Running in the fast lane
Speeding in the dark
Ich kam in die Kneipe. Sie war recht leer. Genauer gesagt, es war ein toter Mittwoch. Und ich selber kam ja auch nur um einen Absacker zu trinken. Ein Kölsch auf 5 Minuten.
Da stand er dann neben mir an der Theke. Sein Deckel war ordentlich gekennzeichnet. Er musste wohl schon länger hier sein, nach dem Deckel zu urteilen. Aber er wirkte kein wenig betrunken, sondern erheblich nachdenklich.
Wir nickten uns zu und ich machte eine leicht ironische Bemerkung über seinen Deckel. Er flachste zurück und wir kamen kurzerhand in ein Gespräch.
Er war nicht betrunken. Seine Ausdrucksweise war klar und deutlich. Aber er erschien mir eine große Einsamkeit in seinem Herzen zu tragen. Und dann redete er langsam und nachdenklich über sich und sein Leben
„Wissen Sie, es ist schon seltsam. Man lebt alleine, hat ein eigenes unabhängig von anderen Menschen geführtes Leben, aber dann gibt es Stunden, da fühlt man sich wie ein Fettauge im Wasser:
Man schwimmt oben auf, aber ist von allen abgesondert. Ein Eintauchen gelingt nicht, das Wasser treibt einen immer wieder an die Oberfläche.
In Kneipen zum Beispiel oder auf Konzerten. Stunden lang könnt ich da drin rumstehen und ich würde nicht mal eine Person kennenlernen, während um mich herum massenhaft neue Kontakte zu entstehen scheinen.
Ich bin ratlos.
Mir fehlt der Code, das Passwort, jenes Zauberwort, welches mir die Türen öffnet. Durch mein Allein-Leben konnte ich zwar andere Menschen in ihrem Verhalten studieren, wie Biologen Mikroben unter ihrem Mikroskop beobachten.
Aber anscheinend habe ich entscheidendes aus meinen Beobachtungen nicht gelernt:
Wie man Kontakte schließt.
Es scheint mir wie ein teufelskreis. Ich bin aus der sozialen Umwelt der Menschen raus, um dieses Gefüge von außen anzuschauen.
Die Menschen sehen das – also meine Situation – natürlich auch und somit habe ich das Gütesiegel eines Sonderlings erhalten.
Und mit Sonderlingen haben Menschen freilicherweise ihre Probleme. Und ich habe Probleme, weil ich verlernt habe, mir die Türen für eine Rückkehr zu öffnen.
Bezeichnenderweise ereignen sich Sachen wie One-Night-Stands dann auch nur mit Menschen, die entweder mal kurz raus ihrer sozialen Umwelt sind. Oder die wie ich außerhalb des ganzen stehen. Steppenwölfe halt.
Wie geht das? Wie komme ich mit Leuten einfach so ins Gespräch? Wie macht man das? Worüber redet man dann, ohne dass das Gespräch versandet oder verflacht? Und vor allem, wie kann ich Leute begegnen, ohne sie gleich in eine meiner Schubladen zu verteilen oder ohne sie sofort abzuurteilen?
Es scheint mir eine Arbeit, wie wenn man eine Kokosnuss knackt:
Erst durch die harte Schale bohren und dann kommt man zum eigentlichen.“
Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und verfiel in ein Schweigen. Er drehte mit zwei Fingern sein Glas und war offenbar wieder weit weg. Innerlich emigriert und am Grübeln.
Ich sah ihn nie wieder, aber seine Geschichte ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
Trying to maintain
The feeling in your heart