Freiheitsgrade

Sonntag. Die Stadt wacht auf. Eine Staffel neuer FIAT Cinquecentos mit Fahnen prescht vorüber. Laut möpend. Das Italien-Spiel kündigt sich an.

Ich betrete das Fastfood-Restaurant, lasse mir für einen Euro einen Becher geben, zapfe mir meine Cola und suche mir meinen Platz. Mir gegenüber sitzt ein Mann, dem jeder seine Unterwäschenlosigket unter seiner einsehbaren kurzen Stoffhose ansehen kann. Sexy ist was anderes.

‚2. Getränk einfüllen‘ steht da geschrieben. Ich entscheide mich dafür, dass es ‚Zweites‘ und nicht ‚Zweitens‘ heisst und folge der Aufforderung.

Etwas später im Kino: Mister Jones schwingt seine Peitsche. Warum nehmen sich im leeren Kino die Tütenraschler und Vorsager immer den Platz hinter mir.

Ich geh zum Eisbach, das Wasser dort erhitzen. Im FKK-Bereich. Für nen frei gewählten Sonnenbrand …

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Kommt ne Rechnung geflogen, vom Postboten ins Haus …

Kennen Sie Binnen-Briefe?
Das sind Briefe, in denen der entscheidene Satz oftmals lautet „zahlen Sie binnen zehn Tage“.
Zehn Tage Zahlungsziel ist ja nicht wirklich seriös, aber machbar. Und wer nicht auf Binnen-Briefe antwortet, der wundert sich, dass plötzlich eine Inkasso-Gesellschaft per Brief die Hand aufhält.

So unterschrieb ich einmal einen Handy-Vertrag, weil ich partout glauben wollte, dass mir Vodafone eine Prepaid-Karte anbieten würde. Im rechtzeitigen Moment fiel Hirn vom Himmel, ich erkannte, dass ich da einen normalen 24-Monate-Handy-Vertrag unterzeichnet hatte. Mit links habe ich den Vertrag zerissen. Damit war er gesetzlich nichtig. Vierzehn Tage später begrüßte mich Vodafone als deren Kunde und ein Monat später erhielt ich so einen Binnen-Brief. Ich rief dort an. Man fragte mich nach meiner Kundennummer. Sowas hatte ich ja nicht, da kein Vertrag bestand. Irgendwann dachte ich, man hätte mich verstanden. Bis zum nächsten Binnen-Brief. Ich setzte mich hin und schrieb einen Binnen-Brief an Vodafone. Würde mir nicht binnen drei Wochen ein rechtsgültiger Vertrag gezeigt werden können, würde eine Betrugsanzeige folgen. Der nächste Brief von Vodafone war eine Entschuldigung und das Zugeständnis, dass alle vorherigen Binnen-Briefe nichtig wären.

Dann war unter allen Rechnungswipfeln Ruh.

Ein mir sehr gut Bekannter bekam neulich einen Brief von der Firma „netsolutions FZE“. Oder besser gesagt von einer in Eschborn ansässigen Inkasso-Gesellschaft. Ein Binnen-Brief. Zahlen solle er 92, 40 Euro, weil mein Bekannter einen Vertrag eingegangen sei. Mein Bekannter recherchierte und fand heraus, dass die Firma „netsolutions FZE“ ihren Sitz in Dubai hat und u.a.a. die Seite nachbarschaft24 betreibt. Dort solle er einen Vertrag mit der Firma aus Dubai geschlossen habe. Und er solle sofort zahlen. Zahle er nicht, müsse er mit negativen Konsequenzen wie z.B. Schufa-Eintrag rechnen.

Mein Bekannter kannte weder die Internetseite der Firma „netsolutions FZE“ noch deren Besitzerin, die er als „Barbara Fischer“ identifizierte, die die Seite über einen Provider in den Niederlanden laufen lässt.

Er wird nicht auf diese Zahlungsaufforderung reagieren. Er wartet jetzt auf den gerichtlichen Titel. Denn wie er herausfand, sind diese Briefe kein Einzelfall für jene die Inkasso-Gesellschaft beauftragende Firma „netsolutions FZE“. Er fand verschiedenes hier und hier. Und es steht zu erwarten, dass das damit befasste Gericht dem Unternehmen keinen gerichtlichen Mahnungstitel erteilen wird.

Nebenbei, es bleibt die Frage, wie kam die Firma „netsolutions FZE“ an seine Adresse?
Er kam über einen Rechtschreibfehler drauf. Entsprechend den Erfordernissen eines Blogs hatte er brav seine Bremer Adresse und seinen Namen angegeben. Nur hatte er seinen Namen mit einem einzigartigen Rechtschreibfehler versehen gehabt. Offensichtlich hat irgendein Blog.de-Leser die Adresse meines Bekannten bei der Internetseite von „nachbarschaft24“ eingegeben.
Jetzt hat mein Bekannter sein Impressum anonymisiert. Man muss ja sein Glück nicht versuchen, monetäre Liebesgrüße aus Dubai zu erhalten.

