Servus, du Wurst-Zipfeklatscha!

Make Bavaria great again!Es ging um die Wurst. Die Söderin und der gelernte Wurst- und Metzgermeister Alois Rainer (CSU) konnten jetzt erst einmal durchatmen. Das »wurst case scenario« konnte abgewendet werden. Nach dem Verbot des Genderns von Amtswegen in Bayern wurde die nächste Bedrohung der deutschen Kultur gemeistert. Im Europäischen Parlament konnte das Verbot von nicht-fleischlichen Genüssen auf deutschen Verpackungsmaterialien in die nächste Instanz zum Verbieten gebracht werden.

»Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan«, dozierte neulich der Sauerländer Merz als TV-Oberlehrer dem Volke vor der Glotze. Damit steckte er ganz klar Neuland-Terrain seiner Kernkompetenz ab: Definitionshoheit übers Würstchen-Grillen vom kleinen, ärmlichen Feuerchen an einem Flusslauf bis hin zu den Enders-/Weber-Luxusgrillmaschinen in dem Einfamilien-Villengarten.

»Es geht um Transparenz und Klarheit für den Verbraucher und um Anerkennung für die Arbeit unserer Landwirte«, sagte eine Abgeordnete der französischen Konservativen, Céline Imart. Im Europäischen Parlament gehört sie der EVP-Fraktion an. Von Europäischen VolksPartei zu Europäischen VerbotsPartei ist es immer nur dann ein kleiner Schritt, wenn es um die Wurst geht, bei der Schnitzeljagd gegen Sprachverwurstung. Transparenz und Klarheit. Und das bei Schnitzel und Wurst. Da bringt sogar eher das Palindrom »Vitaler Nebel mit Sinn ist im Leben relativ« mehr Klarheit und Transparenz unter einem angehobenem Wurstzipfel.

Eine Wurst ist eine Wurst. Basta! Das muss mal gesagt werden! Bettwurst, Erbswurst und Adenauers patentierte Sojawurst (»Kölner Wurst«, »Friedenswurst«) können sich schon mal nach neuen Namen umschauen.

Ja, und denkt an all die armen Würstchen unter uns. So viel Mostrich gibt es gar nicht, wenn die Sprachpolizisten diese verspeisen wollen. Weder Söderin noch andere werden diesen armen Würstchen eine Extrawurst braten. Sollten jene deswegen auf beleidigte Leberwurst machen wollen, sollte denen auch mal ganz klar gesagt sein: in Kalbsfleischleberwurst steckt mehr Schweineleber als Kalbsleber überhaupt. Denn genau genommen kann in Bayern statt Kalbsleber auch Jungrindsleder genommen werden, also die Leber von Rindern im Alter von acht bis zwölf Monaten statt von Kälbern bis zu deren achten Monat. Dann ist zwar keine Kalbsleber in der Kalbsleberwurst, … aber nun denkt doch mal nach! Seit wann ist im »Bayrischem Leberkäse« Käse und Leber drinnen? So etwas hat noch nie einen großen Geist aufgeregt. Das geht völlig in Ordnung in Bayern. Maximal Hanswürste wie ich verlieren Worte darüber. Denn der »Bayrische Leberkäse« gehört gemäß dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Minister: Alois Rainer, CSU) in die Kategorie »Brühwürste«.

Hauptsache unser Bier bleibt rein und es kommt uns auch nichts in die Wurst hinein. Also solch veganer Quatsch wie Gemüse, Obst oder anderes untierisches. Wobei Nitrite (E250), Nitrate (E252), Sorbin- oder Schwefelsäure (E200, E220), Phosphate, Emulgatoren und Antioxidationsmittel gelten nach bayrischem Verständnis nicht als vegan.

Hm? Antioxidationsmittel in einer Rostbratwurst? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Darf die Rostbratwurst denn noch so heißen, wenn das eisenhaltige Lebensmittel »Wurst« nicht mehr oxidieren kann, also dank Antioxidationsmittel nicht mehr rosten wird?!?

Herr Merz, bevor Sie in ihre Cessna steigen, könnten Sie nochmal eine Stellungnahme dazu abgeben?

»Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan.«

Herr Söderin, was ist ihre Ansicht dazu?

»Ein Leben ohne Wurst ist möglich, aber sinnlos. Leberkäs statt Tofu-Tümelei.«

Alles hat ein Ende, nur … Herr Alois Rainer? Sie wollen auch noch ihren Senf dazu geben?

»Esst Fleisch fürs Klima und trinkt Milch für eure Gesundheit.«

Darauf ein Glas »Sonnenmilch« direkt aus dem Supermarkt, unweit des Kuhmilch-Regals. Daran stört sich doch auch keiner. Aber wehe, jemand sagt »Hafermilch« (oder „Mandelmilch“ oder »Sojamilch« oder etc.). Dann: Abmahnung geht raus! Weil? Weil »Sonnenmilch« hat einen Lichtschutzfaktor und »Hafermilch« eben nicht. Ganz eindeutige Verwechselungsgefahr mit gesundheitlichen Auswirkungen. Drum eben »Haferdrink« zum Schutze der Verbraucher. Im Supermarktregal, direkt neben den »Katzenzungen«.

»Esst Fleisch fürs Klima und trinkt Milch für eure Gesundheit«, erklärte uns unser Rainer Alois.

Logisch. Ja, ihm ist unser Klima halt wurstig. Herr Alois Rainer? Noch ein Nachsatz?

»Mir ist der Klimaschutz ein wichtiges Ziel. Das hat mit Fleischkonsum meines Erachtens nichts zu tun.«

Okay. Jetzt wird’s hier zu hanswurstig. Freilich, bayrisches Allgemeingut ist: Wurst essen ist Freiheit, Tofu ist Kommunismus. Und das Weißwurstfrühstück, das ist Bayern. Prost.

Apropos »Prost«. Was macht eigentlich der Ex-Bundesminister Ilse Aigner?

– Nur zur Erinnerung aller: Gendern ist in Bayern verboten, weswegen »Ex-Bundesminister« hier absolut richtig ist. »Woke« ist für die anderen, die Grünen! –

Also. Jene Frau, die Aigner Ilse, die das Reinheitsgebot beim Bier gerettet hat, bevor es die Grünen verbieten konnten, was macht die? Sie ist eindeutig darin ein Meister, weil im Jahre 2016 wurde auf ihrer Initiative hin das Bier-Reinheitsgebot zum UNESCO-Welterbe gemacht. Und noch eine Gemeinsamkeit, ja, sie hat wie Söderin beim Reden dauernd Schaum vor dem Mund (z.B. bei Brauerei- und Jahrmarktbesuchen) und rettet damit täglich das Bier nachweislich vor allen Grünen und Woken. Wenn es also um die Wurst geht, dann sollte unsere Super-Aigner, die Ilse, helfen können. Dann freut sich nicht nur die EU, sondern die ganze Welt darüber nachher wie ein Schnitzel. Garantiert fleischlich, also nicht-vegan.

Prost Mahlzeit.