Miss Sophie ist jetzt 90 … und ein ministerialer Fussbruch …

… und alle Mitarbeiter pappsatt.
Mal ein kleiner Auszug aus der Buffetspeisekarte:

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Guck mal, wer da guckt … oder: Google Earth

Schön.
Google Earth hat mal wieder ihr Kartenmaterial auf den neusten Stand gebracht, hab ich bei winfuture.de gelesen. Und das ganze soll ja noch hochauflösender sein und man soll jetzt an bestimmte Objekte richtig nah ranzoomen können …

Also mal wieder reins ins „Inder nett“ und auf die Erde gegooglet.
Dann in meine Strasse reingeschaut.
Und?
Stimmt.
Kein Schnee, kein Laub auf den Bäumen, Sonne und gegenüber wird gebaut.
Das Material muss folglich vom März/April dieses Jahres sein.
Und dann gnadenlos rangezoomt.
Einstellung ab in die Horizontale.
Auf die Höhe meines Stockwerkes hochgebeamt und bei mir ran ans Fenster …
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Cheerio, Miss Sophie! … oder: Miss Sophies 90ster Geburtstag …

Meine Lebensabschnittspartnerin feiert heute abend ihren 90sten …
Das ist doch ein Grund gemeinsam zu feiern, oder?

Hm.
Na gut.

Es handelt sich nicht wirklich um einen Menschen.
Aber eine Lebensabschnittspartnerin ist sie ja schon.
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Liebe … oder: wenn Sonnenblumen zufällig verwelken …

 „Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumen lässt, Horatio.“

Hamlett, W. Shakespear

Sie hatte mich zu einer Tasse Kaffe eingeladen. Indra war ihr Name.
Ich wollte irgendwas neues erfahren. Irgendetwas, was mich voranbringen würde. Wollte wissen, wer sie ist, dass sie so denkt, wie sie denkt. Weil sie ähnliches dachte und sagte, wie ich denke und es hin und wieder auch sage.
Und dann erzählte sie mir folgende Geschichte:

Bevor ihr Vater nach Jameika ging, gab er ihr Sonnenblumensamen. Sie sollte die Samen aussäen, damit die späteren Sonnenblumen sie an ihren Vater erinnern würden.
Sie nahm einen Blumentopf mit Erde, steckte die Samen hinein und stellte den Topf auf ihren Balkon. Sie beachtete ihn kaum und goss daher auch nur selten.
Der Sommer kam die Sonnenblumen erblühten.
Noch immer schenkte sie ihnen kaum Beachtung.
Nur einmalfielen ihr zwei Zitronenfalter auf, die spielerisch um ihre Sonnenblumen herumflatterten und Indra dachte beeindruckt, welch tolles Bild das sei.
Der Sommer ging, der Herbst kam, die Sonnenblumen verwelkten.
Irgendwann im November kam ihr die Idee, die Köpfe der Sonnenblumen abzunehmen, um sie zu trocknen.
Nach kurzer Zeit stellte sie fest, dass einer der Köpfe einen Flecken bekommen hatte, ohne dass sie etwas besonderes gemacht hätte.

Als Indra vom Flecken erzählte, stand sie auf und nahm etwas von einer Kommode, gab es mir und sagte zugleich:

„Und sage mir nicht, das wäre Zufall!“


Ich schaute auf das, was sie mir gegeben hatte. Es war der getrocknete Kopf einer Sonnenblume. Auf diesem hellgrauen Kopf befand sich eine dunkelbraune Stelle.
Ein Fleck.
Und dieser Fleck besass eine Form, wie sie eindeutiger und unzweifelhafter nicht sein konnte:

Der Fleck war ein Herz …


(geschrieben am 2-Feb-1996)

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (1)

29. September 2006. 7:00
D’r Zoch kütt!
D’r Zoch setzt sich in Bewegung!
D’r Zoch is schon längst völlig abgefahren!

Weiss wabert Nebel um den Zug auf dem Weg zum Flughafen.
Der Herbst streckt seine klammen Finger aus.
Unerbittlich.
Unabänderlich.


Noch ist viel Grün auf den Bäumen.
Aber ebenfalls schon ein wenig Rot.
Äste gebeugt unter der Last ihrer Früchte.

