Nur zu Besuch, bei einem AfD-Wähler

Schalker Barock, war mein erster Gedanke, als ich den Couchtisch vor mir sah. Ein Nierentisch, wie ich ihn früher öfters sah. Nur Schalke lag weit weg, also musste es sich hier um Freiburger Barock handeln. Dieses niedrige Glastischchen stand mit bunter Vielfalt an Zeitschriften, Papieren und geöffneten und ungeöffneten Briefen bedeckt direkt vor der hellen Couch. Sie stand raumgreifend vor der breiten Wand, vielleicht vier, fünf Meter lang, mit der obligatorischen Menschen-Ablagefläche, die wie eine Zunge sich in den Raum rausstreckte und nur in einer Richtung wies. Und richtig, in der Richtung stand montiert auf einem Ständer ein Fernsehschirm an der Wand gestellt. Kein großer Fernseher, vielleicht ein 40-Zöller oder so. Dessen Kabel liefen auf die Couchzunge zu und verschwanden unter ihr. Wahrscheinlich befand sich die Steckdose hinter der Couch. Die Fernbedienung des Fernsehers konnte ich zwischen den Kissen auf der Couch ausmachen. Um sie herum lagen vielleicht anderthalb Dutzend Kissen herum. Zerknautscht, zerknuddelt oder zerdrückt von hohem Körpergewicht. Einige der hellen Kissen wiesen Flecken auf. Andenken an Kaffee, Tee oder anderen Malheuren.

Lediglich an den beiden Enden der Couch befanden sich jeweils zwei dunkle Kissen, ordentlich, aufrecht, drapiert mit dem berühmten deutschen Handkantenschlag, zwecks obligatorischen Kniff in deren Mitte. Diese vier Kissen erschienen wie straff organisierte wilhelminische Soldaten, Parade stehend und auf deren Einsatzbefehl wartend. Sie kannten wohl noch jene vergangene Zeit, als die Couch gesäubert und geordnet war. Es musste einige Zeit vergangen sein, denn ich glaubte, eine leichte Staubschicht auf denen zu erkennen.

Zwischen all den Zeitschriften und Papieren auf dem Couchtisch machte ich einen Teller mit Brotkrümeln aus. Daneben stand eine fast leergetrunkene Kaffeetasse mit einem Löffel drin. Der Rest Kaffee krustete am Boden und Rändern der Tasse und wartete auf den Abräumdienst des Hauses. Eine Zeitschrift lag umgedreht davor. Compact.

»Du liest Compact?«

»Man muss sich informieren.«

»Aber Compact …«

»Ich lese auch andere, nicht nur solche. Im Internet gibt es auch sehr interessante Magazine und Blogs, die wirklich lesenswert sind.«

»Aber …«

»Nur Mainstream-Medien lesen, echt jetzt, da verblödet man literally, das wollen die doch. Darum lese ich andere. Das heißt aber nicht, dass ich alles glaube, was ich lese. Klar, die machen ebenfalls deren Framing und Compact glaube ich auch nicht alles. Aber die schreiben tendenziell ehrlicher als die anderen, welche versuchen, mit deren Framing per Zeitung und Fernsehen ihre Ansichten in uns reinzupeitschen.«

»Das glaube ich nicht.«

»Das ist keine Sache des Glaubens, sondern des Wissens.«

»Du redest wie BILD-Zeitungsleser, die sagen, dass sie wüssten, dass BILD vorsätzlich belügt. Nur, der Sport-Teil sei super und zudem habe BILD den Finger am Puls der Zeit, was deren Überschriften doch klar beweisen würden, meinen die.«

»Dein Vergleich ist Quatsch!«

»Du liest BILD?«

»Natürlich nicht. Mainstream. Und nebenbei gesagt, der Sport-Teil von denen hat ja auch nachgelassen.«

»Aber dafür Compact, oder? Haben die auch einen Sport-Teil?«

»Also deine Ironie ist daneben, tatsächlich. Hast du mal ein Heft vom Elsässer gelesen?«

»Elsässer?«

»Ja. Ein kluger Kopf. Der wurde aber in der Pandemie zusammen mit Wodarg und anderen niedergemacht. Nur weil die nicht den Quatsch der Mainstream-Medien nachgeplappert hatten, sondern deren eigenen Kopf benutzt hatten. Und das konnte die nicht leiden und daher ihn und seinesgleichen permanent unsachlich ruf gemeuchelt.«

