Dickhead

  What’s your problem, dickhead?

Ich hann met ührer Loogik nix ahm Hoot,
Ding Schachfijure hann et denke geliert.

Irgendwann auf der Londoner M25 erreichte mich der Anruf des Personalchefs.
Ich hätte doch mit Sicherheit ein besseres Angebot erhalten und deshalb habe ich gekündigt.
Nein, entgegnete ich ihm. Ich hätte wegen der Firma gekündigt. Ich spiele da nicht mehr mit. Es gebe auch noch ein Leben nach der Firma.
Was ich damit meine?
Ich meine damit die Personalpolitik. Immer mehr Aufgaben auf immer weniger Leute mit jedesmal nach oben hin angepassten Zielen bei gleichzeitig reduzierter Fähigkeit der Firma auf deren Mitarbeiter zu hören.

Ich hätte doch sicherlich schon eine neue Arbeit, warf der Personalchef ein.

Nein, entgegnete ich. Ich würde jetzt das wichtigste in meinem Leben wahr nehmen. Etwas, was diametral mit den Aufgaben der Firma entgegenstehen würde. Und zwar meine Freundin.
Ob ihm schon mal aufgefallen sei, dass die Mehrheit der Mitarbeiter der Firma geschieden sei, fragte ich den Personalchef provozierend.

I’ve nothing for your, dickhead.
Go to bed, dickhead.

Irritiert wusste er auf diesen Fakt nichts zu antworten.
Tja, bei meinem Bewerbungsgesrpäch war er damals erheblich wortgewandter gewesen.

Aber nicht nur er sondern viele der Firma waren sprachlos.

Sie haben doch garantiert einen neuen Job, oder?

Das war keine Entscheidung für einen neuen Job, sondern eine Entscheidung gegen meinen gegenwärtigen Job, so war meine selbstbewusste Antwort. Und sie entsprach der Wahrheit.

I found the DICKHEAD OF THE YEAR
and you’re  fu c k ing  it.
Where is the cause?
No cause?

Ich stand noch immer im Stau der Londoner Autobahn M25, als der Personalchef mir sagte er würde mit mir noch ein abschliessendes Gespräch führen. Weil er ja in seinen Zielen Mitarbeiterzufriedenheit stehen hat. Dann wünschte er mir noch ne schöne Zukunft und legte dann auf.

Er meldete sich nie wieder, obwohl er mit mir noch das angekündigte Gespräch führen wollte.

Später erfuhr ich, dass in den geänderten Planungen der Firma der Arbeitsinhalt meines Jobs auf meine verbleibenden Ex-Kollegen umverteilt wurde.

Wie immer, wie zuvor auch.

Französische Personalpolitik …

Mein Zeugnis erhielt ich ein halbes Jahr später.
Allerdings nur über einen eingeschalteten Rechtsanwalt.

Why do you   pi s s ed   me off this class, dickhead.
Isn’t it lovely,
That we can still be good friends?
Now you still want me, because I’m still lovely, baby.
Dickhead.

Nach dem Telefongespräch nahm ich mir meine CD-Mappe hervor, zog mir die CD von Eminem, schob sie in meinen CD-Player und englische Autofahrer konnten die seltsamen Gymnastik-Aufführungen eines Deutschen zu den Klängen von „Sing for the moment“ zuschauen!

Yeah!

Bongo Bong/Je Ne T’Aime Plus


Mama was queen of the mambo
Papa was king of the Congo
Deep down in the jungle
I started bangin‘ my first bongo
Every monkey’d like to be
In my place instead of me
Cause I’m the king of bongo

… Eigentlich hätte der Thread doch eher

Kulturschock

heissen können / sollen / müssen / dürfen / usw., aber warum einfach, wenn es auch komplizierter geht? Eben drum …

Es ist mittlerweile fast 20 Jahre her .
Mein IBERIA-Flieger brachte mich von fast fünf Wochen des Kennenlernens von Südbrasilien zurück.
War es noch strahlend blauer Himmel am Flughafen von Rio und eine gesunde Wärme, sah es in Madrid bei der Zwischenlandung schon grauer und regnerischer aus. Aber wen interessiert schon Madrid, wenn Erinnerungen von 34 Tagen lebendig in den Erinnerungen herumstromerten.

