Intimrasur? Hey Mann! Wie rasierst du dich denn?

Bei Frauen wissen wir ja inzwischen Bescheid, wie sie es machen.

Aber bei Männer?

Die einen benutzen Enthaarungscreme.
Die anderen den Trockenrasierer (nach der normalen Rasur).

Und wieder andere machen die harte Tour:
Ein kleiner Campinggaskocher und weg damit …
aber nicht länger als 5 Minuten, sonst werden die Eier hart.

Oder man nutzt halt so etwas. Ein Gerät aus dem Hause Philips.
Viel Spaß mit dem Link.

Sei mal verdrossen, Politiker … (Teil 3 zum politischen Blog-Karneval)

Mein 3. Beitrag mit Trackback zum politischen Blog-Karneval (Link)
und gut is …

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Verdrossenheit ist eine besonders perfide Variante von nicht-Fisch-nicht-Fleisch in puncto Zufriedenheit.

Und dann gibt es die Steigerung: Politikverdrossenheit.
Mir ist das Wort an jenem Abend nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Das Wort taucht inzwischen in der Öffentlichkeit wieder häufiger auf.

1992 war es zum „Wort des Jahres“ in Deutschland gekürt worden. Das „Unwort des Jahres“ als Gegenpol war „Ethnische Säuberung“. „Ethnische Säuberung“ wurde zur international übliche Bezeichnung für die Vertreibung von Völkern gefunden.

Aber „Politikverdrossenheit“? Das Wort gleicht dem Mentekel für den Wahlrecht-Innehabenden. Wählst du nicht, dann gehört es dir entzogen. Denn wer nicht mitreden will, der braucht auch keine Stimme. Der braucht sie auch nicht bei der Wahl.

„Das stimmt. Aber was macht der, der seine Stimme bei der Wahl abgibt? Ist der stumm? Muss er stumm sein? Schließlich hat er sie doch für vier Jahre abgegeben und kriegt sie erst mit der nächsten Wahlbenachrichtigung zurück.“

Moment.
Was ist das denn jetzt hier?
Ich schaue zur Seite und stelle fest, dass ich wieder in meiner Kneipe stehe. Und er direkt neben mir.
Vor mir steht ein ein Karlsruher Hoepfner Pilsener. Rechts daneben ein Kö-Pi und links daneben ein Glas Alt-Bier.

„Nun mein Bester, du hast drei Bier-Sorten vor dir stehen und welches wirst du jetzt trinken.“
„Ehrlich? Diese Biere sind mir alle voll unsympathisch. Von links nach rechts immer unsympathischer.“
„Welches trinkst du nun?“
„Keines.“
„Du bist Bierverdrossen!“
„Quatsch! Du hast mir nur nicht das richtige vor mir hingestellt.“
„Tja, und so ist es mit der Politik.“
„Also Politikerverdrossenheit. Und nicht Politikverdrossenheit.“
„Und Politikerverdrossenheit ist das, was von Politikern am ungernsten gehört wird. Stellt es doch deren eigene Existenzberechtigung auf den Prüfstein.“
„Sie haben doch das Mandat derer Wähler.“
„Aber dann vielleicht doch nicht das Mandat im Sinne der Väter des Grundgesetzs?“

Er macht das Thema nicht einfach. Die Väter sind doch schon alle unter der Mutter Erde, die die Gerichtsinstanzen in mühsamer Einzelarbeit bereits umgegraben haben.

Der Wirt räumt die drei Gläser ab. Mit einem zufriedenem Brummen gießt er jedes einzeln genussvoll in den Ausguss. Ich atme erleichtert und dankbar durch. Da sind doch drei Kelche fiesestem Inhalts an mir vorüber gegangen.

Erfreut nehme ich vom Wirt ein frisches Kölsch entgegen.

