Do you wanna know a secret …

Eines der Geheimnisse von blog.de:
Warum man mit dem Tag „politik“ (s.a. mein letztes im Grunde politisches Post) im Bereich „Leben“ auftaucht.

Aber das ist ja so etwas von egal, dazu gibt es ja schon genügend Bemerkungen in diversen Blogs.
Obwohl, ein screenshot wäre jetzt wohl Realsatire …

Edit:
Ah, ja. Ich verstehen. Ich jetzt tauchen in Politik gelistet auf. Super das. Dasse isse volle normale, ne.
Ja, nee, is klar, nech.
Nich ?
Sischer, sischer …

Lübke lebt …

Lübke lebt …

… war mein erster versauter Gedanke, als ich davon erfuhr, dass CSU-Mitglieder öffentlich darüber nachdachten, dass Stoiber Köhler im Amt des Bundespräsidenten beerben solle.
Ich mein‘ damit nur, Stoiber wäre der ideale Botschafter fürs Internationale außerhalb Deutschland. Wenn der Stoiber mal wieder von der alpinen Problembärenjagd direkt am Münchener Hauptbahnhof eincheckt, um direkt von dort direkt am HERTIE mit dem Flieger nach Tokyo durchzustarten, weil er nach Hinterobertupfing muss, dann ist er doch der ideale Nachfolger Köhlers.

Stoiber soll sich auch wegen seiner Jugendaffinität unheimlich gut für das Amt eignen. Für Normalsprachliche: Jugendaffinität heißt, der Stoiber fühlt sich noch ungeheuer jugendlich. Meint die CSU. Ein Verein also, der seine Wurzeln überall dort hat, wo die Jusos nicht hinkommen. Also in etwa 98% von Bayern. Die Rest-2-Prozent finden sich gerüchteweise ja in München beim Münchener Oberbürgermeister und kleinem Dichter Ude.

„Ungeheuer jugendlich“.
Das hab ich geschrieben. Die Betonung lag dabei auf „ungeheuer“.  Nicht so sehr auf jugendlich. Aber das ist ja egal.
Wenn der Stoiber dann ungeheuerlicherweise Bundespräsident wird, dann wird die Merkel Frauenbeauftragte. Der Westerwelle wird dann Kanzler aller Big-Brother-Wohngemeinschaften. Beck und Müntefering das erste Kanzler-Duo, also so eine Art „Wildecker Herzbuben“ für Proporzanhänger des ausgeglichenen Gewichtes. Die Grünen würden dann als Abschreckungspotential für Basisdemokratie dienen und der Lafontaine hätte dann als Spalt-Tabletten-Ersatz im „Ministerium für Geist und Hirn“ seinen Platz als Hirsch. Letztendlich der Gysi, der würde als spitzfindiger Rechtsanwalt …
Moment, der Gysi ist schon Rechtsanwalt …
Egal.
Nach vierzig Jahren endlich einen Ersatz für Lübke zu erhalten? Also den Stoiber?
Nein, der Gedanke gefällt mir nicht wirklich.
Wenn der Stoiber Bundespräsident wird, dann wird doch mein schwarzes Vinyl vom 2001-Verlag mit dem LP-Titel „Lübke redet … für Deutschland“ absolut entwertet werden. Wer zahlt mir dann den sponatnen Wertverlust? Die CSU? … .
Schön wäre das nicht …

Egal.

Wichtiger als meine LPs – eine zweifelhafte Wertanlage (wer hat überhaupt noch neinen Plattenspieler?!?) – war mir dagegen die Meldung, dass der Herr Glos – seines Zeichens überzeugter CSU-Parteibuchbesitzer und viel reisender Bundeswirtschaftsminister – und die Werbeagentur „Flaskamp AG“ eine seltsame Beziehung zu haben scheinen.
„Zu haben scheinen“ müsste ich hier dick unterstreichen, denn ansonsten würde ich durch falschen Behauptungen den journalistischen Ermittlungsbemühungen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ins Handwerk fuschen. Denn der meint, dass jene Agentur Besuche von Herrn Glos bei Zeitungsredaktionen mit ganzseitigen Partei-Anzeigen in jenen Zeitungen gegenfinanziert würden.
Ob das stimmt oder nicht, das muss erst noch bewahrheitet werden. Denn Herr Glos streitet in seiner bayrisch stringenten Art jede Beteiligung an jenem Vorhaben ab.

