Kneipengespräch: Ey, ai, wir haben ein neues Zauberwort!

»Und schau jetzt mal hier: Der humanoide Roboter wurde angerempelt und hat trotzdem das Gleichgewicht gewahrt.«
»Hm, faszinierend.«
»Und dieser Roboter montiert die Steuertriebe für Verbrenner in Motoren auf der einen Seite der Montagelinie und auf der anderen Seite der Linie die Stellmotoren der E‑Fahrzeuge. Fast simultan, zwölf Stunden ohne Pause.«
»Wow.«
»Digitale Verschmelzung von KI-Systemen mit realen Maschinen und Robotern, welche eigenständig lernen, Entscheidungen treffen und komplexe Aufgaben im Produktionsumfeld übernehmen können. Damit ist das Thema Fachkräftemangel oder der Zwang, Mitarbeiter kostspielig zu Fachkräften auszubilden, passé. „Vissikal Ey Ai“ ist die Zukunft.«
»Vissikal Ey Ai?«
»Physische künstliche Intelligenz. Lernwillig und lernfähig, ausdauernd und resilient. Und das Wichtigste: Es verhindert, dass unsere Industrie in Billiglohnländer abwandert, weil physische künstliche Intelligenz die Produktionskosten verringert. Also billiger als Standorte in Rumänien und billiger als chinesische Wanderarbeiter. Selbst nordkoreanische Gefängnisinsassen können da nicht mithalten.«
»Weil?«
»Weil man die auch mit einem Mindestmaß an Nahrungsmitteln versorgen muss. Selbst solche Suizid-Serien wie damals Anfang 2010 beim Apple-Lieferanten Foxconn gehören damit der Vergangenheit an. Keine Suizide mehr, das ist doch menschlich, oder?«
»Und das funktioniert?«
»Bestens! Ey-Ay lernt zwanzigmal gründlicher und schneller als ein Mint-Auszubildender oder ein Mechatroniker augenblicklich einen Job bekommt. Ey-Ay gehört die Zukunft.«
»Das hört sich toll an.«
»Nicht wahr?«
»Wenn künstliche Intelligenz, also KI, so effizient und effektiv lernt, dann können wir ja auch alle unsere CEOs ersetzen. Stell dir mal das Einsparpotenzial vor. Wir müssen die CEOs nicht durch billigere, rumänische Fachkräfte oder chinesische Wanderarbeiter ersetzen, welche den Job als CEO bereits für 10 Promille des Jahresgehalts unserer CEOs machen könnten!«
»Nein. Das geht nicht.«
»Doch, das wäre es doch. Mit Ey-Ay wären die CEO-Jahresbezüge ohne Dienstwagenprivileg sicher bei ca. 1 Promille oder weniger. Der Herr Oliver Blume bei Volkswagen hätte dann mehr Zeit für sein damaliges Hobby, auf der Libero-Position Fußball zu spielen.«
»CEOs kann man nicht mit Ey-Ay ersetzen. Das geht überhaupt nicht. Dafür machen Ey-Ays noch viel zu viele Fehler.«
»Hm. Mehr Fehler als der CEO des Staates USA, jener Donald von Trumphausen? Stell dir mal vor, der würde durch Ey-Ay ersetzt. Der hätte endlich wieder Zeit, fokussiert Golf in Schottland zu spielen, statt demenziell-artig im Golf von Persien sich zu versuchen.«
»Ach ja, und wer würde dann die explodierenden Ölpreise bezahlen?«
»Menschen zahlen jeden Preis, damit deren Heiligs Blechle weiter über die Straßen rollt. Nebenbei, weißt du, was eine Tomahawk-Rakete kostet?«
»Zwei Millionen Euro?«
»Nein. Mindestens 170 Menschenleben. Festgestellt am 28. Februar dieses Jahres beim US-Angriff auf die Grundschule in Minab im Iran. Und das völlig ohne physische künstliche Intelligenz. Dafür mit vollster CEO-Entscheidungskompetenz.«
»CEOs sind leider fehlbar. CEOs sind auch nur Menschen.«
»Na dann. Wie gut, dass Unfehlbarkeit in der Produktion den Menschen ersetzt. Kein CEO mag Fehler in seinem Unternehmen. Das kostet nur Geld. Bei seinen Incentives ….«