Lebe wild und gefährlich (4)

Stewardess kommt und fesselt mich an Sitz fest.
Denke erst voll erregt an leichte Formen von Sado-Maso.
Nach der Landung stelle ich leider fest, dass es sich nur um den Sitzgurt handelte.
Steward zeigt mir eine halbe Stunde später, wie der Sitzgurt aufgeht.
Fühle mich tief beschämt.
Verlasse Flugzeug und nehme den Narita-Express Richtung Tokyo Station.
Frage dort am Info-Schalter nach Bill von Toykio Hotel.
Unverständiges Schulterzucken und aufreizend provozierendes Lächeln.
Verschwinde erstmal in das nächste Kaufhaus.
Suche brasilianischen Schnaps.
Fehlanzeige.
Suche danach brasilianisches Bier.
Wieder nichts.
Will mir nun japanisches Bier kaufen.
Stosse dabei auf deutsches Kölsch.

Lebe wild und gefährlich,Careca

Beschließe ganze Reihe Kölsch aufzukaufen.
Werde von einem deutschen Ehepaar schief von der Seite angeschaut.
Japaner reagieren mit Gleichmut oder einfachem Wegsehen.

Ich spüre, ich bin auf dem richtigen Weg zu „Wild und gefährlich“.

Lebe wild und gefährlich (5)

Fühle mich richtig beschlußfreudig.
Beschließe also mir den giftigsten Fisch der Welt zu kaufen.
Stehe vor der Auslage mit den Kugelfischen, die man Fugu nennt.
Lebe wild und gefährlich, Careca

Fische erscheinen mir zu dünn für eine wilde und gefährliche Mahlzeit.
Ziehe weiter.

Später erzählt mir wer, Fugus pumpen sich auf, wenn sie sich in Gefahr wähnen.
Bin sauer und würde mich am liebsten ebenfalls aufblasen.
Nehme mir stattdessen nur meinen Schuh.
Scheitere beim Aufblasen.
Bin doppelt-sauer.

Lebe wild und gefährlich (6)

Wandere ziellos durch Tokyo.
Finde ein Holzgebäude mit einer Kugel davor.
Drinnen stecken Japaner seltsame Stäbe, zünden die an und schnuppern dann wie berauscht.
Beteilige mich an dem öffentlichen Kiffen.
Stäbchenzeug ist aber irgendwie unpotent.
Wohl schlechte Qualität.
Lebe wild und gefährlich, Careca

Verspüre überhaupt keinen Rauschzustand.
Sehe allerdings wie sich die Japaner den Rauch über ihre Köpfe schütten wollen.
Muss ein eigenwilliger Rausch sein.
Scheint zu wirken.
Denn sehe Hakenkreuzsymbol am Rand des Beckens.
Sehe Hakenkreuze an einer Glocke.

Lebe wild und gefährlich, Careca
Räucherstäbchen sind eindeutig Betrug für Kiffer.
Deutsche Frau klärt mich nachhaltig und intensivst auf, dass Symbol älter ist als das Tausendjährige Reich.

Sehe immer noch keine Gelegenheit für „Wild und Gefährlich“.

Lebe wild und gefährlich (7)

Will mich der japanischen Bevölkerung aussetzen und mich von denen niedertrampeln lassen.
Trotz demonstrativen Stehenbleibens werde ich nicht gerammt.
Von niemanden.
Lebe wild und Gefährlich, Careca
Irgendwie erscheint mir auch der Passantenstrom geringer.
Versuche mich vor einer Rikscha zu werfen.
Rikscha-Esel und Eseltreiberinnen weichen mir lässig aus und lächeln nachsichtig mir zu.
Eine winkt sogar provozierend freundlich.

Lebe wild und Gefährlich, Careca

Bin entnervt.
Wo ist es, das wilde und gefährliche?

Lebe wild und gefährlich (8)

Sitze trübseelig im 22. Stock meines Hotels.
In Tokyo.
Aber nicht Tokyo Hotel.
Schaue desillusioniert durch das Fenster auf die Lichter der Großstadt.

Lebe wild und gefährlich, Careca
Fenster ist hermetisch verschlossen.
Klimaanlage surrt.
Grüner Tee zieht in der Kanne vor sich hin.
Fühle mich wie Bill Murray in „Lost in Translation“.

Menschenfluten, U-Bahnimpressionen und Patschinko-Spielhallen

Beim Lesen des Reiseberichts von Lasagnemutti über Hong Kongs U-Bahn und deren Verhältnisse tauchten vor meinem inneren Auge die Zustände der U-Bahn-Stationen Tokyos auf. Nicht etwa, weil diese von der Beschreibung Lasagnemuttis total abwichen.
Nein, es waren die Menschenmassen, die mich beeindruckt hatten. Am liebsten hätte ich es fotografiert. Aber wie hätte ich was fotografieren können, während ich mich vor allem permanent darauf konzentrieren musste, den Rythmus des Tokyoter Ameisenhaufens zu erwischen und im Strom der Menschenmenge ohne Rempeleien mitschwimmen zu können? Etwas, was in Bewegung ist und nur mittels Filmen festzuhalten ist?
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Privat | Verschlagwortet mit

Japan Memories: Germany, zero points. Deutschland, null Punkte

Unter Ausschluss einer potentiell interessierten Öffentlichkeit wurde in der letzten Woche in der Nähe von Tokyo der „Worldwide Song Contest“ durchgeführt.
Das ist sozusagen der noch nicht publizierte Nachfolger des „Eurovision Song Contest“ der „European Broadcasting Union“, der annodunnemals noch unter den charmanten Begriff „Grand Prix d‘ Eurovision de la Chanson“ firmierte. Man nannte sie damals auch noch die „Siegel“-Spiele (… dabei-Sein ist alles, lieber Ralph …).
Wer erinnert sich? „Germany: Zero points – Deutschland: Null Punkte“
Und jetzt in Tokyo.
Die inoffiziellen Vorausscheidungen.
Beteiligt waren ein Deutscher, ein Engländer und drei Japaner.
Weiterlesen