
Mit freundlicher Genehmigung von Dieter Hanitsch
(aufgenommen am 23.2.2013)

Mit freundlicher Genehmigung von Dieter Hanitsch
(aufgenommen am 23.2.2013)

Stoersender.tv ist ein Crowdfounding-Unternehmen, dass binnen kurzer Zeit an die 150.000 Euro Spenden übers Internet zusammengebracht hat. Stoersender.tv tritt mit dem Anspruch an, politisches Kabarett außerhalb der normalen TV-Medien im Internet zu etablieren.
Momentan laufen die Vorbereitungen zu der ersten Internet-Stream-Sendung für Ende März.
Für die ersten „öffentlichen“ Aufnahmen erhielt ich eine Einladung zu den ersten Filmaufnahmen.
Was geschah?
Je länger die Wartezeit auf die Aufnahmen dauerten, desto klarer wurde mir, dass wohl keine Aufnahmen vom eigentlichen Programm stattfinden würden. 50 Statisten waren geladen und so viele waren dann wohl auch in etwa vor Ort. Meine Euphorie verflüchtete sich dann allerdings, als uns erklärt wurde, wozu wir Statisten dienten:
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die erste Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die zweite Sendung von Stoersender.tv …“
„Stellen Sie sich vor, das ist jetzt die vierte Sendung nach Ostern …“
Ja, wir waren Staffage. Claqueure. Es wurden mit uns diverse Szenen durchgedreht: Das Publikum ist begeistert. Das Publikum ist gelangweilt. Das Publikum starrt den einsamen Lachenden an. Das Publikum jubelt. Das Publikum gähnt. Das Publikum …
Es wurden Szenen gedreht, die nachher reingeschnitten werden. Und durch meine Kopfbedeckung (siehe mein Avatar) wurde ich urplötzlich zum Mittelpunkt einer Statistenszene („Herr Bismark, Sie haben 200 Jahre nicht gelacht und stellen Sie sich jetzt vor, Sie brechen heute zum ersten mal mit dieser Tradition …). Sollte meine erbärmliche Schauspielkunst des Lachens Gnade vor dem Schnitter finden, werdet Ihr sie im ersten Teil von „Stoersender.tv“ Ende März sehen.
Diese Aufnahmen heute sind dann eigentlich auch der Punkt meiner Nachdenklichkeit. Während der normale Fernsehzuschauer von heute „Neues aus der Anstalt“ oder damals „Scheibenwischer“ (oder für die anderen ARD-Einäugigen der „Satiregipfel“) als mehr oder weniger Live-Aufführung im Fernsehen erleben, so wird „Stoersender.tv“ dieses definitiv nicht sein. Immer wieder wurden wir per Anweisungen angehalten, zu jubeln, zu schmollen oder Unmut auszudrücken, so zeichnete es sich klar ab, dass „Stoersender.tv“ eine Internet-Sendung sein wird, die mit Schnitttechnik arbeitet. Und wenn sich dann die Betrachter von „Stoersender.tv“ wundern werden, warum bei bestimmten Sketchen wie wild gejubelt wird, während bei anderen Gags verhalten geklatscht wird, der muss sich mit dem Wissen trösten, dass Schnitttechnik und Satireempfinden der Schnitttechniker (i.e. Regie) den Stream ausmachen wird. Und ich hoffe sehr, dass das Niveau unserer Jubelorgien von heute für die nächsten sechs Sendungen durch den Inhalt eindeutig überboten werden wird. Wir alle haben freiwillig mitgemacht und hatten unseren Spass daran. das steht außer Frage. Aber wir Claqueure wissen heute noch nicht, wo wir morgen hinein geschitten werden. Aber alle waren guter Dinge, dass der Stream besser sein wird, als das was wir ablieferten.
Einer der Höhepunkte für mich war heute dann das Erscheinen des Vaters des Machers der Sendung „Stoersender.tv“. Der Vater von Stefan Hanitsch: Dieter Hanitsch. Bekannt ist erals jener Karikaturist, der in den 80er des letzten Jahrhunderts seine Sternstunden zeichnerisch zelebrierte. Und das nicht nur in der „Süddeutschen Zeitung“ sondern auch in Büchern, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt. Inzwischen – so sagte mit Dieter Hanitsch auf eine meiner Fragen – ist mit Karikaturen kaum noch ein Buch zu veröffentlichen. Verlage finden sich für Veröffentlichungen kaum.
Schade ist diese nüchterne Antwort schon, denn wer ein Buch von Dieter Hanitsch sein eigen nennt, wird es kaum wieder her geben.
So hatte der Tag bei all unseren gesteuerten Jubelorgien und Buh-Chören für mich doch noch seinen Höhepunkt, dank ihm, den Professor der Karikaturisten: Dieter Hanitsch.