»Hm.«

»Die sprechen nun mal die unbequemen Wahrheiten aus, die andere nicht wahrhaben wollen. Und ich sag dir, es ist die Mehrheit in dieser Bevölkerung, die so denkt, nicht nur ich. Aber die da oben, wollen es nicht wahrhaben und ignorieren uns. Aber wir haben auch unsere Wege, die Realität zu erkennen und weiterzugeben.«

»Bist du sicher, dass es die Mehrheit ist? Anfang dieses Jahres gab es über Millionen, die auf die Straße gingen, um gegen solche irrigen Wahrheiten aufzustehen und zu demonstrieren.«

»Millionen? Weißt du, wie viel es hier hat? 83 Millionen. Damit erreichen deine Millionen vom Jahresanfang nicht mal die 5%-Hürde.«

»Die Millionen, die auf die Straße gingen, kannst du aber nicht vernachlässigen.«

»Eine Abstimmung mit den Füßen hat noch nie die Mehrheit repräsentiert. Du erinnerst dich doch auch noch daran, als wir beide in den 80ern gegen den NATO-Doppelbeschluss auf die Straße gingen. Erinnerst du dich noch an die Fünfhunderttausend 1982 auf der Rheinwiese in Bonn? Da dachten wir doch tatsächlich, wir wären literally die Mehrheit der Bevölkerung, der restlichen 60 Millionen. Nur leider haben Forscher mittlerweile eindeutig die Realität festgestellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung für den NATO-Doppelbeschluss war, und jene Fünfhunderttausend 1982 auf der Rheinwiese in Bonn lediglich mehr Krach gemacht haben als die Mehrheit der 60 Millionen-Bevölkerung. Und dass die Pazifisten tatsächlich Träumer waren. Und heute ist es genau so, und nicht anders. Schau dir doch die Realität an und hör auf, Fantasiegebilden hinterherzulaufen.«

»Das war damals kein Fantasiegebilde.«

»Jajaja, ich weiß doch: you may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one, I hope someday you’ll join us and the world will live as one. Altbekannte Leier der Pazifisten und Realitätsverweigerer.«

»Das war mehr als das. Es ging um die Zukunft.«

»Zukunft? Träumereien. Wir leben in der Realität und die ist das, was beispielsweise in Solingen letzter Woche passierte. Tote und Verletzte durch einen Messerstecher eines Asylanten aus Syrien.«

»Messerstecher kommen auch aus Deutschland.«

»Ironischerweise ist ja Solingen gerade wegen seiner Messerqualität weltweit bekannt geworden, nicht wahr? Solinger Qualität. Aber jene unschuldig gemesserten Opfer hätten alle vermieden werden können, wäre er konsequent ausgewiesen worden. Oder jene Messerstecher gar nicht erst hereingelassen.«

»Vergiß nicht, Solingen wurde auch bekannt durch Rechtsextremismus, als Rechtsextreme dort per Brandanschlag fünf Tote und erheblich mehr Verletzte hinterließen.«

»Du willst doch hier nicht das bisschen deutsche Rechtsextremismus mit den illegalen, marodierenden Asylanten hier in Deutschland vergleichen, oder? Solingen letzer Woche war kein Einzelfall. Messernde Islamisten als Asylanten verkleidet traten doch schon mehrfach in Aktion. Hätte der CIA nicht aufgepasst, hätte es letztens bei dem Taylor-Swift-Konzert in Wien ne Katastrophe mit Zehntausenden Toten gegeben.«

»Illegale, marodierende Asylanten? Was ist jetzt das für ein Framing? Compact? Oder AfD? Und, die verhafteten Verdächtigen waren Österreicher, keine Asylanten.«

»Das waren keine Bio-Österreicher, sondern islamistische Immigrationskinder. Und was soll das überhaupt mit deinem ‚Framing‘? Was ist das für ein Framing, das Wort ‚Rechtsextremismus‘ so inflationär mit Zeitschriften oder Parteien zu verwenden? Ich sage dir, was das ist: Mainstream-Gelaber, so wie dieser Gender-Mainstream-Quatsch, mit denen wir weichgespült werden sollen, nur weil so kleine Grüppchen hier im Lande deren Süppchen kochen und uns damit deren Willen aufzwingen wollen.«

»Und deswegen wählst du jetzt AfD?«

»Politik lebt vom Mitmachen. Nur Politikverdrossene gehen nicht wählen. Wenn die herkömmlichen Parteien sich der Realität versagen, dann müssen die damit leben, dass die niemand mehr wählt. Wir sind halt die Mehrheit, weil wir uns informieren und nicht indoktrinieren lassen.«

