„Apropos, ham Sie eine Handy-Bedienungsanleitung von Nokia gelesen? – Samsung? – LG? – Nicht? An Panasonic-Ericson? Oder einen BenQ? Sie, das sind Bücher, da kann ich nur sagen: schaun S‘ amal nei …“
… frei nach Gerhard Polt …
„Apropos, ham Sie eine Handy-Bedienungsanleitung von Nokia gelesen? – Samsung? – LG? – Nicht? An Panasonic-Ericson? Oder einen BenQ? Sie, das sind Bücher, da kann ich nur sagen: schaun S‘ amal nei …“
… frei nach Gerhard Polt …
Ich habe gerade gelesen, dass 78 Prozent der Sachsen ein Handy besitzen (bundesweite Quote: 80%). 83 % der Sachsen mit Handy sind – man glaube es oder auch nicht – männlich. 72 % der Sachsen sind Sächsinnen.
Dabei dachte ich immer, die Frauen an sich seien mit nem Handy in der Hand geboren worden. Aber es sind wohl doch die Männer. Ja, dieses Scheiß-Schubladen-Denken war noch nie der Welten-Weisheitsschluss. Denn ein jeder lernt ja schon in der Schule, ein Mann hat das Telefon erfunden. Frauen profitieren nur davon …
Und somit zeigt sich mal wieder, die Leute im Tal der Ahnungslosen sind längst nicht so ahnungslos, wie einer meiner im Elfenbeiturm der Schubladendenker so vor sich hingrübeln …
Letztes Jahr im Sommer waren wir in Urlaub in Bayern. Meine große Schwester Jessica, meine Eltern und unser Hund Burgsmüller.
Ich war auch dabei und ich heiße Torsten und bin sieben
Jahre alt. Meine Eltern waren schon öfters in Bayern, aber
für mich war es der erste Urlaub im Ausland, weil ich bisher nur in Bibione war. Bayern wäre eigentlich sehr schön, aber man sieht es kaum, weil überall Berge davorstehen und es verdecken.
Sehr cool sind manche Häuser. Sie sind tätowiert, zum Beispiel mit einem Hirsch, einem Berg oder einem Baum. Aber weil die Bayern das Wort Tatoo noch nicht kennen, sagen sie Lüftlmalerei dazu.
Die Bayern sind lustige Menschen und lachen viel mehr wie die Leute bei uns zu Hause. Sie mögen uns sehr, denn wenn sie uns sehen, lachen sie noch mehr. Viele heißen Sepp, die meisten jedoch Hä. Das lustige in Bayern ist
die Sprache. Manche können deutsch, aber nicht alle. Der Ort, wo wir in einer Pension gewohnt haben, war da, wo Bayern Oberpfalz heißt und da ist die Sprache echt krass. Als wir einmal gewandert sind, sind wir an einem Bauerhof vorbeigekommen und davor saß ein alter Mann auf einer Bank, aß ein Stück Torte und trank dazu eine Flasche Bier. Mein Vater sagte zu ihm, dass schönes Wetter ist und der Mann meinte Loumameirouh! Das heißt wahrscheinlich Guten Tag. Ich wollte es gleich ausprobieren, ob ich die Sprach auch kann und sagte zu dem Mann Loumameirouh. Er blickte aber sehr böse und sagte zu mir Saubougejbloßzou. Da sagten wir lieber nichts mehr und gingen weiter, weil wir ihn nicht reizen wollten. Der Mann stand dann auf, stöhnte und sagte: Ohboudescheißschouh. Das heißt wahrscheinlich Tschüss oder so.
Gut gefallen haben wir in Bayern die Feste. Irgendwo ist immer eines. Da sitzen dann die Bayern und trinken Bier aus gläsernen Eimern, die sie Maß nennen. Die Frauen haben kleinere Eimerchen, die heißen Halbe. Normale Gläser gibt es nur für Kinder oder ganz alte Frauen. Wir sind auf einem Fest gewesen, und es war sehr schön. Ich habe Pommes mit Ketschup gegessen, meine Schwester Jessica nichts wegen der Kalorien und meine Mutter ein
halbes Hähnchen namens Hendl. Der Papa hat weisse Spiralen gegessen, die Radi hießen und dazu einen Einem Bier. Er sagte, das Radi rumort ganz doll in seinem Bauch und als er rülpste, fiel meine Mutter beinahe das Hähnchen
hinunter.
Wenn die Bayern einige Eimer Bier getrunken haben, schlafen sie ein oder sie reden in einer Geheimsprache, die man nicht versteht. Es sind nur sehr kurze Wörter und mit dessen reizen sie sich gegenseitig, bis sie raufen.
Auf dem Fest, bei dem wir waren, konnte man dies sehr schön beobachten.
An unserem Nachbartisch im Bierzelt saßen einige Bayern mit ihren Eimern.
Zuerst lachten sie und guckten zu uns herüber. Einer von ihnen konnte sogar italienisch, den er sagte zu meiner großen Schwester immer Dipackiano.