„Komisch. Ich musste gerade an den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Uhl
denken. Der hatte mit den VW-Gewerkschaftsbossen Sexparties in Seoul und Barcelona organisiert. Vögeln und Poppen aufs Wohl und Wehe der Werktätigen. Wenn ich mir überlege, dass der Uhl seine Wähler repräsentiert, dann müsste man von jedem seiner Wähler wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen und Beihilfe zur Untreue zu 39.200 Euro Strafe verurteilt werden.“
„Da wäre das Land Niedersachsen schnell saniert.“
„Und der Osten wäre nicht mehr so allein beim Warten auf blühende Landschaften. Oder der Uhl repräsentiert nur sich und nicht seine Wähler. Aber das weist ja jeder Politiker im namen der Demokratie von sich. nur …“
„Ja?“
„… selbst Berlin haben die Politiker schon wirtschaftlich ruiniert. Im Namen des Volkes. Aber statt diese wie organisierte Kriminelle zu behandeln, …“
„Moment. Vorsicht!“
„Doch. Die haben ihre Bevölkerung über deren Parteien gnadenlos geschadet. Aber passiert ist denen nichts.

Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind, Straftaten zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt oder sie unterstützt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Das steht im §129 Stgb eindeutig geschrieben.“
„Außer wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für verfassungswidrig erklärt hat. Und die Parteien und deren Politiker, die Berlin ruiniert haben, gehören nun mal Parteien an, die nicht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen.“
„Dann muss §129a greifen! Wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, wenn eine derer Taten bestimmt ist, die Bevölkerung auf erhebliche Weise einzuschüchtern …“
„Na, na, na! Sie wissen, was Sie da sagen? Dieser Paragraph bezieht sich auf den Terrorismus.“
„Hm.“

Der Klügere kippt nach.
Ich schweige und trinke aus meinem Kölsch.
Hinter uns hat jemand plötzlich ganz lange Ohren bekommen. Ein freiberuflicher Verfassungsschützer? Ein so genanntes Verfassungskondom?
Als ich ihn anblicke, schaut er voll konzentriert harmlos in sein Weißbierglas. Es könnte auch ein deutscher Hobby-Geschmackskontrolleur sein, der sich gleich in unser Gespräch mit seiner ihm eigenen Kompetenz einmischt.
Mein Nachbar dagegen lässt sich ein neues Kölsch bringen. Wie eine zufriedene Katze schnurrt er seine Kölschstange an.
Luft holend riskieren ich noch einen verfassungsfeindlichen Satz:

„Die Politiker benehmen sich trotzdem wie die Heuschrecken.“
„Sind Sie politisch tätig?“
„Ich war es mal.“
„Es ist ein leichtes immer auf Politiker zu schimpfen. Die taugen ja hervorragend als Ohrfeigen-Gesichter für die eigene Untätigkeit, nicht wahr?“
„Ich hatte letztes Jahr keine 40.000 Euro wie der Uhl, um Sexparties zu organisieren. Mir pudert auch niemand Bodyguards, Sperrzäune und tolle Abendessen in den Arsch wie letztens an der Ostsee. Geben Sie mir 40.000 Euros und ich werde auch politisch aktiv.“
„Höre ich da den Neid eines Besitzlosen heraus?“

Ich zog meine Augenbrauen tiefer, verdichtete meine Augen zu einem Schlitz und beobachte die Umgebung genau. Nein, ich beherrsche es noch immer noch nicht. Aus meine Augen kommen noch keine tödlichen Blitze.

„Für so was kriegt der nicht meine mühsam gezahlten Steuergelder!“
„Aber als Ausgleich dürfen Sie doch dafür wählten.“
„Hm. Bei der Wahl? Die Umfragewerte für die Parteien zeigen, was von denen gehalten wird.“
„Kennen Sie die beliebteste Antwort der Politiker darauf?“
„Worauf?“
„Auf das Schlagwort ’schlechte Umfragewerte‘.“
„Keine Ahnung.“
„Falsch. Die Antwort wäre gewesen: ‚Wir wollen mit unserer Überzeugung nicht Umfragen, sondern Wahlen gewinnen.‘ Und wer hat’s gesagt?“
„Der Westerwelle, als er mit seiner FDP die 18% im Bundestag erringen wollte?“
„Nein. Das ist der Standardsatz jeder Partei.“

