Konjunktur die ganze Nacht … HUI BUH!

„Könnten Sie mich mal kurz vorlassen?“
„Hm?“
„Schwerhörig? Gehen Sie beiseite! Sie stehen im Weg! Da ist Bill!“

Doch von Anfang an:
Wir sind ein Volk!

Und wer ein Volk ist, der ist sich auch bewusst, dass es dann keine Privatsphäre geben kann. Denn nur Außenseiter haben etwas zu verbergen.

Ja, Himmel, und wer möchte schon ein Außenseiter sein?
Gewissermaßen außerhalb des Volkskörpers?
Sozusagen eine Ausscheidung des Körpers auf der Toilette des Boulevards? Natürlich kann man sich das Ausgeschiedene wieder zuführen. Visuell, oral, anal oder sonst wie als geistige Infusion.
Denn dabei helfen dann die Scheinwerfer des öffentlichen Lebens.

Klar, Scheinwerfer erleuchten jeden Winkel.
Aber sie machen auch Schatten.
Dunkle Schatten, richtig unheimliche, unausgeleuchtete Ecken …

HUi! BUH!

… Im Zeitalter von Solarzellen, Spiegel und Blitzlichter sind auch diese kein Problem mehr. Da lernt der Volkskörper jeden Schattenwurf seines faltigen Körpers kennen.

Und damit der Volkskörper auch weiss, wie gewichtig er ist, hat das Bundeskabinett am 29. August 2006 beschlossen, dass sich die Bundesrepublik Deutschland an der EU-Zensusrunde 2010/2011 beteiligt. Der Volkskörper zählt sich selbst und macht eine rechnerunterstützte europäische Volkszählung mit. Auf Geheiß des Volkskörperhirns …

Wer nichts zu verbergen hat, der läßt sich auch zählen, so das altbekannte und das demnächst auch zukünftige Schlagwort.
Alle, die nicht mitmachen werden wollen, haben der langläufigen Volkskörper Meinung entsprechend etwas zu verbergen. Die können sich schon auf einer Stufe mit Terroristen einen Stempel für deren Kainsmal „Außenseiter der Gesellschaft“ vorbestellen.

Aber wir wären ja nicht ein Volkskörper, wenn wir uns nicht dauernd selber beaugapfeln würden. Weniger aus Eitelkeit, sondern mehr aus Geilheit, im Scheinwerferlicht des Volkskörpers stehen zu können.

Deutschland, einig Fotografenland!

Jetzt geht es euch fotoscheuem Gesindel an den Kragen!
Eurer dahingeheuchelten Privatssphäre geht es an den Kragen!
Zieht euch warm an!
Seid ihr im Puff abspritzen, wir werden mit unseren Handys da sein und euren Vollzug fotografieren.
Solltet ihr euch in nem FKK-Club als Frau entspannen, wir sind schon da.
Solltet ihr ungeniert in Ecken pinkeln, wir zeigen es der deutschen Welt.
Solltet ihr unerzogen ins Taschentuch rotzen, wir haben unsere Handys jeden Tag voll geladen!
Ihr werdert noch lernen, was Marcel Reich-Ranicki mit seinem Sinnspruch „Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn“ meinte.

Knips, knips, knips.
HUi! BUH!

So stand ich im Bus und der rumpelte die Strassenunebenheiten als ÖPNV-Mantra vor sich hin.
Hinter mir quatschten deutsche Halblinge aus dem Aua-Land im gedämpften Ton.

„Sag mal, ist das nicht Bill?“
„Bill? Wo?“
„Da vor dem Langen da.“
„Echt!“
„Quatsch! Tokio Hotel ist doch heute in …“
„Nee, das isser!“
„Er popelt! Wie war noch die MMS-Nummer der BILD?“
„1414!“
„Meinste, wir kriegen das Geld? Dann könnten wir uns die PSP kaufen!“
„Könnten Sie mich mal kurz vorlassen?“

Ich stand den Halblingen wohl im Weg.

„Hm?“
„Schwerhörig? Gehen Sie beiseite! Sie stehen im Weg! Da ist Bill!“

Natürlich bin ich schwerhörig.
Als Bestandteil des Volkskörpers gehöre ich zu der Abteilung der „Drei Affen“ und im Augenblick hörte ich nichts, nachdem ich zuvor weder was sah, geschweige was sagte.
Und wie es so den ungehorsamen Bestandteilen des Volkskörpers bei Ungehorsam ergehen muss, wurde ich beiseite geschubst.
Gewissermaßen eine Art Abstoßungsreaktion des Volkskörpers.

