Still, still, still …

Geschafft?

Ich sitze in meiner Kneipe und schau um mich herum. Es ist ruhig. Raucherschwaden ziehen an mir vorbei. Raucherclubzeit.

Hier und dort steht ein Mädel im allerneusten Zobel. Scheint wohl ein Weihnachtspräsent zu sein.

Stammt der Zobel eigentlich vom Hund ab? Muss deswegen ein Zobel als Kleidungsstück immer Gassi geführt werden? Und wenn in Kneipen, kann ich dann auf Tierquälerei pochen?

Ich schau mir die schwarzhaarige Frau in ihrem niegelnagelneuen Zobel an. Ihr Lachen ist eine Granate und beflügelt die Phantasie.

In Gedanken sehe ich das Stück Zobelfell an ihr herabgleiten und ihre elfenbeinfarbene Haut freilegen …

– Und? Weihnachten überlebt?

Klar, wer das war.

– Es gab rheinischen Riesling statt Kölsch.

– Trocken?

– Staubig trocken. Trockener als die Wüste Sahara.

Er seufzte.

– Jaja, so sind wir Deutschen. Bei uns muss alles trocken sein. Lieblicher oder halbtrockener Riesling, das ist nur etwas für Weicheier.

– Jener Riesling war nur eine Flaschenlänge vom Essig entfernt.

– Das nennt man „erfrischende Säure“ und leicht erfrischendes Zitronenbouquet.

– Quatsch! Das ist staubiger Essig. Und seltsamerweise hat jeder den Riesling als Einmaligkeit gelobt. Als ich dann vom halbtrockenen oder lieblichen Riesling mit dementsprechenden charakteristischen Aprikosenaroma erzählte, wäre ich fast gesteinigt worden.

Wir schauten in unsere Kölschstange. Neben uns hatte einer ein Hefeweiße mit einer Scheibe Zitrone empfangen. Muss wohl schön machen. In Karlsruhe serviert man Hefeweizen sogar mit Bananensaft. Wenn es schön macht, intelligent macht es auf alle Fälle nicht. Denn sonst wäre sowas schon ausgestorben …

Jede Jeck ist halt anders.

Er schien meine Gedanken erraten zu haben:

– Jeck, loss Jeck elans!

Ich nickte. Der Wirt tauschte wie immer kommentarlos meine leere Stange gegen eine volle Stange aus.

– Du warst schon lange nicht mehr hier.

Wenn mein Kneipenkollege etwas raus hatte, dann war es sein unwiederstehlihcer Unschuldsdackelblick.

– Naja, das Leben ist halt kein Stammtischlokal.

– Sondern?

– Maximal Fluchtpunkt Stammkneipe.

– Mit welcher Stammtischhoheit?

– Alles für den Dackel, alles für den Club!

– … unser Leben für den Hund. Wenn das nur der Herr Makielski wüsste.

Ich lachte. Ja, Hausmeister Krause und sein Herr Makielski, die würden mir hier noch fehlen.

Verdammt, das ist schon einige Zeit her, als ich dem Tom Gerhard in der Kneipe in der Kölner Kyffhäuserstraße am begegnet war. Und dann etwas später auf der Straße am Friesenplatz. Offensiv hatte ich ihn begrüßt. Direkt die Hand hingehalten und „Hallo“ gesagt. Ich erkannte ihn, er kannte mich nicht. Logischerweise. Ich hatte von ihm kein Autogramm verlangt, nur seine Hand geschüttelt (inzwischen vor zeugen schon mehrfach mit Wasser und Seife behandelt worden!). Und wahrscheinlich dachte er nur „Scheisse, bin ich bekannt“. Und ich dachte in jenem Moment nur „Scheisse, ist der bekannt“.

So ist halt die Gewaltenteilung zwischen Promi und Fußvolk: Ich erinnere mich an ihm, aber er sich sicherlich nicht an mich. Der Glorienschein Tom Gerhards scheint bei diesem Bericht auf mich herab und nicht umgekehrt. Wenn das der Herr Makielski wüsste.

– Gehste noch weiter?

– Nö, mir langt das Kölsch hier.

– Ich muss leider wieder zurück.

– Müssen?