Während ich mir gerade überlegte, wo der Westerwelle damals seine 18-Prozent-Kampagne begann. War es im Big-Brother-Container? Ich bin gespannt, wann es zum ersten Mal zur Revolte im Container kommen wird. Aber da müssten wir noch lange warten, bis die sich in ihrem freiwilligen Knast ihres freien Willen bewusst werden.
Mein Gesprächspartner nahm er einen Schluck aus seinem Glas und fuhr fort:

„In Umfragen wurde letztens herausgefunden, dass die Wähler mit der Art und Weise der Demokratie unzufrieden sind. Die Leute wählen dann entweder radikal oder gar nicht. Was den Politikern aber egal ist, denn differenziert zu denken, war ja noch nie deren Stärke.“
„Wieso? Wer nicht wählt, wählt die Radikalen.“
„Auch so ein Standardsatz der Politiker, der gebetsmühlenartig von denen herunter gebetet wird. Beweis durch mehrfache Beteuerung. Kaugummi für’s Großhirn. Demnach ist also jeder Nicht-Wähler im Grunde ein Wähler der Extremisten. Wer sowohl nicht wählt, als auch extremistisch wählt, der wählt staatsfeindlich. Der hat in den Augen der Politiker seine Recht auf freie und unabhängige Wahl missbraucht? Derjenige, der nicht wählt, ist dann fast genau so extremistisch wie der Extremist an sich, der verboten gehört.“

Ich lache und versuche zu ironisieren:

„Außer er ist Rechtsextremist oder Rechtsradikal. Die sind nicht wirklich demokratiefeindlich. Sind ja auch nicht verboten. Und was nicht verboten ist, ist erlaubt.“
„Eben. Denn der Rechtsradikale ist von seiner Haltung ja im Grunde staatsbejahend. Im Gegensatz zu den Linksradikalen. Der Rechtsradikale bejaht ja im Grunde die Einhaltung von Gesetzen, insbesondere wenn er sie selber geschrieben hat.“
„Sozusagen sind also diejenigen, die das ihnen zugedachte Wahlrecht verweigern, Sympathisanten von Terroristen? Dann greift ja §129a und wir hätten schon bald volle Gefängnisse.“
„Und Orwellsche Zustände. Denn zur Erfüllung der Orwell’schen Horrorvision benötigen wir nur noch Geschmackskontrolleure, die Verfehlungen aufnehmen und der breiten Masse zugänglich machen. Und das erledigen momentan die Medien. Einmal fremd gegangen und ein Kind gezeugt? Sexparties organisiert und dabei keinen hoch gekriegt? Nackt am Strand von Mallorca rumgelegen? Einen Pornodarsteller als neuen Freund? Die Journaille war dabei und hat es auf Seite 1 gebracht.“

Ich starre dumpf brütend vor mir hin. Die Kneipe hat sich geleert. Das Salsa-Gedudel macht gerade dem südamerikanischen Schieber-Blues Platz. Der Merengue.
Mein Gesprächspartner winkte den Wirt herbei und gab ihm sein leeres Kölsch-Glas zurück. Dann schauter er mich von der Seite an:

„Sie sind also auch politikverdrossen?“
„Ich bin Privatier. Ich brauche über meine Politik-Laune keine Rechenschaft abgeben.“
„Sie sind politikverdrossen?“
„Sie meinen, ob ich denen angehöre, die lieber deren eigene Politik in deren Umkreis machen, statt diese überregional mit anderen zu teilen? Ja.“
„Als ich im Rechtstag war, sagte mir mal ein Regierungspolitiker, alles was wir so machen sei politisch. Politik bezeichne ganz allgemein ein vorausberechnendes, innerhalb der Gesellschaft auf ein bestimmtes Ziel gerichtetes Verhalten, so war sein Credo.“
„Wie das bei den Cliquen um die Gangsta-Rapper? Das was Sie letztens ansprachen? So Bushido, Sido und Co KG?“
„Die machen auch Politik. Aber die machen das nicht im Rahmen einer Parteienwirtschaft. Sie interessieren sich nicht dafür. Die sind Parteien- und Politikerverdrossen. Aber Politikverdrossenheit sehe ich bei denen nicht, denn deren Ansichten entsprechen auch einer Politik. Nur außerhalb des Rahmens mancher Gesetze und außerhalb unserer parlamentarischen Demokratie.“
„Parlamentarischen Demokratie? Also waren die Demonstranten in Heiligendamm nicht staatskonform? Also ein Übel? Daher wurden auch die offensichtlich friedlichen Demonstranten also geprügelt. Denn schließlich müssen die sich ja vorwerfen lassen, dass, falls sie in Parteien eintreten würden, massiv an den Entscheidungen mit hätten wirken können.“

Er schüttelt lächelnd den Kopf.

„Wer friedlich ist, der ist eh nie staatskonform. Auch nicht in einer parlamentarischen Demokratie. Pazifismus taugt weder als Staatsform noch findet es nirgendwo auf dieser Welt sonst eine Erfüllung in einer Staatsform.“
„Unsere Zeit ist eine Zeit der Erfüllung, und Erfüllungen sind immer Enttäuschungen.“
„Schön gesagt. Kommt das von Ihnen?“
„Das war nicht von mir. Das hat Robert Musil Anfang des letzten Jahrhunderts gesagt.“
„Sie werden jetzt philosophisch.“
„Ich hab noch so ne dummdreiste Phrase auf Lager. ‚Wenn Wahlen was ändern würden, …'“
„‚… dann wären sie verboten.‘ Ich weiß.“

Wir schweigen vor uns hin.

Das leise Wimmern einer südamerikanischen Salsa-Musik erfüllt die Kneipe.
Der Wirt stellt die ersten Stühle hoch, macht das Licht an.
Ich hole meine Geldbörse raus und werfe ihm nen Zwanziger auf den Tresen.

„Stimmt so.“

Ich wanke raus. Gerade als ich die Tür hinter mir schließen will, höre ich den Wirt leise angestrengt jammern:

„Boah ey. Endlich ist er weg. Der mit seinen ewigen nervigen Selbstgesprächen …“

Ertappt … Teil 2 zum politischen Blogkarneval

Mein 2. Beitrag zum

Meine Frau fand mehrere Überweisungen von mir im Wohnzimmer. Vom so genannten Wanderlandwirt (einem Geh-Bauer) des „Publikumsauto“-Herstellers.
Waren Überweisungen zu der Zeit, als ich in Brasilien dienstreiste. 40.000 Euros. Hörte von meiner Frau gemeine Verdächtigungen.
Habe sofort alles per Anwalt bei ihr dementiert. Jedoch Quittung von Andriana Barros im Schlafzimmer vergessen. Bösen Anruf von ihr erhalten. Auch von ihrem Scheidungsanwalt. Habe meiner Frau 39.200 Euro Scheidungskosten zugezahlt.
In beliebter Gastronomie im Industriegebiet ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Uhl getroffen. Erzählte mir unter Tränen eine Geschichte von Richtern, Meineiden, Gebauer, Adriana Barros, Liebesdiensten und 39.200 Euro. Eine Runde zusammen mit ihm geheult. Hat gut getan. Danach mit Entschlossenheit gemeinsam bei Adrianna Barros angerufen und zwei Mädels fürs Separé bestellt. …

Rien ne plus, wa‘ … oder: Bring mich zum Rasen … (Teil 1 zum politischen Blogkarneval)

Mein 1. Beitrag zum

„Ich hab sie ja alle so satt.“
„Hm? Stimmt, das ist kein schönes Spiel.“

Im Fernsehen über unseren Köpfen läuft Brasilien gegen Türkei.
Die Übertragung aus Dortmund.
Aus der Konserve des Wirtes.
Ein Freundschaftsspiel.
Die türkische Mannschaft hat ganz klar Heimrecht. Und die paar brasilianischen Fans sind die aufregenden Farbtupfer in der Signal-Iduna-Arena in Dortmund.