Äpfel auf Augenhöhe. Patchoulli-Duft dringt aus ihrem Pullover. Sie steht neben mir zum Anbeissen nahe. Ein Lufthauch durchstreift mein Haar. Hat sie mir jetzt gerade leicht ins Haar geblasen?
Ich riskiere einen Blick nach oben. Ihr frisch ondulierter Kopf steckt hinter einem Buch von Hera Lind. „Das Superweib“.
Kurz senkt sie das Buch und zwei schmaler werdende Augen hinter einem eckig strengem Drahtgestell von Brille mustern mich feindseelig.

Was habe ich ihr getan?

Mein Blick schweift rüber zu dem hoch aufgeschossenen, jungen Mann mit schwarz gelocktem Haar, Drei-Tage-Bart, markantem Oberlippenbart und Ballack-Nationaltrickot. Er nestelt an seinem schweren Koffer. Er scheint nervös zu sein, obwohl er sich betont cool gibt.
Woran erinnert er mich?

Der Mann dahinter schaut mich streng an, seine Hände vergraben in seinen Jeanstaschen.. Kurz darauf verbiegt sich seine Nase, sein linker Mundwinkel schnellt in die Höhe, seine gesamte linke Gesichtshälfte verschiebt sich nach oben. Und dann das unvermeidliche Geräusch, wie als ob jemand den letzten Schluck Caipirinha durch den Strohhalm gurgelt.
Nur erheblich nasaler eben.
Darauf schluckt er offensichtlich das Hochgezogene und schaut mich weitzerhin streng an.

Was mache ich falsch?

Und dann noch die Endzwanzogerin mir gegenüber. Ihr braunes Haar umrahmt locker gelockt verlockend ihr Gesicht. Sie gleicht einer Fee und ihre beiden grünen Scheinwerfer dringen tief in die meinigen müden Augen. Ihre warmroten Lippen umspielt ein verführerisches Lächeln und ihr Mund öffnet sich leicht. Ich sehe ihre zart rosa Zungenspitze auf ihre Lippen zuwandern. Wie in Zeitlupe schlägt sie ihre Beine auseinacner, beugt sich vor. Ihre zartgliedrigen Hände streicheln zärtlich ihr Haar.
Was will sie von mir?

Neben sie drängelt sich ein älterer Mann, stehend, mit tiefgezogener Stirnglatze und blauem Harley-Davidson-Sweat-Shirt. Typ „reaktivierter Rentner“. Von seiner abfallenden Schulter baumelt frei eine braune Handtasche.
Er schaut mich fordernd an und hält mir seinen Dienstausweis offensiv vors Gesicht. Seine freie Hand packt mich an meine Schulter.
Er schüttelt mich.
Es schüttelt mich.
Wir schütteln gemeinsam.

Was will er von mir?

„Aufwachen! Ihre Fahrkarte, bitte!“

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (2)

29. September 2006. 10:00
Sie reicht mir mein Frühstück rüber und lächelt charmant. Ihr kleiner, schmaler Mund öffnet sich und ein Schwall französisch ergießt sich über mich.
Ich verstehe sie nicht.
Ich will sie nicht verstehen.
Obwohl ich weiß, was sie mich fragt.

Aber französisch gleich mit der erstbesten dahergelaufenen Saftschubse? So nötig habe ich es schließlich auch nicht. Machen die Franzosen bei Nicht-Franzosen schließlich auch nicht anders. Und reden aus Prinzip nicht ausländisch.

Sie wiederholt ihre Frage auf englisch.
Na also, es geht doch.
„Ja“, antworte ich ihr und bestelle „One coffee and one tomato soup.“

Ich bin müde und merke zu spät, dass mein Englisch unpräzis wird und ich eigentlich  „juice“ statt „soup“ meinte. „Saft“ statt „Suppe“.

Suppe, so meint die Stewardess lächelnd ironisierend, würde nur in der 1. Klasse auf Langstreckenflügen serviert.

Ich bin zu müde für diese nette Flaxerei.
Ich bin nur müde.

Boshaft entgegne ich ihr, warum sie mich denn dann verdammt nochmal erstens nicht nach vorne setzt und zweitens die Piloten anweist statt nach Paris drittens nach Rio zu fliegen. Ich wolle meinen „tomato juice“.
Ignorant sage ich jetzt „Saft“ nicht „Suppe“ und übergehe einfach meinen vorherigen Fehler und ihre nette, augenzwinkernde Art.