Irgendwie drängen sich dabei die Erinnerungen an dem Kohl’schen Vizekanzler Jürgen W. Möllemann ins Gedächtnis. Der war einer der Vorgänger vom Glos. Gleiches Ressort, gleiches Problem. Man warf ihm (dem Fallschirmspringer Möllemann) auch vor, privatwirtschaftliche Interessen mit seinem Amt verquickt zu haben. Westerwelle vegetierte damals dauernd in Möllemanns Schatten, bis Möllemann dann in einem Acker seine fliegende 18-Prozent-Pole-Position an andere FDP-Mitglieder abgab.

Egal. Das sind jetzt nur unqualifizierte Gedanken.

Aber dann ist man mit solchen Gedankengut auch nicht mehr weit entfernt davon, dass der CDU-Politiker und Vorsitzende des BND-Untersuchungsausschusses, Siegfried Kauder, ein Ermittlungsverfahren gegen 17 Journalisten wegen Geheimnisverrats einleiten ließ. Im bayrischen Raum, dem Stammgebiet der BND-Geheimnisträger,  hat die Staatsanwaltschaft schon erklärt, dass sie gegen die Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ nicht weiter ermitteln würde.

Jedoch kommt man bei solchen unzusammenhängenden Zusammenhängen doch schon ins Grübeln.
Wenn Agenturen in Gegenleistung Politikern Auftritte in Firmen verschaffen, dann favorisiert entweder jene Firma jenen Politiker oder sie unterstützt jene Meinung. Oder sie versucht im Windschatten von irgendwem mit zu segeln. Wenn man den journalistischen Berichten Glauben schenken darf, dann hat Herr Glos genau das gleiche Problem wie Herr Möllemann damals, als man ihn drohte, wegen Einkaufwägelchen-Chips politisch ohne Fallschirm abspringen zu lassen …

Es wird ja in diesem Zusammenhang vielfach das Cicero-Urteil zitiert. Insofern verwundert es nicht, dass die betroffenen Redaktionen aus der Anklage keinen Aufmacher für ihre Zeitungen machten, sonder sich lediglich die ARD heftigst einschaltete. 
Nur, das Cicero-Urteil hört sich kurz und gut als solches an. Jedoch wird es bei vielen mit „Roger Cicero“ verwechselt.  Das ist ein billiger aber verdammt hochdotierter Schlagersänger, den ich als Malocher um jeden Cent beneidet hatte.  Das ging genau bis zu jenem Bericht, den ich hier unter blog.de las, dass er bei einer Brötchen-Hochzeit sinnlos und schwachsinnig als Ehemotto gedient haben solle.

Nun gut, jetzt weiß ich auch nicht mehr, wie der Bogen zwischen Schwachsinn, Journalismus, Glos, Politik und Stoiber funktionieren soll.
Aber schön dass wir mal drüber gesprochen haben …

P.S.: Glos ist kein Fallschirmspringer. Die CSU ist an sich schon ein absolutes Netz nach unten bei dem Tanz auf dem Seil ohne Balanzstab und Sicherungsseil …

Träumst du noch oder schäumst du schon? (Teil 2)

Mein Traum vom Traumjob ist der Job, wo ich nachher nicht schäume. Weder vor Wut noch wo andere schaumschlagend um mich herum sind. Das Leben ist viel zu lang für solchen Mist.
Nach der obigen Jobofferte auf der Flügelbenzfahrt (siehe Eintrag von gestern, Teil 1) erhielt ich immer wieder spontane Jobofferten merk-würdiger Art. Sei es als Eckensteher mit Papier in den Händen für die Verleger des „Wachturms“, sei es als Model.

