Wer nicht fragt, bleibt dumm (ESTA Teil 2)

… sind Sie gegenwärtig an Spionage- oder Sabotageakten, an terroristischen Aktivitäten oder an Völkermord beteiligt, …

Ein bisschen komisch, wird mir schon als ich der obigen Frage im amerikanischen ESTA-Verfahren begegne. Sollte ich die Frage mit „Ja“ beantworten, müsste dann nicht binnen kurzer Zeit die Polizei mit einem SEK bei mir aufschlagen? Oder der CIA mit paar Marines in einem Hubschrauber vor meinem Balkon landen? Oder wenigstens ein Sniper auf dem Dach dort drüben 500 Meter entfernt? Oder wäre mein Weg nur gepflastert mit Schlapphüten und andere unauffällige Gestalten? Oder würde mich spätestens bei der Einreise in Gods-own-Country der ESTA-Fragesteller ein Empfangskomitee mit blitzenden Schmuck für meine Handgelenke empfangen?

Welchen Sinn macht diese ESTA-Frage?
„An Spionage- oder Sabotageakten, an terroristischen Aktivitäten oder an Völkermord beteiligt“.
Bin ich natürlich nicht. Meine Weste ist blütenweiß. Krieg ich jetzt bei der Einreise einen Orden dafür, wenn ich mit „Nein“ antworte? Sollte mir dafür nicht wenigstens lobend auf die Schulter klopfen? Oder wird man mir unterstellen, dass ich unehrlich geantwortet habe? Also gelogen? Und vor allem, wer wird das entscheiden?

Vor der Einreise werde ich mich rasieren, ein leichtes Bleichmittel auf meine Gesichtshaut auftragen, meine Haare schneiden lassen, sie straßenköterblond färben und mit einem rechten, haarscharf gezogenen Scheitel aufhübschen. Letztendlich will niemand wirklich irgendwie arabisch aussehen, nicht wahr.

Die Frage lautet, ob der Befragte „beteiligt“ sei. „Beteiligt“. Nicht „verordnend“.
Die Befehle-Verteiler können somit guten Gewissens „Nein“ ankreuzen und einreisen. Vorausgesetzt es liegt kein nationaler oder internationaler Haftbefehl vor.

Ich kreuze vorsätzlich „Nein“ an.

Am Schluss des ESTA-Prozesses und der Überweisung der 14 US-$ Einreisegebühr erhalte ich die positive elektronische Rückmeldung: ich sei legitimiert, mich den US-Grenzbeamten auf US-Boden zur Erlaubniserteilung der Einreise vorzustellen. Das werde ich dann wohl tun.
Man gönnt sich ja sonst nichts.

Schau’n mer mal.