Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (43): Recht in Ordnung

Die Kriminalitätsrate steigt. Und die Polizei schaut tatenlos zu. Das einzige, wozu sie sich imstande fühlt, ist das Aufschreiben und Gegenlesen von 150-Euro-Strafzettel. Weswegen sie paarweise in München patrouillieren. Söder zuckt dazu lediglich die Schultern. Die Gesetze seien verpflichtend und die Polizei dazu erst recht verpflichtet, zu überprüfen, dass jene eingehalten werden. Falls nicht, gibt es einen Strafgeldkatalog. Ordnung muss sein.

Aber dem ist nicht so! Das ist Lüge.

München. Mittelsüd. Ballungszentrum. Ein Linienbus der MVG. Eine Hundertschaft Polizisten hält ihn eingekesselt.

“Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus und lassen Sie ihre Finger aus Ihren Gesichtern!”

Ich frage den Scharfschützen neben mir: “Wie fühlen Sie sich? Was geht in Ihnen vor? Was sehen Sie?”

“Zu erst einmal sehe ich einen Haufen illegaler Staatsbürger. Um es ernsthaft zu sagen, alles quasi Gesundheitsterroristen. Sehen Sie den dort drüben in der vorletzten Reihe? Jenen mit ungepflegten langen Haaren und ohne Mund- und Nasenbedeckung.”

“Gefährlich?”

“Absolut. Kennzahl R0 größer eins. Erheblich größer eins. Gefährder. Jener Mensch zeigt durch sein Verhalten, dass er bislang null kapiert hat. Beratungsresistent. Der will nicht zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Aber keine Sorge. Den habe ich im Visier. Sollte er husten, finaler Rettungsschuss!”

“Ist das nicht übertrieben? Könnte er nicht auch verhaftet werden? Und in Quarantäne verbracht werden?”

Blitzschnell legt der vermummte SEK-Mitarbeiter sein Sniper-Gewehr beiseite und richtet eine HK SFP9 auf meine Stirn: “Wie meinen?!?”

“Ganz ihrer Meinung. Erschießen. Sofort.”

“Aha”, er steckt seinen Selbstlader weg, nimmt seine Sniper wieder auf und bemerkt: “Das Faktotum hat seine Hand in seiner rechten Tasche. Panther 1, was soll ich machen?”

Ich verlasse den Aussichtsposten, vom Bus 500 Meter entfernt, und gehe zum Polizeipräsidenten, der die Lage in seinem Transporter vollkommen überblickt.

“Wie ist die momentane Lage?”

Er mustert mich skeptisch: “Ist das bei Ihnen ein Mundschutz aus Baumwolle oder aus Kunststoff?”

“97% Baumwolle, 0,5% Elastan und 2,5% selbst desinfizierendes Aluminium.”

“Zertifikat?”

Ich reiche es ihm.

“Nun. Der Anstieg der Kriminalität in den letzten 24 Stunden ist wirklich ein Problem geworden. München hat einen Ruf zu verlieren. Mit der Staatskanzlei sind wir bereits in einem informellen Meinungsaustausch getreten, wie eben diese unakzeptable Situation verbessert werden kann.”

“Und das wäre?”

“Um die Anzahl der Kriminellen ohne Mund- und Gesichtsschutz zu verringern, muss man jene vom rechtschaffenden Bürger besser absondern können. Ein rechtschaffender Bürger akzeptiert alle gesundheitsbewahrenden Maßnahmen. Ein Gefährder naturgemäß niemals nicht. Und die letzteren sind gefährlich.”

“Und wenn jemand keine Maske trägt, geht dann das Wohl und das Anrecht auf die Unversehrtheit der Allgemeinheit vor?”

Ein Knall unterbrach unsere Unterhaltung.

