Hey, heute ist internationaler Weltspartag!
Aber nicht bei uns. Nicht in Deutschland. Der heutige war bei uns schon gestern.
Und was macht Deutschland dann heute am internationalen Weltspartag?
Das, was wir jeden Tag machen: Schulden.
Hey, heute ist internationaler Weltspartag!
Aber nicht bei uns. Nicht in Deutschland. Der heutige war bei uns schon gestern.
Und was macht Deutschland dann heute am internationalen Weltspartag?
Das, was wir jeden Tag machen: Schulden.
Gesucht, gefunden.
Der Ursprung des Wortes „Scheißtag“:
Als „Scheißtage“ wurden in Süddeutschland und Österreich unter Knechten (in früheren Zeiten angestellte Arbeiter in bäuerlichen Betrieben) die zusätzlichen ein bis drei unbezahlten Arbeitstage bezeichnet, die die von ihnen beanspruchte Zeit für die Verrichtung der Notdurft während der vereinbarten Anstellung ausgleichen sollten. Häufig war der „Scheißtag“ der 29. Dezember.
Quelle: wikipedia.de
Und?
=> War der heutige Tag dein 29. Dezember?
Oder war er letzte Woche schon? :)
Zulange in ’ner Kneipe rumgesumpft, mit Augen versucht das Bier aus dem Glas zum Verdampfen zu bringen, hab es dann aus Verzweiflung einfach runtergeschüttet.
Meine Frau kam mit nem Tempo vorbei, ihr „Hat-der-Kleine-wieder-gesabbert“-Blick konnte mich schon gar nicht mehr treffen, solange ich mein Bierglas noch heben kann, ist mir das Kinn-Abwischen auch noch keine Kunst.
Nur die Gäste sahen mich an, als ob ich die „Sinfonie des Grauens“ persönlich sei. Ja, Herrschaftszeiten, haben wir denn nun Halloween oder nicht?!? Darf ich nun dafür sorgen, dass andere ’ne Gänsehaut angesichts meines leicht delirenden Zustandes bekommen oder nicht?!?
„Nein“, sagte mir der Kellner unisono mit meiner Frau zusammen.
„Zusammen“ – das war auch das Wort, welches beide verwendeten. Und dann redeten beide noch vom „Reißen“. Kapiert habe ich es nicht. Mein Freund Heiner sagte mir dann noch in nem leichten schwül kumpelhaften Säuferton, ich solle gefälligst sauber bleiben.
Sauber.
Dabei hatte meine Nachbarin in ihrem Dekolleté ziemlich viel Kunstblut verspritzt und dort, wo sich normalerweise der Blick hin verirrt, klaffte ein dickes aufgeklebtes PVC-Wundenimitat. Auf ihrem Rücken stand Zombie, in ihrem Cocktailglas befand sich wohl ähnliches, denn sie beaugapfelte ihr Make-up andauernd durch nen Klappspiegel.
Ich hab mir daher keinen „Zombie“ bestellt. Nachher lauf ich auch noch dauernd aufs Klo und muss mich auch noch zwanghaft im Spiegel anschauen.
Jemand sagt, ich solle mich amüsieren. Ich hebe mein Bierglas der Gegenüber entgegen, die öffnet ihren Mund, ich sehe ihre Zähne und mein Lächeln gefriert. Widerlich! Das Glucksen der Frau mir gegenüber verrät mir, dass sie diesen Effekt erwartet hatte. Ich setzte mein Glas ab und verfalle in dumpfes Brüten.
Gott sei Dank ist übermorgen Allerheiligen.
Friedhofsrundgang ist angesagt. Und das gleichzeitige Gräber-Mobben beim Gruftnachbarn.
„Schau mal. Der hat überhaupt nichts an seinem Grab getan.“
„Unser Grab ist das schönste in der Reihe!“
„Schau dir mal den mickrigen Kranz dort drüben an. Die sollten sich was schämen.“
„Und so was nennt sich bei denen Totenehrung! Die haben noch nicht mal das Glas ihrer Grableuchten geputzt!“
„Letztes Jahr haben wir noch drei Grabgestecke auf unsere Gruft abgelegt, aber dieses Jahr nur zwei. Die sind halt so teuer geworden. Dafür haben wir aber mehr reinstecken lassen. Man möchte sich ja nichts nachsagen lassen.“
Nein, der November gehört verboten.
