Über das Lachen … (4)

 

Der Fall der Mauer 1989 war nicht nur verheerend für sozialistische Systeme. Auch das Kabarett erfuhr eine bislang noch nie erlebte Zäsur. Kritik an bestimmten Zuständen wurde mit Nichtbeachtung vom Publikum bestraft. Das Volk mochte (und will) nicht mehr mit Problemen belastet sein. Amüsement darf nur noch selten weh tun. Mit ihren Humor verstehen die Deutschen keinen Spaß mehr. Humor ist halt eine ernste Sache.

1991 fällt in Deutschland der Karneval aus: Der Zweite Golfkrieg verlangt seinen gnadenlos grausamen Tribut auch in Deutschland, mit all seinen Lügen und Irrationalitäten. Allein in Köln wagen sich einige unentwegte Karnevalsfetischisten auf die Straße.

Der ausgefallene Karneval scheint den Deutschen wie eine Stein im Magen zu liegen. Bald schon verlangt es nach Plattem und Flachen, als ob Quantität gebraucht wird, um irgendein schlechtes Gewissen zu übertünchen. Es herrscht jetzt wieder eine Amüsierwut wie in den Zwanzigern. Das Fernsehen liefert die angepaßte Munition dazu: aus dem Schwank wurde die Situationskomödie, die „sitcom“ mit wohldosiertem Gelächter aus der Konserve unterlegt, aus Komikern wurden Comedians, aus der Klamotte die Comedy, meist hochgejubelt, oft abgrundtief banal.

Heute brauchste Humor für dat, wat andere für Humor halten“, sagte Wolfgang Gruner, der Gründer der in den 60ern gegründeten und erfolgreichen Berliner Kabarett-Gruppe „Die Stachelschweine“.

Eine Generation lacht ab.

Der Erfolg von Tom Gerhard, Helge Schneider, Wigald Boning mitsamt Hugo Balders „RTL Samstag Nacht“-Crew, Gaby Köster, „Herbert Knebels Affentheater“, Piet Klocke oder „Marlene Jaschke“ paßt hervorragend in unsere Bierdosen- und Plastikkultur. Selbst textile Scheußlichkeiten der siebziger Jahre („Wenn man eins aus der deutschen Geschichte lernen kann, dann daß Schlaghosen Scheiße aussehen.“ Dieter Nuhr) und die schlimmsten Schlagerergüsse jener Zeit von griechischer Wein, hossa, hossa, hossa und Tränen, die nicht lügen, passen in diese Amüsierwut und liefern uns Bühnenkreationen wie den von Fans als „Meister“ titulierten „Guildo Horn und seine orthopädischen Stützstrümpfe“ oder „Dieter Thomas Kuhn“. Man kann wieder lauthals „Mendocino“ mitgröhlen und ohne Nebenwirkungen über Sachen lachen wie: „Ich esse morgens auffem Brötchen unheimlich gerne Nutella. Mir schmeckt das unheimlich prima. Ich wollt’s eigentlich nur mal gesagt haben.“

Wer aber politisch und kritischer als erlaubt die Gesellschaft betrachtet, gilt als peinlich, weil nestbeschmutzend. Es darf nicht mehr schmerzen, wenn man lacht, besonders wenn man auch noch über sich selber lachen soll. Kabarett-Gruppen distanzieren sich plötzlich freiwillig von jeglichem politischen Anspruch und versuchen sich in Comedy.

Wir amüsieren uns zu Tode …

Über das Lachen 

Wigald Boning (39), berühmtgewordener Star durch Comedy-Serie „RTL Samstag Nacht“, Sänger der Gruppe „Die Doofen“, Moderator und Mitspieler diverser Sendungen wie z.B. „Clever!“ „Genial Daneben“ „Extreme Activity“) ist der Meinung, daß politisch korrektes Kabarett für ihn etwas furchtbar peinliches sei. Er verstehe nicht, wie man nach 1989, nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme, allen Ernstes immer noch die linke Fahne hochhalten könne. Darüber befragt, ob der aktuelle Comedy-Boom irgendetwas bedeutet:
„Hoffentlich nicht, ich finde es gut, wenn die Deutschen das Volk der Humorlosen blieben. Hoffentlich werden die Deutschen nicht lustig.“ […] „Mein Lachgefühl in der Freizeit hält sich sehr in Grenzen, Humor hat bei mir einen sehr geringen Stellenwert.“

 

(aus Süddeutsche Zeitung vom 30.12.1995)

Über das Lachen … (3)


Nach dem zweiten Weltkrieg gewinnt die zehnte Muse vorsichtig, aber beständig wieder an Lebenskraft. Zwar liebt das Volk anfangs nur harmlos, unverfängliche Späße, aber im Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ beginnt das Kabarett dank Kai und Lore Lorentz Maßstäbe für seinen politisch-literarischen Anspruch zu setzen und mit den „Insulaner“ (u.a. mit der großartigen Kabarettistin Hanelore Kaub) swingt es in den kalten Krieg.