Der „Bill“ vor mir drehte sich überrascht um und ein gleissendes Xenon-Licht erleuchtete jeden Winkel des geschminkten Bill-Gesichts. Jede schwarze Strähne leuchtete auf. Jede Pore erstrahlte ind wunderbarer Schönheit. Im unschuldig dahinschaukelnden Bus.
Und dann ein elektronisches „Ritsch-Ratsch-Klick“ …

… darauf ein enttäuschtes menschliches:

„Oooooooooch“.
„Das ist ja gar nicht ‚Bill‘.“

Der Pseudo-Bill sah die drei Halblinge erstaunt an.

„Hey, cool. Ihr seid auch Bill-Fans?“

Der Bill war kein „Bill Kaulitz“, der „Bill“ war ein hübsches Mädchen.
Die drei anderen drehten sich naserümpfend ab.

„Bill ist eine Schwuchtel!“
„Tokio Hotel ist total schwul!“
„Wer Bill Kaulitz mag, der pinkelt auch im Sitzen!“

Und weg waren die drei BILD-Reporter, die BILD-„MMS 1414“-Freelancer-Handyfotografen.
Tja, der Volkskörper konnte sich diesmal bei BILD kein Geld mit einem Handy-Foto von einem Promie verdienen.

Aber die drei Halblinge sind in ihrer jugendlichen Unschuld genau auf der richtigen Spur.

Denn:
Keine Privatsphäre für niemanden.
Deutschland, einig Handyknipserland.

HUi! BUH!

P.S.:
BILD vergibt auch schon Pseudo-„1414“-Presseausweise.

P.P.S.:
Ich hab‘ da noch ein Bild von Kai Diekmann, wie er im „Atlantis“ mit nem brennenden 500-Euro-Schein unterm Tisch leuchtend nach dem runtergefallenem Gummi sucht, während ihm die schöne Tschechin gekönnt mit ihrem Mund einen …
… wie krieg ich das Bild auf mein Handy? … Ich will das Bild aus dem Puff unbedingt an seine Angestellten schicken …

HUi! BUH!

Versteigert werden: Überreste von Britney Spears und Kev Federline!!!

Es ist nicht mehr viel Zeit.
In 2 Tagen und 22 Stunden läuft sie ab.
Die ultimative Versteigerung.
Bei Ebay.

Es werden Überreste von Britney Spears und Kevin Federline versteigert.

Ein Eier-Salat-Sanwich-Rest und Würstchen-im Brotmantel-am-Spieß-Rest.

Sie aß das erstere, er das zweitere.
Und der Restaurant-Kellner räumte es ab und hatte es eingeschweißt.
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Video: Amish paradise

Hat dir das vorherige Video gefallen?
Und hast du bei Harrison Ford in der „Einzige Zeuge“ mitgezitter?
Biste Amish?
Willste das nächste Video sehen?
Dann mal los! :)
Amish paradise!!
Und ab dafür!
Ach ja. Um die Würze des Textes zu verstehen, wäre ein wenig Englisch-Verständnis vorteilhaft.
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Verdammt, ich lieb dich!

Auch TV-süchtig?
Auch die Serie „Lost“ auf Pro7 dauernd geschaut?
Oder nur ein Fan von Stefan Reim?
Nun.
Dann mal los!
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Brille putzen, Careca … oder: Pressefetzen …

Letztens las ich verwirrend auf einer Tageszeitung am rechten Rand der Titelseite in roten Lettern:

„3. Welt Rekord“

Tja, ich las dummerweise „Dritte Welt: Rekord“ und nicht „Dritter Weltrekord“.
Mal ehrlich: Was hat die Dritte Welt schon als Aufmacher auf den Titelseiten des Boulevards zu suchen, wenn sich eine deutsche Schwimmern eine goldene Medaille bei einer EM mit einer Weltrekord-Leistung erschwamm.

Brille putzen, Careca, und weiter lesen.