Nur triste Tage und dann noch das ganze nekrophile Gedöns: Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag …
Ein Monat, um zum gnadenlosen Alkoholiker zu werden.
Oder wie damals jener,der zur abgehalfterten Möbelhausattraktion wurde. Jener Rex Gildo. Das war dem armen Jungen wohl doch zu viel und daher ist er wohl gehopst. Acht Tage vor Allerheiligen vor sieben Jahren. Alkohol hatte er ja schon genug. Zwei Tage vor Halloween wurde er begraben …
Und wie auf Kommando knallt das Ralf Siegel Machwerk durch die Lautsprecher der Kneipe: Hossa.
Fiesta Mexikana.
Hossa.
Und übermorgen stehen die Fans wieder um einen Hügel Erde und Kränze.
Hossa.
Es ist ja Halloween.
Hossa.
Über dem Tresen baumelt ein Skelett. Meine Frau streichelt es zärtlich und schaut mich dabei an. Instinktiv rechne ich meine Lebensversicherung gegen das Abendessen von ihr heute auf. Hossa. Alles im grünen Bereich, kam alles aus der Dose und schmeckte so fade, wie es bei ALDI halt so schmeckt.
Eine Vampirella drängt sich neben mir und prostet mir zu. Die Hälfte ihres Biers landet auf meine Hose und alle um mich herum lachen und rufen „Halloween“.
Ich überlege, ob ich wieder sabbern sollte. Meine Frau scheint den Gedanken erraten zu haben und schaut mich streng an.
Ob sie mich umbringen wird, wenn ich nochmals sabbere? Es ist schließlich Halloween. Und – das wichtigste von allem – sie ist glaubensfeste Katholikin. Was die Kirche sagt, ist ihr heilig. Solange sie sich natürlich nicht in ihr Privatleben einmischt.
Heute – oder war es schon gestern? -hat sie vor Freude gegluckst, als sie sich ihre Vampirzähne für den Abend einsetzte und ihren Kopf zum Totenkopf umschminkte.
Im Radio lief vor einigen Jahren die Kurzmeldung, Katholiken und Protestanten hätten sich jetzt darauf geeinigt, dass ab nun der Mensch allein auf Grunde seines Glaubens schon im Himmelreich aufgenommen werden würde. Gute Taten dafür braucht es nun nicht mehr.
Nachtigall ick hör dir trapsen, war schon damals mein erster Gedanke. Wollen die beiden Kirchen nun wieder Kreuzzüge ausrufen? Ist das die Antwort auf die hohe Anzahl der Kriege? Der Joan d’Arc-Effekt? Die soll ja persönlich um jeden geweint haben, dem sie zuvor die Kehle zerteilt hatte. Dafür wurde sie ja auch u.a. heilig gesprochen. Demnächst werden wohl der Sachsenschlächter Karl der Grosse oder der Indiofresser Cortez oder der grausame Christopher Kolumbus ins Reich der Heiligen aufgenommen. Denn gläubig waren sie bis zuletzt. Zuerst die Heiden getauft und dann – rumps – die Omme ab.
Alles im Namen Gottes.
Das nun aufgrund der Kirchenentscheidung ein Veto Gottes zu befürchten ist, steht nicht zu erwarten. Gott hat ja überhaupt keine Rechte bei der Mitsprache, er könnte sich auch nicht ausweisen und würde dann wohl in ein sicheres Drittstaatenland abgeschoben.
Ich schau mich um. Ein Mann mit einem Skeletttuchumhang wankt an mir vorbei und rammt mir mein Bierglas aus der Hand. Der Inhalt ergießt sich über die Verkleidung meiner Frau.
„Du Idiot! Wir gehen jetzt, du Säufer! Hast mein schönes Halloween versaut!“
Das Skelett übergibt sich gerade auf dem Tresen, aus der Lautsprecherbox tönt wieder mal ein zweifaches „Hossa!“ und die Umstehenden wenden sich mit Grausen ab.
Eine Symphonie des Grauens.
’s halt Halloween …
Das neue ist immer das bessere.
Besser als das vorherige.
Und das vorvorherige.
Vor zwnazig Jahren musste ich bei Fernstgesprächen teilweise noch recht heftig ins Telefon schreien. Aber es wurde besser. Inzwischen höre ich Stecknadeln in anderen Ländern fallen, so stark hat sich das Festnetz verbessert.
Aber es ist halt nur Festnetz.