“Der langhaarige Gefährder ohne Maske mit der Hand in der Tasche?”, frage ich in die entstandene Stille

Der Vorgesetzte hielt seinen Finger auf seinem Ohrhörer und beugte sich leicht auf die Seite von mir weg. Dann richtete er sich wieder auf, nahm seinen Finger aus seinem Ohr und schaute mich ernst an:

“Nein. Es war die schwarz vermummte Frau neben ihm. Sie hatte die Hälfte ihres Gesichts verhüllt und war unnatürlich dick. Wahrscheinlich Sprengstoffgürtel. Potentielle Islamistin.”

Ich atmete durch und rief meinen Chefredakteur an, um ihn zu berichten, dass die Welt wieder mal an einer dramatischen Episode vorbei geschrammt wäre. Er legte kommentarlos auf.

3 Gedanken zu „Das Corona-Tagebuch: Provinznotizen aus Deutschland Süd bei Südost (43): Recht in Ordnung

  1. Berliner Nachrichten, 14.04.2020

    Deutschland wird umbenannt
    Ab jetzt heißt unser Land „SPAHNIEN“. Wie die freiheitlich-demokratischen, staatseigenen Sender ARD und ZDF übereinstimmend mit den privaten Staatssendern mitteilten, solle das dem Volk dienen und daher in mehrfacher Hinsicht unumgänglich sein. Man hob hervor: „In den nächsten Jahren erwarte man durch die Umbenennung außerordentlich hohe Einnahmen aus der Tourismusbranche. Spahnien wird einen Boom erleben“, sagte Regierungs-GFFS Wieler. Trotz der aktuellen massiven Reisestornierungen deutscher Bürger, konnte die Sehnsucht nach blauem Meer und Palmen am Strand noch nicht vollständig beseitigt werden. Man sei jedoch bereits dabei, die spahnischen Strände an Nord- und Ostsee entsprechend auszubauen.

    Der Gesundheitsführer Spahn sagte in seine Ansprache an das spahnische Volk:
    „Des Bürgers Traum- und Sehnsuchtsort aus früheren Zeiten ist in weite Ferne gerückt. Doch diesen Preis bezahlen wir gerne! Denn unsere Großeltern haben es überstanden, sie leben! Und ihr, – die Bürger unseres Landes – habt sie heldenhaft geschützt und damit gerettet. Was also liegt da näher….Was könnte es da schöneres geben….., als ihnen freudig zu verkünden: Was bitte…. Ihr verantwortungsvollen Bürger…..was wollt ihr in Spanien? Ihr seid doch schon in Spahnien!“

    Unter dem Jubel der Massen wurde daraufhin auf dem Platz-der-heiligen-Corona vor dem ehemaligen Reichstag die Staatsneugründung und damit die „RKI SPAHNIEN“ ausgerufen. Bereits zuvor wurde im Parlament die Ernennung Herrn Drostens zum ständigen Berater des Gesundheitsführers zelebriert.
    Drosten darf sich künftig mit dem Titel „Gesundheitsführerführer“ schmücken. Dieser Titel ist im übrigen auch vererbbar. Zum Sprecher des Gesundheitsführerführers wurde Herr Dr.Wieler einstimmig gewählt. Wieler wird künftig den Titel „Gesundheitsführerführersprecher“ tragen. Im Gegensatz zur Vererbbarkeit des Gesundheitsführerführer-Titels kann der Gesundheitsführerführersprecher-Titel nur durch Osmose oder Diffusion übertragen werden. „Das sei hier eben ganz anders als bei Viren“, teilte Drosten lachend mit. Das überwältigende Abstimmungsergebnis von 100% (2 von 2 Stimmen) im Parlament spricht einfach für die Qualität Wielers, erläuterte Drosten vor der staatseigenen freien Presse.

    Auf einer weiteren Ansprache vor 709 emeritierten Parlamentariern dankte der Gesundheitsführer den Anwesenden In seiner Rede, (welche wir hier vollständig abdrucken wollen) sagte er:
    „Wir benötigen weder Präsident, Kanzlerin noch Bundesverfassungsgericht. Die Opposition hat sich bereits aus dem Staub gemacht, bevor das Volk sie vergessen hatte. Sowohl der Bürger, als auch ich werden ihnen – meine lieben Freunde – das niemals vergessen. Wir werden ihren Rücktritt aus freien Stücken für immer in unserer Erinnerung festhalten. Liebe Opposition, Ich danke ihnen dafür von ganzem Herzen!