Sic! Das letztere kam auch bei mir vor.
Nur als dann der Satz fiel, ich müsse 300 Mark für die Erstellung der Set-Card mitbringen, um dann die Chancen für die Buchungen durch großen internationale Modeagenturen zu erhalten. Ich hätte sozusagen das, was der Flügelbenzfahrer mir hinten reinschieben hätte wollen, in der Model-Agentur vorne abgeben müssen. … der Verdauungsvorgang des dreckigen Geldes mal ganz besonders appetitlich hier für euch beschrieben … man gönnt sich ja sonst nichts …
Abgesehen davon muß ich hier gestehen, dass mit der Model-Agentur fünf Jahre vor dem Flügelbenzfahrerangebot statt fand. Hätte ich das eine angenommen, hätte ich das andere garantiert zur Schuldentilgung gebraucht.
Ich war aber ledig, jung und hatte das Geld nicht.

Und dann kam dieser Mittdreissiger auf mich zu. Eine meiner Freundinnen hatte ihm meine Telefonnummer gesteckt und mich auch gleich davon unterrichtet, dass da jemand auf mich zu käme, der eventuell einen Job für mich hätte.
So kam denn auch der Anruf. Der Mann war von der „Allianz“-Versicherung. Am Telefon fragt er mich dies und jenes, unsere gemeinsame Freundin immer wieder als verbindendes Glied verwendend. Als er meine Bereitschaft nach einem Gelderwerb erfragt hatte und auch noch von meinem Studium erfuhr, da fiel der entscheidende Satz, den ich im vorherigen Post schon zitierte.

Wissen Sie, mir paßt es nicht, dass Sie studieren. Kommen Sie doch mal zu einem Bewerbungsgespräch bei mir vorbei. Wie wär es nächsten Montag 10 Uhr?

Super. Da gefiel einem also jemand meine momentane Tätigkeit und wollte mich da unbedingt raus haben?
Na. Der war mir in dem Moment so etwas von sympathisch geworden. Aber Bewerbungsgespräche sind okay, wenn man selber die eigene Entscheidung schon vorher weiß. Eine bessere Trainingsmöglichkeit für Bewerbungsgespräche gibt es nicht. Man muss nur am Schluss den Punkt abpassen, den richtigen Absprung zu finden, ohne den gegenüber vor dem Kopf zu stoßen.

So kreuzte ich also am Montag um 10 in der persönlichen Allianz-Arena des Versicherungsagenten auf. Obwohl das Büro sich in einer 1/4-Millionen-Einwohner Stadt befand, atmete es genau den gleichen biederen Charme, wie ich ihn auch aus Kuhkäffern kenne, jenen 5000-und-ein-paar-Zerquetschte-Einwohner-Dörfer (… besonders nach den illegalen jugendlichen Autowettrennen …).
Kaffee und Kekse warteten auf meine Finger und ein Wasserspender stand direkt neben dem Flipchart, auf dem nur ein Wort geschrieben war

ALLIANZ.

Das muss wohl von einer Brainstorming-Sitzung übrig geblieben sein …

Nun ja. Mein Gegenüber fing dann an mir zu erklären, was mein Job sei und wohin ich kommen könne:
Im ersten Jahr wäre ich auf der untersten Stufe und würde auf provisionsbasis Versicherungen verkaufen. Pro Versicherungspolice würde ich 500 Mark Prämie erhalten. Somit könnte ich mir mein Monatseinkommen selber bestimmen. 2000 Mark im Monat seien locker drinne, was lediglich bedeute, eine Police pro Woche zu verkaufen. Nur eine pro Woche, meinte er, mehr nicht. Das sei kein Stress.
Dann könne (er sprach im Konjunktiv!) ich im nächsten Jahr bei entsprechenden Erfolg, die Betreuung von drei bis vier Mitarbeitern der Stufe 1 übernehmen. Dieses würde mir eine zusätzliche Summe X bringen, zusätzlich zu den Versicherungsprämien, die ich eh durch den Policeverkauf erwirtschaften würde.
Ein weiteres Jahr später könne ich dann in die Stufe 3 aufsteigen. Ich wäre regionaler Leiter und hätte die Mitarbeiter der unteren Stufe unter mir zu betreuen. In der Stufe 3 bräuchte ich dann keine Versicherung mehr zu verkaufen, sondern würde lediglich den Verkauf organisieren. Übersetzt hieß das wohl, Mitarbeiter rekrutieren und die eigenen Chefs zu befriedigen. Mein Gehalt würde sich aus einem Grundgehalt und aus Erfolgsprämien zusammensetzen.
Danach käme die Stufe 4 und 5 mit der Betreuung und Organisation erheblich größerer Gebiete von Bezirks- bis zur Kreisebene. Entsprechend stiege auch das Gehalt.