Ich kam zurück von Brasilien nach Deuschland.

Der Blick durchs Flugzeugbullauge klärte mich darüber auf, dass ich doch ein paar Sachen extra anziehen würde müssen. Unter mir erstreckte sich also meine Heimat. Wie leicht gezuckert lag leichter Schnee auf den Feldern. Die Resultate der landwirtschaftlichen Herbstbewirtschaftung trat jetzt deutlich zu Tage. Jedes Feld ein Quadrat, ordentlich gescheitelt und gekämt. Ich bin zwar ein Landei, aber nie war mir dieses so deutlich geworden wie damals im Flieger zurück nach Deutschland. Klar, dass Felder so aussehen mussten. Die traditionelle konventionelle Landwirtschaft kannte nur harken, säen und ernten. Ach ja und Jauche ausfahren. Ein Lieblingssport im Sommer, wenn es heiss war.

In knapp fünf Wochen hatte ich mich an einem verwalteten Chaos gewohnt gehabt: Bushaltestellen ohne Fahrpläne; Leute mit dem genauen Zeitgefühl einer relativen speziellen Relativitättheorie; Schlangen vor bestimmten Geschäften und trotzdem irgendwie keine wütende oder hetzende Ungeduld; Telefone, die in erster Linie fleissig fichas schluckten, um dann eine bescheidene Verbindung zu bringen; paramilitärisch ausschauende Polizisten mit grauen Stahlhelmen, auf denen ein PM prangte; Fahrzeuge, die irgendwie aus dem europäischen Jahrzehnt zuvor erschienen, aber trotzdem voll in Schuss schienen; an jeder Ecke ein Käfer („fusca“); fliegende Kakerlaken; leckere Bananen; dutzende fruchtige Früchte, die ich noch nicht mal im Supermarkt in D-Land kannte; spontane Besuche und nirgendwo war man wirklich unerwünscht; Feten, die auch ohne Bier durchstarteten (obwohl meistens Bier dann später kam, es herrschte eine konjunkturelle Bierflaute verursacht durch die Brauereien); aufrichtiges Lachen und trotzdem Gemauschele; Gott musste wirklich Brasilianer sein.

Im grossen Ganzen lernte ich einen unverkrampften Pragmatismus kennen, der natürlich auf mich abfärbte wie Rotwein auf weisser Kleidung. Ja, lieber Rotwein trinken und lustig sein, als Tee trinken und abwarten. Lieber locker vom Hocker als hektisch überm Ecktisch. Abgegriffene Sponti-Sprüche der 80er, jedoch treffend.

So landete ich also wieder in Frankfurt (… und bei jeder Landung – ob in Madrid, Rio oder Frankfurt – gab’s noch einen riesen Applaus des fliegenden Publikums …).

Koffer fassen, die BGSler prüfend anschauen, ob die was von mir wollten, dann raus und rüber zum alten Untergrundbahnhof der DB. Fahrplan abchecken (kein Ticket ziehen, da ich auf Bundeskosten fahren durfte) und der sagte, dass der nächste Zug in 34 Minuten käme. Und so war es dann auch. Pünktlich wie die Maurer (damals!).

Rauf in den Norden ins westfälische Kuhkaff (altbekannter Witz: Wisst ihr warum der Bahnhof von XY so weit draussen vor dem Dorf liegt? Damit das Dorf auch noch nen Bahnanschluss hat …) , Begrüssung der Eltern in der eisigen Kälte. Die Tage danach Akklimatisierung und jet-lag-Bekämpfung. Und dann zwei Tage später „Heilig Abend“. Kirchgang. Nach der Christmette auf dem Kirchhof weihnachtlich besinnliches Rumhüpfen in der Kälte, um noch den ein oder andern Small-Talk (auf alt-deutsch: „Klatsch und Tratsch“) zu führen. Dort bin ich Freunden wiederbegegnet.

