Aufregende Begegnung mit brasilianischer "Dame" … einmal anders …

… und da war noch die seltsame Begegnung der dritten Art, die ein Brasilienreisender in seiner kleinen westlichen deutschen printenbackenden Heimatstadt hatte …

… zu Karneval gab es dort im Schutze der Kirche immer eine öffentliche Karnevalsfete. Nicht nur die Musik sondern auch das Essen wurde von Brasilianern organisiert. Die Räumlichkeiten wurden kirchlich verliehen.

Die kleine brasilianische Community hatte Zuwachs bekommen. Eine Frau aus Recife weilte seit neuestem in der Stadt (ich nenn sie mal „Tüdelkirchen“; ich meinte mit „sie“ die Stadt! nicht die Frau!!!), wohnte bei einer anderen Bekannte aus Recife und mischte mit, wenn auch ein wenig scheu und zurückhaltend.

Mein Geschmack war sie nicht. Sie war eher eine recht herbe Schönheit, Mulatta von ca. 25 Jahren, mit langen schwarzen wehenden Haaren und mit Augen wie stechend klare Scheinwerfer. Ihr Lächeln war selten und aber dann immer ein wenig schief.

Das Fest startete und der Brasilienreisende (ich nenn ihn mal „Dietrich“) war gerade wieder mal von seinem viermonatigen Rundtrip durch Brasilien zurück. Während wir so bei Caipi und Bier seinen Geschichten lauschte, kam dann die neue (ich nenn sie mal „Adriana“) vorbei geschlichen. Der Brasilienreisende hatte sie nicht bemerkt, aber dafür ein anderer Brasilianer.

Und der hatte sogleich Dietrich auf Adriana aufmerksam gemacht:
„Hey Dietrich, kennst du schon die neuste Brasilianerin hier in Tüdelkirchen? Die wohnt bei der Clara seit knapp zwei Wochen!“
und deutete auf Adriana.
„Oi Adriana, vem cá!“ (=“Hey, Adriana, komm her!“)

Aber Adriana schien nicht unbedingt interessiert.

Dietrich schaute ihn Richtung Adriana und bemerkte laut und trocken:
„Sei ela! Ela é da praia de Recife!“
Und direkt zu ihr gewendet:
„Você não é uma mulher, você é um homen.“
Und für die umstehenden ohne Portugiesisch-Kenntnisse wiederholte er im breitesten Heimatslang:
„Die kenn isch! Die kommst vom Strand von Recife! Das is keene Frau. Dat isse ne Mann!“

Der Tumult danach ist unbeschreiblich und war von Verwünschungen und Flüchen seitens dem Adriana („Sou mulher sim!“ „Ich bin eine Frau!“) geprägt und weiteren Enthüllungen seitens Dietrich auf Deutsch („Ach hürens doch opp! Ich han dich doch da an Recifes Strand rumposieren sehen! Du bisse ja ne janz billige Transe!“ usw.).

Beide sind sich auf dem Fest nicht mehr begegnet und auch später mied der Adriana die Gegenwart von dem Dietrich …

erfuhr

Careca :wave:

Der Gast ist immer König …

In einem brasilianischen Imbiss (von zwei Deutschen betrieben) in Deutschland (sic!) kamen irgendwann mal Herr Schicki und Frau Micki, um sich an so tollen Sachen wie Bolinhos de Bacalhau, Kibe, Pao de Queijo tot zu futtern. Klar, dass die beiden dann deren begleitendes Pärchen jeweils einen Caipirinha spendierten.

Der Imbissbesitzer ging dann nach hinten und vollführte die Zermonie des Caipirinha-Machens auf höchstem Niveau: alles frisch, weisser Zucker und keine Lime-Verschnitte.