Und dann, so meinte er, dann käme die Stufe 6. Und dann hätte ich keine Sorge mehr wegen dem Auskommen mit meinem Einkommen. Ja, vielmehr käme ich dann in Regionen, wo andere schon in Mäzentum (sic!) übergehen.
„Und dann“, so fuhr er fort, „dann erhalten Sie von den Oberen ein einmaliges Geschenk. Ein Unikat. Eine extra für Sie hergestellte Schweizer Uhr. Und wissen Sie wofür die dient?“
Ich wollte erst antworten „Zum Zeitablesen“, aber die Antwort erschien mir dann doch ein wenig zu profan. Also schüttelte ich folgsam verneinend meinen Kopf.
„Sollten Sie mal auf Dienstreise oder im Urlaub sein, und Sie würden überfallen und komplett ausgeraubt, dann ist diese Uhr ihr garantiertes Rück-Ticket nach Hause. Die Uhr hat einen Wert über 7000 D-Mark!“

Vor meinem geistigen Auge sah ich mich in Brasilien in Rio de Janeiro am Strand mit jenem Unikat an dem Handgelenk und meinen ganzen Reisepapieren und Urlaubsgeld in der Hosentasche:
Ein Dieb tritt mit einer silbernen Magnum auf mich zu und folgsam überreiche ich ihm mein Geld. Die Uhr überlässt er mir gönnerhaft, schließlich ist er natürlich besorgt, dass ich wieder zurück nach Hause fliegen kann.
Oder jemand durchwühlt mein Hotelzimmer und findet das Versteck oder bricht den Hotelsafe auf, wo ich Urlaubsgeld, Reisepapiere und jene Uhr aufbewahre. Ich komme wieder und finde neben meiner Uhr einen Zettel „Ich habe ihre Uhr da gelassen, damit sie noch nach Hause können.“

Ich sah den Versicherungsmann vor mir an und zweifelte ein wenig an seinem Verstand. Zudem gab es auch damals schon so etwas wie AmEx und eine Garantie bei Diebstahl oder Verlust. Und wenn ich mir um das gehalt keine Gedanken mehr machen müsste, dann hätte ich auch eine AmEx Gold. Das war mir klar. Um aus einem fernen Land zurück zu kommen, benötigte ich am allerwenigsten eine Uhr. Und den Rest übernähme in der Heimat die Diebstahlversicherung.

Der ALLIANZ-Mensch redete weiter, aber ich hörte ihm gar nicht mehr zu. Aber aufgeben, das war für ihn ein Fremdwort. Er holte sich dann noch gewissermaßen einen „Zeugen der Anklage“ herein. Einen freiwilligen Mitarbeiter der Stufe 1. Vor mir stand auf einmal ein verschüchterter Junge von vielleicht 16 Jahren und stellte sich vor. Er sei Koch in der Ausbildung in einem Hotel und verkaufe nebenberuflich Versicherungen und verdiene gut.
Ich fragte ihn, ob er in seiner Ausbildung beim Hotel wohne. Er bejahte. Ich setzte nach. Er würde doch sicherlich mehr als nur 40 Stunden die Woche arbeiten, nur einen Tag die Woche frei haben und selbst an so einem Tag stehe er dem willkürlichem Abruf bereit.
Er nickte zustimmend.
Wenn er dann noch eine Versicherung pro Woche verkaufen müsse, und so ein Verkaufsgespräch sei keine Sache von ein, zwei Stunden, dann hätte er doch überhaupt keine Freizeit mehr.
Der Junge schluckte betroffen angesichts dieser Feststellung. Er war wortlos.