Die perfide normative Kraft des brutal Faktischen.

Ihre Lippen werden schmal , ihre Augen ziehen sich zusammen und schicken flammende Blitze in meine Richtung. Sie gibt mir herablassend meinen Kaffe und zieht sofort wortlos weiter.

Es ist mir egal.
Total egal.
Ich bin nur müde.

Als ich wieder aufwache, räumt sie mein unangerührtes Frühstück wieder ab und nimmt mir den inzwischen kalten Kaffee weg, klappt mein Tischen hoch, schaut mich angewiedert an und sagt mir im perfekten Deutsch nur:

„Wir landen gleich. AIR FRANCE wünscht Ihnen, gut geschlafen zu haben.“

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (3)

29. September 2006  19:35
Mein Fahrer ist jung und adynamisch.
Dabei braucht er auch gar nicht dynamisch zu sein. Dafür ist er exakt kalkulierend.
Eineinhalb Stunden von Rouen bis Charles de Gaulle bei Paris.

Kalkulierte Punktlandung für den Abflug um 19:25?
Nein, das ist nicht sportlich.
Das ist klassisches Kalkül.
Ich wäre auf der Höhe von französischen Nuimmernschildern über deren Autobahnen geprescht. Und das nicht mit lediglich 230 km/h Maximum. Oder gar mit 110 wie mein Fahrer. Total verkehrsregelkonform.
Im Stau zuvor hätte ich genauso wie alle anderen Franzosen auch einfach nur gedrängelt.
Mein Fahrer tat es nicht.
Zehn Prozent mehr Geschwindigkeit als erlaubt, wäre meine Regel gewesen. Seine aber nicht.
Da sitze ich auf dem Beifahrersitz, die Autouhr von Createur de Automaleur fest im Blick.

Erinnerungen an die Besprechung.
Eingeschlafen.
Mein Fahrer gab mir zwei Zettel zum Kopieren und nen Hinweis, wo er den Kopierer gesehen hatte.
Ich kriege Bewegung und Frischluft.
Eine Frau gab mir nachsichtig lächelnd einen Kaugummi.
Gegen Schläfrigkeit.
Er wirkte einstweilen.
Kaffee jedoch nicht mehr.
Ich brauche dringend Koffeintabletten

Die Silhouette der Hochhäuser Paris taucht auf. Munter dreht sich ein riesig grosses Logo der Firma SIEMENS auf einem der Hochhäuser. Gerade so als ob sie sich nie mit BENQ in Deutschland auf grausamen Vollzug ein Jahr später geeinigt hätten.
3.000 potentielle Arbeitslose mehr.
Was zählen da schon Versprechungen in diesen Jahren …

19:45
Stau am Stadion St. Denis. Hier verlor Brasilien mit einem mysteriös kranken Ronaldo die WM 1998 gegen eijne grandiose Equipe Tricolore. Alez le bleu.
19:45 ist auch gleichzeitig Boarding time, also der Beginn des Einstiegs ins Flugzeug. 20:25 ist Abflug.
Ich starre aufs Stadion.
Mein Fahrer meint unbekümmert, es gäbe keinen Grund zur beunruhigung. Stimmt. Ich kann ja immer noch später fliegen.
Oder halt dann: „Eine Nacht in Paris“
Paris, versteht sich.
Nicht Paris Hilton.
Eher Ibis Hotel …

20:15
Wir kommen am Terminal D an. Fast hätte er sich noch kurzfristig verfahren. Wäre zu einem anderen Terminal weitergefahren.
Ich verabschiede mich von meinem Fahrer.
Der hat die Ruhe weg und lächelt überlegen.
Sprintend renne ich mit Handgepäck und meiner Sitzplatzkarte in den Händen zum nächsten Monitor und mit der dort neu gewonnen Erkenntnis zum entsprechenden Gate.
Meine Lieblingsfreunde, die Sicherheitskontrolle? Eine Hürde, mehr nicht.
Ich komme als letzter atemlos in den Flieger und ernte mißmutige Blicke von Besatzung und Passagiere.
Geschafft.
Ich bin zum zweiten Mal heute das „Arschloch vom Dienst“.
… und zusätzlich müde …

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (4)

29. September 2006 21:00
A glas of champagne.

Wie schön das klingt.
Hatten das nicht mal Matrosen in den Goldenen 80ern gesungen?
Und die nannten sich als Gruppe nicht „SAILOR“ und waren ein One-Hit-Wonder? Gewissermaßen Eintagsfliegen am Himmel der Popstars? Geschluckt und verdaut. Fast für immer.