Da surf ich wieder mal nichts ahnend und vollkommen unschuldig durchs Netz und dann stosse ich auf folgende Schlagzeile:

Madonna will vor Papst am Kreuz singen

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Ruh dich einfach aus …

Lass deine Augen nicht dem Hirn erzählen
Dass du beschämt sein solltest
Jeder braucht es
Und ich fühle es genauso
Hab deinen Namen nicht ganz mitbekommen
Sch, sch, sch, sag nichts
Lass uns sehen, was die Nacht bringt
Es könnte alles sein

Oh, es tut weh,
Wenn du zu blind bist, um zu sehen
Bitte, lies nicht meine Gedanken,
Ich erzähle mir die Wahrheit

Sünde, Sünde, Sünde, sieh,
wo wir waren
Und wo wir heute Nacht sind
Hasse die Sünde und nicht den Sünder
Ich bin nur hinter einem Schimmer
Von Liebe und Leben her,
Ganz tief drinnen

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Robert Peter Williams, alles fit im Schritt?!?

Zuerst einmal ein paar Worte für alle, die jenseits von Eden wohnen:
In München ist man mal wieder seiner Zeit voll voraus. Da hat noch nicht mal der kalendarische Winter 2006 begonnen, da wird dann schon gleich der Frühling 2007 gefeiert.
Mit Volksmusik.
Mit was denn sonst?


Dreimal war Mr. Entertain-you in München und lud zu seiner Party
ein. Für alle, die es darauf anlegten, konnte somit dreimal die Robbie-Williams-Show besucht werden.
Mein Ticket hatte ich mir im Dezember letzten Jahres im Vorverkauf einkaufen lassen.
Also, was wollte ich schon am 1. August am Olympiastadion? Nur mal so gucken? Einfach mal schauen, wieviel Leute da so vor den Toren herum lagerten?
Quatsch! Ich wollte wissen, wo man wie am schnellsten aufs heilige Grün des Olympiastadions kommt. Am besten irgendwo am Elfmeterpunkt. Direkt vor dem gigantischen Fussballtor genau in der damaligen Bayern-Nordkurve.

Direkt vor Ort. Aber dafür benötigt man … eben ein Ticket … und die gab es draussen vor der Tür des Olympiastadions. Es mag sein, dass die Tickets für Robbie-Konzerte in Guiness-Rekordzeit vergriffen waren, aber das lag wohl daran, dass die selbsternannten Zwischenhändler sich eine ordentliche Gewinnmarge aus dem Marktgesetz von „Angebot und Nachfrage“ erhofften. Hoffen darf ja jeder im freien Markt. Nur die normative Kraft des faktische Preisverfalls war enorm. Mir wurde ein 120 € Sitzplatzticket erst für 35 € dann für 25 € (!!!) angeboten. Am Ende hatte ich gegen 17 Uhr eines der begehrteren Innenraumtickets im Werte von 73 € für 45 € gekauft. Nebenbei, am dritten Tag ergatterte ich noch vor dem offiziellen Einlass ein 30-€-Ticket für den Innenraum.

Unterbrochen vom Gedudel der Videoleinwände mit ihren Werbebotschaften füllten noch die beiden Vorgruppen ORSON (sie flogen am 29. Juli von Berlin nach Frankfurt nach Honkong nach Tokyo zum Fuji-Rock und wieder zurück nach München, um wie zuvor auch im Vorprogramm von RW zu spielen …) und Basement Jaxx die Zeit. Insbesondere die Werbebotschaften der T-Com konnten einem schon die Nerven auf eine Bewährungsprobe ziehen. Denn sie nutzten für zwei Spots sowohl „Tripping“ als auch „A place to crash“ als Hintergrundmusik. Und dann forderte eine Stimme noch auf an die Nummer 82400 das Stichwort ANGELS zu schicken, und dann würde man für läppische 6 € einen Klingelton und ein Video auf sein Handy und PC geschickt bekommen, während bierträgende Verkäufer dem wartenden Zuschauern für 3,80 € (+ 2 € Pfand für den 0,5 ltr. RW-Plastikbecher …) oktoberfestmässig eingeschenktes bayrisches Bier anboten. Selbstverfreilich war auch die unvermeindliche Pitu-Caipi-, Red-Bull-Vodka- und Coca-Cola-Verkäuferfraktion mit missionarischem Eifer den Geldbörsen der Fans hinterher.