Der ALLIANZ-Mann erkannte die Situation sofort und verabschiedete das sprachlose Köchlein in spe. Er ging danach auch gar nicht mehr auf den Jungen ein, sondern lenkte sofort wieder in eine Richtung, welche eine Zukunft in einem Land verhieß, wo die Smarties durch die Luft fliegen, die 100-D-Mark-Scheine nur so an den Bäumen wachsen und sonst so alles paletti sei.

Für mich war klar, dass das Gespräch vorbei war. Erstens war die Kaffeekanne leer, zweitens die Keckse von mir weggefressen und drittens sowieso.
Ich verabschiedete mich mit einem breiten Lächeln und einem NJET zu dem Jobangebot. Als ich gegen 12 wieder auf die Straße trat, wusste ich, welche Branche mir generell nicht zusagen würde. Dann doch lieber den Flügelbenzfahrer. Der war wenigstens ehrlich mit dem, was er wollte. Der hatte nicht permanent auf das Geld, was ich verdienen hätte können, herum geritten.

Und sicherlich, bei einer „Kapitalisierung“ (meinen Dank, an Prinz Rupi für diese gelungene Umschreibung) meiner damaligen Beliebtheit bei Männern, hätte ich mir dieses Schweizer Uhrenunikat selber kaufen können.
Auch ohne ALLIANZ-Versicherung.

Und das mit dem Verkaufen von Versicherungspolicen (sprich: Klinkenputzen) wäre eh nicht mein Ressort gewesen. Ich muss dabei eh immer nur an einen ALLIANZ-Spruch denken:

Der Sponti steht am Grab und kichert, seine Frau war ALLIANZ versichert …

Für solche Jobs ist mir mein Leben doch ein wenig zu lang und zu schade. Jedem das seine, aber mir keinen Versicherungsjob. Außer …
Außer …

Ja, außer …

Mein Traum vom Traumjob ist der Job, wo ich dafür bezahlt werde, dass ich garantiert nicht in der Firma auftauche, geschweige denn einen Finger krümme. Natürlich inklusive der Drohklausel im Vertrag, dass, wenn ich in der Firma auftauche, entsprechend Lohnabzüge erhalte.

Ein schöner Traum.

Aber für sachdienliche Hinweise für einen Job in dieser Richtung bin ich immer dankbar. Dafür schäum ich sogar vor Begeisterung …

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Träumst du noch oder schäumst du schon? (Teil 1)

Mein Traum vom Traumjob ist der Job, wo ich dafür bezahlt werde, dass ich garantiert nicht in der Firma auftauche, geschweige denn einen Finger krümme. Natürlich inklusive der Drohklausel im Vertrag, dass, wenn ich in der Firma auftauche, entsprechend Lohnabzüge erhalte.
Ein schöner Traum.
Nur die Realität schäumt sich da ein wenig anders durch das eigene Leben.
Jobofferten sind immer ein Punkt, um über das eigene zukünftige Leben zu entscheiden.

 Wissen Sie, mir paßt es nicht, dass Sie studieren. Kommen Sie doch mal zu einem Bewerbungsgespräch bei mir vorbei. Wie wär es nächsten Montag 10 Uhr?

