Über das Lachen … (3)


Nach dem zweiten Weltkrieg gewinnt die zehnte Muse vorsichtig, aber beständig wieder an Lebenskraft. Zwar liebt das Volk anfangs nur harmlos, unverfängliche Späße, aber im Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ beginnt das Kabarett dank Kai und Lore Lorentz Maßstäbe für seinen politisch-literarischen Anspruch zu setzen und mit den „Insulaner“ (u.a. mit der großartigen Kabarettistin Hanelore Kaub) swingt es in den kalten Krieg.

Es trommelt mit dem Kabarettduo Wolfgang Müller/Wolfgang Neuss in den Fünfzigern und mit Wolfgang Neuss allein („Das Neuste vom Aufschwung: Mutti, über uns wird ‘ne Kellerwohnung frei.“ W. Neuss) in den Sechzigern die Folgen der Wirtschaftswunderjahre ins bundesdeutsche Bewußtsein und feiert mit der „Münchener Lach- und Schießgesellschaft“ bald telegen Silvester. Neben „Väterchen Franz“ (Josef Degenhardt), Dieter Süverkrüpp und Hans Dieter Hüsch (jeweils alleine und später zusammen mit Wolfgang Neuss im legendären „Quartett ’67“) singt es in den späten Sechzigern immer schärfer gegen das Wiederaufkommen der Neonazis an und agiert mit der Apo – teilweise im vollkommen kritiklosen Dienste der Apo – in den wilden siebziger Jahre hinein, in denen es aber dann auch deutlich an Boden verliert.

Die Ernsthaftigkeit der Baader-Meinhoff-Bande und der RAF nimmt Deutschland die Toleranz gegenüber Systemkritischen. Wer versucht, öffentlich über die Reaktion seitens des Staates und der Medien auf den Terrorismus nachzudenken, wird als Sympathisant der Terroristen und somit als Staatsfeind eingestuft. Das Publikum zieht harmlosere Unterhaltung á la Otto Waalkes, Dieter Hallervorden oder „Klimbim“ vor. Kleinkünstler wie Jürgen von Manger in der Rolle des „Adolf Tegtmeier“ oder des Schweizers Emil Steinberger gehören hierbei schon zum höheren Unterhaltungsniveau. Da vergnügte sich der gemeine Bürger lieber anders: Auf einem CDU-Parteitag tanzen zum ersten (und letzten) Mal nackte Frauen auf der Bühne, um die CDU-Partei-Mit-Glieder-Angehöriger trotz Regierungsabstinenz bei Laune zu halten.

Ende der 70er und Anfang der 80er entdeckt das Publikum wieder seinen Anspruch nach kabarettistischen Tiefsinn. Das Kabarettduo „Schneyder/Hildebrandt“ und die Berliner Kabarett-Gruppe „Die 3 Tornados“ prägen diese Zeit der zehnten Muse. Die Veränderung der politischen Landschaft mit dem Postulat der „geistig moralischen Wende“ bringt den ersten Einschnitt. Beliebt sind Politikerparodien, aber nach einiger Zeit ist auch hier der Bedarf gedeckt.

Hans Dieter Hüsch „Hagenbuch“ erklärt alle(s) für krank und verrückt, derweil das Kabarett mit dem aufkommenden Privatfernsehen zunehmend seinen Marktwert entdeckt.