Verrückt bleiben, bitte!

Regelmäßig schallt dieser Ruf durch Münchens unterirdischem U-Bahn-Geflecht.
Eine Stadt bestehend aus tiefer gelegten Röhren.
Ein geografische Zusammenballung von Dörfern, sich damals zur Autonomie einer Stadt ausgerufen und sich als Großkoffertenkonglomerat bezeichnenderweise selbst als „Minga“ bezichtigt, Austragungsstätte diverser Eröffnungen einiger unbedeutender Hauptereignisse (WM, Olympia, Tour de Skilanglauf), mit einer Aufbewahrungsstätte des eigenhändigen Erbauers der bayerischen Alpen, dem Herrn Straußl Sepp-Jupp, was jeder als „Bayrische Staatskanzlei“ kennt, was ehemals das „Kriegsmuseum“ war, …

„Verrückt bleiben, bitte!“ so schallt es durch die Haltebahnhöfe der Münchener U-Bahnen, bevor ein blau-weißer Zug hinter sich leere Gleise zurück lässt. Auch in dieser Nacht macht die Münchener-Verkehrsgesellschaft Überstunden, damit den Silvesterfeiernde außer eigenen PKWs, Fahrrädern und Taxen noch andere Transportmöglichkeiten im Vollrausch zur Verfügung stehen.

Ja wohl. Mein Computer funktioniert wieder. Nachdem die Elkos (= Elektrokondensatoren) meiner alten Hauptplatine (auch fachmännisch „Motherboard“ genannt) geborsten waren und ich mir über EBay ein Bastlerbrett („für Bastler“) ersteigerte und dort drauf Ersatzmaterialien für meine altgediente Hauptplatine fand …

Ist eigentlich überhaupt wem bewusst, dass ein Rechner nach 4 1/2 Jahren zum alten Eisen gehört, wo der damals noch in der unteren Oberliga mitspielen konnte?!?

Egal. So was sind nicht die einzigen Unwägbarkeiten eines PC-Systems. Wie viel Notebooks werden eigentlich weggeworfen weil dort ein simples elektronisches Bauteil seinen materiellen Geist aufgegeben hat?!?

Und wieder ist Silvester und pünktlich sitze ich vor einem Rechner.
Déjà-vu.
Wie vor einem Jahr.
Als ich anfing zu bloggen. Interessiert es wen?
Hey, ihr ihr Psychologen, daraus ließe sich doch wohl ein prima Profiling erstellen.

Heute ist Silvester.
Das eine Jahr geht (… und Tschüss …) und das andere kommt (… Tagchen auch! …).
Hänge dein Herz nicht an besonderen allgemein beliebten Tagen oder du wirst jedes Jahr an jenem Tag erinnert werden.
Andererseits kann gerade das nicht schlecht sein. Kommt halt auf den Beigeschmack an.

An Silvester sollte man einen Rückblick auf das vergangene Jahr wagen.
Das wird immer so gehändelt. In jedem Blog.

Drum will auch ich hier jetzt und sofort den gewissenlosen Rückblick wagen …

Hm, hab gerade hinter mich geschaut und da stand es wieder.
Mein Gewissen.
In seiner ganzen Mächtigkeit.
Also wird es nichts aus meinem gewissenlosen Rückblick auf 2006.

Ich hab ja schon einen für Plumpaquatsch geschrieben und warte nur darauf, dass er das ganze irgendwie (vertont?) veröffentlicht, damit ich meinen Trackback setzen kann (*hechelhechel*).

Nachdem ich ja letztes Weihnachten meinen neuen, speziellen Geburtstag (weil eine ernsthaft lebensgefährliche anonyme Krankheit überlebt) erleben durfte und mich gesundheitlich restrukturieren musste, stehe ich nach einem Jahr vor einem gesundheitlichen Auf.
Auch wenn ich jetzt mit leichtem Fieber, verstopfter Nase und flüchtigen Kopfschmerzen vor dem PC hocke ….

Miss Sophie habe ich dieses Jahr doch glatt verpasst. Das macht aber nichts. Dann schau ich es mir halt nächstes Jahr einfach an.

Hinter mir zeigt gerade 3SAT den für mich eigentlichen und unumstößlichen Höhepunkt dieses Jahres. Darüber hatte ich auch schon berichtet gehabt. Außerdem habe ich das Leeds-Konzert in seiner totalen ungeschnittenen Länge schon längst von einem Engländer auf DVD geschenkt bekommen … *Ätsch*

Mist, ich wollte doch gar nicht dem Blogger-Trend des Jahresrückblicks folgen.
Darum an dieser Stelle meine Aufforderung an demjenigen der es besser kann:
Plumpa, übernehmen Sie!