Und einer (Karlchen) sagte mir dann wörtlich: „Mensch, komm doch mal vorbei. Erzähl mal von Brasilien hört sich ja spannend an. Du hast ja sicher mächtig was zu erzählen.“

Und damit begann ein Verhängnis, was nachhaltig zum Kulturschock beitragen sollte:
1. Weihnachtstag. Es wurde abend so gegen 17:00 Uhr. Ich rief noch meinen Eltern zu: „Ich radle noch mal eben zu Karlchen. Der hat mich eingeladen von Brasilien zu erzählen.“ Die seltsamen Blicke meiner Eltern hatte ich nicht verstanden. Fünf Wochen Brasilien hatten mir den deutschen Instinkt für Formelhaftigkeiten und Etiketten eingeschläfert.

Ich kam bei Karlchen ne Viertelstunde später an und fing an fleissig zu erzählen. Was ich seltsam fand, dass seine Eltern nicht auftauchten und nur einer seiner beiden geschwister mal für ne kurze Zeit reinschaute. Aber ich machte mir keine Gedanken und erzählte und erzählte und erzählte und Karlchen fragte sichtlich interessiert und hielt somit das Gespräch in Gange.

Die Zeit verflog und das gleiche sollte auch mit meiner Unbekümmertheit recht schnell geschehen.

Es war so gegen 19:30 Uhr, als plötzlich die Wohnzimmertür aufflog und die Eltern von Karlchen das Räumkommando spielten. Die beide strömten gleichzeitig in das Zimmer und deren Gesichter sahen alles andere als freundlich aus.

„Herr Careca, haben Sie kein Zuhause?“ knallte es mir von ihr entgegen.
„Jo. Stimmt“, kam es vom Mann zurück.

Die Geschwindigkeit, mit der sie sich mir näherten, war alles andere als vertrauenserweckend.

„Herr Careca, Heilig Abend und der erste Weihnachtstag gehören der Familie und der zweite der Verwandschaft!“ blaffte sie mich wie aus einem Maschinengewehr an und rief mir mein Vergehen gegenüber der deutschen Tradition knallhart ins Gedächtnis zurück.

„Jawohl!“ kam es vom Mann.

Ich versuchte mich stotternd zu entschuldigen. Aber es kam nichts vernünftiges heraus. Der Kontrast von brasilianischer und deutscher Gesellschaft und die sich daraus ergebenen zwei unterschiedlichen Realitäten blockierten mein Hirn.

Und beide näherten sich mit hoher Geschwindigkeit, so dass ich instinktiv nur noch an FLUCHT dachte, wie um mein Leben zu retten.

„Sie haben unser Weihnachten verdorben, Herr Careca! Das ist unser Haus! Nicht Ihres! Das ist unser Fest! Suchen Sie sich doch Ihr eigenes und nicht bei uns!“

„Sie haben es verdorben!“ echote es von ihm.

Sie war schon auf Greifweite nah und ich fand meine Jacke, riss sie an mich, stemmte mich aus dem weichen Sessel und sprang Entschuldigungen stammelnd Richtung Ausgang. FLUCHTartig. Adrenalin pur in den Adern. Ob die Fra
u mich geschlagen hätte, wäre sie meiner habhaft geworden? Ich weiss es nicht, aber ich befürchtete es damals und auch noch heute.

Mein Freund selber stand entsetzt im Raum und brachte selber kein Wort heraus.

Zwei Jahre später trafen wir uns zufällig und redeten nochmals über jene Szene zum „Fest der Liebe“. Ihm war die Szene hochnot peinlich und war zutiefst beschämt, so drückte er sich selber aus. Meine Erzählungen über das Erlebte in Brasilien (POA und Umgebung) waren für ihn faszinierend und er spürte, dass da was war, was es vorher in mir nicht gab. Er sprach von einer Lebendigkeit und Lebensfreude, die er total klasse und passend zum Weihnachtsfest empfand. Jedoch als seine Eltern reinstürmten, sei es wieder kalt im Raum geworden. Die ganze Zeit war er mir ausgewichen, da er mir nicht in die Augen sehen konnte. Das war übrigens wechselseitig: Ich war auch ihm ausgewichen, weil ich ja die erklärte Ursache dafür war, dass einer Familie das Weihnachtsfest verdorben worden war. Das steckte in mir.

Jenen Abend legte ich die drei Kilometer-Strecke in weniger als zehn Minuten bei Schnee und Eis zurück, um die eisige Lähmung des Geschehenen weg zu strampeln. Es gelang allerdings nie mehr. Seit jenem Abend ist meine private Meinung über das deutsche Weihnachten bei mir eingebrannt wie damaligen Sklaven das Brandeisen.