Sie verstand ihn aber nicht, weil sie nicht italienisch spricht. Plötzlich kam ein anderer Bayer am Nachbartisch vorbei und schon spielten sie das lustige Spiel: Erst reden, dann raufen. Einer von denen, die am Tisch saßen, sagte zu dem, der vorbeiging: Hä! Darauf sagte der Vorbeigehende: Wos hä?, worauf der andere ziemlich böse meinte: Hä, gell hä! Das hätte er vermutlich nicht sagen sollen, denn der Vorbeigehende sagte nur mehr: Pass bloß aaf, hä – und schon rauften sie. Obwohl es ziemlich lustig war, gingen wir, denn meine Mutter mag keine Gewalt.
Etwas anderes ist mir auch noch aufgefallen in Bayern. Bayern reden nicht so gerne wie wir. Manche sind beinahe stumm. Dies kann man am besten im Wirtshaus sehen. Eines Abends ging mein Vater mit mir ins Dorfwirtshaus und wir bestellten Bratwürste mit Kraut, die sehr lecker schmeckten. Es waren außer uns nur zwei Einheimische da. Diese saßen am Stammtisch, tranken Bier und schwiegen. Mein Vater sagte freundlich zu ihnen: Die Bratwürste schmecken hervorragend, meine Herren! Sie aber schwiegen weiter. Sie sagten zu meinem Vater nichts, zu mir nichts und zu sich auch nichts. Wenn sie nicht ab und zu vom Bier getrunken hätten, hätte man meinen können,
sie seien tot.
Plötzlich, nach ungefähr einer Stunde, tat sich etwas. Einer von den beiden seufzte jamei, und wir dachten jetzt beginnt ein Gespräch. Doch der andere sagte nur owa ehrlich, und das war es dann.
Mein Vater machte noch einen Versuch und rief hinüber: Es gefällt uns sehr gut hier bei Ihnen in Bayern!Wir waren auch schon auf dem Feuerwehrfest! Da gabs eine zünftige Rauferei! Haha! Waren Sie auch schon auf dem Fest, meine Herren? Da sagte ein Bayer zum anderen: Eam schau o. Dann war es wieder ruhig. Dies war meinem Vater dann doch unheimlich und wir zahlten und verließen den stillen Ort. Beim Hinausgehen sagte Papa noch zu den Männern: Gute Nacht, die Herren! Ich wünsche noch einen schönen Abend!
Sie wünschten uns nichts.
Aber die Bayern sind nicht immer so mürrisch. Zum Beispiel sind sie richtig lustig, wenn sie sich gegenseitig beleidigen. Das gefällt ihnen scheinbar sehr.
Als mein Vater und ich einmal in unserem Urlaubsort in der Dorfmetzgerei einkauften, kam ein Bayer herein und sagte zum Metzger: Servus Hans, du oider Hunzkrippl! Da lachte der Metzger und sagte: Habe d`Ehre Sepp, du Berner, du greislicher! Sepp, der Berner, freute sich sehr über die nette Begrüßung. Als noch ein weiterer Bayer hereinkam, wurde die Stimmung immer besser. Er begrüßte die anderen beiden mit einem herzlichen Ja, do schau her, da Sepp und da Hans! Griaß Eich, ehs Schlawiner, es elendigen!
Auch Hans, der Hunzkrippl und Sepp, der Berner, begrüßten den Neuankömmling und riefen: Ja griaßde Franz, oider Suffbeidl, stingerter!
Franz Suffbeutel war total begeistert und lachte über das ganze Gesicht.
Dann sagte Sepp, der Berner, zu Hans, dem Metzger bzw. Hunzkrippl: Hä Hans, gib ma amol drei Boor vo deine greislichen Pflälzer, du Leitbscheißer, du windiger! Metzger Hans meinte dazu: Für dein Saumogn taugns allawei! No, du gschwollkopferter Bauernfünfer, du staubiger Bulldogmißhandler, du grausamer!
Es gibt scheinbar nicht schöneres für einen Bayern, als beleidigt zu werden, denn sowohl Hans, der Leutebescheißer als auch Sepp, der Berner und Bauernfünfer und Franz Suffbeutel waren in einer Super-Stimmung und lachten herzhaft.
Mein Vater meinte zu mir: Pass auf Jochen, jetzt mache ich auch mit bei dem Spaß! Dann sagte er zum Metzger: Geben Sie mir bitte hundert Gramm von ihrer verfaulten Salami, sie Vollidiot!
Plötzlich lachte keiner mehr und alle sahen meinen Vater an, sogar die alte Frau, die im Laden war. Der Metzger sagte mit finsterem Gesicht: Schau bloß dass du weidakimmst, du Preissnschädl, du gfotzerter!