Aber dann punkt 21 Uhr erschien er unter Rauchfontänen mit dem Stück „Radio“ aus der Plattform heraus mitten im Publikum und über den Köpfen der vor Freude tobenden Fans …
Das personifizierte englische VARTA-Häschen, Robbie Williams …

Nein, es waren nicht nur Frauen anwesend. Es gab auch Männer. Hierzu sollten die Frauen wissen, auch Männer können Robbie cool finden, ohne gleich sexuelle Hintergedanken zu haben.

Das Plakat „Robbie, make me pregnant!“ wurde von Männerseite mit einem eindeutigen Plakat „Robbie, what about Gay marriage?“ gekontert. Und Robbie gefiel es offensichtlich. Nur mit dem „Robbie, pluster me up!“ konnte er nichts anfangen („What the fuck means ‚pluster me up‘? “ )

Gut, am zweiten Tag wurden die Offerten auf den Plakaten eindeutiger („Brasil girls taste better! 24 h test offer. I’m 39 and you can “ ). Am dritten Tag hielten sich die Plakate deutlich in den Hintergrund. Der Dauerregen hatte da wohl einiges vernichtet.

Was Frauen angeht, da ist Robbie jetzt wohl recht eisern, da er offenbar mit seiner Freundin und deren Kleinkind im Nobelhotel „Bayrischer Hof“ abstieg.
Da waren Frau Schicki und Herr Micki aus der Münchener In-Szene schon ein wenig depürt, dass Robbie nach seiner ersten Show seine Hoteletage der von Nobeldisco „P1“ veranstalteten „After Show Party“ vorzog.
Macht man das denn?
So musste die Münchener Prominenz mal wieder – wie so häufig in Münchens Szene – inzestuös sich selber feiern.
Robbie, scheint dort anzukommen, wo generell 30 Jährige ankommen. In einer gewissen Art Häuslichkeit mit Freundin und Kind.

Und überhaupt rutschte seine Hose auch nicht mehr auf Kniehöhe. Dafür redete er aber am zweiten Tag mit seinem Klein-Robbie, was mit Frauenkreischen quittiert wurde.

Und über den deutschen Fußball fachsimpelt. Allerdings hatte er sich ausschließlich am ersten Tag auf das letzte internationale Fußballspiel im Münchener Olympiastadion bezogen: Deutschland gegen England mit dem deutichen Endergebnis 1:5 für England. Deutschland habe während der WM großartig gespielt und das Publikum sei grandios gewesen und daher wird Deutschland bei der nächsten WM in Südafrika ins Endspiel kommen. Aber leider gegen England nachher verlieren, so Robbie lakonisch und maliziös grinsend. „Tripping“ widmete er da noch Jürgen Klinsmann.

An allen drei Abenden hat er mit seinem Freund John nach der Swing-Nummer einen seiner zwei Bälle ins Publikum geschossen (hey, haben die Leute sich um die Bälle gebalgt …).


Von der Musik her waren alle drei Shows fast identisch. Nur am zweiten Abend (120 min) wurde ein Lied („Kids “ ) mehr gespielt, dafür war Robbie am ersten Abend (120 min) gesprächiger und am dritten Abend (105 min) wohl nachher auch nur drum bemüht, im 14 °C warmen Dauerregen seine Band nicht zu verschleissen und selber nicht sich zu erkälten.

Überhaupt das Wetter:
Da gibt es acht Wochen fast nur Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen, jedoch als Robbie in München eintraf, war es vorbei:
Der erste Abend war fast regenfrei. Als dann aber die letzte halbe Stunde der Show mit „Let me entertain you“ eingeläutet wurde, öffnete sich der Himmel. Das tat der Stimmu
ng aber keinen Abbruch, sondern ganz im Gegentum schien der Regen das Publikum noch eher zusätzlich anzuheizen!
Während ich am zweiten Tag ab 9:00 vor dem Südeingang lagerte und nur hin und wieder paar Tröpfchen Regen runterkamen, blieb es nacher vollkommen trocken.
12 Stunden Warten für eine zweistündige Show …

… von 9:00 bis 16:00 vor dem Eingang, danach ein Hindernislauf an den Ordnern vorbei (wahrscheinlich unter den Augen des DLV-Präsidenten Clemens Prokop; wer die 300 Meter in Rekordzeit runtergejoggt hatte erhielt wahrscheinlich ne DLV-Einladung … obwohl, für Robbie sich nen guten Stehplatz zu ersprinten, fällt das nicht unter Doping? …), um in den gesonderten Bereich zu gelangen. Dann wieder 5 Stunden Warten im Sonderbereich, der nur für 65 Zuschauer freigegeben wurde.