Er lachte.

– Ich sagte ihr, ich sei mal kurz zum Zigarettenholen.

– Oha. Ehekrach?

– So in etwa.

– Hattet ihr zuviel Zeit zwischen dem Reden euren gesammelten Vorbehalten negativen Ausdruck zu verleihen?

Er schaute mich verwundert an.

– Ist da was in deinem Kölsch, oder was? Machst du mit mir ne Dissertation zwischen zwei Bestellungen?

Er winkte den Wirt ran und legte zwei Zehner auf die Tresen.

– Mach dem Spinner hier noch nen Kölsch und halt mich dann ab.

Ich schaute in mein Glas. Kohlensäureperlen stiegen auf und zerplatzen an der Oberfläche. Und je genauer ich hinschaute, um so mehr erschienen mir die Blasen wie Sterne. Wie Sterne, die vielen schnuppe sind. Deren Bahnen waren zickzack, nie geradlinig. Hatte darüber schon wer eine Dissertation geschrieben? Über die stochastische Verteilung der Aufstiegsbahnen von Kohlesäurebläschen?

Ich zerstörte weitere eigene Analysen durch einen beherzten Schluck aus meinem Kölschglas.

Ich suchte die schwarzhaarige Frau im Zobel. Aber ich fand sie nicht mehr. Die Kneipe erschien mir inzwischen verdammt leer.

– Trinkst du aus? Ich mach jetzt zu.

Ich war der letzte Gast. Trinken, zahlen und aus der Kneipe wanken, das sind Sachen , die ich aus dem eff-eff beherrsche.

Die Straße ist still. Eine Stille, wie bei einer Beerdigung. Kaum Menschen zu sehen. Im Grunde gehört mir die gesamte Straßenbreite. Ich versuche die Mitte vom Bürgersteig einzuhalten. Aber die Welt unter meinen Füssen scheint zu schwanken. Sie scheint dem Kölschen Takt zu folgen.

Die Häuserfronten gähnen mich schweigend an.

Es ist Weihnachten.

Mein Schlüssel fndet mühseelig das Schloss. Ich wanke zu meinem Bett und sinke hinein.

Weihnachten?

Na und?

Morgen ohne Sorgen (Fake der Woche)

Am Morgen ohne Sorgen geht die Sonne auf
Und klettert fröhlich unbeschwert den Himmel rauf

Man sieht die Menschen singend durch die Straßen gehn
Denn heute Nacht, da ist es geschehn.

Es zuckte durch die Dunkelheit ein rosa Strahl
Und änderte den Weltenlauf fundamental.

Fortgeweht ist alles, was uns drückt und ödet
Denn heute nachs sind alle
Reichen und Mächtigen
auf der ganzen Welt
ganz und gar
verblödet.

Doubleju Busch lässt die Anti-Terrorkriegsspiele stehn
Nimmt sich ’ne Flasche Bier und will die Sportschau sehn.

Gordon Brown läßt die Zügel schleifen
Will nur noch mit John Major im Hyde-Park reiten.

Der Steinmeier vergißt das ganze Finanzwesen.
Geht erst mal auf’s Klo, den neuen Playboy lesen.

Die Merkel hat den 500-Euro-Bogen raus
Sie fährt nach Disneyland und tanzt mit Mickymaus.

Ackermann schafft jetzt den Kapitalismus ab
Weil er mit ner Kubanerin ’ne Beziehungskiste hat.

Lafontaine gibt sein Parteiamt auf,
Weil er auf einmal seine Reden selber glaubt.

Der Papst hat heute keinen Bock
Und stopft sein ganzes Taschengeld in den Opferstock.

US-FED-Bank Chef Bernanke träumt voll Genuss
Sehnt sich nach dem Geschmack von Alan Greenspans Bruderkuss.

Nights in white memories

Private Weihnachtsfeier. Ohne Chef und nur mit denen, die auf gutes Arbeitsklima achten. Wenige administrative, dafür um so mehr operative Mitarbeiter. Zu den letzteren gehöre ich nicht, bin aber trotzdem dankbar von denen eingeladen worden zu sein. Ja, ich empfinde es als Auszeichnung. Das ist mir mehr Wert als Mehrwert auf dem Konto.

