Albtraum eines Eierschleppers (Lebe wild und gefährlich Teil 27)

Fastenzeit.
Da dürfen die süßen Hasen noch durchatmen.
Fern ab von patschigen Kinderhänden und Kinderzähnen, die ihnen drohen den Kopf abzubeißen.
Welch geruhsame Zeit …
Doch da ist etwas, was beunruhigt, was den Hasen den Schweiß raus treibt, ihn die inner Hitzewallung bringt. …
Ein Albtraum …

Aber keine Sorge:
Alles wird gut …

Albtraum eines Eierschleppers
Regie: Careca
Hauptdarsteller: Ein 99-Cent-Häschen
Nebendarsteller: Elmo und Grobi aus der Sesamstraße, ein Reissdorf-Kölsch-Kronkorken und ein Schlüsselanhänger

Filmed in Hi8-Colour
Edited by MashCast, JPGVideo, Virtual-Dub und Windows-Movie-Maker

Hinweis:
Für dieses Machwerk wurden nur ein unschuldiges, braunes Schoki-Häschen mit einem 300-Watt-Fön bis zur gnadenlosen Schmelze gequält. Der Regisseur empfindet keinerlei Gewissensbisse oder sonstige Lustfaktoren. Die patschigen Häschenreste wurden ebenso gewissensfrei in den normalen Hausmüll entsorgt …

Wer rettet Opel? Ein teuflischer Plan!

Diese Frage treibt sich durch die große Koalition wie die Sau durchs Dorf. Von links nach rechts, von Koch bis Guttenberg, von Merkel bis Steinmeier. Alle wollen irgendwas, tun nichts und stehen dann öffentlich voll dazu. Und alle erklären sich solidarisch mit den Opelanern.
Nur. Ist es so wichtig Opel zu retten? Was passiert mit dem Geld, wenn es Opel hat? Bekommen es die Amerikaner? Und wenn ja, wie verhindert man es gekonnt und befriedet die nationale Frage äusserster Wichtigkeit?
Von Guttenberg hatte Opel seitens GM als Abschiedsgeschenk schon nicht in dem Rückreisegepäck aus den Staaten gesteckt bekommen. Wenn es ein Mann in der Männerdomäne schon nicht schafft, dann müssen die Waffen einer Frau her.
Merkel etwa?
Nie!
Die von der Leyen wird es machen. Mit einem teuflischen Plan.
Doch hört selber:

http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data5.blog.de/media/359/3352359_df4859fe78_a.mp3
Ausschnitt aus WDR 5 Spaß 5_ Sendung vom 19.03.09

(Quelle: Dieser Tonschnipsel stammt aus der WDR5-Sendung „Spaß5 im WDR 5“. Die gesamte Sendung vom 19.03.2009 kann unter http://www.wdr5.de angehört werden und findet sich hier wieder.)

Der schwarze Mann

Zu fern für ein Foto, aber nah genug, um festzustellen, daß er gute Laune hatte. Ich dachte, im Zeitalter von Fernwärme und Co, gäb er sie kaum noch: Die Schornsteinfeger in Traditionskleidung und mit deren Putzzeug.
Ich dacht, daß waren jetzt Spezialisten mit Notebook und Spezialköfferchen in Jeans und Sweatshirt oder Blaumann.
Nein, es gibt die traditionellen Kaminkehrer noch.
Glück gehabt, ich habe einen zu sehen bekommen.

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Nachtgedanken

Noturno

Wo bin ich?
Was mache ich?
Im Dienste einer Wahrheit spiele ich meinen eigenen Advocatus Diaboli. Und irgendwie kommt da der Hofnarr vorbei und meint sakrosant postsyphilitisch: „Alles ist relativ subjektiv.“
Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Was meinte der damit?
Ich unterschreibe eine
Beurteilung und zugleich weiß ich, dass ich damit mir mein eigenes Urteil gefällt habe. Es lautet auf Mehrarbeit. Mehrarbeit, die ich aber gesetzlich nicht liefern darf.

Der Zug rumpelt unter mir über die Gleise, wie die Nationalmannschaft auf dem Weg zur nächsten WM. Der kürzeste Weg ist nicht der direkte. Jedenfalls nicht immer. Auch nicht auf Rückreisen.

Ein Film flimmert über meinen MP4-Player. Der Hauptdarsteller ist eine Katze. Dessen Zeichner hatte diese dann in seiner Zeichengeschichte umgebracht, damit keine Fortsetzung mehr verfilmt werden konnte.
Seltsame Welt. Heute kann mit Hilfe einer Rechtsanwalts der Name einer Fernsehsendung geändert werden. Damals musste der Autor seine Erwachsenen-Comic-Katze umbringen, um sein Werk zu retten.