Das habe ich zwar nicht genau verstanden, aber es hörte sich nicht gut an und wir verließen ohne Wurst die Metzgerei. Wahrscheinlich ist Vollidiot eine Beleidigung die die Bayern nicht kennen und deshalb freuen sie sich nicht darüber.
Sonst war es in Bayern sehr schön, besonders die Pommes und das Eis. Ich habe mich sehr gefreut, denn ich durfte abends immer mit vier Jungs aus dem Dorf Fußball spielen. Die bayerischen Jungs sind echt nett, sie ließen mich sogar den Ball holen, wenn er in Nachbarsgarten geflogen war und sagten, das ist eine große Ehre für mich. Als ich den Ball wieder herausgeholt hatte, sagten sie, dass es nicht nur eine große Ehre, sondern auch ein großes Glück für mich war, weil heute scheinbar der Kampfhund nicht zu Hause ist. Das ist doch voll lustig, oder?
Ich habe mir extra die Namen der Jungs notiert, damit ich ihnen nach dem Urlaub schreiben kann. Sie heißen Ülcgür, Ferdl, Erdal-Alois und Kilian.
So, das wars.
Ich freue mich schon auf den nächsten Urlaub in Bayern, weil Bayern ist voll cool.
Vorher kaufe ich mir noch ein Wörterbuch.
Das Klingeln des Handys meines Nebenmanns reist mich aus meinen Tagträumen …
Und irgendwie taucht jene Szene vor meinen Augen auf.
Eine fast sureal anmutende Szene.
Völlig zusammenhanglos und konkret wie das Leben.
…
Tschechien verlassend steuer ich auf das Ende der Autobahn zu. Rote Balken und umgegrabene Landschaften türmen sich vor mir auf. Ich befinde mich an einem Autobahndreieck und geradeaus geht es theoretisch gen Nürnberg. Praktisch habe ich zwei Auswahlmöglichkeiten weiter verträumt auf der Autobahn nachts um halb neun entlang zu preschen.
Bei Tempo 200 ein Leben auf der Überholspur.
Im Radio plärren die letzten Takte „Summer wine“ aus dem Film „Das wilde Leben“. Der Moderator quatsch noch hastig und selbstsicher in die letzten Takte. Mühevoll hat er es gerade noch geschafft die journalistische Totsünde zu vermeiden, ein Lied komplett und unverquatscht durch den Äther rauschen zu lassen.
Und dann erklingt genau dieses Klingeln im Radio. Das Klingeln im Stile eines alten Wählscheibentelefons.
„Radio Blubbaquatsch. Mister Bombastic am Mikrofon. Wer da?“
„Hallo. Hier ist die Katrin. Und ich wollt mich mal beschweren.“
„Ja, Katrin, schön dass du einfach mal so anrufst. Wie kann ich dir helfen?“
„Und zwar, ich wollt mich mal beschweren. Ich hab jedes jahr an Muttertag Geburtstag. Und trotzdem erhalte ich immer nur ein Geschenk.“
„Oha. Das ist natürlich schlecht. Was sagt denn deine Familie dazu?“
„Ja, das ist richtig mies. Und die sagen einfach nur >Pech, Mama
„Das kenne ich. Ein Freund von mir hat an Heilig Abend Geburtstag und erhält auch immer nur ein Geschenk. Aber dann wenigstens richtig. Kriegen Sie denn wenigstens dann richtig viel, weil Sie ja immer Muttertag und Geburtstag zusammen haben?“
„Nö. Die geben mir immer nur ein normales Geschenk.“
„Das ist wirklich gemein, dass Sie jedes Jahr zum Muttertag nur ein Geschenk erhalten. Vielleicht sollte man mal gesetzlich veranlassen, dass …“
Mein Nebenmann und sein Handy reissen mich aus diesem Flashback.
„Nein, ich konnte dieses Jahr meine Mutter nicht besuchen, aber Blumen habe ich ihr geschickt. Aber nächstes Jahr. Da fällt Pfingsten und Muttertag auf einen Tag …“
Mir fallen die letzten Pfennige des Groschens.
Das Puzzle der nervigen Ungereimtheiten schloss sich.„Call-Ins“ werden diese „spontanen“ Anrufer-Einbindungen im Radio genannt. Sie sollen beweisen, dass der Hörer eine starke Radiosenderbindung hat.
Diesen „spontanen“ Call-Ins bei Radiosendungen konnte ich allerdings noch nie was richtiges abgewinnen. Mir erschienen diese oftmals nur dämlich getürkt.
Solche „Spontan“-Happen mancher Radiomoderatoren schlucke ich mittlerweile als unvermeidlich bittere Pille zwischen den Musikstücken, wenn ich keine Chance habe, ebenso „spontan“ zwischen den Sendern zu wechseln.
Da hilft nur ein beherzter Griff zum Senderwahlknopf oder Fernbedienung.Aber man ist wehrlos dämlichen Radiomoderatoren ausgeliefert, wenn man sich in einer engen Kurve eines Autobahndreiecks befindet und auch noch den Verkehr beachten muss …