Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (51): Haarige Zeiten

She asks me why I’m just a hairy guy
I’m hairy noon and night Hair that’s a fright
I’m hairy high and low
Don’t ask me why. Don’t know
It’s not for lack of bread. Like the Grateful Dead (*)

Was ist der Unterschied zwischen einem Besuch beim Friseur und in einem Haus für religiösen Menschen? Beim Friseur werden deine persönlichen Daten für drei Wochen gespeichert, beim Gotteshausbesuch nimmt der jeweils zuständige Gott deine Daten auf. Während dich also im Infektionsfall im ersteren Fall der Staat für vierzehn Tage in Quarantäne verhaften wird, wird dich der jeweilige Gott für die Ewigkeit grillen.

Wo geht man also im Zweifelsfalle hin? Freilich zum Friseur. Denn wer will schon ohne passende Frisur eine Ewigkeit im Fegefeuer verbringen? Ach ja, stimmt. Die Katholiken. Ohne Fegefeuer fehlt denen was. Für die restlichen der Religiösen ist es ja die Hölle und ewige Verdammnis, worauf die schwören.

Flow it, show it
Long as God can grow it
My hair, hair, hair, hair, hair, hair, hair … (*)

„Waschen, schneiden, legen?“

„Ach ja, bitte.“

„Und ein wenig Remdesivir als Apres-Lotion nach dem Schnitt ins Haar? Alternativ gäbe es da auch noch ein wenig Des-in-Fekti-Waxing, wenn sie wünschen?“

My hair like Jesus wore it
Hallelujah I adore it
Hallelujah Mary loved her son
Why don’t my hair stylist love me? (*)

In München fuhr gestern mal der Innenminister Bayerns mit der U-Bahn ins Rathaus. Ganz unfrisiert. Das macht der sonst nie, also die U-Bahn zu nutzen, natürlich. Er wollte wohl mal seine eigene Maske allen in der U-Bahn präsentieren. Erkannt hat den Joachim Hermann dabei niemand.

Und schon sieht man darin auch gleich den Vorteil einer Mund- und Nasenabdeckung: Man muss das ganze Gesicht eines ungeliebten Menschen nicht vollends ertragen. Die Maske dient einerseits der Anonymisierung. Andererseits wird einer Person, deren Gesicht durch eine Maske halbwegs verdeckt ist, seines lebendigen Ausdrucks beraubt ist und erscheint wie tot. Wünscht man sich mit so einer Person näheren sexuellen Kontakt, könnte das auch als eine Form der Nekrophilie angesehen werden.

Womit damit auch erklärbar werden könnte, warum ein Innenminister Bayerns in München U-Bahn fährt, statt sich allein in seiner Dienstlimousine zum Rathaus fahren zu lassen. Und das, obwohl er ja im Gegensatz zur Normal-Michel-Gesellschaft eine gewisse Immunität besitzt. Also die diplomatische, nicht virologische.

Übrigens. Vor einem Jahr hatte sich schon mal ein bayrischer Spitzenpolitiker in den Münchener öffentlichen Nahverkehr getraut. Markus Söder. Damals bereits todesmutig ganz ohne Maske. Aber so wie heuer Joachim Hermann erkennen musste, so musste vor einem Jahr auch Söder erkennen, man erkannte ihn nicht.

Und wenn man sich die Fotos von Söder von vor einem Jahr anschaut und von heute, dann erkennt man: da war kein Friseur vorher tätig. Der Deutsche erkennt nur wohl frisierte Menschen wieder.

Tja, Pech, Herr Hermann. Also, demnächst öffentlich U-Bahn-Fahren nur nach einem Friseurtermin, woll.

A home for fleas. A hive for bees.
A nest for birds. There ain’t no words.
For the beauty, the splendor, the wonder
Of my … (*)


Anmerkung: Die mit (*) gekennzeichnete englische Verse stammen aus dem Lied „Hair“ vom gleichnamigen Musical

3 Gedanken zu „Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (51): Haarige Zeiten

  1. Berliner Nachrichten, 14.04.2020

    Deutschland wird umbenannt
    Ab jetzt heißt unser Land „SPAHNIEN“. Wie die freiheitlich-demokratischen, staatseigenen Sender ARD und ZDF übereinstimmend mit den privaten Staatssendern mitteilten, solle das dem Volk dienen und daher in mehrfacher Hinsicht unumgänglich sein. Man hob hervor: „In den nächsten Jahren erwarte man durch die Umbenennung außerordentlich hohe Einnahmen aus der Tourismusbranche. Spahnien wird einen Boom erleben“, sagte Regierungs-GFFS Wieler. Trotz der aktuellen massiven Reisestornierungen deutscher Bürger, konnte die Sehnsucht nach blauem Meer und Palmen am Strand noch nicht vollständig beseitigt werden. Man sei jedoch bereits dabei, die spahnischen Strände an Nord- und Ostsee entsprechend auszubauen.