Und meine Moral aus der Geschicht?
Impressum ist zwar schön und gut, aber wenn als Leser getarnte Saubeutel (so willkommen wie Hämorrhoiden am Allerwertesten oder die Krätze oder Mitesser) dieses missbrauchen, dann ist es besser ohne zu leben.
Mein Bekannter wollte über diesen Missbrauch seines Impressi nicht schreiben. Daher mach ich es jetzt mal.
Zur Mahnung an alle und als kleine Hilfestellung einen Puls beim Lesen eines Inkasso-Briefes wieder zu senken.

Denn dann ist unter allen Wipfelrechnungen Ruh.

In diesem Sinne habe ich auch bei mir jetzt so gehandelt und mein Impressum verändert.
Es geht halt nicht anders, wenn der böse Nachbar es nicht anders will.
Und gut is.

Amen.

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Lasse reden. Aber nicht im Radio.

Das deutsches Liedgut hat dem englischen einen Schritt voraus. Man versteht es. Und von daher ist sowas ja von jeher problematisch. Entweder ist der Text politisch nicht opportun ist, oder er ist schlichtweg Schrott. Es gibt halt solche und solche Liedtexte.
Bela B. und die Ärzte gehören eindeutig zu solchen. Deren Texte sprühen vor Leichtigkeit und zynischem Humor, dass es entweder dem Hörer eine Freude oder auch ein Leid ist. Mit ihrer letzten CD „Jazz ist anders“ unterstreichen die Ärzte mal wieder ihren Anspruch die „beste Band der Welt“ zu sein. Und dementsprechend haben die Ärzte ihre Auskopplung „Lasse reden“ veröffentlicht.
In vielen Radioprogrammen läuft das Lied jetzt rauf und runter.

Fast in jedem. Bis auf dem Sender „Antenne Bayern“.

Für Nicht-Bayer: Bayern hat vier Sender.
Da ist „Bayern 5“, der offizielle Informationssender aus der bayrischen Staatskanzlei für einheitliche Bürgeraufschlauung. Fast ohne Werbung und fast musikbefreit.
Da ist „Bayern 3“ für den staatstreuen Bayern mit Hang zu moderner Musik.
Da ist der mickrige Rest an Radiosendern für die ganzen Zugewanderten.
Und da ist der Musiksender „Antenne Bayern“, für all die netten Bazis, die auf gespielte Fröhlichkeit stehen und meinen, das wäre urig bayrisch auch ohne Dialekt.
Gemeinsam ist allen Musik-Sendern Bayerns, dass Lieder nie länger als 3 Minuten sein dürfen, Wortbeiträge weder über eins dreißig in der Zeit noch über BILD-Zeitungsniveau liegen dürfen und dass die Werbeblöcke viermal pro Stunde mindestens fünf Minuten dauern müssen.

Gestern fuhr ich in eine 70 km entfernte Nachbarstadt und das Radio plärrte vor sich hin. Bayern 3 ist musikalisch ne Seuche, die kleineren Stationen haben keine große Reichweite und da gerade „Antenne Bayern“ eingestellt war, die Auswahl zwischen Pest und Cholera nicht wirklich prickelnd ist und ich zudem absolut faul …
… tja, so kriegt wohl „Antenne Bayern“ seine Zuhörerzahlen, könnte man jetzt meinen …

Und irgendwann wurde dann ein Lied zuerst mit seinem Refrain und einem gekünstelt spontanem Dschingel als der Hitmix des Sommers angekündigt:
Die Ärzte mit „Lasse reden“.
Meine Spannung stieg, als das Lied gespielt wurde. Denn schließlich gehört „Antenne Bayern“ auch irgendwie zum Axel-Springer-Verlag, dem Herausgeber der BILD-Zeitung.
Und eine Liedzeile von „Lasse reden“ heißt:

Lass die Leute reden und lächle einfach mild
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der BILD
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.

Ich horchte brav zu und horchte und horchte … ich wollte die Liedzeile hören … ich horchte und horchte und horchte …

Naja, vielleicht war ich doch zu sehr vom Straßenverkehr abgelenkt und zusätzlich ein wenig zu müde. Ausreden hat der Mensch immer parat und so erschuf ich mir die Ausrede, warum ich gerade diese Liedzeile nicht hörte. Eigentlich wollte ich die wirkliche Wahrheit wohl nicht wahrhaben.

Heute morgen las ich dann beim Bildblog, dass ich mich gar nicht verhört hatte.
„Antenne Bayern“ hat die die BILD-Zeitung betreffende Liedzeile einfach herausgeschnitten.
Geschmacksbereinigt sozusagen.
Zensur?

Eigentlich sollte ich es ja besser wissen, denn ich hatte schon mal über „Antenne Bayerns“ Radioverständnis geschrieben und zwar hier.