Als er dann die vier Caipis nach einiger Zeit fertig gemacht hatte und den vieren brachte, meinte Frau Micki schnippisch:

„Mit dem Schnell-Sein habt ihr es wohl nicht so, oder?“

Der Mann blaffte nur zurück:

„Wenn Sie einen schnellen Caipirinha haben möchten, der drei Stunden schon vorbereitet offen rumsteht mit Limetten-Lime gestreckt wird, damit er nicht mehr so bitter schmeckt, dann gehn Sie doch in eine ihrer Kneipen. Hier gibt es nur Gutes.“

Sagte es und machte auf den Absatz kehrt und liess eine unangenehm berührte Micki zurück.

Die nahm ein Schlückchen und dann sah man an ihrem freudig überraschten Gesichtsausdruck, dass er ihr offenbar super schmeckte.

Als nach weiteren zehn Minuten die brasilianischen Häppchen für die vier kamen, waren die Gäste schon wesentlich freundlicher …

Tja, das habe ich in Köln erlebt.

Gute Nacht an die Normalos unter uns,

wünscht

Careca :wave:

Betont unauffällig (3)

Betont unauffällig wollten auch Bekannte von mir auf ihrem ersten Brasilienurlaub sein. :roll:

So saßen wir in einem Cafe und beide wollten von mir und meinem Freund wissen (der aus dem zweiten Teil), wie es denn mit der Kriminalität in Rio de Janeiro sei.

So erzählte ich Ihnen meine Geschichte vom extra unauffällig verhalten und wie das die Blicke wie Motten das Licht auf mich zog. Sie grinsten über das, was mir wiederfuhr und wussten sofort, woran es lag. Klar, ich war halt auch zu blöd, war deren Reaktion. Wer den Schaden hat, spottet halt jeder Beschreibung … >:-(

Und dann erzählte mein Freund seine Geschichte, wie ihm seine Kamera geklaut wurde. Beide hörten interessiert zu und dann sagte sie am Ende der Geschichte in ihrer Aachener Tränigkeit: „Also, wie Careca so erzählte, erschien Rio richtig harmlos. Aber wie er das so erzählt, dann scheint es ja richtig gefährlich.“ XX(

Ich grummelte.
Mein Freund und ich gaben den beiden somit am Vorabend vor dem Abflug noch ein paar Verhaltenstipps, damit sie Rio ohne grössere Probleme geniessen könnten:
So wenig wie möglich mitnehmen. Am besten nur das, was in den Hosentaschen passt. Rucksack oder Tasche immer gesichert festhalten. Keine weissen Socken und keine Hawaihemden und so. Klar, das kannten sie offenbar alles schon und meinten es sicher zu vermeiden. Das waren die ersten Tipps. Und dann kamen noch paar andere hinzu.

Sie meinten zum Schluss noch, sie hätten eine Diebstahlversicherung und würden so etwas gelassen entgegen sehen. Sollte jemand ihnen was klauen wollen, dann würden sie sich locker zurück lehnen. Denn schliesslich würden sie alles in Deutschland ersetzt bekommen. |-|

So flogen sie also Richtung Brasilien.
Und nach drei Wochen waren sie wieder zurück.
Und sie waren prompt in Rio de Janeiro ausgeraubt worden.

Beide waren in der legendären „bonde“ (ausgeschrochen „bondschi“) eingestiegen und dort ausgeraubt worden.

Bonde in Rio de Janeiro
Bonde in Rio de Janeiro

Die Geschichte der „bonde“ ist recht interessant:
Die „bonde“ sollte eigentlich Ende der Fünfziger Jahre abgeschafft werden. Doch dann kam der brasilianische Film „Orfeu Negro“ in die Kinos. In diesem Film spielte die „bonde“ Rio de Janeiros eine tragende Rolle. 1959 erhielt der Film in Cannes die „Goldene Palme“ und brachte der „bonde“ einen ungemein starken Popularitätsschub bei den Touristen. Schliesslich rang die Stadt sich durch, die „bonde“ bestehen zu lassen. Als Touristenattraktion und Bevörderungsmittel der eigenen Bevölkerung.