»Und du bist sicher, dass du nicht durch deine Nicht-Mainstream-Medien manipuliert wirst?«

»Es ist wie mit dem Immunsystem. Wenn du es nicht trainierst, wirst du anfällig für Krankheiten. Und Informationen sind das Training für eine gesunde Immunität des Verstandes. Wer sich nicht informiert, wird krank im Kopf.«

»Das Immunsystem kann man nicht trainieren, es funktioniert nicht wie ein Muskel. Immunität kann man nicht trainieren. Wer hat dir denn diesen Quatsch erzählt?«

»Versuch mal selber zu denken und stopfe nicht alles in dir rein, was dir vorgekaut wurde. Dann wirst du merken, wer hinter solchen Aussagen steckt. Zum Beispiel die pharmazeutische Industrie, damit alternative Behandlungsmethoden keine Chance haben, deren Profit zu gefährden. Das ist Fakt und funktioniert bei dir doch wunderbar, wie ich sehe. Du denkst nicht, sondern gibst zu denken. Trainiere mal selber zu denken und du wirst die Realität erkennen.«

Ein Reihenhaus. Ein stinknormales Reihenhaus mit kleinem Schottervorgarten. Er hatte es von seinem Vater geerbt. Zusammen mit dem Geld. Sein Leben erfuhr urplötzlich eine Wendung um 180 Grad. Eigentlich könnte man sagen, bis in seine Rente hinein hat er wohl ausgesorgt.

Ich schaute die Straße hinab. Parkverbotsschilder überall, nur Anwohner mit Parkerlaubnis dürfen parken.

Er hatte seine Biotonne an den Straßenrand geschoben. Köpfe verwelkter Lilien schauten heraus. Dicke Brummer nutzten die Lücke zwischen gelbem Deckel und brauner Tonne, um sich im Dunkeln der Tonne mit allem Nötigen an Stinkendem und Verwesendem zu versorgen.

Vor seiner Garage glänzte ein neuer Klein-SUV vor sich hin. Hochglanzpoliert. Was für ein Unterschied im Leben. Vor vierzig Jahren besaß er kein Auto und schwor darauf, nie eine dicke Karre fahren zu wollen. Und kein Leben im Freiburger Reihenhaus wie seine Eltern. So bieder und so konservativ. Damals war er noch reichlich unsesshaft unterwegs.

Zeiten ändern sich. Menschen auch.

Ich ging zur Bushaltestelle.

Kein Blick zurück.

Auf dem falschen Dampfer …

Schon wieder eine Nachricht, die auf Migrationen blicken lässt. Es passierte diesmal unweit der Insel Lampedusa, welche durch FRONTEX vom südlich gelegenen Festland gegen illegale Bootspassagiere abgeschirmt wird, um sie am Betreten des EU-Gebiets zu hindern.

Also unweit Lampedusa, so in etwa 180 Seemeilen entfernt, ist wieder so eine Nussschiff von geldgierigen Schleusern mit Nicht-EU-Angehörigen gesunken. Von den 22 Leuten an Bord dieser Nussschale überlegten lediglich 15 im Meer, 7 Nicht-EU-Angehörige starben.

Aus gut unterrichteten Kreisen musste für die Nussschale wohl die stolze Summe von 35 Millionen Euro gezahlt werden. Das bedeutet bei 22 Passagieren also 1,6 Millionen Euro pro Kopf. Verkauft wurde die Nussschale wohl von einer Gruppe, die firmenmäßig organisiert Gruppen auf diese Nussschale schleppt, um sie dann einzuschiffen. Wie man erfuhr haben davon lediglich zwölf Passagiere zehn weitere Menschen zur Navigation und Organisation der Nusschale zugeladen. Das bedeutet somit eigentlich, dass die zahlenden Opfer wohl 1,9 Millionen Euro beglichen haben mussten. Darüber hinaus wurde auch bekannt, dass einer der jetzt Vermissten ein Milliardär gewesen sein soll. Daher wird es immer klarer, dass die Flüchtlinge wohl sehr vermögend waren, als die deren Schlepper für die illegale Immigration bezahlt …

Moment.

Ich erhalte gerade eben neue Informationen.