Das ist dann immer genügend Zeit, um sich die Sicherheitsleute ausgiebig anzuschauen. Einheitlich schwarz gekleidet. Wahrscheinlich war deren Einstellungsvorraussetzung richtig mies und finster dreinschauen zu können. Da war das Gesicht von dem Security-Knispel mit dem blond gefärbten Schnurrbart, dem beidseitig zum „Z“-rasierten Kotletten und der eigenwilligen Brille. Wahrscheinlich hat der sich sein Styling aus X-Men abgekupfert. Lachen war für den als Rudelführer garantiert tabu …

Die Leute der ersten Reihen an der Absperrung erhielten dann auch zur Belohnung kostenlos Wasser …

… aus einem nicht unbedingt als sauber zu bezeichnenden Wassereimer. Die security tränkte die Fans wie Pferde. Nur mit dem Unterschied, wir erhielten das Wasser in kleinen Plastikbecherchen überreicht. So sah es wenigstens hygenischer aus, als die Eimer es wirklich waren.

Ach ja, nur die Mehrheit der Security war übrigens arogant. Ein solcher „Ich-bin-das-Universum“-Typ bewegte sich auch keinen Zentimeter, als er von Fans gebeten wurde ein wenig beiseite zu gehen, um bessere Fotos von Robbie machen zu können. Halt ein Menschenfeind, wie er im Handbuch für vorbildliche Security-Knispels gefordert wird …

Die Minderheit war allerdings trotz des martialischen Auftretens sympatisch und nett.
Tja, aber dann endlich die zwei Stunden Show … .

Nur der dritte Tag war der eindeutig der härteste aller Tage.
Dauerregen.
Die Wolken schwebten in hundert Metern Höhe vorbei und hinterliessen Feuchtigkeit in jeder Kleidungsritze und in den Schuhen. Kalte Feuchtigkeit. Da nützten die kostenlos an der U-Bahn verteilten Regen-Capes des T-Com-Konkurrenten O2 und die mitgebrachten Regenschirme. Wer weder einen Regenschirm noch ein O2-Cape ergattert hatte, konnte sich auch bei den fliegenden Verkäufern bedienen. Regen-Cape zu 5 €, eben jene Plastik-Hüllen, die man im Laden im schlimmsten Fall für maximal 1 € kaufen kann. Aber was hilft so ein Regen-Cape, wenn das Bier verwässert schmeckt und der Caipi garantiert viel Wasser enthält. Mein Ruf nach Glühwein rief nur Belustigung bei Umstehenden hervor. Na gut, in der Not frißt der Teufel Fliegen und ich trink dann auch mal verwässertes Bier (schliesslich wollt ich mir noch so’n RW- Becher mit nach Hause nehmen ….)

Hauptsache der Veranstalter sagt das Konzert nicht wegen Regen ab. Klar, eine Absage geht nicht ohne grössere Probleme. Da heisst es für Publikum und Künstler, sich das beste daraus zu machen. Und Mr. Robert Peter Williams wäre nicht Robbie Williams würde er nicht auch daraus das beste machen.


„Alles fit im Schritt?“ Seine Deutschstunden zeigten Wirkung. Auch das entscheidende Wort kriegte er fast korrekt hin: „Schaise“.
Mit Blick auf den Südblock und seine Treppe aus dem Innenraum heraus, pflegte er den Smalltalk mit den Leuten auf der Treppe: „Where the fuck are you going? I know where you are going. Shaisen!“
Belohnt wurde seine Treppenkonversation mit einem von einem Besucher auf der Treppe blankgezogenen Hintern übertragen auf der Videoleinwand.
„Hey, Mr. Greenshirt, why are you leaving? Where are you going?“ So war seine Frage am zweiten Tag. Und der Angesprochende im grünen T-Shirt antwortete mit eindeutig rubbelnden Handbewegungen. „Hey, Mr. Greenshirt,  do you know that are children here? Dickhead!“ war der verärgerte Kommentar von Robbie dazu.