    Der Gesundheitsführer Spahn sagte in seine Ansprache an das spahnische Volk:
    „Des Bürgers Traum- und Sehnsuchtsort aus früheren Zeiten ist in weite Ferne gerückt. Doch diesen Preis bezahlen wir gerne! Denn unsere Großeltern haben es überstanden, sie leben! Und ihr, – die Bürger unseres Landes – habt sie heldenhaft geschützt und damit gerettet. Was also liegt da näher….Was könnte es da schöneres geben….., als ihnen freudig zu verkünden: Was bitte…. Ihr verantwortungsvollen Bürger…..was wollt ihr in Spanien? Ihr seid doch schon in Spahnien!“

    Unter dem Jubel der Massen wurde daraufhin auf dem Platz-der-heiligen-Corona vor dem ehemaligen Reichstag die Staatsneugründung und damit die „RKI SPAHNIEN“ ausgerufen. Bereits zuvor wurde im Parlament die Ernennung Herrn Drostens zum ständigen Berater des Gesundheitsführers zelebriert.
    Drosten darf sich künftig mit dem Titel „Gesundheitsführerführer“ schmücken. Dieser Titel ist im übrigen auch vererbbar. Zum Sprecher des Gesundheitsführerführers wurde Herr Dr.Wieler einstimmig gewählt. Wieler wird künftig den Titel „Gesundheitsführerführersprecher“ tragen. Im Gegensatz zur Vererbbarkeit des Gesundheitsführerführer-Titels kann der Gesundheitsführerführersprecher-Titel nur durch Osmose oder Diffusion übertragen werden. „Das sei hier eben ganz anders als bei Viren“, teilte Drosten lachend mit. Das überwältigende Abstimmungsergebnis von 100% (2 von 2 Stimmen) im Parlament spricht einfach für die Qualität Wielers, erläuterte Drosten vor der staatseigenen freien Presse.

    Auf einer weiteren Ansprache vor 709 emeritierten Parlamentariern dankte der Gesundheitsführer den Anwesenden In seiner Rede, (welche wir hier vollständig abdrucken wollen) sagte er:
    „Wir benötigen weder Präsident, Kanzlerin noch Bundesverfassungsgericht. Die Opposition hat sich bereits aus dem Staub gemacht, bevor das Volk sie vergessen hatte. Sowohl der Bürger, als auch ich werden ihnen – meine lieben Freunde – das niemals vergessen. Wir werden ihren Rücktritt aus freien Stücken für immer in unserer Erinnerung festhalten. Liebe Opposition, Ich danke ihnen dafür von ganzem Herzen!

    Um künftig Generationen nicht die Last eines immensen Schuldenberges aufzudrücken, haben wir uns daher entschieden und nach spannender Stichwahl folgendes beschlossen. Künftig soll der Bundestag verkleinert werden. Corona hat uns das Offensichtliche vor Augen geführt. Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Dieses Thema wurde bereits von ihnen – meine Damen und Herren – lange diskutiert. Nun haben wir eben genau diese lang ersehnten Reformen kräftig angepackt und umgesetzt. In freien Wahlen habe ich mich per Erlass durch euch zum Gesundheitsführer ernannt. Dafür möchte ich den hier Anwesenden abschließend herzlichst danken.
    Zu meinem künftigen Beraterteam habe ich Herrn Drosten zu meinem Gesundheitsführerführer (GFF) ernannt und der erfolgreich aufstrebende Tierarzt Herr Dr. Wieler wird mein Gesundheitsführerführersprecher (GFFS). Sowohl Drosten, als auch Wieler opferten sich für das Volk der Spahnier durch ihre grandiose Expertise seit Wochen aufopferungsvoll auf. Drosten und Wiele hatten beide seit 720 Stunden nicht mehr geschlafen. Doch die Menschen erhörten ihre Argumente und hielten sich an die lebensrettenden Maßnahmen. Die Ernennung beider war somit nur eine logische und faire Konsequenz. Wir sind Drosten und Wieler zu großem Dank verpflichtet.

    Auf der demokratischen Grundlage unserer Infektionsschutzverfassung konnten beinahe 99% Prozent unsere spahnischen Bürger davon überzeugt werden, ihren Urlaub künftig in der schönen Heimat zu genießen. Unterstützung für die Staatsneugründung, die Parlamentsreformen, sowie den Umbaumaßnahmen an den Stränden unseres lieben Heimatlandes Spahnien erhielten wir ebenso von der obersten Heeresleitung – namentlich von der Frau, die wir liebevoll Panzeruschi nannten!
    Daher gebührt auch der lieben Uschi unser Dank. Aus nachvollziehbaren Gründen können wir sie dafür leider nicht höher loben, was mich sehr bedrückt. Ich wünschte, ich hätte die Macht, ich würde sie höher loben. Ich bedanke mich noch einmal ganz ganz herzlich für ihr Erscheinen und verabschiede mich von ihnen mit einem fröhlichen Hipp-Hipp-Hurra.

    Im Anschluss an die feierliche Zeremonie der Staatsneugründung fand am Rande ebenfalls ein offenes Buffet für ehemalige Pharmalobbyisten statt. Es wurde ihnen für jahrelange Arbeit und Treue gedankt. Nun sind sie aber dank der großartigen Aufklärungsarbeit u.a. durch die Alternativen und politisch Linken leider nicht weiter erforderlich. Der Gesundheitsführer übernimmt diesen Aufgabenbereich zukünftig selber, wie Gesundheitsführerführer Drosten ausdrücklich mitteilte.

    Am Rande der Veranstaltung kam es noch zu kleineren Störungen. Anhänger einer kleinen Gruppe von Verschwörungstheoretikern skandierten und behaupteten, RKI stehe für „Republik von Kindern und Idioten“. Sich mit solch irrealen Phantasien dahergelaufener und durchgeknallten Verschwörer abzugeben ist obsolet, teilte der GFFS Wieler mit. Wieler selber wurde vom Pöbel auch mit Loddar-Rufen verunglimpft.

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  2. *Scheißt auf Friseure!*

    I want it long, straight, curly, fuzzy
    Snaggy, shaggy, ratty, matty
    Oily, greasy, fleecy, shining
    Gleaming, streaming, flaxen, waxen
    Knotted, polka dotted, twisted, beaded, braided
    Powdered, flowered and confettied
    Bangled, tangled, spangled and sphagettied

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