Eine Schlang an der Einkaufskasse. Der klassische Flaschenhals. Ab einer bestimmten Stelle kommt der Einkaufswagen nur noch scharf kalkuliert durch die Gasse. Entweder man ist vor dem Einkaufswagen oder danach. Vorbei kommen Leute, die sich dünn machen. Dicke nie. Nicht mal im Traum.
Und dann kam er. Jung,dynamisch, Haare einskommafünf Millimeter, Bomberjacke und beleibt.
„Lassen Sie mich mal durch?“
Das war keine Bitte, sondern unmißverständlich ein versteckter Befehl. Er war ungeduldig und ich in meiner Person hinderte ihn die Kasse schnell zu passieren. Weil ich gerade eben das in den Einkaufswagen wegräumte, was der Kassierer über den Scanner zog.
„Kannst du nicht Platz machen, du Depp?“
Unberechtigt gab ich Widerworte, forderte von ihm Mäßigung und verbat mir die Bezeichnung „Depp“.
Logisch, was da folgte: er reagierte über mein widerporstiges Verhalten nicht überrascht, sondern wuchtet seinen schweren Körper sportlich über den Einkaufwagen.
„Verdammter Mongo!“ blaffte er in meine Richtung. Und als er mich passiert hatte, versuchte er einen Nierenschlag bei mir. Nur hatte er schlecht gezielt und ging weiter, als wäre sein Verhalten das normalste aller Dinge. Als wäre es vollkommen okay, so zu reagieren.
Niemand sagte irgendwas, was aber auch völlig normal ist.
In München gibt es halt eins auf die Schnauze, wenn solchen jungen dynamischen Ich-Bin-Wichtig-Menschen irgend jemand quer kommt. Ob in U-Bahn, auf der Straße oder sonstwo.
Platz da, wir sind ja wer!
Warum?
Eben.
Darum.