Ist es jetzt stark am Stauben? Tue gutes und rede darüber. Oder etwa nicht? Oder etwa doch?
Ach, mir doch egal. Ich han ne jeile Zick jehabt.

Der Rückweg durch ne weiße Landschaft, weil der Bus schon weg war. Ich kann Schnee nicht riechen. Jetzt ist er da und mein Riecher hatte mir nichts gemeldet.
Schnee.
Auf Tannenspitzen die güldene Stille blitzend wunderbar.

Damit wir uns nicht mißverstehen, ich hasse Schnee. Eis akzeptiere ich eigentlich nur im Longdrinkglas. Andererseits müsste ich mich schon seit langem an Kälte gewohnt haben wie das Schaf an den hungrigen Lämmergeier. Winter ist halt so.

Mir ist trotzdem frostig.

Der Abend wärmt mich noch. Auch ohne Glühwein oder anderen spirituellen Dingen.
Mir ist inwendig warm …

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Seltsames in der Süddeutschen Zeitung …

Diego hatte … dem KSC-Spieler Christian Eichner an den Hals gegriffen. Der Unparteiische Guido Winkmann (Kerken) hatte die Szene nicht wahrgenommen und dies auch entsprechend in seinem Schiedsrichter-Bericht vermerkt.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/sport/929/450648/text

Wie kann man etwas, was man nicht wahrgenommen hat, entsprechend in einem Bericht vermerken?

SZ_Bild

Wie man einfach an neue Musik kommt …

„Guten Tag, der Herr Fachhändler.“
„Guten Tag, der Kunde.“
„Sagen Sie mal, haben Sie MP3-Player.“
„Aber sicher. Dort drüben.“
„Hm. Haben Sie auch Gebrauchtgeräte? Also Geräte, die der Käufer kurz nach dem Einkauf wieder zurück brachte?“

Der freundliche Herr Fachhändler präsentierte mir vier Geräte. Ich wählte das 190 Euro teure 8 Gigabyte Gerät und kaufte es.
Zu Hause dann erstmal den Player an den Rechner angestöpselt, die Recovery-Software angeschmissen und über den 8-GByte-Flashspeicher laufen lassen.

Hm. Gar nicht schlecht. 30 Lieder. Von Boney M über Nena bis Beethoven.
Eigentlich nicht viel für 8 GByte. Eigentlich recht mickrig.
Als ich dann mal in das Player-Verzeichnis schaute kriegte ich doch große Äugelein. Da lagerten vom vorherigen Käufer noch 7 GByte Material. Von Klassik bis Pop komplette Alben. Und dazu noch einige Filmchen, unter anderem private.

Ich hab freilich alles diskret gelöscht.

Am nächsten Tag habe ich den Player zurück gebracht. 190 Euro für so ein Teil erschien mir doch ein wenig zu viel.

Nein, der Player sollte ein Geschenk sein und der Beschenkte hätte den schon. Ich wolle ihn zurück geben.
Der Fachverkäufer seufzte und nickte verständnisvoll und stellte mir eine Rückgutschrift aus.

Etwas später zahlte ich auf meinem Konto wieder 190 Euro ein.
Es lebe der Fachmarkt.
Tja, sowas gibt es online maximal bei ebay.

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Olfaktorisch

Es riecht nach Schnee. Keine Ahnung, wieso ich meine, dass Schnee rieche. Ein paar Münzen und Scheine sind in nehmen Taschen, aber das riecht auch niemand, geschweige denn ich. Oder kann ich etwa riechen, wieviel Geld ich in der Tasche habe. Mein After-shave rieche ich auch nicht, außer wenn ich es mir im Übermaß auftrage. Körpergeruch fällt mir selber auch nicht auf, wenn er mein eigener ist. Er fällt auf, wenn Nachbarn abrücken oder Gesprächspartner Tränen in den Augen haben, weil der Geruch so beist. Nicht, das ich stinken würde. Aber Eigengeruch ist schwer zu bestimmen, auch wenn er vorhanden ist.
Den Schnee riech ich, obwohl er nicht vorhanden ist.
Oder ist er, weil ich gestern die Wettervorhersage gesehen hatte?

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