Ein Glas Champagner.
Nirgendwo kann man sich hemmungsloser an Champagner besaufen als bei der AIR FRANCE.

A glas of champagne.

Ich dämmer vor mich hin und höre „Major & Suzan“. Die Gitarrenriffs geben mir den Soundtrack zu meinem Zustand.
Mein Nachbar reklamiert, dass ich zu dick für ihn sei.
Ich verschiebe mich von ihm weg zum Fenster hin und bestelle den nächsten Champagner.
Und Rotwein.
Lieber Rotwein als tot sein.
Gleich dreimal binnen einer Stunde.

Touch down.
Gelandet.
Drei-Punkt-Landung.
Will sagen: Alle drei Radgestelle haben permanenten Bodenkontakt.
Die Erde hat mich wieder.

Wochenende.
Unter Strom war bis vorhin.
Mein Akku ist leer.
Schluß aus und vorbei.
Am Montag geht es weiter.
Wat mutt, dat mutt.
Umsonst ist nur der Tod, sagen die Gelehrten. Kostenlos das Leben garantiert nicht, die Wirtschaftsweisen. Wirtschaftswaisen?
Ich marschiere durch den Zoll, zünde mir eine Zigarette an und fühle mich wahnsinng ungesund.
Und leer.
Und müde.
Zuviel arbeiten schädigt Ihre Gesundheit. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arbeitgeber oder Ihr Nervenkostüm am Monatsanfang bei Bekanntgabe der neusten Arbeitslosenzahlen.

Ich flatsche mich in den harten Sitz des Zuges und schnaufe durch.
Mühseelig.
Matschig.
Malade.
Müde.

Einfach nur müde.

… will schlafen …

Burzeltage wie dieser … wenn ich es richtig peile …

… hat die hier heute Geburtstag.
Und da die hier bis jetzt noch kein Post geschrieben hat (entweder verputzt sie gerade ihre erste Buzeltagstorte oder sie lässt es sich gut gehen und schläft aus oder ist gerade am Walken … je nachdem was zuerst kommt …)

Zu ihrem „18ten + x“-Geburtstag alles Gute.

Und Belinda:
Trink nicht soviel Prosecco bis heute abend!
Denk auch mal an die neidische und nicht-Geburtstag-habende Gesellschaft!

So.
Das musste mal mit einem eigenen Post gesagt werden.

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Lebe wild und gefährlich (1)

Beschließe von nun ab mein Leben umzukrempeln.

Lebe wild und gefährlich, Careca!

Schluss mit spiessig!
Schluss mit geplant!
Schluss mit Lustig!

Buche gleich als erstes einen Flug und entdecke dabei die Möglichkeit zur Anarchie: Kaufe mir einen Tetrapak Vollmilch und eine Tube Zahnpasta.
Nervös stecke ich mir eine Zigarette mit meinem Feuerzeug an, als ich in der Nähe der Sicherheitskontrolle komme.
Einer aus der Schlange reisst mir zeternd die Zigarette aus dem Mund und schmeisst sie weit weg.
Vor Schreck fällt mir Milch und Zahnpasta runter und zerplatzen auf dem Boden.
Stehe in einer Milchpfütze.

Lese dann das nachfolgende Schild:
Lebe wild und gefährlich, Careca

Werde mich aus Rache hackenbreit zuschütten.
Wollte mir immer schon im Duty-Free-Laden eine Flasche Absolut-Vodka kaufen und sie dann auf ex leeren.
Hoffe, dass ich nicht betrunken wirke, wenn ich den Flieger betrete.

Lebe wild und gefährlich (2)

Bin im Innern des Sicherheitsbereich vom Flughafen.
Erspähe sofort einen Spatz.
Sichere den Beweis als Foto.

Lebe wild und gefährlich, Careca

Kann bei dem Spatz weder Reisepass noch Boarding Card entdecken.
Bin ungelogen ein wenig neidisch auf den Spatz.
Offenbar lebt der wesentlich wilder und gefährlicher als ich.
Ohne Dokumente, aber im Sicherheitsbereich.
Vogelfrei sozusagen.