So fuhren also meine beiden Bekannten in der „bonde“ zum Künstlerviertel „Santa Theresa“ hoch. Sie hatten einen Rucksack mitgenommen. Darin befanden sich die normale Brille von ihm (er trug seine stark getönte), die Stadtkarte, ein dicker Reiseführer, eine Kleinbildkamera und ein Regenschirm. Der Rucksack lag locker und ungesichert über sein Knie. Er hatte dabei extra versucht keine Aufmerksamkeit mit dem Rucksack zu erregen. Unauffällig halt. ;D

Aber nicht lange. Schon bald standen beide ungewollt im Mittelpunkt.

Ein Dieb entriss ihm den Rucksack und sprang von der fahrenden „bonde“ ab und rannte den Weg der „bonde“ zurück. Während seine Freundin sauer dem Dieb hinterherbrüllte, sprang ihr Freund ebenfalls ab. Aber in die falsche Richtung (in Fahrtrichtung) und überschlug sich erstmal auf dem Aspalt. Dann sprintete er dem 100 Meter entfernten Mann hinter her. Vergeblich. Der Dieb war weg. :roll:

So trafen wir uns also nach deren Urlaub wieder.

Die Versicherung zahlte. Das war klar. Der Fall war ja aktenkundig.

Nur die verstauchte Hand von ihm tat noch immer weh. Und den ganzen Urlaub über musste er mit der getönten Brille verbringen. Bei Sonnenschein war das ja nicht das Problem. Nur des Nachts war alles dunkler als normal. :))

Was sie am meisten jedoch wurmte, war, dass gerade sie überfallen wurden, obwohl sie versuchten unauffällig zu bleiben, dass der Fotoapparat im Rucksack war und sie keine guten Fotos mehr machen konnten, dass sie ihren Reiseführer nicht mehr hatten, und dass trotz Versicherung sie nicht locker geblieben waren … :. :**:

Naja, betont unauffällig U-(

Betont unauffällig (2)

Die eigentliche Frage, die man sich als Tourist stellt, könnte freilich heissen:
Sind wir Touristen eigentlich besonders blöde? Das wir immer so leicht zu plündern sind, auf dem heissen Asphalt Brasiliens?

Die Antwort kann nicht gegeben werden, da das Wort „blöd“ mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Sie kann nur fallweise gegeben werden.

Ein brasilianischer Freund von mir ist in Rio de Janeiro (Stadt) ausgeraubt worden. Das ging ganz einfach und auch unauffällig.

Mein Freund hatte zu der damaligen Zeit einen Job als Fotografen jener bekannten Blutzeitung, die man sich an jeder „banca de jornais“ (Kiosk) in Rio kaufen kann. Sein Job war es einen Reporter zu begleiten und all jene Opfer von Vergewaltigungen, Erschiessungen und Verstümmelungen in Szene zu setzten.
Nachdem mal wieder ein Job beendet war, lies er sich in einem Strassencafe nieder, um ein Chopp (ein Glas Bier) zu trinken.

Nach kurzer Zeit rempelte ihn in seinem Stuhl ein peruanisch aussehender Mann mit Anzug (billig, aber nicht alt). Zudem ergoss sich eine Ladung Batata fritas (Pommes) mit Ketchup über dessen Schulter. mein Freund sprang auf und versuchte instinktiv zu verhindern, dass die ketchup-getränkte Masse auch noch seine Hose versaute. Der Mann muss wohl sehr kooperativ reagiert haben. Er hatte ein Taschentuch und versuchte damit Schaden zu verringern.

Mein Freund war verständlicherweise sauer, aber der Mann beschwichtigte ihn und gab ihm eine Visitenkarte und bat meinen Freund, die Reinigungsquittung an ihm zu schicken. Er würde dann umgehend ihm das Geld zu schicken (?; überweisen?).
Der Mann verabschiedete sich von meinem Freund und mein Freund setzte sich hin und nahme einen Schluck aus seinem Chopp.

Als er zu seinen Füssen schaute, war seine Kameraausrüstung im damaligen Werte von ca. 2000 DM (1000 Euro) weg.

Er kannte diesen Trick, Menschen zu berauben, indem man deren Aufmerksamkeit stark ablenkt und er war sich sicher, darauf nie reinzufallen.

