<font face="ComicSansMS" size="3">Das sowas von sowas kommt …</font>

Hab beschlossen mich von meiner Lichterkette zu trennen.

Tut mir zwar weh, aber wat mutt, dat mutt.

Hatte am Samstag noch kurz nach WETTEN DASS meine Weihnachtsdekoration im ganzen Haus beendet und dann festgestellt, dass bei der Lichterkette eine rote Birne nicht mehr funktionierte. Tauschte sie aus und leuchtete wunderprächtig vor sich hin.

Stellte nach einer halben Stunde fest, dass in der Stadt kein Licht mehr brannte. Habe die Kette schnell vor Schreck ausgesteckt und da gingen die Lichter draussen wieder an.

Meine Hoffnung, dass daran wirklich nur EON und das Kreuzfahrtschiff Schuld gewesen seien, hat sich diese Nacht nicht bestätigt. EON schaltete Strom an der Ems ab und nichts passierte in der Rest der Welt. Das Schiff schiffte unter den Stromleitungen.

Folgenlos.

Glaube, werde meine Lichterkette als DEFEKT über Ebay verkaufen …

Beim Stromablesen des Stromzählers ohnmächtig geworden.

Scheiss Lichterkette …

Lebe wild und gefährlich (Teil 10) … oder: Geldscheinvernichtung: Jugend forscht …

Verblüffung überfiel mich heute: Im Radio gehört, dass Euro-Scheine wegen Säure zerbröseln. Nach zehn Minuten grübeln habe ich sofort weitere Möglichkeiten zur Euro-Schein-Vernichtung untersucht und einen Versuchsplan detailliert aufgestellt.

Schockierendes festgestellt:
Der 5er ist nicht feuerresistent. Der 10er brennt auch ohne Hemmungen. 20er, 50er und 100er haben mich auch enttäuscht. 200er von Bank besorgt. Brannte ebenfalls, aber länger als die anderen.
Ich habe die Reste zusammengefegt und bei Landeszentralbank gegen Neuscheine versucht einzutauschen. Die wollen mich im Laufe des Monats benachrichtigen, ob ich was zurück erhalte.

Währenddessen weiter geforscht: Elf 20er-Scheine zum spurlosen verschwinden gebracht. Klo danach mit Mühe und einer Dose Rohrfrei wieder zum Funktionieren gebracht.

Privater Aktenvernichter vernichtet 100er gebündelt auch ohne Probleme.

Habe vier 50er in einem Gemisch aus Domestos, Essig, Backpulver und Maggi aufgekocht. Sie waren nach zwei Stunden spurlos verschwunden. Ich muss jetzt allerdings die Küche renovieren.

Vierzehn 5er habe ich in die Schale einer schwäbischen Klofrau gelegt und mich einmal ganz langsam umgedreht: Geldscheine danach auch weg.

Alles ganz genau notiert. Danach bin ich zum Geldautomaten gegangen. Jetzt ist Karte auch weg.

Brauche unbedingt Termin für Kredit bei meiner Bank, da das Forschungsvorhaben von mir noch nicht beendet ist …

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (1)

29. September 2006. 7:00
D’r Zoch kütt!
D’r Zoch setzt sich in Bewegung!
D’r Zoch is schon längst völlig abgefahren!

Weiss wabert Nebel um den Zug auf dem Weg zum Flughafen.
Der Herbst streckt seine klammen Finger aus.
Unerbittlich.
Unabänderlich.


Noch ist viel Grün auf den Bäumen.
Aber ebenfalls schon ein wenig Rot.
Äste gebeugt unter der Last ihrer Früchte.

Äpfel auf Augenhöhe. Patchoulli-Duft dringt aus ihrem Pullover. Sie steht neben mir zum Anbeissen nahe. Ein Lufthauch durchstreift mein Haar. Hat sie mir jetzt gerade leicht ins Haar geblasen?
Ich riskiere einen Blick nach oben. Ihr frisch ondulierter Kopf steckt hinter einem Buch von Hera Lind. „Das Superweib“.
Kurz senkt sie das Buch und zwei schmaler werdende Augen hinter einem eckig strengem Drahtgestell von Brille mustern mich feindseelig.

Was habe ich ihr getan?

Mein Blick schweift rüber zu dem hoch aufgeschossenen, jungen Mann mit schwarz gelocktem Haar, Drei-Tage-Bart, markantem Oberlippenbart und Ballack-Nationaltrickot. Er nestelt an seinem schweren Koffer. Er scheint nervös zu sein, obwohl er sich betont cool gibt.
Woran erinnert er mich?

