Lübke lebt …

Lübke lebt …

… war mein erster versauter Gedanke, als ich davon erfuhr, dass CSU-Mitglieder öffentlich darüber nachdachten, dass Stoiber Köhler im Amt des Bundespräsidenten beerben solle.
Ich mein‘ damit nur, Stoiber wäre der ideale Botschafter fürs Internationale außerhalb Deutschland. Wenn der Stoiber mal wieder von der alpinen Problembärenjagd direkt am Münchener Hauptbahnhof eincheckt, um direkt von dort direkt am HERTIE mit dem Flieger nach Tokyo durchzustarten, weil er nach Hinterobertupfing muss, dann ist er doch der ideale Nachfolger Köhlers.

Stoiber soll sich auch wegen seiner Jugendaffinität unheimlich gut für das Amt eignen. Für Normalsprachliche: Jugendaffinität heißt, der Stoiber fühlt sich noch ungeheuer jugendlich. Meint die CSU. Ein Verein also, der seine Wurzeln überall dort hat, wo die Jusos nicht hinkommen. Also in etwa 98% von Bayern. Die Rest-2-Prozent finden sich gerüchteweise ja in München beim Münchener Oberbürgermeister und kleinem Dichter Ude.

„Ungeheuer jugendlich“.
Das hab ich geschrieben. Die Betonung lag dabei auf „ungeheuer“.  Nicht so sehr auf jugendlich. Aber das ist ja egal.
Wenn der Stoiber dann ungeheuerlicherweise Bundespräsident wird, dann wird die Merkel Frauenbeauftragte. Der Westerwelle wird dann Kanzler aller Big-Brother-Wohngemeinschaften. Beck und Müntefering das erste Kanzler-Duo, also so eine Art „Wildecker Herzbuben“ für Proporzanhänger des ausgeglichenen Gewichtes. Die Grünen würden dann als Abschreckungspotential für Basisdemokratie dienen und der Lafontaine hätte dann als Spalt-Tabletten-Ersatz im „Ministerium für Geist und Hirn“ seinen Platz als Hirsch. Letztendlich der Gysi, der würde als spitzfindiger Rechtsanwalt …
Moment, der Gysi ist schon Rechtsanwalt …
Egal.
Nach vierzig Jahren endlich einen Ersatz für Lübke zu erhalten? Also den Stoiber?
Nein, der Gedanke gefällt mir nicht wirklich.
Wenn der Stoiber Bundespräsident wird, dann wird doch mein schwarzes Vinyl vom 2001-Verlag mit dem LP-Titel „Lübke redet … für Deutschland“ absolut entwertet werden. Wer zahlt mir dann den sponatnen Wertverlust? Die CSU? … .
Schön wäre das nicht …

Egal.

Wichtiger als meine LPs – eine zweifelhafte Wertanlage (wer hat überhaupt noch neinen Plattenspieler?!?) – war mir dagegen die Meldung, dass der Herr Glos – seines Zeichens überzeugter CSU-Parteibuchbesitzer und viel reisender Bundeswirtschaftsminister – und die Werbeagentur „Flaskamp AG“ eine seltsame Beziehung zu haben scheinen.
„Zu haben scheinen“ müsste ich hier dick unterstreichen, denn ansonsten würde ich durch falschen Behauptungen den journalistischen Ermittlungsbemühungen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ins Handwerk fuschen. Denn der meint, dass jene Agentur Besuche von Herrn Glos bei Zeitungsredaktionen mit ganzseitigen Partei-Anzeigen in jenen Zeitungen gegenfinanziert würden.
Ob das stimmt oder nicht, das muss erst noch bewahrheitet werden. Denn Herr Glos streitet in seiner bayrisch stringenten Art jede Beteiligung an jenem Vorhaben ab.

Irgendwie drängen sich dabei die Erinnerungen an dem Kohl’schen Vizekanzler Jürgen W. Möllemann ins Gedächtnis. Der war einer der Vorgänger vom Glos. Gleiches Ressort, gleiches Problem. Man warf ihm (dem Fallschirmspringer Möllemann) auch vor, privatwirtschaftliche Interessen mit seinem Amt verquickt zu haben. Westerwelle vegetierte damals dauernd in Möllemanns Schatten, bis Möllemann dann in einem Acker seine fliegende 18-Prozent-Pole-Position an andere FDP-Mitglieder abgab.

Egal. Das sind jetzt nur unqualifizierte Gedanken.

Aber dann ist man mit solchen Gedankengut auch nicht mehr weit entfernt davon, dass der CDU-Politiker und Vorsitzende des BND-Untersuchungsausschusses, Siegfried Kauder, ein Ermittlungsverfahren gegen 17 Journalisten wegen Geheimnisverrats einleiten ließ. Im bayrischen Raum, dem Stammgebiet der BND-Geheimnisträger,  hat die Staatsanwaltschaft schon erklärt, dass sie gegen die Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ nicht weiter ermitteln würde.

Jedoch kommt man bei solchen unzusammenhängenden Zusammenhängen doch schon ins Grübeln.
Wenn Agenturen in Gegenleistung Politikern Auftritte in Firmen verschaffen, dann favorisiert entweder jene Firma jenen Politiker oder sie unterstützt jene Meinung. Oder sie versucht im Windschatten von irgendwem mit zu segeln. Wenn man den journalistischen Berichten Glauben schenken darf, dann hat Herr Glos genau das gleiche Problem wie Herr Möllemann damals, als man ihn drohte, wegen Einkaufwägelchen-Chips politisch ohne Fallschirm abspringen zu lassen …

Es wird ja in diesem Zusammenhang vielfach das Cicero-Urteil zitiert. Insofern verwundert es nicht, dass die betroffenen Redaktionen aus der Anklage keinen Aufmacher für ihre Zeitungen machten, sonder sich lediglich die ARD heftigst einschaltete. 
Nur, das Cicero-Urteil hört sich kurz und gut als solches an. Jedoch wird es bei vielen mit „Roger Cicero“ verwechselt.  Das ist ein billiger aber verdammt hochdotierter Schlagersänger, den ich als Malocher um jeden Cent beneidet hatte.  Das ging genau bis zu jenem Bericht, den ich hier unter blog.de las, dass er bei einer Brötchen-Hochzeit sinnlos und schwachsinnig als Ehemotto gedient haben solle.

Nun gut, jetzt weiß ich auch nicht mehr, wie der Bogen zwischen Schwachsinn, Journalismus, Glos, Politik und Stoiber funktionieren soll.
Aber schön dass wir mal drüber gesprochen haben …

P.S.: Glos ist kein Fallschirmspringer. Die CSU ist an sich schon ein absolutes Netz nach unten bei dem Tanz auf dem Seil ohne Balanzstab und Sicherungsseil …

8 Gedanken zu „Lübke lebt …

  1. Oh, mist, ich wusste, dass ich es falsch benutzen würde. Dieses Wort „beerben“ ist doch ne mittlere Sinnkatastrophe. Warum ich es aber trotzdem verwendet hatte … frag mal lieber nicht …
    Ich korrigiere es.

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  2. Stoiber will Köhler beerben, nicht umgekehrt… ;) Köhler //ist// ja bereits Präsident, Stoiber nicht.

    Übrigens gibts bei K*ufland derzeit einen Plattenspieler im Sonderangebot. Ich weiß aber nicht, was er taugt.

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