Weihnachten sind drei langweilige Tage mit Friedhofsruhecharakter, obwohl verdammt viele Menschen bei der Geburt deren eigenen Kinder viel mehr Begeisterung aufkommen lassen (und über jeden Besuch sich freuen), als bei der Geburtstagsfeier für jenes Menschen, von dem sie ihr Seelenheil erwarten. Wo sind die Feten und Feiern? Ist das Fest der Liebe nur was für die eigenen vier Wände? Die weihnachtlichen Gottesdienste als Cat-Walks der Eitelkeiten und der Präsentation der Geschenke? Sehen und gesehen werden? Ist das wirklich alles?

(*Häresiemodus on*) Wenn wundert es, dass viele nach vier, fünf Monaten wieder aufatmen und sagen „Nu isser wieder angenagelt und alles hat wieder seine Ruh! Jetzt können wir wieder weitermachen.“ Damit diese Zeit nicht allzu öde wird (“ Wir warten aufs Kreuzigen ! „), hat man in gewissen Regionen gleich noch ein wenig karnevalistisches in den Zeitraum reingelegt. Manche können halt nicht dauernd nur warten stattdessen als Ventil organisiertes Feiern mit Narhalla-Marsch und roter Schnapps-Nase … dann aber lieber „ALAAF mit“ als nur ein trockenes dreifaches „Helau ohne“ … das ganze als Abwechselung zur erwarteten Bunny-Zeit … (*Häresiemodus off*)

Meine Eltern waren über meinen Bericht gleichfalls nicht begeistert, sagten aber nichts, da es sich bei den Eltern beides um sogenannten „graue Eminenzen“ der Dorfgemeinschaft zählten.

Weihnachten ist schön für die, die es noch er-leben können …

Später war ich zu Weihnachten mal in Rio. Und da wurde mir schon klar, dass diese Feiertage allein den Familien vorbehalten bleiben. Singles haben an solchen Tagen immer so ne Art Arschkarte gezogen. Es wurde mir klar, dass mein obiges Verständnis von Feten und Feiern wohl nirgendwo auf der ganzen christlichen Welt entsprochen werden kann. Jedes Land – egal ob Deutschland oder Brasilien – hat seine Einstellung zu so einem Fest und das muss ich berücksichten (Häresiemodus von vorhin hin oder her). Das ist halt so.

In Rio war es zur Weihnacht zwar auch still, aber beileibe nicht so friedhofsstill wie in D-Land es immer ist. Aber das ist eine andere Geschichte …

Je ne t´aime plus mon amour
Je ne t´aime plus tout le jour
Je ne t´aime plus mon amour
Je ne t´aime plus tout le jour

Dickhead

  What’s your problem, dickhead?

Ich hann met ührer Loogik nix ahm Hoot,
Ding Schachfijure hann et denke geliert.

Irgendwann auf der Londoner M25 erreichte mich der Anruf des Personalchefs.
Ich hätte doch mit Sicherheit ein besseres Angebot erhalten und deshalb habe ich gekündigt.
Nein, entgegnete ich ihm. Ich hätte wegen der Firma gekündigt. Ich spiele da nicht mehr mit. Es gebe auch noch ein Leben nach der Firma.
Was ich damit meine?
Ich meine damit die Personalpolitik. Immer mehr Aufgaben auf immer weniger Leute mit jedesmal nach oben hin angepassten Zielen bei gleichzeitig reduzierter Fähigkeit der Firma auf deren Mitarbeiter zu hören.

Ich hätte doch sicherlich schon eine neue Arbeit, warf der Personalchef ein.

Nein, entgegnete ich. Ich würde jetzt das wichtigste in meinem Leben wahr nehmen. Etwas, was diametral mit den Aufgaben der Firma entgegenstehen würde. Und zwar meine Freundin.
Ob ihm schon mal aufgefallen sei, dass die Mehrheit der Mitarbeiter der Firma geschieden sei, fragte ich den Personalchef.

I’ve nothing for your, dickhead.
Go to bed, dickhead.

Irritiert wusste er darauf nicht zu antworten.
Bei meinem Bewerbungsgesrpäch war er damals erheblich wortgewandter gewesen.