Oh je, eine unglückliche Falschmeldung, ein kleines Missverständnis. … sozusagen, ein kleiner Schritt auf dem Holzweg im Ozean der Informationen, Gott, sei Dank, rechtzeitg erkannt …

Es handelte sich nicht um Bootsflüchtlinge. Sondern um unschuldige Touristen. Ein tragischer Unfall mit einer super modernen 50-Meter-Luxusyacht. Das Boot wurde auch nicht gekauft, sondern es wurde lediglich angemietet, mit der zehnköpfigen Crew. Bei einer seriösen Agentur für Touristen. Und dann kam so ein wirklich schicksalhaftes Unwetter mit Tornado vor Sizilien und versenkte diese Yacht einfach mal so dir-nichts-mir-nichts. Der Ursprung des Tornados ist noch unbekannt. Man muss wohl von einer seltenen Wetteranomalie ausgehen, die diese tieftraurige Tragödie auslöste. Ja, und auch ein bedeutender Milliardär mit Wirtschaftskompetenz gehört wohl auch zu den Todesopfern.

Tragisch, traurig, tragisch. Welch ein Drama.

Aber zumindest wurden Kinder gerettet. Eines sogar von deren Mutter, die das Kind im Wasser über selbiges hielt, bis ein anderes Boot die Gekenterten aufnahm und rettete. Nähere Details erfahren Sie heute Abend bei »RTL-Aktuell«, »SAT-1 newstime« und »Pro-7 newstime« mit exklusiven Bildern der jeweiligen Reporter-Teams. Eventuell auch ein Exklusiv-Interview mit jener Mutter und einem Seewetterexperten aus Sizilien.

Im Anschluss daran gibt es übrigens eine neue Folge der Wiederholungssendung »Goodbye Deutschland! Die Auswanderer«. Oder sollte irgendwer mehr auf das wirklich Reale, das Aufregende, auf Gossip und Realität Wert legen, der kann auch bei »Ich bin ein Star – Showdown der Dschungel-Legenden«. Alle anderen können ja die Öffis einschalten und sich von denen einlullen lassen.

Guten Abend …

Zum Tode des Kabarettisten Richard Rogler (*19.09.1949, + 11.08.2024)

Neues vom Weltuntergang

»Guten Tag. Wo geht es hier zur Übernahme der Weltherrschaft?«

»Sind Sie Teil von The Pinky and the Brain?«

»Wie bitte?«

»Offensichtlich nicht. Dann bitte hier den Flur entlang, auf der rechten Seite den achten Gang, darauf nochmals die achte Option, diesmal als Tür, und immer rechts.«

»Danke.«

»Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Ich möchte gerne die Weltherrschaft übernehmen.«

»Das hört sich doch vielversprechend an. Haben Sie das Formular 49 mit den Unterschriften von den Herren Biden, Stoltenberg, Putin, Xi Jinping, Jong-un, Macron, Sunak, Rutte …«

»Hab ich, hab ich. Hier.«

»Ah, danke… hm. Da fehlt etwas.«

»Was?«

»Die Unterschriften von dem Nabel der Welt. Da fehlen ja über 80 Millionen Unterschriften.«

»Dessen Vertreter hat dort unterschrieben. Zwischen Erdogan, Meloni und Orban. Sehen Sie? Man könnte es fast überlesen, sieht sehr unbedeutsam aus, war mir aber sehr wichtig.«

»Die 80 Millionen geben allerdings permanent verstehen, sie würden auf deren absolute Meinungsfreiheit bestehen. Und sie wollen, dass deren Meinung gefragt wird.«

»Was soll denn dieser woke Scheiß jetzt?«

»Ich bin nicht woke.«

»Da will ich einmal meinen Bestrebungen zu deren Wohle freie Bahn geben und jetzt ist es denen auch wieder nicht recht?«

»Ich möchte nochmals betonen, ich bin nicht woke.«

»Typisch! Mal wieder diese Cancel Culture, diese Wokeness-Blindgänger.«

»Ich fordere Sie auf, den Raum zu verlassen. Ich hatte Ihnen bereits gesagt, dass ich nicht woke bin.«

»Ach ja? Wahrscheinlich sind Sie auch so ein Schlafschaf, welches sich gegen die Überzeugungskraft von alternativen Fakten und Logiken wehrt.«

»RAUS!«

»War es nicht der richtige Raum?«

»Sprich mich nicht an, du Infodesk Fozzi-Bär!«

»Gerne. Und beehren Sie uns bald wieder. Haben Sie noch einen schönen Montagmorgen.«

»Leck mich!«

»Und gönnen Sie sich den Weltuntergang. Auf Wiedersehen.«

»FY.«