Ich bereue es hiermit öffentlich „Antenne Bayern“ gehört zu haben. Jenen Sender, der mit vereinzelnten Wort- und Musikbeitragsblöcken zwischen der Werbung glänzt.

Oh Wanderer, kommst du gen Bayern dann lass dir sagen:
Meide gefälligst „Antenne Bayern“, wenn du auf 100%iges Wert legst …

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Das ewige Duell

Liebe Österreicher,
damit Deutschland ins EM-Viertelfinale kommt, käme jetzt ein Unendschieden wirklich nicht schlecht. Wir wollen ja nicht gewinnen. Nur unendschieden. Ein 0:0 oder 1:1 wäre nicht schlecht. Wenn Ihr einwilligt, versprechen wir auch, dass Deutschland beim Unendschieden euch auch garantiert nicht ein halbes Dutzend Tore reintreten wird … .

Ach, vollkommener Quatsch!
Absoluter Quatsch!
Ich habe bei Oddset eine Sportwette am Laufen. Wenn das Endspiel Österreich-Griechenland lauten wird, kriege ich für jeden Euro 600 Euro zurück. Ich habe 2 Euro 50 eingesetzt. Macht 1497,50 Euro Gewinn.
Also, Österreich, haut die Deutschen am Montag vom Platz. Und dann noch zwei Siege der Österreicher, vier Siege der Griechen und ich sitz‘ nachher beim Spanier in Deutschland, um mir den portugiesischen Vinho Verde mit türkischen Oliven, französischem Weißbrot, holländischem Gauda und Grissini in den Wanst zu plautzen! Ohne Minzsoße!

Und jetzt zum Abschluss und in aller gebotener Ernsthaftigkeit noch die internationale Nationalhymne der Fußballzuschauer:

Oleee, olé, olé, olé, oleeeee.

Was die EM zur EM macht … (Teil 2)

Mathematische Bier-Berechnungen zur EM

Vorhin im Internet gelesen:
Bei seiner Fahrt von München nach Wien kippte einem LKW-Fahrer an der Münchener Auffahrt zur A8 seine Bierladung vom Hänger. Zu Freude der Feuerwehr waren das 350 Kästen Bier.
Quelle: hier

Achtung!

35 Einsatzkräfte der Feuerwehr benötigten dann 3 h um die Autobahn wieder frei zu machen.
Das macht nach Adam Riese und Eva Winzig 10 Kästen Bier pro Feuerwehrmann und 3 1/3 Bierkästen pro Stunde für jeden Feuerwehrmann.
Es handelte sich um 1/2-Liter-Flaschen. Unter Berücksichtigung des deutschen Reinheitsgebots macht das einen gemitteltem Verbrauch von 33 1/3 Liter pro Stunde pro Feuerwehrmann. Dass Feuerwehrleute gerne Brände löschen, ist bekannt. Und bei so einem hohen Spritverbrauch – hicks – fallen jene Feuerwehrleute in die Kategorie „SUV“, auch bekannt unter den Automobilistenfreunde als Abkürzung für „Saufen unheimlich viel“.

Jetzt hat laut Angabe der Medien die ganze Räumaktion auf der Autobahn 15.000 Euro gekostet. Umgerechnet haben also die Feuerwehrmänner jeder pro Flasche 2,14 Euro von der Autobahnauffahrt weggeputzt. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass in Gaststätten ein halber Liter Bier erheblich teurer ist.
Allerdings sieht es noch ganz anders aus, wenn man folgende Rechnung durchführt:
Umgerechnet auf die Einsatzkräfte hat die Flasche Bier rein rechnerisch nur 6 Cent pro Feuerwehrmann gekostet.

Neiderfüllt starren wir Bierflaschenwämser jetzt auf die Auffahrt der A8. Im Supermarkt zahlen wir dafür mindestens das 10-fache.

Die Ladung war übrigens sollte pünktlich zum EM-Spiel Polen-Österreich eintreffen.
Tja, das EM-Spiel in Wien wird jetzt ein wenig wohl trockener werden …

Prost.

Was die EM zur EM macht … (Teil 1)

Die interessantesten Spiele finden nicht nur auf HighTech-Rasen statt, sondern bei den Platzhirschen des Boulevards. Während jemand zuruck in Fürstenfeldbruck nach einer EM-Feier stirbt, findet der Bundestrainer Löw, das sei erst der Anfang.
So erzählt in Bayern eine Tageszeitung dem Leser.
Hab ich gelacht …

Tageszeitung

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Signaturen mit Befehlscharakter

In einem Forum als Signatur eines Forumschreibers gefunden:

Die deutsche Sprache ist „freeware“, aber definitv nicht „open source“. Das heisst, deren Benutzung ist für jedermann kostenneutral. Aber einfach geändert werden darf sie nicht.
Also kauf auch du dir einen Duden für 325 Euro bei mir. ABER DALLIDALLI! Kontonummer bei Nachfrage. Lieferung erst nach Kontoüberlauf …

Das ist doch mal ne ehrliche Ansage.

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