Aber nicht nur er sondern viele der Firma waren sprachlos.

Sie haben doch garantiert einen neuen Job, oder?

Das war keine Entscheidung für einen neuen Job, sondern eine Entscheidung gegen meinen gegenwärtigen Job, so war meine selbstbewusste Antwort.

I found the DICKHEAD OF THE YEAR
and you’re  fu c k ing  it.
Where is the cause?
No cause?

Ich stand noch immer im Stau der Londoner Autobahn M25, als der Personalchef mir noch ne schöne Zukunft wünschte und dann auflegte.

Er meldete sich nie wieder, obwohl er mit mir noch ein Gespräch führen wollte.

Ich erfuhr, dass in den geänderten Planungen der Arbeitsinhalt meines Jobs auf die verbleibenden Kollegen umverteilt wurde.

Wie immer zuvor auch.

Französische Personalpolitik …

Mein Zeugnis erhielt ich nur mit dem Rechtsanwalt.

Why do you   pi s s ed   me off this class, dickhead.
Isn’t it lovely,
That we can still be good friends?
Now you still want me, because I’m still lovely, baby.
Dickhead.

Nach dem Telefongespräch nahm ich mir meine CD-Mappe hervor, zog mir die CD von Eminem, schob sie in meinen CD-Player und englische Autofahrer konnten die seltsamen Gymnastik-Aufführungen eines Deutschen zu den Klängen von „Sing for the moment“ zuschauen!

Yeah!

Summertime

This is how we feel in the summertime
This is how we feel in the summer

Sie sah mich an und schüttelte den Kopf.
“ Du bist nicht nur unvernünftig, du scheinst ja auch noch verrückt zu sein.“
Ich lachte sie an.
Sie schüttelte nur den Kopf und sah mich ungläubig an.
“ Du wirst diese Nacht nicht schlafen können!“
Ich konnte jene Nacht nicht schlafen.
Wir konnten beide jene Nacht nicht schlafen.
Wir wollten nicht.
“ Du bist verrückt!“

Got my my glass of shandy
Now I feel fine
This is how I pray in the summer

“ Du wirst Dich ärgern, wenn du älter wirst. Deine Haut wird älter ausschauen, als du selber sein wirst!“
Ihre feinen Gesichtszüge umrahmt von einem gelockten Mahagoni-Schopf, der im Wind wiegend schwebte.

“ Du wirst Hautkrebs bekommen.“
Sie reichte mir eine Zigarette.
Mit nichts bekleidet ausser einer Zigarette, bedeckt mit dem Salz der wärmenden Luft und entspannt liegend auf einer Matraze aus weichem Sand.

If the more you pray
The more you stay
The less it’s gettin you down

“ Du solltest aus der Sonne rausgehen, du riskierst sonst einen Sonnenstich.“
Verbrannte Haut.
Haut mit Blasen.
Blasse Winterhaut unter der Sonne des normalen Sommers.
“ Du solltest dich abkühlen. Dort am Posto gibt es Duschen.“
Sie reichte mir den Metallbecher mit dem gekühltem Rotwein.
Mit einer natürlichen Leichtigkeit stiess sie an.
Ihre roten Lippen umschlossen den Rand des Metallbechers, ihre Augen drangen in den meinen und ihre Blicke unter meiner Haut.
Ihre Hand umschloss spielerisch den silbernen Metallbecher, als sie ihren Schluck nahm.
Der kühle Wein rannte mir durch die Kehle und zeitgleich ihre grünen Augen in mein offenes Herz.

Take a break from the strain
Get out your card
And drink a glass of wine
Admit it you feel great

“ Ich dachte, du wärest einer von uns.“
Sie ging formvollendet runter in die Hocke, raffte ihren Kanga mit der riesigen Landesflagge aus dem weissen Sand und verstaute das Tuch in ihrer flache Basttasche.
Einen Moment
verblieb sie in der Hocke.
Einen Moment zu lange.
Ihr entwaffnendes Lachen umhüllte mich wie ein Schutzschild.
Sie verlor ihr Gleichgewicht.
Sie fiel.
Sie fiel mir entgegen.
Unsere Arme umarmten sich.
Unsere Herzen kamen uns näher.
Haut auf Haut.
Zahn zu Zahn.
Gefühl zu Gefühl.
Warm und zart sich den Weg dazwischen hindurch suchend
.