An jenem Tag fiel er darauf rein. Er verlor infolgedessen seinen Job bei jener Zeitung.
Seitdem hat er Vorurteile gegen jeden der peruanisch ausschaut (und er weiss den Grund dafür).

Betont unauffällig (1)

Brasilien ist mein Land. Dort bin ich nicht nur hin und wieder als Tourist, sondern dort habe ich auch gearbeitet. Dort kommt meine bessere Hälfte her und da werde ich auch in absehbarer Zeit hin. Organisiert und nicht chaotisch. Geplant und nicht fatalistisch daneben.

Von meinem traditionellen Rio-Stützpunkt „Hotel Ferreira Viana“ in Catete (Stadtteil im näheren Bereich des Zentrums; nicht bei den Touristenhochburen der Copacabana) bin ich eines Tages mal wieder nach Ipanema raus. Diesmal wollte ich mich nicht an den Strand hauen, sondern eine bestimmte Dienstleistung in Anspruch nehmen (… ich sag’s nicht :D , ich sag’s nicht :D , ich sag’s nicht :D , um welche es sich hierbei handelte … okay, da einige immer was falsches denken, es geht hierbei um Tatoos). Ich zog mir Badehose, graues T-Shirt, schwarzte Bermuda und Flip-Flops (Größe 46; sehr selten, aber frisch gekauft) an, nahm mir meinen alten staubgrauen Stoffbeutel (lagerte und gammelte bei mir in D-Land schon seit zig Jahren in diversen Ecken herum) und packte darin ein Handtuch und in das Handtuch (weiß der Kuckuck warum) meine Armbanduhr ein.

Anmerkung vom Kuckuck: Klar weiss ich, warum. Ich hatte diese Seiko-Uhr im Süden Brasiliens für umgerechnet 50 Euro erstanden. Es war die Uhr, die ich immer schon suchte. Eine Uhr, nicht zu teuer, aber mit mechanischem Mondphasenanzeiger. Ich hatte mich in die Uhr verliebt und wollte sie überall dabei haben, …

Zusätzlich wickelte ich noch meine Geldbörse drin ein. In der Geldbörse befand sich der Gegenwert von 100 US-$. Ansonsten rein gar nichts. Desweiteren kramte ich mir ein paar Real, um den Bus von Flamengo/Catete nach Ipanema zu zahlen.
Als ich dann so gegen halb eins an dem Ziel in Arpoador an kam, war es noch – oder besser gesagt: schon wieder – geschlossen: Mittagespause.

Nun, ich überlegte, was tun? Ich entschloss mich einfach ein wenig an den Strand von Ipanema zu legen. Also ging ich von Arpoador immer so vier/sehs Meter von der Wasserlinie entfernt über den Strand und schaute nach einen passenden Platz zum Hinlegen. Obwohl es mittag war, war es doch recht gefüllt für nen Werktag.

Mir behagten nicht viele Plätze. Entweder war es zu voll und nicht mehr hinreichender ungestörter Freiraum vorhanden oder die umgebenden Leute sahen mir nicht vertrauenserregend genug aus (ich liebe die Gesellschaft älterer Rentner-Ehepaare, denn da steigt mein Zuversicht, dass die mich garantiert nicht niedermeucheln …).

Nach einiger Zeit der Wanderung fand ich dann „meinen“ Platz. Optimal erschien er mir nicht, da an der Wasserlinie junge surfistas rumlungerten, die dort bestimmt [i]keine[/i] Industriezigaretten rauchten. Aber andererseits erschienen die mir nicht als hineichende Motivation meine ermüdende Sandwanderung fortzusetzen.

Ich holte mein Handtuch (Marke Die-besten-Zeiten-schon-hinter-sich“) raus, breitete es in dem Sand aus und setzte mich erstmal drauf. Ca. drei Minuten lang die Gegend nochmals gründlich abgescheckt. Bis auf die Kinder nichts beunruhigendes.

