We’re the Pet Shop Boys

War beim Arzt. Sagte ihm ich hätte ne tierische Erkältung, dass ich mich hundemüde fühle. Zudem hatte ich auch noch von so’nem jungen Schnösel nen Pferdekuss erhalten. Ich sagte, ich bräuchte seine Hilfe.
Er öffnete sofort Probenschränkchen und gab mir Pferde-Salbe.
Beim Gehen erhielt ich noch ne Überweisung für Tierarzt.
Fragte vergeblich in Bekanntenkreis nach gutem Tierarzt. Nur Unverständnis geerntet. Fühle mich wie ’n Ochs vorm Berg.

Je suis des garçons d’un magasin de bêtes.

Maybe it’s a habit

Maybe it’s a sin

But I find out

KEEP ON

Running in the fast lane

Speeding in the dark

Ich kam in die Kneipe. Sie war recht leer. Genauer gesagt, es war ein toter Mittwoch. Und ich selber kam ja auch nur um einen Absacker zu trinken. Ein Kölsch auf 5 Minuten.

Da stand er dann neben mir an der Theke. Sein Deckel war ordentlich gekennzeichnet. Er musste wohl schon länger hier sein, nach dem Deckel zu urteilen. Aber er wirkte kein wenig betrunken, sondern erheblich nachdenklich.

Wir nickten uns zu und ich machte eine leicht ironische Bemerkung über seinen Deckel. Er flachste zurück und wir kamen kurzerhand in ein Gespräch.

Er war nicht betrunken. Seine Ausdrucksweise war klar und deutlich. Aber er erschien mir eine große Einsamkeit in seinem Herzen zu tragen. Und dann redete er langsam und nachdenklich über sich und sein Leben

„Wissen Sie, es ist schon seltsam. Man lebt alleine, hat ein eigenes unabhängig von anderen Menschen geführtes Leben, aber dann gibt es Stunden, da fühlt man sich wie ein Fettauge im Wasser:
Man schwimmt oben auf, aber ist von allen abgesondert. Ein Eintauchen gelingt nicht, das Wasser treibt einen immer wieder an die Oberfläche.
In Kneipen zum Beispiel oder auf Konzerten. Stunden lang könnt ich da drin rumstehen und ich würde nicht mal eine Person kennenlernen, während um mich herum massenhaft neue Kontakte zu entstehen scheinen.
Ich bin ratlos.
Mir fehlt der Code, das Passwort, jenes Zauberwort, welches mir die Türen öffnet. Durch mein Allein-Leben konnte ich zwar andere Menschen in ihrem Verhalten studieren, wie Biologen Mikroben unter ihrem Mikroskop beobachten.
Aber anscheinend habe ich entscheidendes aus meinen Beobachtungen nicht gelernt:
Wie man Kontakte schließt.
Es scheint mir wie ein teufelskreis. Ich bin aus der sozialen Umwelt der Menschen raus, um dieses Gefüge von außen anzuschauen.
Die Menschen sehen das – also meine Situation – natürlich auch und somit habe ich das Gütesiegel eines Sonderlings erhalten.
Und mit Sonderlingen haben Menschen freilicherweise ihre Probleme. Und ich habe Probleme, weil ich verlernt habe, mir die Türen für eine Rückkehr zu öffnen.
Bezeichnenderweise ereignen sich Sachen wie One-Night-Stands dann auch nur mit Menschen, die entweder mal kurz raus ihrer sozialen Umwelt sind. Oder die wie ich außerhalb des ganzen stehen. Steppenwölfe halt.
Wie geht das? Wie komme ich mit Leuten einfach so ins Gespräch? Wie macht man das? Worüber redet man dann, ohne dass das Gespräch versandet oder verflacht? Und vor allem, wie kann ich Leute begegnen, ohne sie gleich in eine meiner Schubladen zu verteilen oder ohne sie sofort abzuurteilen?
Es scheint mir eine Arbeit, wie wenn man eine Kokosnuss knackt:
Erst durch die harte Schale bohren und dann kommt man zum eigentlichen.“

Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und verfiel in ein Schweigen. Er drehte mit zwei Fingern sein Glas und war offenbar wieder weit weg. Innerlich emigriert und am Grübeln.