What’s mine is yours
What’s yours is mine
This is how I play, yeah

“ Du musst dich eincremen. Du wirst nicht schlafen können.“
Die Nacht kam gelindert durch ihre Creme.
Zarte, kräftige Hände Zeugnis ihre Handlungsfähigkeit.
Ihre Creme, einzigartig heilend.
Perfekte Handarbeit.
Da wo die Hitze der Nacht uns umgab.
In der Hitze der Nacht.
Wo die warme Sommerbrise uns auf dem Balkon umfangen hielt.
Erhitzte Körper, gekühlt durch den leichten Windhauch, der unseren Schweiss mitnahm.
Das Rauschen des Meeres, unseren gemeinsamen Kanon untermalend hinaustragend in die ozeanischen Weiten des Meeres.
Auf und davon.
Das, was endlich zusammen gehörte, kam zusammen.
Clash zweier Kulturen in Harmonie

This is how we feel in the summertime
This is how we feel in the summer
Take it back to the summer of 89
This is how I play, yeah, oh

Später im Flieger.
Den Rücken halb vernarbt.
Andenken der Sonne des Landes und ihrer Fingernägel auf meiner Kehrseite.
Von nichts, kommt nichts.
Die Kladde auf meinen Knien, das Glas Rotwein in meiner Hand, auf den Kugelschreiber kauend.
Suchend nach Worten.
Suchend nach ihren Atem in meinem Ohr.
Ihrem Geschmack auf meiner Zunge.
Ihrem Geruch in meiner Erinnerung.
Ihrer Stimme als Echo in meinem Körper.
Ein Herz schlagend und rufend.
Eine Seele im Gleichklang schwingend und kompromisslos fordernd.
Ein Geist, beharrlich gleich dem eines Mantras, der mir stetig das Gleiche vortrug.
Das Geheimnis, welches sie mir in jener Nacht als Rezept des Lebens in mein offenes Ohr hauchte:
.
.
.
.
.
.

Lebe!!!

Autumn time leaves fallin‘ all around
Wintertime follows suit
Little bunnies freezin‘ in the snow
Winter’s such an ugly brute

She’s Madonna

 I love you baby
But face it she’s Madonna

There was no chance for dying
And no chance for living
Just one chance for loving
And then you came and crossed my road

Now I’m loving, living and dying
All the time, every day
All things together

Untill I’m gone

I’m sorry, love
Madonna’s calling me

 

The 90’s

Die Story wieder aufnehmend an dem Punkt, wo ich das Büro verließ …

Karnevalsumzüge. Ausgefallen.
1990 wegen Sturm. Einfach so.
Düsseldorf holte seinen am 19. Mai nach.
Warmer Sonnentag.
Karneval, wie er sein sollte.
Warum ist Karneval immer im Winter?
Zweiter Golfkrieg.
Lachen verboten.
Darum fällt der Karneval deutschlandweit bis auf in Köln aus.
Geisterzug in Köln wird gegründet.

… Life is a shit. …

Später BAP hinterhergereist.
„Take that“ war in Frankfurt die nächste Gruppe nach BAP.
Robbie Williams war schon in der Stadt.
Bap war mir wichtiger. Wer ist schon „Take That“?
Zufällig noch später dann den Effendi getroffen und gedacht er wär ein Hardcore-Fan. In Erfurcht erstarrt und Autogramm bekommen.

Beim Trampen Günther Gabriel vor Köln getroffen. Auf seinem fahrenden Ami-Schlittenschiff klebte Werbung für seine neue LP: „Kiss me I am a German“.
Katastrophe beim Trampen erlebt. Entkommen und am nächsten Tag das Gegenteil erlebt.

Das Leben ist verückt, Kindchen.

Auf und ab.
Hoch und tief.
Ayrton Senna stirbt wegen Lenksäulenbruch in seinen Boliden. Ich schalte dabei zufällig den Fernseher ein. Sehe den Reifen seinen Schädel einschlagen. Sehe den Krankenwagen und ein Fan sieht  sein Idol elendig sterben.
Computern gelernt und die Anfänge des WorldWideWeb kennengelernt. WWW heisst noch „Wir warten weltweit“.
Intensiv in UNITOPIA gespielt.
Nebenbei Radio gehört.
Die Nachrichten darin meldeten nachts den Autounfall Dianas in Paris.