Kaufe aus reinem Protest im Duty-Free-Laden drei Flaschen Smirnoff-Vodka auf Kredit-Karte.
Lasse zudem noch Feuerzeug, Brieföffner und Nagelschere dazulegen.
Folge gehorsam sofort dem letzten Aufruf.
Stelle mich in der zwanzig Meter Schlange ganz hinten an.

Gewinne die Erkenntnis, wild und gefährlich zu leben, sei nu doch nicht so einfach.

Lebe wild und gefährlich (3)

Will im Flieger die Vodka-Flaschen öffnen.
Stelle mit Entsetzen fest, dass die Flaschen wohl noch in London auf dem Flughafen rumstehen.
Frage Stewardess, ob wir nicht noch umkehren können.
Stewardess versteht wohl mein Englisch nicht.
Wende mich an den Steward.
Aber der mag mich wohl auch nicht.
Beschließe mich ersatzweise an Boardgetränke zu berauschen.

Lebe wild und gefährlich, Careca

Stelle fest, dass das Glas aus Glas ist und die Dose aus Metall.
Finde in meiner Hosentasche noch eine Tüte „Düsseldorfer Löwensenf extra scharf“ und ein Gasfeuerzeug.
Überlege, wie ich aus der Dose, dem Senf und dem Feuerzeug eine Senfgasgranate basteln kann.
Versuche das Nachdenken mit diversen Fläschen Rotwein anzuregen.
Schlafe beim Nachdenken ein.
Wache auf meiner Brille sitzend auf.
Brille verbogen.
Fotoapparat jedoch nicht.

Erkenne zu meinem Leidwesen, ich lebe noch immer nicht wild und gefährlich.
Mist.

Lebe wild und gefährlich (4)

Stewardess kommt und fesselt mich an Sitz fest.
Denke erst voll erregt an leichte Formen von Sado-Maso.
Nach der Landung stelle ich leider fest, dass es sich nur um den Sitzgurt handelte.
Steward zeigt mir eine halbe Stunde später, wie der Sitzgurt aufgeht.
Fühle mich tief beschämt.
Verlasse Flugzeug und nehme den Narita-Express Richtung Tokyo Station.
Frage dort am Info-Schalter nach Bill von Toykio Hotel.
Unverständiges Schulterzucken und aufreizend provozierendes Lächeln.
Verschwinde erstmal in das nächste Kaufhaus.
Suche brasilianischen Schnaps.
Fehlanzeige.
Suche danach brasilianisches Bier.
Wieder nichts.
Will mir nun japanisches Bier kaufen.
Stosse dabei auf deutsches Kölsch.

Lebe wild und gefährlich,Careca

Beschließe ganze Reihe Kölsch aufzukaufen.
Werde von einem deutschen Ehepaar schief von der Seite angeschaut.
Japaner reagieren mit Gleichmut oder einfachem Wegsehen.

Ich spüre, ich bin auf dem richtigen Weg zu „Wild und gefährlich“.

Lebe wild und gefährlich (5)

Fühle mich richtig beschlußfreudig.
Beschließe also mir den giftigsten Fisch der Welt zu kaufen.
Stehe vor der Auslage mit den Kugelfischen, die man Fugu nennt.
Lebe wild und gefährlich, Careca

Fische erscheinen mir zu dünn für eine wilde und gefährliche Mahlzeit.
Ziehe weiter.

Später erzählt mir wer, Fugus pumpen sich auf, wenn sie sich in Gefahr wähnen.
Bin sauer und würde mich am liebsten ebenfalls aufblasen.
Nehme mir stattdessen nur meinen Schuh.
Scheitere beim Aufblasen.
Bin doppelt-sauer.

Lebe wild und gefährlich (6)

Wandere ziellos durch Tokyo.
Finde ein Holzgebäude mit einer Kugel davor.
Drinnen stecken Japaner seltsame Stäbe, zünden die an und schnuppern dann wie berauscht.
Beteilige mich an dem öffentlichen Kiffen.
Stäbchenzeug ist aber irgendwie unpotent.
Wohl schlechte Qualität.
Lebe wild und gefährlich, Careca

Verspüre überhaupt keinen Rauschzustand.
Sehe allerdings wie sich die Japaner den Rauch über ihre Köpfe schütten wollen.
Muss ein eigenwilliger Rausch sein.
Scheint zu wirken.
Denn sehe Hakenkreuzsymbol am Rand des Beckens.
Sehe Hakenkreuze an einer Glocke.