Doch dann begann für mich die Frage: Wo lege ich meinen Beutel hin? Am Fussende sicherlich nicht. Am Kopfende? Links von mir? Rechts von mir? Ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich es sonst gemacht hatte. Noch nie hatte ich über sowas plötzlich so intensiv nachgedacht. Okay, ich legte den Beutel auf Kopfhöhe neben mir, darüber mein T-Shirt (Hallo, Sonne! Hallo, Meer! :D), meine Bermudas und darüber die Flip-Flops. So breitete ich mich über mein Badetuch aus.

Aber rechte Ruhe fand ich nicht. Und irgend stellte sich Durst ein. Die nächste barraca befand sich zwanzig Meter entfernt. Und dann machte ich wohl den verhängnisvolen Fehler. Ich griff in meinem Beutel und versuchte betont unauffällig – ich betone nochmals ganz deutlich hier: „betont unauffällig“! – diesen herauszuholen. Dann setzte ich mich auf und checkte wiederum „betont unauffällig“ (die Geldbörse in der Bauchkuhle verdeckend) das Geld darinne. Ich suchte „betont unauffällig“ nach einem kleinem Schein.

Wenn ich mich mir heute so von aussen vorstelle, wie ich „betont unauffällig“ versuchte zu verbergen, dass ich was zu verbergen hatte (nämlich Reais im Wert von ca. 100 US-$), dann patsche ich mir noch heute gegen die Stirn und muss auch irgendwie als Ventil darüber lachen. Es gab am Strand wohl nicht auffälligeres als meine „betont unauffällige“ Verhaltensweise. Wo jeder jeder beobachtet, schon aus reinen Körper-Kult-Gründen.

Da ich keinen wirklich kleinen Schein dabei hatte (an der barraca mit einem großen Schein zu zahlen, konnte zuviel unerwünschte Aufmerksamkeit auf mich, dem „Green Go“, lenken), legte ich die Geldbörse eingewickelt in den Bermudas und dem T-Shirt mit der Uhr wieder in den Beutel zurück (ich vermerke „betont unauffällig“), dann auf meine Flip-Flops den Beutel zu oberst auf Kopfhöhe und streckte mich wieder aus.

Hm.

Hm.

Irgendwann hatte ich plötzlich das Gefühl, das etwas nicht mehr stimme. ich richtete mich auf und sah meine Flip-Fliops brav neben mir liegen, auf Kopfeshöhe, aber … ich suchte vergeblich meinen Beutel. Wech war wech. :(

Verwirrt richtete mich auf und sah in etwa zwei Metern Abstand von mir eine schlanke Brasilianerin mit Sonnenbrille stehen.

– A senhora observou algo? Sabe cade minha bolsa? (=“Haben Sie was beobachtet? Wissen Sie, wo meine Tasche ist?“)

Die Frau schaute mich an und erklärte mir zu meinem Entsetzen, dass die Jugendlichen vom Strand sich diese genommen hätten. Ich fragte verschreckt zurück, warum sie denn nichts gesagt hätte. Das war eigentlich eine dumme Frage, aber die Antwort war auch nicht schlechter: Sie dachte, dass das meine Freunde wären und ich zu denen gehören würde … :roll: :(

Mir war klar, dass am Strand niemand was grossartiges unternehmen würde, würde man einen Diebstahl beobachten. Die unbewusste Angst, selber nachher in eventuelle Konsequenzen der Diebe und mögliche Hintermänner zu geraten, ist zu gross, als dass diese eine helfende Abwehrmaßnahme nach sich ziehen würde.

Ich stand auf und schaute verwirrt durch die Gegend. Die Frau deutete auf einen etwa hundert Meter entfernt liegenden Stofffetzen.