Morgen geht es weiter.
Und der Unterschied zwischen 2006 heute und 2007 morgen wird sein, dass ich übermorgen wieder mal eine Zeitlang unter irgendwelchen Dokumenten das falsche Jahr zeichnen werde …

Sodele (… Orgasmus auf Schwäbisch …).
Viel Freude beim Jahreswechsel euch allen und grüßt mir Eure Sektflaschen, die ihr leeren oder wegwerfen werdet.

Meint

Careca :wave:

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Begegnung mit Claudia Bertani

„Wissen Sie“, er dreht sein Kölschglas zwischen Daumen und Zeigefinger, „ich habe eine neue Traumfrau.“
„Ach ja?“

Ich horchte mäßig interessiert auf. Wieder stand er neben mir. Wie schon bei unserem ersten Kneipengespräch.

„Wer isses?“
„Claudia Bertani.“
„Claudia Bertani? So, so.“
„Ja. Die Claudia Bertani. Die hat echt ein Traumleben. Sie lacht und freut sich des Lebens und kriegt immer die süßesten Kirschen. Aber die kriegen immer nur die großen Tiere.“
„… nur weil die Bäume hoch sind und diese Tiere groß sind. Die süßesten Früchte schmecken dir und mir genauso, doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nicht.“
„Wie bitte?“

Er schaut mich irritiert an, greift sein Kölschglas und nimmt einen leichten Schluck daraus, während er mich abschätzend mustert.

„Das Lied von Peter Alexander und Olivia Molina.“
„Die beiden haben aber von Früchten gesungen. Nicht von Kirschen. Und zudem auch wesentlich harmonischer als Sie jetzt.“
„Stimmt. Dieter Bohlen hätte seine rhetorische Freude an mir.“
„Claudia lacht immer so toll. Richtig unbeschwert. Richtig voller Unschuld. So müsste meine Frau sein. Nicht so was griesgrämiges, nörgelndes, permanent kritisches.“
„Jaja, die Claudia Bertani. Die ist in ihrer Jugend garantiert auch schon in einem Kirschgarten herum gesprungen. Die Pralinen wären übrigens ein interessantes Studienobjekt: Der Einfluss von Kirschgärten auf den gesellschaftlichen Alkoholkonsum …“

Er nahm einen tiefen Schluck aus seinem Kölschglas und sah irgendwie unglücklich aus.
Ich schaute auf meine Cola-Licht. Dunkel blubbert sie mir ihre feuchten Blasen ins Gesicht.
Hm. Falscher Film. Das mit dem Blubbern war ne andere Limo.
Er antwortete nicht. War wohl nicht sooooo lustig.
Ich versuchte, das Gespräch aufrecht zu halten:

„Was meinen Sie mit dem griesgrämigen, nörgelndem? Reden Sie von ihrer Frau? Ich wette, die Claudia hat garantiert viele Fans. Wahrscheinlich so viele wie jene Alice. Ich kannte da mal in den 80er Jahren die Lätta-Frau …“

Er hörte mir offenbar nicht zu, denn er redete nach seiner Kölschmeditationspause weiter:

„Ich bin heute von Frankfurt nach Köln gefahren. Mit der Bahn. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug. Wissen Sie, der Zug ist so schnell, ich komme gar nicht mehr dazu mit den Frauen zu flirten.“
„Wieso? Hochgeschwindigkeitsflirten bei knappe 300 km/h? So schnell kommt man doch nie ans Ziel …“
„Früher war die Zugfahrt ein gesellschaftliches Ereignis, wissen Sie. Man saß in Sechser-Abteils und sprach miteinander, ließ die anderen an seinen Rotwein teilhaben, ließ die Chipstüten kreisen, bot Zigaretten an …“

Der Wirt reichte uns ein Glas Salzstangen rüber. Salzstangen sind immer ein gute Idee in einer Kneipe. Mein Gesprächspartner griff gedankenverloren zu.

„… . Man unterhielt sich über Politik und das Fernsehprogramm von gestern abend. Aber mit den 80ern, den Young Urban Professionals, den Yuppies, änderte sich alles. Die geistigen Ärmelschoner der 50er fanden ihre Erben, welche die Ärmelschoner in Ellenbogenschützer für den gekonnten individuellen Body-Check verwendeten. Heute sitzen alle paarweise in den Zügen und die Armlehne zwischen den Sitzen dient zur Revierabgrenzung. Nur an den Plätzen mit den Tischen sitzt man sich noch gegenüber.“
„Ich schätze, ich weiß, wer an solchen Tischen sitzt.“
„Ja, das ist einfach zu raten, nicht wahr? Es ist die Notebook-Generation. Sie sitzt dort und hackt wichtige Informationen in ihre PCs ein. Oder schaut Filme. Hört Musik. Liesst wichtige Emails. Oder spielt. Aber immer mit Kopfhörer.“

Ich bestellte mir eine neue Cola. Nach diesem Süßstoffaroma kann man süchtig werden.