Es trommelt mit dem Kabarettduo Wolfgang Müller/Wolfgang Neuss in den Fünfzigern und mit Wolfgang Neuss allein („Das Neuste vom Aufschwung: Mutti, über uns wird ‘ne Kellerwohnung frei.“ W. Neuss) in den Sechzigern die Folgen der Wirtschaftswunderjahre ins bundesdeutsche Bewußtsein und feiert mit der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ bald telegen Silvester. Neben „Väterchen Franz“ (Josef Degenhardt), Dieter Süverkrüpp und Hans Dieter Hüsch (jeweils alleine und später zusammen mit Wolfgang Neuss im legendären „Quartett ’67“) singt es in den späten Sechzigern immer schärfer gegen das Wiederaufkommen der Neonazis an und agiert mit der Apo – teilweise im vollkommen kritiklosen Dienste der Apo – in den wilden siebziger Jahre hinein, in denen es aber dann auch deutlich an Boden verliert.

Die Ernsthaftigkeit der Baader-Meinhoff-Bande und der RAF nimmt Deutschland die Toleranz gegenüber Systemkritischen. Wer versucht, öffentlich über die Reaktion seitens des Staates und der Medien auf den Terrorismus nachzudenken, wird als Sympathisant der Terroristen und somit als Staatsfeind eingestuft. Das Publikum zieht harmlosere Unterhaltung á la Otto Waalkes, Dieter Hallervorden oder „Klimbim“ vor. Kleinkünstler wie Jürgen von Manger in der Rolle des „Adolf Tegtmeier“ oder des Schweizers Emil Steinberger gehören hierbei schon zum höheren Unterhaltungsniveau. Da vergnügte sich der gemeine Bürger lieber anders: Auf einem CDU-Parteitag tanzen zum ersten (und letzten) Mal nackte Frauen auf der Bühne, um die CDU-Partei-Mit-Glieder-Angehöriger trotz Regierungsabstinenz bei Laune zu halten.

Ende der 70er und Anfang der 80er entdeckt das Publikum wieder seinen Anspruch nach kabarettistischen Tiefsinn. Das Kabarettduo „Schneyder/Hildebrandt“ und die Berliner Kabarett-Gruppe „Die 3 Tornados“ prägen diese Zeit der zehnten Muse. Die Veränderung der politischen Landschaft mit dem Postulat der „geistig moralischen Wende“ bringt den ersten Einschnitt. Beliebt sind Politikerparodien, aber nach einiger Zeit ist auch hier der Bedarf gedeckt.

Hans Dieter Hüsch „Hagenbuch“ erklärt alle(s) für krank und verrückt, derweil das Kabarett mit dem aufkommenden Privatfernsehen zunehmend seinen Marktwert entdeckt.

Über das Lachen … (2): Was ist Kabarett?

Kabarett ist Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang des Publikums. Der erworbene Wissenszusammenhang ist die sprachlich erschlossene Erfahrung. Ist Kabarett Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang des Publikums, dann sind seine möglichen Gegenstände die Bruchstellen dieses Wissenszusammenhangs. Es purzelt das zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört: Terroristen und Staatsmänner, Polit-Ganoven und Profit-Gauner, Opfer und Täter, Verfolger und Verfolgte, Mörder und Ermordete, Oppositionelle und Opportunisten. Soweit die trockene Theorie.

Am 18. Januar 1901, zur Kaiserzeit, wurde das erste Kabarett in Deutschland mit dem Programm Bunter Abend des Über-Brettl genannten Ensembles (in Anlehnung an Nietzsches Über-Mensch) in Berlin vom vornehmen Baron Ernst von Wolzogen aus der Taufe gehoben. Abgeguckt hatte man die große Kunst der kleinen Form in Paris, wo 20 Jahre zuvor das erste Cabaret in der Künstlerkaschemme Chat Noir am Monmatre das Licht der Welt erblickte. Bohèmiens prägten das Erscheinungsbild der ersten Stunde, literarisches Cabaret war „en vogue“. Bald eingedeutscht, mit harten K und zwei T, geriet es zum Experimentierfeld von Caféhaus-Literaten, Dadaisten und Expressionisten, Jakob von Hoddis sei hier stellvertretend genannt.

Kurt Tucholsky und Walter Mehring ragen als Kabarettisten aus den zwanziger Jahren heraus: Wortführer kämpferischer Satire, die daneben aber auch hinreißend Poetisches oder rein Komisches zur Unterhaltung ihres Publikums schrieben.

Die Mischung machte es. Nicht umsonst stammt der Name Cabaret von der in Fächern eingeteilten Salatplatte ab: immer bereit zum bunten Durch-, Gegen- und Nebeneinander verschiedener Stile für verschiedene Geschmäcker. In der Plattenmitte befand sich das Fach für die alles verbindende Soße. Diese Rolle kam den Présentateur oder Conférencier zu. Rodophe Salis, Gründer des Chat Noir, war der erste seiner Zunft.

Kabarett reifte in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts und entwuchs als ein reiner Gegenstand des Amüsements. So wurde die zehnte Muse für wenige Kabarettisten wie Werner Fink in den dreißiger Jahren zum Überlebensmittel und -risiko zugleich. In Karl Valentin verkörperte sich volkstümlich-absurd der entwurzelte Komiker von der traurigen Gestalt.