Lebe wild und gefährlich, Careca
Räucherstäbchen sind eindeutig Betrug für Kiffer.
Deutsche Frau klärt mich nachhaltig und intensivst auf, dass Symbol älter ist als das Tausendjährige Reich.

Sehe immer noch keine Gelegenheit für „Wild und Gefährlich“.

Lebe wild und gefährlich (7)

Will mich der japanischen Bevölkerung aussetzen und mich von denen niedertrampeln lassen.
Trotz demonstrativen Stehenbleibens werde ich nicht gerammt.
Von niemanden.
Lebe wild und Gefährlich, Careca
Irgendwie erscheint mir auch der Passantenstrom geringer.
Versuche mich vor einer Rikscha zu werfen.
Rikscha-Esel und Eseltreiberinnen weichen mir lässig aus und lächeln nachsichtig mir zu.
Eine winkt sogar provozierend freundlich.

Lebe wild und Gefährlich, Careca

Bin entnervt.
Wo ist es, das wilde und gefährliche?

Lebe wild und gefährlich (8)

Sitze trübseelig im 22. Stock meines Hotels.
In Tokyo.
Aber nicht Tokyo Hotel.
Schaue desillusioniert durch das Fenster auf die Lichter der Großstadt.

Lebe wild und gefährlich, Careca
Fenster ist hermetisch verschlossen.
Klimaanlage surrt.
Grüner Tee zieht in der Kanne vor sich hin.
Fühle mich wie Bill Murray in „Lost in Translation“.

Lebe wild und gefährlich (9)

Sitze wieder in Flugzeug.
Mission gescheitert.
Bestelle mir wieder Gin-Tonic, bis die Bedienung mit Blasen an den Füssen zusammenbricht.
Grübel wieder, was wildes und gefährliches aus einem Rührstäbchen und einer Metalldose zu basteln möglich ist.

Lebe wild und gefährlich, Careca!

Fühle mich wie Mac Gyver, als ich vollkommen besoffen entschlummere.

Wache mit Kopfschmerzen auf.
Flieger setzt hart auf.
Applaus dafür von den hinteren Bänken.
Beschließe nun endgültig das „Wilde und Gefährliche“ nicht mehr zu suchen.
Suche war zu erfolglos.
Fühle mich als Loser.
80 Stunden Tokyo haben mich nicht wild und gefährlich gemacht.
Dreitägige Japan-Reise war somit ein Reinfall.

Kurz vor der erneuten Kontrolle beim Umsteigen, entledige ich mich diverser Utensilien.
Lege diese wie Opfergaben an den Zoll an eine Säule nieder.
Mache zur Erinnerung noch ein Bild von dieser Spontanopferung an die Götter der Sicherheit.
Höre wie ein deutsches Ehepaar über mich lästert und was von Müllkippe brabbelt.

Lebe wild und gefährlich, Careca!

Fühle allerdings doch noch ein wenig Stolz über meine selbstlose Opferung in mir aufsteigen.

Erfahre, dass meine Reise mit der Opferung am Ende doch noch Erfolge hat:
– Der japanische Ministerpräsident wechselt.
– USA-Reisende dürfen wieder Wasserflaschen mitnehmen.
– Tony Blair nimmt auch Abschied.
– Frankreich erwartet meinen Besuch für nächsten Freitag.

Ziehe mir zur Belohnung die drei Teile der Filmserie „Die wilden Kerle“ rein.

Fühle mich richtig gut.

Werde an einem anderen Tag wieder versuchen, wild und gefährlich zu leben.

Jetzt geh ich erstmal schlafen.

Jet-Lag verdauen.

Nabend allerseits.

Alarmstart, der nächste

Kaum ist man wieder zurück, weiss ich schon,wohin ich nächsten Freitag fliege und wo ich mir nachmittags die Zeit um die Ohren schlagen werde.
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Alarmstart

Hiermit melde ich Blogpause für die nächsten fünf Tage an.
Koffer packen ist jetzt angesagt, vorheriges bügeln auch.
Ab in die Ferne, der Sonne entgegen.
Hört sich toll an, ist es aber nicht.
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