„Ich habe dort gesessen und eine Frau angelächelt, wollte mit ihr flirten. Erst hat sie sich hinter ihrem Display versteckt. Dann fragte sie mich, was das solle. Ob ich sie anmachen wolle. Ich kam mir vor wie ein Verbrecher, so hat die mich angefaucht. Aber dann kamen wir ins Gespräch und gerade als ich ihr Mon Chéri anbieten wollte, lief der Zug am Frankfurter Flughafen ein. Sie schien vor mir fliehen zu wollen, so wie sie ihre Sachen packte.“

Er grummelte etwas vor sich hin.

„Sie sah ein wenig wie Claudia Bertani aus. Ehrlich. Aber sie lachte nicht so wie sie. Sie bewegte sich auch nicht so wie sie. Sie war überhaupt nicht so wie sie. Kein bisschen mon chéri. Claudia wäre anders gewesen.“

Der Rest verlor sich im Gebrummel. Er nahm ein erneuten Schluck aus seinem Kölschglas und leerte es. Danach starrte er dem Wettlauf des Schaums am Glasrand Richtung Kölschglasboden zu.
Der Wirt stellte ihm ein neues Kölsch hin. Wie im Reflex ergriff der Mann sein Kölsch mit Dauen und Zeigefinger und fing an, es dazwischen routiniert zu drehen.
„Pissjääl und Kackbrung“ ging es mir durch den Kopf, als ich sein schäumendes Kölsch so auf dem Tresen stehen sah.
Ich leerte meine Cola, zahlte und ging in die milde Winternacht hinaus.
Die leichte Kühle nahm mich zügig gefangen.
Ohne Zug und Zweiersitzgruppen.

20 Meter bis zur Platine

Boah ey, wat für nen Scheiss. Da hat mich der DHL-Type wohl knapp um 20 Minuten verpasst. Meine bei ebay ersteigerte lagert jetzt 20 Meter von mir entfernt … 20 Meter unter mir und die machen erst Montag wieder auf … daher nur I-Net-Cafe in einer fremden Stadt …
By the way: Hab hier mal ein wenig aufgeräumt. Mein Blog schien ja Heimat zweier Spezial-Flamer geworden zu sein. Haben die keinen eigenen Blog, um sich dort mit ihrer eigens verstandenen Kreativität mal richtig auszutoben?

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Ankündigungsformular für Amokläufer und die Reaktion darauf …

  Das Satire-Magazin TITANIC hat vorgestern sich Gedanken darüber gemacht, was man so als Amokläufer so braucht und hat ein Amoklaufankündigungsformular zum Ankreuzen herausgebracht. Alles was man so als Amokläufer so braucht. Gestern beschwerte sich der erste Leser mittels Leserbrief. Ein Vater von drei Jugendlichen fand das ganze wohl nicht satirisch, forderte mehr Sensibilität vor Weihnachten ein und erwartet nun von TITANIC, das Formular wieder offline zu stellen.
Tja, eine Realsatire wie sie im Buche steht … :DD *rotfl* :DD …  

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Schnee fällt …

Let it snow?   Samstag morgen. Ich schaue aus dem Fenster. Regenwetter. Mein Außenthermometer liegt bei klammen 1,5 Grad.
Eine Stunde später. Schneeregen. Eigentlich unglaublich, nachdem gestern mein Außenthermometer noch locker +16° Grad C erreichte und in der Stadt viele schon wieder demonstrativ in T-Shirts durch die Sonne liefen. Jetzt schneit es nur noch. Ohne Regen. Kalt ist’s …
Bislang hatte ich keine Probleme mit dem milden Winter, aber mit Schnee? Wahrscheinlich sieht’s bald wieder verschneit aus …  

Guten Tag, Amigo …

Ein Lied zum Gänsehhaut-Bekommen.
Ein Lied zum Immer-und-immer-wieder-anhören.
Ein traurig ernstes Lied mit heftigst zynischer Pointe.

Eine klare Konzertgitarre im Hintergrund im Drei-Viertel-Takt.
Eine Stimmung wie Marquez.
Eine rauhe tiefe und kühle Stimme gesellt sich zu der Gitarre.