 Manche Jobangebote kommen sehr spontan. Besonders in Zeiten, wan viele meinen, man bekomme auch einen Job, wenn man sich drum bemühe. Manche Jobangebote kommen dabei so spontan, dass der Bauch digitaler denkt als der vor mir stehende Computer, auf dem ich das hier niederschreibe, samt meines bescheidenen Denkvermögens, welches diese damals gedachten Gedanken jetzt erneut denkt.
Beim Trampen nahm mich von Bremen einmal ein älterer, kurz vor der Rente stehender Flügelbenzfahrer mit Richtung Osnabrück. Er erkundigte sich nach meinem Berufsstand und als er erfuhr, dass ich bafögabhängiger Vollzeitstudent wäre, meinte er nur lakonisch im bremerischen Slang:
„Wohl ein bischen faul, was?“
Ja, ich war schon faul an jenem Tag, insbesonder zu faul, um mich gedanklich mit jener provokanten Frage zu beschäftigen. Weil hundemüde. Es ging auf den Abend zu und ich wollte nur noch die nächsten 600 Kilometer so bald wie möglich hinter mir haben. Das war mein geplantes Tagesziel.
Ob ich denn nicht nebenbei etwas dazu verdienen möchte, war seine nächste Frage und entlockte mir dabei ein leicht zögernd fragendes „Wie denn?“. Er lächelte mich super sympatisch an und meinte dann, er wohne in Bramsche. Seine Frau sei 14 Tage auf Kur und er hätte schon lange nicht mehr so einen knackigen jungen Mann wie mich im Bett gehabt.
Ich schluckte angesichts jener Jobaussicht. Er meinte nur, wir müssen ja nicht gleich in die vollen gehen. Schmusen, ein bischen Streicheln oder so wäre doch auch ganz schön. Er würde mir dafür auch zweihundert „Mäkkes“ geben …
Angesichts der 200 Mäkkes und meinem Tagesziel antwortete ich nur: „Nö, danke.“
Danach war erstmal Stille im Auto. Beinahe Stille. Das gleichmäßige Geräusch des Motors und das Rauschen der Reifen auf dem Asphalt der Autobahn A1 erfüllten bleischwer die Luft.
„Hab ich dich jetzt geschockt, oder was? Weil, du sachst ja nüscht mehr.“
Geschockt war ich nicht wirklich. Sexangebote von Männern hatte ich in meinem Leben immer wieder erhalten. Mehr als von Frauen. Was ich im übrigen schicksalsmässig voll link finde. Aber egal.
Ich war jung, sexlos und das Geld hätte ich gut gebrauchen können.
Nur war ich auch noch zu müde und zu faul dafür.
Und so strich ein spontanes Jobangebot ungenutzt vorüber.
Aber da war ja noch eben das andere Jobangebot.
Von dem lockeren Mittdreissiger.
Flott wie ein Turnschuh und dynamisch, wie ein flexibler Arbeitnehmer so zu sein hat.
Versicherungsbranche.
Allianz.
Doch davon mehr im nächsten Post, Teil 2 …

Veröffentlicht unter Privat

An die Lästerzungen

In Kalk, noch ungelöscht, in Eisenbrei,
in Salz, Salpeter, Phosphorgluten,
in dem Urin von rossigen Eselsstuten,
in Schlangengift und in Altweiberspei,
in Rattenschiß und Wasser aus den Badewannen,
in einem Saft von Krötenbauch und Drachenblut
in Wolfsmilch und dem sauren Rest der Rotweinkannen,
in Ochsengalle und Latrinenflut:
In diesem Saft soll man die Lästerzungen schmoren.

