Mein Traum vom Traumjob ist der Job, wo ich dafür bezahlt werde, dass ich garantiert nicht in der Firma auftauche, geschweige denn einen Finger krümme. Natürlich inklusive der Drohklausel im Vertrag, dass, wenn ich in der Firma auftauche, entsprechend Lohnabzüge erhalte.
Ein schöner Traum.
Nur die Realität schäumt sich da ein wenig anders durch das eigene Leben.
Jobofferten sind immer ein Punkt, um über das eigene zukünftige Leben zu entscheiden.
Wissen Sie, mir paßt es nicht, dass Sie studieren. Kommen Sie doch mal zu einem Bewerbungsgespräch bei mir vorbei. Wie wär es nächsten Montag 10 Uhr?
Manche Jobangebote kommen sehr spontan. Besonders in Zeiten, wan viele meinen, man bekomme auch einen Job, wenn man sich drum bemühe. Manche Jobangebote kommen dabei so spontan, dass der Bauch digitaler denkt als der vor mir stehende Computer, auf dem ich das hier niederschreibe, samt meines bescheidenen Denkvermögens, welches diese damals gedachten Gedanken jetzt erneut denkt.
Beim Trampen nahm mich von Bremen einmal ein älterer, kurz vor der Rente stehender Flügelbenzfahrer mit Richtung Osnabrück. Er erkundigte sich nach meinem Berufsstand und als er erfuhr, dass ich bafögabhängiger Vollzeitstudent wäre, meinte er nur lakonisch im bremerischen Slang:
„Wohl ein bischen faul, was?“
Ja, ich war schon faul an jenem Tag, insbesonder zu faul, um mich gedanklich mit jener provokanten Frage zu beschäftigen. Weil hundemüde. Es ging auf den Abend zu und ich wollte nur noch die nächsten 600 Kilometer so bald wie möglich hinter mir haben. Das war mein geplantes Tagesziel.
Ob ich denn nicht nebenbei etwas dazu verdienen möchte, war seine nächste Frage und entlockte mir dabei ein leicht zögernd fragendes „Wie denn?“. Er lächelte mich super sympatisch an und meinte dann, er wohne in Bramsche. Seine Frau sei 14 Tage auf Kur und er hätte schon lange nicht mehr so einen knackigen jungen Mann wie mich im Bett gehabt.
Ich schluckte angesichts jener Jobaussicht. Er meinte nur, wir müssen ja nicht gleich in die vollen gehen. Schmusen, ein bischen Streicheln oder so wäre doch auch ganz schön. Er würde mir dafür auch zweihundert „Mäkkes“ geben …
Angesichts der 200 Mäkkes und meinem Tagesziel antwortete ich nur: „Nö, danke.“
Danach war erstmal Stille im Auto. Beinahe Stille. Das gleichmäßige Geräusch des Motors und das Rauschen der Reifen auf dem Asphalt der Autobahn A1 erfüllten bleischwer die Luft.
„Hab ich dich jetzt geschockt, oder was? Weil, du sachst ja nüscht mehr.“
Geschockt war ich nicht wirklich. Sexangebote von Männern hatte ich in meinem Leben immer wieder erhalten. Mehr als von Frauen. Was ich im übrigen schicksalsmässig voll link finde. Aber egal.
Ich war jung, sexlos und das Geld hätte ich gut gebrauchen können.
Nur war ich auch noch zu müde und zu faul dafür.
Und so strich ein spontanes Jobangebot ungenutzt vorüber.
Aber da war ja noch eben das andere Jobangebot.
Von dem lockeren Mittdreissiger.
Flott wie ein Turnschuh und dynamisch, wie ein flexibler Arbeitnehmer so zu sein hat.
Versicherungsbranche.
Allianz.
Doch davon mehr im nächsten Post, Teil 2 …