Guten Tag, Amigo
Hallo, mein guter Freund
Fünfter Mai, an einem Dienstag
Und ich hoffte, dass wir uns wiedersehen würden.

Du hast letzten Winter meinen Bruder getötet
Dreimal hast du ihm in den Rücken geschossen
Nachts höre ich meine Mama immer noch weinen
Oh, Mama, sie trägt immer noch schwarz

Ich habe auf jedem Fest
Nach dir gesucht, um Dich zu grüssen
Vielleicht würde ich dir ein Hühnchen verkaufen
Bespickt mit Gift in dem Fleisch

Du … du siehst aus wie mein Bruder
Mama hat ihn immer viel Liebe gegeben
Er war hoch angesehen bei den Ladies
Mama sagte immer, er sei gesegnet

Das Dorf hat sich um ihn herum versammelt
Sie konnten es nicht glauben, was sie sahen
Ich habe gesagt, du warst es, der ihn umgebracht hat
Und dass ich dich finden werde und dem Gesetz Genüge leisten werde

Die Leute aus dem Dorf haben mir geglaubt
Mama … sie wollte Rache
Ich sagte ihr, dass ich ihre Ehre wieder herstellen würde.
Ich würde dich finden und dich töten.

Eine elektrische Gitarre fällt ein und ein schrecklich genial schräges Solo zerschneidet den Walzerrythmus der Konzertgitarre …

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Lebe wild und gefährlich (Teil 12) … oder: In einem Cafe ohne Kaffee …

Hey, hast du keine Eier, oder was?

Er legt seine Pumpgun nieder und hat ein langes Messer mit Widerhaken in seiner Linken. Er befindet sich in einem verwinkelten Hallenbad. Aber niemand badet im Pool. Als er am Pool vorbei schleicht, richtet er einen kurzen Blick in den Pool. Offenbar liegen dort Granaten am Grund.

Gleich hab ich Dich!

Er schleicht sich an den Mann mit der Rückenaufschrift POLIZEI an und stosst blitzschnell zu. Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal. Der Polizist vor ihm klappt zusammen und fällt nieder. In dem Moment wird der Monitor mehrfach rot. Das Rot flackert wie ein Stroboskoplicht. Die Kamera fährt zurück und eine grau angezogene Person fällt flach zu Boden.

Scheisse!

Muahahaha. Du musst schon auf deinen Rücken achten, wenn du meinen Kumpel abstichst. Geschieht dir Recht!

Warte, Dich hol ich mir.

Mein Nebenmann drückt entschieden auf eine der Tasten seiner Tastatur und er ist wieder in der Rolle der grau angezogenen Person, die eine Waffe aufhebt und diese läd.

Nein.
Das war keine Szene aus einem Bürgerkrieg. Sondern ich saß in einem Internet-Cafe und neben mir spielte ein vielleicht 18-jähriger Counter-Strike im Netz. An vielen anderen PCs des Cafes saßen andere Jugendliche, die sich ebenso auf dem gleichen Server sich in dem virtuellen Hallenbad von Ecke zu Ecke durchkämpften und dabei lachten und quer durch den Raum quatschten.

Hm.

Saß ich jetzt unter potentiellen Amok-Läufern?
Oder waren es einfach nur welche der homo ludens, der menschlichen Gattung des spielenden Menschens?

Eines war mir aber sicher: Die hier hatten ihren mörderischen Spaß auf dem Counter-Strike-Server …

Lebe wild und gefährlich (Teil 11) … oder: Sushi-to-go

Sonntag 3. Dezember
Reiseproviant gekauft beim ASIA-Laden im Bahnhof. Will Sushi in vollen Zügen genießen. Schnell gegessen, vermutlich bei 160 km/h. Sushi hinkt folglich jeglichen Ansprüchen hinterher. Ist auch nur Sushi-to-go, nicht Sushi-on-the-run, wenn auch Run-of-the-mill-Sushi. Schmeckte daher eigenartig. Vermute, dass Poloniuim 210 drüber gesprüht worden ist. Würde gern sehen, ob ich strahle. Leider scheint Sonne noch zu stark.
Beim Flanieren durch den Zug strahlten mich dann alle an. Offensichtlich ist hier jeder Polonium 210 verstrahlt.
Auf Toilette festgestellt, dass Hosenschlitz weit offen. Verstehe nun Gegrinse der Frauen und Gelächter der Männer. Sehe jetzt wie ne strahlende, aber untergehende Sonne aus.
Werde demnächst wieder Unterhosen tragen.
Oder mir ne Vakuum-Pumpe bei Orion bestellen.