Ich sah ihn nie wieder, aber seine Geschichte ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Trying to maintain

The feeling in your heart

BURSLEM NORMALS

Goodbye to the normals
Goodbye to the normals

Durch Zufall fiel mir ein alter Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1998 in die Hände.

„[…]
Wenn sie um Diana geweint haben, dann haben viele – das gilt besonders für Männer, die oft ihre Not haben, Emotionen auszudrücken – auch für sich selbst geweint. Sie haben all die gefühle zugelassen, die sich ein Leben lang aufgestaut haben. Deshalb konnte man vielleicht sagen, daß der Tod Dianas gut für die Gesundheit der Briten gewesen ist.
[…]“
(Süddeutsche Zeitung vom 2./4. Januar 1998, Nr. 2)

Frage:
Wer muss in Deutschland sterben, damit unsere Psychatrien entlastet werden, damit es mit der deutschen Gesundheit bergauf geht?

Angela Merkel und Franz Müntefering sicherlich nicht.

Boris Becker?
Zu spät. Der spielt nicht mehr aktiv und ist kaum noch unser „Bobbele“.

Michael Ballack?
Nein, wohl kaum.

Thomas Gottschalk?
Schon eher. da hör ich schon in den Supermärkten Deutschalnds aus dem Süßwaren-Regal das erfreute, meckernde Gelächter der Gummibärchen zwischen ihren Colorado-Tälern. Und steigern würde sich die psychische Volksgesundheit Deutschlands durch Gottschalks Opfer gewiß nicht.

Uschi Glas?
Auch nicht.

Kardinal Meissner? Franz Beckenbauer? Helmut Kohl? Ulla Schmidt? Carolin Reiber? Claudia Schiffer?

Nein, nein, nein!
Die müssen alle am Leben bleiben!
Oder wie sollten wir je uns mittels ohne abschreckendem Beispiele am Leben orientieren können. Im Grunde fällt mir nicht eine Person ein, die ich mir in einer Opferrolle vorstellen könnte.

Lassen wir sie besser am Leben.
Man stelle sich vor, Carolin Reiber verschluckt sich vor laufender Kamera auf der Bühne an einen ihrer reibenden „R“s, erstickt und kurz darauf präsentiert das Fernsehen die neue Moderatorin für deutsche Volksmusik:

Claudia Schiffer.

Gut, zum anderen muss ich gestehen, dass wäre ihr Niveau. Jedoch würde dann doch auffallen, dass das Wort „Schifferscheisse“ möglicherweise seine Wurzeln doch in Claudias Kopf haben könnte.

Oh je. Das war jetzt niveaulos.
Gemein, gemein, gemein.
Total daneben.
Genauso niveaulos wie die Sednungen mit „Volksmusik“.
Halt doof wie Schifferscheisse.

Letztens hörte ich folgende Nachricht im Radio:
Ein Sturm hatte ein Feuer in einem Kamin entfacht. Zwei Kinder starben. …

Ein Feuer in einem Kamin? Das ist lebensgefährlich? Ich dachte, Kamine sind fürs Feuer da! Da haben sich die Radiomoderatoren wohl nichts bei gedacht, als die beiden die Nachricht vorlasen. Oder sollten die Kinder im Kamin ihr Bett stehen gehabt haben?

Hm.

Vielleicht sollten wir selber mal wieder ein Opfer einer Grippewelle mit Hunderten von Toten – vorwiegend aus der ärmeren Schicht – werden. DAS könnte unseren psychischen Gesundheit eine Karthasis (= schmerzhafte Reinigung) bereiten …

Tod und Leben.
Zwei Seiten der gleichen Münze.
Leben ist lebensgefährlich.

…, der Mann konnte gerade noch aus dem brennenden Haus gerettet werden, ertrank jedoch nachher im Löschwasser …

… Brand im Krematorium. Drei Tote. …

Diana ist tot.

Na und?

„Das Licht, das doppelt so hell brennt, brennt nur halb so lange.“
(aus dem Film BLADE RUNNER)

You used to know what we were worth
Before the normals fell to earth