Signal-Iduna-Arena.
Nix „Kampfbahn Rothe Erde“.
Ein Freundschaftsspiel in Dortmund.
Bislang aber eher ein Krampfspiel.

Ob in Dortmund oder auf Schalke.
Es wäre kein Unterschied gewesen, hätten die beiden Mannschaften in Wanne-Eickel oder in „Herne 3“ bis 8 gespielt.
Selbst in Bottrop wäre es nicht das Gold vom Ruhrpott einer bundesligafreien Zeit geworden.

„Ich mein nicht das Fußballspiel.“

Er sitzt wie üblich brummelnd vor seinem Glas Kölsch und dreht es routiniert. Wie üblich mit zwei Fingern in bedächtiger Schieflage vor sich auf dem Tresen.

„Ich mein‘ das ganze neue Selbstverständnis der Jugend.“
„Welche Jugend?“
„Richtig. Welche Jugend schon. Die 13-jährigen spielen sich schon wie 25 Jährige mit Anspruch auf Altersteilzeit ab 63 auf.“

Mir gefällt sein Ton nicht. Und zudem schaut er mich auch noch aus trüben Augen an.

„Ich versteh nicht.“
„Schon mal die Mädels gesehen? Die sehen doch aus wie das totale Gegenteil einer Alice Schwarzer. Haben knallharte Ansprüche an Gleichwertigkeit der Frau zum Mann und pflegen das Frauenbild der 50er Jahre. Sie verstehen?“
„Hm.“
„So mit schlechtem Gewissen, dass dann keusch und jungfräulich neben der Frau steht und sie fragt, ob den auch ihr eigenes Becken wirklich sauber sei.“
„Gleichwertigkeit? Sie meinten vorhin wohl Gleichberechtigung, oder?“
„Ach Quatsch Gleichberechtigung. Nein, Gleichwertigkeit zum Manne! Daher sind sie auch alle so gleichförmig aufgebrezelt wie ein Opel Manta vor der TÜV-Abnahme.“

Ich schaue abwechselnd in mein „Pisco Sour“ und auf den Fernseher. Eigentlich wollte ich Fußball sehen und nicht großartig labern.

„Don’t cha wish your girlfriend was hot like me?“
„Wie bitte?“
„Kennen Sie etwa die Pussy Cat Dolls nicht? Die Mädels im Spagat zwischen Babypuder und Kamasutra-Übungen?“
„Kamasutra- was? Natürlich kenn‘ ich die.“
„Wissen sie, da haben mehrere Generationen von Frauen dafür gekämpft, nicht als reines Sexobjekt betrachtet zu werden und jetzt ist ein Refrain der Slogan einer ganzen Mädelsgeneration geworden. Von 12 bis 32. ‚Don’t cha wish your girlfriend was hot like me?‘ Ein Protest der Generation ‚Bauchnabelfreie Sexbomben‘ unter ihresgleichen. Letztens hatten die Pussy Cat Dolls ein neues Group-Mitglied gecastet. Es kamen zig Kopien der Girl-Group zum Casting. Eine sah aus wie die andere …“

Ich kippe meinen „Pisco Sour“ runter.
Fußball wollte ich sehen. Und nicht in Griesgramigkeit versinken.
Die Türkei ist dabei, das Team der Brasilianer zu versenken.
Der Wirt fragt lapidar, ob ich einen weiteren „Pisco Sour“ wünsche.
Ich nicke und beginne bei meinem Nachbarn den plumpen Versuch eines Themenwechsels.