Ich mach ihm Probleme in dieser Stadt.

Auf und ab.
Motivationsprobleme.
Hesses „Steppenwolf“ dreimal und nen Wolf vor der untergehenden Sonne auf der linken Schulter.
Unvergessliche Nacht.
Eine Nacht.
Be my lover.
La Bouche die ganze Nacht.
Und danach? Fantastische Vier „Sie ist weg“
Fange wieder an zu sparen. Organisiere mir ein Praktikum im Land meiner Leidenschaft. Erhalte mühsam Beurlaubung für drei Monate von meiner Arbeit.
Komme motiviert wieder.

Ich bin immer in Schwierigkeiten, aber ich habe aufgehört mich zu entschuldigen. Jeder ist besorgt: “ Was zum Teufel ist los mit Robbie? Er geht nicht mehr ans Telefon, er spricht nicht mehr mit mir.“

Auf und ab.
Verlasse den wilden Westen und kehre in den Süden zurück.
Auf Dienstreisen fern ab meines Wohnmittelpunktes.
Erfahre zufällig über dem Abteilungshandy vom Tod meines Vaters.
Ärgere mich familiär.
Familienbande, die einen erwürgt.
Krach, weil ich nicht so halt will, wie es sich wer dachte.

 … and now I am running away that I mean and I’m pi s s ed and I’m fu c k ed …

Neue Szene entdeckt, schwarz wie meine Seele.
Das gesellschaftliche Tabu.
Hedonismus als eigene Lebensform mit viel Spass.
Sehe die Schatten über die Erde huschen.
Die Sonne sich verfinstern, höre die Natur verstummen.
Am 11. August 1999.
Totale Sonnenfinsternis in Deutschland.
Viele kamen, aber nur wenige sahen sie wirklich.
Freitag, der 13. August 1999, die Welt ist noch immer nicht untergegangen.

 Living is crazy, Baby …

Fühle mich hohl.
Leer.
Allein unter Million.
Allein ist Spass nicht alles.
Auch nicht bei Leidenschaft Nummer 1.
Selbst nicht in den 90ern

… I can’t perform no more, I can’t perform no more …

Ich lebe …

… weiter …

… unausrottbar …

… and I put my head down. And want to wait …  

 

The 80’s

Die Dinge waren besser, als sie begannen.
So war es, als die 80er mir mein Herz brachen.

Festgehalten wie eine Taube vor dem Abflug.
Fest im Griff der Erziehung.
“ Werde ein Mensch“, sagten die Lehrer.
“ Wenn du einmal gross bist,…“, sagten meine Eltern.
Ich liess mich indoktrinieren, bequatschen, überzeugen, hin- und herschieben, angleichen und beugen.
Ich war ein guter Untertan.
Gute Miene zu manch bösem Spiel.
Der fliegbegierige Vogel, der die Theorie des Fliegens beigebracht bekommen hat, darf seine Kenntnisse in der Praxis ausprobieren.
Zögernd die Flügel gehoben zum Fliegen in die mehr oder weniger ungewisse Zukunft.

All die Jahre habe ich meine Rolle gespielt.
So war es, als die 80er mir mein Herz brachen.

Sah den fliegenden Raketenmann um drei Uhr früh. Fernsehen. Eröffnung der ersten Olympischen Spiele in den USA. Verwundert die Augen gerieben.
Live Aid.
Madonna als Hupfdohle am Bühnenrand. Das Material-Girl wurd gerade geboren.
Der Weg aus dem „zu Hause“. Die ersten Tage auf eigenen Füssen.
Unabhängig.
Träumte meine Träume.
Wie Ikarus der Sonne entgegen in der Hoffnung schlauer zu sein.
Je ne regrette rien.
Die ersten Open Airs.
Die Nachrüstungsdebatten und Kriminalisierung der eigenen Meinung.
Die ersten durchzechten Nächte mit fast weniger als nichts in der Tasche. Aber voll ausgelebt.

 Me so horny me so young and I still got my washing done.