Der Mann dahinter schaut mich streng an, seine Hände vergraben in seinen Jeanstaschen.. Kurz darauf verbiegt sich seine Nase, sein linker Mundwinkel schnellt in die Höhe, seine gesamte linke Gesichtshälfte verschiebt sich nach oben. Und dann das unvermeidliche Geräusch, wie als ob jemand den letzten Schluck Caipirinha durch den Strohhalm gurgelt.
Nur erheblich nasaler eben.
Darauf schluckt er offensichtlich das Hochgezogene und schaut mich weitzerhin streng an.

Was mache ich falsch?

Und dann noch die Endzwanzogerin mir gegenüber. Ihr braunes Haar umrahmt locker gelockt verlockend ihr Gesicht. Sie gleicht einer Fee und ihre beiden grünen Scheinwerfer dringen tief in die meinigen müden Augen. Ihre warmroten Lippen umspielt ein verführerisches Lächeln und ihr Mund öffnet sich leicht. Ich sehe ihre zart rosa Zungenspitze auf ihre Lippen zuwandern. Wie in Zeitlupe schlägt sie ihre Beine auseinacner, beugt sich vor. Ihre zartgliedrigen Hände streicheln zärtlich ihr Haar.
Was will sie von mir?

Neben sie drängelt sich ein älterer Mann, stehend, mit tiefgezogener Stirnglatze und blauem Harley-Davidson-Sweat-Shirt. Typ „reaktivierter Rentner“. Von seiner abfallenden Schulter baumelt frei eine braune Handtasche.
Er schaut mich fordernd an und hält mir seinen Dienstausweis offensiv vors Gesicht. Seine freie Hand packt mich an meine Schulter.
Er schüttelt mich.
Es schüttelt mich.
Wir schütteln gemeinsam.

Was will er von mir?

„Aufwachen! Ihre Fahrkarte, bitte!“

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (2)

29. September 2006. 10:00
Sie reicht mir mein Frühstück rüber und lächelt charmant. Ihr kleiner, schmaler Mund öffnet sich und ein Schwall französisch ergießt sich über mich.
Ich verstehe sie nicht.
Ich will sie nicht verstehen.
Obwohl ich weiß, was sie mich fragt.

Aber französisch gleich mit der erstbesten dahergelaufenen Saftschubse? So nötig habe ich es schließlich auch nicht. Machen die Franzosen bei Nicht-Franzosen schließlich auch nicht anders. Und reden aus Prinzip nicht ausländisch.

Sie wiederholt ihre Frage auf englisch.
Na also, es geht doch.
„Ja“, antworte ich ihr und bestelle „One coffee and one tomato soup.“

Ich bin müde und merke zu spät, dass mein Englisch unpräzis wird und ich eigentlich  „juice“ statt „soup“ meinte. „Saft“ statt „Suppe“.

Suppe, so meint die Stewardess lächelnd ironisierend, würde nur in der 1. Klasse auf Langstreckenflügen serviert.

Ich bin zu müde für diese nette Flaxerei.
Ich bin nur müde.

Boshaft entgegne ich ihr, warum sie mich denn dann verdammt nochmal erstens nicht nach vorne setzt und zweitens die Piloten anweist statt nach Paris drittens nach Rio zu fliegen. Ich wolle meinen „tomato juice“.
Ignorant sage ich jetzt „Saft“ nicht „Suppe“ und übergehe einfach meinen vorherigen Fehler und ihre nette, augenzwinkernde Art.

Die perfide normative Kraft des brutal Faktischen.

Ihre Lippen werden schmal , ihre Augen ziehen sich zusammen und schicken flammende Blitze in meine Richtung. Sie gibt mir herablassend meinen Kaffe und zieht sofort wortlos weiter.

Es ist mir egal.
Total egal.
Ich bin nur müde.

Als ich wieder aufwache, räumt sie mein unangerührtes Frühstück wieder ab und nimmt mir den inzwischen kalten Kaffee weg, klappt mein Tischen hoch, schaut mich angewiedert an und sagt mir im perfekten Deutsch nur:

„Wir landen gleich. AIR FRANCE wünscht Ihnen, gut geschlafen zu haben.“

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (3)

29. September 2006  19:35
Mein Fahrer ist jung und adynamisch.
Dabei braucht er auch gar nicht dynamisch zu sein. Dafür ist er exakt kalkulierend.
Eineinhalb Stunden von Rouen bis Charles de Gaulle bei Paris.

Kalkulierte Punktlandung für den Abflug um 19:25?
Nein, das ist nicht sportlich.
Das ist klassisches Kalkül.
Ich wäre auf der Höhe von französischen Nuimmernschildern über deren Autobahnen geprescht. Und das nicht mit lediglich 230 km/h Maximum. Oder gar mit 110 wie mein Fahrer. Total verkehrsregelkonform.
Im Stau zuvor hätte ich genauso wie alle anderen Franzosen auch einfach nur gedrängelt.
Mein Fahrer tat es nicht.
Zehn Prozent mehr Geschwindigkeit als erlaubt, wäre meine Regel gewesen. Seine aber nicht.
Da sitze ich auf dem Beifahrersitz, die Autouhr von Createur de Automaleur fest im Blick.