„Wussten Sie, dass das brasilianische Nationalteam keine Fußballspiele mehr im eigenen Land austrägt? Die spielen sogar in Göteborg gegen Chile. Die haben keinen Bock mehr vor einheimischen Publikum zu spielen. Die fühlen sich dort nicht mehr wohl.“

Er steigt nicht drauf ein.
Er nimmt den letzten Schluck aus seinem Kölschglas und reckt zwei Finger hoch. Der Wirt stellt ihm sofort zwei neue Stangen hin. Eine davon schiebt mir mein Nachbar ungefragt rüber.

„Trink mal was vernünftiges. Nicht diese chilenische Plörre.“

Er stößt mit seiner Stange an meiner an.

„Prost, Jung.“

Ich ergreife das Glas und nehme einen Schluck.
Der angenehme süß-saure Geschmack vom „Pisco Sour“ vermischt sich mit dem herberen Kölsch. Bereuend stelle ich das Glas ab. Im Mund herrscht Geschmackschaos.

„Haste mal ‚Massiv‘ gehört? Nannte sich früher ‚Pittbull‘. Der würde neulich in Duisburg auf der Bühne von zwei anderen aus dem Publikum mit einem Schlagring niedergeschlagen. Live on stage. Freunde und Massiv selber sind dann hinterher und haben die beiden dann dafür erbarmungslos zusammen geschlagen. Es gibt Videos, wo der eine am Boden liegt und der andere auf den Wehrlosen eintritt.“

Ich hörte davon. Aber das interessiert mich nicht so sehr wie das Geschehniss auf der Glotze. Hamit Altintop zieht aus 20 Metern ab und trifft nur die Querlatte.
Glück für Brasilien.

„Gangsta-Rapper sind das Vorbild der sogenannten unpolitischen Jugend. Sprachlich und handwerklich. Wer gegen Gansta-Rapper-Regeln verstößt, kriegt eine aufs Maul. Verbal oder aktiv. Zack. So einfach ist deren Gerechtigkeit. Ohne Polizei und Staatsanwalt.“

Ich kippe das Kölsch runter.
Das Spiel ist langweilig und das Gewäsch meines Nachbarn geht mir auf den Zeiger.

„Die Rituale der Erniedrigung sind cool für die Jungs. Wie bei den Mädels. Je tiefer der andere, desto höher steht man selber. Am höchsten steht man schließlich unwiderlegbar am Grab des anderen.“

Ich erwidere nichts und starre auf meinen „Pisco Sour“. Ob ich mit einem neuen Schluck die Geschmacksrandale in meinem Mund berühigen werden kann?
Er hat gerade einen tiefen Schluck aus seinem Kölschglas genommen. Schaum rennt vom Glasrand auf den Rest seines Bieres.

„Und wissen Sie was mich am meisten stört?“
„Die Leere in Ihrem Kölsch-Glas?“
„Ach, hören Sie doch mal auf rum zu kalauern! Es stört mich, dass Politiker in Heiligendamm dafür gesorgt hatten, dass Demonstranten gegen eine ungerechte Globalisierung durch eine Minderheit in Misskredit gebracht wurden. Wie damals in 2001 auf dem G8-Gipfel in Genua, wo die Politik und Polizei aktiv die radikalen Autonomen zu deren Zerstörungsspielchen unterstützt hatten. Wo eine Schule friedlicher, abreisebereiter Demonstranten blutig niedergeknüppelt wurde. Und wo dann die noch Unverletzten in einer Polizeischule dazu gezungen wurden, faschistische Lieder zu singen. Taten die es nicht, wurden die brutal von Polizisten erneut niedergeschlagen. Sie taten es gezwungenermaßen denn vorher wurden sie wegen Verweigerung zum Singen bereits niedergeschlagen. Und als der junge Mann in Genua von einem Polizisten erschossen wurde, da knallten bei Polizisten und Politikern die Sektkorken. Da hat der italienische Berlusconi-Staat aller Welt gezeigt, wie er sein Volk haben wollte. Lammfromm und schweigend. Und der Weltöffentlichkeit wurde vorgegaukelt, Globalisierungsgegner seien Verbrecher, die sich Polizeiknüppel zu recht verdient hätten. Nach dieser Zeit sprach man dann von Politikverdrossenheit bei den Jugendlichen. Warum sollten die auch nicht verdrossen sein?“

Er holt Luft. Kein Wunder nach dieser langen Predigt.
Ich stochere nach meiner Jacke unterm Tresen. Das mörderisch langweilige Spiel wird gleich zu Ende sein und ich werde dann gehen. Hier hält mich nichts.