Am dritten Tag war das Riesenrad vor dem Olympiastadion fertig gebaut und wurde prompt Ziel seines Spotts. „Hey, there are people inside trying to look at my show. Hey, you idiots, don’t pay the wheel, come directly to my show!“

Der Ruf in Richtung Riesenrad zeigte am dritten verregneten Abend („That was my wetest show I’d ever had! “ ) das Maleur. Zwar waren die Sitzplatzränge wie üblich gut belegt, jedoch war der Innenraum nicht so gut gefüllt, wie die beiden Abenden zuvor. Diesmal war die Zahl der 70.000 Zuschauer deutlich verfehlt worden. An den Kassen des Olympiastadions  lagen noch dicke Blöcke mit Innenraumkarten.

Und an allen drei Abenden stellte er sein neues Stück RUDEBOX vor, welches das englische Boulevard-Blatt SUN als die schlechteste Single aller Zeiten betitelte. Dieses Stück kam nach dem Re-Opener „Let me entertain you“, welches eben nach jener einer kurzen Pause grandios die letzte halbe Stunde einläutete.
RUDEBOX funktionierte live ungefähr eine Minute, danach sackte die Begeisterung des Publikums doch ein wenig arg zusammen. RUDEBOX ist ein reines Club-Stück. In Clubs kann es erheblich funktionieren. Aber live? Nach jeder Performance erschien Robbie Williams sichtlich zufrieden über die Reaktionen vom Publikum.
Interessanterweise fiel mir dann auf, dass er in dem Lied sowohl für DUREX am Rande als auch für ADIDAS explizit Werbung  macht. Egal.


Und?
Hat es sich gelohnt?
Dreimal Robbie binnen drei Tagen?
Drei Tage das gleiche Vorprogramm, die gleiche nervige T-Com-Werbung, die gleichen Lieder, die gleiche Performance, auch wenn die Sprüche der Abenden unterschiedlich waren?
Und das alles für ein spezielles Armband (für den Bereich zwis
chen Bühne und Plattform;
Auflage: 100 Stück), nen Plastik-Becher, zwei Hard-Tickets und ein Online-Ticket?

Es hat sich gelohnt. Jeder einzelne Tag. Sogar der letzte, verregnete Tag mit den völlig durchweichten Schuhen.

Zudem hatte ich allerdings den Eindruck, dass die kometenhafte Karriere von Robbie Williams schon seinen ersten Zenit überschritten hat. Die jetzigen Konzerte sind für Leute, die 2003 wie ich nicht dabei waren, ein eindeutiges Highlight.
Die erste Show am 1. August war die beste und seltsamerweise die verregnete Show am 3. noch besser als die am 2. . Trotz des Regens kam auch nie das Gefühl auf, da würde eine Show schnell durchgezogen werden, um wieder schnell ins Hotel zu kommen. Irgendwie war allen klar, entweder feiern oder frieren. Das beste draus machen oder gleich nach Hause. So wurde die verregnete Show trotz Regens richtig mitreißend.

Okay, selbst die Knebworth-DVD ist besser als diese Shows in München. Aber sie hat jedoch den entscheidenen Nachteil, man sieht Knebworth nur auf dem Fernseher. Aber live ist live und prägt mehr als nur ne DVD, die man in ein Gerät rein- und rausschiebt.

Es wird dauern, bis Robbin Williams wieder durch Europa rumtourt. Aber dann wird es wieder kurzweilig werden. Und sollten die selbsternannten Zwischenhändler wieder die Tickets so schnell aufkaufen wie für diesen Konzertvorverkauf im November/Dezember 2005, dann darf man sich als Verbraucher erneut auf radikal zusammenbrechende Schwarzmarktpreise freuen.

Und auf einen gut aufgelegten, sich ums Publikum bemühende Robbie Williams.

Auf Mister „Let me entertain you!“


Viel Spass allen Leuten, die am 8. und 9. August auf den Jahnwiesen in Köln das Spektakel miterleben werden.
Übrigens, am 8. August ab 20:00 überträgt der Radiosender Einslive das Robbie-Konzert. Der Live-Stream dazu findet sich auch auf deren Internet-Seite unter http://www.einslive.de.