Erinnerungen an die Besprechung.
Eingeschlafen.
Mein Fahrer gab mir zwei Zettel zum Kopieren und nen Hinweis, wo er den Kopierer gesehen hatte.
Ich kriege Bewegung und Frischluft.
Eine Frau gab mir nachsichtig lächelnd einen Kaugummi.
Gegen Schläfrigkeit.
Er wirkte einstweilen.
Kaffee jedoch nicht mehr.
Ich brauche dringend Koffeintabletten

Die Silhouette der Hochhäuser Paris taucht auf. Munter dreht sich ein riesig grosses Logo der Firma SIEMENS auf einem der Hochhäuser. Gerade so als ob sie sich nie mit BENQ in Deutschland auf grausamen Vollzug ein Jahr später geeinigt hätten.
3.000 potentielle Arbeitslose mehr.
Was zählen da schon Versprechungen in diesen Jahren …

19:45
Stau am Stadion St. Denis. Hier verlor Brasilien mit einem mysteriös kranken Ronaldo die WM 1998 gegen eijne grandiose Equipe Tricolore. Alez le bleu.
19:45 ist auch gleichzeitig Boarding time, also der Beginn des Einstiegs ins Flugzeug. 20:25 ist Abflug.
Ich starre aufs Stadion.
Mein Fahrer meint unbekümmert, es gäbe keinen Grund zur beunruhigung. Stimmt. Ich kann ja immer noch später fliegen.
Oder halt dann: „Eine Nacht in Paris“
Paris, versteht sich.
Nicht Paris Hilton.
Eher Ibis Hotel …

20:15
Wir kommen am Terminal D an. Fast hätte er sich noch kurzfristig verfahren. Wäre zu einem anderen Terminal weitergefahren.
Ich verabschiede mich von meinem Fahrer.
Der hat die Ruhe weg und lächelt überlegen.
Sprintend renne ich mit Handgepäck und meiner Sitzplatzkarte in den Händen zum nächsten Monitor und mit der dort neu gewonnen Erkenntnis zum entsprechenden Gate.
Meine Lieblingsfreunde, die Sicherheitskontrolle? Eine Hürde, mehr nicht.
Ich komme als letzter atemlos in den Flieger und ernte mißmutige Blicke von Besatzung und Passagiere.
Geschafft.
Ich bin zum zweiten Mal heute das „Arschloch vom Dienst“.
… und zusätzlich müde …

10.000 Volt – unter Strom – Akku leer (4)

29. September 2006 21:00
A glas of champagne.

Wie schön das klingt.
Hatten das nicht mal Matrosen in den Goldenen 80ern gesungen?
Und die nannten sich als Gruppe nicht „SAILOR“ und waren ein One-Hit-Wonder? Gewissermaßen Eintagsfliegen am Himmel der Popstars? Geschluckt und verdaut. Fast für immer.

Ein Glas Champagner.
Nirgendwo kann man sich hemmungsloser an Champagner besaufen als bei der AIR FRANCE.

A glas of champagne.

Ich dämmer vor mich hin und höre „Major & Suzan“. Die Gitarrenriffs geben mir den Soundtrack zu meinem Zustand.
Mein Nachbar reklamiert, dass ich zu dick für ihn sei.
Ich verschiebe mich von ihm weg zum Fenster hin und bestelle den nächsten Champagner.
Und Rotwein.
Lieber Rotwein als tot sein.
Gleich dreimal binnen einer Stunde.

Touch down.
Gelandet.
Drei-Punkt-Landung.
Will sagen: Alle drei Radgestelle haben permanenten Bodenkontakt.
Die Erde hat mich wieder.

Wochenende.
Unter Strom war bis vorhin.
Mein Akku ist leer.
Schluß aus und vorbei.
Am Montag geht es weiter.
Wat mutt, dat mutt.
Umsonst ist nur der Tod, sagen die Gelehrten. Kostenlos das Leben garantiert nicht, die Wirtschaftsweisen. Wirtschaftswaisen?
Ich marschiere durch den Zoll, zünde mir eine Zigarette an und fühle mich wahnsinng ungesund.
Und leer.
Und müde.
Zuviel arbeiten schädigt Ihre Gesundheit. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arbeitgeber oder Ihr Nervenkostüm am Monatsanfang bei Bekanntgabe der neusten Arbeitslosenzahlen.

Ich flatsche mich in den harten Sitz des Zuges und schnaufe durch.
Mühseelig.
Matschig.
Malade.
Müde.

Einfach nur müde.

… will schlafen …