„In Heiligendamm scheint die Polizei offensichtlich auch bei den Autonomen gezielt mitgespielt zu haben, damit nachher jeder von ‚Chaoten‘ und ‚Globalisierungsgegener‘ in einem Atemzug rede. Das hat voll funktioniert. Wer friedlich mit der Mehrheit der Zehntausend demonstriert hatte, fühlt sich jetzt von der Politik veraten, verkauft und kriminalisiert.“

Die türkischen Fans feiern dem Schlusspfiff entgegen. Die Brasilianer dagegen werden das Spiel wohl gleich vergessen wollen.

„Wie damals die Sitzblockierer der 80er Jahre. Die wurden wegen ihrer friedlichen Sitzblokaden als ‚Gewalttätige“ geschimpft. Danach haben sich die meisten enttäuscht von der Politik abgewandt. Dann hieß es von denen, die vorher die vielen Friedlichen als ‚gewalttätig‘ beleidigten, sie seien ‚politikverdrossen‘. Gleiches wird man in einem Jahr von den Demonstranten in Heiligendamm sagen.“

Der Scheidrichter pfeifft die Partie ab und mit ihm viele brasilianische Zuschauer. Einstimmige Meinung der Nicht-Türkei-Fans mit dem Schiedrichter.
Die Partie gehörte schon längst abgepfiffen.
Oder per Fehlentscheidung einen Elfmeter für die Türken.
Ich nehme mir den Rest „Pisco Sour“ zügig zur Brust.

„Für die Politiker gibt es offenbar nur eine Art wahre Demonstranten. Und die liefen vor einem Jahr hier in Deutschland bei den public viewing areas herum und unterstützten lautstark selbst langweilige und uninteressante Spiele. …“

Dieser politische Monolog meines Nachbarn nervt mich nun endgültig ab. Ich kam her, um ein Fußballspiel der Brasilianer zu sehen und nicht um über Politik zu labern.
Stattdessen spielten die Brasilianer langweiliges, uninteressantes Rasenschach und mein Nachbar nutzte mich als seelische Müllhalde seiner eigenen politischen Verdrossenheit.

„… und wissen Sie was? Ein Gericht hat diese Sitzblokierer der 80er Jahre vom Vorwurf der ‚Gewalttätigkeit‘ höchstrichterlich freigesprochen. Nach den Vorfällen in Genua ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen Dutzende von Polizeibeamten und Politikern. Nach Heiligendamm wurde zugegeben, dass polizeilicherseits Beamte möglicherweise als agent provocateure in den gewaltbereiten ’schwarzen Block‘ geschleust wurden. Sogar der gesetzeswidrige Einsatz der Bundeswehr im Innern fand mittels zweier Tornado-Aufklärer über Heiligendamm statt. Man will uns politisch erst weichkochen und dann zu Ja-Sagern machen. Und unsere Regierungspolitiker, …“

Dem Wirt lege ich eilig 15 Euro auf den Tresen.

„Stimmt so.“

Ich ergreife meine Jacke und haste fluchtartig zur Tür der Kneipe. Es reicht mit dessen elendem pseudopolitischem Genöle.