Mir hilft das wenig bis gar nicht. Denn was einmal gedacht wurde und von der Zeichnung aus Gestalt nahm, lässt sich nicht mehr zurück nehmen. Die gerufenen Geister lassen sich nicht mit dem Bade ausschütten. Walle, walle manche Strecke, das zum Zwecke Wasser fließe und im Bade sich ergiesse.
Der Zauberlehrling hat seinen Meister gefunden, um sein Tageswerk zu loben. Im Wald vor lauter Bäumen, die sich eh niemand anschaut. Da, wo es herausschallt, wenn man noch vor den letzten sauren Regen reingerufen hat.

Komisch, die deutsche Eiche kümmert es nicht, welche deutsche Sau sich dran scheuert. Aber welche Sau kümmert es schon, daß eine deutsche Eiche es nicht mit einem gestandenem Urwaldriesen aufnehmen kann.

Hm.
In diesem Assoziativ-Spielchen fällt mir eine Münchener Straße ein. Die Planungen sehen vor, diese Straße zu untertunneln. Im Zuge dieser Planung wurde die Straße komplett derer Bäume entledigt. Wo vorher jeder Blick sich im Straßenbegleitgrün verhedderte und beruhigt hängen blieb, so gleitet der Blick jetzt haltlos über grauen Asphalt und den Wällen links und rechts geformt aus Häuserfronten. Und dazwischen wälzt sich unsere bunte Kraftfahrzeugflotte, die als mobiles Menetekel unserer darbenden Wirtschaft munter vor sich hin die Energiereserven literweise dezimiert.

Aber all das hilft mir nicht weiter. In Wäldern gerufen ohne Antwort bleibt mir weiterhin keine Wasserschale, in der ich meine Hände ob meines Urteils diese in Ungeduld baden könnte. Von Unschuld wage ich dabei eh nicht zu schreiben. Denn als Advocatus diaboli ist man nie unschuldig.

Schnee, unschuldig im strahlensten Weiß, verziert die Umgebung.
Ist Frühling?
Schneeflocken fallen zusammenhangslos auf nassen Asphalt.

Und meinem Geschreibe geschieht gleiches. Vorbeugemaßnahme gegen weiteres Fallen:

Gute Nacht.

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Willkommen bei den CH’TIS (2)

Chtis02
Einmal Chtis und zurück. Das Beweisfoto #2.
Und wer den Film noch nicht gesehen hat, einfach mal anschauen.

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Kneipengespräch: Krisengesellschaft

– Du warst schon lange nicht mehr hier.

Er schaute mich lange von der Seite an, während ich ein paar Lockerungsübungen durchführte, bevor ich mir mein Kölsch ergriff.

– Stimmt.
– Geburtstag? Hochzeit? Namensänderung? Und das alles nacheinander?
– Stimmt.
– Nu red keinen Driss. Wo warste?
– Nirgendwo. Ich hab nur versucht die Fastenzeit durchzuhalten.
– Mal wieder den Gürtel enger schnallen bis Ostern?
– Genau.
– Das ist doch Quatsch. Wozu Fastenzeit? Wir haben doch schon die Krise.
– Genau. Hat meine Friseurin auch gesagt. Die Krise als Katharsis der eigenen Gier, meinte sie.
– Der was bitte?
– Katharsis. Kennste das nicht? Das eigene Erleben von Furcht, Jammerei und Schaudervollem führt zur Läuterung der eigenen Seele gegenüber schlechter Leidenschaften. Hier ist die schlechte Leidenschaft die Gier.
– Komisch, ich dachte wir stecken in einer Absatzkrise und in keiner Gierkrise.
– Naja, das Fehlen von Absatz könnte man auch als das Fehlen von Gier verstehen. Ohne Gier, keinen Absatz.
– Also könnte man das jetzt fehlende Gier von einem anderen Blickwinkel aus auch als real existierende Fastenzeit bezeichnen.
– Das wäre jetzt aber beschönigend ausgedrückt. Eine christliche, zeitlich begrenzte Lebenseinstellung als Erklärung dafür, dass niemand mehr unsere Produkte kaufen will.
– Geiz ist eben geil.
– Und wir hassen teuer.
– Aber immerhin 20% auf alles.
– Außer Tiernahrung.
– Genau. Denn unterm Strich zähl ich!
– Falsch. Bei der Bruchrechnung steht der Zähler überm Strich und unterm steht nur der Nenner. Und erst bei der Bruchrechnung kann man wunderbar abziehen, wenn alles unterm Strich auf einen Nenner gebracht wurde.
– Die Gleichschaltung der Bedürfnisse in der Krise?
– Freilich. Fragen Sie die Kurzarbeiter. Die können doch schon einen Satz alle im Schlaf aufsagen: Besser ein Kurzarbeiter-Los als arbeitslos.
– Hauptsache einigermaßen beim Krisenmonopoly ungeschoren an Parkstraße und Schloßallee vorbei über Los kommen, dann könnte es wieder Bonuszahlungen geben.
– Dabei ist weniger manchmal mehr. Die neue Maxime des Wertewandels. Die Wiedergewinnung der Unmittelbarkeit.
– Wow. Schön gesagt. Geht es auch genauer?
– Tja, die Infragestellung zivilisatorischer Artifizialismen bringt die Menschen den elementaren Fragen urplötzlich näher.
– Artifiziali … was bitte?
– Artifizialismus.
– Was bitteschön ist das denn schon wieder?