    Um künftig Generationen nicht die Last eines immensen Schuldenberges aufzudrücken, haben wir uns daher entschieden und nach spannender Stichwahl folgendes beschlossen. Künftig soll der Bundestag verkleinert werden. Corona hat uns das Offensichtliche vor Augen geführt. Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Dieses Thema wurde bereits von ihnen – meine Damen und Herren – lange diskutiert. Nun haben wir eben genau diese lang ersehnten Reformen kräftig angepackt und umgesetzt. In freien Wahlen habe ich mich per Erlass durch euch zum Gesundheitsführer ernannt. Dafür möchte ich den hier Anwesenden abschließend herzlichst danken.
    Zu meinem künftigen Beraterteam habe ich Herrn Drosten zu meinem Gesundheitsführerführer (GFF) ernannt und der erfolgreich aufstrebende Tierarzt Herr Dr. Wieler wird mein Gesundheitsführerführersprecher (GFFS). Sowohl Drosten, als auch Wieler opferten sich für das Volk der Spahnier durch ihre grandiose Expertise seit Wochen aufopferungsvoll auf. Drosten und Wiele hatten beide seit 720 Stunden nicht mehr geschlafen. Doch die Menschen erhörten ihre Argumente und hielten sich an die lebensrettenden Maßnahmen. Die Ernennung beider war somit nur eine logische und faire Konsequenz. Wir sind Drosten und Wieler zu großem Dank verpflichtet.

    Auf der demokratischen Grundlage unserer Infektionsschutzverfassung konnten beinahe 99% Prozent unsere spahnischen Bürger davon überzeugt werden, ihren Urlaub künftig in der schönen Heimat zu genießen. Unterstützung für die Staatsneugründung, die Parlamentsreformen, sowie den Umbaumaßnahmen an den Stränden unseres lieben Heimatlandes Spahnien erhielten wir ebenso von der obersten Heeresleitung – namentlich von der Frau, die wir liebevoll Panzeruschi nannten!
    Daher gebührt auch der lieben Uschi unser Dank. Aus nachvollziehbaren Gründen können wir sie dafür leider nicht höher loben, was mich sehr bedrückt. Ich wünschte, ich hätte die Macht, ich würde sie höher loben. Ich bedanke mich noch einmal ganz ganz herzlich für ihr Erscheinen und verabschiede mich von ihnen mit einem fröhlichen Hipp-Hipp-Hurra.

    Im Anschluss an die feierliche Zeremonie der Staatsneugründung fand am Rande ebenfalls ein offenes Buffet für ehemalige Pharmalobbyisten statt. Es wurde ihnen für jahrelange Arbeit und Treue gedankt. Nun sind sie aber dank der großartigen Aufklärungsarbeit u.a. durch die Alternativen und politisch Linken leider nicht weiter erforderlich. Der Gesundheitsführer übernimmt diesen Aufgabenbereich zukünftig selber, wie Gesundheitsführerführer Drosten ausdrücklich mitteilte.

    Am Rande der Veranstaltung kam es noch zu kleineren Störungen. Anhänger einer kleinen Gruppe von Verschwörungstheoretikern skandierten und behaupteten, RKI stehe für „Republik von Kindern und Idioten“. Sich mit solch irrealen Phantasien dahergelaufener und durchgeknallten Verschwörer abzugeben ist obsolet, teilte der GFFS Wieler mit. Wieler selber wurde vom Pöbel auch mit Loddar-Rufen verunglimpft.

    Liken

    • Das stimmt so nicht. Ich hatte bislang noch keine Selfiegelegenheit dazu. Aber es kommt das Bild. Versprochen. Heute hab ich Kurzarbeit und daher Zeit.

      Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.