„… die schweigen nun dazu wie großmäulige Schuljungen, welche beim Spicken in der Schule ertappt wurden und nun aus Schreck darüber erst einmal verstummen. Bevor sie dann aber wieder lautstark Verschärfungen diverser Sicherheitsgesetze verlangen werden.“

Ich habe das im Nachtregen glänzende Pflaster der Straße erreicht. Die Tür der Kneipe schließt sich quietschend hinter mir.
Und wie ein Echo hallen noch die letzten Worte der Kneipenlabertasche über die menschenleere Fußgängerzone:

„Und ich garantiere Ihnen, in einem Jahr redet man wie damals in Italien wieder von Politikverdrossenheit der Jugend! …“

Die Stimme verhallt.
Hoffentlich spielt Brasilien beim Copa America wieder besser, geht es mir noch durch den Kopf.
Meine Schritte auf feuchtem Pflastersteinen sind das einzige, was ich jetzt noch höre.
Endlich wieder Stille …

Verweis auf Blog-Karneval

Raphael Raue alias „Soeren Onez“ hat im Feuilleton der Bloggosphere zu einem Blog-Karneval aufgerufen.

Thema ist

“Politikverdrossenheit in Deutschland. Wohin führt uns die Parteiendemokratie? Kritiken, Analysen und Utopien sind gefragt!”

Beteiligen kann sich jeder.
Nun ja, fast jeder. Denn ausgeschlossen sind:

Rechtsradikale, verfassungsfeindliche Meinungen, Antisemitische, Ausländerfeindliche, überhaupt diskriminierende Artikel und Polemiken die nur darauf abzielen, jemanden zu diskreditieren. Politische Diskussionskultur schließt nicht mit ein, jede abstruse Weltsicht akzeptieren zu müssen.

Unter diesem Link finden sich alle weitere „Spielregeln“.

Die Beiträge zu dem Blogkarneval finden sich dann unter
http://www.onezblog.de

Bislang wurden schon dort die ersten lesenswerten Beiträge verlinkt.

Viel Spaß beim Lesen.

Veröffentlicht unter Privat

Lockruf des Goldes

Nun nimm mich!
Du willst es doch auch.
Hier mitten unter der wärmenden Sonne!
Oder willst du mich nicht tief in dir fühlen?
Ganz tief in dir.
Diese erfrischende Kühle, wie sie langsam von oben nach unten rinnt.
Dieses Prickeln, als ob es im Bauchnabel wäre.
Dieses angenehme Benommensein danach.
Nimm mich!
Jetzt gleich!
Ich warte nur auf dich!
Laß mich nicht warten!
Laß mich nicht alt werden!
Nimm mich jung und frisch und noch fast nicht gänzlich verbraucht!
Ich bin doch noch zur Hälfte jungfräulich!
Nimm mich JETZT!
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Veröffentlicht unter Privat

Zivilisten kopieren infamerweise G8-Gipfel!

Es ist unglaublich! Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, ich hätte es nicht fotografieren können!

Vor ein paar Tagen haben sich staatstragende Persönlichkeiten in Heiligendamm zum abendlichen Schlemmen getroffen und beim Essgelage über den Klimaschutz auf hohem Niveau (… deren Liegesofas waren höher gelegt …) unterhalten.

Und jetzt versucht der Pöbel auf Straßenfesten das gleiche zu kopieren.

Meine Meinung:
Einfach nur billig, diese unwürdige Kopie!

Absolut billig im Gegensatz zu Heiligendamm, und herauskommen tut dabei auch nichts.

Aber schaut euch das Foto vom Großstadtstraßenfest nur selber an:

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Bilderrätsel

In einer Großstadt wurde auf einer Strasse musiziert. Freilich wurde auch die Samba an einer Bühne zelebriert.
Hier seht ihr ein Bild davon.
Meine Preisfrage nun:
Von den Musikanten der getrommelten Samba auf dem Bild, wo verbirgt sich der Brasilianer oder die Brasilianerin?
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Zu schwer?
Dann das nächste Bild. Mal andersherum gefragt:
Wo verbirgt sich der Deutsche auf dem Foto?
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Tja, das sind schon eindeutig brasilianisch-deutsche Verhältnisse. Die Deutschen trommeln die Erfahrungen aus ihren Trommel-Workshop und die Brasilianer machen das, was man gemeinhin so annimmt, was die so machen: Hübsch ausschauen und Caipis mixen