlen.

Verdammt, das ist schon einige Zeit her, als ich dem Tom Gerhard in der Kneipe in der Kölner Kyffhäuserstraße am begegnet war. Und dann etwas später auf der Straße am Friesenplatz. Offensiv hatte ich ihn begrüßt. Direkt die Hand hingehalten und „Hallo“ gesagt. Ich erkannte ihn, er kannte mich nicht. Logischerweise. Ich hatte von ihm kein Autogramm verlangt, nur seine Hand geschüttelt (inzwischen vor zeugen schon mehrfach mit Wasser und Seife behandelt worden!). Und wahrscheinlich dachte er nur „Scheisse, bin ich bekannt“. Und ich dachte in jenem Moment nur „Scheisse, ist der bekannt“.

So ist halt die Gewaltenteilung zwischen Promi und Fußvolk: Ich erinnere mich an ihm, aber er sich sicherlich nicht an mich. Der Glorienschein Tom Gerhards scheint bei diesem Bericht auf mich herab und nicht umgekehrt. Wenn das der Herr Makielski wüsste.

– Gehste noch weiter?

– Nö, mir langt das Kölsch hier.

– Ich muss leider wieder zurück.

– Müssen?

Er lachte.

– Ich sagte ihr, ich sei mal kurz zum Zigarettenholen.

– Oha. Ehekrach?

– So in etwa.

– Hattet ihr zuviel Zeit zwischen dem Reden euren gesammelten Vorbehalten negativen Ausdruck zu verleihen?

Er schaute mich verwundert an.

– Ist da was in deinem Kölsch, oder was? Machst du mit mir ne Dissertation zwischen zwei Bestellungen?

Er winkte den Wirt ran und legte zwei Zehner auf die Tresen.

– Mach dem Spinner hier noch nen Kölsch und halt mich dann ab.

Ich schaute in mein Glas. Kohlensäureperlen stiegen auf und zerplatzen an der Oberfläche. Und je genauer ich hinschaute, um so mehr erschienen mir die Blasen wie Sterne. Wie Sterne, die vielen schnuppe sind. Deren Bahnen waren zickzack, nie geradlinig. Hatte darüber schon wer eine Dissertation geschrieben? Über die stochastische Verteilung der Aufstiegsbahnen von Kohlesäurebläschen?

Ich zerstörte weitere eigene Analysen durch einen beherzten Schluck aus meinem Kölschglas.

Ich suchte die schwarzhaarige Frau im Zobel. Aber ich fand sie nicht mehr. Die Kneipe erschien mir inzwischen verdammt leer.

– Trinkst du aus? Ich mach jetzt zu.

Ich war der letzte Gast. Trinken, zahlen und aus der Kneipe wanken, das sind Sachen , die ich aus dem eff-eff beherrsche.

Die Straße ist still. Eine Stille, wie bei einer Beerdigung. Kaum Menschen zu sehen. Im Grunde gehört mir die gesamte Straßenbreite. Ich versuche die Mitte vom Bürgersteig einzuhalten. Aber die Welt unter meinen Füssen scheint zu schwanken. Sie scheint dem Kölschen Takt zu folgen.

Die Häuserfronten gähnen mich schweigend an.

Es ist Weihnachten.

Mein Schlüssel fndet mühseelig das Schloss. Ich wanke zu meinem Bett und sinke hinein.

Weihnachten?

Na und?

Morgen ohne Sorgen (Fake der Woche)

Am Morgen ohne Sorgen geht die Sonne auf
Und klettert fröhlich unbeschwert den Himmel rauf

Man sieht die Menschen singend durch die Straßen gehn
Denn heute Nacht, da ist es geschehn.

Es zuckte durch die Dunkelheit ein rosa Strahl
Und änderte den Weltenlauf fundamental.

Fortgeweht ist alles, was uns drückt und ödet
Denn heute nachs sind alle
Reichen und Mächtigen
auf der ganzen Welt
ganz und gar
verblödet.

Doubleju Busch lässt die Anti-Terrorkriegsspiele stehn
Nimmt sich ’ne Flasche Bier und will die Sportschau sehn.

Gordon Brown läßt die Zügel schleifen
Will nur noch mit John Major im Hyde-Park reiten.

Der Steinmeier vergißt das ganze Finanzwesen.
Geht erst mal auf’s Klo, den neuen Playboy lesen.

Die Merkel hat den 500-Euro-Bogen raus
Sie fährt nach Disneyland und tanzt mit Mickymaus.

Ackermann schafft jetzt den Kapitalismus ab
Weil er mit ner Kubanerin ’ne Beziehungskiste hat.

Lafontaine gibt sein Parteiamt auf,
Weil er auf einmal seine Reden selber glaubt.

Der Papst hat heute keinen Bock
Und stopft sein ganzes Taschengeld in den Opferstock.

US-FED-Bank Chef Bernanke träumt voll Genuss
Sehnt sich nach dem Geschmack von Alan Greenspans Bruderkuss.

Nights in white memories

Private Weihnachtsfeier. Ohne Chef und nur mit denen, die auf gutes Arbeitsklima achten. Wenige administrative, dafür um so mehr operative Mitarbeiter. Zu den letzteren gehöre ich nicht, bin aber trotzdem dankbar von denen eingeladen worden zu sein. Ja, ich empfinde es als Auszeichnung. Das ist mir mehr Wert als Mehrwert auf dem Konto.

Ist es jetzt stark am Stauben? Tue gutes und rede darüber. Oder etwa nicht? Oder etwa doch?
Ach, mir doch egal. Ich han ne jeile Zick jehabt.

Der Rückweg durch ne weiße Landschaft, weil der Bus schon weg war. Ich kann Schnee nicht riechen. Jetzt ist er da und mein Riecher hatte mir nichts gemeldet.
Schnee.
Auf Tannenspitzen die güldene Stille blitzend wunderbar.

Damit wir uns nicht mißverstehen, ich hasse Schnee. Eis akzeptiere ich eigentlich nur im Longdrinkglas. Andererseits müsste ich mich schon seit langem an Kälte gewohnt haben wie das Schaf an den hungrigen Lämmergeier. Winter ist halt so.

Mir ist trotzdem frostig.

Der Abend wärmt mich noch. Auch ohne Glühwein oder anderen spirituellen Dingen.
Mir ist inwendig warm …

Veröffentlicht unter Privat