– Acho que é seu. (= „Ich glaub, dass ist ihre.“)

Ich wollte schon los, aber da fiel mir die alte Parabel vom Fuchs mit dem Steak und dessen Spiegelbild im Fluss ein und dass der Fuchs beide Steaks haben wollte und nachher ganz ohne da stand. Es mag sich absolut bescheuert anhören. Aber genau dieses Bild vom Fuchs im Fluß tauchte vor mir auf. Daher fragte ich die Frau, ob sie denn wenigstens auf meine restlichen Sachen aufpassen würde, damit die nicht auch noch wegkämen. Als die Frau nickte, ging ich zu den Stofffetzen rüber. Es war mein T-Shirt. Von meinem Beutel, der Bermudas, der Uhr und dem Geldbeutel war nichts mehr zu sehen. Auch sah ich keinen der surfistas oder sonstwelche seltsame Gestalten. Ich nahm das T-Shirt auf und ging zurück.

Damit hatte sich der Termin in Arpoador im Tatoo-Laden erübrigt. Ich zog meine Flip-Flops an und atmete schwer durch. Meine ersten Gedanken waren nur: „Raus hier! Weg hier! Überall Verbrecher!“ Meine Selbstbeteiligung an dem Raub sah ich noch nicht.

Also trat ich den Rückweg von Ipanema über Arpoador-Copacabana-Leme an mit anschliessender mulmiger Tunneldurchquerung Richtung Shopping und dann über Botafogo zurück nach Flamengo, Catete zu meinem Hotel. Zu Fuss. In Badehose und ärmellosen T-Shirt und dem alten Handtuch. Taxi-Fahren sah ich als aussichtlos an. Die müssten mich für einen Schwulen halten.

Während ich meine unfreiwillige Wanderung durchzog, fuhren mehrfach Busse vorbei und aus den Fenstern hörte ich immer wieder ein Johlen und Pfeifen. Hin und wieder sah ich auch nen Stinkefinger. Man nahm offenbar an ich, sei ein ausgesprochener Safado unter den veados. Mir zuckte es immer wieder in der Hand, den Stinkefingergruß zu erwidern, aber ich unterlies es. Sollte sich jemand beleidigt fühlen und an der nächsten Haltestelle aussteigen, dann hätte ich ein paar Probleme mit meinen Flip-Flops …

Während der Wanderung fiel mir ein, dass dieser Vorfall von mir provoziert war (hört sich seltsam an, ist aber so). Zudem war es nicht das erste mal – so fiel mir ein -, dass ich beklaut worden war: In D-Land hatte man das wesentlich efektiver gemacht. Man hatte mir dort mein mühsam erspartes 1000-DM-Rennrad geklaut. Die Versicherung zahlte meinen Eltern nichts zurück, da sie auf dem Standpunkt beharrte, ein rechtmässig abgeschlossenes Fahrrad könne niemand klauen (ergo, hatte ich es nicht abgeschlossen gehabt. QED).
Jener Wert von 100 US-$ entsprach knapp 150 DM (ca. 76 Euro). Da hatte ich in meinem Leben schon mit effektiveren Dieben zu tun gehabt. Wahrscheinlich haben die sich von dem Geld Maconha gekauft, Uhr, Bermudas und Geldbeutel an einem camelo verhökert.

„Hätte, Wenn, Wäre“ … aber hätte ich damals meiner inneren Stimme (Unruhe) gefolgt und mich evtl in einem Cafe Ipanemas gesetzt statt unbedingt an den Strand zu wollen, dann wäre ich nicht überfallen worden. Dann hätte ich auch nicht „betont unauffällig“ gehandelt. Die „herren des strandes“ hatten das sofort registriert und auf mein Verhalten auf reiche Beute geschlossen. Selbst schuld. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Gott sei Dank, musste ich bislang nie in eine Revolvermündung schauen. Verdeckten Messern (unter der vorgehaltenen Zeitung) konnte ich bislang einmal in Rom laut zeternd und flüchtend entkommen …

… Im Nachhinein hat mich der Diebstahl der Uhr mehr geärgert als der Verlust des Geldes …

Ach ja, noch was. In Rio bin ich selten mit mehr als 5 bis 10 US-$ in der Tasche (die Busrückreise im Schuh) rausgegangen. Aber nur einmal mit mehr als 10 US-$ und zack … ausgeraubt … das ist natürlich auch eine zu bewundernde Art der Effiktivität … :DD :DD :DD