Und was die ersten 30 Minuten „Stoersender.tv“ Ende März bieten wird, da bin ich sehr gespannt. Dieter Hildebrandt, Markus Barwasser und Sigi Zimmerschmied sollten uns heutige Jubelpriester in alle Schatten stellen.
Hoffentlich.
Ansonsten müsste ich mich für das heutige stark schämen …
Zusatz vom 24.2.2013
Eigentlich nehme ich in meinem Post an, dass ich den Verwendungszweck kenne. Aber ich vermute nur. Denn eigentlich könnten die Aufnahmen auch als Auditorium für den Bundestag angewendet werden. Vielleicht ist die Sendung auch mehr in Richtung „Notizen aus der Provinz“ (war damals eine Sendung ohne Live-Publikum), so dass die Aufnahmen am Samstag für andere Zwecke verwendet werden könnten, als zuerst gedacht. Es ging darum bei uns Publikum bestimmte Reaktionen zu erzeugen und das geht nur mit der Erwartungshaltung und nicht gegen der Erwartungshaltung von uns Publikum.
Ich setze auf die Kreativität des Stoersender.tv-Teams.
Wir Statisten warten weiter

Statisten warten.

Frage: wenn sich eine Firma „Hensel European Security Services“ nennt und deren Akronym „H.E.S.S.“ bei Verfassungsschützern unverdächtigt durchgehen kann, wird dann eine Sicherheitsfirma namens „Hilfe in totaler Loyalität ehener Rechtsstaatslichkeit“ auch ihren straff organisierten Betrieb unverdächtig aufnehmen können? Ich meine, NSU war damals auch nur eine unverdächtige Abkürzung, die damals maximal jeder nur mit Audi verband …
…
Ich frag ja nur …
Rechtsstaat ahoi und niemand schaut hin …