Madonna im Kino verzweifelt gesucht und an die Wand gespielt von einer Nebenrolle.
Die ersten Begegnungen.
Die erste grosse Liebe.
Das konsequente Sparen, um SIE zu besuchen.
In der neuen Welt angekommen und wie Alice im Wunderland eine neue Leidenschaft entdeckt.
Das Herz gebrochen bekommen.

Die Dinge waren besser, als sie begannen.
So war es, als die 80er mir mein Herz brachen.

Ausgeblutet weitere Beziehungen gesucht.
Körbe dutzendweise. Zum Korbflechter umgesattelt und auch Körbe versucht zu verteilen, aber auf meine Körbe sitzen geblieben. War noch nicht mal Hahn in meiner Korbsammlung.
“ Deep throat“ nicht verstanden.
Neuneinhalb Wochen Edelstahlerotik der Börsenbroker.
Aber You can leave your hat on.
Beatrice Dalle in „Betty Blue“. 37 Grad am Morgen. Gefiebert den Film verfolgt.
Famme fatal.
Casablanca bis zum Abwinken.

Take my breath away.

Im sommerlich-warmen Regen zur Arbeit gegangen. Später in den Nachrichten erfahren, dass im Regen der radioaktive Fall-out Tchernobyls war.
Geschockt durch das Menetekel einer explodierenden Raumfähre. Erst wieder später erfahren, dass die Astronauten in ihrer Kapsel durch deren Aufprall auf den Weiten des Ozeans starben.
Im Suff die Hand mit einem Bierglas aufgeschlagen. Wollte die Zentrifugalkräfte meinen Umstehenden beweisen. Erntete tierisches Gelächter und ein Heftpflaster von der Oly-Thekenbedienung. Werde später von den Putzleuten vom Klo aufgeweckt.
Dann die Zukunft festgelegt und den Süden Deutschlands mit dem wilden Westen des Dreiländerecks getauscht.

 And I dreamt my dreams to see a prance.

Die ersten Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sicherheitsrisiko in Printenhausen. Geschrieben, was die feder hergab. Als Gruppe „Sicherheitsrisiko“ mehrfach 99 Zuschauern öffentlich zu Tode amüsiert. Die Zuschauer antwortete mit Begeisterung.
Drei Programme, drei Treffer.
Überregionale Auftritte.
Dann den Mauerfall im Autoradio miterlebt.
Auf dem Weg zu einer Aufführung Stücke umgeschrieben, neugeschrieben. Kampf gegen die fortschreitende Geschichte und gegen die Politik die jede Satire zur Realsatire ummünzte.
Flucht im Streit. Gebrochener Fuss.
Abspaltung.
Spaltung.
Auflösung.
Ende gut?
Gar nicht gut.

I cried, she cried, we cried, you’ve died.

Dann überraschend zu einer Clique von Gleichgesinnten meiner ersteren Leidenschaft gefunden.
Sprache gelernt, Freunde gefunden.
Seh einen davon immer wieder. Und werde ihn wohl wieder sehen.
Fand auch sie durch ein Internet-Netzwerk wieder.
Andere verlor ich.
Auf nimmer wiedersehen.
Wie gewonnen, so zerronnen.


Wo kommen die Mädchen her?
Wo kommen die Mädchen her?
Das sind die 80er.
Wo schaust du hin, du Mongo?
So jung.
So lang.
So jung, so lang
Zu kurz, so lang.
Wo schaust du hin, du Mongo?
Zu kurz, so lang.
Zu kurz, so lang.
So lang.

Gelöscht …

Manche Dinge entwickeln sich in Richtungen, die mir als Kreislaufbeschleuniger dienen. Jeder Mensch ist halt ein Unikat, egal ob er über oder unter mir wohnt.
Danke für eure Kommentare.
Aber ich musste die letzten beiden Einträge löschen, denn das Ganze erregt mich in der Erinnerung. Allein das Wissen daran beim Nachlesen …
Balast ist dafür da abgeworfen zu werden. Ballonfahrer kommen nie zum Fahren, wenn sie nicht loslassen und Balast abwerfen.
Also, weg damit.
Ins Nirvana der gelöschten Bits und Bytes dieser Welt.
Kryptisch gesprochen, aber weg ist weg. Ist weg.
Und den Rest kriege ich auch noch unter Kontrolle.

Veröffentlicht unter Privat