Ich schnaufte kurz durch.
Mein Kölschglas hatte schon erheblich zu viel Luft drinne. Ich winkte dem Wirt. Der kam auch gleich, stellte mir eine Stange hin ging zu meinem Nachbarn lehnte sich verschwörerisch rüber und meinte maliziös lächelnd

– Hör mal, Jupp, glaub dem nichts. Das Obergärige gärt bei dem gerade richtig obergärig. Und das ganz knapp unter der Haarwurzel.

und ging wieder zurück zu seiner eigenen Stange Kölsch.

– Artifizialismus ist der Glaube der Kinder vom zweiten bis siebten Lebensjahr, die Welt um sie herum sei ausschließlich von Menschen oder auch Gott gemacht.
– Und dieses Weltbild-Patchwork wird jetzt also durch die Krise in Frage gestellt? Wolltest du das vorhin sagen?
– So in etwa. Von der Selbst-Kontrolle der 50er und 60er über die Selbst-Verwirklichung der 70er und 80er war die Gesellschaft beim Selbst-Management der 90er und des neuen Jahrtausends angekommen.
– Und jetzt macht die Krise diese selbstkonstruierte Wirklichkeit kaputt.
– Im Fernsehen ließ sich das gut verfolgen: 50er und 60er Jahre da war es die Serie „Stahlnetz“. Die 70er und 80er prägte „Schimanski“. Mit dem rebellisch-anarchischen „Schimmi“ und seine Gegenfigur, dem amtlich korrekten „Thanner“. Und damm kam das „Starke Team“ oder auch die Tatorte mit zwei Ermittlern mit deren eigenen Regelkonstruktionen.
– Aha. „Der goldene Schuß“ als Selbst-Kontrolle, „Wetten dass“ als Selbst-Verwirklichung und „Werden Sie Millionär“ als Selbst-Management.
– Ja. „Werden Sie Millionär“ sehen einige auch als Beispiel, dass positive Verstärkung der individuellen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wünschen in dieser Gesellschaft hoch im Kurs steht.
– Heute wissen wir, „Werden Sie Millionär“ und die hohen Lotto-Jackpots waren nur eine tiefenpsychologische Vorbereitung darauf, dass in jedem von uns auch ein Zocker steckt.
– Das Selbst-Management funktioniert nun nicht mehr. Es geht ans Eingemachte. „Back to basic“ galt zuvor als modern. Jetzt wirft es mehr Fragen auf, als es einem lieb ist.
– Und ich wette mit dir, die Antworten dazu werden mehr und mehr auch im Jenseits der christlich-abendländischen Tradition gesucht.
– Es sei die größte Krise seit dem zweiten Weltkrieg, wird ja immer wieder gesagt.
– Das ist ja beruhigend. Dann brauchen wir ja nicht aktiv werden und zur Antwortsuche Sturmtruppen ins Jenseits schicken. So wie im zweiten Weltkrieg.
– Genau. Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan sollte erstmal völlig ausreichen, um die ersten Vortrupps zur Erkundigung der Antworten auszusenden. Den Rest findet dann die BILD-Zeitung per Interview raus …

Zeit für eine Redepause. Auf einen Schluck.
Neben mir hatte sich so ein junger vierschrötig Kerl mit Weißbier aufgebaut gehabt. Er gaffte mich an, als ob ich der erste Mensch wäre. Als er meinen Blick bemerkte, drehte er sich ab und seinen Kollegen wieder zu. „Die Preußen philosophieren heute wieder nen Mist zusammen“ verstand ich nur und hörte deren bayrisches Lachen.

– BILD-Zeitung? Da war ja jene DSDS’lerin nackt drin abgebildet.
– DSDS schau ich mir nicht an.
– Nicht? Hast du dir etwa den Biathlon im Ersten angeschaut?
– Nicht mal das. Ich verlass mich auf die Praktiken der Industrie.
– Welche?
– Sie fordern ihr Mitarbeiter auf zu verzichten, damit ihnen wieder besser geht. Ich verzichte aufs Anschauen solcher Sachen.
– Na, dann brauchste dir keine Gedanken machen, um HDTV und Co machen …