„Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumen lässt, Horatio.“
Hamlett, W. Shakespear
Sie hatte mich zu einer Tasse Kaffe eingeladen. Indra war ihr Name.
Ich wollte irgendwas neues erfahren. Irgendetwas, was mich voranbringen würde. Wollte wissen, wer sie ist, dass sie so denkt, wie sie denkt. Weil sie ähnliches dachte und sagte, wie ich denke und es hin und wieder auch sage.
Und dann erzählte sie mir folgende Geschichte:
Bevor ihr Vater nach Jameika ging, gab er ihr Sonnenblumensamen. Sie sollte die Samen aussäen, damit die späteren Sonnenblumen sie an ihren Vater erinnern würden.
Sie nahm einen Blumentopf mit Erde, steckte die Samen hinein und stellte den Topf auf ihren Balkon. Sie beachtete ihn kaum und goss daher auch nur selten.
Der Sommer kam die Sonnenblumen erblühten.
Noch immer schenkte sie ihnen kaum Beachtung.
Nur einmalfielen ihr zwei Zitronenfalter auf, die spielerisch um ihre Sonnenblumen herumflatterten und Indra dachte beeindruckt, welch tolles Bild das sei.
Der Sommer ging, der Herbst kam, die Sonnenblumen verwelkten.
Irgendwann im November kam ihr die Idee, die Köpfe der Sonnenblumen abzunehmen, um sie zu trocknen.
Nach kurzer Zeit stellte sie fest, dass einer der Köpfe einen Flecken bekommen hatte, ohne dass sie etwas besonderes gemacht hätte.
Als Indra vom Flecken erzählte, stand sie auf und nahm etwas von einer Kommode, gab es mir und sagte zugleich:
Ich schaute auf das, was sie mir gegeben hatte. Es war der getrocknete Kopf einer Sonnenblume. Auf diesem hellgrauen Kopf befand sich eine dunkelbraune Stelle.
Ein Fleck.
Und dieser Fleck besass eine Form, wie sie eindeutiger und unzweifelhafter nicht sein konnte:
(geschrieben am 2-Feb-1996)