Heute erhielt ich die Nachricht, dass ich bei den Filmaufnahmen für Stoersender.tv als Statist akzeptiert wurde. Nachdem ich das Projekt selber finanziell unterstützt hatte, ist es mir so etwas wie eine stolze Ehre daran mitwirken zu dürfen, weil das Projekt es verdient (nicht mich, aber dessen Realisierung).
Stoersender.tv ist ein internetbasiertes Crowdfounding-Projekt (s.a. im empfehlenswerten Blog von Andre Tautenhan http://tautenhahn.blog.de/2012/12/04/stoersender-tv-dieter-hildebrandt-15280482 ). Auf die Beine wurde es von Stefan Hanitsch gestellt. Ziel des Projekts ist es, Kabarett außerhalb des reglementierten Fernsehens im Internet als Internet-Sendung zu finanzieren und entsprechend zu realisieren. Das Projekt benötigte 125.000 Euro als Startkapital. Es übertraf das Ziel mit über 25.000 Euro.
Teammitglieder dieses Crowdfoundings sind der Karikaturist Dieter Hanitsch (Vater des Crowdfounding-Leiters), Dieter Hildebrandt (Kabarettist), Dr. Uwe Kirst (http://www.xing.com/profile/Uwe_Kirst) und HeBra (mir völlig unbekannt).
Bekannte Unterstützer dieses Projekts sind:
Urban Priol, Marcus Barwasser, Konstantin Wecker, H.G. Butzko, Sigi Zimmerschmied, Angela Merkel, Reinhard Brüderle und Phillip Rössler (okay, die letzteren drei sind es nicht, das ist von mir brutalst möglichst gelogen … Tschuldigung für diese äußerst billige Wahlkampfhilfe …).
Ich bin gespannt auf die Aufnahmen am Set, auch wenn mir das Schicksal eines jeden Statisten drohen sollte: unbedeutend und weggeschitten.
Allein, es zählt für mich so etwas wie der „olympische Gedanke“ (ohne Doping und ohne finanzielle Interessen, einfach mal dabei sein) und die Filmset-Kabarett-Atmosphäre …
„0“ ist der Ursprung. Der Ursprungspunkt. Undefinierbar. Wenn es keine anderen Standpunkte gibt, dann ist der Punkt nicht räumlich definierbar. Er ist überall und nirgends. Er wird als Beobachterposition gebraucht. Er ist da, aber hat keine Dimension, keine Ausdehnung. Einfach nur ein Punkt. Einfach nur anwesend. Mehr nicht. Er zählt nicht.
Darum gehe ich gleich über zur „1“.
Im Arabischen wird die „1“ durch den ersten Buchstaben „Alif“ ausgedrückt. Es ist auch das Symbol Allahs. Die Juden und Moslems akzeptieren nur einen Gott. Die „1“ hat die Eigenschaft, dass sie mit sich selbst multipliziert unveränderlich ist.
Die „3“ gilt als die heilige Zahl schlechthin. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Anfang, Mitte, Ende. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Wodan, Donar, Ziu. Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Caspar, Melchior, Balthasar.
Setzt man beide zusammen, ergibt sich die „13“.
Die Zahl „13“ war zwar die allererste gezogene Zahl bei den deutschen Lotto-Ziehungen 6 aus 49, ist seitdem aber die mit Abstand am seltensten gezogene Zahl. Hierbei ist sie keine Unglückszahl, sondern bezeichnet Bäcker oder Fleischer, die dem Kunden statt der verlangten 12 Stücke 13 einpackten, um sich beim Verzählen nicht strafbar zu machen. Vielflieger wissen, dass die 13.te Sitzreihe nicht buchbar ist. Und selbst wenn das Flugzeug abstürzt und alle überleben, niemand kommt danach in das Zimmer #13 oder in den 13ten Stock.
Einspruch? Es schlägt jetzt gleich dreizehn? Dann das aber gleich zweimal!
Macht nach Eva Winzig (der Gattin von Adam Riese, welche zusammen mit ihm mathematisch den durchschnittlichen Otto-Normalverwutzer zeugte): „46“.
Setzt man auf diese Nummer nochmals die „1“, dann erhält man die „47“.
„47“ ist die 15te Primzahl. „47“ ist die Anzahl der Atome in Silber und in Kombination mit einem „+“ die Landesvorwahl von Norwegen. Der Mexikaner Pancho Villa soll durch 47 Kugeln getötet worden sein. „47 Ronin“ ist die japanische Geschichte der 47 Samurai, die den Tod ihres Herrn rächen. Eine diatonisch gestimmte Harfe hat 47 Saiten. Der Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ hatte Günther Grass maßgeblich seinen Erfolg mit „Die Blechtrommel“ zu verdanken.
„47“.
Auf die „47“ kann ich so viele „0“ addieren wie ich möchte, „47“ bleibt „47“. Lediglich das Produkt der „47“ mit der „0“ ist zu scheuen. Denn dann wird alles wieder zur „0“. Undefinierbar. Ohne Dimension, keine Ausdehnung. Einfach nur ein Punkt. Einfach nur anwesend. Mehr nicht. Er zählt nicht.
Da bleib ich heute mal bei der „47“.
„47“.
Man gönnt sich ja sonst nichts.