Es muss mal wieder gesagt werden.
Eindeutig gesagt werden.
Der FC Bayern München hat eine Millionentruppe und hat den Drittligisten eindeutig aus dem Pokalrennen geschubst.
Okay. Im Elfmeter-Schießen.
Aber immer hin.
Andere Bundesligisten haben keine solche Millionentruppe und brauchen gar nicht erst wieder antreten.
Und jetzt schreiben sie alle „Bayern knapp an Blamage vorbei“, „Bayern mit Dusel“, „Bayern mit blauem Auge davongekommen“.
Voller Häme, voller Boshaftigkeit.
Dabei ist sollten die Journalisten aufpassen.
Bayerns Würstchen-Uli merkt sich alle deren Namen.
Schreibt sie sich nieder in seiner Kladde.
Und dann wird beim Interview sein Mund so schmal wie ein Strich, seine Augen werfen Blitze wie weiland Zeus, wenn der schlechte Laune hatte.
Würstchen-Uli wird jedem lästerlichen Journalisten den Krieg erklären und beim DFB dann die Aberkennung dessen Bundesliga-Akkreditierung fordern.
Wegen Unbotmässigkeit.
Während der Kaiser Beckenbauer dann den Vorwurf einer Zensur gnadenlos niederlächeln wird. Und zugleich darauf verweisen wird, dass schließlich dort keine Kriege sind, wo Fußball gespielt wird. Und als Zeugin wird der Kaiser die Merkel und den Schäuble in den Gerichtsstand zitieren, die ihm dann bestätigen, dass Deutschland fußballerisch pazifiziert wurde.
Also lasst uns jetzt voll der offenen Bewunderung schreiben:

„Bayern Münchens Wundertruppe ist in dieser Saison weiterhin ungeschlagen!“

Übrigens, das obige Gedicht ist mal wieder von dem Dichter François Villon. Und immer wenn ich den Namen dieses lasterhaften Dichters lese, denke ich mir:
Liebe Journalisten, bitte schreibt „François Villon“ mit „V“ und nicht mit „F“. Denn der „François Fillon“ ist französischer Premier.
Nicht dass Ihr wegen eines Dreckfehlerteufels mit einem französischem sarkozyanten sakrosankten Fluch aus Paris belegt werdet …

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Wer ist Deutschland?

Du da
Weiter Karikaturen von Ralph Ruthe finden sich hier:
http://www.ruthe.de

Vom Etwas-Zug-bekommen … oder: Nur Fliegen sind schöner

Erinnert sich noch wer an den Werbeträger der Bundesbahn vor 24 Jahren?

Das war so ein rosa Elefant und warb für die „Rosaroten Wochen“.
Mit Verlaub, es handelte sich hierbei nicht um Tarifangebot für Outing-willige Schwule oder Lesben. Nein, es war einfach nur ein Billigtarifangebot für Tickets übers Wochenende hinaus.

Über die Entstehung dieses Angebots gab es die diversen Gerüchte.
Kolportiert wird, dass mal wieder alle Vorsitzende sich 1983 zusammengesetzt hatten, um darüber zu klagen, dass niemand mit der Bahn fahren wolle. Sie sei zu geschwindigkeitsverzögernd („Never go by Bundesbahn, it’s much too lahm“). Sie käme immer zu spät an. Sie sei nicht kundenfreundlich.

In diesen Sitzungen hatten Zigarre rauchende aschgraue Herren in spinnwebfarbenen Anzügen mit bleigrauen Aktentaschen darüber gerätselt, warum bei deren Kundenfreundlichkeit die Menschen so fröstelten.
Und sie starteten eine neue Image-Offensive, um das deutsche Volk von sich zu begeistern. Sie setzten einen Intercity auf den Weichen von München und peitschten ihn gen Hamburg, auf dass jener IC sich majestätisch erheben würde und der Lufthansa voran gleitend eine Nase drehen würde.
Als jener IC aber auf Höhe von Nürnberg noch immer nicht abgehoben hatte und wieder mal mit 15 Minuten Verspätung im Nürnberger Hauptbahnhof erwartet wurde, musste wohl einer der grauen Herren geseufzt haben:

„Wir werden nie so gut wie Disneys Dumbo.“

Da schrie ein anderer begeistert:

„Das isses!“

Man entschloss sich, den Zug auf den Schienen zu belassen. Stattdessen blies man eine Mücke auf und und machte sie zu einem rosaroten Elefanten für rosa Wochen. So trampelten wildgewordenen rosarote Elefanten auf Dumbos Spuren durch die Werbung und malten die grauen Gleise mit einem Törö rosarot.
Diese Kampagne sollte den geneigten Menschen dazu bewegen, mehr Zeit in der Bahn zu verbringen. Sozusagen das Leben in vollen Zügen genießen. Mal wieder Zug bekommen. Statt mit sich Schlitten fahren zu lassen, der Bahn die Fahrt überlassen.
Und so weiter und so fort.
Aber immer rosarot.
Beerdigt wurde der Elefant fast 10 Jahre später mit dem 15-DM-teuren Wochenendticket …
Ja, ja, das waren noch Zeiten …

