Mierenneuken – Nachwort – Teil 3

„Mierenneuken“ (sprich „mihren-nöken“) heißt wirklich „Ameisenficken“.
Allerdings hat das weniger mit übertriebener Insektenliebe oder profaner Sodomie zu tun. Die Bayern bezeichnen „Ameisenficker“ als „Gscheidhaferl“ oder die Hessen als „Dipfschisser“.
Oder verständlich für alle auf gut klardeutsch: „Korinthenkacker“ und „Haarspalter“.
„Korinthenkacken“ heißt aber wörtlich ins Niederländische übersetzt „Krentenkakker“ und heißt übersetzt etwa so viel wie „Geizhals“. Und das hat mit der Tätigkeit des „Ameisenfickens“, des „Mierenneukens“, weniger zu tun.
Ein Mierenneuker macht anderes.

Womit ich fast schon wieder bei Teil 1 der „Mierenneuken“-Miniserie wäre. Eigentlich hat Pedanterie weder was sexuelles noch anales. Aber beim Fluchen und Schimpfen wird doch recht klar, wo die Betrachtungsweisen verschiedener Nationen liegen.

Man kann jetzt vortrefflich darüber streiten, ob die Niederländer jetzt wesentlich sex-fixierter sind und ob die Deutschen sprachlich lieber in der analen Scheiße wühlen. Und ob die Flüche der Niederländer phantasievoller sind als die der Deutschen.

Wenn es aber um die Phantasie bei Flüchen und Verwünschungen geht, da haben die Juden eindeutig die Nase vorne. Im Internet fand ich folgende hintersinnige Verwünschung:
„Drei Schiffsladungen voll Gold sollst du erben – aber das soll nicht reichen, um deine Arztrechnung zu bezahlen.“

Und in diesem Sinne:
Ein gutes Mierenneuken allerseits!
Meint der Mierenneuker.

Oder was flucht der Bayer sich in seinen Gamsbart zwischen zwei Weißbieren, wenn er das liest?
Himmihergottsakramentzefixallelujahscheissglumpvarrextgreisgruzifixverfluchtnoma.

Mierenneuken – Sodomie auf holländisch – Teil 2

So sitze ich denn geduldig am Flughafen und warte.
Ich sehe zwar nicht so aus, aber ich fühl mich jetzt bereits völlig abgegriffen. Das Sicherheitsportal hatte gepfiffen. Oder gegongt. Oder so. Zumindest ist jenes Signal für die Kontrollierenden dahinter der Auslöser eines Pawlowschen Reflex, dass es wieder was zu begrabschen gibt. Frischfleisch für behandschuhte Hände.

Was ich da habe? Nein, das unter meinem T-Shirt ist kein Sprengstoffgürtel sondern lediglich meine Kalorienreserve für die nächste Hungersnot in Mitteleuropa.

So ruhe ich 120-Kilo-fleischgewordene-politisierende Überflußgesellschaft am Flughafen und stopfe mir zwei Tafeln Halbfettschokolade rein.
Geduldig.
Der Flug geht mit der KLM über Amsterdam nach Brüssel. Eine Stunde warte ich auf das Einsteigen, das Boarding. Und als ich dann drin bin, dauert es wieder mal eine ausgesprochene Weile.
So komme ich dann in Amsterdam an, als mein Anschlussflieger gerade von dort abhebt. Irgendwie müssen sich die Flieger, in dem ich saß, und der Flieger, in dem ich hätte sitzen sollen, auf den Rollbahnen begegnet sein. Bilde ich mir zumindest ein.
Freundlicherweise war mein Anschlussticket von der KLM schon umgebucht worden. Auf den letzten Flug des Tages. Vier Stunden Flughafenwarterei. Amsterdam.
Schön.

Was mir denn die KLM so als Ersatz anbieten könne?
Na, sie hätten mir doch schon den Flieger am Abend gebucht.
So, so. Und was sei nun mit meinen Terminen in Brüssel?
Hm, es gäbe keinen anderen Flug.
Klar, aber würde die KLM meinen mit einer kostenlosen Umbuchung sei alles abgegolten?

Die Frau lächelte unschuldig geduldig.

Ob ich denn wenigstens eine Einladung für die KLM-Lounge erhalten würde?
Sowas würde nur sehr restriktiv vergeben.
Ja, aber ich würde in der Lounge wesentlich entspannter und mit erheblich weniger Groll jene vier Stunden warten können.

Die Frau setzte ein strategisches Lächeln auf.
Das Gespräch verlief in Englisch. Mit Holländern rede ich prinzipiell nur Englisch. So anmaßend sollte ich nun wirklich nicht sein und bei denen Deutschverständnisse voraussetzen. Und meine fünf Worte Holländisch sollte ich denen nicht preisgeben. Sollte. Aber „soll“ heißt „muss“, wenn „kann“. Und wenn ich „nicht soll“, dann „kann“ ich auch „nicht müssen“. Und das aber volle Lotte.
Und da die klammheimliche Hoffnung auf KLM-Kulanz katastrophal gekappt worden war, konnte ich auch mein Wissen über das System der niederländischen Niedertracht anwenden.

Klar, erwiderte ich auf englisch der Frau verkühlt, eine Einladung in die KLM-Lounge würde sie ja auch nur wirklich wichtigen Leuten ausstellen. Aber ich sei ja nur ein 08-15-Bucher. Einer, der immer nur die billigen Tarife sich rauspicken würde. Ein Einzelner, an dem die KLM nicht wirklich verdient. Ich sei wohl eher klein und unbedeutend. Eher so etwas wie Kleinvieh. Die erst in der Menge genügend Umsatz für die KLM produzieren. Nicht wahr? Fast so wie der Stellenwert einer Ameise. Und die glaubt die KLM ganz ungehemmt immer nur ficken zu können. „Ameisenficken“ sozusagen.

„Oder wie sagt Ihr Niederländer es auf holländisch doch immer so treffend? ‚Mierenneuken‘.“

Aus war’s. Bei Ihr fuhren buchstäblich die Rolladen runter.
Ich hätte es nicht sagen sollen. Aber ich hab’s. Mit vollster Absicht. Absichtlicher ging es nicht mehr.
Sollte mich die Frau demnächst mal auf einen 12-stündigen Interkontinentalflug erwischen, dann setzt die mich garantiert in die Mitte vom Flieger. Eingeklemmt zwischen zwei dicken türkischen Muttis, die aus meinem Querschlank ein Hochschlank pressen werden.
Ich ergriff mein Ticket und verließ den KLM-Schalter.
Verloren hatte ich dort sowieso nichts mehr.
Verschissen zudem hatte ich auch noch.
Oder wie der Holländer fluchend sagen würde: „Verkloten!“

Und was ist nun mit der KLM?
Nun ja. Daar krij ik geen stijve van.
Ich will ja nur fliegen.