Nicht mehr und nicht weniger.
Dann kamen die Mobilfunktelefone auf. Dicke Koffer, die über geostationäre Satelliten, Verbindung herstellten.
Schlechte Sprachqualität.
Aber immerhin fiel man damit in der Öffentlichkeit auf.
Dann tauchten die ersten Handys auf. Verpönt von jedermann.
Inzwischen hatte das Festnetz beeindruckende Sprachqualität.
Aber der Hype auf Handys mit einer Sprachqualität wie beim Festnetz vor 15 Jahren hob ab.
Neuer ist besser? Das gilt für die digitalen W-Lan-Handys. Dort wird zum Teil noch ein künstliches Rauschen eingespielt, damit der Nutzer weiss, dass sein Mobilteil gerade ne Verbindung hat …
Neuer ist besser?
Ich habe seit vorgestern das neue Betriebssyytem „Ubuntu Edgy“ auf meinen PC gespielt. Es sollte mein bisheriges Betriebssystem „Ubuntu Dapper“ ersetzen.
Doch.
„Ubuntu Edgy“ lief ganz akzeptabel.
Aber es lief nur, wenn es erstmal hochgekommen ist.
… wenn …
Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär …
Never change a winning team.
Ich bin jetzt wieder bei „Ubuntu Dapper“ und wieder zufrieden.
Da spielen Deutsche pietätlos mit den Totenschädeln sowjetischer Soldaten in Afghanistan, da warnt Merkel davor, dass die Afghanen verstimmt drauf reagieren würden. Man solle doch lieber deren „Köpfe“ (so Merkel!) gewinnen. Hoffentlich nehmen die deutschen Soldaten diese Anregung nicht zu wörtlich. Andererseits, würde man denen empfehlen zur Beruhigung nen „Schwarzen Afghanen“ zu rauchen … wer weiss, wie verzweifelt die deutschen Soldaten dann dort nen Schwarzen suchen würden, um das Opfer dann in deren Pfeife zu stopfen …
In der Zwischenzeit entrüstet sich das BILDungsblatt mit dem Aufmacher weiterhin über die Leichenfledderei und Totenstörung durch deutsche Waffenträger in Afghanistan.
Und weil es zu dem Thema „Tote unter Deutschen“ so gut passt, fragt dieses BILDungsblatt paar Seiten später indirekt gleich auch noch entrüstet, warum man kein Herz für Moshammers tote Hündin Daisy habe und sie nicht in seiner Gruft versenke?
Wobei, die letzte Frage zeugt nicht wirklich von wirtschaftlichem Geist. Man sollte die Daisy schnell noch schockfrosten und nach Süd-Korea verkaufen, bevor sie zu Gammelfleisch verkommt und dann keinen Heller mehr wert sein wird …
Eine absolut unendbehrliche Nachricht:
Moshammers Hündin Daisy ist gestorben.
Das, was niemand erwähnte: der neue Hundebesitzer hatte der Hündin Daisy zuvor mehrfach das Hörbuch „Bekenntnisse einer Hundedame“ vorgespielt, das von Moshammer persönlich gesprochen ward …
Tja, es gibt schönere Todesursachen als der durch Folter mit Moshammer CDs …
Das ist nicht schön.
Nicht wirklich schön.
Da ist in genau einer Woche „Allerheiligen“ – ein Tag also, an dem die ganze restkatholische Bevölkerung nachmittags zu ihren Gräbern pilgert und kleine bunte Lichterchen in Gedenken ihrer Toten aufstellt – und dann sieht man Soldaten mit Totenschädel posieren.
Klar, andere buddeln freiwillig irgendwo herum, graben Totenschädel aus, schreiben darauf Dutzende von Büchern und nennen sich Archäologen. Wieder andere graben Gräber aus und werfen die Gebeine in Öfen zum Einäschern. Die nennt man Friedhofsgärtner oder so.
Aber Soldaten?
Und es sind nicht irgendwelche Soldaten.
Es sind deutsche Soldaten in Afghanistan.
Sie stören die Totenruhe, schreit die Volksseele
Und was die Volksseele so als Aufmacher auf Seite 1 aufkocht, dass muss ja schon verwerflich sein.
Geschunden von der blindgängerischen Granaten der publizierten Volksseele werden sich die armen Soldaten instinktiv bei ihrem gelernten Handwerk wieder in ihre bombensicheren Unterstände ducken. Dabei haben Soldaten an sich doch den lockeren Umgang mit dem Tod anderer erst salonfähig gemacht.