Die Zeit der ICs ist fast schon Geschichte.
Inzwischen preschen ICEs mit Tempo 300 über die Gleise und kommen mit nur noch 14 Minuten Verspätung an. Und diese Verspätungsverringerung lässt sich die Bahn entsprechend gebührend bezahlen. Ja, die grauen Herren a la Dürr, Ludewig und Mehdorn lassen sich unsere Zeit immer noch gut bezahlen.

Nur den Lokomotivführern wollen sie nichts abgeben. Und daher streiken die wohl nun auch für mehr oberirdische Gehälter.

Während also die Fliegzeug-Betreiber erleichtert aufatmeten, dass der rosarote Dumbo auf den Schienen blieb (auch wenn die Bahn inzwischen denen die lukrative Strecke Köln-Frankfurt und München-Nürnberg mit an die 300 km/h weg nahm), so fingen diese an, sich an den Preisen der Bahn zu orientieren. Nach unten.

Inzwischen ist der Flug nach Berlin an vielen Flughäfen Deutschlands billiger als die Bahnreise. Daher mussten auch viele Kostenträger gestutzt werden. Und wenn nun die Piloten mehr Geld fordern, so kommen deren Manager ins Stöhnen, weil die Gewinnmargen wegfallen würden. Da wurden Flieggesellschaften so auf „lean“ getrimmt, dass eine Gehaltssteigerung bedrohlich sein könnte.

Wurde da was vergessen von den Managern?

Nun:
Einer alleine ist ein Einzelgänger.

Einer mit einem anderen zusammen ist entweder ein konspiratives Stell-Dich-ein oder eine Solidarisierung.

So könnte man meinen, dass sich wahrscheinlich auch die Piloten der LTU dieses dachten, als sie von den Streikabsichten der Lokführer erfuhren.

Aber wenn zwei Dinge zusammen kommen, muss es längst nicht das gleiche sein.
Aber es wirkt im Bewusstsein derer Kunden.

Heute titelte die BILD-Zeitung sinngemäß, dass Politikerpensionen 6,5 % steigen, während „wir“ (die BILD-Redakteure oder wir Leser?) seit dem Jahr 2000 immer weniger kriegen. Morgen oder übermorgen wird die BILD sich zerreißend über die Forderungen der Piloten und Lokführer hermachen.
Das scheint so sicher wie das AMEN in der Kirche. Denn „wir“ verdient ja auch seit 2000 immer weniger.
Soviel Neid muss sein, nicht wahr.

Wenn dann Lokführer und Piloten in den Ausstand treten, dann werden sich sicherlich auch die Ölkonzerne solidarisch dem anschließen. Sie werden sich Preiserniedrigungen erfolgreich verweigern.
Sie werden dann mit den beiden anderen die ménage à trois versuchen.
Nur, wer dann allerdings wen so ordentlich dabei durchfi..t, dass weiß letztendlich wieder nur der Individualreisende.

Und dann freut uns wieder alle, gemeinsam den Streikenden Gegenwind über die BILD zu geben.

Das Imperium schlägt zurück

Sie haben ihren Termin um 18 Monate überzogen. Normalerweise werden dafür Lieferanten in der Automobilzulieferindustrie an den Rand des Ruins und noch viel weiter getrieben. Aber sie haben sich überziehen gegönnt mit dem süddeutschem Stern und den magenta Riesen im Rücken. Dann hat da wer darüber gemeckert, so ein Kleinaktionär aus Berlin. Hätte der nicht machen sollen. Denn jetzt schlägt das Imperium zurück. Quäle niemals einen Tollcollect. Nicht mal in Scherz. Möge die Macht … .