Über das Lachen … (1)

„Ich lache Tränen, heule Heiterkeit.
Ich schöpfe Trost aus mancher Leute Traurigkeit.“
Wolfgang Neuss

Ein Weiser von Chelm (Chelm liegt in Polen, südöstlich von Lublin und war vom zwölften Jahrhundert bis zur Shoa Sitz einer jüdischen Gemeinde) kam mit einer Frage zum Rabbi.
„Wie kommt es“, fragt er, „das ein Butterbrot immer mit der Butterseite nach unten fällt?“
„Ist das so?“ fragte der Rabbi. „Wir wollen sehen, ob das stimmt.“
Der Rabbi strich Butter auf eine Scheibe Brot und ließ sie fallen. Diesmal zeigte die Butterseite nach oben.
„Nu, was sagst du jetzt?“ fragte der Rabbi.
„Aber, Rabbi“, kam die Antwort, „du hast die Butter offensichtlich auf die falsche Seite geschmiert.“


Eine gute Abhandlung über das Lachen findet sich bei Umbertos Ecos Roman „Der Name der Rose“

Darf man über Hitler lachen? …

Heute las ich ein Post beim Blogger „limited„:
Darf man über Hitler lachen?

Darf man einfach so lachen?
Über Hitler? Über Ausschwitz?
Über Stalin? Über die Guklags?
Über die USA? Über My Lai in Vietnam?
Über die Serben? Über Srebrenica?
Über Ruanda? Über Tutsi und Hutu?
Darf man das?
Einfach so?

Was jetzt kommt wird eine mehrteilige Auslassung über das Lachen …

Ich kann nicht anders …

Lebe wild und gefährlich (Teil 13) … oder: Bloggen kann kostenintensiv werden

Etwas aus dem realen Leben, wo Blog-Schreiber von dem virtuellen erbarmungslos eingeholt wurden …

Ein deutscher Blog-Schreiber namens Ron Hillmann schreibt am 22. Oktober 2006 in seinem Blog über Nachrichten, die zwei große Firmen betreffen. Die eine hat ihren Sitz in Deutschland, die andere in China. Beide Firmen klären momentan einen Sachverhalt, welchen den Vorwurf der chinesischen Urheberschutzverletzung verifizieren oder widerlegen soll.

Der Blogger schreibt nur einen Kurzkommentar dazu zusätzlich in seinem Blog, wobei er negative Attribute für die Chinesen verwendete.
Einen verhängnisvoller Kurzkommentar, der seine Meinung verdeutlichen soll.
Einen verhängnisvoller Kurzkommentar, der aber in der deutschen Industrie Konsens ist und so auch schon sinngemäß in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war …

Und prompt erhält der Blogger Post aus China.
Ein Schreiben aus der Provinz der chinesischen Justiz. Der Blogger wird darin angeklagt und zugleich zu einer Gerichtsverhandlung nach China vorgeladen.
Verhandlungsgegenstand sollen seitens des Bloggers geäußerte, ungerechtfertigte Vorwürfe über die Verletzung der Urheberrechte sein. Verhandlungsgegenstand sind somit auch Ansprüche auf hohe Schadensersatzforderung seitens der chinesischen Firma …

Geht so etwas?
Natürlich geht so etwas.

Macht so etwas überhaupt Sinn?
Für die chinesische Firma auf alle Fälle.
Denn sollte das chinesische Gericht der Klage stattgeben, kann über ein internationales Rechtshilfegesuchen das Geld von der Privatperson eingetrieben werden.

Und dass das klappen wird, dafür stehen die guten bilateralen Beziehungen der chinesischen Regierungsform und den ertragreichen Handelsbeziehungen jenes Landes mit diesem unserem Lande. Also erscheint es erforderlich für den Blogger die Reise nach China im Juni zwecks eigener Verteidigung anzutreten, um zumindest zu versuchen, die Unkosten niedrig zu halten …

Moral aus der Geschicht?
Bloggers Meinung kommt jetzt auch international vor Gericht …

Wer näheres dazu lesen möchte, der findet unter Spiegel Online den ganzen Artikel dazu:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,458039,00.html

Und was sagt der betroffene Blogger dazu?
www.autoregional.de/autonews/2006/10/22/
man-reisebusse-werden-in-china-kopiert/

Wer hat’s gesagt?!? (oder erfunden? …)

Zitat eines Menschen mit Fernsehpuderquasterfahrung, gefunden bei Wikipedia …

 Ich gehöre nicht zu den Menschen, die warten müssen, entdeckt zu werden. Ich brauche jemand, der das Potenzial hat, mich zu entdecken. Und die Rede ist natürlich für mich. Ich habe mich selber entdeckt. Deshalb verdiene ich einen Nobelpreis. Aber daraus besteht ja auch das Potenzial: Dass man anders ist als die anderen, dass man Ecken und Kanten hat.

 
Wer hat’s gesagt?

Veröffentlicht unter Privat

! Die Lottozahlen für die nächste Samstagsziehung … !

findet der findige Gooogier

hier!!!!
(Link anklicken!)
(via The Generator Blog)