Es ist auch gemein.
Nirgendwo dürfen unsere Soldaten sich mal austoben. Immer stehen sie unter der Beobachtung irgendwelcher Dolchträger im Innenland. Warum sollten sie denn keine Totenschädel den Fotografen präsentieren? Wäre die Volksseele beruhigter, würden noch Fleisch und Blut dran haften? Abgetrennte Köpfe gibt es doch in der afghanischen Umgebung zu dutzenden: abgeschnittene, abgehakte, abgesprengte.
Da haben unsere Jungs jahrelang auf der Playstation Krieg geübt, dann hat man sie hingeschickt und jetzt will es keiner mehr sehen, wenn sie ein wenig Spässken machen?
Gut, hätten die das am 31. Oktober zu Halloween gemacht, dann hätten wir alle verständnisvoll genickt. Schliesslich schicken wir ja unsere Kinder mit Scream-Masken, Totenkopfschminke und Leichenkopfhemdchen auf die Strasse und lassen die an jeder Haustüre um „Süsses oder Saures“ betteln.
„Trick or treat.“
Ursprünglich war ja Halloween am 31. Oktober ein keltisches Fest, bei dem die Druiden forderten, dass ihnen um Mitternacht ein Kind als Opfer für ihren Totengott gegeben würde, welches sie lebendig in einem Weidegeflecht verbrennen würden.
Nächstes Mal lade ich die Kinder zu mir ein und erzähl Ihnen das und hol dann mein Druidengewand mit der Druidensichel aus dem schrank hervor. Sollten die Kinder dann nicht schon schreiend flüchten, kann ich ja noch ein wenig die Sichel mit dem Wetzstab bearbeiten und die Kinder irre anschauen …
…ist ja Halloween.
Na, wenn schon die Kinder lernen, dass sie das elterngegebene Recht haben, anderen Schaden zuzufügen, gesetzt den Fall andere Menschen beugen sich nicht deren Willen, dann sollte man auch den Soldaten in Afghanistan zugestehen, ein wenig Totenschädel auszubuddeln.
Schliesslich wird gerade im nächsten Monat den Toten in Deutschland gehuldigt. „Allerheiligen“, „Allerseelen“, „Volkstrauertag“ in verbindung mit einem „Buß- und Bettag“ sind so richtig gut dafür gemacht, den November zu dem depressiven Monat eines Jahres werden zu lassen. Da hilft dann auch nicht mehr der Beginn der Karnevals-Session am 11.11. um 11 Uhr 11.
Eben.
Und daher rührt auch das moralisch Verwerfliche der Soldaten:
Einfach so fröhlich mit Totenköpfen vor Digitalkameras rum zu joinglieren und Soldatenhumor zu demonstrieren. Damit nehmen die uns doch die ganze November-Depri. Das muß nicht sein.
Denn wer im November nicht dem Depressiven fröhnt, der darf auch in zwei Monaten zu Weihnachten nicht demonstrativ dazu auffordern, froh und munter zu sein.
Sowas führt halt zu militärischen Kollateralschaden in der Presse.
Kollateralschaden.
Mehr nicht halt.
Und schliesslich gestehe ich hier auch ganz offen:
Selbst ich könnte noch heute den Totenschädel jenes Mannes streicheln, der Urlaub und Wochenende erfunden hat.
Und das sogar vor einer Digitalkamera.
Richtig fröhlich in die Kamera lächelnd …
Morgens um sieben Uhr ist die Welt noch in Ordnung …
… und zwar genau bis eben zu jenem Punkt, wo ich die Zeitungskästen passiere.
Da ist Deutschlands Meinungsbildner Nummer Eins auch dabei.
Heute stand rechts oben in deren Ecke entscheidendes:
Exklusiv! Gerhard Schröders Erinnerungen
Und irgendwie fiel mir da ein Stein vom Herzen. Er hat es also geschafft, seine Memoiren unterzubringen.
Mir fiel dabei gleichzeitig eine Fotomontage am Anfang dieses Jahres ein. Sie befand sich in der Satire-Zeitschrift TITANIC:
Aus rechtlichen Gründen musste ich das Bild leider entfernen.
Sorry.
Hat Gerhard also seine fünf Seiten nun endlich doch in der Öffentlichkeit unter gebracht …